Full text : Dudweiler Zeitung

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Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beilagen:
25 Mark. Bu i B 21
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t Bürgermeisterei-Bezirk Dudweil Sonntagsblatt und Heitere Blätter
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c.z Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller. Dudweil⸗ Verantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenteil Karl Unterkeller
nnent ist mit 500 M. gegen Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnenein Wege isss —
— gegen poe hene 8 an ist vinn ger Lebensversicherungsbank anzuzeigen auch muß sich der ve 5.
——— dem Eintritt zur Anmeldung gebrad werden bo ussetzung der p·9 e eeeazttez, eee7
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ntag, den 10. April
g, April 1911 24. Jahrgang.
—— ——
Antersuchung bemühe sich sestzustellen, daß zum mindesten
in Teil dieser Korrespondenz entstellt und gefärbt nach
London und anderen Haupistädten gegangen sei—
J— Politische Runoschau.
Deutsches Reich.
*Der Bundesrat hat beschlossen, für das seewärts
ingesahrte Viseh, die Tuberkutin-Probe am 1. Mai durch
ine kuinische Untersuchung zu ersetzen.
* Der Staarssekretär des Reichsmarineamts, Großadmi—
zal von Tirpittz, hat einen etwa 20tägigen Urlau
nige reten.
* Wie aus Berlin gemeldet wird, sind aus Anlaß de
üngsten Reichstagserpandlungen vom Reichsscha tz
imt allgemeine Erörterungen mit den beteiligten Be
jörden des Reichs und Preußens über den Betrieb und
ie Besteuerung des Wettgeschäfts bei Pferderenner
md über das Buchmacherwesen eingeleitet worden
ẽs handelt sich insbesondere darum, ob das Reichsgeser
som 4. Juli 1905 seinen Zweck, das geschästsmäßige Ver—
nisteln von Weiten für öffentliche Pferderennen zu verhin—
ern, in ausreichendem Maße erreicht hat oder ob es nach
ieser Richtung einer Ergänzung bedarf.
* Die konservative Vereinigung in Frankfurt a. M.
eabsichtigt, den Grasen Posa dowesky für die näch—
ten Reichsstaaswahlen als Kandidaten aufzustellen und
sat bei den Nationalliberalen und dem Zentrum um Un—
erstützung dieses Kandidaten nachgesucht.
2Die Nat.⸗Ztg.“ dementiert die Gerüchte, daß inner—
zals der nationalliveralen Partei Gegensätze heerschen
ind daß die Herren Friedberg und Schisser a—
rnee Gegenlanddaten Bassermanns für dee Fuhrer
chat der Parzeir gelten müßten. Es seir das alles hact
O es Gecrede.
* Die Vorverhandlung des Spruchtollegiums gegen d.en
Rzfearrer Jatho findet am 21. April in Ve.liu state
Oeferreiaiu gaν.
* In Wien fand eine Aussprache zwischen den Führen
der christhsschzsozialen Partei und der deursch
rerhertlichen Parteien statt, an welchecr auch die
bein ster Hochen burger und Weistirchner tein
ia men. Uebereinstimmend wurde sestgeneelt, daß der
Loschluß eines Wahlkompromiises zwischen
deaischfreiheitlichen und Christiichsozialen nicht mög
isch sei, da in allen diesen Fragen die Bezirks- une
zandesorganisationen zu entscheiden haben. Es wurd
edoch betont, daß in der überwiegenden Mehrzahl der
Bah bezirke beide Gruppen mit denselben Gegnern zu rech
ien haben, und daß daher auch in dem bevorstehenden
Warltampse Rücksicht nahme auf diesen Umstand
v ni, hencwert erscheine. Durch Feststelaung dieser Tat.
ache soll aber der freien Entschließung der Wählerschaften
a neiner Weise vorgegriffen werden.
Fraukreich.
* Bei der fortgesetzten Besprechung der In erpe lationen
iber die uswärtige Politik im Senat führte
er Minister des Aeußern Cruppi über die auswäriige
Politik aus. Als ich die Geschäste des Ministeriums über
iahm, boi die Lage Frankreichs vom Gesichtspuntt der
uuswärtigen Politik gewisse Schwierigleiten, aber es wäre
tarke Uebertreibung, von Beklemmungen oder selbst von
ze orgnissen zu sprechen. Mein höchstes Ziel wird daraus
erichtet sein, daß Frankreich starkin der Welt
asteht. Unser Bündnis mit Rußland besteht unveraändert
ort und beherrscht nach wie vor unsere Beziehungen zu
em verbünderen Staat. Das französisch-russische Bünd nis
nuß sich it der Form des Zusammenwirkens an jedem
kage kundtun. In diesem Sinne gedenke ich es in An—
vendung zu bringen. (Beifall.) Die Entente cordiale ist
ve terhin eine der Hauptgrundlagen unserer auswärtigen
zolitik. (Ruse: Sehr gut!) Mit Spanmien fahren wir
ort, freundschaftliche und innige Beziehungen zu un erhal
en. Mit Deutschland befolgen wir eine Politil
»es Zusammenwirkens überall da, wo wir gemein am«
e haben, wenn wir aber besondere Interessen zu
derteidigen haben, werden wir es mit Mäßigung ump

