Full text : Dudweiler Zeitung

am eine rein kechnische Fntenre, vei vem vasz Eysteit vder
Allianzen nicht in den Bereich der Diskussion gezogen ist.
Schließlich steht es fest, daß die russische Diplomatie und
»e russische Nation niemals zugeben werden, daß die
Freundschaft mit Deutschland die Solidi
äst des französisch-russischen Bündnisses oder der Tripel—
ntente irgendwie beeinfsußt. In der politischen Sima—
tion Europas hat sich nichts geändert. Die Bedingungen
»es internationalen Gleichgewichts bleihen durchaus die
elben.
— Griechenland.
* Die in den letzten Tagen vielfach umlausenden und
n der Presse eingehend diskutierten Gerüchte, daß Ven se—
os die abermalige Auflösung der Nationalversamm—
ung wegen angeblicher Obstruktionsneigungen vieler Ab—
jeordneter, sowie nach der Auflösung die Diktatur
instrebe, bezeichnete Veniselos als Uun begründet, da
K, wie früher, so auch jetzt der Ansicht sei, daß der
Hwache Körper des griechischen Staatswesens derartige
Lasten nicht tragen kͤnne..
F 4* J — ——
Rußlands Konflikt mit China.
Zu dem Ultimatum der russischen Regierung an China
oringt die russische Presse nur Verlegenheitsartikel vom
ewe ligen Parteistandpdunkte aus. „Nowoje Wremja“ und
Retsch stimmen jedoch darin überein, daß die russische
Ddiplomatie schon früher hätte energisch vorgehen müssen
da sie durch ihr langes Zaudern die Pekinger Asiaten z1
dem Glauben veranlaßt habe, daß sie an eine kräftige Ver
retung ihrer Rechte nicht denke. Uebrigens bezeichnen die
diplomatischen Kreise das Schriftstück der Regierung ale
Note“ und meinen, es sei kein eigentliches Ultimatum.
Das russische Ultimatum an China wird vom Pariser
Temps“ miti kühlem Vorbehalt besprochen. Das Blat.
zrinnert an die Konflikte, die im Laufe der letzten Jahr—
zehnte zwischen Rußland und China entstanden sind, und
fuidet, daß jedesmal, wenn eine russisch-deutsche Annähe
ung stattgefunden hatte, eine lebhafte Betätigung Ruß
ands in Asien gefolgt sei. Es sei nicht nötig zu be
eurken. daß diese von Berlin begünstigte Beät'gung Ruß
uuuds jedesmal eine unangenehme Nachwirkung in Europo
gehabt habe, entweder für Rußland oder für seine Ver—
undeten deren diplomatischer und militärischer Kredit
zeschwächt worden sei. Die ‚Times“ habe wohl schon
zarzu gedacht, als sie in diskreter Weise anzeigte, welche
Lesahrren die russische Note nach sich ziehen konnte. Frank
zeich sei mit Rußland durch stärkere Bande verknüpft a“
ktigland. Es schulde offenbar den gerechtfertigten Ansprü
hen rines verbündeten und befreundeten Landes e'ne sym
ʒg Unterstützung aber man dürfe die Vergangenheit
ichti vergessen, und vor allem müßten die Russen mit Um—
eh enig eines Wortes von Bismarck daran erinnert wer
xn, daß die französisch-russische Allianz in Asien immer
arr Pyrrhussiege davongetragen habe, für die sie in Eu
opu die Kosten tragen muß.
— MW————eeeee———
Koloniales.
—a Teutlsche Schutzgebiete. Aus Deutisch⸗Südwestaf—⸗
ika wird amtlich gemeldet, daß eine Bande bei Aurogs
Gieh gestohlen. und dann sechs Köpfe stark in der Rich
ung auf Sperlingspütz und Gaebis abgezogen sein soll
kinzelhe ten sind bisher weder durch die Schutztruppe nöch
urch die Polizei festgestellt worden. Aus dem englischen
gebiet liegen keine weiteren Nachrichten vor. Eine scharze
Beobachtnug der Süd- und Osigrenze des Schutzgebietes
st eingeleiiet. Gleichzeitig trisst eine Meldung des deut—
chen Generalkonsulats in Kapstadt ein, nach der dort über
mgebliche Vewegungen der Simon Kopperleu!e keine Minß
eilungen eingegangen sind. Demnach ist zu hoffen, daß
zie ganze Angelegenheit sich auf einen einsachen Wieh-—
diehstahl beschränst
Von der Luftschiffahrt.
*Zum Wetterdienst. Seit dem 1. Janua
at mit Rücksicht auf die Luftschiffahrt eine Vermeßrun
ẽs Vachrichtenmaterials aus den oberen Lndsschichtei
atigefunden, indem an den verschiedenen Wetlerdienstfte!
en und auch an einigen anderen Orten Pilotbatlonstalio
ien eingerichtet worden sind. Diese Pilotballonstauone;
aben den Zweck, durch eine besonders hierzu geeignet
Nethode die Richtung und Geschwir digkeit des Winde—
n der freien Atmosphäre selbst festzustellen. Die Meshod
eruht darauf, daß kleine, mit Wasserstosfgas gefüllte und
eschlossene Gummiballons eine gleichmäßige Steiggeschwin
igkeit häben; durch geeignete Winkelmessungen, Azinut!
Richtungswinkel) und Höhenwinkel läßt sich auch di
zlugbahn eines derartigen Ballons ermitteln und hierau
stichtung und Geschwindigkeit des Windes berechnen. Di
Winduiessungeit werden an das Aeronautische Ohservate
tium Lindenberg bei Berlin mitgeteilt, welches dicselber
n Form eines Sammeltelegramms (ähnlich wie der Tese
zramme der Deutschen Seewarte für den allgemeinen Wet
erdienst) verbreitet. Zurzeit trefsen außer den Wind
nessungen des Aeronautischen Observatoriums zu Linden
herg und der Drachenstation Groß-Borstel bei Ham
zurg RVachrichten ein von folgenden mieteorologische—
dienststellen: Königsberg, Breslau, Bromberg, Bitterfeld
Dresden. qun adosra Sαα ÜQO Srankfur“ 9
—E—

