segßen 1553 Stimmen, bei 4 Enthaltungen, abgesehnt. Es
berbleibt bein Kommissionsbe'chln', wanach die Heiner die
Zulagen an den Tagen erzaten, an denen sie als Heizer
dienst verrichten. F
Es wird eine Resolusion der Kommission cnzenom—
nen, die von der Reichsbehörde eine einhe tliche Arbe'ts—
eit der Beamten und durch anderseitige Organisation eine
Berbilligung der Kanzleiarbeiten fordert.
Abg. Hue Goz.) begründet einen Antrag der So—
zialdemokrafen, wonach Arbeiten und Lieferungen nuc ar
olche Werke vergeben werden sollen, die inbrʒug auf die
Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschrissen einhalten
und sich verpflichten, auf den Albshluß von Tarisperträgen
hinzuwirken. Ferner soll die Marine-Verwal ung die Ar—
heits⸗Verhaͤlinisse unter Mitwirkung der Arbe terausschüffe
sontrollieren lassen Redner verweist auf Zustände bei der
Firma Krupp. Im Königreich Krupp sehe es übel aus,
Die Industrie habe die ganze Gegend ausaevreßt wie ein—
Zitrone.
Staatssekretär v. Tirpitz: Der Marineverwaltung
fst es weder quantetativ noch qualitativ möglich, in all—
ziese Einzelhe'ten hineinzusehen. Wir können doch unmög—
ich alle Werke und einzelne Werfstätten ständig kontroll e—
den. Wir würden auf einen ungeheuren Widerstand der
Industrie stoßen. Mein persönlicher Eindruck ist der, daß
vohl keine Firma so viel für die Verbesserung der Woh—
rungsverhälimisse und der sozialen Lage ihrer Arbeiter ge—
an hat, wie die Firma Krupp. Gehr richtig! rechts.)
die Firma Krupp bezieht ihre großen Einnahmen zum
allerwenigsten aus den Marine⸗Lieferungen. Die Wünsche
der Arbeiterausschüsse werden berücksichtigt. Zum Abschluf
von Tarisperträgen kann ein einzelnes Ressort nicht Stell
ung nehnten.
Abg. Giesberts (IZtr.): Der Antrag der Sodial—
emokraten geht uns zu weit. Wesentliche Punkte des An
rages haben ja schon Erfüllung gefsunden. (Während dei
Kede des Abg. Giesberts fällt ein amtierender Reichs
ags⸗Stenograph in Ohnmacht und muß aus dem Saal
getragen werden. Die Abgg. Dr. Magdan und Dr. Struß
zewähren ihm die ärzt iche Hiljse. Die Sirung wird au
einige Zeit unterbrochen)
Ueber den Antrag der Sozialdemokraten wird an
donnerstag abgestimmt werden.
Abg. Werner (Rsp.) äußert Wünsche der Inten
antur⸗Sekretäre bezüglich der Uniform.
Vize-Admiral Kapelle: Die Bestimmungen übe
zie Vekleidung sollen revidiert werden. Es ist noch nich
zeiungen. einen allseitig besriedigenden Entwurs aufzuste len
Staatésekretär v. Tirpitz bittet den Abg. Struve
zer eine interne Angelegenheit vorbringt, doch nicht in die
MNarine Unzufriedenheit hineinzutragen.
Abg. Struve (F. Vp.): Das kann mir niemand
zorwersen, aber Großadmiral von Tirpitz hat zugegeben
zaß die Heizer⸗Zulagen gestrichen sind.
Staatsselretäͤr v. Tirpitz: Ich soll also wieder der
Sündenbock sein. Ich stehe doch vor einem Beschluß des
dauses. Keiner meiner Vorgänger hat für die Zahlmeisten
ud Ingenieure soviel getan wie ich.
Abg. Struve (F. Vp.) bemängelt die Erhöhung
der Reise⸗Zulagen für Offiziere.
Vizcadmiral Kapelle erwidert, daß diese Erhöh—
ung nicht in den Titel Reisezulagen gehöre, sondern durch
einen Spezial⸗Titel bestritten werden.
Abg. Leonhardt (F. Vp.) kritisiert, daß im Kie
ler Weritprozeß gegen die Praktikanten eingeschritten wor
hen ist, die ungünstig ausgesagt haben.
