Full text : Dudweiler Zeitung

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Postschließfach Nr. 14.

Dienstag, den 10. Januar 1011.
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24. Jahrgano

Erscheint
äalich mi Ausnahme der Sonn, und
Feiertage.

— Imtliches Publihaflonsorgan
Apnmemns prel für die Bürgermeisterei Dudweiler.
fonatlich 70 frei in's Haus
gebracht, *.
dei daer Post bestellt 228 vierteljährlich. Fernsprech⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 60, 259, 260 1. 1261. Redaktion, Druck und Verlag von J Unlerkeller⸗Dudweller.
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—— »iel mehr sind ais zuhler, dvurch die man die Wabhrheit
Der Fall Durand. zerauslocken möchte. Wenn jetzt englische Blätter den Wort—
Die Geschworenen von Rouen haben kürzlich den so aut des Abkommens zwischen Deutschland und Rußland
zialistischen. Gewerkschaftssekretir Durand wegen Ermord eröffentlichen, so ist darauf nur zu erwidern, daß zwar
ing des Arbeitswilligen Donge zum Tode verurteilt, ob— zerhaudlungen zwischen den beiden Staaten schweben, aber
oohl er an dem Morde persönlich nicht beteiligt war. Sit noch keinerlei Vereinbarung getroffen worden sind, daß
prachen trotzdem das Todesurteil über ihn aus, weil er ch die Verhandlungen ungefähr auf der Basis bewegen,
uf einer Versammlung in der Arbeiterboͤrse zu Le Havri oie in den englischen Blättern angegeben wird, liegt so
donges Ermordung empfohlen haben sollte. Am Silvester⸗ ahe, daß ihre Herausfindung keine große Sehergabe er—
ige wurde Durand vom Präsidenten Fallieres zu sieben— ordert. Wir wiederholen, daß sich die Angelegenheit im
hriger Zuchthausstrase begnadigt. D'e sozialistischen ztadium der Verhandlungen befindet. und dak noch kein
reunde des Verurteilten sind aber damit nicht zufrieden, Abschluß vorliegt.
indern fordern die Revision des Prozesses mit der offen * Gegen den Entwurf einer Verfassung für die
usgesprochenen Absicht, die völlige Freisprechung Durands deich Slande haben am Sonntag große sozialdemo—
urchzusetzen. Soweit der einfache Tatbestand des Falles ratische Rundgebungen in Straßburg, Mülhaufen,
)urand, wie er sich bis jetzt entwickelt hat. Die Tat— Folmar, Metz und einigen kleineren Orten des Lardes
ache der Begnadigung findet in Frankreich ziemlich all— attgefunden. In Mülhausen nahmen die Demokraten an
zameine Billigung? Die Geschworenen, die ihn des Mor⸗ er Versammlung teil. In den Protestversammlungen
»es für schuldig erklärt haben, haben unmittelbar nach prachen u. a die Reichstags-⸗Algeordneten Böhle und
»er Verkündung des Urteilsspruches ein Gnadengesuch an engel. In den Resolutionen wurde entschieden Einspruch
oen Präsidenten gerichtet. Sie begründen diesen Schritt rhoben gegen die geplante Gründung einer preußischen
»amit, sie hätten nicht gewußt, daß die Folge ihres Ver— drendomaäne, gegen die Errichtung einer ersten Kammer,