Der Ausweg. den Sie, Graf CLorrmalen, aus Ihrem
dilemma suchen wollen, wie Sie mir vertrauensvoll andeu—
eten, scheint mir genau besehen —“
„Nicht viel ehrenvoller als der vorgeschlagene.“
„Im Gegenteil, ich denke, Sie überlegen nicht lange
ziel d haben wir nicht.“
„Wie gräßlich kaltblütig Sie sich ausdrücken!“
* „Heißes Blut ist auch bei dieser Angelegenheit micht er«
oen Ruhige Ueberlegung, zielsicheres Vorgehen. Den
deg zeige ich Fynen schon.“
Gut. Heute kann ich mich aber nicht entscheiden.“ be
nerkte Torrmälen, etwas hastig vom Fenster zurücktretend?
ind auf dem Tisch nach seiner Mütze mit den hellschimmern
en Streifen tastend. „Ich Jabe ämlich noch cinen ver
äuflichen Wert.“
„Ah!“
„Ich will mein Leben in einer Wette anlegen. Die
leinen Ehrenschulden würden gedeat werden bis morgen
yenn — —“
„Wenn Sie den eingezahlten Wert nicht verlieren.“
„Ich denke nicht, und begreife nicht, wie ein Mensch auf
ine so hohe Wette halten kann, auf eine so klarliegende
Zache.“
„Es handelt sich —“
„Um ein altes Reiterstückchen — in der Nacht nach einem
Diner, wo scharf getrunken werden soll, auf fremdem, aber
sicherem Pferde die Barrieren eines Eisenbahndammes bei
heranbrausendem Zuge im Toppelsprung zu nehmen,“ klang
es in ganz anderem, frischein Tone zurück.“
„Wer hielt die tolle Wette?“
„Dembritzki, Reserveoffizier von der Garde⸗Artillerie.
ann mirs bloß erklären, daß er trotz allem Renommieren
von Reiterstücken sehr wenig versteht. Dies ist, wie gesagt,
nicht einmal etwas Neues, sondern schon oft probiert und
geglückt.“
pf Pher nicht nach einem Diner und auf fremdem
erde.“
„Na, sonst wär' überhaupt kein Risiko.“
„Und wenn Sie verlieren, bezahlen Sie —“
„Mit dem Leben wahrscheinlich, lieber Freund. Mehr
ann ich nicht geben.“
„Der Dembritzki ist doch nicht derselbe, der damals bei
ʒer Spielgeschichte so mit blauem Auge davonkam?“
„Weiß ich nicht. Ich muß gehen. Das Diner fängt um
ieben Uhr an, bei Dressel.“
Er bot dem andern die Hand.
‚Leben Sie wohl, Wendelin. Haben Sie Dank für Ihr
Maeinpon — An s ö

