Full text : Dudweiler Zeitung

München, Karlsruhe und Straßburg i. E., für Sach
eun e Landeswetterkarte in Dresden zuständig. Bei der
m erordentlichen Veränderl'chkeit des Wetiers an den ver—
sch'edenen Orten bedarf es langjihriger gründlicher Kennt
nisse, um aus den Beobachtungen mehrerer Stationen aul
das Wetter dazwischen liegender Or'e sichere Schlüsse zu
ziehen. Wie wich'g unter Umständen der Spruch des ge—
richtlichen Meteorologen in Fragen krimineller Art seir
ann, beweist z. B. ein Fall, bei dem ein Assessor auf
Brund der Aussogen einer alten Frau, die ihn früh um 3—
Uhr im Spätherbst gesehen haben wo lte, eines Rauban—
falles beschuldigt wurde. Seine bürgerliche Ehre und
ganze Karriere stand auf dem Spiel, aber er konnte keir
genügendes Entlastungsmaterial beibringen, bis er auf der
Vedanken kam, das meteorologische Institut um Auskunf'
über die Helligkeltsverhältnisse n jener Nacht am Tatortt
m bitten. Sosche Hesligkeitsprobleme. die nach den Be—
»bachtungen über Bewsölkurg, Nebel und Rerten, über die
tormale Dauer der Dämmerung und das Studium der
Wetierkarte sich häufig nur durch umfangreiche Untersuch
mgen und Berechnungen lösen lassen, sind schwer rich i,
i beantworten. Doch konn'e in diesem Fal‘e einwand
rei festgestellt werden. daß die alte Frau unmögl'ch n
er fraglichen Morgenstande einen Menschen vom Fenster
zus hälte erkennen können, und der, Assessor wurde freige⸗
prochen. Fin anderes Beispiel, in dem die Meteorolog
Licht in eine mysteriöse Strassache bringen konnte, war
ine Anklage auf Brandstiftung. An einem schönen Som—
nertage brach in einem Zimmer Feuer aus, und nur der
Mieter konnte der Täter sein; er wäre auch verurteilt wor⸗
den, wenn man nicht schlieblich auf den Gedanken gekom—
nen wäre, daß die Sonne eine mit Walser gefüllte Ka—
raffe beschienen hätte, und daß diese Karaffe wie eine
BZrennkugel die Wärmestrahlen der Sonne gesammelt, ge
ade auf der Tischdecke konzentriert und sie in Brand ge
ieckt haben könnte. Da nur meteorologische Auskunft fest
estelli werden konnte, daß zu der fraglichen Zeit tatläch—
ich die Sonne geschienen haite und die Entstehungsursach
urchaus im Bereich der Weoglichteii lag, wurde die un
—DD kann
eigte iich, so unglaubeich es auch klingt, zu Anfang Fe
ruar 1910 in Rirdorf. Dort loschte sich mit Tüchern be
eckter ungelöschter Kalk, der in einem Holzschlag leg
urch Regen seibn und wurde dabei so heiß, daß Tücher
ad v in Ba gerieten. Wurden hier Unschuldiget
som Verdach SIrxacndstistung gereinigt, so kann ande
erseits dur. terbeobachtungen das Vorhandensein von
Brandstiftun tgestelt werden. Dies war bei e ner Reih
on Bränd. er Fall, die in der nördlichen Provinz Po.
mn vorkan In den betreffenden Dörfern hatite es aus
cgendeine. ache gebrannt und jedesmal schlugen, an
colich d. olu gseuer, auch aus dem Dache eines gu
cersicherten Achbarhauses de Flammen. Die Vermutang
aß dieuzer nur zur Erlangeng der Ve sicher ngs
eImme au hezundet worden seien, wurde durch den metes
plogischen Sachverständigen bestätigt, der nachweiten konne
az 'bei der herrschenden Windrichtung das Flugseuer ge
ade nach der entgegengeseßten Richtung hätte fliegen müs
en. Die Feststelrunz der Windrichtung und der Wine
särke ist auch wichtig bei Prozessen, die Windmüller be
er Anlegung von Baumpflanzungen auf Nachodargrund
uckee wegen Abfsangen des Windes anstrengen. Die ge
ich liche Meteorologie hat sich sodann mit der Fraͤge
eschaͤstigen, wie das Wetter auf den Menschen wiret. Be
eübem Welter, das die Menschen er'ahrungs— gemäß wrauriq
·nd reizbar macht, werden Se bstmorde und Streitigleiter
aufiger vorlommen als bei schönem; auch die höhere Tem
era ür im Sommer erregt den Menschen und reizt ihl
eicht zu Gewalttätigkeiten. Unter den Strafisachen, be
enen die Temperatur eine Rolle spiett, kommen am häu
giten die Anklagen wegen Feslhaltens verdorbdenee Waen
amentlich bei Fleisch, und wegen Unfall durch Glät e vor
zu beiden Fällen wird die Meteorologie auf Grund ihre
zeobachtungstabellen die richtige Auslunft erteilen können
deben dem Verderben von Nahrungzmitteln, für das di
Bitterung so häufig verantwortlich gemacht wird, karr
uch die Nahrungsmitelfälschung die Meteorologie beschä,
gen. So behauptee ein Milchhändler in einem Vorort
jerlins, in dessen Milch mehr als 10 Prozent Wasserzu—
atz gesunden wurde, es sei bei starlem Regen Wasser in
ie undichten Milchfässer gelaufen. Die Unwahrbeit dieser
lngabe konnte dadurch bewiesen werden, daß die Regen—
zhe an den betressenden Tagen sestgestellt wurde. Wäre
zirklich Wasser in die innen 40 bis 50 Zentimeter hohen
ässer gelaufen, dann härte die Regenhöhe 40 -50 Mitllieter
 betragen müssen: tetsöchrih ergab sich aber nur 0,5
dillimeter Wasser. und do? häütte den Wassergehalt der
Julch höchstens um ein Zahruel Prozent erhöhen können.
