Full text : Dudweiler Zeitung

sr. 46.

woltschließfach Nr. 14. J 24. Jahrgans.
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Donnerstag, den 23. Februar 191l11.

Erscheint
läglich mit Ausnahme der Sonn⸗- und
Feiertage.

fimtliches Publikafionsorgan suüt zwei beiiagen: Rekhamen
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Abg. Werner (sp.) fordert eine Erhöhung da
Zeugen-Gebühren und ein Vorgehen gegen die Schun
literatur. Ferner verlangt er, daß den Redakteuren der
193 über die Waährung berechtigter Interessen zugestande
werde.
Abg. Stadthagen Goz.): Wir lassen uns hie
bie Kritik durchaus nicht unterbinden. Redner bringt dan
eine Reihe von Fällen vor, in denen bei Sozialdemokre
len besonders streng vorgegangen worden ist. Der Mor
des Arbeiters Herrmann in Moabit ist noch immer nich
zesühnt. Warum wird der Polizeipräsident und der Po!
zeiminister nicht unter Anklage gesielli. WUnruhe rechte
Zehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)
Vizepraͤsidert Schul z ruft den Redner wegen du
ser Beleidigung der bhöchsten Beamten Preußens zur Orr
nung.
Slog. Stadthagen Goz,.) schließt mit der Auf
jsorderung an den Staats'elretär, dafür zu sorgen, da
gegen die Mörder vorgegangen wird. (Unruhe rechté
Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Staatsselretär Lirssco: Nachtem der Herr Präsiden
dem Redner einen Ordnungsruf erteilt hat, habe ich z3*
zieser Anzelegenheit nichtss mehr zu bemerken. Beifal
echts. Unruhe bei den Sozialdemokraten.
Abg. Ledebour Goz.) ruft: Drückeberger! (Vize
»räsident Schulz erteilt dem Abg. Ledebour für dieser
zwi enruf einen Ordnungsruf.
Abg. Seyda (Gpole) sagt, daß in polnischen Lan
desteilen die Justiz gegen die Polen arbeile. Schon sei
Jahrzehnten ist kein Pole mehr als Richter angestellt wor
den. Auch das Reichsgericht entscheidet zu ungunsten der
Volen und zugunsten der Staatspolitik.
Staatssekretär Lis co: Das Urteil über das Reichs
gericht steht fest. Ich weise die Ausführungen des Vor
tednets auf das entschiedenste zurück.
Abg. Müllter-Meiningen (F. Vp.): Von einer Lex
Heinze wollen wir nichts wissen Im Moabiter Proze
hat sich die Unparteilichkeit der deutschen Richter dargetan
die Richter sollten es unerlassen, Politik zu treiben.
Die Diskussion schließt. Der Justiz-Etat wird ange
tiommen, ebenso die Resolution der Kommi sion, welch
zahin geht, in die Strafgesetbuch-Kommission drei An
pa als Mitglieder aufzunehmen, die als hervorragend
isten gelten.
Berichterstatter Dr. Heckscher teilt noch mit, vaf
se Kommission weiter den Wunsch geaͤußer habe, noc
in Mitglied der Presse in die Kommission aufzunehmen
Donnerstag 1 Uhr: Militäretat. — Schluß 6 Uhr

