Full text : Dudweiler Zeitung

der Franzose nennen einen Ungeschickten „ünkisch“ üund U
mehreren anderen Sprachen ist „Unbeholfenheit“ gleichbedeu—
tend mit „Gelinktheit“.
Thomas Carlyle schrieb kurz vor seinem Tode: „Welch
merkwürdig berorzugte Rolle doch die rechte Hand bei dei
zanzen Menschheit spielt! Wir haben es da wahrscheinlich
mit der absolut ältesten menschlichen Einrichtung zu tun
Ich bin neudierig, ob es irgend ein Volk gibt, das zwi—
chen den beiden Händen keinen Unterschied macht. .. War
im gerade die Rechte gewählt wurde, ist eine unlösbart
Frage, deren Aufwerfen nicht lohnt, es sei denn, daß man
ie wie ein Rätsel behandle. Wahrscheinlich rührt die Sach
)on Kämpfergewohnheiten her, denn die Linke schützt das
derz und dessen Umgebung am besten und ist zum Schild
ragen am geeigneisten.
Was der „Wesse von Chelsea“ als ein Art unlosva
ren Rätsels betrachtete, haben viele seitherige Forscher fün
ehr ergründenswert gehal!en. Insbesondere der hervorra
zende Gelehrte Sir Daniel Wilson, der denn auch eint
lausible Auftlärung beibringt und zwar in seinem Werkt
iber die Gelinktheit, in weschem er, der selber linkshändig
var, die Ergebnisse theoret scher Untersuchungen mit dener
raktischer Beobachtungen an sich selbst vereinigte.
Bekanntlich gbt es viele Linkshänder — woher rühr
as? Ist der allgemeine Gebrauch der Rechten lediglich
die eingewurzelte, ererbte Folge einer uralten Gewohnhei⸗
»er Menschen? Oder beruht er auf natürlichen, also mehr
»der minder unabänderl'chen Ursachen physischer, konstitu
donesler Art? Um hier Klarheit zu schaffen, muß man
zunächst untersuchen, in welchem Maße die Rechtshändig
eit vorgeherrscht hat und noch vorherrscht, beziehungsweife
b es je eine Zeit gab, in welcher die beiden Hände ein
inder g'leichgeste'st waren oder ob dies überhaupt nie der
FJall war. Der 1883 verstorbene berühmte engl sche Ro—
nancier Charles Reade, der beide Hände gleich geschickt zu
»enuben verstand und mit Recht eisfrig für die Erziehung
der Jugend zur praktischen Zweihändigkeit eintrat, erklärt
ich in se nem Buche „Der künftige Mensch“ für d'e erstere
Annahme (daß früher kein Unterschied gemacht wurde) und
»ehauptete, daß es noch jetzt barbarische Stämme gebe
denen die Bevorzugung einer Hand unbekannt sei. Hier
nach wäre die Bevorzugung als ein Ergebnis künstlicher
päter ererbter Angewöhnung. Auch einer der neuesten
Forscher, Dr. Ernst Weber, erklärt sich entschieder dan,
daß es einst eine Zeit gab, in der die Menschen beide Arme
zleichmäßig gebrauchten. Damals hatten jene, die zufällig
ven rechten Arm als Kampfarm wählten, den Vorteü
dadurch, daß sie sich mit der rechten Hand nach vorn
dräugten, um das Herz zu schützen. „Es girgen also mehr
vink'er als Rechtser zugrunde, bevor sie Nachtommenschasi
zeugten; so konnten die Rechtser ihre Gewohnheit, rechts
zu kümpfen, häufiger vererben und nahmen daher an Zähl
zu, während die Linkser, immer weniger werdend, ihr
nachtelige Gewohnhei⸗ abzulegen suchten, bis die Rechts—
yändigkeit fast allgemein wurde. Zu dieser Theorie be
merkt Dr. Manfred Frän'el, se dehe mit der Tatsache in
Einklang. daß es, wie man aus vorhandenen Steinbildern
ichließen könne, in der Steinzeit viel mehr Linkshäuder ge
zeben habe als jetzt. Er fügt hinzu: „Was beim Kampf
geschah, mag bald auch bei allen anderen Hantierunger
beibehalten worden sein. Praktische Erwägungen veran
aßten, die einmal eingeschlagene Entwicklungsbahn inne,
zuhalten, und so wurde die Rechtshändigkeit, durch Ver—
erbung forigepflanzt, derch Gewohnheit und Erziehung ge⸗—
kteigert, zu einem fsesten Mer!?mal der Menschen“
Aber diese Hypothese ist nicht lückenlos und daher n'cht
lanz besriedigend.