Wochen⸗Rundichau.
ien lebt in eitel Jubel. Ein glänzendes Festag
aixe und das ist dem vergaügungssüchtigen unc
gen Jialiener sein Fall. Iu der vergangener
uden die offiziellen Empfänge anläßlich der Hanb—
ertieier ihren unbestrittenen Söhepuntt in den
len Besuch des deutschen Kronprinzen
3. Die Italiener empfanden dankbar die unleng—
ickts Hand, die der Kaiser in der etwas verzweck
ailon zeigte und die ihn den alle Teile bejriedi—
Answeg sinden ließ, seinen Erstgeborenen, der
ar deutschen Kaiserkrone, mit seiner Vertreiung zu
zen. So gestaltete sich denn der Empfang des
zaares zu einer entschiedenen Demonstratien für
sche Kaiserhaus. Der Kronprinz hat die gute
st, sich überall, wo er sich zeigt, beliebt zu ma—
bel ihm sein natürlich ungezwungenes Wesen, das
die gebotene Reserve keinen Augenblick vermissen
ftatien kommt. Die Zeitungen schrieben tels
eils begeisterte Artikel über das Kronprinzenpaar
das deutsche Volk und Reich, wie auch das Band
Itallener mit uns verknüpft, fanden eine wirkl'ch
sse. Das war nicht immer so. Damals, als Ita—
berühmte Extratour mit Marianne machte, gab
solche Flotentöne. Doch die Zeiten scheinen vorüben
Aus dem franco⸗italienischen Rausch sind unsere
ten aufgewacht und dann wieder Realpolitiker
.Dder deutiche Kaiser hat zu dieser eufreulichen
z ficherlich am meisten beigetragen. Die Visile des
ns ist die Krönung für die neugestalteten besseren
gen. Italiens König und Volk haben dießer
ing temperamentvoll Ausdruck gegeben. Den Trint—
des Königs und des Kronprinzen beim Gala—
mndem auch Fürst Bülow teilnahm), entströmt eire
e Herzlichkeit und Freundschaft. Eigenartig war
üßung, die der Kronprinzessin zu teil wurde. Ersi
uneugierig, dann reserviert, besonders die Frauen;
s die hohe junge Frau ihnen gesiel, gleich enthu—
.»Sie ist sehr neit“ war das allgemeine Urteil.
en uns das Kompliment für unsere sympathische
anftige Kaiserin gern gefallen.
Reichstag ist in die Osterserien gegangen.
twurde erledigt. Damit haben die Volksboter
Wochen Erholung gewiß verdient. Wenn sie zu—
en, harrer ihrer jedoch noch weit schwieriger«
idefstens ebenso wichtige legislatorische Aufgaben.
vie jetzt wieder erzählt wird, der Reichstag im
definitiv nach Hause geschickt werden soll, danr
ie Abgeordneten im Schweiße ihres Angesichts
wenn sie nur das Allernotwendigste unter Dach
h bringen und nicht mit leeren Händen vor
hler ireten wollen. Denn das könnte ihnen schlecka

