Full text : Dudweiler Zeitung

Deutscher Neichstag.
Mittag 12 Uhr. Berlin, 29. Maͤrz
(158. Situng.)
Präsident Eraf Schwerin-Löwitz erklär‘, daß
die uͤmfangreiche Tagesordnung heute aufgearbeitet wer—
»en müsse, eventuell müsse eine Abendsitzung statt
inden.
Die Vorlage über die Tagegelder und die Fuhrzeug'
wosten der Beamten geht an die Budgetkommissien.
Die kleine Nove le zum Besoldungsgesetz wird in er—
er und zweiter Lesurg erledigt.
Mit der Beratung des .3
Reichseisenbahnamts 4513
vird fortgefahren.
Abg. St'ohlle Goz.) fordert eine Revision der Ver—
ehrsordnung.
Abg. Dr. Pichlerr (Zentr.), spricht sich gegen die
gewünschte weitere Vereinheitlichung des Betriebes der
deutschen Bahnen aus wie gegen die Herabsetzung der
Bütertarife. Notwendig sei der Ausbau der Stat'onen zur
Frhöhung der Betriebssicherheit.
Abg. Karsten Gorfischr.) fordert eine einhei liche
Regelung der Dienstzeit und Ruhepausen des Perfonals.
Abg. Schwabach Matl.) hält an einer sinanziel—
en Gemeinschait der deutschen Eifenbahnen sest.
Präsident des Reichseisenbahnamtes Wacker zapp:
die Eisenbahnverwaltungen sind danernd bestrebt, die
Niveau-Uebergänge zu beseitigen. Löhne und Arbeitszen
werden ständig besser gestaltet. Im allgemeinen kann das
Personal zusr'eden sein.
Nach weiteren Bemerlungen der Abgg. Löber Goz.),
Zuno (Gortfchr.), Burckhardt (W. Vag.) und des
Präsidenten Wackerzapp wird ein Schlußantrag angenom—
men. Der Etat bdes Reichseisenbahnamtes
wird erledigt, ebenso der der Reich zSdruckerei.
Es fsolgt der Etat des Reichstages.
Abg. Pfeifer (Zentr.): Die Ausschmückung des
Reichstages macht gute Fortschritte. Hoffentlich schwinden
vuch bald hier oben an den Wändflächen die kleineren
Stellen. Redner bringt die Behandlung zur Sprache, die
oft den Reichstagsabgeordneten auf den Eisenbahnen wi—
derfährt. Bei starker Besekung der Wagen 1. Klase seien
ie ersucht worden, einstweilen in der 2. Klasse Platz zu
rehmen. Es sehe fast aus, als ob die Reichstagsabgeord
ieten im Armenrecht fahren und nicht als Vertreter des
eutschen Volkes.
Abg. Wagner (cons.) befürwortet den Antrag au
Ausmerzung der Fremdwörter aus der Gefchäftsordnung
es Reichstages.
Abg. Geck (Soz.) führt Beschwerde über d'e schlecht
Beköstigung der Diener des Hauses.
Abg. Kämpf (GFortichr.): Dem Handelstage ist dag
Material über d'ie Schiffabhrtzabgaben verweigert worden
diese Geheimniskrämerei muß au' hören.
Abg. Graef (Fortschr.): Wir hatten einen Antracç
von allen Fremdwörirrn gesäubert, es wurde aber erklärt
ein solcher Antrag nicht aedruckt werden könne. (He
erkeit.)
Präsident Graf Schwerin⸗Löwitz: Der Antra—
war als Adresse an den Präsidenten gerichtet, was der
Geschästsordnung nicht entspricht.
Abg. Speck (Zentr.): Die Budget'ommission hat
sich mit dem Nachbararundstück des Reichstages beschäftigt,
das jetzt zu Spekulationszwecken verkauft worden ist.
Staatssekretär Wermuth: Der Verkauf ist schor
m Juni vorigen Jahres erlediat worden und 3war sehr
zünftia für uns. Wir erhielten 750 000 M. dafür.
Abg. Arendt (GReformp.) spricht sich agecgen den
Verkauf des Nachbargrundstückes aus. Das Reich so'lt«
uicht die Rolle des Grundstücksspekulanten spielen. Gegery
Diäten für eine FerbstSession bin ich gan;
mischieden
Die Beratung wird kortaesett 612
—
* * Fy— 7*
Aus den Kommissionen.
