Full text : Dudweiler Zeitung

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für den KGürgermeiftereibezirk Dudweile: Sonntagsblatt und Heitere Blätter.
Fernsprech-Anschluß Faorhrücken Nr. k9, 259, 269, und 1261. — Verantwortlich für die Redaktion 2.Unterkelller, für den Anzeigenteil Karl Unterkeller. — Druck und Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler.
— — t ⸗ — — — —j,e ,5cc — ——— — — —— ———— — * —7 5 8 —
de e eez e ——58 —— Naheniche Mehandinga degeben, Todentane muen se
Nr. 55. Montag, den 6. März 1811. 24. Jahrgang.
— —— —— Sahrgang
3 3 ete heftig, daß es unmöglich sei, an die Eventualität eines
Delecassees Sturz im Juni 1905. sdrieges zu den'sen, —* dazu nicht bereit sesen, und
Der Direttor des Figaro“, Gaston Calmette, komme daß um jeden Preis der Krieg vermieden werden müsse
einer Zeitung auf den Sturz Delcassees zurüch die Schlußfolgerung Berseaur' war so formell, daß Rou
schildert den Vorgang dieses Sturzes, wie er sich im ier kein Wort weiter hinzufügen konnte. Delcasse
iisterrat vom 6. Juni OH vollzogen haben soll; ielt jedoch seine Ansicht aufrecht. Er versicherte, daß
Am 31. Mai haite man in Paris erfahren, daß der jrankreich niemals in eine bessere Lage komme, als in
lfan von Marokko auf Anweisung des Grafen je, welche er soeben auseinandergesetzt habe. Man dürfe
tenbach dem französischen Gesandten notifiziert hatte, er icht vor der Möglichkeit eines Krieges zuriiclweichen und
Nichtige, die franzoösischen Vorschläge einer Konferenz nüsse in jedem Falle, was es auch kosten möge, ab—
unterwersen, an welcher sämtliche Mächte teilnehmer ehnen. Aber diesmal wurde Delcassee mit viel we—
nen, die den Vertrag von Madrid unterzeichnet hatten tiger Erregung angehört. Jeder Minister hatte sich in sei—
Tage darauf hatte Deutschland in einer Note an die em Gewissen mit feiner Politik abgefunden. Der Minisier.
ireter der sämt ichen Mächte im Prinzip der Konfe räsident Rouvier hat seine Kollegen, einen nach dem an—
zugestimmt. Das war der vollständige Mißerfol— eren, gebeten, ihre Meinung über die Annahme oder Ab—
rer Diplomatie und Politik, welche seit so vielen Jah ehnung der Konferenz zu sagen. Die Minisler erklärlen
alles der maroklanischen Frage geopfert hatte. Um die instimmig, daß der Vorfschlag Delcassees nicht annohmbar
de frei zu bekommen für seine maroktanische Politik ei, und daß man der Konferenz zustimmen müsse. So
e Delcaßsee Tripositanien an JItalien abgetreten, die ort nach der Abstimmung erhob sich Delcassee und er
okkanische Küste nördlich von Tanger an Spanien. E— lärte, daß er seine Demifsion gebe, und verließ den —EX
e zu Gunsten Englands auf unsere hervorragende Si — — 7
ion in. Aegypten verzichtet und gleichzeitig nicht nui Politische Rundschau—
r Fischereirecht in Neufundlend, sondern auch unsere Densches Rei F
»ressen in Afrika vom Kap bis nach Kairo abgetreten, — eut e eich.
uun stieß ganz plößzlich diese Politik aus die laute * Ue ber Kaiger Wilhelm und der Stur z D e l⸗
formelle Feindseligkeit Deutschlends, welches Delcasse⸗ assees berichtet der Hamburgische Korrespondent: Am
schmeichelte, isoliert zu haben, welches aber unter Be— 7. JZuni 1905 befand sich in Berlin General de la
ng auf seine Handelsinteressen im Mittelmeer nun die roir als Leiter der Deputation, die zur Hochzeit des
le umkehrte, als Ratgeber des Sultans von Marokk eronprinzen vom Präsidenten Fallieres nach Berlin ent
rat und trotz unserer Veriräge die alte Situalion il indt worden war. In Doberitz bei einer Parade zeigte
olto durch sein Veto gegen uns zu erha'ten fuchte daiser Wilhelm dem General das Telegramm, in welchem
anze Politik Delcassees war plötzlich durch ihre Er er Ruͤcktritt Delecassees geineldet wurde. General de la
vernichtet. Sollte die franzosische Regierung di roix soll darauf zum Kaiser gefagt haben: Ich beglüd—
e der Konferenz annehmen, die der schlechten Laun »ünsche Frankreich, ich beglückwünsche ganz Europa.
