Full text : Dudweiler Zeitung

Bedenken wegen der Fayrt nach Frantgurt vorhañven seren.
So rüstete man zur Abfahrt, die um 10 Uhr 55 Minuten
angetreten wurde. Anfangs herrschte schönes Wetter. Dic
Fayrt bis Heidelberg, 858 Kilometer, wurde in genau eine!
Stunde zurückgelegt. In Heidelberg herrschte großer Ju
bel, der „von oben“ mit gefüllten Gläsern erwidert wurde
Dbendrein wurde die Musenstadt von den Kabinen-Insaf—
sen mit Sekt getauft. Als man Heidelberg hinter sich
hatte, wurde das Weiter etwas unfreundlicher, das Luft—
schiff hatte mit Gegen- und Seitenwind zu kämpfen und
die Fahrt ging langsamer voran. Trotzdem wurde die
Besamtstrecke von Baden-Baden nach Frankfurt etwas
schneller durchflogen, als sie der schnellste Schnellzug darch
»raust. Alles funklionierte ausgezeichnet und die Landung
in Frankfurt ging git vonstatten. Als die Weiterfahrt nach
Düffeldorf angelreten werden sollte, kamen von dort keine
zu e Wetternachrichten. Die Aachener Station widerrieit
einer Fahrt durchs Rheintal. Mit Rücksicht auf das nicht
iachgefüllte Luftschiff, dem infolge der starken Besetzungç
mit Kabinen Passagieren nicht viel Ballast verblieb, be
schloß Dr. Eckener schon vor der Abfahrt, für den Fall—
daß am Rhbein schlechtes Welter angetroffen werden sollte
uur eine kurze Fahrt „Rund um Frankfurt“ zu machen
An die Haltemannschaften und die Polizei wurden In
truftionen er eilt. Kurz vor Wiesbaden sah man, daf
westwärts schweres Gewölk mit Regenwet!ter drohte. Se
schwenkte das Schiff nach Norden an den Taunusränderr
entlaug bis Homburg und kehrte dann über Friedberg,
Vilbel und Offenbach nach Frankfurt zurück, wo eine rech
un anfte Landung ersolgte. Die ungeschulten Mannschafter
hängten sich an die Taue und zogen das Luftschiff so
schnell herab. daß es sich zur Seite legte. Eine Anzahs
Soldaten geriet unter die Gondel und wurde etwas ge—⸗
drückt, aber niemand ward verletzt. Glücklicherweise halten
die Aluminiumrippen einen tüchtigen Stoß aus, sodaß das
Luftschiff heil blieb. Ein zweiter Grund für die Rückkehr
ua Frankfurt war, daß ein Motor nicht ganz zuverlässig
arbeitete

Morgengrauen ging man von Drohungen zur Tat über.
500 Winzer grissfen das Wohnhaus eines Weinhänd!ers
an, warfen Fenster und Türen ein und zerirümmerken
sämtliche Wernfässer im Keller, sodaß alle Weinvorräte
auslelen.
Vetrügerin. Die 34jährige Baronin von Speny, ge—
borene von Freystidier, die seit mehreren Monaten in Li—
iem Pariser Hotel wohnt und ein luxuriöses Leben führte,
vurde wegen Vergehen gegen die Sirt ichkeit verhaftet und
rotz ihres Protestes nicht wieder auf freien Fuß gesebt.
Die Baronin erhielt des öfteren Geldsendungen aus Un—
garn, wo sie große Liegenschasten besitzen will.
Altertumsfunde. In dem Dorse Garitza unweil
ber Stadt Corsu, an der Stelle, wo einst der Park des
alten griechischen Kerkyra gelegen war, wurden die Resie
eines Tempels aus dem Aufange des 6. Jahrhunderts vor
Shristus zu Tage gefördert. Die sehr gut erhaltenen Slulp
turen stellen Kämpfe der Götter gegen die Giganten dar.
Die Funde erhasten ihre besondere Bedeutung dadurch, daß
ie einer Zeit angehsren, aus der die ältesten der aufge—
undenen griechischen Steintempel stammen.
Rätselhafte Erscheinung. Aus Messina wird be
richtet: Menteg Abend gegen 7 Uhr erstrahlte der Himmen
plötzlich in einem intensiven Licht. Etwas Mi
nuten später hörte man vier sehr hestige Explhosio—
nen, die sich wie Schüsse aus schweren Geschützen anhör—
len. Man befürchtete zuerst, daß ein Pulvermagazin oder
ein Küstenfort in die Luft geflogen sei, doch trasen bald
elegraphische Nachrichten ein, daß die Erscheinung auch in
Latania, Areale, Palermo und Reggio de Calabria wahr—
jenommen worden sei. Die Bevöllkerung, die zuerst sehr
zufgeregt war, hat sich wieder beruhigt. Das Phaͤnomen
st nicht tellurischen Ursprungs; man glaubt, daß es sich
um eine Feuerkuqel ôder eine andere meteorische Er—
sche nung handelt