Deutscher Reichstag.
Nitiag 1 Uhr. Berlin, 1. März.
(138. Sitzung.)
SIn der Besprechung da I
Militär-Etats
XX
Sine Resolution Wiedeberg fordert bei der Ver—
r⸗ von Lieferungen von Bekleidungsstücken Berücksich
aung der Verein gungen von Handwerkern und der Heim
arbeiter. Eine Resolution Irl (Ztr.) verlangt die Be
zücksichtigung der sogenannsen Handwerksmoeiftor Marain
nmgen.
IgttdaWhetuhac2lcdOMbMMD⁊RRονNιRæRνX XσÄαäXνα OÛασαOYÑααÛIãA. — — — —
dort gar nicht bemerken konnte, denn sie waren recht spär—
lich vorhanden. Ganz zart lichurun lag ein leichter Hauch
über dem flachen Lande, und man konnte jetzt wohl mer—
ken, daß es beackerte und besöte Fe der waren, wo jetzt die
kleinen ersten Halmspitzen, hexrvporgelockt von der warmen
Aprilsonne, erschienen. Es war ein warmies, zeitiges Früh—
jahr. man glaubte wirklich im Ma zu sein. Unten in dem
kleinen Vorgarten sah es frischgrün auf dem Rasen aus,
und Elva hatte sogar Veilchen entdeckt unter dem trauer—
vollen Lebensbaum. Da kam denn wohl die bei vielen
Menschen in solchen Tagen zu findende Sehnsucht: „Ach,
könnte man doch jetzt auf dem Lande sein!“
Freilich, bei Gräfin Torrmälen hatte dieser nicht un⸗
gewöhnliche Frühlingsseufzer einen langen, ungewöhnlich
kalten und trostlosen Winter zum Grunde. Wie rasch der
weiche Westwind da oben die weißen, lustigen Federwölk—
hen über den schon so eigentümlich lichtblau schimmernden
Himmel trieb. Ordentlich neckisch, lustig und voll heller
degee blitzte der sonnig blauwbier und da bin⸗
zurch.
Wie duftig und balsamisch die Luft dort an den harzi⸗
gen Fichtenstämmen! Schade, daß man keinen großen
Garten hatte, denn die Spaziergänge in dieser relzlosen
Begend Fonten nicht sehr schön sein! Ja, ja, auf dem Lande
sein! Auf der eigenen Scholle, im eigenen Hause, Hof,
Park, Garten etwas zu tun, zu arrangieren und verschö—
nern zu habin. Das hätte sie brauchen können. Und für
ihn, für Clenens wäre es doch auch besser gewesen. Ach
Gott, viel gesinder und besser in jeder Richtung als dies
ewige Mennschaftendrillen, Pferdeschinden. Sie hatte diefe
Kunstausdreücke so unzahlige Male gehört in allen Toͤnen
der Verachtung, des Unmules und der Ungeduld, daß sie
dieselben aus in ihre Gedanken völlig aufgenommen hatte.
Ja, ja, wie h er doch aus! Elend, hohläugig. abgelrie—
jen, ohne aus die Dauer doch recht Luft und Liebe für
en Beruf giempfinden. Einmal hatle sie ibn ja wohi
ob es icht schöner wäre, Gutshert zu sein, und
— die chseln gezuckt und. gesagt: Ich wüßte
leh enn r schöner denken könnte, als ein Leben
Xz. Ode einem ähnlichen Nest, von Gott und
naige Ves Garnisondienstes Plackerei auf
nd wenn dann der Rummel zu
ries einen wmäßigen Trun
Ind so einon Tag wie allt
Ra man sich IJo recht ver
schimmelte Anfichen
43141 —136

4

Abg. Paulli⸗-Cochem (Zir.) bittet, die Vohgerbereier
nit Lieserunzen zu bedenten sonst besteht die Gefahr, daß
Reses Gerwerre gin ich zugrunde geht.