»tktes ein Todesurteil sein werde, sie wären zu einem egen das Alters-Plural-Wahlrecht und die Wohnsislarsel,
anderen Wahrspruch gekommen, wenn sie diese Wyolaen ze'ordert wird ausreichende Vertretung Elsaß-Lo'hringens
rorausgesehen hätten. m Bundesrat, die republikanische Regierungs?orm, das
Auch sonst haben die französischen Geschworenengerichte zroportional-System und die Volkskammer. Nach dan
m letzter Zeit durch sehr sonderbare Wahrsprüche ihr An— Gersammlungen fanden große Straßen-Demonstrationen
ehen in der öfsentlichen Meinung siark in Mißkredit ge— nit Musik und Gesang der Arbeiter-Marseillaife itatt. die
»racht. Die „Voss. Ztg.“ teilt folgende standalöse Fälle »hne Störung verliefen.
nit. In Paris erschoß Wache de Roo, ein Tunichtgut, der * Die Zeitschrift „Der Volkserzieher“ veröffentlicht eire
uit 32 Jahren noch keinen Beruf hatte, nicht arbeitete Zuschrift des Grafen Posadowsty an den Herausgeber im
ind auf Kosten seiner Mutter lebte, diese Mutter, weil sie Kahmen eines größeren Artikels Ein Uulturpolitischer
Hh ohne seine Zustimmung wieder verheiratete. Die Seine— Lolksrat. In diesem Artikel wird die Zusammensetung
es obreuen sprachen den Muttermörder frei. — Der inseres heutigen Reichstages einer scharfen Kritik unter—
eichner Medaille schoß am Gerichtstage auf seine Gat— ogen. Es heift dort: Jeder für 80 000 Mark verk hwante
„ der er nichts vorzuwerfen hatte, als daß sie die Ehe— dag in der „Volksvertreiung“ von heute sagt es uns, was
zidung verlangte und sich mit ihm nicht versöhnen wollte. ins diese Leute mit dem M. d. R. auf der Visiten!marte
ie Geschworenen fanden ihn des Gattenmordes nicht ützen. Der Artikel wendet sich an die vielen, die an de
hunn schuld'g dagegen des verbotenen Tragens einer eistigen Kultur unseres Volkes arbeiten“, sie werden anf—⸗
ce wofür der freigesprochene Mörder zu 16 Franks eforzert, ihre Saimmen ohne Rücksicht auf den prattischen
se und einigen Tagen Haft mit Strafaufschub ver— zcfolg des Augenbricks, lediglich zu Demonstrationszwek—
pu de. Angesichts solcher Fälle ist es erklärlich daz mn auf einen Mann zu vereinigen, der ihr volles Ver—
itsprechung der Geschworenengerichte in Frankreich auen besitzt. Der Herausgeber hat sich deshalb an den
sonderes Ansehen genießt. Auch die Abänderung refen Pofsadowsty gewandt und ien gebeten, eine solche
eils gegen Durand hat deshalb keinen befonderen andidaiur anzunehmen. Graf Posadowsky sandie aujf
aruch erfahren. J ese Anfrage das folgende Schreiben: Naumburg an der
hr bedenklich dagegen sind die näheren Umstände zaale. Sehr- verehrter Herr Schwaner! Daß dand des
denen die Begnadigung geschehen ist. Die Entschei- Zarteiunwefens und allerlei örtlicher Bruderschaflen in die
ersolgte am Vorabend einer mit großem Lärm an⸗ chste Vertresung des deuischen Volses soviele homines