Abg. Weber (nl.) bemängelt, daß bei den Rett⸗
mgsarbeiten für das gesunkene Unterseebsfot „U. 3“ die
dilfe zweier Privatwerften abgelehnt worden ist.
Staatitssekretär v. Tirpitz will den Fall nach
rüfen.
Donnerstag 1 Uhr: Weiterberatung. — Schluß gegen
Ubhr.
* Berlin, 15. Februar. Die Reichsver fsiche—
ungskonmission setzte in der Sihung die Ab—
timmungen über die Kompromißanträge betrefsend das
Verfahren in Unsallsachen fort. Unter auderem wurde da
zei die VBestimmung eingefügt, daß das Versicherungsamt
rnischeide, wie weit dem neuen Gutachter die vorhandenen
irztlichen Gutachten mitzuteilsen sind. Auf Verlangen des
irztlichen Gutachters muß ihm jedoch Einsicht in die übri—
gen Vorverhandlungen gewährt werden. Weiter wurde be
chlossen, daß bei der Verhandsung über den Einspruch des
Versicherten der Vertreser der Bernfsgenossenschaft und der
Beistand des Arheiters nicht zu solchen Personen gehören
dürfen, die das Verhandeln vor Behörden ageschäfismäßig
betreiben.
Berlin, 15. Febr. Die Wahlprüfungskom—
nission des Reichstages beriet über die Wahl des Ab—
geordneien Kölle (13. Hannover, Wirtschafilͤche Ver
etinigungh. Zu einer Abstimmung über die Gültigkeit der
Wahl kam es nicht. Ven Interesse war aber der Besch'uß
daß das Wadhlrecht nicht dahin zu interpretieren sei, daß
auch Leiute, die in Krankenanstalten bezw. an einem ge—
wissent Orte längere Zeit verweilen, dort wahlberechtigt
ein sollen.
I
nicht zu Hause ist. Das ist verdächtigl Haben Sie Ihren
Stubenschlüssel vielleicht bei sich.
Der Mohr stutzte. t
f „Den habe ich im Ueberzieher, ich war zum Masen⸗
ball.“ — J
„Machen Sie soort, daß Sie aus dem Hause kom—
men“, rief der Feuerwehrmann. i
Der Mohr gehorchte scheinbar, drückte sich jedoch in
einem Winkel des ersten Stockwerks und war bald darauf
vieder oben.
Soeben wallte er mit einem ihm gehörigen Koffer die
Treppe hinabeilen, als er wieder angehalten wurde. 4
„Was, da ist der Bucsche nech? Nun aber geerch zur
Polize.!“
Der Mohr wurde von den erbitterten Männern sehr
ansanft die Treppe hinabbefördert und zwei Polizisten
aͤberliefert.
Vergeblich sträubte er sich, unter dem Jubel der Gas—
senjungen wurde er zur Polizeiwache geschleppt. Hier ließ
man auf die Garderobeninarke hin den Hut und Ueber⸗
ziehet aus dem Ballokale holen, und Zeisig durfte in Be⸗
gleitung eines Polizisten nach seiner Wohnung zarück⸗
lehren.
Der Brand war gelöscht, man beschästigte sich berei!s
wieder mit dem Einräumen. Aber — o Schrechen! Im
Treiben und Trucel war das — Entfärbungsmittel ab—
handen gekommen! —
Die erste Depesche, die am nächsten Morgen aus der
Ztadt abging, lautete: „Entfärbungsmittel verloren, eiligst
inderes senden. Seisig.“
Nach zwei Tagen, während deren der unfreiwillige
Mohr sich in stiller Klause, die noch sehr nach Rauch roch,
einem eifrigen Studium seiner Fingernägel hingab, kam
das Mittel an und bald hörte man den — „letzten Seuf⸗
ꝛer des Mohren.“ ieerci
Aus Gormnufters Stübchen.
Slkizze von H. 8.