Angelegenheiten des Orients, wahrscheinlich die Anlage
von Eisenbahnlinien in Kleinasien betreffen. Wahrscheinlid
wird am Quai d'Orsay Wert darauf gelegt, die Angele
genheit, die mit ihren politischen Konsequenzen stark über
rieben wurden, erst völlig aufzuklären, bevor weitere An
gaben gemacht werden. Unsere Bilder zeigen die in di
Affäre verwiclelten Personen, denen nach landläufigen Be
zriffen wegen ihrer landesverrät schen Umtriebe eine seh
schwere Strase siche

meyl, aufzuhelfen. Es ist auch schon viel daruüß
und her argumentiert worden. Schließlich wurde
me sten das Steinmehl verworfen, und die unleu
Wirlung von Steinbrocken darauf zurückgefährt,
nicht eigent ich als Dünger, sondern als eine Al
rung des Erdreichs dienten. Jetzt aber kommt,
„Na ional⸗-Zei ung“ mitteil‘, vom Landwirn wafte
Verenigten Staaten von Amerika ene höchst b
were Nachricht. Ausgedehnte Versuche haben d—
ben, daß pulverisserter Granit mancher Arten, ha
Pottasche entbält wie die künstlichen Düngemittel,!
nerika in großen Quantitäten von Deutschland
17) mit 100 Dollars per Tonne bezahlt. Da
Ort und Stel'e eine Tonne Granit zu mahlen r
drei Dol sars kostet, so bedent te ein solcher Ersatz
trächtliche Ersparnis, und zwar auch bei Berück
des kleineren Quantums yon Pottasche.