Sind Kriege vorteilhaft?
9„Daily Mall“ hat soenen ihre Spalten einer Dis
n fteigegeben, die sich quf der Leitgedanlen des Bu
von Herrn Angell „Die große Täuschung“ bezieht, von
n eine deutsche Ausgabe soeben bei der Dietrich'schen
lagsbuchhandlung in Leipzig erschienen ist. Zwec die
Buches ist, zu zeigen, daz infolge gewisser, unseren
t eigentümlicher wirtschaftlicher Erscheinungen, wie der
ichzeitigen Bewegung des Dislonto-Zinsfußes in der
zen Welt, der Wechselwirklung der Börsen usf,, was
ßtenteils eine Folge der Entwickelung des Te'egrapher
des Telephons in den letzten 30 Jahren ist, — der
»erne Reichtum unantastbar geworden ist, insofern mi—
nische Eroberung in Betracht kommt, indem eine Be—
gnahme desselben durch den Eroberer ngwendig die⸗
ielbst schädigen muß. Darum ist es einem Lande un—
ich, sich durch die Unterjochung oder die Annexion
anderen Landes zu bereichern. Mit einem Wort,
nerung lohnt sich nicht mehr. Folglich hat England
deutschen militärischen Ehrgeiz nichts zu befürchten,
id der angedeutete Gedanke Gemeingut der europäi⸗
Diplomatie geworden ist, was nach der Ansicht des
isers sehr bald der Fall sein muß. Das genannte
ist in England, Amerika, Frankreich, Deuischland,
mnd. Schweden und Danemark veröffentlicht worden
wird binnen kurzem in Italien, Spanien und Japan
inen. Das Buch hat auf den verstorbenen Konig
ee einen tiefen Eindruck gemacht, was von Lort
Nin einem neulich in der „deutschen Revue⸗ erschie—
Artikel bezeugt wird.
der Kritiker der „Daily Mail“ bestreitet nun den
dpunkt des Buches, indem er gellend macht, daß
noch immer vortei haft sein könne, wie das gemein⸗
m Beispiel des Krieges von 1870—271 nach gewiesen
Reingewinn aus der —
ig der Kriegs'osten — im Betrage von 2440 Mitn
abgesehen vom Barwert Elsaß-⸗Lothringen, den der
er der „Daily Mail“ auf 1339 970 000 M. veran
t. Des weiteren führt er aus, daß die von Herrn
langerufene Tatsache, daß die kleinen Sigaten einen
en Kredit genießen als die Großmächte, sich aus de—
atsechlicher Neutralität erkläre, die aber gerade auf
düstungen der Großmächte beruhe.
darauf antwortet Herr Angell wie folgt: Die Bilanz
eutsch⸗französischen Krieges ist folgende Nach der
y Mail“ hrachte er Deutichland einen Gewinn von
00 000 Pfund Sterling ohne den Barwert von El—
othringen, 188 000 000 Pfund Sterling einschließlich
Lothringens. Durch den Kr'eg wurden aber 530090
mehr als neun Monate lang ihrer bürgerlichen Be⸗
gung entzogen, dadurch ein Verlust von 600 Mil—
Mark hervorgerusen. Der Nationalökonom Motli—
erechnete ferner, daß durch die Menschenverluste Ko—
on 1600 Millionen Mark entstanden. Schon diese
Ziffern ergeben, daß die Rentabilität des Krieges
aglich ift, dahß ein Krieg niemals einen Vorteil be—