Berlin, 29. März. In der Reichstags-Kommissior
ür die elsaß-lothringische Verfassung wurde die zweit«
Ldesung des Verfassungsentwurfs geschlossen. Der von der
steichspartei neu beantragte 8 24a zur Sicherung—
er Religionsfreiheit wurde angenommen, ebenso der frühei
nitgeteilte FZentrum s antrag, wonach Finanzgesetze und
zudget immer zuerst der Zweiten Kammer vorgeleg
verden müssen und das Budget von der Ersten Kammern
moerändert angenommen oder abgelehnt werden muß und
vonach neue oder höhere Kosten auch von der Zweiter
dammer ohne Zustimmung der Regierurg nicht in das
Zudget eingesetzt werden dürfen. Die Kommission lehnti
es schließlich ab, den von der Reichspartei vorgelegter
Rreßgesetzentwurf überhaupt zu beraten. Mor
sen wird sie in die erste Lesuna des Wahlaesetze4
intreten

MäIIICLAÆA
Spiel und Sport.
Das Sechstagerennen in Berlin. Hierzu wird
berichtet: Das weilere Rennen nahm einen äußerst he—
wegten Ver auf Dem dentscheho land schen Paare Rütt
AV
zegen blieben Lorenz⸗SALIdow etwas 2urüf, da d'e
ag —V —4
»aßz sie nicht eher ruhen werde, als bis sie eine Wieder—
jereinigung zwischen Sertau und Eleonore her beigeführt
sade.
Bei den letzten Worten Berthas flog ein eigentümliches
Lächeln über die Züge Andrings, gleich als ob er fess
überzeugt sei, daß ihr das, was sie sich vorgenommen,
nun und nimmer gelingen werde.
Schon mit umgehender Post erhielt Andring einen
grief von dem Hauptmann Grauberg, worin dieser ihm
ür seine menschenfreundlichen Bemühungen aufs wärmst,
zankte, und versprach, sich mit seiner Tochter in dem
Badeort einzusinden. Der Tochter habe er vorläufig den
Zweck der Reise verschwiegen, weil sie noch zu erbittert
Jegen Sertau sei und nichts mehr veon ihm wissen wolle;
Ziese Erbitterung werde aber hoffentlich aus ihrem Her—
zen verschwinden, und der neuen Freundin werde es dann
vielleicht gelingen, eine Versöhnung herbeizuführen.
„Daß mich die Wiedervereinigung der beiden unend⸗
ich beglücken würde,“ schloß er seinen Brief, „brauche ich
Ihnen wohl nicht erit zu versichern. Ich stehe schon mit
inenn Fuß im Erabe, und der Gedanke, daß Eleonore
iach meinem Tode ganz allein au der Welt dastehern
vird, quält mich unbeschreiblich.“
Der Baron teilte diesen Brief sofort der Tochter des
— DD reiste einige Tagt
päter, in der frohen Hoffnung, ein gutes Wertk vollhbrin—
jen zu können, mit ihrem Vater nach H. ab.
Der Hauptmann und Eleonore trafen noch in dersel—
ben Woche dort ein, und nachdem Grauberg den BVaron
don seiner Ankunft in Kenntnis gesetzt hatte, begab sich
much dieser nach dem Badeorte. Sein Andblick erregte die
schmerzlichsten Gefühle in Eleonorens Brust; es war ihr,
als sei er der Urheber ihres Unglücks, und trotz aller Bit
sen ihres Vaters vermochte sie es nicht über sich zu ge—
winnen, sreundlich mit ihm zu sprechen.
Eine Gelegenheit, die beiden Familien mit einanden
annt zu machen, fand sich sehr bald, und Bertha kan
Emen Eleonore · mit solcher Herzlichkeit entgegen, dai
hen beiden gleich am ersten —a ein inniages Ver

zeũtsche Mannschaft sich trennte, da Lorenz zum lebyafter
zedauern der viesen Tausend Zuschauer durch Sturz aus
cheiden mußte. Ein lebhaster Tumult entstand dadurch,
aß Rütt sich eines angeblich desekten Rades von Sa dow
emächte gte, um sestste len zu können, ob auch wirklich am
Rad etwas in Unordnung ei Nach der 107. Stunde
ind 26338 434 Kitometer ce ohre.