— — —
BVon der Lustschiffahrt.
*NLQuftschiff „Deutschland“. Am Sonntag
morgen wurde mit der Wiedereinsetzung und Füllung der
zwecks besserer Vornahme der Reparaturarbeiten am Me
tallgestänge des Lustschiffes herausgenommenen Ballonet—
begonnen, eine Arbeit, die mittags beendet war, worau
das Vernähen der Hülle folgte. Damit waren die Repa
raturen durchgeführt und es war beabsichtigt, Montag
nachmittag, mit den Aufstiegen zu beginnen. Leider isli
aber wieager ein Hindernis eingetreten, das den Beginn
der Fahrten um einige Tage hinausschiebt. Der Ersatz
propeller nämlich, der von Friedrichshasen nach Düsseldor
gesandt wurde, ist in stark beschädiztem Zustaunde einge
troffen, so daß er nicht ohne weileres verwendet werder
kann. Die Eisenbahnverwaltung hat der Vuftschiffle tun—
die Meldung von der Beschädigung des Propellers wäh
rend des Transportes zugehen lassen. Unter diesen Um
ständen bleibt leider nichts anderes übrig, als den Beginr
der Luftfahrten nochmals um einige Tage hinauszuschie
ben. Kommenden Mittwoch hofft die Fahrtleitung der
ersten Aufstieg vornehmen zu können. — Die Düsseldor
fer Lustschisfhalle wurde am Sonntag von 3600 Personen
besucht, ein Beweis, welch großes Interesse nach wie vor
dem Zeppelin⸗Lufischiff entgegengebracht wird.
Kunst und Wissenschaft.
Gustav Mahler schwer erkrankt. Nach einem aus
Rew HNort an die Wiener Angehörigen Gustav Mahlers
ð*ꝛben gelangten Telegramm hat sich das Befinden des seu
iniger Zeit erkrankten Künstlers beauerlicher Weise be—
dentend verschlimmert. Wir bringen daber das Bild de—
—
Ner in emer halb offiziellen age. Es ij. meine Ppα
estzustellen, wie dieser Mann getötet worden ist. Dennod
reden Sie, während Sie weine Fragen zu beantworten ver
weigern, und mein Recht dazu anzweifeln, allerhand übe
Philipp Lawrence, und zeigen mit einer Art von Triumpl!
einien Kragen vor mit seinem Namen, den Sie, wie Sie sagen
auf dem Boden gefunden hätten. In warne Sie noch einmal.
daß Sie sich einer großen Ungerechtigkeit schuldig machen
wenn Sie Philipp Lawrence Namen hier hinein ziehen, und
daß die Folgen auf Ihr eigenes Haupt zurückfallen werden.“
„Nun hören Sie mich mal an, Hume. Erstens versteh;
ich nicht, warum Sie eine so scharfe Sprache gegen mich
führen. Und jedenfalls übertreiben Sie die Wichtigkeit Ihrer
Stellung. Sie sind zufällig der erste Arzt, an den ich dachte,
das ist' alles. Sie sollen eine ärztliche Untersuchung machen,
und in der Hinsicht habe ich Sie noch nichts besonderes an
stellen sehen. Zu tun, als ob Sie hier in irgend einer
uristischen Eigenschaft wären, ist einfach Torheit. Das genügt
Mancher würde die Fragen, die Sie mir gestellt haben, als
absichtliche Impertinenz auffassen. Ich kenne Sie genug, um
pu wissen, daß nur Ihre unglücktiche Art und Weise schuld
aran ist, und daß Sie keine böse Absicht dabei hatten.
Lassen Sie mich noch dies hinzufügen. Ich weiß gar
nichts uͤber Herrn Philipp Lawreuce; ich habe ihn nie in
Leben gesehen. Aber da man ihn ganz früh heut Morger
in auffallender Weise und mit allen Zeichen der Hast das
Gebäude hat verlassen sehen, und da sein Bruder hier nun tot
aufgefunden worden ist, so glaube ich, daß er trotz Ihrer
glühenden Verteidigung zur Verantwortung gezogen werden
wird.“
Warum Hume sich nun so benahm, wie er es tat, ist
mir gänzlich unverständlich. Er trat dicht an mich heran, sah
mir fest ins Gesicht, auf eine entschiedene unsreundliche Art
und sagte:
„Sann sage ich, Sie lügen.“
Er sagte es ganz ruhig — er pflegt nie laut zu sprechen
— aber mit besonderem Nachdruck. Während ich noch über—
egte, ob ich ihm eine Ohrfeige geben sollte oder nicht, kam
drins herein. Ihm auf den Ferfen folate ein Polizei-Diener.
Es icu hochfte Deu