Der russische Minister des Neußern erhielt en Tele
ramm des russischen Gesandlien in Peking, daß die chine—
sche Regierung ihm die Antwortnote, die durchaus
efriedige, zugestellt habe. Die we teren Verhandlungen
nerden nach Petersburg verlegt. Der chinesische Gesandte
i bevo'Tmächtigt, mit der russischen Regierung in entge⸗
nkommender Wesse zu verhandeln. Die chinesische Reg'e—
ing erkenne einige von ihr gemachten Fehler an und
offe, daß die noch bestehenden kleineren Meinungsversehi
enheten beigelegt würden.
In der Antwortnote Chinas auf die run
he Note heißt es: China erkennt alle Vertragsrech:e und
oͤrivisegeen an, die Rußland besitzt. Alle die Grenze be⸗
reffenden Fragen zwischen den beiden Regierungen sind
ets in freundschafslicher Wesse erledigt worden. Einige
ztreitfragen aus der Verschiedenheit der beiderseits erhal—
enen Berichte entstanden. Aber diese Streitsragen können
u jeder Zeit leicht erledint werden. China versteht nicht,
vie die Regierung in Peling e ner Vernachlässigeumg ihrer
Lerpflichtungen angellagt werden kann. Die Erklärung
er rnssischen Regierung, daß Rußland sich das Recht vor⸗
zehält, die Bestimmungen des Vertrages, wenn nötig,
urch scharse Mafnahmen zu verteidigen, steht mit einem
reundschaftlichen Empsinden kaum in Einklang und China
edauert tief, daß die russische Regi⸗ceung die Angelegen—
eit in diesem Lichte betrachtet. Ching ist entschloffen,
on Anfang bis zu Ende an den Prinzipien des Vertra
es festzuhalten und alle Fragen in einer freundschaftlicher.
Veise zu behandeln mit der Absicht, die Privilegien bei—
⸗er Parteien zu schützen und die nachbarlichen Beziehun
zen zwischen den beiden Mächten aufrecht zu erhalten.
Die „Birschewija Wjedomosti“ glaubt bezüglich der
hinesischen Note einen großen Erfolg der russi—
chen Diplomatie feststellen zu können. Eine Voraussagung
ei aber nicht möglich, da man es mit der, spitzfindigen
Zeiteneinflüssen zugänglichen chinesischen Diplomaue zu dun
abe. „Rjetsch“ hört, daß sich die russifche Regierung nich
nit der halben Aniwort begnügen werde. Die „Nowoj
Vremja“ erscheint die aus der europäischen Presse bekann—
ewordene Antwort Chinas wie ein Hohn, aber nicht wie
ine ernste Antwort auf eine erste Forderung. Die Ange
egenheit kehre wieder zum Anfangspunkt zurück, wie vor
der Ueberreichung der Note.
Wie dem „Figaro“ aus Petersburg gemeldet wird, is
ie russische Regierung von allen Punkten der chines i⸗—
chen Antwort auf das russische Ultimatum durch
uus befriedigt; Rußland sei auch bereit, mit China un
Verhandlungen über die Ausstellung eines Zolldienste⸗
inzutreten, falls China das wünusche.
Deutscher Reichstag.
Mittag 1 Uhr. Berlin, 22. FIbr
(132. Sitzung.)
Mit der Beratung des
Etats
wird fortgefahren und zwar beim Titel: Justizeta-Abg.
 Wagner (cons.) Wir hatten nicht die Absicht
um Justizetat zu sprechen, aber der Verlauf der gestrigen
Debatte zwingt uns dazu. Herr A g Ablaß hat 2
Ztunden über den Prozeß Becker ge pochen. Was geh
as den Reichstag an. Ist die Sache nicht schon im preu
zischen Abgeordnetenhaus genug erör ert worden?
Abg. Junck (nl.): Wir lassen uns nicht das Rech
iehmen, beim Etat der Just zverwaltung Mißstände de
Nechtspflege zu besprechen. Geisall links.) Redner ist gege
»en Gedanken einer Mobiliar-Hypo hek. Die Anwaltsge
»ühren sind ungenügend. Die Bi'dung neuer Senate beir
deichsgericht wird man trotz der sonstigen Entlastung nich
ufhalten ktönnen. Das Moabiter Urteil ist ein Zeugni⸗
ir die Unabhängigkeit deutscher Richter, aber umso größe
twdie Enttäuschung beim Becker-Prozeß.
Staatssekretär Lisco dankt für die anerkennenden
Vorte des Vorredners. Das Grundbuch ist berents in
irößeren Teil von Deutschland im wesenttichen angeleg
ind die Anlegung wird kräftig weiterbetrieben.
—— — — E
„Iyhnen ist nicht wohl, Torrmälen?“ —
; „Warum?“ F st
nSie sehen sehr angegriffen aus. Es ist wohl besser,
wenn Sie gehen. Auf diefe Arl können Sie die Sache —
nüchtern gesagt — nicht betreiben,“ flüsterte er lächelnd.
Der Faustwalzer, wirklich meisterhaft gespielt, klang
lockend, durch die plößlich entstandene Stille, in anmutigen
Variationen sich verschlingend, andere Themas der Oper
durchklingen lafsend und schließlich endend mit dem Tuett
am Fenster — dem hohen Lied der sehnsüchtigen Liebe.
Graf Torrmälen stand vor Frau Kugats.
. zWeine gnädioste Frau, ich bin ganz überrascht, ganz
wie soll ich sagen, erschüllert von Ihrer Aehnlichkeit mit
einer Dame, einer sehr interessanten Fürstin, der Name ist
mir entfallen, die vorigen Winter großes Aufsehen hier am
Zofe erregte. Sie haben mir die Frappiertheit sicher an⸗
gemerkt.“
Tiefes Rot färbte ihre Wangen, während sie verlegen
lächelte, ohne direkt zu antwortean. „Herr Rechtsanwalt
Dittrich spielt wirksich ausgezeichnet, finden Sie nicht, anä⸗
dide Froue“