11

II OO
Gerichtszeitung.
Museumsdiebe. Wegen des Diebstahls im Berline
dunstgewerbe-Museum wurde der Kaufmann V. Bött
her zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. 4 Monat
vurden als die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Der
Angellagten Link sprach das Gericht frei. Gegen den An
geklagten Kuhn lautet das Urteil auf 4 Monate Gefäng
nis. welche als verbüßt betrachtet werden. Einige An
klagepunkte gegen Kuhn wurden vertagt.
Ein Anarchistenprozeßz beschäft'gie die 7. Strafkam
ner des Berliner Landgerichts 1. Wegen Vergehens ge
jen den 8 110 Str.G.«B. GAufforderung zum Uüngehor
am gegen die Gesetze) hatte sich der Redakleur der anar
histischen Wochenschrist „Der fretie Arbeiter“, Joh. Ray
u verantworten. In der Nummer 3 des „Fresen Arbei
ers“ erschien ein Artikel, der sich mit den Moabter Kra
wallen befazte und schwere Ausfälle gegen die Polize
nrg elt. In dem Artikel wurde auch fuͤr den freien So
zialismus und die „direkte Aktion“ Propaganda gemach
und zwar in einer Weise, die eine Aufforderung zum Un
zehorsam gegen die Gesetze darstellte. Der Staatsan
valt beantragte nur eine Geldstrafe von 500 Mark, das
Gericht ging jedoch mit Rücksicht auf den stark aufreizen
den und verheteenden und deshalb gemeingefährlichen In
halt des inkriminierten Artikels weit über diesen Antrag
hinaus und erkannte aufvierMonateGefängnis
——ZZZ
Von der Luftschiffahrt.
*z,Siemens-Schucker““. Das Lufsschiff „Siemens
Schuckert“ kreuzte zum ersten Male über den innern Stadt⸗
ceilen von Berlin. Gleichzeitig machte das Militärluftschiff
„M. 4“ mehrere Kreuzsahrten über der Stadt.
*Runudflug. Der Veren für Motorluftschiffahrt in
Kisel beschloß, auf den vom 24. bis 26. Juli geplanten
Rundflug Kie-Hamburg-Berlin zugunsten des allgemeinen
Rundssuges zu verzichten, welcher ebenialls auf Kiel und
dambura ausgedehnt werden wird.
W ZWWEIWXäBW
KHunst und Wissenschaft.
Ein Musikpädagogen⸗-Kongrefßz. Unter zahlreicher
Beteiligung von Musiklehrern und -lehrerinnen, ausüben
den Künsilern, Konservatoriumsinhabern und anderen in—
teressierten Persönlichkeiten begannen Montag Vormittag
in Berlin im Plenarsitzungssaal des Reichstagsgebäude⸗
die Verhandlungen des 5. musilpädagogischen Kongresses
Redakteur Schaub referierte über die soziale Lage der
deutschen Musiklehrenden. Eine riesige Ueberproduktion sei
an deren schlecher Lage schuld, dazu ein Unterangebot vor
Honoraren und eine ungeheure Schmutz— und Schwinde!
konkurrenz. Der Vortragende kennzeichnete an Hand zahl
reicher Beispiele dieses Treiben, namentlich poweit es Ber
lin betrifft, und verlangte dringend den Befäh'gungsnach
weis für die Eröffnung des Konservatoriums, sowie ein
scharfes Vornehen wegen unlautseren Wettbewerbs und Be
iruzges g gen die Schwindelinstitute. Die Lustbarkeitssteuen
verustei te der Rednert scharf. Fräulein von Zanten sprach
darauf über den Einfluß des modernen Lebens auf die
Gesangekunst. Es fehle heute die Stil'e der alten Zeit
d'e durch die Sensation ersetzt worden sei und die win
erst wiederfinden müßten, wenn es besser werden solle
Der Kongreß behandeste dann u. a noch die Frage de—
Tonan'aßes, über den Oberstabsarzt Dr. Bar h referierte
die alte und die moderne Klav'ertechnik und die Reform—
bestrebungen im grund'egenden Unserricht, über die Musik
d'reltor Zuschneid-Mannheim sprach. Auch über die Pri—
vatbeamsfenversicherung und ire Bedeut ng
für den Musispädagogenstand unterhiet man sich.
Monatskarten in Schnellzügen. Im Bereich der
preußisch⸗he sischen Staatseisenbahnen dürsen jetzt Schnel—
wazzuschlagekar en auch dann bis zur Zieista ien verab—
folgt werden, wenn die Neisenden Monats'arien besitzen
die an die gewünschie Fabrkarte anschiiesen, oder wenr
sie die Reise mi Monats!arten beginnen und für die
Reststrecke unterweas nene Karten lösen wollen Die Neme
rung gitt als erne vorñufige., dirtte aker ohne Zwe'fe'
be bebalsen we den.
Vermisuates.
Steinnrehl als Düugemittel. Wiederhelt sind Ver—
uche gemacht worden der Bodenfruchtbarlett durch Bei—
fügemg zerkleinerter S.eine, gelegentlich auch durch Stein