Abg. Albrecht (Soz.) bespricht eine Reihe vor
Nißstunden n den Bekleidungsämtern. Die dort maßge⸗
enden Perssnsich ei en, Offiziere, hätten absolut keine
Fach'enninis. Redner spricht gegen die Gefängnisarbei
ind bemängest de Arbe'tsordnung, durch die sozialdemo
ratische Arbe ter ausgeschlossen werden.
Abg. Vogel (nl.) verweist auf die ersprießliche Tä
igkei? der Gerbervereine, die zwischen Produzenten und
donimenten vermitteln.
Atg Vogt-Hal (W. Vgg.) begrüßt die Resolutior
Wiedeberg. Man dürfe nicht den Heimarbeitern, die sich
mif ihre Arbeiten mit Maschinen usw. eingerichtet haben
olötzlich die Arbeit entziehen.
Abg. Wehl cl.) erörtert die Arbeitsmethode in der
nodernen Gerbere'-Betrieben. Bei einer Mobilmachung—
eien die Gerberei-Vereine auch nicht annähernd in deir
Lage, die Armer mit genügend gegerbten Sohlen und Ober
eder zu versorgen.
Generalmajor Staabs: Das beste Leder ist ung
serade gut genug. Wir haben keine Ursade, von dem
zisherigen bewährten Lederma erial abzugehen. Die Käuft
ei den Gerber-Vereinigungen haben sich durchaus bewährt
Die Versuche, mit der Uebertragung von Lieferungen ar
dleinhandwerkern sind durchaus befriedigend ausgefallen
Wir sind gewillt, sie nach Mog ichket zu beschäftigen.
Wür temberg'scher Misi ärbevol mächt gier Geueralmaor
»on Dorreéer erwidert auf cine Beschwerde des Abg.
Albrecht (Soz.) inbezug aus das Belleidungsamt in Lud⸗
wigsburg Die Bestimmungen se'en dort diese ben wie die
allgemein in der Armee getenden.
Abg. Gans Edler zu Puttlitz (Cons.): Die
Einrichtung der Besleidungsämter ist noch jung. Die Er—
fahrungen verechtißen aber schön zu dem Urtel, daß wi
mit inen zufrieden sein können.
Abg. Sommer (F. Vp.): Die Heeresverwaltaunt
als einer der größten Arbe'tgeber muß auf die berechtig
ten Wünsche der Handwerker Rücksicht nehneen Auch win
sind der Ansicht, daß man anstelle von Ofiizieren tüchtigt
geschulte Kaufleute an die Spitze der Bekleidungsämte!
ieben sollie.
Abg. Duffner (Zitr.): Der Ausbau der Beklei
»ungsämter muß im Einklang bleiben mit den laufenden
Mitleln. Redner wendet sich gegen die Ausführungen des
Abg. Wehl. In den Gerberei⸗Vereinigungen könnten sich
rnuch klenere und mitt ere Handwerler an den Lieferunger
ür die Armee beteiligen.
Alg Böhle GSoz.) spricht über die Arbeiter-⸗Ent
lassungen im Bekleidungsamt in Strazburg und erhed
Finspruch gegen die Entlassung sozialdemotratischer Ar—
eiter.
Kriegsminister v. Heeringen: Mehrere Abgeord,
iet haben sich die Bekleidungsämter selbst angesehen. Di
rrreulichen Erfolge ersehen wir aus der heutigen Nede
e? Abg. Duffner. Ich werde auch für die Folge dasür
orgen. daß die Abgeordneten die Bekleidungsämter prak—
isch kennen lernen An der Spitze der Bekleidungsämter
önnen wir nur höhere Offiziere brauchen. Diese tun ihre
zchuldigkeit auch inbezug auf technische Fragen. Die Straß—⸗
urger Entlassungen waren notwendig, weil wir für die
2eute keine Arbeit mehr haben. Es sind nur unverhei—
atete Arbeiter entlassen worden. Auch für die Bellei—
ungsämter gilt der Grundsatz: Arbeiler, die eine sozial
— VD
Damit schließt die Aussprache. Die Resolutionen Ir!
ind Wiedeberg werden angenommen.
Die Abg. Köller (W. Vog) und Werner (Rsip)
hitten um Garnisonen ihrer Wahikreise. Die Schießübun
gen sollten nach Möglichleit in der Zeit der Feldbestellung
ind der Ernte unterbleiben.