Fran kreich.
* Der Matin“ berichtet: Im Lau'e einer Unterredung
nserer Mitarbeiter mit dem früheren Minister des Augs
»ärtigen, Delcassee, hat dieser erklärt, daß die
ranzösische Flotte in ihrem setzigen Zustande
ark genug sei, die nationale Sicherheit zu gewährleisten
n Falle eines plötzlich ausbrechenden Krieges. Der frü—
ere Minister fügte hinzu, daß die Flotte noch in besserer
ersafsung wäre, wenn die Kammer für das ihr vorge—
ate Marine⸗Proaramm der Reoierung kümmen würde
nd wenn Frankreich an seinen Bündnissen und Freu
batten in der bisberigen Weise festhalter
England.
* Im Unterhause hat der Premierminister die Vortag.
etreffend Absschäafäfung des Vetorechts de
RAberhauses wieder eingebracht.
2 Die nationatistischen irländischen Abgeordneten haben
schlossen, sich nicht 1au2 den übligen Abgeordneten gele⸗
entlich der Krönugngsfeierlichteiten zu ver
nigen. Sie haben indessen ein Manifest veröffentlicht, m
em gesagt wird, des der König bei den Irländern ge⸗
ꝛgentlich seiner Reise nach Irland den besien Empfang
nden werde.
Amerika.
* Das Washingtoner Staats-Departement hat bei ver
degierung von Hutti Vorstelsungen erhoben, daß die
sassenhinrihungen politischer Gefangener
Aterbleiben möchten

—sßR BRWîAÇær—
Arbeiterbewegung.
Die passive Resistenz. Der österreichische Mina
tkerrat beschäftigte sich mit der passiven Resistenz de
Staatsbeamten in Triest. Hierbei gelangte, wie ein offi
ielles Communique befagt, die einmütige Anschauung zun
ALusdruck, daß sowohl mit Rücksicht auf die in Mitleiden
chaft gezogenen wichtigen Interessen der Bevölkerung, wit
ruuch vom Standpunkte der Wahrung der Staatsautorits
uus eine zuwartende Haltung gegenuͤber den zu tage ge—
retenen Ungehörigkeiten fernerhin nicht mehr am Plaß
sei. Es wird daher von nun an gegen die Beteiligten
mit aller Strenge vorgegangen werden. Gleichzeitig wer
den die entsprechenden Anordnungen getroffen, um die Ab
vicklung des Dienstes unter allen Umständen in klaglose
Weise sicherzustellen. Den Vorständen der betreffenden lo
alen Behörden werden unverzüglich die erforderlichen Wes—
mnaen in dieser Richtung zukommen.
αÇXIIA-Handel
 und Verkehr.
Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl
der Kontoinhaber im Postscheckvertehr Ende Januar 1914
auf 51 500 gestiegen. (Zugang im Monal Januar allein
und 1640). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Ja⸗
ntar gebucht 965 Millionen Mart Gutschri ten und 969
Rillionen Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben de
dontoinhaber betrug Ende Januar 97 Mimdonen Mark
—E Aοpen whkrend desselber