Jeimenau und Straßburg, sodaß von einem agarößerern
Beobachtungsnetz über ganz Norddeutschland die Windver
hältuisse der obercn Lustströmungen täglich vorliegen Au
Brund dieses Materials, fowie der täͤglichen Wet er'ar:
verden den Luftfahrern Auskünste ereilt. In der Som
nerzeit Ceit 1909) ist an dem Aachener Observatorium cir
besonderer Wetterdienst für Lustschiffahrt eingerichtet wor
den, der sich nunmehr auch auf die Winterzet erstreckt
Sine weitere Organisation dieses Dienstes ist be?anntli⸗
zuf der letzten Konferenz für den Wetterdienst im Reichs
amte des Innern im Januar d. J. in Aussicht genom
nen worden und soll außer der Vermehrung der Pilot
allonstationen auch täglich noch eine zweite (Mittags
Vetterkarie entworfen werden.
*Ein weiterer „Parseval⸗“. Das Kriegsmi
aisteriunt hat bei der Parseval-Luftschiffbau⸗Geelschaft ein
veitere? Parseval⸗Luftschiff in Austrag gegeben

*zEin Fallschirm für Aviatiter. TDer feeon
ösische Ingenieur Gas? on Hervien hagen Par 3 den Ver
relern der aviot'ischen Beherden und des Nezierung seiner
eigenartig und dabei recht cinsoch tonfteneen Fallschirn
urch einen Sprung vom Eiffelturm vorgeführt. Wir ze
An San Srfinner mit einen Tal'chirm irz vor der Lan

—— ——
»ung. Ser ganze Apparat ist 21 Kilo schwer, sodaß e
lseicht auf den Flug ahrzengen mitzgefehrt werden kann
Die Länge der Schn're des Fa lschirmes beträgt 9 Mitr
Zei den in letzter Zeit sich immer mehr häufenden Todes
lürzen von Fliegern ist es wirklich unbedinzt nöt'g, da
in Apparat ersunden wird, der die mutizen Vorkämpfe
ür die Eroberung der Luft vor Todesitiurzen zu schütze
ucht.

— —»zzcö—2—2—2—,—, —»—,—»—»—o —»
Gerichtszeitung.
Die „Wahrheit“. In den zahlreichen Preßprozessen
ie der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Bruhn als Her
usgeber der „Wahrheit“ in der letzten Zeit angestreng
atte, ist soeben ein Beschluß ergangen, durch den der um
angreichste der Bruhnschen Beleidigungsprozesse auf Kosten
es Klaͤgers zurückgewiesen wird. Es handelt sich dabe
m den Prozeß. den Bruhn gegen etwas sechzig deutsche
zeitungen angestrengt hatte, weil se einen Aruel des
zournalisten Schweder in Ber in übernommen hatten
er sich mit dent damals bevorstehenden Erpreserprozesst
Rahsel beschäftigte. In dem Artikel war ausgejführt
zorden, daß Dahjel allerdngs nach dem Ergebnis der
zoruntersuchung schwer belastet erscheine, daß aber Bruhr
nd die „Wahrheit“ gewissermaßen die Vorbedingung für
ie Affäre Tahsel gewesen seien, und daß Dahsel dure
ie Mitarbeiterschaft an der „Wahrheit“ volsständig kor
umpiert worden sei. Der Vorsihende, der für die Sach
n Betracht kommenden Abteilunz 1435, Amitsgerichtsra
Vollner erließ, soweit der bejchuldigse Schweder in Frage
zmnit, jetzt fsolgenden BeschbLusß: „Die Privatlagtsach
»ird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen. Klager fühl
ch lediglich durch den Passus des Artikels „Dahsel se
urch die Mitarbeiterschaft an dem vom KRläger heraus
egebenen Blatie „Die Waährheit“ vol st udig korrumpier
orden“, beleidigt, jedoch zu Unrecht“ Tenn es ist ge
ichtsnotorisch, daß „Die Warheit“ zu der in Besracht kom
tenden Zeit in weiten Kreisen der Bepölkerung als Be
rohung erachtet wurde. Wenn nun mit Bezug hierau
ehauptet wird, das die Mitarbelterschaft an dieser Zei
ung von verderblichem Einsfstuß auf den Metarbeitendern
st, so entspricht diese Auffassung den Tatsachen. Dageger
st weder behauptet, noch aus dem Artikel heraus? ulesen
aß Kläger einen schsechten und verderblichen Einsuß au
Dahsel ausgeübt hat, und es kann demnich von eine
geleidigung des Klägers nicht die Rede sein.“
⏑⏑⏑⏑—⏑—⏑—

