hie und da in der Armee vorhanden, bewußt oder un—
sewußt. Anti emi isee Of iziere in dieser schroren Foem
aben wir glückl'cherweise nicht. Es ist durch- us kein Ko
davergehorsam in der Armee. Die Misßhandlungen gehel
dauernd zurück. Wir haben weder katholische, noch evan
zelische, noh jüd sche So'daten a!ls Kaste, sondern de isch
Solda'en. Ich karn beweisen, wie die Sozialdemokrater
unkere Leute aufhetzen. Der Minister verliest enige Rro—
ben aus der sozialdemokra ischen Presse, d'ie bei der Rech—
ten Rĩiuirufe hervorresen. Wir begrüßen, so schl eßt der
Minister seine Ausführungen, jede sachliche Kritik, wesen
iber jede zersetzende Kritik wegen ihrer bösen Foleen »u
uck. Wenn man die Dinge so darstelle, als ob die deut—
che Armee eine verlotterte Bonde sei, so diene man nicht
der Erhaltung des Friedens und nicht dem Wohle des
eutschen Vatersandes. (Beifall rechts)
Sächs. Generalmaior Frhr. v. Salza erklärt, daß
der König von Sachsen über die Mißhandlun gs'älle im
Oschater Ulanen-⸗Regiment sehne größte Mi*billigung aus—
zesprochen habe
Abg. v. Oertzzen (Rp!) erklärt, daß es durchaus
alsch sei, den Juden die Fähigkeit zum Offizier abzu—
prechen. Redner spricht dann für die Offizierswahl und
bhrengerichte.
Abg. Raab (W. Vag.) antworiet nochmals auf die
zurückweifumg sßeiner vorgestrigen Rede aus dem Hause.
Damit schließt die Aussprache. Das Gehalt des
kriegsministers wird bewilligt, die Resolution der fort
chrittlichen Volkspartei über die Grundsätze bei der Be
ietzung des Garde⸗-Offizier-KRorps wird gegen die gesamt
dinke abgelehnt.
*
Mittag 1 Uhr. Berlin, 28. Febr
(137. Sitzung)
In der Besprechung des 4
Militär-Etats —— ——
wird fortgefahren.
Beim Kassenwesen und Intendantur bemängelt Aba
sunert (Soz.), das bisherige System des Offizierser
satzes. Das Zulagenwe'sen im Heere sei eine regelrecht
Letternwirtschaft. Redner spricht dann gegen die Ge—
seim⸗Fonds, und behauptet, verschiedene sächsische Fond
eien ungesetzlich.
Sächs. Generalmajor v. Salza weist die Beschul
zigungen gegen die süchsische Milstärverwaltung als nich
lichhaltig entschieden zurück.
Abg. Erzberger (IZtr.) wendet sich gegen der
Abg. Kunert, der eine ganze Reihe unerwiesener Behaup
ungen aufgestellt habe.
Abg. Werner (Rip) bemängelt die häufigen Ver
etzungen der Intendantur-Beamten
Generalleutnant v. Wachs und Kriegsminister vor
deeringen erwidern, daß, soweit Versetzungen erfol
jzen, dies im Interesse des Dienstes oder auf Wunseh
zer betreffenden Beamten geschehe.
Abg. Roth (W. Vgg.) wendet sich gegen die Kom
nandierung von Soldaten zum Abendmahl.
Generalmajor v. Stadtmeister bestre tet, dal
kommandierungen vorkommen.
Abg. Vogt-Hall (W. Vag.) bittet, die Mannßchaf
voun an Sonntagen weniger dienstlich zu beschäftigen.
Abg. Hengstbach (Soz.) rügt den schlechten Zu
band mancher Militär⸗Gefängnisse.
Abg. Noste Goz.) wünscht Auskunft über die
Nilitãr⸗Attachees bei den auswärtigen Botschaften.
Kriegsminister v. Heeringen erwidert, daß die?
um Etat des Auswärtigen Amtes gehöre.