Abg. Irl (Zier) bittet um Zuziehung von Sachver⸗
tändigen bei Vecgebung von Anstreicherarbeiten.
Abg. Becke ic Körn (Zir.): Im Rheinland beschwert
nan sich darüber, daß die Remonte-Kommission zum gro—⸗
‚en Teil ihren Bedars n Belgien deckt.
Abg. Weber Gil) vittet in dieser Beziehung um
—
Donnerstag 1 Utr. Fottseduna. — Schluß 7 Uhr.
ANus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
»“Köln, 1. März. Maubmord.) Heute srüh en
mordete der 17jährige Hausbursche Feyper den 28jähr ger
Kellner Gihring, der im Hotel Disch tärug war. Der Haus
vursche, der offenbar Kenumis davon hat.e, daß dec Keil
ier in den Karnevalstagen viel Trinkgeld eingenommer
zatte, hat die Tat sorgfältig vorbereitet. Er öffnete mi
riinem Dietrich die Tur des in einem Privathaus woh
lenden Kellners und überftel den Schlafenden mit einem
üchenmesser. Ein im Hause wohnender Schneidermeister
überraschte den Mörder in dem Moment, als er mit der
Börse des Ermordeten, die 83 Mark enthielt, und der
Werltsachen entfliehen wollte. Er hielt ihn iest und über
Jab ihn der Polizei.
*Torimund, 1. März. (gJum Bankkrach.) Der
Rervenarzu Dr. Voß in Düsseldorf, der auf Antrag de'
Verwandien des in Haft befindlichen Bankiers Ohm d'e
sem als Gutachter zugewiesen ist, hat nunmehr den Antrat
e eherfünnnine Poma in eine Nninvoriitätsksinik aur Bo

wie er wohl möchte Wendelin scheint oas Antaufen auf-⸗
gegeben zu haben. Läßt gar nichts mehr von sich hören.“
Uund wieder und wieder war da Elva derselbe Gedanke ge—
kommen: sich selbst ankaufen! Wozu hatte sie das viele
Beld! Ja, fie wolltte, sie mußte das in Ruhe mit ihm be—
prechen, mußte ihn für den Plan gewinnen. In Ruhe
nit ihm etwas zu besprechen, war nicht leicht. Er saß
aicht oft mehr abends in seinem Zimmer müßig bei Zi—
garre und einem Gläschen Sherry. Sehr selten, immer
eltener war er abends daheim. Meistens hatte er etwas
dor in Tennin. Sie wunderte sich oft, was nur! Denn
da gab es doch wahrhaftig nichts Interessantes in dem öden
Städtchen bei den Heren des Regiments, mit denen sich
Tlemens doch gar nicht so besonders befreunden konnte
außer mit Rittmeister Larssen. Freilich, mit dem steckte
er eigentlich immer zusammen. Aber erzählen tat er von
iesen Abenden auch wenig. Langweilig mußte es auf
ille Fälle sein. So hatte sie lange Zeit, gedacht, wenn sie
insam, geduldig, hoffnungsarm ihre öden pflicht- und
reudlosen, Tage begonnen und beschlossen hatte, sich all⸗
nählich hineingewöhnend, abstumpfend. Lange Zeit, bis
vor kurzem ein grelles Licht über die Tage vder vielmehr
zie Nächte ihres Gatten gefallen war. ,
Er war eines Abends fortgefahren nach Tennin zum
diebesmahl ins Kasino. Noch keine fünf Minuten später,
za kam er zurückgejagt, eilte in seine Stube, an ihr vor⸗
dei, die in der Tur des Salons stand. Er habe etwas ver—⸗
gessen. Dann suchte er, ohne ihre Frage nach dem „Was?“
u beantworten, als mit einem flüchtigen: „Einen Zettel,
ine Notiz!“ Wenigstens verstand sie ihn so. Dann eilte
r wieder hinaus und suhr ab. Hatte er des gefundend
In der Idee, daß er es doch nicht gefunden habe und viel—⸗
eicht froh wäre, wenn er das Papier hätte (falls sie es
hm nachschicken könnte), ging sie in sein Zimmer und schob
„ie umhergestreuten Papiere durcheinander. Sie fand keint
otiz, die irgend Wichtiges besagen konnte, aber seine Zi
zarettentasche hatte er liegen lassen. Und da sah sie einen
veißen Schimmer leuchten. Rasch öffnete sie die Tasche
Richtig, das mußte das Papier sein, er hatte es zur Vor—
icht wahrscheinlich doch eingesteckt und nun erst recht ver—
gefsen, wie das so oft vorkommt. Neugierig las sie un
chüttelte den Kopf. Was sollte das heißen? Lauter Zah
en und Daten daneben: 1000, 83000, einmal 10000, un
erschiedene Monate oder Tage und die Namen Larssen
Zuttlitz, Steinbach. Puttlitz war Regimentsadjutant
Zteinbach kante sie nicht: doch sie erinnerte sich, daß irgent
in Hutshesiker 5 hieß. und aß mit dom Pomen ein

vachtung feines Geiftenszustandes gestellt. Der Gutachtel
hält die Mög'ichleit für vorliegend, daß Ohm in Geistes
rankheit verfallen werde. Sein Antrag 169 der Beschlß
lammer des hiesigen Landgerichts zur Prüseng und Be—
ch ußfassung vor.