Nachdruck verboten.
argenos so hübsch, wie in Großmurters
jhuäll, so heimlich, so trauticht Das haben
e wohl schon einmal erfahren — als wir noch gehr
Anruchslae Ainder varen denen ein Bratapfo
Berlin, 15. Feor. Die Reichßstagskommis-—
ton für die essafs-othringische Verfasfung entschind fich
nit aroser Meßrheit fir den lebenstänglichen
A
Kaiser unter Gegenze'chnung des Reichskanzlers cernannt
ve den soll und nur durch Bundesratsbeschluß abberufer
verden kann Weiterhin beantragte eine Klausel, daß dies—
Abberuksung durch 14 Bundesratsstimmen verhindert wer
den könne; sie wurde gestrichen. Die Volkspartei hate be
antregt, daß der lebenslängliche Statthafter vom Kaise
auf Vorschlag des essaß-sothrnaischen Laundtages zu ernen
nen sei. Dieser Antrag fand jedoch mur die Untersünun
»er Sozialdemokratie. Die Sozialdemokraten selbst wol“
en nur den Statthalter vom Landtace auf fünf Jahr
vählen lassen. doch blieben sie mit diesem Vorschlege al—
ein. Zu Veginn der Sitzung war von volksparteil'chen
Zeite an den Staaitssekretär des Innern Dr. Delhrück di—
zirekte Frage gerichtet worden, ob die in der Presse auf
getauchte Behauptung, er habe in der letzten Sitzung der
dommission die Zuteilung von Bundesratsstimmen an El
aß-⸗Lothringen nicht als unannehmbar bezeichnen wollen,
den Tatsachen entspreche. Der Staatssekretär enthielt sich
der Antwort auf diese Frage.
— ——
Vreußischer Landtag.
Berlin, 15. Febr.
In der gestrigen Abendsitzung des preußischen Abge
ordnetenhauses wurde bei der Beratung des Etats de—s
Ministerium des Innern, Titel Ministergehalt die allge
meine Aussprache schnell zum Abschluß gebracht. Nach ei—
ner langen Neihe persönlicher, zum Teil sehr gereiz
er Bemerkungen wurde das Ministergehalt geger
die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen bewilligt
Der Abgesrdnete Liebknecht versuchte beim Titel Un
terstaatssekretär seine Rede zu halten, die er beim Tite.
Ministergehalt halten wollte. Er wurde dreimal zur Sache
zerujen und ihm dann das Wort entzogen
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
* Köln, 15. Febr. (Selbstmörder.) Die amili
hen Nachsorschungen der Behörden über das Verschwin—
en des Ersten Staatsanwalts Richard haben an die
Rstjee gesührt. Staatsanwalt Richard hat auf einem Ueber—
ꝛedampfer in Stettin ein Billett gelöst und sich wahr—
heinlich in der Nacht unbemerkt in die See gestürzt. Diese
Lodesart steh: int Einklang mit dem schriftlichen Hinweis
es Verschwundenen, dak niemand seine Leiche ünden
erde.
* Bonn, 15. Febr. (Die drei Schleiferlehr—
inge.) Im Restaurant Amendt in Rolandswerth kehr—
en drei Schleiferlehrlinge, Klemm, Hauptreis und Th'e—
jen, im Alter von 16—18 Jahren, aus Wald bei Solin—
gen ein. Sie entfernten sich heimlich, ohne die Zeche zu
»ezahlen und wurden darauf von dem Flurhüter Esch ver—
olgt, dem es mit mehreren Arbeitern gelang, die Bur
chen zwischen Rolandswerth und Rolandseck zu erreichen.
die jungen Leute gaben darauf mehrere Schüsse
b, ohne zu treffen. Als sie ihr Schicksal vor Augen
ahen, richteten zwei der Burschen, Klemm und Thiesen,
ie Waffe gegen sich selbst. Der letztere war direkt ton
dlemm starb nach wenigen Stunden an den erlittener
Lerletzungen. Hauptreis wurde festgenommen und dem
Amtsgericht in Sinzig zugeführt.
* Vom Rhein, 15. Febr. (Die Rheinflotte.