Reichoͤlanzlers Fürsten v. Bühlhow entsprang? Went * Das Zentrum beantragt zur zweiten Lesung des
Konserenz nicht zustande komme, so erklärte Fürst Ra tats des Reichs amts des Innern wieder eine Aenderung
n offiziell Herrn Rouvier, werde Deutschland hinte 3823 des Fleischbeschaugesetzes dahin, daj
Sultan stehen. Die marokkanische Angelegenheit wa e Kesten der amtlichen Untersuchung von den Bundes
gedessen die Sache Deutschlands geworden, und desse; zaten getragen werden.
tik wurde gleichzeitig durch die Rachsucht des verletzien e Das Präsidium des deutschen Handelsta
zes und durch die Ungeduld der Kriegspartei gedrängi zges und das Direktorium des Hansaundes für Ge
Konferenz ablehnen, wäre also der Krieg gewesen. verbe Handel und Industrie schlossen ein Abkommen übe
In diesem Sinne gehaltene Darlegungen machte Rou Abgrenzung der Arbeitsgebiete des deutschen Handelstage⸗
r vor allen übrigen Ministern, die sehr erschütter ind des Hansabundes ab, sowie über gemeinsame Beaet
en. Sodann gab er Delcassee das Wort, der eitung großer wirtschaftlicher und wirtschaftspolitische
er stillschweigend dieses eindrucksvolle Expoßee seinen zragen.
nen Fehler gehört hatte. Der Minister des Aeußerr * Von zuständiger amtlicher Stelle wird die Täglicht
andte seine ganze Wärme und Energie für seine Ver— dundschau“ ermächtigt, gegenüber der Meldung der „Straß—
jung. Er schwächte die Folgen semer Politik nich urger Post“ über die angebliche Stellung verschiedener
er unterstrich im Gegenteil seine Schlußfolgerungen zundesstaaten zur Frage der Verleihung von Bundes
ragische Ausdrücke, indem er versicherte, es sei un— atsstimmen an Glsaß-Lothringen mitzusel—
ich, die Verträge, die Fraͤrr'reich mit Spanien und en, daß die ganze Meldung auf halthosen Koöm—,
and unterzeichnet habe, um seine Aktionsfreiheit in Rinationen berub⸗
otto zu erlangen, der Diskussion fremder Mächte zu
breiten. Er füg‘e hinzu, daß aus London ihm ge—
Informalionen zugegangen seien, welche ihm gestat—
mit der Möglichkeit zu rechnen, ein mil tärisches Ein—
hmen mit England zu unterzeichnen, und daß diefen
ernehmen alsdann die beiden Völker gegen jede Droh.
von deutscher Sete sicherste len würde Wir haben
so erklärte Deleafsee, ein Mittel, allen Schwierigkei—
vorzubauen, salls diese Schwierigkeiten in Wirklichkeit
hen sollten. Herr Rouvier bemerkte darauf, daß
militärisches Einvernehmen, das in diesem Augen Hlich
England abgeschlossen würde und dessen Wenear nwihi
tieren wolle, doch sofort einen Konflikt mit Deut'ch
entfalten koͤnnte, weil Deutschland darin eine gus
zlich gegen sich gerichtete Spitze erblicken würde.