Kapitel 5.
Ein seltsamer Fall.
Ich war gerein han di
—EB in mein Zimmer zurückgekehrt, als Frau
Die wWorg Dame etzt auf, Herr Ferguson, und möchte
Sie gce se —538 irahnen jetzt paßte.“
lus ihre 8
Ton und Wesen entnahm ich

esnekten Könstsers, der gegenweneg inm ätWLexrenstahrs
teht; cr wurte am 7. Zuli 1869 in dalischl GGöhmen)
eboren. Mahler ist bekanntlich zuf musialischem Gebiete

GUuSFAV—
ttahezu Autodidakt, er verdankt seine Ausbildung seinem
zroßen Streben und seiner Begabung. Seine Wirksamkell
egann am Hostheater in Cassel; später war er in leitenden
Ztellen in Prag, Leipzig und Budapest und zuletzt als
dachfolger Jahns als Hofsoperndireltor in Wien tätg
Anstreitig ist Mahler einer der bedeutendsten Dirigenten
ind Komponisien unserer Zeit.
Der Bismarck am Rhein. Unter der Ueberschrift.
Der Bismarck am Rhein“ beschäftigt sich der bekannte
dunstäthetiker Fritz Stahl im Berliner Tageblatt“ mit dem
Zismarck-⸗Denkmal bei Bingen. Er schreibt: „Die Elisen
höhe bei Bingen — das hat der Ausfall der Konkurrenz
rgeben — ist sicher keine besonders günstige Stelle, sonß
hätte sie doch einem der bedeutenden Künstler, die Ent
vürfe gesandt haben, eine besondere Lösung eingeben müs
en. Man kanu aber noch werter gehen und sagen, jedes
großartige Monument, das hier errichtet wird, muß das
stationa'denkmal auf dem Niederwald totschlagen.“
Eine epochemachende Erfindung. Ein Mangel
der den Nöntgenstrahen von jeher anhaftete, scheint nun
nehr durch rastiosen Forschergeist überwunden zu sein. Di
stöntgenstrahlen durchleuchten bekanntlich die Weichteile des
Körpers, lassen auf reproduzierten Bildern die Knochen
zunkel hervortreten, dagegen aber die für ärztliche Unter—
suchungen nicht minder wichtigen Gewebe, Sehnen und
Adern undeutlich erscheinen. Ein neuentdecktes Licht, eine
Erfinbung des französischen Ingenieurs Dussand, beseitig—
nun diesen Uebelstand der Röntgenstrahlen. Das neuent
deckte Licht, von seinem Entdecker bereits der Pariser Aka

———————
Andeckte ein gos dxXStrahlen 7
emie der Wissenschaften vorgeführt, ist von dieser glän
end begutachtet worden. Ueber die Art des neuen vLich
es hat der Entdecker noch nichts verlauten lassen, doch
timmt man in Gelehrtenkreisen an, daß es sich um „Nern
icht“, dent Licht des neuentdeckten Gases „Neon“ handelt
Ingenieur Dussand, der in noch verhältnismäßig junger
Fahren sieht, hat mit seiner Entdeckung der Wissenschaf
in weiteres wichtiges Mittel, welches speziell der ärzt
ichen Diagnostik unentbehrich werden wird, in die Hand
gegeben.