Bon welcher Beschaffenheit das der Reichstagskommissior
von der Regierung neu vorgelegte Material ist, dafür kanr
olgendes Beispiel als Beleg dienen. In der Drucksache
Nr. 11 über die wirtschastliche Lage der Kleinschiffahr
und üher die Beteiligung der Groß- und Kleinschaffahr.
iach Schiffsgrößen heißt es Seite 2: „Die kleinen Leute
»ie ihr ganzes Vermögen oder den größten Teil davor
n einem Fahrzeug angelegt haben und darauf mit ihre:
Familie leben, besitzen im Durchschnitst ebenso große ede
venig kleinere Schifse wie die Reedereien ..... Für de
Kheinssotte gibt es ein von der Versicherungsgesellschafn
Provideniia“ sn Franksurt a. M. herausgegebenes urr
nuf dem Lansenden erhaltenes Verzeichnis aller Fahrzeuge
ind Schiffseigentümer, aus welchem zu ersehen ist, dafß
zie sogenannten Partikuliere ungefähr ebenso große Schifle
saben wie die Reedereien.“ Nach einer auf Grund des
gegebenen Registers der Providentia gefertigten Zuscam—
nenstellung ergibt sich aber fogende Verteilung der Schisse
tach Größengruppen:
Partikulierschiffer bis 1050 T. 1615 (70 Proz., 1051
»is 1450 To. 227 (60 Prozent), über 1450 Tonnen 116
27 Progzenth.
Reedereien bis 1050 To. 676 (630 Proz.), 1051 bis
1500 To. 143 (40 Proz.), über 1450 To. 317 (73 Proz.)
In der niedrigslen Klasse deutscher Rheinschiffe bis zi
i60 Tonnen besitzen die Partikulierschiffer 1013 (81 Proz)
Bie Reeder 198 (16 Proz.). Darnach wäre also das Ge
genteil von dem richtig, was in der amtlichen Drucksach
gefagt ist!
* Aus Rheinhessen, 15. Febr. (Die Winzerbel
der Arbeit.) Eine rege Tätigkeit wird in den Wein
za2rnen oaugenblicklich entimickelt — Der Rebichmit: ist
uus Großchens Osenröhre, eine wundernärrische Geschichte
von dem pfiffigen kleinen Däumling oder dem wunderschö—
jen Dornröschen auf dem Schemel zu Großchens Knieen.
— oder ein wenig „Aufräumen“ in Großchens wunderrei⸗
hen „Raritätenschiebladen“ das allerköstlichste auf Erden
zrschien! Und die puffenden, paffenden Bratäpfel hören
dei einem echten, allerfüßesten Großchen, wie es im Buche
teht und alle Kleinen es „so furchtbar“ lieben, gar nicht
zuf, und der Weihnachtspfefferkuchen reicht wunderbarer
ind wundervoller Weise gerade immer von einem Weih—
iachten bis zum andern, fo hübsch versteht Großchen ihn
inter so viele kleine Leckermäuler einzuteilen ...... oder
b etwa Grozchen hin und wieder heimlich ein Stüchchen
achkauft, wie die rute Küchenchristine uns anvertraut? O,
as macht uns wenig Kopfzerbrechen, wenn nur Herr
reckerzahn gut dabei fährt! Und weunn wir die Geschichten
om Deumling und Dornröschen auch schon hundertmal
ehört und die Raritätenschiebladen in Großmutters Stüb⸗
hen auch jede Wocheé nicht weniger als siebenmal in das
roßartigste Durcheinander „ausgeräumt“ haben — aus
zroßchens Munde klingen die alten Geschichten doch immer
bieder köstlich neu, und Großchens bunle Garnwickeln und
dadelbüchsen 1nd bemalte Käftchen und verblichene Sei—
enläppchen und die tausend anderen Sächelchen aus längst
— —
iches Mädchen war, verlieren nie für kindliche Augen und
Ihren und Herzen izren Reiz.
Aber auch für die Eltern ist Großmutters Stübchen
in traulich liebes Fleckchen Welt, wo sie oft und gern
Stille, Frieden, Rat, Trost und Liebe suchen und auch zu
eder Zeit finden.
Solch' Großmutterstübchen ist ein wahrer Schaz und
Zegen im Hause — mag es mit seidenen Tapeten und
goldenen Bilderrahmen behängt und mit sammetnen Pol—
rerstühlen ausgepuzt sein — oder zwischen vier weißge—
ünchten Wänden nur rohbe Bretterstüihle beherbergen ....
venn dacin nur ein liebes, treugoldnes Grozchen waltet!