iese Erörterung ist denn doch reichlich oberflächlich.
utsch⸗französische Krieg hat Deutschland nicht bloß
iegsentschädigung und Elsaß-Lothringen, sondern vor
die nationale Einhelt gebracht, die erst gegen der
ischen Widerspruch erkaͤmpft werden mußle Unt
ationale Einheit ist nicht nur ein ethischer Wert,
msie hat auch unzweifelhast den wirtschastlichen Auf
Deutschlands seit 1870 in hohem Maße begün
ud damit das starke Wachstum der Bevölkerung er—
t, das seitdem eingetreten ist, während die Nie—
Frankreichs zur Stagnation seinet Bevölkerung
veigetragen hat. So ift also durch den Krieg und
jolgen der Anteil wesentlich verschoben worden,
de Nationen an der Entwiclelung der Menschheiit
Mit den einseit'g materialistischen Gesichtspunkten
ily Mail“ ist d'e Frage nach der Bedeutung und
digkeit der Kriege nicht azu erledigen

Rußlands Konflikt mit China.
Die „Nowoje Wremja“ schreibt an der Spitze des
zlattes, anscheinend infpirieri, Rußlands Politik in
Ahinma beeinflusse erneswegs felne Politik in Europa
ind hänge nicht von den. Post's damer Verhand⸗
ungen ab, wie in der französischen und engl'schen
zresse mit so viel Aplomp behauptet werde. Die russische
zolitik mache keine Krisis durch. Sie habe ihren Stand—
unkt nach Ssasonows Amtsantriti in nichts geän—
ere. Sie verteid'ge nach wie vor die russischen Interes⸗
an der Westgrenze. Sie gedenke nicht, mit den
ühen in dem chinesischen Sumpẽe stecken zu bleiben und
uropa den Rücken zu wenden. Die Ansicht, daß die Zu—
ückziehung von Truppen von der Westgrenze m
iner altiveren Politik in Asien zusammenhänge, sei false
ir Regelung der rusisch-chinesischen Beziehungen genig
voalffammen —s—7 Akrhittge in TUrtt

Nerkäuflicher Wert
yon A. von Gerstorfss.
che war „sie“ nun? Kein Zeichen seitens der Haus—
riet es ihm. Mit bangem Blick streifte er die Dame
Sofa, welche ihn wie eine Offenbarung, auf die sie
n lang gewartet hatte, anstrahlte.
var Frau Geheinirat Berg.
delin übrigens überhob ihn bald seiner Zweifel.
die stattliche Dame zu kennen, nahm sofort neben
unTorrmälens Blick begegnend, bewegte er leicht
do ? Haupt, einen zweiten fragenden Blick beant—
r aber mit einem unauffälligen Achselzucken. Torrrte
 unter den Damen zwei Namen, die er kannte
unte Finanzfamilien, zweifelhafter Abstammung
die beiden Trägerinnen sahen nicht übel aus, wenn
alich unbedeutend. Von denen aber war's keine.
hatte von „honetter“ Bürgerfamilie gesprochen.
rank stehend seinen Tee und unterhielt sich ziemlich
vesend mit einem älteren Herrn, der Herr Direk—
redet wurde und hohes Inleresse an dem Namen
n nahm und eine große, aber nicht zutreffende
der ganzen „Sippe“, wie er sich fachgem* 4u
kundete.
elin plauderte auch stehend einige Minuten mit
entvollen“ Rechtsanwalt, der gelangweilt neben
o lehnte, dann mit der Hausfrau, und befreite
1von dem „Direktor“, ihm einen „vortrefflichen
z„“ an der Wand zeigend, wobei er ihm zuraunte,
etreffende noch gar nicht erschienen sei.
sie kommt doch?“ fragte Cleinens mit einem mü—
jen Lächeln. Sie können sich meine Spannung
un nämlich, Wendelin, eine — ganz unmögliche
kann ich nicht nach Tennin bringen, kann ich den
Leuten da nicht als meine Frau zuführen. Da
enn doch den Rock ausziehen. — Fuͤr meine Per—
mir wirklich ganz gleichaültig, wie sie aussieht,
“Sein Blick glitt scheu nach dem Sofa.
lin lächelte und stieß den Freund leise an. denn
tte sich geöffnet und —
st sie.“
s fühlte mit Verdruß, wie nervös er geworden
Herz schlug ordentlich ängstlich und es war ihm—
igentümlich eng unter dem Kragen, während er
RaIhe sRo—F V —— 2