Landwirtschaftliches.
Saatenstand im Deutschen Reich. Nach der Zu
ammenstellung des kaierlich statistischen Amtes betrug ve
zaatensfltand im Deutschen Reich Mitte April, wenn 1 sehr
zut, 2 gut und 3 miittel bedeutet, für Winterweizen 2,7
Winterspelz 2,9, Winterroggen 2,8, Klee 3,0, Luzerne 2,9
Remtserunaswiesen 2,6 und andere Wiesen 2,9. In de—

»aß Gie noch nichts von dem Vorfall auf Nr. 64 geyort
hatte. Atkins hatte erklärt, daß es ihm Mühe gebostet hatte,
tinen Konstabler zu finden und augenscheinlich hatte er unter—
wegs niemanden von seinem Auftrag erzählt. Noch war die
Zunde von Edwin Lawrences Tode nicht bekannt geworden.
Ich war nicht geneigt, Frau Peddar zuerst davon zu erzählen
„Wie geht es der jungen Dame?“ fragte ich.
Gut, Herr, körperlich, wenn ich mich so ausdrücken darf
cheint sie ganz wohl wieder zu sein, sie hat jedenfalls ganz fest
eschlafen und sieht hübscher denn je aus; aber daß mit
hrem Verstand irgend etwas nicht in Ordnung ist, davon
in ich überzeugt.“
„Haben Sie ihren Namen oder sonst irgend etwas über
ie erfahren?“ 1
„Nein, Herr, nicht eine Silbe. Ich habe ihre Wäsche
wlerot. vs sie sechlief, die ist E. Me gezeichnet.“
F. 2
Jawohl „E. Mi. Und in ihrer Tasche steckte ein
gortemonnaie mit achtzehn Mark; aber weiter nichts, kein
darte oder sonft 'was Ich hab' schon gedacht, ob es nich
anz gut waͤre, wenn Dre, Hume sie mal sähe. Er ist sold
luger Herr, und sindet vielleicht heraus, was mit ihr los ist
enn wie ich schon sagte, irqend etwas ist bei ihr nicht ir
Irdnung.“
Ich wandte mich ab, damit sie nicht sehen sollte, wi
ehr iht Hinweis auf Hume mich aufregte. Die Idee, daß
ieser Mensch vielleicht Gelegenheit erhielte, seine Künste, die
r Experiment im Dienste der Wissenschaft — nannte, ar
diesem hissosen jungen Mädchen zu versuchen, brachte meir
Blut schon zum Kochen.
„Ich venke, wir belästigen Dr. Hume vorläufig lieber
noch nicht damit, Frau Peddar.“
„Nuͤn gut, Herr. Ich halte selbst im allgemeinen nicht
oiel von Doktoren; meistens denken sie an ihre denun
ind nicht an die Kur; aber es scheint ein so merkwürdiger Fa
mit der jungen Dame, und Tr. Hume gilt als so gelehrt,
daß ich es doch wenigstens erwähnen wollte.“
Das iist sehr freundlich von Ihnen Frau Peddar. Ich
ann Ihnen garnicht sagen, wie dankbar ich Ihnen für Ihr
ebenswürdiges Entgegenkommen in dieser Sache bin; aber ich
enne ja Ihr gutes Hern Wollen Sie der jungen Dame
igen, ich würde zu ihr kommen, sobald ich meine Toilette
eendet hätte.“
Als ich Frau Peddars Zimmer betrat, stand das jungt
Nädchen am Fenster. Als sie sich umwandte um mich zu
egrüßen, war ich geradezu starr über ihre Lieblichkeit. Ein
uͤsames Gefuͤhl des Jubels erfüllte mich bei, ihrem Anblic