ö— —

nkreich hat schwere Sorgen mit seinem Schmer—
Marokko. Die Wähler und Abgeordneten sind es
t und Leben ihter Lardsleute im schwarzen Erd—
Grabe zu tragen, ohne einen wirklichen Gewinn
hoten. „Pazisizieren“ dürsen die Frauzosen Ma—
der einstecken dür'sen sie es nicht. Das riskie⸗
zenn trotz aller Drohungen doch noch nicht. Die
he Presse treibt auf die Annekt'on hin. Frankreich
gordischen Knoten einfach durchhauen. Nun, so
aird's doch nicht sein. Wir haben zu Kiderlen—
das Vertrauen, daß er sich gegebenenfalls der
nals unzweideutigen Waͤchter für die strikte Be—
des Algecirasvertrags zeigen werde.
Türkei ist, wie es heißt, mit dem Araberaufstand
en fertig geworden. Aber an einem anderen Ende
higen Reiches wetterleuchtet es umso bedenklicher
ist im Aufstand. Der Kriegsminister Schefle
it genötigt, immer megr Truppen gegen die Auf—
8 Feld zu stellen. Die Regierung wird auch min
ementen fertig werden. Aber zur Erhöhung des
des osmanischen Reiches tragen diese alljährli—
ebungen gewiß nicht bei.
land steht im Begriff, den Schiedsgerichtsvertrog
Vereinig'en Staaten zu unterzechnen. Däneman
beitreten, auf den Anschluß mehrerer anderen

bermut fut niemals gut.
dacherzählt von Mathilde v. Becelakre.
Nachdrudk verboten.
dlonde Mädchen also mit den Veichenaugen? Ein
Wesen, meiner Treu! Wie heißt sie?“
i Hilton; sie ist die Tochter den Rchters von
ille.“
o dein Herz ist unentwirrbar von den goldenen Fes⸗
xLocden umstrickt, Paul?“
gestehe, daß dem so ist, Eugen“, erwiederte Paul
ist sehr hübsch,“ bemerkte Kapitän Arbright, in—⸗
nachdenklich den Schnurrbart drehte, aber auch
. und sehr gefallsüchtig. Nimm Dich in Acht, da—
nicht mit deinem treuen großen Herzen spiele, wie
mit der Maus.“
gen Arbright!“
wuhßt' es ja, daß meine Bemerkung nicht willkom—
wiürde,“ lachte der Kapitän und wandte sich ab,
Paul ihn in Gedanken einen widerwärtigen kratzalten
 Junggesellen schalt.
doch quälten ihn seine Worte und schienen kräch—
einen Ohren widerzuhallen, als er einige Stun—
er am Schlusse einer glänzenden Quadrille neben
and und Muth faßle, die Worte zu sprechen, an
wie er meinte, sein Lebensglück hing.
sie war das schönste Mädchln im Saale mit je—
jenden durchschimmernden Teint, der an junge
en erinnert, auf welchen noch der Morgentau ruht.
rend Paul sprach, spielte ihr atlasbeschuhtes Füß—
bisher nur auf des Glüdes Pfaden gewandelt,
Blumen des Teppichs, auf welchem sie stand.
er sprach von seiner Neigung und warb um ihre
scheues Erröten, kein schüchternes Gestammel.
warf Grazia Hilton die glänzenden Locken zu—
schade, daß wir nicht lebende Bilder aufführen,
arrington!“
en Sie mich, Grazia, es ist mein Ernst, ich spiele
nödie,“ sprach er beinahe sireng.
es war ihm Ernst.
ig!“ rief Grazia mit affektiertem Lachen,
sind. Mister Harrington. Bitte, lassen
dlos.“
men also gleichgültig nach all Ihrem
reundlichen Worien. die so viel mich hof—