— —v — ———⏑⏑—⏑— a
ehen soute. Es köonnte sa der Teufel sein Spiel haben
Wenn ich gewinne, komme ich wieder, denn mit dem Preist
hon heute ist mir nicht ausreichend geholfen.“

2. Kapitel.

Die lange Fensterreihe der englischen Botschaft in der
Wilhelmstraße ist strahlend erhellt. Es hat ein Diner statt«
sefunden, und um ein Uhr sind die Wagen bestellt. In dem
angsamen, Tempo leerer herrschaftlicher Equipagen be—
sinnen dieselben wieder anzufahren. Auf der anderen Seite
er Straße haben sich einige Droschken erster Klasse ange—
unden, wie es gewöhnlich geschieht in der Nähe so spät er—
)ellter, langer Fensterreihen, wo die Gutscher ein Fest voer.
iuten können.
Der Himmel scheint sich aufhellen zu wollen. Es regne!
icht mehr, und die dunklen Wolken haben sich schon hier und
a geteilt, einen blassen Stern, ein fernes silbernes Leuchten
es spät aufgegangenen Mondes durchlassend. Ein leichter
Vind hat sich aufgemacht, der sich immer mehr verstärkt und
en Bürgersteig rasch trocken legt, während auf dem Stra—
endamm die Nässe noch glitzert im Licht der unruhig flak
ernden Laternen. Hinter der Droschkenreihe, gegenüber der
zotschaft, geht langsamen Schrittes ein hochgewachsener
Uanenoffizier die Straße hinab und wieder hinauf. Der
veiße Streif an seiner Miltze leuchtet zuweilen auf, wenr
in Strahl aus einer der Wagenlaternen ihn trifft.
Er ist fest in seinen Mantel gewickelt, unter dem er et—
vas Weißes in der herabhängenden Hand hält.
Es ist dieselbe schön gebaute Gestalt, die vor einigen
Stunden am Fenster in Herrn Thomas Wendelins Salor
gestanden hat, es ist derselbe Mann.
Jetzt. Er bleibt stehen. Das Portal der Botschaft hal
ich geöffnet. Ein Lakai tritt heraus:
„Frau Baronin Opalla vorfahren.“
Der Offizier steht jetzt neben dem Portal im Schatter
ines Wagens. Hastig reißt er das Seidenpapier von den
zegenstande, den er in der Hand getragen. Es sind Rosen
angstenglige, sorgfältig von jedem Dorn befreit, mit einem
Streifen weißen Papiers zusammengebunden. Jetzt er—
cheint eine alte, weißharige Dame auf den Stufen, fest in
inen großen Pelz gehüllt, den Kopf in einen seidenen Shawl
jsewickelt. Ein alter Diener in langem Livreerock stützt sie
orgsältig. Man sieht, ihr fällt das Gehen schwer.
Ihr folgt leichten Schrittes eine schlanke, elegante Ge
alt in einem Mantel von rosa Seide, das reizende, jung
on „wria —man ·»wt nter