FF — —
VB 7* DI—
5. Die Plauderedite.
——— —
-α —— — —
*Ti—reals Verbrecher. Die Taisa
gen ohne Frage, schreibt ein Mitorbeiser von
Hour“, daß es im Tiertresch viele merwerdige
valente des Verbrechens unser den Menschen gibt
„Kannibalismus“ ist in der Tierwelt nicht
Welfe fressen Wölse; und un er gewissen Umster
trotzdem im Sprichwort das Gigenlell behaupteten
sen Hunde auch Hunde. Gut genährtle Hunde mar
dieses „Verbrechens“ nicht oft schuldig, obgleich »
beobachtet worden ist, wo die Notwendigkeit durchar
drängte; aber arktische Reisende haben häusig ihre
gernden Zichhunde mit den Leichnamen der vor Ko
Hunger gestorbenen Hunde gefütter; un'er solchen
stüänden haben sogar Mütter ihre Jungen ohne
und mit Appetit verzehrt. Hauskatzen haben ihre
getötet und gesressen, und von Kaninchen weiß mar
sie sich gegenseitig fressen, sellbst wenn sienn
mit Nahrung nach ihrem Geschmac versehen sind
Nalte ist unter dem Druck der Verhäl nisse fast imme
nibalisch Die kannibalischen Neigungen des Hech!e
chen nur wenig Anreiz. Junge Krokodile werden ge
lich von ihren Eltern verschlungen, oder wen'gslen?
ihren Müttern. Kriegsamelsen verschlingen in Wu
Mmeisen, die sie in der Schlacht getötet halen. K
mord, Vatermord, Muttermord und Brudermord ki
auch in der Tierwelt vor. Es gibt Verbrechen,
einziger oder Hauptbeweggrund eine eingewurze te A
ung des Angreisers gegen den Angegriffenen ist
seltsamen Antipathien gibt es in der Tierwelt, ur
sind die Ursache der Tätlichkeiten und oft des Tode
der Parteien. Pferde, Hunde und Affen liesern viele
spiele. Die plötzlichen Ausbrüche n'icht zu beherrsd
Raserei, die den Malayen zwingen, Amok zu laufen
greifen zu Zeiten auch die sanftesten Tiere mit dem
Ergebnis, wie bei den Eingeborenen auf der Malayen
insel, bis das diesem schrecklichen kurzen Wahnsinnse
unterworfene Tier gefangen oder erschlagen werden
Verschieden davon sind die Fälle von Tieren, dienr
ihrer Geduld sprichwörtlich sind und doch zur Wut
trieben werden können. Das Dromedar, das gewöh
ein Muster guten Benehmens ist, wird manchmal von s
Treibern geneckt, bis sie vor seiner Wut fliehen oder
ausziehen und ihm die Kleidungsstücke hinwersen m
damit es darauf trampeln und sie zerreißen kann.
kannt ist, wie weit der gelehrige Elesant sich von
Wunsch nach Rache tragen läßt, wenn seine Würd—
digt oder seine gute Natur gemißbraucht ist. Mer
ist, daß bei Tieren wie bei Menschen einige der so
sten Vergehen ihren Grund in leidenschaäftlicher Liel—
ben. Die Eifersucht brennt heftig in det Brust mot
Tieres und die ganze Tierwelt, vom Tiger bis zur *
ist jeder Ausschreitung gegen die eigne Gatrung ode
Menschen fähig. Unter den höheren und niederen
sind auch Verbindungen zu dem absichtlichen Zweck,
zu tun, nicht selten. Andere Tiere stehlen in Banden
bviane ziehen truppweise aus, um in schwer zugän—
Obstgärten zu rauben. Klimatische Bedingungen und
peraturwechsel üben einen Einfluß auf das Gemüt
Tiere aus. Im allgemeinen sind bekanntlich die
die in heißen Ländern leben, wilder als die in
kalten oder gemäßigten Klima. ——— ⸗⸗
Denksprüche!
Gs heißt, das Glücksei blind. Sind es nicht v
mehr die Menschen, die das Glück, das ihnen in den?
kommt, nicht zu fassen verstehen?

Zum französischen Diebstahl.
Im französischem Auswärtigen Amt wurde bekannt ich
vor mehreren Tagen eine umfangreiche Entwendung deuplo
na ischer Dokumente endeckt. Der Schuldige, ein 22jähri—
zer Aspitant Konsulatskarriere Renee Rouet, ist vechaften
vorden. Das gleiche Schicksal hatten die Männer, dener
Rouet die Dolßumente auslieserte, der englische Staatsanu
gehörige Vernard Maimon und dessen Privatsekretär Pail—
er. Ueber den Charalter der entwendeten Dokumente läßt
ich Vestimmtes nicht sagen, da an al'en amtlichen Stellen
toch immer die größte Discreion bewahrt wird. Doch
äkt sich aus den umtänden ihlaern daßk die Vapiere die