chland würde einen Att des direkten Angriffs dariv
und daraus einen Kriegsfall machen. Herr Del—
see erkannte an, daß man alserdings diesen Fal! ins
fassen müsse, und daß er ihn seit längerer Zeit de
vorgesehen habe, aber daß wir jetzt mit der Unter
ng Englands allen die Stirn bieten könnten, selbs
mKriege mit Dentschland. Bei diesen, mit unbewuß
Eifer hingeworfenen Sätzen bemächtigte sich des Pli
rais die höchste Erregung, und Rouvier wandie sig
erteaur, den Kriegsm'nifier, um ihn »u fragen, was
on dieser Koniunktur dense Berte au r antwvor

aus gesto hen, einem Leumant und einem Musketier bei de—
techtmäßigen Ausübung ihres Dienstes gewalssam Wider
land gele stet und schließlich dem eiren Musketier Geschent
ingeboten zu haben, um ihn zu einer Verletzung seine
dienstpflicht zu bestimmen. In der zehn Folioseiten um
assenden Anklageschrift lauset nichst Samain die schwerst
Anklage gegen Nicolas und Schneider, die beide seit den
. Januar noch in Haft sind. Bemerkenswert ist dabei di
Festsiellung, daß Schneider nicht der „Lorraine Sportive
igehörte, sondern zu dem Janhagel zählte, der überal
nitmacht, wenn es gilt, der Obrigkeit Widerstand zu le
ten. Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft' 41 Zeugern
»enannt. Die Personalien der neun Angeklagten lauten
Llexis Samain, 26 Jahre, Kaufmarn:; Sehl, 32 Jahre
Zaugewerksmeister; Nicolas, 27 Jahre, Instailaicur; Ma
in, 27 Jahre, Bankbeamter; Schneider, 37 Jahre, Schlos
er; Lorenzer, 20 Jahre, Modellschreiner; Tournois, 11
Jahre, ohne Gewerbe; Marin, 17 Jahre, Kaufmann
zracchi, 18 Jahre, Laufbur'sche.
JDer Prozeß Bock. Samstag vormittag begann in
zerlin der Strafprozeß gegen den Reltoör Bog
ind den Lehrer Kumöfel wegen Sittlichke tsverbrechen⸗
uind Beleidigung. Während der ganzen Dauer der Ver.
zandlung wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Nur bn
Zertretern des Schulkollegiums wurde gestattet, den Ver.
jandlungen beizuwohnen. Für den Vrozeß sind drei Tage
Aussicht genommen.
— —
Von der Luftichtffahrt.
*»Zum Ueberlandflug. Als Abschluß des Zu
erlässigkeitssflugs durch die Oberrheinische Tief
bene veranstalten die drei, Frantfurter lust' portliche
Vereine, Verein für Lu'tschikffahrt. Fran furter Flugsport
lub und Flug'echnischer Verein, vom 27. Mai bis 5. Jum
n der Festhale ene „Flugzeugschau Frankfurt 1911“. Di
Ausstellung, an deren Spite Geheimrat Jean Andra«
und Prof. Wachsm'ith stehen, wird fosgende Gruppen um
fassen: Flugze ge. Motore und Schrauben, Rohmaterial
Aulagen für Flugplätze und Flugstraden. Tesegraphie, Wis
enschajtt, Werkzeugmaschinen, Hiifsindustrie, Wetterdiensi,
unst und Bibliographie. Für das Flugunternehmen ip
ein Frankfurter Lokalkomitee in Bildung begrfsen, dem
das „Ila“Präsidium, Gehesmräte Dr. Gans und Dr
Tarrentrapp und W. vom Rat vorsteht. Diesem Komited
ällt in erser Linie die Aufgabe zu, die nicht undeträcht
ichen Geidmitiel aufzueringen. Man hofft dabei auf wei
ere Kreise, die am Zremdenverkehr interessiert sind. Das
uternezmen wird zwelfe'los eine große Anziehurgskraj
zussiben und viele Neugierige aus Nah und Fern an
ocken. Vom Norden sollen Extrazege nach Frankfurt a
—O——
Belände am Rebstöcker Wald hergerichtet. Dort beginn
ehen die „Delag“ mit dem Bau ihrqe Luftschiffhafens, der
dicht an den Wald gerückt wird. Sas übrige große Ter
rain ist für die Landung der Flugmaschinen frei.