Abg. Sommer (F. Vp.) bringt Wünsche der Ve
zerinãr⸗Offiziere zur Sprache. An der Spitze des Veter
när⸗Korps sollte nicht ein Offizier, sondern ein Fachman;
hehen. Redner spricht weiter über die Konkurrenz der Mi
tar⸗Büchsenmacher
Generalmajor v. Mandel: Zu berechtigten Klager
zer Zivil⸗Büchtenmacher liegt wohl kein Anulaß mehr vor
denn sos sind strenge Vorschriften erlassen worden.
Abg. Zubeil Goz.) tritt für die Beseitigung de
Nuilitärmusiker ein, wegen der unlauteren Konkurrenz, di
be den Zivilmusikern machen.
Abg. Kopsch (F. Vp.): An marktschreterischer Re
dame wird von den Militärkapellen das Menschenmöglich
holeistet.
Generalmajor v. Mandel: Es bestehen strenge Vo.
ien und es sind uns auch nur wenige Klagen 31
hren gekommen. Berechtigten Wünschen der Zivimusike;
ommen wir gerne entgegen.
Die Abgg. Görcke (nl.) und v. Richthofer
kons.) nehmen die Militärmusiler gegen die unberechtigtn
acgriffe in Schutz, erkennen aber die Notwendigkeit an
wich die Wünsche der Zivilmusiker nach Möglichkeit zu be
Adsichtigen.
Abg. Zubeil GSoz.): Der gute Geschmack des deut
chen Volkes wird durch die Militärmnusik verdorben.
Abg. Graf Praschma (IZtitr.): Durch die Militär
apellen wird die Freude an der Musik verbreiet.
Generalmajor v. Mandel weist darauf hin, das
rie LTarife der Militärkapellen höher sind.
Abg. Belzer (Zir) äußert örtliche lokale badisch
Düunsche bezüglich der Kontrollversammlungen.
Abg. Goͤrcke (nl.): In der sozialdemokratische!
Messe find Berichte über angebliche Schiekversuche auf Le
F
Ein Wagen rollte vor. Clemens yorchte auf. Wer
konnte denn das sein? Für Besuche aus Tennin war es
eigentlich schon zu spät — bald neun Uhr. Das war noch
niemals passiert. Dazu stand man sich nicht vertraulich ge—
nug. Er erhob sich und trat selbst auf den Hausflur hinaus,
vo Friedrich eben die schwere Tür aufriß.
Elemens erkannte sogleich den hohen Bau eines Schwa—
zronskrümpers, und mit dem zweiten Blick die beiden rie—
igen Braunen der dritten Schwadron — Rittmeister von
darssen.
„Ah, sehr erfreut, verehrtester Herr Rittmeister, das ist
— eine mehr als willkommene Ueberraschung. Kommen Sie
erein, oder legen Sie gleich hier ab. Sie sind ja ganz ver—
schneit,“ sagte Clemens händeschüttelnd und angenehm er—⸗
regt durch die Aussicht, mit dem Rittmeister, den er von
mMen da am liebsten leiden mochte, den trostlosen Abend bei
ilerhand interessanten Plaudereien zu Ende bringen zu
önnen. Der Mann hatte sicher mehr erlebt, als er sagen
vollte und vielleicht durfte, war auch eigentlich nicht mehr
ung für seine Charge. Man wußte aber, daß er in guten
iußeren Verhältnissen lebte und eigentlich nur in Pferde—
naterial verschwenderisch war. Er hatte einen hübschen
Stall, aber schonte die Tiere, obwohl ganz unnütze Fresser
vie die Wachspuppen. Es sah ihm ganz ähnlich, daß er
venn ihm das Wetter oder der Weg nicht ganz gut schien
ich der Schwadronskrümper, bediente.
„Halt, halt, lieber Graf, nicht so eilig: Immer sachte
mit die jungen Pferdel Herein kommen wollte ich eigent
iich nicht, sondern, nein da! Nicht ausspannen! Umkehren!“
Aber ich bitte Sie, was ist denn passiert?“ fragte Cle—
nens erstaunt, während der Rittmeister die gefrorenen
Schneeflocken vorsichtig aus dem langen schwarzen Schnurrart
tupfte und Friedrich den Valetot, den er sich doch hatte
ehmen lassen, vorsichtig zum Abdampfen des zu Wasser ge⸗
vordenen Schnees ausbreitete.