Welch eine Gestalt! Die hätte zu Wendelin gepahzt. Ihm
war sie mindestens gleich an Länge und Breite.
Entsetlich! Solche Weiber waren ihm sein Lebtag un⸗
ympathisch gewesen. Ein mächtiger gelber Haarzopf war
ranzartig rund um den Kopf gewickelt, wodurch letzterer noch
icker erschien. Dies Germansahaupt kosend an seine Brusl
u legen, konnte noch nie einein Manne eingefollen sein.
Über doch war sie ja Witwe. Wär' auch nicht gerade sein
enre gewesen. wenn er jemals auch an die künfuüge Gräfin
orrimalen gedacht dee eine Witwe zu ehelichen, Sie krug
in, blanes Welltleib mit gelbsicher Weste und einen Grat
atschmuck quf der ——— Büste. So recht Sonn⸗
ras Nachmitiogs Aubgebioilette
—A wirklich reich genug sein, um fie sich
eitlebeuß avr fetfen zu geritssen? Ertatle mindestens —
lantes etrrtre Der Scangtchinuck dar eso in
ie gosbrxaae
dandschuhen. Was die anfaßte damsit, das hielk se fess
Zeine eigene Hand war weiblich fein dagegen. Jedenfall
onnten sie sich künftig mit ihren beiderfeiden Handschuhen
egenseitig aushelfon.
„Tortmälen!“ Wendelin räusperte sich, denn es war
Jeradezu unmöglich, daß der Mensch diese Frau mit so un
»erhohlen verächtlichem Blick anstarrte, Er mußlte sich zu
ammennehmen. Er schob ihn mit Jeichtem Druck vorwärts,
ind Frau von Perlewitz wendete sich sehr liebenswürdig ihm
u, mit, einem freundlichen Wink, nachdem fast sämtliche
derren sich hatten vorstellen lassen und er noch immer ganz
eistesabwesend halb hinter Wendelin gestanden hatle.
„Liebe Frau Knaaks erlauben Sie mir, gerr Graf
korrmälen — Frau Knaaks —
LCLlemens verneigte sich und zog sich, ohne jeden Ver⸗
uch der Unterhaltung, neben die Dame auf dem Sofa zu⸗
ück, die jetzt lange nicht mehr solche Schrecken für ihn
atte wie vorher und — wie diese dar Er zog sein Taschen⸗
uch hervor, es war ihm, als müßte er sich den Schweiß von
er Stirn wischen. Auf einmal blickte er auf, im Gefühl,
aß ihn jemand scharf ansah, und gerade in die fest auf ihm
aftenden Augen der Witwe Knaats, Sie stand neben den
Ziano, vor welchem der Rechtsanwalt wieder Platz genom⸗
nen hatte, und Frau von Perlewit bei ihr. Sie hatten
on ihm gesprochen, und es war da wohl Line kleine In⸗
uktion gegeben und enfangen worden. * —2
ẽr erhob fich, wq Untorhalt: X
nsicht Ihrer 2α
ao ey gerad woo⸗

uler Bonhomie und Siedenswürdigkeit ünd heiteren Gleich
ültigkeit gegen eine kleinen persömichen Opfer“ bm
Ili dicht auf den Hacken stand, ium ein Yurück unmoͤo⸗
ich machend. Selbst den Todessprung konnie er our
nehr wagen, ohne gegen die breite Geftact seines
—R anauprossen der ihm das Wort: Ehrlos rute