*Goblenz, 1. März. (Wom Rheind Der Rhein is
eit geflern noch weiter gestiegen und hatte heute Vormit.
ag eine Höhe ven 4.75 Metern erresch‘. Die Sch ffsbrück
mußte an beiden Enden verlängert werden. Der Cauber
Pedel zeigte gestenn Abend 3.80 Meter. die Mosel iß
Awas gesallen.
* Stromberg (Hunsrück), 1J. Mär; Zum Mord.
Ils Mörder der Emma Schuch aus Sobren ist der 22
JFahre alle Peter Enders aus Nödelhansen festgestellt wov
den. Dieser hatte das Mädchen gar nicht helannt, war
aber, als die Schuch mit einem Soldaten vom 161. In—
canterie⸗Regiment nach Hause gehen wollle, über sie, die
tt mit einer anderen verwechselte, hergefallen.
* Freudenstadt, 1. März. (SZug entgleist.) Hente
xüh ist der Perlonenzug 288 zwischen Schenlenzell und
Schiltach infolge eines Felssturzes entgleist. Die Lokomo
sive ist umgestuͤrat, doch ist niemand verletzt worden Die
Betriebsstörurgg auf der Kinzigtalbahn wird voraussicht
lich nur kurze Zeit andauern. —
Aus aller Welt.
Herr von Jagow und der „Pan“. Wie in Bersi
zekannt wurde, hat Polizeipräsident von Jagow bei der
Beneralprobe des Stückes „Der Riese“ im Deutschen Thea
er die Schauspielerin Frau Til a Durieux kennen gelernb
Am nächsten Tage erhielt die letztere einen Brief, worit
Dderr von JIagowuunter Hinweis dacau', daß er die Thea
erzensur ausübe, erklärte, daß er das Bedürfnis fühle
mit Schauspielerkreisen in nähere Fühlung zu treten. E
frage bei Frau Durieur an, ob es ihr passe, wenn er si
am nächsten Tage nachmittags besuche. Die Antwort au
Riese Anfrage möge sie ihm unter dem Vermerk „Eigen
zändig“ zugehen lassen. Diese persönliche Angelegenhei
var unterdessen zwischen dem Polizeipräsidenten und den
Batten der Schauspielerin auf gütlichem Wege begeleg
worden. Die Zeitschrift „Pan“ macht nun bekannt, daß si
n ihrer nächsten Nummer eine Darstellung der ganzci
Sache bringen werde. Hiergegen erklärte Herr von Ja
Jow, was der „Pan“ gegen hn persönlich schreibe, se
ym gleichgültig. Wenn er sich aber gegen die Handhab
ing der Theaterzensur beschweren wolle, so möge er der
Inflanzenweg beschreiten. *
Ter Besehlsstab. Vom 1. März ab wird der Be—
ehlsstab auf alen Stationen der Hauptbahnen angewen.
det. Die Rue „Abfahren“ und das Pfeisensignal des Zug
ührers fallen weg, sodaß die Reisenden noch mehr al⸗
isher darauf achten müssen, daß sie noch rechtzeitig in den
Zug gelangen, bevor er sich in Bewegung setzt. Die all—
semeine Einführung des Befehlsstabes ist auf eine Anreg—⸗
ing des Ministers zurückzuführen, der wünscht, daß ßech
»er Eisenbahnverlehr moͤglichst ruhig ohne lautes Rufen
oder Pseifen sestens der Beamten abwickelt. Wie sich d'e
Zache im Laufe der Zeit im praktischen Betrieb gestalten
wird, muß abgewartet werden. Viele Eisenbahner stehen
der Einführung des Befehlsstabes skeptisch gegenüber.