„Passiert ist leider gar nichts! Haben Sie je gehört,
aß in Tennin in den ledten zwanzig Jahren etwas passiert
fi, als daß die Jahreszeiten wechseln, weil sie eben nicht
nders können? No einen Moment komme ich herein, ich
nuß doch die G »niag aünstig stimmen, damit sie
an t
*
BR
14
—Ar
um Vorversuche des Schießens auf Vater und Mutter
handeln.
Generalmajor v. Mandel: Es sind allerdongs ir
letzter Zeit Schiekversuche auf anatomische Präparate un
jernommen worden, aber in einer Weise, daß die Solda
ien die Leichenteile gar nicht zu Gesicht bekamen. Solch,
Lersuche liegen im Interesse der Kriegschirurgie.
Ueber diese Schießversuche entsteht noch eine laͤnger
inwesentliche Debatte, worauf sich das Haus zur Wester
eratuna auf Mittwoch 1 Ubr vertagat — SaAluß 7 116
—5 1
Spiel und Sport.
Die Prinz Heinrich-Fahrt. Tie Prinz Heinrich
Fahrt des Jahres 1911 wird in erhedlich genderter Weise
Us ihre Vorgingerinnen vor sich gehen. So werden 3.
3. die Schnel ig eit KNonurrenzen, die in den Vorjahren
viederholt zu Banst ununzen Veranlassfung gaben, in die
em Jabte veallan Forta“l sommen. Auch ist für die
anze Strecke ene ius eir geringe Marximal-Schnellig-—
eitsgrenze vorges esen, di alle unnüten und gefähr—
ichen Rasereien a zen wird. Die diesj hige Fahrt
vird gemei sant i e dem dertichen Kaiferlichen Auto—
nobilklub und den Hen Koenag ichen Automodi klub
mter Beteiligung Aagen aus beisen 8* ·v
—
—— —
D *
CRC
8
B VI
D UC
a
24
2 *
——
—*
·—
beranstaltet. Die Fahrt beginnt am 5. Juli in Homburg
o. d. H. Die genaueren Einzelheisen in Daten, sow'ie die
Fahrtroͤute, ihre Ruhetage usw. gehen aus der Karte klar
herbor. In der sowohl in der deutschen, wie auch en gli⸗
schen Presse an die Besprechung der Prinz Heinrich-Fahrt
ze nipften Betrachtungen wird neben dem sportlichen Er—
ignis auch die polit'sche Seile in sehr frenundschaftlicher
Welse behandelt. Die deutschen und englischen Automob
isten, die an der Veranstaltung teilnehmen, werden zwei—
eslos mit der Ueberze gung nach Hause kommen, daß das
indere Volk, in dessen Mitte sie einige Zeit leben werden,
licht als machtvoller Feind, sondun in beiderse tgem In—
eresse als Freund und Bunde?genosse. betrachtet werder
vilI
— — — ——
Aus aller Welt.
Postausweiskarten. Set dem 1. Oltober en hater
ie deut chen Postausweiskarten einen Vordruck in fran;o
ischer Sprache und sind seitdem auch in Italien gütteg
Ldom 1. Mai ab werden sie auch in Frankreich a's Aus
veistarten gülug sein.
Zug⸗Zusammenstoßz. Auf der Hoch- und Unter
rundbahn in Berlin trat inso'ge Zusammenstohes zwei—
deerzüge auf dem Umsteilbahnhof Spit‘elmarft eine meh
As einstünd'ge Verkehrsstörung auf der Wesistrecke ein. Be
em Zusammenstoß ift qlücklicherweise niemand zu Schader
ekommen.
Schwerer Sturm. Aus vielen Orsen Tirols werda
zturm⸗ und Weiterschäden gemeldet. Bei Naudars unn
zangen verschütteten Lawinen die Straßen; vei Fierer
runn blieb ein Wiener Schnellzug infolge von Schneever
behung stecken, in Feldtirch wurden Käuser abgedechkt und
n den Wäldern zahlreiche Bäume getnickt. Bei Baue
vurde die hölzerne Rheinbrücke schwer beschädigt. Am Bo
densee war die Schiffahrt teilweise unmöglich.