Vermischtes.
Was der Mode noch fehlte. Der „Berliner Bör
neourier“ not'ert eine kleine Novität, die das Gebie
er Mode streift und außerdem beweist, wie sehr ihre Er
inder, die geschäftstüchtigen VYankees, es verstehen, zwe
zliegen mit ener Klappe zu schlazen. „Das lebte“, wa—
ie großen Geschüsts- und Warenhanus-Inhaber in Amerik,
hren eleganten Kundinnen bieten, ist Einwickelpapier und
gindsaden in den neuesten Farbschattierurgen. I.d s Pa
eichen wird in Papier eingehüllt und mit Schnur um
vickelt, die genan nach der Farle der Toilette der Käu
serin abgetönt sird, sodaß das Paketchen beim Tragen
nicht von dieser absticht. Der schlaue Amerikaner spar
zurch diesen neuesten Geschäststrick viel Geld und Mühe
En gewöhnlich verpacktes Paketchen ließe die Kursdin sic
undedingt zuschicken; ein so hochmodern und fein umhbeit
tes nimmt sie gern selbst mit.
Elektrische Unterwasserbeleuchtung. Arstelle de
bisher zur Wegebeze'chnung für die Einfahrt der Schiff
zebrauchten Vasen und Bosen, Glocken und Feuerichifse ha
der amerikanische Ingenieur Dion cine unter dem Wasse
besindliche eleltrische Be enchtung der Fahrttrasse in Vor
chlag gebracht, die im wesentlichen aus dem Strombe
euchtungskabe! und aus den darauf festgeschranbten Glüh
ampen bestehtr. Diese Un'ewasserbeleuchtung könnte in
riegssalle jederzest beim Annahen feindlicher Schiffe ge
»icht und für »ie ↄ209ene SFsotte ebenso schnell wieder

—— *
dienst gesezt werden. Doch wird als Nachteil dieses Sy
tems hervergehoben, daß schleppende Schiffssanker das Ka
bel verletzen koͤnnen, während die Glühlampen durch Un
sauberkeit des Gewässers sehr verschmutzen und die Mee—
estiere durch das Licht bald erblinden. Gelingt es, diese
Nachteile zu beseitigen, so steht der Wegebezeichnung für
zie Schiffe eine völlige Umwandlung bevor.
Italienische Inkunabeln deutscher Drucker. Es
st im allgemeinen nicht hinreichend bekannt, wie bedeu—
end der Anteil deutscher Buchdrucker bei der Einführung
ind Entwicklung der Buchdruckerkunst in außerdeutschen
Zändern gewesen ist. Ganz besonders gilt dies von Ita
ien, daz das erste außerdeutsche Land gewesen war, in
em die neue Kunst Boden faßte, und wo nach 1468
wei deutsche Drucker, Konrad Sweynheim und Arnold
aunnartz iun der berühmten Benedittinerkloster Subiget
.Rom eine Buchdruckerei einrichteten, mit der sie später
zeih Rom übersiedellten. Die Zahl der deutschen Buch—
Uker, die bis zum Jahre 1500 in Italien tätig gewesen
ind, ist küßtrordentlich groß und die Produktivität ihrer
zressen reilweise erstaunlich. Einen interessanten Beleg
ßerfür bieiet cin von C. E. Rappaport in Rom veroi—
entlichter Speziallatalog über ital enische Inknnabeln. Un—
er den 141 darin genau beschriebenen Büchern rühren
lein 42 von 25 verschiedenen deutschen Buckdruckern her;
m ganzen sind in dem Kataleg etwa 02 verschiedene
)rucker veitreten.
Der Strickstrumpf im Theater. Eine Dresdener
)äme schreibt den dortigen „Anzeiger“. „Größere und
einere Unarten des Theaierpubli.uns sind schon wieder—
olt durch die Tagespreste öffeatlich gerügt worden; so
48 leidig Zuspättommen oder das geräuschvolle Auf—
echtn vor beendeter Vorstellung. Seibst die der Gele—
enheit nicht angemessene Kleidung mancher Theaterbesu—
jer ist Gegenstand der Kritik geworden. Was ich aber in
er letztein ‚Tristan“Ausführung in un' erer Hosoper erlebt
abe, haäne uh nie für möglich gehalten. Ich hatte mei—
en Plaß in der Mitle galerie des vierten Ranges. In der
ihze vor uii: saßen fünf junge englisch redende Da—