Das Reinigen und Heizen der Züge ist immer
ioch nicht auf der Höhe. Ein neuer Erlaß der Ei euhalen
»erwaltung weist auf den schmutzigen Zustand vieler Wa—
zen hin. Ganz besonders sind die Aborte in einem
nitunter unbeschreiblichen Zustande, woran aber auch
die unordentlichen Reisenden nicht ganz schuld os sind. Die
deizung läßt durchaus zu wünschen übrig; oft ist über—
eizt, was teilwerse von der starken Vorheizung in den
zahnhöfen herrührt. Im hinteren Zugteil ist es gewöhn—
ich bald kalt, besonders wenn der Zug einige Zeit im
zahren ist. Die preußische Eisenbahnverwaltung hat dag
elbst sestgestellt und gibt Instruktionen, wie eine gleich
täßige Erwärmung der Züge möglich ist. In Zukunft
oll gegen Eisenbahnen, deren Züge nicht genügend und
usreichend geheizt sind, mit Strafen vorgegangen werden
Bauunfall. Beim Einsturze eines Treppenhauses be
mem Neubau in Wilmersdorf dei Berlin wurde eir
zteintrger getötet und zwei Maurer schwer verletzt.
Selbstmord. In Wesel wurde der Regierungsbau—
teistet Kann aus Kiel in einem Abteil 1. Klasse schwer
erletzt ausgefunden Er hatte sich mit einer Browning⸗
ßistole in den Unterleib geschossen und dann die Pistole
us dem Fenster geworfen. Er verweigerte jede Angabe
iber das Motiv zur Tat. Er starb auf dem Transpori
iach dem Krankenhauze. Es wurden bei ihm Briese an
eine Eltern und Freunde vorgefunden, die seinen Selbst
nord ankündigen.
Unglücks fall. In St. Etienne stürzten vier Arbei er⸗
vohnungen ein, wo ei zwei Personen ihren Tod fanden
—V— mehr Opfer un
er den Trümmern befänden. Indessen waren die übrigen
Bewohner auf die Straße gegangen. um dem Faschings
reiben zuzusehen.
Feuersbrunft. Einer der zahlreichen türkischen Vil⸗
enorie, der nördlich des Stadtieiles Skutarri liegt und
uropäischen Bewohnern der Stadt als Sommerausent alt
zieni, Kusssgrund'chuk, wurde durch eine Feuersbrunti jef
ollsiändig vernichtet. Der Sultan verfolgte von Volma—
agdsch. aus das Umsichgreifen des Feuers auf dem ge—
genüber iegenden User und entsandte seinen Adiut nten zur
Berichterstättung. Viele khe'ne Lente sind bei dem kalte
Votter abnachte

Zeschichte, eine dunkle Geschichte verbunden war. Nadh⸗
dem sie eine Weile nachgedacht, wußte sie, was das be—⸗
eutete: Spielschulden. Und sie erschrak tödlich. Von dem
Moment an grübelte sie in ihrer hilflosen Sorge über eine
zroße Aenderung ihres Lebens, eine Umwälzung, die ihn
ortbrachte aus diesem gefäbrlichen Tennin. Sie wußte
a, er hatte schon fruher viel Schulden gehabt, das waren
icher ähnliche, denn meistens olten es doch Sopielschulden
ein, die einen Offizier wie Clemens so drücken und quä—
en, daß er zu jedem Rettungsmittel greift, sich zu halten,
elbst eine ungeliebte Frau zu heiraten, ganz glejch welche
Sie hatte damals seine Schulden bezahlt. Jetzk hatte er
zas ganze Vermögen in der Hand. Viel konnte er gewifß
nicht verlieren, er brauchte ja sonst so wenig, hatte ja keine
andere Gelegenheit, Geld zu verschwenden. Die paar
Pferde, die er trainieren ließ kosteten, nicht alle Welt, das
mußte fie ihm gönnen. Er hatte ja sonst gar nichts vom
deben, nichts von seiner Heirat, dachte sie mit wehmütigem
rächeln. Und er war jetzt gut mit ihr, freundlich, sanft
Zwar nicht liebevoll und herzlich, nein, das nicht. Kühl,
surückhaltend immer. Nie sah er sie an als kritisierend,
venn sie in Gesellschaft gingen. Nie trat er zu ihr, wenn
ie allein waren, ihr eine Liebkosung gewährend, ihr einen
reiwilligen Kuß gebend. Er konnte sie eben nicht lieben.
And langweilen tat sie ihn doch auch nur. Ihre Unter⸗
saltung suchte er nie. Ihre Ansicht erbat er nie über
rgend etwas. Es mar ein Unglück, aber keine Schuld
And dennoch versuchte sie es immer wieder, dennoch grif.
hre Hoffnung nach einem Strohhalm, jene Hoffnung, daß
z ihr doch noch gelingen müsse, sein Herz zu gewinnen. Da
var einmal ein Wort, ein Blick, ein Tonfall, eine Be—
vegung in irgend einer Stimmung, die ihr Herz rascher
chlagen ließen, bis sie die freilich unbeabsichtigten folsche
Töne, falschen Noten erkannte.