Brandunglück. In Petersburg ereignete sich ein aro
zes Brandunglück, zu dem noch folgende Einzelhei en ge
neldet werden. Bundem Navpillon der Schlittichuhbahs
wfreundlich bot, „immer in gleich rosiger Schöne,
em alten Junggesellen solch' bewundernde Augen
e sind. Ich komme, Ihren Eheherrn zu entführen.
d. eißt, wenn Sie ihm die allergnädigste Erlaubnis ge.
hen, das Idyll zu zweien daheim mit rauher Männerfreude
da draußen für einige Stunden zu vertauschen.“
Der Rittmeister sprach gegen seine Gewohnheit viel.
Elemens meinte auch, daß sein Gesicht auffallend ge—
ötet sei und seine Augen etwas trübe flackerten.
Nun, vielleicht halte er an dem eisigen Winterabend
schon eine kleine innere Erwärmung versucht. Er sollte so
wie so dem Becher nicht abhold sein, aber freilich sehr viel
hertragen können. Wirklich betrunken hatte ihn noch nie—
nand gesehen — in Tennin.
„Das ist ja schön,“ meinte Elva augenscheinlich erfreut,
daß Sie meinen Mann mit hinausnehmen wollen. Es
ut ihm auch nöig, sich ein wenig bei rauhen Männer—
reuden“, wie Sie sagen, aufzufrischen.“
„Sehr gnädig und barmherzig gedacht, gnädigste
Fräfin, und unser intensivster Dank ist Ihnen gewiß. Aber
ann machen Sie sich fertig, Torrmälen. Es ist kalt, und
en Braunen bekommt das lange Stehen nicht. sie sind kälte—
cheu, sozusagen.“
„FJa, sagen Sie mal, was ist denn los bei Ihnen?“
„Ach, wissen Sie, heute mittag brachte der dicke Domä-—
enonkel, wie heißt er doch gleich? ich kann diesen dummen
samen nie merken, na egal, einen famosen, schneidigen Kerl
nit zu Tisch ins Kasino, der sich hier so rum ankaufen will,
Zestute anlegen, Jagd pflegen, Karpfenteiche, was weiß ich,
edenfalls zu Sportzwecken, glaube ich, und nun wußten wir
ibsolut nicht, wohin mit ihm. Die Amusementsquellen sind
pärlich in Tennin, aber ihn jetzt schon wieder fortlassen, na,
saß wolltfen wir auch nicht: man ist froh, wenn man mal
ein hübsches Elenient ins Keuuno betommt, und jedenfaut
wollke der Domänenrat nicht 42, ufe. mit ihm. Der ist je
bekannt, daß er kein Eude friwen faun und ganz gern eir
kleines Jeu macht ...“
„Ach so!“ — wie die Augen des Mannes aufleuchte.
en! — „nur einen Moment Geduld, ich bin sofort wieder
sier und zur Verfügung, da du ja gestattest, liebe Elva
iß ich dich mal einen Abend allein lah
Sie lächelte vack o3, herzliches Lächel
r litoner
24
3
0
2
4
zeben dem Zitkus Ziniselll auf dem Fontanka⸗Plas schtefer
29 Arbeiter im Barackenraum. Ein Wächter ging mni
rennender Lampe in einen Nebonraum, wo ein offene
Zefäß mit Benziu stand. Sofort erfo'gie eine Erplosion
ind das Feuer griff mit rasender Schnetle um sich. De
Wächter weckte die im Nebenraum Schlafenden die beint⸗
BHrad Kälte zum Teil nur mit einem Hemd bekleise ir
»as Freie stormten. Viele liefen in den Schuppen zurün
im ihre Habseligkeiten noch zu retten. Bei dem 6Ge—
dränge, das darauf nach dem Ausgange ersolgte, wundu
15 Personen, die durch den Rauch betäubt waren zu Bo
hen getreten und verbrannten. Die Leichen wieden Rip
enbrüche, blaue Flecken und sonstige Wunden auf, die sie
ei dem Kampf um den Ausgang davongetragen haten
Verschüttet. Die vor vier Tagen in Bervile (Frank
rich) in einer Mergelgrube verschütteten zwei Arbeig
eben noch. Als die Rettungsmannschaften an die Schach—
zand klopften. antworteten die Verschüt'eten in g'echn
Le se. Man hofft, zu den Verschütteiten gela gen au
oͤnnen. —
Die Pest. In Spokanue im Staase Washi'gton wur—
den echzehn Fall von Beulenpest entdedt Die Kran heit
tritt anscheinend niht so bösartig auf wie in der Man—
yschurei, inde sen fliehen hun erte.