Ein neues Heimatsmuseum.
Vor einigen Tagen wurde in Hermannsburg bei
Lelle ein Heimats- und Dorfmuseum eingeweiht, welches
hie Beachtung der gesamten Touristenwet verdient. Ju
inem alten zwechundertjähriçen, strohgedeckten Heidehause,
zas hierher geschafft und wieder aufgerichtet is, sind all
ie tauẽf»nd wirtschastlichen Einreldinge die einit die Häu—
t

— —

— Iaeaneuiß
— — —A 3
er der Altvordern füllten aufgestellt, und zwar in einer
Veise, die vorbildlich wirken wird. Das ganze umgibt ein
zehöft mit Baumstand, Staketzaun usw. Das Haus steht
die ein vergessenes Idyll in der weiten Heidelandschaft,
sie nun besonders im Frühling und Herbst wohl immer
nehr Besucher finden wird
D α X
Vermischtes.
An die Frankfurter Würstchen. Von einem zur
zeit in Frantfurt weilenden gelegent ichen Mitarbeiter,
herrn Jaques (München) geht der „Fr. 8.“ ein Preis.
dem zum Ruhm der Mainstadt zu, das wir unsern Lo
ern nicht vorenthalten wollen. Der Sänger dichtet:
Einst glaubte ich, von einem Wahn befallen,
In München sei der Würste Paradies,
Ich ließ mein Lob durch alle Lande schallen
Für jene Wurst, die stess die Weißwurst hiesß.
Ihr zartes Grau, die Haut wie Pfirsichblüte
Zab ich in Liedern immerdar gelobt,
Zesonders aber pries ich ihre Gute
Mit leesem Magen, wenn die Nacht durchtobt.
And einen Kranz muß ich ihr ewig flechten —
zin reiner Tor ist, wer darüber lacht,
Im Karneval hat mir in Münchens Nächten
die Weißwurst immer Frauengunst gebracht.
deut aber, wo ich Franksurts Wurst genossen,
Vergleich ich beide, wögend als Lukull —
da ist die Weißwurst rasch in Nichts zerflossen,
Bei diesem Gezner sinit ihr Wert auf Null!
Zanft schillert sie, wie ferne Morgenröte,
Das Flessch ist duftig, wie Ambrosia,
Ist Frankfurt auch noch heut die Stadt des Goethe,
Als Stadt der „Würstchen“ steht es höher dal
Ruh'n tausend Kränze auch auf diesen Mauern —
Von stolzen Namen, die der Ruhm gewelht,
Ein Ruhm wird sicher alles überdauern:
drankfurter Würstchen winkt Unsterbsichteit!

—eiu y ——*
rtau und von dem »Plan, den Andring entworsen und
rtha mit der größten Lebhaftiakeit erariften hatte. kein
ort gesprochen.
Dem Baron wurde der poetische, aber nicht sehr be
ebte Badeort bald zu „langweilig“, wie er sagte, und e
eiste unter dem Vorwande, einen Freund unweit der Re
idenz besuchen zu müssen, nach der letzteren zurück. Eleo.
oren ward es förmlich leicht ums Herz, als sie seines
Anblickes überhoben war, und auch Bertha schien sich im
Brunde genommen zu freuen, daß er dem ichönen Tal den
Rücken gekehrt hatte. —
Als Andring in der Residenz wieder eintraf, fand er
Zertau inmitten eines Strudels von Vergnügungen; sein
Freunde, welche befürchteten, daß „der Mann aus der
zrovinz“ es vielleicht bereuen könne, seiner „Provinzial
Hönheit“ so plötzlich dden Laufpaß gegeben“ zu haben,
»ußten daflir zu sorgen, daß er in allen den Stunden, in
elchen er durch Berufsgeschäfte nicht in Anspruch genom—
ien war, vor Lustbarkeiten kaum zu Atem kommen konnte.
Sertaus Bemühungen, sich Lucinden immer mehr zu
ähern und allen seinen Mitbewerbern den Rang abzulau—
en, waren dagegen nicht von Erfolg: durfte er an dem
einen Tage mit Recht behaupten, daß sie ihn vor allen
inderen auszeichne — am nächsten Tage mußte er zu sei—.
nem größten Leidwesen sehen, daß sie ihn kaum beachtete.