igten sozialistischen Protestlundgebung und die revo- 5uranti simi gewaͤhlt werden, ist eine ebenso offentkun
iren Führer des allgemeinen Arbeiterbundes haben ge, wie politisch bedauerliche Tatsache. Meine eigenen
ens den äußeren Schein für sich, und können Fch Lünsche sind unter den gegenwärtigen Verhältnissen auf
durch Drohungen die Begnadigung des verurteil⸗ ein Mandat gerichtet, und ich müßte jede Beseiligung cn
aossen ertrozt zu haben. Aber mit diesem Erfolg inem Wahlfeldzuge ablehnen. Wollen mich aber gewifse
wie gesagt, noch nicht einmal zufrieden, sie for⸗ influßreiche Gruppen als Zaͤhstandidaten aufftellen, um
en. die Reviston des Prozesses und die Freisprechung er Uebereinstimmung ihrer eigenen Ueherzeugungen mit
urands. Gelingt es ihnen, mit dieser Forderung durch neinen so oft erklärlen politischen Ansichten Ausdruck zu
udringen, so eröffnen sich sehr trübe Aussichten für die eben, so habe ich dagegen keine Bedenken. — Der Br'ej
inftige Eniwickelung unseres großen Nachbarstaates. Daß heint in sehr Hortor Perstimmung geschrieben 31u sein
Rrand verurteilt wurde, ist in allen ernstgesinnten Kreisen
zrankreichs begrüßt worden. Die immer gefährlichere Aus. Rußlaud.
reitung der syndikalistischen Gewaltherrschaft fsordert ge⸗ v*Die Nachricht von der Anl eAna enner 3 l o t
ieterische Strenge und ein Einschreilen der Staatsgewalt en st at ion in den finnischen Schiren wird in Peters
ind der Gerichte. Soll die Handlungsweke eines Durand u g als Ersindung bezeschnet. Die Veste Sveaborg bei
ur straflos erklärt werden, so ist das eine Bankrot erklä. essingfor genüge volltommen zum Schus der finmi,
ung des Staates, eine Kapitulation der bürgerlichen Ge— chen Schären— Vielleicht sind die Eerüchte zurückzu—
ellschaft vor der Gewaltherrschaft des Sozialismus. Sol te chren auf den geplanten Hafenvan im Blsrke-Sund, der
zirklich der Prozeß Durand sich zu einem Seitenstück zum ·mnächst in Angriff genommen werden soll, da das Fahr—
zrozeß Dreyfus entwickeln, so würde es wohl as ein »asser bei Wiborg zu slach ist. Das ganze Unternebmen
Vendepun't in der inneren Entwickelung der franzzsischen all iedoch in vriva'sen Händen sein.
depublit bezeichnet werden müssen. Tiürkei.
T— — * Ein Leitartikel des offiziösen „Tanin“ beklagt bitter,
Politische Nundschanu daß bei den Abmachungen zwischen Rußland und
Deuisches Reich deutsschland über den Anschluß der trans,
— snenn ersischen Eisenbahn san die Hanekin-Bag—
*RDie „Köhn. Ztge“ schreibt über dis deutssch-runs— adeZweiglinie das ariische Selostbewußtsein ver—
siche Abkommen: Man muß sich darau' geta't ebt sei, indem die dahingehenden Erörterungen ohne Zu—
cachen, daß die nächste Zeit noch manche Nachricht über iehung der Türei vo gingen. Der Artisel nimmt die
o deutich rnssichen Berhandlungen singen mind die nic zondaatr Meltaran des Wariser Temos“ zum Aus