„Gleicgültigt, Vas wohl nicht,“ sprach sie mit schel—
nischen Blick. „Sie sind mir als Freund sehr schätzens⸗
vert. Wünschen Sie sonst noch etwas zu sagen?“
zarni nicht. Entschuldigen Sie mein vorschnelles
Ien räulein Hilton, ich werde Sie nicht länger be—
ästigen.
Grazia fstand allein in dem einsamen Gemach, in das
er sie geführt hatte, und schaute ihm nach. Das durftige
veißze Kleid umhüllte sie wie eine Wolke; das Koöpfchen
enkte sich und die schönen Augen schimmerten eingentüm⸗
ich feucht.
„Er wird wiederkommen,“ sprach sie na tuner Pause
zu sich; „er muß wiederkommen, er kann nie tohne mich
sein.
Und mit zuversichtslichem Lächeln keh in den
Saal zurüd. . en e
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Paul kam nicht wieder. w
In Carmonville beging man eine ernste Feier. —
dilton war nach kurzer Krankheit gestorben. Neu Portale
eines Hauses wehte eine lange schwere Trauerflagge imd
»ie Neugierigen, welche die Leiche auf dem Paradebet se—
en wollten, gingen leise flüsternd aus und ein. In der
Allee fuhren eine lange Reihe eleganter Equipagen auf,
»em Toten die letzte Ehre zu erweisen.
Die Witwe saß, in kostbare Trauergewänder gehüllt
n Mitte ihrer Kinder. Grazia war eine Tochter erster Eh
und durfte an dem Schmerz der Stiefmutter nicht teilneh
nen. In diesen Stunden einsamer Trauer gedachte si
mit Traͤnen der ehrlichen Werbung Pauls, die sie so über
nütig verscherzt hatte.
„Du weiht, Grazia,“ sprach Frau Hilton, indem sie
den Kreppbesatz ihrer Robe glättete und die glänzenden Ea
gatarmbänder gleich Ketten aneinander klangen, „dein Va
ser hat kein Vermöͤgen hinterlassen. Rätselhast ist es frei—
lich genug, aber under den einmal gegebenen Verhältnis—
sen sehe ich mich gezwungen, mit meinen Kindem zu mei—
nen Eltern zu ziehen, und Du wirst Dein Brod selbs—
derdienen müssen und —“
„Ach Mutter,“ schluchzte Grazia, „laß mich, um des
eligen Vaters willen, nicht ganz agllein in der Wer
„Ich weiß nicht, was Zu willst, Grazia,“ vemoerkt!
Frau Hilton eisig. „Du bist mir nicht verwandt und aj
einen gesetzlichen Anspruch auf meine Hilse. Zudem di
du in einem Alter, in welchem Du für Dich selbst3
orgen im Stande sein dürftest Du haft eine ae
vielige Erziehung erbalten n.

V iju verstehe,“ rief Grazia bitter
zur Last fallen.“
„Unterbrich mich nicht,“ zürnte die Witwe, „ich wollte
Dir eben sagen, daß Nire Satter in New⸗-VYork eine
Erzieherin sucht. Sie schrieb mir kurz vor dem Tode des
Vaters und in Deiner Lage solltest Du Dich bemühen, die
Stelle zu erhalten.“
Mit achtzehn Jahren also war Grazia Hilton auf den
Verdienst der eigenen ungeübten Hände angewiesen.