Als der Hauptmann mit Eleonore etwa drei Wochen
in dem Badeorte zugebracht hatte, erhielt Sertau ein
kurzes Billet von ihm, worin Grauberg ihm meldete, daf
Eleonore ven einer nicht unbedenklichen Krantheit befallen
worden sei, und ihn aufs dringlichste bat, falls dieselbe
bei Verschlimmerung ihres Zustandes den Wunsch äußern
sollte, ihn noch einmal zu seben. diesen Rmich nicht un—
erfüllt zu lassen.
Diese Nachricht brachte eine Wirkung besonderer Art
auf Sertau hervor. Bei einem anderen würde die An—
»eutung, daß diejenige, welche er einst geliebt, dem Tode
ahe sei, Reue über die eigene Handlungsweise hervorge
ufen haben — allein bei Sertau war ein anderes Ge
ühl vorherrschend. Er hatte geglaubt, daß jede Beꝛiehun
—schen ihm und Flaob— in?
3 e 4

AGegen die Viehseuchen. Der Vorstand des Bunde
zer Landwirte hat eine Eingabe an den preußiszen Land
virischaftsminister gerichtet, in der unter dem Hinweis au
die Verhreitung der Maul- und Klaueseuche, die durc
die Oeffnung der Grenzen seitens einiger Burdesstaate.
toch vermehrt worden sei, die Bitte ausgesprochen wird
jzene giest prüsen zu wollen, wie der bevorstehenden Kala
nität am zweckmäßigsten abzuhellen ist. Am bewühlter
Frenzschutz dürfte selbstverständ'ich nicht nur nicht geratel
verden, sondern die erforderlichen Maßregeln müßen nochk
erschärft werden. — Eure Erxzellenz, so heißt es dann
prechen wir in Verfolg dessen die ergebene Bitte aus
gene gtest erwägen zu wollen, ob es nicht bei der gigen
wärtigen Lage der Verhäl nisse angezeigt sein möchte, eiri
Besprechung landwirtschaftlicher Sachverständicger herbei
zuführen zur Prüsung, welche Maßnahmen zrzeit die ge
zignetsten sind, um die der Landwirtschaft und der Alge
meinheit bevorstehenden Schäden zu mildern und auf en
nunlichstes Mindestmaß zu beschränken.
Schie ßerei⸗e Unfug. Auf einem Ausflug der Steg
litzer Gemeindeschule nach Schmöckhwitz wurde ir
einem dortigen Restaurant der 14jährige Schüler Kind ver
einem Kameraden durch einen unglücklichen Zusa!ll mi
zinem Teschin angeschossen und lebensgefährlich verletzt.
Mord. In der russischen Grenzstadt Saraton
tötete ein aus dem Seminar ausgewiesener Zöglina der
Rektor durch mehrere Messersliche.
Die zornigen Winzer. Die demonstrierenden W'n
zer in Barr⸗s Ur⸗Aube zerbrachen in der Unterpräfekwm
einige Fensterscheiben, rissen von der Türe der Präfeltun
die Trikolore herunter und ersetzten sie durch eine rot.
Fahne. Das Gleiche geschah am Rathaus. Der Präfet
hielt eine Ansprache an die Menge und gab dem Winzer
ausschuß die Zusage, er werde die Truppen zurückziehen
wenn sich die Manifestanten ruhig verhalten würden. Nach
dem die Demonstranten dieses Versprechen gegeben hatten
setzten sich Präfelt und Unterpräsekt an die Spitze des Zu
ges, begaben sich zum Marttplatz und befahlen den Trup
pen, in ihre Garnison zurückzukehren. Die Demonstranten
brachen darauf in lebhafte Beifallstundgebungen aus und
zerftreuten sich. Bislang herrschte Ruhe.
Schweres Unglück. In einem Hause in Rottev
dam, das von einem alleinstehenden Ehepaar bewohn
war, entstand durch das Zerschlagen einer Lampe Feuer
Dem alten Manne gelang es mit größter Anstrengung
eine Enkellinder, die wegen eines Familienfestes auf Be
such bei ihm weilten, alle zu retten; als er nochmals in—
Haus zurücktehrte, um seine Frau zu retten, brach er zu
sammen. Mann und Frau verbrannten.