Schijfbruch. Der nach Afrika bestinimie Luna Boldi
der Reederei August Cords in Rostor, traf in der Nord—
ee den Flensburger Dampfer Jonas Sel ant velorener
Zchraube in gängz ich hilflosem Zustande und sch eppte ihm
ach Rotterdan
Der Kreuzzug gegen den Kauggzmmi. Einen groß
zügigen Kampf gegen das überhandnehmende amerikani
che Nationallaster, gegen die Unsitte des Gummikauens
ündigt das ameritanische Frauenkomitee für äuere Mis
ion an. Das Nationailsekretariat der Missionsgesellschaf
weist darauf hin, wie der Kangummii in kurzer Zeit gan,
Amerita erobert hat, und zeigt auf Grund der Staktistil
zaz die Amerikaner alljührlich für rund 65 Mil ionen M
Bummi kauen, während sie zu gleicher Zeit zur Besehrun;
zer Heiden kaum 16 Millionen aufbringen. Von atler
Ztra zenecken und Litfaßsäulsen euchsen den Besuchern ame—
ilanischer Grofst dte giesle und mardischreier sche Rekla—
nen entgegen, die dem Bürger mit Emphase raten, den
zummi von Smith oder den Gummi von Johnson zu
auen, und jeder Fabrikant preist die Güte seiner Waren
n Wort, Farbe und Bind in den höchsten Tönen. Wer
am Sonntag nachmittag einen Ausflug in die Umgebung
unternimmt, wird unfeh!bar an den schönsten Aussichts
punkten oder in den reizvollsten Landschaften mächtige Re—
tlamewände sehen, die das Evangelium des Kaugummis
predigen. Bei dem Prozeß gegen die Frau Schencke, die
angeklagt war, einen Mordversuch gegen ihren millionen
gesegnelen Gatten unternommen zu haben, konnte man be
ovachten, daß die Hälfte der Geschworenen Gummi kaue
und daß im Zuschauerraum der größte Teil der Damer
dem gleichen Laster frönte. Auf jeder Eisenbahnstation sin
det man Automaten, die für einen Cent den Reisender
das unentbehrliche „Chewing-gum“ liefern, und der Neu
ling, der gestern in New-York gelandet ist und heute ein«
Fdahrt in der Untergrundvahn unternimmt, steht vor einem
stätsel, wenn er sieht, daß alle Damen im Coupee un—
ausgesetzt ihr Kinn bewegen und mit der Geschwindigkeit
der rollenden Räder kauen. Die Fabrikanten haben von
lerzten und Zahnärzten Zeugnisse zu erlangen gesucht, um
at beweisen, daß der Kaugummi die Verdauung fördere
ind die Zähne erhalte, während in der Wirklichkeit das
jegenteil natürlich die Regel ist. Während aber in Ame—
ika jetzt der Kreuzzug gegen den Kaugummi eröffnet wird
ereiten sich die rührigen Fabrikanten darauf vor, auch
en europäischen Markt mit ihren Produkten zu über—
hwemmen. Sie hoffen, daß die Europäer sich mit glei—
her Begeisterung des Chewing gum annehmen werden
vie die Bewohner von New-York, Chicago und sogan
des am höchsten kultivierten Boston.