— L

dopfbedeckungen gegenüber bildet, eine Form zu geben
die beim Schieden nicht hindert. Nukerdem muß reichlich
Luftung des Innern vorhanden sein und die Zacbe muß
der unserer Feldbetleidung sich anpassen. Vor allem wird
die Fraͤge zu enischeiden sein, ob wir zu einem Helm ge—
langen, der in gleicher Weise für den Kriegsgebrauch wie
sur den Friedensdienst im Standort sich eignet. Komm
sür ersteren lediglich der Cesichtspunkt der Bequemlichkei
und Tauerhaftigfeit in Frage, so darf sür letzteren auch
die Frage der Kleidsamseit, des guten Aussehens ange
messene Beructsi htigung verlangen. Zwei Helmarten üñͤ—
heneiuander erschweren den Wirtschaftsbetrieb und zwat
ramentlich wegen des zu langsamen Verbrauchs und d—⸗
chwiergen Auf'rischung der Bestände. Grundfätzlich wir—
edenfalis an der historischen „Pickelhaube“ festgehalte;
verden ije wird nur sozusagen „modernisiert“ werden.
— JMe— —22327—7—23—3
*
vaqaiste Steinbrücke der Wel⸗

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Die nach langwierigen, unter größten Schwierigkeiren
jergestellte neue riesige Steinbrücke in der Nähe von Con
tantine in Algier wird in den nächsten Tagen ihrer Be
stimmung übergeben werden. Die neue Brücke, die größte
ihrer Art in der Welt überspannt in kühner Konstruktion
nn einer Höhe von 110 Metern ein tiefes Flößtal. Letz⸗
teres hat eine historische Bedeutung dadurch, daß in ihm
die Gebeine mehrerer Tausend französischer Soldaten mo⸗
dern, die bei dem kannten Zuge der Franzosen gegen der
in Constantine verschanzten Abb-el-Kader durch Hunger
Lälte, Waffengewalt und Krankheiten hier elend umkamen
Die auf unserem beistehenden Bilde dargestellte Brücke ha
ine Spannweite von 77 Metern und übertrifft damit di
zroße steinerne Eisenbahnbrücke über n Pruty bei Jare—
noze in Oesterreich in der Spannweite um mebhr als 19
Reter.
Ankanund Ernteflächen in Deutschland
Zu den wichtigsten Fragen der landwirfischastlichen
Ztatistit der Gegenwart gehört die vielfach wechselnde Ver⸗
eilung der nutzbaren Bodenfläche auf die verschiedenen
darauf angelegten Kulturen. Durch die Neuanlage von
Wegen und Eisenbahnen, durch Errichtung von Gebäuden
ait Hösen werden der Landwirtschaft unausgesetzt ziem⸗
sch umsangreiche Flächen entzogen. Viele Aecker werden
musgefocstet, und dem früheren Zwecke entzogen, dafür aber
auch Sandflächen, Moore usw. zur landwirtschaftlichen Be—
nutzung herangezogen, daneben aber auch das Brachland
mmer mehr einoeichräznte Mach den neuesten Mitteilun—
— —
Aber der blieb dann doch noch im Zimmer stehen, als
er Diener gegangen war.
Es ist kein gutes Bild Seiner hochseligen Durchlaucht,“
agte er langsam. „Es liegt ein fremder Zug in dem Ge
slur — es fehlt, wenn ich so sagen darf, das Besondere — -
Sie verstehen mich, nicht wahr?“
„Nicht ganz — und ich begreife nicht, weshalb der Prim
Wert darauf legen sollte, ein schlechtes Bild seines Vater;
zopieren zu lassen. Aber wenn's dem Prinzen so beliebt —
ich habe nichts dagegen einzuwenden.“
„Ja, natürlichs“ Schönborn lachte diskret, aber er
machte doch ein recht saures Gesicht dabei. „Was sollten Si
auch dagegen haben?“
Wolff saß noch ein Weilchen am Fenster; aber dit
Ztimmung war doch verflogen, und er fand sich nicht wieden
„inein. So stand er auf und schlenderte ins Atelier i
iber.
Das Bild stand im Schatten gegen die Wand gelehnt
Wolff rückte es ans Fenster und betrachtete es prüfend
Wahrhaftig — Prinz Wolff Egon hatte recht gehabt, wenn
er das Bild besonders gut fand — und Schönborn war eit
Banause. Das Bild gab die noch knabenhaft weichen Zügt
eines Zwanzigjährigen in meisterhafter Lebensfrische wie
der. Auf den Kopf war eine beispiellose Sorgfalt verwen
det, die Husarenuniform dagegen war mit unverkennbaren
Absichtlichkeit nur lässig hingepinselt, denn der Kopf tra
darum nur um so wirksamer hervor. Es war eine lohnend
Aufgabe, dieses Bild mit seiner weichen Schönheit nachzu—
schaffen, und nun zum ersten Male kam zu der Freude an
der Heimat auch die Freude an der Nrboit die shn in die
Heimat geführt hatte.
Wolff rückte die Staffelei ans Fenster und stellte das
Bild darauf. Von dem flammenden Abendhimmel draußen
fielen rosige Lichter darauf. und die erböhten den Findrue
der Lebensfrische.
Er warf sich auf einen Stuhl, und seine Blicke ruhten
vpersonnen auf dem jungen Gesicht, das aus dem Rahmen
heraussah. Namentlich die Augen fesselten ihn; es war ihm
als sähen sie ihn leibhaftig an, und sie kamen ihm so ver
traut vor, als habe er zeitlebens in sie hineingesehen.
Er mußte unwillkürlich lächeln; das war nun ein Prin
gewesen! Ein junger Mensch wie Millionen andere; freund
lich, liebenswürdig und jugendfroh — nichts weiter; nichts
besonderes, keine Eigenart und kein Eigenwert; und dock
atte eine Zufallslaune ihn vor Millionen auf die Höhe
er Menschheit erhoben, alle Schäv— Qehens Bou
eIhstperständsicher Raronitmioene