Juwelen-Diebstahl. Der aus Lugano in Menton
eingetroffenen russischen Gräfin von Kusdumoff wurden in
Eisenbahnzuge Schmucksachen im Werte von einiger fünf
zgtausend Franks gestohlen.
Hotelbrand. In Nizza brach in einem der größ
sen und schönsten Hotels in Beaulieu, dem Hotel Bristol
in Brand aus, der das ganze Gebäude in Asche legte
sglücklicherweise waren zur Zeit des Ausbruches des Brau
»es die meisten der in dem Hotel einlogierten Ressenden
mter denen sich auch viele Deutsche befanden, außerhall
geaulieus, zum Teil in Nizza, zum Teil in Monte Carso
odaß Verluste an Menschenleben nicht zu beklagen sind
der größte Teil des Gepäcks der Reisenden in yernichte
vorden.
Bootsunfall. Ein Boot, in welchem sich vier Loot
en befanden, wurde auf der Höhe von Sunderlanf
von einer Sturzwelle erfaßt und ging unter. Ein Damp
er konnte nach vielen Anstrengungen einen Loot'en ret
en, die anderen drei sind ertrunken.
Eisenbahnunglück. Der Eisenbahnzug 602 Barce
ona⸗Madrid ist in der Nähe der Stadt Manres (Spo
tien) enigleist. Das Unglück erfolgte an einer Kurve. Di
rsten Wagen wurden vollstaͤndig ineinander geschoben, wäl
cend die nachfolgenden sich auf die Trümmer der erste
türmien. Vier Reisende eines Wagens wurden getöte
10 andere Personen schwer verletzt.
Unterschlagungen. Nach langwierigen Untersuchun
gen wurde der Chef der bulgarischen Flotte, Nikolajen
und sein Gehilfe Propow wegen Unterschlagungen große
Summen in Anklagezustand versetzt. Die aleichzeitige An
flage gegen den französischen Marine-Instrukteur Pichon
wurde von dem Prozeß agegen die heiden bulaarischen Be
imten abdgefrenn

öααααα
Von der Luftschiffahrt.
*Eine militärische Flugleistung. An
Dienstag Abend landete auf dem Wandsbeker Exerzierpla—
eim Hamburg unverhofft ein Zweidecker mit zwei Ofsi
zieren der Lustschifferabteilung. Er war nachmiticg in
Döberitz aufgestiegen und hatse den Flug in 34 Stunde
zurückgelegt. Führer war Oberleutnant Erlar, Vasso
dier Oberleutnant Mackenthun.
*Glück im Unglück. Auf dem Flugplatz Johau
nisthal unternahm ein neuer Pilot, Krieger, ein ka
erlicher Chauffeur, mit seinent von ihm selbst konstruie
en Doppesdecker Fahr- und Roslversuche. Es gllen.
hmn, mehrere Meter hoch zu kommen. In der Kurve sentt
ich jedoch der Biplan schroff zur Erde und überschlug sie
weimal. Wehrend de Mahine vollkommen zertrümmer
R—

als eine Sterbende vor sich zu sehen! Er fune. daß ern
— DV0
spielen werde — — und dies Gefühl beherrschte jedes
andere. Daß er den letzten Wunsch Elconorens nicht um
rfüllt lassen konnte, war so natürlich, daß ein solchen
Bedanke, zu seiner Ehre sei es gesaat, nicht euumel ir
hm auftauchen konnte.
An demselben Tage, wo Sertau die Nachricht von
Fleonorens Krankheit erhielt, hatte eine größere Eeésell—
chait von Herren und Damen aus der Residenz ernen
Ausflug in das benachbarte Gebirge unternommen. De
»as Wetter sehr heiß war, so zogen es vier Herren vor
nicht weiter zwischen den Bergen umherzuwandeln, son
»ern auf dem allgemeinen Sammelplatze am Rande ei—
ies schönen Waldes zu bleiben und sich dort, rauchend und
rinkend, an der schönen Aussicht zu ergöten.
Ihr Gespräch drehte sich zuerst um Theater und an—
dere Vergnügungen, später aber wandte es sich auf ver—
chiedene Persönlichkeiten in der Residenz, von denen eimige
charf kritisiert wurden.
„Haben Sie denn etwas näheres über die Vermögens—
imstände des Bankiers Billwart gebört, Herr Kommer—⸗
zienrat?“ fragte der jüngste, der vier Herren, ein elegan—
ter Rentier.