EK
Die „Deutschland' und ihre Bedienung haben im
Frankfurter Luftschiffhasen gut übernachtet. Es war etwas
srisch auf freiem ded, aber in der Frühe wurde es son—
nig und warm; der Nachtreif, der die Hülle beschwer
hatte, war schnell abgetrocknet, und die „Deutschland
sonnte ihre Fahrt „leckenlos“ antreten. Der Aufstieg, der
schon um 6 Udhr erfolgen sollte, verzögerte sich um 29
Stunden. Um 8 Uhr war alles zur Abfahrt klar und uns
8 Uhr 35 Minuten stieg das Schiff blendend hell mit 1
Passagieren leicht empor. Noch einmal überflog es Frank
jurt, dann ging es geraden Wegs seinem Endziel, Düs—
seldorf, entgegen. Die Reise ging bei kräftigem Suͤdwint
lott ven statten.
Wiesbaden wurde 9.20 passiert, Bingen 9.45
Boppard 10.35, Koblenz 10.45, Neuwied
11.10, Vonn 12 Uhr.
Köln, 11. April Der Zeppelinballon berührte die
Stadt nicht, sondern überflog gegen 1 Uhr rechtsrheinisch
den Vorort Deutz. Im vorigen Jahr ist zwischen de'
Stadt Köln und der Zeppelin-Gesellschaft ein Vertrag ge
schlossen worden, nach dem das Zeppelinluftschiff eine be
timmte Anzahl von Fahrten nach Köln übernehmen mußte
Dieser Vertrag wurde durch das Scheitern der „Deutsch
land hinfällig. Inzwischen ist ein Befehl des Kriegsmi
nisters ergangen, der das Ueberfliegen von Festungsstäd
ten durch Luftschiffe verbietet. Infolgedessen ist es zwe
felhaft, ob Köln jemals noch ein privates Luftschiff sehen.
wird. Die Kölner sahen insolgedessen mit etwas bitteren
Gefühlen den „Zeppelin“ an sich vorüberzieben.
Düsseldorf, 11. April. Das Buftschiff „Deutsch
land“ landete unter dem Jubel der zahllosen Zuschauer
menae um 2.15 Uhr gle
— —
Aus aller Welt.
Vom Zuge erfaßzt. Ein Güterzug der Reinickendor
ser Liebenwalder Kleinbahn überfuhr in der Nbohe des
Bahnhofses Wanditzsee ein Fuhrwerk. Das Gefährt wurde
zertrümmert, der Kutscher lebensgefährlich verlezt. das
pPferd getötet.
Ruthenische Studentenumtriebe. In Stanislau
Desterreichj wurde in den Wohnungen ruthenischer Stu—
denten Haussuchungen vorgenommen, wobei das Vestehen
einer geheimen revolusionären Bewegung entdeckt wurde
welche besonders unter der ruthenischen Gymnasial⸗Jugent
weit verbreitet ist. Die Schulbehörden sind entschlossen
alle Teilsnehmer zu relegieren. Ferner wurden Manifest
aufreizenden Inhalts beschlagnahmt, melche zur Verbreu
tung unter den ruthenischen Soldaten bestimmt waren.
Die Winzer. Die Vorgänge in Troyes haben ihrer
Widerhall im Champagne⸗-Gebiet der Loire gesunden. Ii
der Nacht auf Montag fand eine von 1000 Winzern be
suchte Versammlung in dem Orte Damery bei Epecnau
tatt, in der den Verrätern, d. h. den einem Ausgleich in
Departement Aube nicht völlig feindselig gegenüberstehen
den Weinbauern blutige Rache ageschworen wurde. Beipp