Bemerkungen zum Saaienstand heißt es: Die Witterun—
des Winters 1910 51911 war im allgemeinen recht mind
Der Frühling setzte zelttig ein. Umso ungünsiig ere wirü
der in den ersten Tagen des April plötzlich ein retende We
erssurz. Eine unangeneyme Folge des milden Winterwe—
iers bildeten die ungemein zahlreich auftretenden Felt
mäuse. Umpflügungen dürsten infoige des Mäusesräßes
ind der scharsen Aprilfröste in ziemlich erheblichem Um
ange nötig werden. Die Nachrichten über den Stand de
Wintersaaten lauten im Großen und Ganzen nicht beson
ders günstig. Auch Futterlräuter wie Klee und Luzern
finden bis jetzt im algemeinen nur mittelmäßige Beur—
eilung. Sie sind infolge der Aprilkälte in der Entwick
ung weit zur ickgeblieben oder auch abgesroren oder auch
tart von Mausen zerfressen. Es müssen daher, besonders
beim Klee, vele Felder umgepflügt werden. Auf den
Wie'en ist der Graswuchs noch ganz gering; sie stehen zum
Teil noch unter Wasser.
Internationaler Saatenstand. Nach den bei dem
nternationalen landwirtschaftlichen Inftitut in Rom einge
ausenen Berichten war der Saatenstand am 1. April un—
ier Zugrundeleguing des zehnjährigen Durchschnittsertrages
von Winterweizen: in Belgien 105 Prozent, in
Dänemark 104, Spanien 105 bis 110, Luremburg 100
Niederla: den 108, Schweden 100 bis 110, Schweiz 95
Japan 100F von Winterroggen: Belgien 110, Dä—
nemark 108, Spanien 103, Luxemburg 100, Niederland«
118, Schweden 95 bis 100, Schweiz 94. In Frandreic
wird der Stand von Weizen, Gerste und Hafer als gut
der von Roggen als mistel bezeichnet. In England har
die Vegetation bisher nur geringe Fortschritte gemacht;
in Ungarn war der Stand im allgemeinen befriedigend
in Italien und Rumänien gut. Die Aussaat von Som
mergetreide ist in Europa fast überall beendet, wenn auch
die Arbeten infolge des ungünstigen Wetters Ende Mär
eine Unterbrechung erahren mußten. Der Aufgang der
Saaten vollzieht sich überall regelmäßig. Die Weizenernt«
Australiens wird vom Instiut auf 28 219 000 Dz. gegen
über 26 408 700 im Vormonat geschätzt; im vorigein Jah
eraab die Ernte 2 997 340 Dovppelzentner.
Aus aller Lelt.
Ein nenes Kriegsschiff. Das neueste deutsche Li—
nienschiff „Thüringen“ hat nun seine erste Vorprobefahr
uuternommen, welche mit Erfolg und zur größten Zu
friedenheit beendet wurde.
Zum Fall Wölfer. Der Defraudant des Frauen
vereins vom „Roten Kreuz“ in Berlin, Hugo Wilfer, lei
det a. einer schweren Gehirnerkrankung, sodaß er in einem
geschlossenen Abteil der Kranlenanstalt untergebracht wer—
den mußte. Wolfer war ein großer Trinker und gab sich
sehr dem Alkoho'geuz hin. Er veranstaltete auch größere
Seklgelage.
Näuüberischer Ueberfall. In Urbanowitz be
Pleß drangen neun maskierte Banditen mit erhobenen
Revolvern in das Tichauersche Gasthaus ein, riesen der
Anwe'enden zu: Hände hoch! und raubten ihnen 900 M.
und fämtliche Schmucksachen. Die Räuber entkamen un
ertannt.
Verbrechen. Nach einer Mitte lung des „Leipziger
Tageblatts“ soll man in Schreibersssgrün (Gogdtland
mit Hilfe eines Po izeihundes einer Buuttat auf die Spir
gekommen sein Bei einem Tanzvergnügen war es vor
inigen Wochen zu einem Streit gekommen, in dessen Ver
auf der Fleischergeselle Franz Pieschel verprügelt wurde
Am nächften Tage war er verschwunden und alle Nach
forschungen blieben vergeblich. Am Tage nach Ostern ent
deckte nun ein Spaziergänger, der einen Polizeihund mi
sich führte, durch diesen auf die Spur gebracht, die Leic
des Vermißten in einem Gebüsch. Der Tote wies schwer
Verletzungen auf.
Ueberfahren. Sonntag nachmittag wurde in de'
Nähe des Bahnhofs Gräfenhainißen von einem D-Zug
uf dem Niveauübergange der Chaussee Gräfenhainichen
Bitlerseld das dem Landwirt Müller aus Gröbern gehö
ige, mit einem Pferde bespannte Fuhrwerk überfahren
die Insassen, Vater und Sohn wurden getötet, der Wa—
zen zertrümmert, das Pferd blieb unverleßt. Untecsuchunc
st eingeleitet.
Die Skandal-Affären. Aus Paris wird berich
tet: Maimon ertlärte vor dem Un ersuchungsrichter, das
alle Tokumente, die bei ihm gesunden worden seien, ihn
von Rouet geliesert worden und für eine englische Ze
tung, deren Korrespondent er gewesen sei, bestimmt wa
ren Er verwahre sich dagegen, Spionage getrieben zu
hoben. Rouet gibt in einem Schreiben an den Unter.
uchungsrichter zu, daß er allein Maimon informiert habe
sügt hinzu, daß unter den mitgeteilten Schriftstücken auch
Auͤ zeichnungen über das Potsdamer Abkommen gewesen
seien, und zwar über die Frage der Eisenbahnen in Klein—
asien. Rouet erklärt schließlich, er habe wohl eine tadelns—
werte Handlung, aber kein Verbrechen begangen, da die
iibermittelten Dokumente die Sicherheit Frankreichs in kei
ner Weise gefährdeten. — In seinem Verhör gestand de
ehemalige Rechnungsdirektor im Ministerium des Aeuße
ren Hamon, er habe 200 000 Franken vergeudet, die aus
einem Geschent herrührten, das ein Privatmann für eir
Konsulat im Or'ent überwiesen habe. Eine weitere Unter
chlagung habe er nicht begangen und habe sich auch sonj
nichts vorzuwerien