Totze, glänzende Augen einen scheu⸗Tpuchenden Blick in d
schatten der Nacht werfen. Ein leichtes Zusammenzucken,
in Lächeln, das flüchtig die feinen Lippen umspielt, ein
ascher Blick nach der alten Dame, welche mit großer Um—
ändlichkeit und Langsamkeit in dem Wagen untergebrach
ird. Dann ein hastig ausgestrecktes schmales Händcher
hne Handschuh, von zwei heißen Händen eine halbe Mi—
ute gepreßt, ein, zwei leise Küsse darauf, ein Flüstern,
zum vernehmbar: „Das Papier um die Rosen, ich flehe um
sintwort!“ Und raschen Schrittes geht der Ulanenoffizier die
ztraße hinauf. während der große, etwas altmodische Wa—
en sich langsam,in Bewegung setzt.
Die Rosen sind in den schmalen Händchen unter dem
rosc seidenen Mantel sicher geborgen. Ein scheuer Blick na
)er alten Dame, die stöhnend ihren Fußsack sucht.
„Gottlob, das wäre überstanden“ meint sie, des Diner
jedenkend.
Das junge Mädchen lächelt verstohlen: Nein, Grof
nama hat nichts gemerkt. Gabrielens Herz braucht nich
nehr so ängstlich zu, schlagen ob der maßlosen Kühnheit de
ilden Torrmälen, ihres heimlich gelieblen Clemens ——
Das Papier um die Rosen“ Da mußte es drau
tehen, das ersehnte Wort, das ihr die ganze Mädchenwel.
eneiden würde — — die Bitte, zu Großmama kommen zi
dürfen, Gabriele Opalla zur Gräfin Torrmälen zu machen
Wräume, Träume, wie selig umschwebt ihr das schön.
öhßzschen, himmlische Bilder schattenlofen Erdenglückes, wit
zöttlich und trügerisch tanzt ihr euren alten, alten Reigen
in dem jungen, sehnsüchtigen Menschenherzen! — —BR
Wie langsam der Wagen fuhr! Es dauerte ewig, bi⸗
nan nach Hause kam. Endlich halt. Nun die Umständlich
eit, die Vorsichtsmaßregeln, bis Großmama aus dem Wagen
geholt, die drei Treppen hinaufgeschleppt, ausgewickelt war
us ihren Pelzen, Shawls und Filzschuhen, bis man ihl
lüchtig Hand und Wange geküßt und sie für die Nachtruh
nebst zahllosen Vorbereitkungen der alten Kathrinchen über
assen durfte.
Endlich allein in dem zierlichen, bunten Mädchenstüd
ven, wo die Lichter schon vorsorglich angezündet waren ar
ʒem kleinen Rokoko⸗Toilettentisch.
„Baronesse befehlen nicht, daß ich helfe?“, J
„Nein, nein, danke, liebe Minna. Ich ziehe mich heuk
lein aus. Gute Nacht.“ J
So. Die Dienerin war auch beseitigt. — Jetzt schnel
en schmalen Papierstreif von den Rosen gewickelt. Achtlos
ierhin, dorthin geworfen, von den kleinen Füßen die herr
hHsten Snospon zorfrofto—