— *
Also nahm er seine Rolle in Empfang und spielte sie
o schlecht fie hm sag, mit der ihm zu Gebote stehenden Rou
ine: halb kühn, halb zaghaft, halb dringend, halb nach
üsfig, halb spöttisch und überlegen Dbalb Gebieter und
jalb Sklave. Mehr ernst und traurig aus den jchonen
melancholischen Augen blickend, als schmuchtenh verliebt
velch letzteres eine allzu große Geschmacklosigkeit gewesen
wäre, und diese Dame ihm kaum geglaubt hatte, da sie ge—
nau ebeno Bescheid wußle wie er über den et ee,
dand und ihres Gofallens. 2 J
Man ging zu Tisch — poarweise, sich durch einen röh⸗
tenartigen Korrider zwängend in eĩ ardhes, kahles Zim—
ner am Ende deselben. Ein Büffelt und eine Nähmaschine
chienen Clemens die Hauptzierden, aunfer einem grausamen
Rldruck der büßenden Magdalena über einem welken, alten
hlassofa. Spater bemerkle er guch noch eine Venus in
alber Vebendaröße. die sich beschämt dinter das Büffel
zurlicgezogen hatte, wo sie frettich auf dem dunklen Sin
tergrunde dem Gegenübersitzenden doppelt auffiel.
Torrmälen, dem kleine Aeußerlichkeiten jehr auf di
Nerven fallen konnien, fühlte es ganz kalt den Rücken hin
ablaufen und fiel einige Minuten vollständig aus der Roie
indem er mit dem unverkennbaren Ausdruck xatloser Ver—
zagtheit auf das Tischluch niederstarrte, bis Wendelin ihn
lächelnd ansprach und nach seinen Kopfschmergen fragte.
Ach, das Lächeln diefes lieben MenschenEs war wiß
ein Spornstick in die Flanken eines todmüden Renners.
Er raffte sich glso auf und entfaltete wieder den gan⸗
zen Glanz seines Wesens. Daß er von den Kalbsbraten
wenig und von dem eiskalten Rotwein nichts genoß, sondern
ich an Selterswasser labte, schadete weiter nichis. Frai
dnaals schien guch nicht der metccielten Genüsse weger
er au sein. Die Uniar der übrigen war recht keß
J *7 eir
Ir oro
cach

Ja. Sehr schön.“
„Sie haben die Oper doch oft gehört?“
„Ach ja, ich kenne die Oper fehr gut. Aber ich glaube
Herr Rechtsanwalt spielt noch mehr.“
Clemens sah es mit Freuden und trat wieder schwei
gend neben die „Witwe“, wie er sie bei sich immer naunte
Da blieb er und da er einige Meisterschaft in stummen
Blicken besaß, sprach er mit diesen, so oft sie, was öfter ge—
schah, zu ihm aufsah, wahrend ein altes Lied n perlenden
däufen und schwermütigen Akkorden umer den kunstfer⸗
igen Händen des Spielers zu ihnen emportönte.
Wenn wir allein find, wird sich's zeigen,
Ob ich Dich recht, ob ich Dich kalsch verstand —“
Die Taten der Verzweiflung sehen denen der Begeiste—
ung zuweilen sehr ähnlich.
Graf Clemens Torrmaͤlen vor Frau Knaaks war ein
Zeispiel für die Behaupfung. Der Ldwe der aristokratischen
Zalons ließ all seine wilde Gragie, all seine weiche Schmieg⸗
mwkeit spielen, der monumentalen Witwe zu ne
n⸗ —2 ⸗·f.· er ihr n J
—

A
            
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