Der Anungeredete, ein behäbiger Vierziger, namens
Ensfeld, zuckte die Achseln und versetzte nach einer kleinen
Pause:
„Ich weiß nur, daß sich seine Finanzen in einem sehr
errütteten Zustande befinden, und daß es der größten
unst bedürfen wird, wieder einige Ordnung in dieselben
sineinzubringen.“
„Das ist nichts neues!“ bemerkte ein kleines Männchen,
»er Bankier Walkow, mit spöttischem Ton. „SEchon im
origen Winter stand es se schlecht mit ihm, daß ich je—
»en Augenblick erwartete, er werde seine Zahlungen ein—
tellen.“
„Und doch macht er fortwährend ein großes Haus!“
ief der Vierte, ein angesehener junger Mann, von Beruj
rat. namens Illing.
B seinem Vergnügen tut er es gewiß nicht — das
entgegnete der Bankier. „Er will die Wel—
— 4 I

Lokales und Vermischtes.
Polizeibericht. Im Laufe des Monats *
dei der Polizeiverwaltung Dudweiler zur Anzeige
worden, wegen Diebstahls 19, Körperverletzung 18
beschädigung d, Hausfriedensbruch 7, Beleidigung
heitsberaubung 1, Betrug 3, Veranstaltung öffent'
uͤnrborkeit ohne Erlaubnis 4, Sittlichkeitsverbreche
brechen gegen das keimende Leben 1, Erregung öff
Aergernisses, Gewerbevergehen, Urkundenfälschung
Person, Bedrohung 6 Personen, Widerstandsleistung,“
ingsmittelfälschung und Vergehen gegen das Wein
se 1 Person Uebertretungen 74 Personen.
Im Verwahrlokal waren untergebracht 17 Per—
ruf Grund richterlichen Haftbefehls wurden verhaftet 3
onen, festgenommen wurden 9, obdachlas meldeten
Personen.
Neuzugezogene Personen einschließlich Gewerbeger
und Gesinde aller Art müssen bei Vermeidung von
binnen sechs Tegen polizeilich angemeldet werden.
Anmeldung verflichtet sind auch die Dienstherrsch
Kostgeber, Vermieter usp. Gbenso hat beim Veran
Abmeldung binnen sechs Tagen zu erfolgen.
Neue Bestimmungen für die Eisenbahnbeamte.
Arbeiter über die AUsgabe von Monatskarten
1. Moi ds. Is. in Kraft. Nach dem neuen Bestinmu
verden an Mittlere und Unterbeamte sowie an Eisen
irbeiter zur Fahrt zwischen Wohnort und Dienstorr
wischen verschiedenen Bahnhöfen desselben Dienstorte
Stelle der bisherigen besonderen Zeitkarten für mehrn
iche Dauer nur noch Karten für den Kalendermonai
Preise der Mo zalsne enkarten ausgegeben. Die *
verden jedoch nur dann gewährt, wenn dienstliche
»orliegen, die das Wohnen an einem anderen Orte
einer vom Tienstort entfernten Stadtgegend recht;
Für die Bewilligung der Fahrpreis ermäßigung ist b—
aimten die Eisendahndirektion, bei Arheitern das v
Amt zuständig.
Widerstand gegen den Fortbildungsschuu
trafbar. Ein fuͤr Fortbildungsschüler bedeutun
Arteil hat das Reichsgericht gefallt. Es handelt sie
olgenden Vorfall: Ein Fortbildungsschüler haste de
forderung eines Lehrers, eine Bank zu verlassen,
Folge geleistet und sich dein Lehrer, als dieser Gewa
benden wollte, widersetztz Der Schüler erhielt von
Strafkammer wegen Widerstandes gegen die Staatsg
14 Tage Gefängnis. Der Vater legte beim Reichs(
Revision ein, die aber verworfen wurde mit der Bes
ing, daß der Lehrer in Ausübnng seines Berufes
Beomter anzusehen sei, und das ein demselben bei
ibung seines Beamtenrechts geleisteter Widerstand
zie Staatsgewalt nach 8 113 des Reichsstrafaeseßbuc
oestrafen sei.