Zwei Konigskinder
„Ich vitte Sie um eins, Herr Intendant: ich bin kein
ädiger Herr.“ Und scherzend fügte er hinzu: „Ich wüßte
enigstens nicht, wem an meiner gnädigen oder ungnä—
nen Gesinnung etwas gelegen sein könnte. Also tun Sie
schon die Liebe, mich bei meinem Namen zu nennen.
vas die Zimmer angeht — die sind prächsig und ich
llauf zufrieden. Dann noch eins: Vielleicht haben
e Freundlichkeit, zu voeranlassen, daß mein Gepäd
hnhof geholt wird — ich möchte recht bald in Hrd
mmen.“
ich werde sofort Befehl geben,“ sagte Schönborn
ut. Dann fragte er auch, ob er Wolff ein Frühstüd
orgen lassen dürfe und ob Wolff doch nicht lieber drüben
ANhlosse speisen wolle
dolff sah Schönborn erstaunt an.
ber Herr Intendant! — Ich bitte Sie, lassen Sie
er servieren. Hier ist s praͤchtig, und ich denke, daß
y hier sehr wohl fühlen werde. Uebrigens: ich hab
ich Hunger. Denken Sie — der dreistündige Marsch
der Bahn hierher!“
zenn wir gewußt hätten, wann Sie zu kommen ge—
würde ich natürlich einen Wagen an die Bahn ge—
aben.“ Das klang so aufrichtig bekümmert, daß
ell auflachen mußte.
is glaub' ich Herr Intendant; aber Sie würden
h mit der feierlichsten Einholung nicht die genuß
deimkehr verschafft haben, die ich nun in dieser köft.
Morgenwanderung gefunden habe. Meine Fahrt
r ist nämlich so etwas wie eine Heimkehr, denn ich
in Wiesenburger.“
Schönborn erschrak, und er starrte den Künstler wie
geistert an. Sie sind ein Wiesenburger,“ wiederholte
tonlos. Dann raffte er sich auf: Aber ich will in die
iche gehen und selbst nachsehen, was wir zu bieten haben.“
er an der Tür blieb er dann nochmals stehen: „Ich
nsche, daß es Ihnen hier recht gut gefallen möge.“
„Danke verbindlichst,“ rief Meortt hoiter dos wird
n werden.“
Dann sann er dem Alten und seiner merkwürdigen
nach. Was war mit dem? Hatte etwa der Sekretär
Prinzen ihn so warm empfohlen? Aber der kanrnte
mja gar nicht, und er wußte jedenfalls nichts von ihm,
er der Prinz? — Auch das war nicht wahrscheinlich.
Aber er war nicht in der Stimmung, ernsthaft dar⸗
er nachzudenken. Was lag denn auch daran? Jeden.
var alles ganz vortrefflich, gerade so, wie's nun ge—
war und dos übri—de solIie ibm loiknüttiee

—

Nach dem Frühstück pinns Molff Resemann im Zim
ner nicht mehr aua. Cin re, eqge Ruhelosiokeit hatte fid
einer bemächtigt; er walle nous, er wollte sehen, waß
s hier zu sehen gab, und ei wollte vor allem sich genug
un in dem Bewußtsein, daß er nun alle Enge und Jäm
nerlichkeit seiner Stadtexistenz voergessen konnte.
Im Walde nahe hinter dem alten Schloß traf er den
duhhirten mit seiner Herde wieder.
Der freute sich offenbar, als er Wolff daher kommen
ah, aber er blieb ruhig sitzen und hob nur mit einem hallb
ertraulichen Gruß die Hand bis zur abgerissenen Hut—
rempe.
„Nun,“ fragte er gemütlich, „haben Sie sich ein bischen
erausgemacht? Der Tag ist auch wunderschön!“ Dann
ückte er zur Seite und deutete auf einen alten Sack, auf
em selbst bis dahin gesessen. „Wollen Sie sich nichi
tzen?“
Danke — behalten Ee nur Ihren Platz; ich mach's
tir schon bequem.“ Und Wolff warf sich lang auf den
ücken und blinzelte den Alten behaglich an. „Nun isi's fasi
o, wie einst, nicht wahr? Nur. daß wir beide ein, wenig
lter geworden sind.“
„Ja, ja. Aber es ist heute auch noch ganz schön. Mir
efällt's alleweil noch ganz gut auf der Welt.“
„Nun seh' einer!“ Wolff richtete sich ganz auf. Ihnen
efällt's auf der Welt, und unsereiner ist mit all seiner Ju⸗
end mitunter so trübselig gestimmt. daß man den ganzen
Zeutel am liebsten von sich werfen möchte. Da ist also auck
as noch so, wie es früher gewesen: ich muß Sie beneiden.“
„O nein, beneiden! — Wie sollten Sie denn mich alten
Nann beneiden! Aber was tät's denn helfen, wenn ich un—
ufrieden wär'? Gar nix! Nein, und da ist's halt doch
mmer besser, ich lach' und wart's ab, bis es mit Gottes
zilf' anders wird.“
Da Wolff schwieg und sinnend durch die Stämme hin—⸗
urch sah, begann der Hirte die Unterhaltung von neuem.
„Nun und wie gesaüllz's Ihnen denn im Schloß?“
„Im Schloß? Davon dadͤ' ich eigentlich noch nicht viel
iehr gesehen als die Mauern. Ich wohne im Kavalier—
geg und da gefällt's mir sehr auf Es ist wundervoll still
a oben.“
„Jetzt schon,“ meinte Emil nachdenklich. „Aber früher,
vor dreißig Jahren, wie Prinz Ferdinand, der Vater vom
zigen Prinzen noch jung war. Das war ein Lebenl!
enn der Prinz da war, dann hat er auch immer 'ne Menge
zut' bei sich gehabt, und dann ist's toll hergegangen dort
oben. Er hot's wirklich »Disld gotriohan Ra n -
—