Wer sich über Druckfehler aufhält, möge beherzi
gjen: „Druckfehler sind Irrtümer, die weder der Setzer, nock
der Korrektor entdeckt, sondern nur der Leser. Währen?
nanche Völker für die Fehler der Regierung büßen müs
en, muß für den Druckfehler seines Blattes, den er nich
zemacht hat, der Redakteur büßen und zwar doppelt; er
lens ärgert er sich selbst und dann ärgern ihn sieben ge
scheite Leser. Drucksehler gehören zu den unvermeidliche;
Figenschaften jedes Druckerzeugnisses, das schnell herge
lellt werden muß; sie verhalten sich wie Rost zum Eisen
vie die FHefe zum Wein, nur mit dem Unterschiede, daß
zor dem Druck noch niemand weiß, ob sie fehlen oder ob
ie da sein werden. Mancher Satz wird überhaupt erfl
esenswert durch einen Druckfehler. Der Redalteur freilich
ann davon sagen: „Nur wer die Praxis kennt, weiß was
ch leide!“ Solange musiziert und gesungen wird, wird
8 falsche Töne, solange geschrieben und gedruckt wird,
vird es Schreib⸗ und Druckfehler geben, es scheint ein
lter Kalenderreim am besten darauf zu passen:
Gib Leser nicht so scharf auf alle Fehler acht,
Denn niemals ist ein Blatt, und der, der es gemacht,
Und der, der es gelesen,
Von allen Fehlern frei gewesen.
biẽ Zẽit nicht zu lang werden zu lasseñ hne Ahn und ja
nicht etwa auf zu bleiben, da es wohl zu spät oder „früh“
im einen alten Witz zu wiederholen, werden könnte. Sie
ächelte, wie vorhin, setzte sich an ihre Stickerei, ohne gleich
den Anfang wieder finden zu können, das Muster ist so
schwierig oder ihre Hände beben.
So lauscht sie vorgebeugt auf die heiteren Stimmen
im Flur, auf das Fortrollen des Wagens. Sie schiebt den
Vorhang zur Seite und blickt zurg die Spalte in der Ja ⸗
lousie hinaus. Der Mond scheint nicht, es schneit leise
und spärlich; aber es ist hell, und die weiße Schneefläche
leuchtet weithin. Noch einen letzten Blick hinter den ge
radeaus fahrenden Wagen, auf die beiden in ihre Pelz
näntel gehüllten Gestalten vorn auf dem Kutschbock, Cle—
nens hat die Zügel in der Hand. Die Braunen scheinen
in der Tat kälfescheu, denn sie kommen fast springend vor⸗
värts. Krümperpferde sind eben einmal nicht immer Läm—
ner. Sie weiß das schon, und Clemens fährt brillant
Der Rittmeister ist ja auch da, und, der Ulan hinten auf.
Nein, nein, keine Angst, daß ihr Glück in Gefahr kommen
kann. Ihr Glück! Der Mann da? Und, was geschähe,
venn er ihr genommen würde, wenn er da hinausgefahren
väre, um nie zurückzukehren? Nein, nein! lieber im Tode,
lieber in der Hölle mit ihm, als irgendwo ohne ihn!
Sie hat ihn sich gekauft!“
Ja, das hat sie!“ Das Weib hat ihr gesagt, daß er
kein Geld, nur Schulden habe, — sie hätte sich sagen kön
nen, daß er ihr Geld brauchte!
Ja — können. — Aber sie hat nicht gewollt! Denn
sie ist nicht einfältig. Sie ist auch nicht ohne Lebensersah—
rung. Sie hat ihm sagen lassen, all ihr Geld solle er
jaben — wenn er sie auch nehme. Ja. Jawohl. Das
äßt sich nicht wegstreiten. Das hat er ihr vorgeworfen,
as verachtet er an ihr — und das hat sie geian. Sie hat
hn sich gekauft. Hat seine Notlage benutzt, — weil sie
ben nicht nachdenken wollte — und weil sie eben ihn
vollte! Pfui der Schandel — — —
„— — wenn du eine Ahnung von dem hättest — was
nan Schande nennt,“ hatte er gesagt —.„ein, moralisches
defizit — und doch sonst fünf, gesunde Sinne.“
Sie legt ihre Stickerei zusammen und trinkt still und
slein ihren Tee. Dann geht sie so ziellos ein wenig um—
er und setzt sich auf den Stuhl an seinem Schreibtisch, auf
em er immer 322 Abends sint. 53umt nicht, und Er⸗
merung hate ae, oie wie dene Bilder hin—
ederge en izr die Stur,
3 ist i. n, wenn 8 wenet in einem
ine rechte. br liche A r Hnegt.