7
a

*

28
55
99
37
—3
38
538
S5
25

e

3
J

A 3 — ——EcGcs vpbbbppy
aus fiel dann ab, der Strömung solgen und jetzt keuchte
der gewaltige Bau, mit den zahllosen erleuchteten kleinen
Fenzern, seinen vorgeschriedenen Weg stromab, dem Suden
entgegen.
Der Mississippi ist übrigens, und besonders bei nie—
drigem Wasserstand, ein ganz heinitückischer Strom, mit
Sandbänken, Untiefen und eingeschwemmten Stämmen, so
2ah die Steuerleute, die sämtlich Lotsen sein müssen und
auch Pilot genannt werden, besonders in dunkler Nacht
ihre lugen offen halten müssen, um allen ihnen im Wege
lieen Gefahren bei Zeiten auszuweichen und das rich—
tiae F„ahrwasser zu halten.
Das kümmerte aber die Passagiere in der hellerleuch—
ete vrillant eingerichteten Kajüte wenig genug War es
ad, en Sache der Piloten, sie rasch und sicher den Strom
Hina« jzu zühren — wenn sie nur indes die Zeit so ange
fehn als möglich verbrachten. Die „Herren“ der Schoͤp—⸗
fung hatten allerdings noch eine Weile alle Hände voll zu
tun, indem sie an dem vollgedrängten Clerksstand Billette
lösen und den Schlüssel zu ihrem Stateroom erhalten
muhten, um nur erst einmal die zahlreichen Gepäckstücke
der Damen unter⸗ und aus dem Weg zu bringen — ebenso
den „Porter“ zu finden, damit dieser ihr größeres Gepück
übernahm, und ihnen Marken dafür gab, wie ferner —
nach der gehabten Anstrengung — ein von den Damen
unbemerktes Glas Whisky zu nehmen. Das letztere wurde
ihnen aber schon durch die sinnreiche Anlage des Schenk—
stands auzerordentlich erleichtet, denn auf sämtlichen
Booten sind dieselben so gebaut, daß sie von der Damen⸗
ajüte nicht beobachtet und kontrolliert werden können —
den Ausschenkern würde sonst manches heimlich genom—
mene Glas entgehen, ja sie vielleicht kaum die Hälfte ihrer
Einkünfte haben.
Was nun aber auch die Ursache gewesen sein mag, ob
die Gesellschaft die Etude der jungen Dame, die unerbitt⸗
lich ihren „Schottischen“ bearbeitete, satt bekam und an—
tzing unerträglich zu finden, oder ob der Steward und
Porter, beides ein paar musikalische Talente und dem
enus der colored Gentlemen angehörig, dieselben nicht
änger zurückhalten konnten, genug, die beiden mit einer
Bioline und einem Klarinett bewaifnet, rückten plötzlich
ns FJeld und fingen an zu stimmen, wonagch sich die iunge

—*
pen bestectte Kronteuchter fast Tageshelle darin verbreite.
Die ganze Länge hendurch standen Tische und Lehnstüe
aber man hatte oben in der Damen'ajüte alles aus t
Weg gerückt, was den Tanz stören konnte, und dort
rade sammelte sich die schöne Welt, während die übr—
männlichen Kaftütenpassagiere, die keinen aktiven Teil
dem Tanz nehmen wollten, in ihrem Teil der Kalüte
so nahe als möglich den Tanzenden blieben, und,
Hut auf den Knieen, dem fröhlichen Treiben zusahen
Plötzlich bekam das Boot einen Stoß, daß einige
Damen schwankten und von ihren Tänzern gehalten w
den mußten.
„Um Gotteswillen, was ist das?“
O, gar nichts“, lachte das fröhliche Volk; „wir
aufgelaufen und sitzen fest. Der Esel von Vilot bhat
Fahrwasser verfehlt.“
Die Sache verhielt sich allerdings so. Das Boot
auf dem Rand einer Sandbarre, die sich vielleicht erst
der letzten Woche gebildet hatte, so daß sie der „Esel
Pilot“ noch gar nicht kennen konnte. Aber das ha
nichts zu sagen. Jedes Mississippiboot führt jetzt an je
Seite einen sogenannten Spar — einen Baum, mit da
man das Boot nach jeder beltebigen Richtung absch'ebe
kann, und dieses, wenn eingesetzt und durch das mit Dam—
getriebene Gangspill in Bewegung gebracht, ubt hinlang
liche Kraft aus, um das Schiff, wenn auch mit nicht ge
ringer Arbeit, wieder ab und frei zu bringen.
Oben in der Kalüte lachten die jungen Leute über der
Un'all, und unten am Deck quälten sich die Bootleute mi
der Handhabung des schweren Spars und dem Umladen
der vorn auf dem Bug aufgehäuften Fracht, die o ver—
henderte, sich srei zu bewegen.
Zuerst mußte der Spar von dem Derrick — einem auf
rechtstehenden Baume mit Flaschenzug daran — gehober
und mit der Spitze in das Wasser gebracht werden; dam
galt es, denselben in die rechte Lage zu bringen, und
nun erst konnte ihnen die Kraft des Dampfes zu Hilfe kom
men und mit riesiger Gewalt das Boot bei Seite pressen.
Aber das zuge pitzte Holz arkeitete stch auch zu glei—
cher Zeit in den Schlamm hinein und war deshalb nichl
imstande, den Bug des Bootes mehr als etwa einen Fuß
herum zu schieben; dann mußte der zweite eingesetzt wer
den, der nun zu arbeiten anlina, wäbrend man den anders
»Ffs nene ⸗inleßte. —
— — — E — — — — — — —2—8— — —— DJh— — J—
* e ⸗
Jageh. djt/-I. Leccwagen Fvortppagee ) 98. Levv “w sPhodwejle
* 54 14 4
II— b s a 4 a 2 u 8* 31 1 —ED 130. J 27 4