*Die Flugwoche in Gotha. Im Laufe des
Freitag wurde die Flugwoche auf dem Flugfeld bei
der Gothaer Lujtschiffhalle offiziel durch verschiedene Flüge
röffnet, an denen sich die Flieger Po ulain, Thelen,
Feannin und Caspar beteiligten. Poulain und
Jeannin führten verschiedene Schauflüge aus. Sie blieben
ßis zu acht Minuten in der Luft und gewannen, da sie
damtt die als Mindestgrenze festgesetzte Zeit von 53 Minu—
ten überschritten, Preise von je 1000 Mark. Thelen hatte
das Unglück, das ihm eine Luftschraube brach und konn«
nieet aufste'gen. Auch Caspar konnte sich mit seinem Ap—
parat nicht vom Boden erheben. Das Herzogpaar
wohnte den Schauflügen bei. — Der Ueberlandflug von
Gotha nach Weimar wird in dieser Woche umtoesnnomnien.

*Rumänische Studien-Kommission. De
von der rumänischen Regiernng zum Studium der den
schen Flugzeuge entsandte Militär-Kommission, bestehent
ius drei Ofsizieren stattete dem Johannisthaler Flugplatz
inen längeren Besuch ab. Die Herren begaben sich, nach
dem sie alle Einrichtungen besichtigt hatten, in die Piloten
chule der Flugmaschinen-Wright-Gefellschaft, wo fie die
n dem Schuppen befindlichen Doppeldecker in Augenschein
abeen 7 tsan ner erbot üch, irotz des
— — —
r.Sk ritt. Sie sah ihn aufsteigen und mit dem Reitknecht
schelten, als sie rasch an das Fenster des Eßzimmers net
en draußen im Freien hörte sie den Galopp seines
Niemals durfte sie ihm wieder über Wendelin klagen!
Ind wenn Wendelin sie tödlich zu beleidigen vwagte sie hatte
as ganz allein mit Wendelin abzumachen. Kam sie noch
inmal so forderte er Wendelin und das andere war mi
uszudenken, denn ihr eigenes Leben, ihre Zukunft, ihr alles
uf Erden lag dann in Scherben mit dem deben deß arr
Ues Geliehten. —— —
Er war ihr Schicksal, ihr Verhängnis. Wohin es ⸗
führte, hattie sie zu folagen

Das neue französische Kabinett.
* In dor sozialistischen Kammerfraktion kam es zu eine
bhaften Auseinanderfetzung über die von der Partei ge—
enüber dem neuen Ministerium einzunehmende Haltung.
Faures vertrat die Ansicht, daß es im Interefsse ber
bartei liege, der Regierung nicht prinzipiell das Vecr—
rauen zu verweigern. Die Gegenwart von Caillautr
zerteaur biete eine Garantie dafür, daß die Regien J
zen guten Willen habe, die Einkommensten
zurchzusetzen und auf die Eisenbahngese lschaften ei
virken im Sinne einer ausgedehnten Wiedereinste«
ung der beim letzten Ausstande entlassenen Arbeiter und
Angestellten. Jules Gues de bekämpfie diese Ausfüh—
ungen. Das neue Ministerium rechtfertige den
Iptimismus Jaures' keineswegs; es werde das Vertrauen
er Arbeiterpartei ebenso täuschen wie alle bürgerlichen
Ninisterien vor ihm. Die Fraltion kam noch nicht zu ei—
jent bestimmten Beschluß. Aus der Debatte geht jedoch
ereits hervor, daß ein namhafter Bruchteil der Soziali—
ien fürr die Regierung stimmen wird, während andere sich
der Abstimmung enthalten werden.
* Der „Matin“ berichtet, das der Minister des Aeußern
Fruppi, während der Besuche bei den Vertretern der
remden Staaten diesen gegenüber den Wunsch ausgedrück⸗
sJat, die Bündnisse Frankreichs mit den anderen Mächter
zeizubehalten und zu befestigen, andererseits die wir
chastlichen Beziehungen Frankreichs zu den übrigen Mäch—
en azu erweitern und ebenfalls au hatoftigen
— —
iHerichzspenrung.