Der Großbater schläft nun schon seit Jatren unter
em blühenden Hotlunderstrauche dort drüßen auf dem
zriedhefse. Tie Hanna hat einen braven Mann geheira—
»t — da übergab die Mutter den Kindern die kleine
äuerliche Wirtschaft und zog sich in ihr Alleustübhen zu⸗
4 my Svyingrahde u4d 29 “rer aften lieben Bibel
derschledenen Gemarkungen bereits im Gange, Auch an
die Vernichtung des Heu- und Sauerwurms ij man mit
aAler Energle herange cnaen. Im Weindaugedeet des mitt
leren Rheinhesseie gehnt 1uan mit der Arsicht um, die
Weinherge auszuhauen und hierfür Zuckerrüren anzu
Flanzen.
Aus aller Welt.
Der Abschied des Grafen Pfeil. Aus Brercin
wird berichtet; Ter im Oltober v. J. ggn den Haupt
mann Grafen Hans von Pleil und Kl. Eilßuch einberu—
ene Ehreunrat hai seinen Spruch dahin gefällt, daß Gra
Pfeil der schlichte Abschied ohne Pension unter Verlus—
des Rechtes auf Uniform und Titel zu geben sei. Der
Kaiser hat von seinem Begnadigungstecht insoweit Ge
hrauch gemacht. als er ihm den Titel Hauptniann a. D
nelin
Ovationen für Professor Bernhardt. Aus Berlit
wird gemeldet: Die Studenten brachten Mitswoch vormit
tag 11 Uhr dem Prof. Ludwig Bernhardt, als er der
Horsual betrai, begeisterte Ovationen dar. Allerdings hört⸗
nan auch Zijschlaute dazwischen.
Rusfische Studentenunruhen. Die Petersburger
1Iniversitäͤt war auch am Dienstag wieder von Studenten
und Poltzei überfüllt. Vorlesungen wurden nur im 4.
Auditorium gehal‘en. Die streilenden Studenten haben
nehrfach Ausschrei ungen begangen. Professor Inwanowst'
vurde von den Studenten geohrfeigt. Die schuldigen Stu
zenten wurden sofort verhaftet. Die Regierung ist ent
chlossen. die Ordnung energisch aufrecht zu erhalten und
ie streugsten Masnacmen anzuwenden. In Charkow sind
iebzig Stiudenten verhastet worden. Der Moskauer
nekior Manoni'off legte sein Anmt nieder, nachdem ihm der
Ninister für Vol'san klaͤrung den Vorwurf machte, die
Ros?auer Unipe sität besitze die revolutionärsten Professe
ten und er habe sich dau invifferent verhalten.
Schweres Eisenbaznunglück. Ein neues schwereẽ
zisenbalnungtück ercianete sich in Frantreich auf der Sta—
ion Courvikte der staatöchen Westbahn, in der Nöhe vor
Tharires, Linie Paris-Brest. Der Schnetlzug von Par
iach Brest, der um 5 Uhr den Pariser Bahznhof verlasse
Jalie, stieß mit dem aus entgegengesetzter Richtung kom
nenden Schne lzuge von Brest zusammen. Der Zusammen
oß der beiden in voller Geschwindigkeit sahrenden Züg
var so furchtbar, daß die Lokomotiven und die ersten
Wagen der Schnellzüge vol'ständig zerstört wurden. Eir
uf dem Nebengleise haltender Güterzug wurde durch di
mherfliegenden Trümmer stark beschädigt. Alle drei Züge
erlseten in Brand. Mehrere Wagen sind vollständig ver—
lichtet. 8 Toie wurden bereits aus den brennenden Trim—
nern hervorgezogen. Die Zahl der Schwerverletzten läß
ich noch nicht übersehen. Nach den bisherigen Feststelnn
gen befinden sich unter den Toien ketne Ausländer. Im
irsten Wegen des Expreßzuges zählte man 5 Tote. Im
Zpeisewagen befanden sich 19 Perfonen, die aber fast alle
inverletzt blieben. Die Zahl der Verwundeten beträgt üben
20, von denen aber noch die meisten unter den Trümmerr
des brennenden Zuges liegen. Es ist zu befürchten, da'!
hie Rettungsarbeiten nicht mit jener Schnelligkeit durchge
ührt werden können, um die Unglücklichen dem Feuertod
u entreißen. Der Arbeitsminister ist mit einem Separat
uge nach dem Schauplatze der Katastrophe abgereist. —
stach einer Depesche des „Journal“ geschah das Eifen
„ahnunglück in der Weise, daß der aus Paris kommend«
ẽxpreßzug in Courville einen auf der Kurve des anstoßen
den Gleifes fahrenden Lastzug anfuhr, während eine an
dere Meldung dem mangeshaften Sianalwesen die Schals
deimift
Neueste Meldungen.