chon in der vergangenen Nacht als vesonders charakteristisch
ür sie aufgefallen war. Sie streckte mir beide Hände ent—
gegen
Da wären Sie also endlich. Ich dachte schon, Sit
vürden nie kommen.“
Ich wurde aufgehalten, sonst wäre ich schon eher hier
ewefen. Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen, und daß Frau
— Bett so bequem war, wie sie behauptete.“
„Geschlafen! Ich scheine all meine Sorgen fortgeschlafen zu
zaben. Wissen Sie, ich glaube mir muß gestern irgend was
zugestoßen sein.“
„Was denken Sie denn, das es gewesen ist?“
Das ists gerade — ich kann, nicht denken. Mich
wundert, was mit meinem Kopfe los ist.“
„Vielleicht hatten Sie eine Art von Schreck? Versucher
Sie mal sich darauf zu besinnen.“
Sie schüttelte den Kopf.
Ich kann mich auf nichts besinnen. Und doch — ich
weiß nicht. In meinem Kopf ist etwas wie ausgelöscht. Das
zibt mir ein o dummes Gefühl.“
„Können Sie sich nicht Ihres Namens erinnern?“
Nein. Ich glaube, ich habe gar keinen Namen. Und
doch dermute ich, müßte ich einen Namen haben, jeder hat
einen Namen; hat nicht jeder einen Namen?“
Sie tat diese Frage leise zögernd, als ob sie einen zweifel⸗
haften Punkt erforschte.
„Das wollte ich meinen, in der Regel. Es ist für eine
junge Tame eine Zziemlich ungemütliche Situation, ihren
eigenen Namen nicht zu wissen, noch ihre Wohnung ode
ihre Freunde.“
Finden Sie? Komme ich, Ihnen töricht vor? Sie sal
mich sorschend an, wie ein verschuͤchtertes Kind. „Mir scheint
ich erinnere mich an rufende Menschen; sie rufen mir zu
Und sie klatschen in die Hände — ich kann sie klatschen sehen
dann passierte irgend was.“
„Wo waren all die Leute — und warum riefen sit
Ihnen zu?“
„Ich weiß es nicht. Ich glaube, es ist irgendwo in
neinem Kopf, wenn ich es nur sinden könnte; aber ich weiß
uicht, wo es da ist.“
„Können Sie sich nicht darauf besinnen, was Ihnen zu⸗
jestoßen ist und wo Sie waren, ehe Sie in mein Zimmer
amen?“
Ich weiß noch, daß ich durch Ihr Fenster eintrat, ick
rinnere mich dessen noch ganz gut.“ Eine leise Röte sties
ihre Waugen. „Aber das ist auch alles. Damit schein
lles begonnen zu haben; und nichts scheint vorher passier