J. Die „Lorraine Sportive“. Die Antkllageschrift der
Ztraf imnmer in Meßz in Sachen der „Lorraine Spor ie“
st dem Vorstzenden Alezis Samain und acht Miteange! ag
en zur Beanworung innertatb der u chsten sieben Tan«
ugegaͤngen. Sie lauiet gegen Saman und zwei Mit
lieder der Gesellschaft dahin, daß sie in die Geschäuts—
äume und in das eingerriedigte Besitztum des Hotels
kerminus in Metz widerrechtlich eingedrungen seien und
war geme'n'chaftlich; gegen Samain auf zwei weitere
elbständige Handlungen, durch die er öffentlich vor einer
Nenschenmenge zum Ungehorfam gegen Gesetze, rechtsgeil
ige Verordnungen und die von der Obrigkeli innerhalt
hrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen ausgesorder
Jabe. Ferner soll Samain ein öffentliches Konzert ohn⸗
polizeiliche Erlaubnis veranstaltet haben. Fünf weitert
bersonen werden angeklagt, weil sie durch Teilnahme
einem lärmenden Umzug und an einer Kundgebung ung
bührlicherweise ruhestörenden Lärm erregt und grober
Unfug verübt hätten. Zwei weitere Personen sind bezich—
igt, einen Aufzug ohne die vorgeschriebene Genehmieuncç
geleitet zu haben. Der Angeklagie Nicolas soll sich danr
ioch durch eine selbständige Handlung an einer öffentlicher
zusammenrottung beteiligt haben, bei der mit vereinien
räften dem Schutzmann Bohn 2 bei der rechtmäßiger
Ausübung seines Amtes gewalt'am Widerstand geleiste
vorden sei. Das Mitglied Schneider ist angeklagt, ducd
rei rα tentiäne aufrührerüsche Ruf—
AVLIE LeIeill. VV Vegrelt, buß vies adbder vuttlt ver Anfang
ehr ernster Stunden für dich wäre und dann noch eine au
dere Sache —“
Sie erhob die schweren Lider von den heißen Wangen,
die in Tränen schimmernden Augen zu ihm auf, weil er, ab⸗
orechend, von ihr zum Fenster trat. als abgere er, feine
Worte zu beenden.
„Und dann?“ fragte fie bittend, in dem Gefühl, daß
ben in dieser Vollenduͤng seiner Rede Wichtiges laͤg.
Er wendete sich hastig um, und seine großen, dunkel ge·
vordenen Augen blickten mit einem kalten“ Blick in die
hrigen, die von aufsteigenden Traͤnen gefüllt waten.
„Und dann, liebe Elva, ich kann Wendelin nicht ver⸗
anlassen, die Wohnung hier über uns nicht zu beziehen; ich
habe ihm nicht dazu geraten, habe ihn nicht in deinen Weg
Jeführt, ich bin zunächst machtlos ihm gegenüber.“
Allerdings war er machtlos denn er lieble feine Frau
aicht, er wollte und konnte den Mann auch nicht wohl uͤber⸗
zeugen, daß er sie liebte, ihr Liebe gab, daß er, sofern schon
die Bahn zu Elba nicht frei war, daß ihr Herz nicht Not litt.
Er fühlte, daß Wenelin die leere Form seiner Ehe durch⸗
chaute und konnte ihn auch nicht dergefsen machen, wie er
zu dieser Frau gekommen war, wie er sich früher über sie
geäußert hatte gegen Wendelin selbst. Das war geschehen
n unseliger Zeit und nie zu aͤndern.
Er hatte sich da wohl geirrt, in sich selbst und in diesem
Wendelin, hatte das zu leicht genommen. Die Frau, welche
den Handel gemacht hatte zu ihrem Vorteil, hatteer von
einer Schwelle gewiefen, den Freund, der nur sein Bestes
m Auge gehabt, den konnte er doch nicht fern halten. Dem
urfte er auch Klugheit und Takt zutrauen wie sich selbst.
Er wollte das auch ganz gern. Tom Wendelin halte
mmer viel Anziehendes für ihn gehabt, viel, das er sich
elbst überlegen gefühlt und anerkannt hatte. Er mochte
sendeiden und besonders, wenn er ihn lange nicht ge⸗
ehen hatte.