In ihrer Herzensgüte und ihrer Unerfahrenheit mit
olchen Männern, mit Männern überhaupt, klagte sie ihn
niemals an in ihrem Herzen, sondern bedauerte nur ihr
and sich selbst ein wenig. Ihn aber beweinte sie, denn sie
liebte ihn, wie sie ihn vom ersten Tage an geliebt hatte
Und der Gedanke, ihn nicht mehr sehen zu sollen, nich
nehr seine Stimme zu hören, war ihr etwas Unfaßliches
Ddas war gewiß eine große Schwäche, und manche andert
zrau hätte über diesen Mangel an Stolz spöttisch gelächelt:
Fa, der Aermsten ist nicht zu helfen! Sie hat keine Spur
son Selbftachtung, wenn sie nicht ihre Freiheit zurückfordert
28 4—m, wenn ⸗s nicht anders soin kann, aus reinem Mit-Gin

 Reneontre in der Bar. Aus Wilhelmsh.
vird gemeldet: In der viel von Marine⸗Ojfizieren be
en Bae Rheingold saßen die Leutnants zur See Be
ind Opoistki, beide in Zivil. Ar 3 und 4 Uhr.
zens kam es zwischen einem ichfalls in der Bar aun
enden Handlungsreisenoen und Leutnant Opolsti zu ei
e desel, im Verlauf dessen der Handlungsreisende
it einen Schlag ins Hesicht verseszte. Opolsli wi
en Schlag erwidern, —.c aber von anwesenden
isten daran verhindert. Beide Offiziere verlie en da
s Lotal. Opolsti lehrte bald darauf in Uniform 3
ind derlangie die Karle des Reisenden. —A
agen wurde, suchte Opolski nochmals seine Woh
uff egie wieder Zivil au und begab sich, mit einem
ber vewaffnei, wWieder in die Bar. Hier gab er
n Heisenden mehrere Schüsse ab, ohne ihn zu tr
Ddagegen wurde eine Bardame durch drei Schůsse
erwundet. Das Kommando der Nordsee⸗Station ha
dri eine Untersuchuna ιιι
Vermischtes.
Die Faschingsstimmung hat scheinbar auch die
len Amtssiel en ergriffen. So veröffentlicht das
Münchener Amtsvlatt folgenden mnister ellen Erlaß:
Hruns des Art. 72 des Fischereigesetzes für das K
reich Bayern wird nachstehende obervolizeilche Vor—
erlassen:
Für die kleincassige Form des Seesaiblings (E
salvelinus L.), den sogenannten Schwarzreutern,
das Mindestmaß im Königssee, Obersee, Mi tersee,
lensee, Grunsee und Hintersee auf 20 Ztm. herabg
Für den volwöschsigen Seesaibling, den sogena
Wildsangfrib irg, gilt auch in diesen Seen das Mi
maß von 25 Itm. nach 8 2 Abs. 1 der Landes
reiordnung.“
Rb sich die Saiblinge im Königssee diese „Herabs
hrer Größe“ gefallen lassen? Sie werden wohl m
enn wenn der Herr Minister in so bestimmter Form
elretiert, dann gibt's sicher auch auf dem Grunde
Zeen keinen Widerspruch. Schwer wird's den Fischer
ich fal.en, sich auf dieses Mindestmaß zu reduzieren.
ꝛielleicht geht's doch.
Eine Rosinante in Karnevalslaune. Daß
Pferde von der Faschingslaune angesteckt werden kö
zeweist ein Vorfall, der sih in Munchen an der Fric
traße ereigne e. In der Stallung der Eisenhand ung
höser stand in tiese Gedanken versunken ein Hoito
ils ihm, vermutlich infolge des Karnevalslärmes vor
nahen Straße her, der Gedanle kam, doch auch eir
ingehindert durch Zaum und Zügel und nicht die
zurch die Peitsche oder das „Hott“ und „Hüh“ des
chers, einen Spaziergang zu unternehmen. Er, mach
zom Halfter los und begeinn seine Reise. Sie führte
ine ofsenstehende Türe nach einer nahezu vier Stoch
sohen Lagerhalle, die mit Papiersäcken, in denen M
ur verpackt war, angefüllt ist. Nun kam dem Tier
gedanke an eine Bergpartie und in aller Gemütsruh
8 an den terrassenförmig aufgestappelten Papierballoe
suur höchsten Höhe hinauf. Als es nicht weter kam,
ich dori das Pferd einfach zum Schlafen neder. Al⸗
darauf der Kutscher den Stall betrat, um nach seinem
ing zu sehen, fand er die Bor leer, die Türe zum
haus offen, und da ein Diebstahl ausgeschlossen schie
machte man sich auf die Suche. Es dauerte lange,
nan den Spaziergänger dicht unter dem Dache sch
sand, und das lustige Ende war — die Alarmierun
Feuerwehr, die mit vieser Mühe die Ausreißerin aus
erk Ef— ———

leid die Halfte des Vermögens schenkt und den hal
Menschen in sein sicheres Verderben rennen läßt!