Dame augenblicklich beleidigt zuruckkoa und von dem Schm
platz abttat.
Ob die Passagiere einen guten Tausch gemacht, will ich
dahin gestellt sein lassen; denn die beiden Virtuosen schie
nen sich wohl über den Takt, aber nicht über die Melodie
des Stückes geeinigt zu haben, das sie gleich zuerst vortru
gen, so daß ein wahres Chaos von Mißtönen die Ka—
jüte füllte. Trotzdem hielten die Zuhörer geduldig aus
es war doch „Musik“, und es ist kaum denkbar, was ein
amerikanisches Ohr in dieser Hinsicht zu ertragen vermag
Draußen verfolgte indessen das Boot seinen von Hin—
dernissen bedrohten Weg, der noch schwieriger wurde, ars
gegen neun Uhr etwa der Mond unterging und damit den
Lotsen nur auf den schwachen Sternenschimmer und den
Schein des Wassers anwies. Der Pilot murmelte auch
wohl ein paar Flüche in den Bart, daß der Kapitän das
Boot so lange aufgehalten, bis er jetzt im Dunkeln an die
schlimmsten Stellen kam; aber es ließ sich das jetzt nich:
mehr ändern, denn beilegen durften sie nicht. Sie hatter
schon zu viel Zeit mit dem Koffer versäumt. Nur vorr
auf das Hurricanedeck wurde einer der sogenannten Deck
hands oder Bootsleute beordert, um den Sirom überwa—
chen zu helsen, falls einer der im Strom verborgenen und
oft fast verdeckten, angeschwemmten Baumstämme — soge
nannte Snags — dem Auge des Lotsen entgehen sollte
Eine weitere Vorsicht ließ sich eben nicht anwenden: alles
andere mußte dem Lotsen überlassen bleiben.
Selbst amerikanische Ohren ertrugen den mustlalischen
Genuß nicht auf die Länge der Zeit; aber praktisch, wie
dieser Volksstamm überhaupt ist, hatte man bald heraus—
gesunden, daß man das Uwvermeidliche doch zu etwas be—
nutzen könne — nüäümlich zu einem gemeinsamen Tanz.
Musik war in dem Spiel nun einmal nicht, und mar
fühlte wohl, daß sie auch nie hineingebracht werden konnte,
aber die beiden Unermüdlichen hielten wenigstens Takt
und mehr brauchte man ja gar nicht. Ein paar der jun
gen Leute, mit gerade genug Whisty im Kopf, um ge—
tinge Schwierigkeiten a's nicht bestehend zu betrachten, for—
derten einige der jungen Damen zum Tanz auf; der erste
Buchhalter des Bootes hielt sich ebenfalls für verpflichtet
mit einem guten Beispiel voranzugehen, und im Nu wa
ren vier tanzlustige Paare angetreten, wonach dann die
beiden Musikanton ainem der beliebten Rics antonten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.