Weiterbericht. Die Weitervorlage hat sich nichten
ich geändert doch machen sich Einflüsse der über d
ahafee gelegenen Depression geltend. Das sel
Druckgebiet welches über der Poebene lag und sc
verursachte, hat an Intensität verloren, doch bat
noch ein kräftiger Fön erhalten.
Voraussichtliche Uebersicht: Vorerst noch keine
ing der Wetterlage.
Von den Saargruben. Vor einiger Heit san
Hrube König eine Reihe von Vorträgen, sowie pr—
Vorführung von Schießversuchen mit den im Soa
Jebräuchlichen Sprengstoffen statt. An denselben ber
ich von allen Gruben dahin entsandte Beamte. 2
nun die Aufgabe geworden, die sämtlichen Schie
and Reserveschießunister durch Unterweisung weiter!
belehren. Auch ist auf allen Gruben in letzter 8
Tinrichtung getroffen, daß anstelle des verzinkten
drahtes beim Abtun der Schüsse anf elektrischen
ssolierter Leitungsdraht angewandt wird wobei der
»erfolät wird, eine größere Sicherbeit gegen Verson—
Schüsse zu gewinnen.
Saarbrücken, 230. März. Tie 28. Handwerkst
VKollversammlung der Handwerkskammer Saarbrücke
Fürstentum Birkenfeld hat hier gestern unter reger
Jung getagt. Erschienen war dazu auch eine Den
ius Luxemburg, um die h'esigen Verhältnisse zu
ind denen in Luxemburg eine ähnliche Handwerke
ation ins Leben zu rufen. Beschlossen wurde geste;
kegieruegsentwurf zur Regelung des Fortbildunc
vesens zuzustimmen und ferner eine Neuregeluug
Verhältnisse der Putzmacherinnen und Schneiderine
die dieselben Bestimmungen in Kraft treten werd
ür den Betribe der übrigen Handwerker. — Das
iches Ordinariat zu Straßburg hat, wie mitgeteill
e Pfarrämter angewiesen, bei Arbeitsvergebungen
rinie Innungsmitglieder nnd solche Handwerker zu
ichtigen, die die Gewähr für gute Arbeit leiste
uschof von Trier soll um einen ähnlichen Erloß
verden.
E
zende Partie macht, beror thm seine Gläubiger si
Hals kommen!“ rie Cerber, der Rentier.
„Ich meinle. sie lei bereits verlabht“ hom⸗—
Arzt.
„Verlobt?“ wiederhelte Gerber lachend. „De
rär, der ihrea Vater retten könnte, ist noch m
chienen, und bis der kommit, lößt sie sich von —
hielen den Hof machen — — es ist gar zu schmei
ein Heer von Bewunderern um sich zu haben!
„Ich weiß nicht, wer es mir erzählt hat,“ ver
Arzt — „aber ich habe vor etwa sechs Monaten
daß sie mit dem Baron v. Andring verlobt sei.“
Der in alle Geheimnisse der Residenz eingewe
tier schlug ein lautes Gelächter auf.
Mit dem. Baron v. Andring?“ rief er. Si⸗
diesen Herrn nicht zu kennen!“
„Ich kenne ihn allerdings nur oberflächlich,
iete der Arzt, „begreife aber nicht recht, weshalb
nicht mit Lucinde Billwart hätte verloben können.
letzten Zeit haben mehrere Adelige junge Damen
ichen Standes geheiratet — und so viel ich wert
iberdies nicht von altem Adel.“
„Auch ich kenne den Baron nicht genauer,“
Nentier, „‚und ich zweifle sehr, daß ihn überhaupt
jemand in der Residenz genauer kennt. Sicher ist
viel, daß er der schlauste und durchtriebenste Me—
der ganzen Stadt ist. Ueber sein früheres Leben
ein geheimnisvolles Dunkel — niemand hat ihn j—
als in allgemeinen Ausdrücken von seiner Verge
sprechen höͤren — — seine besten Freunde wisse
mehr darüber als andere, die ihn nur dem Nan
ennen. Es sollte mir leid sein, wenn ich ihm
zäte — — ober ich halt' ihn tir einen schleck“
chen.“ —
Das Gespräch ward hier durch mehrere ande
nehmer an der Partie unterbrochen, denen das
vandern in den Bergen ebenfalis zu beschwerlich e
var. Sie nahmen neben den vier Herren Platz,
begann eine Unterhaltuna. dio⸗ sich um gana o
Dunge droh
            
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