Und nach einer Pause, während sein Plick den Boden
uchte und seine Stirn dunkler wurde, fügte er langsam und
Hittend hinzu:
„Elva, liebe Frau“ — er hatte sie noch nie so genannt
—,es wäre mir lieb, wenn du Wenñdelins Bewunderung
elbst in den Grenzen halten könnlest, die dir die angeneh⸗
nen sind, denn ich darf davon nichts wissen, nichts ahnen,
ls bis es unumgängüch nötig dir erscheint. Ich bin Wende—
n viol Dank schuldig er mas mur vin re—— —

Rumänien.
* Anläßlich der Wahlen fanden in Bezeu bl1u—
ige StraßenErzesfse statt, in deren Verlauf drei
zersonen durch Revolverschüsse getötet wurden. Eine kon—
ervative Versammlung, in der der Unterrichtsminister
zrach, wurde von der Oppositivn gesprengt, sodaß die
Polizei den Saal räumen mußte. Auf der Straße kam
3 dann zu blutigen Schlägerelen. Der Bürgermeister von
Zezen und zwei andere Personen wurden dabei durch
zchüsse getötet. Polizei und Militär zu Fuß und zu
zferde mußte die Demonstranten mit der blanken Wasse
—
Portugal.
* Zu der in Brasilen entdeckten Berschwörung
rortugiesischer Monarchissen, an ber auch der frühere Ma—
Vd, uie sollte ste thm das deutlich jagen.
„Ich glaube, Clemens, er bewundert mich zu sehr —
ar sagte es mir —“
.Ist dag ein Verbrechen? Ich dächte, im Gegenteil, es
könnte dich freuen, so von einem, Kenner, wie Wendelin ift,
hewundert zu werden, und sonst scheinst du ihm nichts Posi—
tives vorzuwerfen haben?“ saate er. sich achselauckend ab—
vendend.
Sie schwiea. Wie sollte sie ihm heiße, beleidigende
Blicke, halbe Worte, die sie auch mißverstanden haben tonnte,
zufällig scheinende Berührungen positiv erklären?
Und wenn sie es gewollt? Wie konnte sie ihm sagen,
ihm, der sia nicht liebte, für den sie keinen Zauber haätte,
daß ein anderer Mann diesen Zauber an ihr fand, daß ein
anderer Mann sie leidenschaftlich liebte und begehrte, daß
seine Gegenwart sie in instinktiver Scheu aufs höchfte be—
imruhigte, ihr das Blut in die Wangen jagte und ihreé
Stimme beben ließ, und daß jener diese Zeichen falsch
oeuten mußte.
Sie schämte sich, das diesem, ihren Gatten, der das
nicht begreifen konnte, der kalten Herzens, kalten Blutes
neben ihr lebte, der ihr Selbstüberschätzung, Einßildung zu—
traute, zu erzählen. Sie standen nicht auf diesem ehesch
vertrauten Fuß.
So stotterte sie zusammenhanglos, sie wüßte nichts
Positives, brachte Kleinigkeiten vor, über die er halb lächelnd
die Achseln zuckte.
„Elva, es versteht sich von selbst, daß dir mein Schutz
und meine Verteidigung jeden Moment zu Gebote stehen
wo du derselben zu bedürfen meinst. Ganz gleich, ob ick
selbst dies zugeben müßte oder deine Sorge für übertrieben
halten müßte. Der Mann betritt nie wieder mein Haus
er schwindet aus deinem Wege, wem ich nicht Veranlafsung
finde, noch ernster ihm gegenüberzutrelen. Es darf nich
sein, daß solche Klage meiner Frau mein Ohr nicht voll
kommen offen findet, meine energische Hilfe nicht jeden
Moment bereit sei, wo sie dieselbe sordert. Der Mann, der
dir in gewisser Beziehung unangenehm wird, muß es mit
noch viel mehr sein Aber gestatte, daß ich dich bitle, Wende—
lin nicht zu sehr auf die Probe zu stellen, durch dein Be—
nehmen niemals Veranlassung zu geben, daß er für die Be—
vunderung deiner Schönheit den falschen Ton wähll, den
r möglicherweise gewöhnt ist den Damen seiner Kreife
egenüber. Due ußt enden don Verwöhnten, den leich—
on 2:oner Die feinen Nuancer
, und nich:
inem we't

Verkäuflicher Wert
von A. von Gerstorff.