nitgebtacht datte und sich nun die Zeit vor Beginn
zorstellung mit Str'cken vertrieb. Als sie ihre Arbeu
bereies verduntselen Saale während des Vorse
rtsetzte, uberlant mich eine geinde Empörung, um
eschtoß, die Dame während der Pause auf diesen
örigkeit guimert'am zu machen. Glücklicherweise
e noch vor Schluß des Vorspie s auf, ließ die
uch wahrend der Pause und des zweisen Aktes
odaß ich eine Intervent'on nicht mehr für nötig
da, kurz vor Beginn des wundervollen dritten Vorj.
richien der entsebliche Strickstrumpf wieder auf der
säche. Da ich die Dame, die durch einige Pläkte v
zelrennt war, nicht erreichen konnte, wandete ich m
hre geraße vor mit site den Begleiterinnen mit der
e möchten das junge Madehen doch veranlassen
Ztrickzeug wegzulegen, da das entiezlich störend sei
ehr ersiauntes: „Warum weglegen?“ war die einzis
vort. Und uun denke man sich! Die Damie strickte
ennd des ganzen Vorspiels, sie strickte unentwegt
vährend des Zwiegesprächs zwischen Kurwenal und
zdirten sie strickte mit der größten Seelenruhe, we
dristan seine Sehnsuchtsqualen offenbarte, und ers
erscheinen Isoldes ließ sie in ihrer Beschäftigung in
en. Daß mir jegliche Stimmung geraubt war,
vohl keiner Erwähnung. Hoffentlich findet dieses
piel der jungen Dame keine Nachahmung. Sonst
nan in den Theatern, nach dem Beispiel enes Dr.
damenvereins Plakate anbringen, durch welche die
rufgefordert werden, während der Vorträge aus
zuf die Vortragenden die Handarbeiten ruhen zu
Das aufgehobene Fasanenmahl. Die Puünkt
der Po si bestellung in Jt alisen ist nicht gerade
dildlich, und seit einiger Zeit hat die Presse das
übernommen, diese Mißstände öffentl'ich zu bekän
Finen neuen Beitrag zu den Missetaten der italie.
Post stellt ein amüsantes und, wie der „Messaggero“
ichert, auch wahres Geschichtchen dar, das sich vor i
rreignet haben soll. Ein in Rom lebender Professor
hielt kürzlich ein siattliches Postpalet von einem “
der Fasanenzüchter ist. Im Pakete fand man einen
tigen toten Fasan. Der Empfänger, über diese Au
samkeit des Onkels sehr erfreut, übergab den schönen
bissen seiner Gattin zur Bereitung und lud sich für
lommenden Tag einige Freunde zu Gaste. Man so
reits bei der Tafel; auf prächtig delorierter Platte
der Fafan aufgetragen, und alle Bliclke richteten sich
Vorfreude kemmender kulinarischer Genüsse auf der
raten, als es plötzlich heftig klingelte. Es ist der
zote, der einen Brief des guten Onkels abgibt
ẽmpfänger, der darin einen Wunsch für giten
rermutet, beginnt sofort der Geseslschaft das So
orzusesen. Der Brief aber lautete: „Ich schicke Di—
der Post einen schönen Fasan, den ich besonders
jatte, laß ihn doch bitte ausstopsen und balsamieren
chicke ihn mir bald zurück! Er sitarb san Vergiftung
darantel hat ihn gesto hen.“ Der Hausherr sank b
einen Siuhl zurück Einer der Gäste, der die Ge
robe nicht bestanden und schen einen Bissen in den
zeführt hatte, stürz'e hastig in ein Nebenz'mmer.
chöne Vankett war zu Ende, noch ehe es begonnen
der Bries war zu'ammen mit dem Postpa'et aufg
vorden. Der gute On'e! wird se'nen geliebten Fas⸗
viedersehen,. es sei denn als nihtarnossenen Fehr—

O Kaumbf gegen ausländische Schwindelbe
der Zenrmalverband des Deutschen Bani- und Bar
verbes warne kürzlich vor einer Londoner Firma xX
vick Mae Rae und Wingett. Dieselbe überflutet das
che Publikum mit Zirlularen, in denen für Deposi
zrozent Zmsen in Aussicht gestellt werden, welche
Bank“ debhelb zu zahlen in der Lage sei, weil e
England ein Wuchergesetz nicht gebe! Nach einer
chen dem Zentralverband gewordenen Auskunft ha
senannte Firma, welche im Londoner Adreßbuch nic
zeichnet ist ein Bureau als Aftermieterin inne und
ür die Rückzchlung anvertrauter Gelder kaum eine
heit. IJuu Apftrage des Zentralsverbands hat der
dorter Rechisbeistand desselben das erwähnte 38
der Firna Vrunswick Mac Rae und Winget dem
doner „Trinnal Investiga ion Departement“ unterb
Der Zentralberband beabsichtion, auch künftighin ay
dische Schminrelfirmen, weiche durch verlockende Zi—
ind Prospelte die Leichtglaͤulagkeit des deutschen
ums aus, zubeuter bestrebt sind unnachsichtlich vor
inheimischen Strafverfügungsbehörden zur Veran
ing zu ziehen. Die Tätigkest des Zentralverbandes
ürzlich auch im Deutschen Reichsstage lebhaite An
na gdefunden