8 — n
4. Die Plauderecke.

X

Sitzen geblieben.
Von ⸗einem Lehrer wird geschrieben: Alljah
sich die Lehrer-Kollegien gendägt, oz der çeüb
einige Schüler sitzen zu lassen. So bedauerlich
sache für die betreffenden Schüler und deren Elt
ersten Blick auch sein mag, so wenig richtig ist
Nichtversetzung unter allen Umständen ein Unç
gar ein Verschulden der Schule zu erblicken. —
ind sich wohl bewußt, daß jede Nichtverseßung
Schüler den Verlust eines Lebensjahres, für die
Aufbringen weiterer Opfer bedeutet; halten sie
Wiederholung des Jahreskursus für notwendig,
dies in wohlwoslender Absicht. Dies sollten
mehr bedenten, und auch die Familien Ehre mel
Spiele lassen, dann würden sie ruhiger über eir
setzung denken, sich manche unangenehme Stunde
Kindern manche übereilte und deshalb vielleicht
Strafe ersparen. Nur wo bei einem begabten
und geistig gut entwickelten Kinde Unfleiß und
Schuld tragen an der Nichtversetzung, da sind Â
Strafe angebracht; in vielen Fällen, wohl den
entweder mangelnde Begabung oder körperliche
vor allem Blutarmut, Grund der geringen
Jedenfalls ist es eine Pflicht der Elterr, womt
Hinzuziehung eines Arztes eingehend zu erwäg
dir Unfähigtest ihres Kindes verursacht ist, o
genommenhcit gegen ihre Lehrer und ohne Ue
ihrer Kinder. Wenn ein Kind so schwach bega
ihm das Lernen schwer fällt, da heißt es Ged
tützen, soviel angäüngig ist; es wäre Unrecht,
Eltern ein solch' geängstigtes, oft eisern fleiß
noch mehr durch Tadel niederdrücken. In die
sollten die Eltern den falschen Ehrgeiz fahren
möglich das Kind zu diesem oder jenem schwer«
durchzubringen, vielleicht zeigt das Kind Befä
rinem praktischen Berufe, da leite man es doch
zin es seine Begabung weist. Liegt die geringe
fähigkeit des Kindes in der körperlichen Schwö
det, so soll jedes Elternpaar Sorge tragen,
Körper auszuhelfen, und das Sitzenbleiben ni—
begrüßen, denn oft ist durch die geringere Anstr
das Kind nun für das folgende Schuljahr«
hat, Körper und Geist desselben gekräftigt wor
es statt bisher zu den schlechten, von nun an
seren Schülern zählen kann. Ein Sitzenbleiben
Umständen Segen für das Kind bedeuten, das
eines der Schwächsten der Klasse mühselig
wurde, nun aber durch größere Verstandesreife
körperliche Entwickelungen der Anforderungen
besser gewachsen ist. Es atmet dann auf, wem
Arbeiten liefern kann, die ihm auch ein Lob
einbringen, während es früher nur Tadel kanr
Eine weitere Abhandlung zu diesem Ther
wir ebenfalls nicht unoeröffentlicht lassen.
Seitdem es feststeht, daß Hänschen in die
hen soll, wird der kleine Schlingel von der gan
noch mehr verzärtelt, als dies bis jetzt schon
war. Jeder Wunsch wird ihm erfüllt, jede U
darf er sich erlauben, denn alles wird mit de
entschuldigt, die goldene Zeit der Freiheit bö