Von der Luftschiffahrt.
eNeues MilitärcLuftschiff. Das neue
—
er⸗Bataillons erbaut worden ist, wird voraussichtlich m
einen Probefahrten im Laufe dieser Woche begennen. F
Ba'lon, der rund 10 000 Kubikmeter Wasserstoffgas je
und 86 Meter ang ist, wurde schon gefüllt und mit d
Au .alelungsarbe ten ist schon begonnen worden. Das ne
Lufischiff uͤbertrisst die anderen unstarren Militär-Luftsch
owohl an Größe als auch an Tragkraft erheblich. 2
Au'zieb wird 11000 Kg. betragen. Das Lwitschiff 1.
zwes Gondeln und kann 20 Personen sassen. Die Höhen
teteung wird nicht durch Ballonnette, sondern wie b
„M. 3“ durch dynamische Wasserverscheebung und ause
dem wegen der Größe des Luftschiffes auch durch Fläche
teuer bewirkt.
*Flieger-Unfall. Der deutsche Offizier Wi
mera, der auf dem Flugfelde von Pau das Pilon
eugnis erwerben wollte, war zu einem Föhenfluge a
estiegen. Noch unerfahren, machte er in einer Höhe va
30 Metern ein falsches Manöver, wodurch der Appar—
äh zur Erde niedergedrückt wurde. Der Flieger wurd
udes nur leicht verletzt und dürite in einigen Taad—
vieder heragestellt sein
—Bon chinesischen Bettlexn erzahlt ein Mitaru
zer „Capitale“: Es gibt in Paeking allein mehr als
zerttausend Bettler; fie bilden eine eigene Kaste und
en einen König, dem sie bedingungslos gehorchen.
lutorität des Beitlermonarchen wird von allen s
Iniertanen anerkannt; er hat, ein wahrer Autokrat,
iber Leben und Tod oder maßt sich wenigstens
stecht an, 5) daß bei etwaigen Konflilten und Streit
en zwischen dem König und seinem Volk die Pr
uemals einschreitet. Der Bettlerkönig wird von den
zliedern des Bet lerverbandes in freier Wahl gewählt.
in echter Köng, zeigt sich auch der König der Ber
einem Volke nur sehr selten; er hält einen zu intir
Verlehr mit seinen Untertanen nicht für angebracht. De
nischt sich seine Frau, die Königin, viel mehr unter
Volk, und sie ist es auch, die die nicht ganz zu umgel
en Beziehungen mit den Lokalbehörden aufrecht erb
Zeking ist, was das Bettlerwesen betrifft, in mehrere
irke geteilt. Die Häuser werden nach zwei verschiede
karifen besteuert. Es gibt Häuser, die von den Beu—
nit einer Steuer von 1 Sapeke belegt werden, wäh
indere auf zwei Sapeken eingeschätzt werden; das ri
ich eben ganz nach der geschäftlichen Bedeumng des
es. Wenn der Bettler einmal die Summe, auf die
inen Anspruch zu haben glaubt, nicht bekommt, betra
r sich als Opfer eines Betruges, etwa einer Art Ste
inierziehung, und kommt am folgenden Tage mit
»der drei Kollegen wieder, um zu demonstrieren, und;
3 sein muß, ein bißchen Revolution zu machen.
nehr: zweimal im Jahre, im- Frühlirg und im 5
libt es esnen Tag, der „Tag der Betler“ genannt we
ann. An diesem Tage haben die Bettler zwölf Str
uing, von Sonnenaufang bis zu Sonnenuntergang,
techt. aus den Säcken und Körben, die vor den
anns äden steben, eine Handvoll Reis oder Hirse
/Hmen. Und die Kaufleute müssen sich, aus Furcht
och Schlimmerem, dieser Zwangssteuer unterwersen
en den berufsmäßigen Bettlern gibt es Keine große
ahl armer Menschen, die wirklich Mitled verdienen
nd die Blinden. Es gibt in China Himderte und
underte von b inden Bettlern; auf den Strafen
tan iie gentatn in Gruppen von zeen oder s
daun wiye ie hintereinander, indem
qRAe linke Hand auf die Schulter des Vordermanne⸗
im eine Stüte und einen Führer zu haben. Vang
orwärts tastend ziehen sie durch die winkeligen
ind mitten durch die dichten Vollsmassen; so wanf
vebete murmelnd, wimmernd und Bettlerlieder
»om frühen Morgen bis zum späten Abend. um
Almosen zu erbetieln.