Berlin, 16. Febr. Das Zentralschiedsgericht für das
eutsche Baugewerbe titt heute im Neichstagsge—
äude zusammen, um in mehrtägigen Sitzungen zu den
zielen vorsiegenden Anträgen Stellung zu nebmen. Aus
er Tageßordnung stehen 106 Beschwerdeschriften, die zu—
ammen 145 Streitpunkte umfassen.
Paris, 16. Febr. Die Mitteilungen, die der „Natin“
ius den Papieren Wal deckRoufsseaus breit macht,
eziehen sich noch immer auf die Verhandlungen des
Zriegsgerichts von Rennes, über die der Kriegsmim ster
Feneral Galliffet, fortwährend dem Mimnisterpräsidenten,
Waldeck Roussean, Bericht erstattete. Es ergibt sich darauts,
daß Galliffet während der letzten Verhandlungswoche die
Wermalige Verurieilung Dreysus' voraussagte. Er schiebt
einen großen Teit der Verantwortung dafür auf die un—
geschickte Haltung des Advokaten Labori; insbesondere habe
Z3 einen sehr schlechten Eindruck auf die in Rennes ver—
ammelten Offiziere gemacht, daß Labori sich an den deut—
chen Kaiser wandte, um die Erlaubnis zu erlangen, daf
er Oberst Echwarzkoppen in Rennes erscheine.
Lonkon, 16. Febr. Zu den Gerüchten, daß Süd-—
IAfrika die Vorzugszölle für englische Waren
zanz anfheben wolle, wird nun offiziös mitgeteilt, es
nicht jetzt“ die Absicht der Regierung der Union, solche
Pläne vor die Reichskonferenz zu bringen. Offenbar ha
sen solche Absichten also bestanden und sind noch nicht
ganz aufheben wolle, wird nun offiziös mitgeteilt, es sei
erhinderit, daß dieser Norschlag auf der Reichskonferen
sfutiert wird
mit dem großen, bunten Druck und den schönen, aten
Bildern. Darin hat schon ihre Ahne oft cçcelesen und sie
selber als kleines Mädchen mit großer Freude die Biller
desehen. Vorn auf den vergilbten Blättern steht nach vie—
en schwarzen Totenkreuzlein auch der Tag ihrer eigenen
Geburt, ihrer Konfirmation und ihrer Hochzeit verzeich—
net, und darunter stets ein frommes Sprüchlein — und
dann der Tag, an dem sie seilber mit seligen Schmerzen
einem lieben Kinde das Leben eab — und auch der baune
Tag, an dem sie ihrem lieben Alien die treuen Augen fsun
immeyr zudrücktet — Da sitzt die Großzmutter oft in
der Abenddämmerung an ihrem oifsenen Fenster, wenn der
Zolluiderduft vom Friedhofe sacht hineinweht, und schent
innend auf die vollgeschriebenen Blätter — mag es auch
längst zu dunkel sein, um noch ein Wort lesen zu können
.... sie kennt ja die vielen Zahlen mit den vergilbten
Totenkreuzlein längst alle auswendig ... und dann schaut
je still üuber den Garten hinüber zu dem großen schwarzen
dreuze unter dem Hollunderbusch, und nickt und lächelt
ut so gar eigen zu .., ja, dort wird auch sie nun bars
'anft und friedlich schlummern.