Ja, das war es eben, es faßte sie zuweilen sold
plötzliche Offenbarung, solch ein innerlich Zwingendes
er soll nicht. Er soll nicht in sein sicheres Verderben
nen! Ich! Ich will ihn halten, ihn schützen. Gott ha—
dazu auserkoren, mich dazu hingestellt neben ihn, d
iber ihn wachen soll, für ihn denken, weil keiner
lieb hat wie ich!l Weil er keine Mutter, keine treue
hat, die über ihn wacht, als mich! Ach, Elva, wie vi—
iieben Schwerter hast du schon im Herzen!
Und so wachte sie und dachte und grübelte und b
dem Schluß: er muß sich ankaufen, muß andere, g
Pflichten haben, selbständig dafür denken und handelp
sen. Er muß heraus aus diesem Kreise, aus dieser
Tätigkeit, dieser Stadt, wo er gar keine edleren Fr—
finden kann als diese! Gott! Den anderen Leuten,
mußte es ja ebenso gehen. Aber die hatten sich dar«
wöhnt, oder sie konnsen nicht anders. Sie mußten b
Sie lehten vom Dienst. Clemens lebte nicht vom
Er wollte nur seinem Berufe, den er früher sehr
nicht untren werden, hatte wohl noch gar nicht dar«
dacht, einen anderen zu ergreifen. Sie mußte f
denken. Nur nicht ungeschickt, nur klug und fein,c
nicht mit heftigem, täppischem Zufassen ihn verletzt
rückschreckte, alles verdarb. In einer Richtung w
trotz der drohenden Gefahr jest durch diese ernste B
tigung ihres Geistes und Ueberlegens glücklicher als
Sie hatte die Sache sogar schon ein wenig direkt
Hand genommen, hatte sich mit Korrespondenzen
Güterankauf befaßt, natürlich sehr vorsichtig, ganz
lich, denn davon durfte er nichts ahnen, und hier
Gegend dürfte es um keinen Preis sein.
Augenblicklich war er gar nicht in Tennin.
mit seinen Pferden zum Rennen in Hamburg. Sie
reine rechte Idee von der Wichtigkeit dieser Erfolge
Mißerfolge und freute sich nur herzlich, daß er s
Interesse an ihrer Mitfreude nahm, ihr gestern zu te
hieren, daß eines seiner Pferde einen aglänzenden
erfochten habe.
Vielleicht hätte sie mehr Grund gehabt, sich über
erfolg zu freuen, der ihm gleich im Anfang die Sach
leidet und ihn zur Vorsicht gemahnt hätte. Aber be
Rennsport sah sie gar keine Gefahr. Das war ein
Sport, und sie hatte oft gehört, daß sogar vom Kaiser
und allen hohen Vorgesetzten sehr gern gesehen
wenn sich die Offiziere mit der feineren Pferdezuch
Kultur beschäftigten, soweit eben ihre Mittel und ve
tige Grenzen es ihnen gestatteten. Ueber diese ve
tigen Grenzen hatten aber die Herren öfter ihr isel
„ernünftigen Ansichten, und Crx Glpa Tarrm
jar keine.
So freute sie sich und wollte ihn ermuntern,
ielt dieses Spiel für viel schöner, edler, ungefah
us das Kartenspiell Von dieser letzteren Gefah
inem Laster, das Elend und Schande zur Folge hat,
je schon manches gehört, von anderen Hazardspielen
zenig begriffen. Angetrunken war er übrigens nie
ach Hause gekommen. Freilich hatte sie ihn nie mehr
ztunde gesehen, denn in ihr Kimmer war er fre
nicht gekommen, und angerufen hatte sie ihn nicht
Aber spät kam er immer und sah recht elend und
mager aus. .
Freundschaftlichen Anschluß hatte Elva To—
zjier nicht gefunden. Erstens paßte sie wirklich vo.
zus zu keiner dieser Damen, und zweitens schloß
iberhaupt schwer an. Sie waren alle freundlich
»enswürdig zu ihr, zogen sie aber nicht in ihren
berkehr.
Diese einfache, stille Frau mit dem großen,
herzen, dem gesunden Verstand, der sehr einseing
ahrung hielt sich nicht einmal für besonders beklage
hre klaren Augen waren nicht blind für die Kre
emden Schultern, und der grollende Vorwurf: „Me
s schwerste!“ der so menschlich ühlich ist kam ib—
haderte weder mit Gott, nohb mit densch
jal und war imme eit
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41 —
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