„So lange schon! Ich kann mich nur dunkel entsinnen,
aß die Prinzessin mit dem kleinen Prinzen Wolff hier war.“
„DJo, die Prinzessin! Die war eine brave Frau und die
at's auch nicht gut gehabt. Der Prinz ist immer hinter
inderen her gewesen, und sie hat ganz genau Bescheid ge—
vußt. Er soll sogar früher schon einmal verheiratet ge—
vesen sein — heimlich; aber davon weiß man nichts Ge—
visses — nein, und die Leute reden halt viel mwenn der Taa
ang ist.“
„Leider!“
Wolff schwieg und wieder sah er sinnend ins Blaue.
Fin Elendsbild, das der Alle da in ein paar Strichen ge—
eichnet — Elend da, wo seine kindliche Phantasie nur
slanz und Wonne gesehen. Und wie tief mußte dieses ver—
chwiegene Herzenselend von der zarten, feinen Prinzessin
mpfunden worden sein! Vielleicht war sie darum so früh
estorben, vielleicht war sie froh gewesen in dem Bewußt⸗
ein, gegen all den Glanz des Lebens die Rube des Todes
intauschen zu fönnen.
Der Hirt stand auf. Seine Herde war weiter in den
Vald hinein gegangen und er mußte ihr nachgehen.
„Nichts für ungut,“ meinte er treuherzig, „wenn ich
»a etwas gesagt habe, was Sie nicht gern gehört haben.
Ind jetzt muß ich ein Stück weiter gehen. Adieu. Herri“
Wolff sah ihm ernst nach.
„Adieu!“
Eine Weile noch blieb er sinnend liegen, dann machke
r sich auf den Rückweg. Ein Schatten war auf seine Freude
jefallen, und während er still dahinschritt, mußte er un⸗
iusgesetzt an die arme Prinzessin denken.
Am späten Nachmittag endlich kamen auch seine
Sachen an. Er machte sich ans Auspacken und bald war
illes für den, Gebrauch geordnet. Dann ging er zum In—
endanten und bat er möge doch veranlassen, daß das Bild
»es Prinzen Ferdinand in sein Atelier gebracht werde.
Wolff saß am offenen Fenster seines Wohnzimmers
ind genoß träumend den, im Scheiden noch wundervollen
Tag. Der Himmel war in prächtige Lichter getaucht, die
edem Pinsel spotteten; drunten im Tal hoben sich feine
Schleier vom Wiesengrund. Die Ruhe, die ihn umgab,
timmte ihn fast feierlich. Wie schön ist doch die Wel —
vie wunderbar schön!
„Stellen Sie's nur ins Atelier!“ bat er, als der In⸗
endant und ein Diener hereinkamen und ein großes Bild
m schlichten, schwarzen Holzrahmen hereinbrachten. Er
ollte sich nicht aus der Stimmung reißen lassen und er
ua iett nor allem auch kein Verlangen nach einer Unfor
            
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