J Dabei legt die Altsitzerin aber nicht die Hände in den
Schoßz. Wo es in der Wirtschaft etwas zu schafsen gibt,
vozu die Kräfte einer müden alten Frau noch ausreichen
— da läßt es die Großmutter nie an sich fehlen. Das Fe—
dervieh und die Kälbchen gedeihen noch immer am besten
uinter ihrer gesegneten und erfahrenen Hand — und der
leine Anton ist mit Recht Großmutters Herzens⸗ und
Schmerzenskind zu nennen. Die Hanna hat stets so viel
n der Wirtschaft zu sorgen und zu schaffen, als daß sie
zätte ihrem kleinen Kinde die nötige Zeit und Sorgfaält
widmen können. Da siedelte die kleine Wiege balb in
sroßmütterchens Stube über, und dort saß die alte Frau
Stunde auf Stunde und ließ ihr Spinnrad schnurren und
ewachte mit treuen Liebesaugen den Schlummer des ersten
Enkeltindes ... und Nachts ist kein Schlaf so leise, wie
der einer Großmutter, wenn die unruhigen kleinen Veim
hen sich bloß stangeln. Gleich ist Großmutter wach und
dedt den kleinen Burschen wieder zu — mit ihrer nmie enbden
Liebe. Darum sind der Anton und die Greßenegeter
nuch so unzertrennliche Freunde geworden. Nich wiꝙ
rägt zu dieser Unzertrennlichkeit auch die groce. alte Suy
»erbthel hei. in der Tonel nie müde wird zu blätsern
Lokales und Vermischtes.
Heimgegangen zur ewigen Ruhe ist im hohen
don beinnahe 80 Jahren Herr Conrad Maul. Es d
wohl recht wenige hier in Dudweiler sein, die nicht
ilden und überall sehr beliebten Herrn unter dem Ne
„Vetter Cunradt kannten. Altersschwäche warf. ihn
twa 2 Monaten auf das Krankenlager vor dem nun
dinterbliebenen in tiefer Trauer stehen. Seine Eh
velche ein Altet von über 72 Jahren erreichte starb
Jahre 1906. Ein arbeitsreiches Leben haben die beiden Ver
benen gemeinsam in Freud und Loeid zurückgelea
Ruhet in Frieden.
Vereinsnechrichten. Seitens des nationallive
Wahlvereins findet am nächsten Sonntag im Saale
Haslwirtschaft Riedschy, nachmittags um 5 Uhr, eine H
bersammlung statt, in welcher die Kandidatur für die
jährige Reichstagswahl besprochen werden sollen. In
ser Versammlung wird Herr Professor Dr Herwig spr—
— Eine theatralische Abendunterhaltung veranstaltet
rächsten Sonntag in seinem Vereinslokale „Gasthau
Post“ der Waffenbrüder-Verein. Wir möchten dem Ve
zessen theaterspielende Mitglieder sich gewiß recht
Mühe geben werden vom Guten das Besten zu bri
ein volles dankbares Haus wünschen.
Messingdiebstahl. Gestern Abend wurde hier
angeblich im Stadtbezirk Malstatis, Obere Hohlgassen
hafter Taglöhner Josef St. weil er wegen Diebstahl
brieflich verfolgt wird, festgenommen. St. trug eine
bei sich, der mit einer Menge Messing geföllt war.
die Herkunft des Metals vermochte St sich nicht auszun
er gab an, es von einer ihm unbekannten Person an
Wege von Saarbrücken nach Herrensohr zum Preise von
Jekaust zu haben. Tas Messing, welches St. beinh
Althändlern an den Mann zubringen suchte, dürfre
alls von einem Diebstahl herühren
Personalnachrichten aus dem Bergwerksdirek
hezirk Saarbrücken. Der bisher mit der Verw
»iner Wegewärterstelle beauftragte Militäranwärier P
Nußbaum ist vom 1. Februar ab zum Wegewärter b—
Steinkohlenbergwerk Von der Heydt ernannt worden
Anträge auf Gewährung von verzinslichen Baudo
an Bergleute der hiesigen Grube werden auf dem d
tionsbureau entgegengenommen. — Die Jahresgene
ammlung des Konsumvereins der Grube Dudweiler
im 21. Februar in den Menageräumen in Hirschba—
Falsches Geld versuchte am Sanistag ein Schü
dem MetzgermeisterDavid Ury in der Saarbruckt
hier in Verkehr zu bringen. Gegen 7 Uhr abenos
um Laden ein Juuge und verlangte von der aw
Ehefrau Ury Leberwurst. Beim Bezahlen gab
frau Ury ein Zweimarkstück. Als diese es als ⸗
ück erkannte und den Jungen zur Rede stelt
dieser die Flucht. Er ist jedoch erkannt; die Er
über die Herkunst des Geldes sind bereits im
Die hiesige Ortsgruppe des Verbandes
nischen Berg⸗, Hütten- und Salinen-Beamten hie
gangenen Sonntag im „Nassauer Hof“ ihre Jahresde
lung ab. Nach dem Geschäftsberichte zählte die Orts
am Anfange des Jahres 56 Mitglieder ausgeschied
im Laufe des Jahres 6, neu aufgenommen 17
»er gegenwärtige Mitgliederbestand 66 beträgt.