hald für ihn auf, er muß nun bald in d
fehlerhaft eine solche Erziehung und derartr
sind, überlegen leider viele Eltern gar nicht. “
nicht, wie sie damit sich, ihrem Kinde und der
den. Statt daß man die Kinder schon vor d
an Gehorsam, Ordnung und Pünkslichkeil gew
sie die notwendige Schulzucht weniger schwer
berhätschelt man sie noch. Ja, es sind leider p
welche ihre Kinder in zweckmäßiger Weise au
zeit vorzubereiten suchen. Und doch kann m
ternhaus viel Gutes stiften. Worin soll nun
reitung bestehen? Zweierlei foll ein Kind
Schule bringen: eine Reihe sittlicher Eigenscha
geringes Maß von Können und Wissen. Hier
auch die Vorbereitung des Kindes zu beziehen
sollen von Haus aus eine Reihe sittlicher Eige
erzogen sein, die es zunächst an sich selbst
Fleiß, Reinlichkeit und Ordnungsliebe sind
die wir hier hier zunächst im Auge haben
Haus schon vor dem ersten Schulgange dem
wöhnen muß. Ferner hat das Kind eine Reike
schaften gegenüber dem Lehrer zu zeigen. ẽ
horsam, höflich, dankbar, gefällig, dienstfertig,
sein. Wie ost bietet sich gerade zur Betätigur
sinnungen im Hause Gelegenheit! Auch gege
schüler hat das Kind mit dem Eintritt in die
Reihe von Pflichten zu erfüllen, woran das H
zeitig gewöhnen muß. Wir denken dabei au
fälligkeit, Sitssamkeit und Teilnahme. Einen
nen Kinde wird der Eintritt in die Schule
Wohlgefallen beteiten, denn die so notwendig
schon von Hause aus geübt worden und info
Kinde nichts neues. Bezüglich des zu forder:
von Können und Wissen kann sich dasselbe
nahme der Sprache — nur in den bescheiden
bewegen. Je richtiger ein Kind spricht, jend
vor allen Dingen die einzelnen Laute hör
leichter lernt es lesen, desto leichter lernt es
gehörten Wörter in ihre einzelnen Laute zerle
tig zu schreiben. Man gewöhne darum das.
als möglich an richtiges Aussprechen der W
—E
das Kind nicht nur eine größere Nötigung
Richügsprechen, es gewöhnt sich dadurch auch
ständiges, klares Denken. Eine gute Anregung
nen ist auch der Umgang und das Spiei
Kindern. Hierdurch wird das Interesse des
wedt, das immer wieder erneut angeregt mwer
her Spaziergang und jedes gute Bild, jede
hen und fröhliche Kinderlied bietet dazu Anl
zei den Eltern der gute Wille immer da in,
zen des Kindes einzugehen. Ueberall bietet
ache Gelegenheit, das Kind zum Anschauen
achten anzuregen. Hierbei übt es sich im Ge
Sinne und gewinnt eine Menge klarer wertp—
angen, welche ihm später die Teilnahme am
sentlich erleichtern. Bei diesen Uebungen ve
jedoch allen Zwang. Man nehme sie nur ae
Der Segen solcher Uebungen und Vorbere
nicht ausbleiben: Das Kind kommt fähiger
macht infolgedessen bessere Fortschritte und
erwähnt bleihe, es gewinnt Schule und
            
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