A

Und den ganzen Tag wanderte sie durch die Straßen
der großen herzlosen Stadt und suchte vergebens eine Be⸗
sih innind. die wenigstens das Brod dieses Tages gebolen
hätte.
Und ohne Erfolg!
Der nächste Tag brachte nicht mehr Trost. Graziae
Kopf schnerzte, die muüden Füße trugen sie kaum mehr.
„Und ich muß doch etwäs finden,“ sprach sie ver—
zweifelnd, „meine Stiefmutter würde mich nicht aufnebnen
und ich häbe kaum mehr einen Dollac in der Tasche.
Gehen Sie doch bei diesem kalten schmutzigen Worier
nicht aus, Kind,“ sagte Frau Werks, als sie das uirme
Mädchen mit Huͤt und Tuch die Treppe herabkommen sah
und in dem blaßen Gesichtchen den Zustand ihres Besim
dens las.
„Ich muß!“ seufzte sie traurig.
„So trinken Sie wenigstens erst eine Tasse Kaffee;
Sie essen ja ohnehin den lieben langen Tog nur ein Slud—
hen Zwieback und trinken Wasser dazu — ein Vöogelchen
önnte dabei nicht bestehen.“
„Ich danke Ihnen, Frau Weeks,“ sprach Grazia, nach
dem sie den Kaffee getrunken, „ich fühle mich nun besser.
Und sie begann aufs neue, eine Existenz zu suchen.
Ohne Erfolg, ohne Erfolgi
Noch eine Stelle war zu vergeben, die letzte, die fie
aufgezeichnet hatte.
„Man sucht eine fähige Lehrerin zum Unterricht für
zwei Kinder von sechs und sieben Jahren.“
Eigentümlicher Weise haite Grazia auf diese Annonee
Hoffnungen gebaut, aber auch sie sollten zu nichte wer—
ʒen.
„Sie gefallen mir,“ hatte Frau Mordyn gesagt, „aber
die * muß der deutschen Sprache vollkommen mäch
tig sein.“
„Ich verstehe und lese dieselbe,“ entgegnete Grazia und
betrachtete die diamantfunkelnden Fingen welche mit dem
ceichen Spitzenbesatz eines Taschentuches spielten.
„Das genügt nicht, überdies haben Sie im Unterrich—
en keine Erfahrung.“
„Ich würde mir Mühe geben, allen Anforderungen auft
heste zu entsprechen.
„IIch bedaure,“ sprach Mistreß Mordyn mit bestimmte
Ruhe, „aber es geht nicht.“
Gänzlich entmutigt und schweren Herzens wankte Gra
zia die breiten Marmorstufen hinab und begegnete einem
chlanken jungen Mann, der leichten Schrittes an ihr vor⸗
ibhereoilte

E* *
An einem naßkalten Januarkage stand eine schmächtige,
in tiefe Trauer gehüllte junge Dame auf den Stufen des
nalaftähnlichen Hauses der Mistreß Saiter Der llein
Koffer neben ihr barg all ihr Hab und Gui. „Ist Mistreß
Satter zu Hause?“ fragte sie die rotwangige Frau, welche
die Tür öffnete.
„Frau Satter?“ wiederholte diese und musterte der
Fremden einfache Kleidung;nein, sie ist nicht au Hause
sie wird den Winter in Washington verleben.“
„Haben Sie mir dann vielleicht eine Meldung zu ma
hen? Ich bin die CRzieherin, welcher Mistreß Satter ihr⸗
dinder anvertrauen wollte.
„Ach ja, die Gouvernante! sagte die Haushälterir
geringschätzend; „ich habe Ihnen nur zu melden, daß Frai
Satter ihre Ansicht geändert und ihre Kinder in eine Er
ziehungsanstalt gebracht hat.“
Erschroden und unentschlossen stand Grazia auf den
Stufen, nachdem die schwere Türe bereits hinter ihr ins
Schloß gefallen war. — War das recht gehandelt? Muß—
te sie sich's gefallen lassesi? Wohin sich wenden? Was be—
ginnen? Die wenigen Dollars, die sie besaß, erlaubten
hr nicht, in ein Hotel zu gehen.
Langsam schrikt sie die Straßzen entlang, bis sie an
dem erleuchteten Fenster eines Bäcerladens die Worle las;
Zimmer zu vermieten.“ Sie trat ein. Es war ein Stüb—
hen im dritten Stoch: anderthalb Dollars die Woche.
„Ich will es auf eine Woche nehmen und die Miete
orausbezahlen,“ sprach Grazia errötend.
„Gut,“ entgegnete die behäbige, freundliche Bäckers—
rau, „das genügt.“
Grazia Hiltons erste Nacht in New-Nork war schlaf—
os und traurig.
Wollen, Sie mir cefälligst eine Zeitung leihen,
»at sie am folgenden Morgen schüchtern die Hausfrau.
Hier ist sie, aber es steht Lichts neues darin.“
Ich will sie nicht der Neuigkeiten halber lesen. ich
            
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