Humoristisches.
*zUnverhofft. Zum erstenmale in melinen
var ich Treuzeuge vor dem Standesamte eines
berbayerischen Dorfes. Es war ein schwüler Ta—
Fenster des Amtsz'mmers waren geöffnet und mar
oon hier in das gegenüberliegende Schulgebäude.
reiner Lenzeweile. Aber da hieß uns der Bürge
die Trauungsurkunde unterschreiben Mein Freund
Bräutigani, schrieb mit festen sieghaften Zügen se
nen nieder — da erscholl drüben in der Schule
arg der Jugend: „Fuchs, du hast die Gans
gib sie wiedet her!“ ———
*Die verräterische Gasrechnnu
zrau Renier ist auf ärztlichen Rat im Oktober
ewesen. Jetzt sitzt sie mit dem Gatten wieder
m Frühstücks isch und läßt sich erzählen, wie er
Rit ihrer Abwesenheit gelangweilt hat.
gen langen Abende zu Hausel Um fünf' Uhr
hon das Gas angezündet, und dann habe ich
elesen. gelesen!⸗ — Da bringt das Dienstmädche
ame einen Brief. Sie lieft, wirft dem Gallen
.— — — ——
wes uum eroen dahin. Ihre Seele verstegt
herz verachtet er, ihre Schönheit hat keinen Re.
Solch langes ödes Leben macht müde. Ebenso
ein bewegtles, volles, wenn man gesund ist. Das
Beste. Man ift erschöpft, legt sich zu Bett, keine
kein Ueberlegen hält die Sinne wach, und das
sockt. Es ist, als ginge man unter und ein weich
Strom walle über einen hin, streife lind das ewig
gefühl von Seel' und Leib, und alles scheint vo
ijuen vegreiflich, daß sich die Alten in ihrer
das e Vergessen wie einen duklen, walle
gedacht haben.
Sie geht, zur Ruhe, zieht den roten S
von dem Kopfende ihres Lagers und streckt
nüde — — müde.
Was war das? — Sie fährt aus tiefem
dat sie schon lange geschlafen? Es ist tief
»hne Zweifel.
Sie starrt mit erschrockenen Augen in d
merlicht, welches die geschliffene Laterne, die
hängt, in ihrem Schlafzimmer verbreitet.
Da — jetzt hört sie es wieder. Lautes,
en eines bekannten Schwank-Couplets, lautt
zeftiges Aufschlagen der Tür drüben. In de
des schweren Schlafes — sie kann sich immeren
ermuntern —, ruft sie: Clemens, bist du es“
„Wer soll's denn sonst sein!“ klingt e—
iber. Sie schreckt zurück. Er steht auf der
Zimmers und lehnt sich leicht gegen den T
Jetzt löst er sich daraus und kommt auf
läßt er sich auf das Fußende ihres Bettes
„Ich soll dir Grüße bestellen, rate mal
Ich weiß nicht,“ stotterte sie, ihn hanß
Er sitzt da, ein wenig vorgebeugt, schü
ind lächelt vor sich hin, die Hände in den Hu
Ein häßlicher Duft von Wein und Tabak
zus. Sein duntles Haar, das sonst so glatt
iber seiner schönen Stirn lieat, ist in U.
zanz wirr.
„Na — von Wendelin. Du erinnerß
Tom Wendelin, den berühmten Causeur
reur —?“ witzelte er.
„Ach der! — Ja, ich weiß. War er 6
„Da? Wo? — Nein, er war nicht
einen andern. Er will sich hier ankaufen,
hinter Tarndorf. 's ist nicht zu glauben
alten Herrensitze gehen flöten an die Sp.
gewordene Fabrikanten, oder solch Volk, mu