„Eben darum. Er hat hier in Tennin manchen An—
z gefunden. Die Herren vom Reginient ziehen ihn
ich heran und so patzt es ihm wohl nicht, wenn er hier
ichts wieder so weit hinauszufahren. Finde ich ganz
adig. Er hat ja auch Stallung hier. Ein, zZwei
mindestens. Die Wohnung ist nicht teuer, und mit
otel im Städtchen ist's eine elende Aushilse, wie du
Was ist dir denn? Du scheinst darüber sehr wenig
„“setzte er im höchsten Grade erstaunt hinzu.
ie drehte an dem Kopf eines kleinen, nickenden Chi—
den fie gerade abstäuben wollte, und wurde rot.
Ich muß dir ehrlich sagen, daß mir Herr Wendelin
wenig sympathisch ist, ja, geradezu unangenehin,“
sie mutig.
Varum denn?“ Wie spöttisch das klang.
ẽr hat ein sehr, sehr wenig passendes Benehmen gegen
mons.“ erwiderte sie mit einem schüchternen Auf—
h habe das nie bemerkt. Inwiefern nicht passend?“
mit sehr verändertem, schroffem Ton. „LVerletzt
zeigt er dir nicht die Verehrung, die er dir schul—
viel davon. Er zeigt mir eine Art Bewunderung,
Liebe Elva, übertreibst du nicht ein wenig? Erstens
om Wendelin ein Mann, der eigentlich nicht unserer
sschaftsklasse angehört, also sich vielleicht in dem Ton
dich ein wenig falsch gusdrückt. Zweitens aber ist er
u klug und viel zu taktvoll, um jemals eine wirkliche
igung gegen dich zu wagen; der festen Ueberzeugung
du sein, denn er weiß ganz gut, daß er dann, Freund
nicht, zum nächsten Fenster, wenn es mir gerade be—
er liegt als die Tür, hinausfliegen würde, wenn er es
infallen ließe, dir zu nahe zu treten.“
zein Ton war immer drohender geworden. Sie wußte
reh aoh nur gegen den Mann oder auch gegen sie
ate sich freuen mögen des starken Schutzes, den
»oqen jeden Uebergriff seines besten Freun⸗
egriffen jätte, daß er weniger sie, Elva
Anhen t0 oals 5230Grafin

IEæSéGS

2Wwoites HQOopitel

Auf weichem, glatten Sandwege fuhr mit leisem Knir⸗
schen und Klingen der Wagen, der Tom Wendelin und
CLleinens Torrmälen von Tarndorf nach Hause führte.
Elva war nicht mitgekommen, weil eine leichte Er—⸗
kältung sie ans Haus fesselte. Es war ein köstlicher Abend.
die Weite der grünen Felder lag im Glanz der rotglühen⸗
»en Abendsonne, der ferne Waldstreifen schimmerte in
»uftigem Grün, und ein starker Erdgeruch stieg aus den
risch umgeackerten Schollen der Aecker, durch die sie fuhren.
„Also morgen soll es wirklich nun nach Scheidewang
zehen, ins eigene Heim?“ fragte Clemens endlich, nachdem
der halbe Weg von beiden Männern schweigend zurückgelegt
var. „Ich weiß doch nicht recht, wie Sie, der so an Men—
chen und das Getriebe der großen Welt gewöhnt ist, da in
der Einsamkeit aushalten wollen, denn immer können Sie
doch nicht Ihre Sportfreunde aus Berlin bei sich haben.“
Ja, ja. Sie haben nicht so unrecht mit Ihren Be⸗
denken, Torrmälen,“ gab Wendelin zu, während er aber⸗
legte, wie er ihm wohl eine Nachricht „versehen“ könne (mit
velchem bezeichnenden Ausdruck er seibst seine Absicht be—
eichnete), eine Nachricht, deren Wirkung zu beobachten ihm
ehr wichtig war, ihn lebhaft inleressierte,
„Etawas einsam mag es ja wohl werden, und ich habe
eigentlich auch schon nachgedacht, ob es nicht Keit wöre
nich zu verheiraten.“
„Hohe Zeit, Tom.“
dan achon

dasch enckernte er si
iich. 77 57 33.

Sie 45

naꝛenloser Selbstübe
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