Vier Kinder verbraunt. Bei einem Wohr
hrand in der Kirchstraße zu Leipzig-Volkmarsdorf
zrännte ein 134 Jahre ates Kind der Familie. Eir
les Kind wurde nur mit knapper Not dem Feuer
sen. Am selben Tage erstickten in der Nachb
Taucha her einen ähnlichen Katastrophe drei Kinder.
Schadenseuner Am Handelshafen von Geesten
hrannte ein großer mit Baumwollballen gefüllter
chn nieder. Der Schaden beträgt rund eine Mitllie
durch ein abstürzenzes Dach wurden vier Feuerwe
*

2
Es stanben nur wenige Worte auf dem Zettel, aber
eten anders, als Baronesse Gabriele Opalla gehofft!
nüssen scheiden. Lebe wohl! Ein einziges Mal im
aß mich „Du“ sagen! O heiß und ewig Geliebte
inzig Mal sag' „Du“ zu mir! Laß mich deine
erühren mit dem ersten und letzten Kuß. Wenn ich.
soch lebe — willst Du — kannst Du mir fünf M
nit Dir schaffen? Verzeih, Du Reine, Herrliche,
ühnen Wunsch, und wenn Du ihn versagst, so zürr
deinem bis zum Tod ergebenen Clemens Torrmä
Ein zorniger Schmerzenslaut, ein Riß durch di
nes fiebernden, allzu erregten Herzens.
Er will mich nicht! Er will mich nicht heirz
Thomas Wendelin ist im allgemeinen ein Typu
ebemänner, wie sie recht häufig bei Laternenschein
ie Passage nach den Linden schlendern, um bei Dr
ↄupieren. Zuweilen im Chambre separee und nicht
zein Vater hat gearbeitet und war ein Millionä
rbeitet nicht und ist recht gut situiert, womit er zu
t. Sein Alter war schwer zu bestimmen für den
lächlichen Blick. Er sah aber nicht aus, als wenn«
ie Vierzig erreicht habe, wie es tatsächlich der Fa
sEr hat eine Gestalt wie der farnesische Herkules,
eginnende Embonpoint stört ihre ursprüngliche Prot
Seine Stirn erweitert sich zu einer respeklable.
die wie Elfenbein durch rötlich-braunes Haar schi
Die Züge sind fein, der Blick der hellblauen Augte
iber chne jede Bonhomie, welche den Leuten eigen
leben und leben lafsen.
Er lebt dem Sport und kopiert tadellos den p
geborenen Mann.
Auf dem „Turf“ lernte er den wilden Taor
ennen.
Gewiß besaß er eine Schwäche für dessen „liebe
zigen Leichtsinn“, wie er sich gegen ihn geäußert hatt
ruch eine Schwäche für die vornehme Welt, in wel
Braf Clemens Torrmälen freundlichst einlud und ein
Es war wirklich, nach Wendelins Ansicht, n
Begendienst, wenn er dem „liebenswürdigen Leicr
seinen Tribut, zahlte. Dies war reichlich geschehen,
hatte den Takt, nicht öfter daran zu erinnern. als
verständlich war.
Als Graf Torrmälen gegangen war, blieb We
noch ein paar Minuten nachdenklich in dem dänt—
Zimmer allein. Dann klingelte er nach seinem
Friedrich“, ehemals Faktor im väterlichen Hause, un.
hiedere Haut, mit einem Stich ins Schlaue, als⸗
2404 2o⏑ ——
            
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