nahmen sind insgesamt 863 Mkzu verzeichnen.
Lorstand wurde wiedergewählt und als Vereins
„Nassauer Hof“ bestimmt.
Hausverkauft. Das in der Sudstraße
egene Pollersche Anwesen, Wirtschaft mit
äulichkeiten, wurde infolge Grubenschäden ve
vrube für 800000 Mk. angekauft. Die6
verden jetzt zu Beanmtendienstwohnungen
vährend in den Wirtschaftsräumen später de
um untergebracht werden soll. Die Wirtf
»eabsichtigt die Grube wieder anderweitig zr
Vortrag. Am nächsien Samstag nach
vird im Baldes'schen Saale Herr Hofschans;
darlsruhe für unsere lieben Kleinen einer
Nachmittag veranstalten. — Ueber einen
haltungsmittag schreibt das Tageblait in
Vor einem nahezu ausverkauften Hause hir
derr Hofschauspieler Schilling im hiesigen
Märchenabend, der einen vollen Erfolg
hatte. Die liebe Jugend vernahm mit 6
vartung die längst bekannten und doch imme
chichten von „Hänsel und Gretel“, „Frau
ieben Raben“ und „Rotkäppchen“ und es er'
besonders das reizende, wenig bekannt. Mära
Zwei, die den Weg in den Himmel suchen.
derstand es meisterlich, die Rezitation di
jähigkeit der Kinder anzupassen und durch
ünstlerischer Lichtbilder die Freude der E—
erhöhen. Der Märchenabend wird lange in
r Sop sjerfinon α- —i
1414
renbd die Großnutter ihm alle die wung
Achien erzählt.
Am Sonntag Nachmittag kommen auch die
h. Mann it in Großmuttets Stlbchen
—A eit und selbst der Goknrattn
tab elert. Vie Großmuiter sitzt danm c ihre
Angéplatz en offenen Senster. und M leb
ton mit Aufbietung aller seiner kleinen Kra—
Bilderbibel herbei und legt sie auf Großchens
veiß auch die Brille in der Truhe zu finde
mutter schlägt die Bibel auf, wo der rote
Zeichen liegt, mid sant herzlich: „Tonel, wa
bor acht Tagen stehen?“ — Ohne Besinne
„Bei der frommen Ruth, die nach dem To«
ies ihre Schwiegermutter Naemi nicht in
lassen woͤlte, und ihr nach Bethlehem fol
auf dem Ader des reichen Mannes Aehren
Die Großmutter nickt liebevoll lächesnd
Brille noch einmal mit dem sonntäglich wern.
und die Hanna läßt ihre Sticerei umd
Hände im Schoße ruhen, und der Martin
menden Tabak in der kurzen Pfeife noch
dem Finger etwas fest, daß sein liebster
hm ja nicht während des Bibellesens zu s
Der Anton sseht zwischen Vater und Mutte
mit großen, fragenden Augen der wunde
weiter, wie die wunderschöne fromme Rutk
mühselig auf fremdem Acker Mehren liest,
Schwieger nutter Leben zu fristen . . . bis
ihre Treue und Sittsamkeit bemerkt und zu jser
'agt: „Laßt sie auch lesen zwischen den Garb
zuletzt gar die arme, tugendreiche Ruth zu
macht ...
„Tonel, was hast Du gelernt aus der
zet frommen Ruth?“ sagt die Großmutter
„Du sollst Vater und Mutter ehren, da
zehe und Du lange lebest auf Erden!“ ist o
dnaben der bei der Großmutter töglich se
ernt —
„Und Du, Hanna?“