Deutscher Reichstag.
Mittag 1 Uhr. Berlin, 14. Febr
(127. Situnga.)
Mit der Beratung des
Etats
m zweiter Lesung wird fortgesahren.
Abg. Semler (nl.: Hoffentich wird auch für di
binterbliebenen der bei dem Unfall des „Uu. 30 ums Le
ben gekommenen Männern dauernd gesorgt werden. Wir
edauern es, daß der Abg. Ledebour gestern die so sym
Eathische Person des Prinzen Heinrich angegrifsen hat
Unbeirrt um Tagesmeinungen halten wir an unserer Flot
senpolitik fest. Innerhalb der Desensiye muß unsere Ma
tine stark genug fsein Das Flottengesetz muß durchgeführ
verden ganz unabhängig von ieder volitischen Kon'tella—
bon.
Abg. Schrader (F. Vp.): Auch wir verlangen
zaß außerordentliche Mittel sür die Hinterbliebenen der
Wier des „U. 3* bereitgestellt werden. Mit Stolz erken
jen wir die gute Manneszucht in unserer Marine an. Die
luslagen für die Flotte lasten bei uns ebenso wie bei an
erecu Staaten sehr schwer auf dem Volke. Das wird erf
x:ders werden, wenn die Abrüstungssrage gelöst sein wird
Staatssekretär v. Tirpitz: Ich habe niemals ge
tugnet, daß wir die für die Entwickelung der Flotte ge
vrahrten Mitteln dem Reichssstage verdanken. Aber wir
aben doch im Verhältnis zu den bewilligten Mittelr
ine größere Kampfleistung erzeugt als andere Länder
Bir haben mit dem Bau der Dreadnoughts nicht der
Unfang gemacht und sind nur sehr ungern darauf einge
angen. Im Zeichen der Dreadnoughts-Politik ist die Be—
chleunigung der Schiffsbauten erfolgt, und diese Politif
t die Schiffe unverhäl nismäßig schnell wertlos gemacht
Bir haben in den letzten Jahren zwei Millionen von der
Anleihen erspart. Es ist sehr richtig, wenn behaupte;
oird, daß der Staatssekretär sich nicht auf Nleinigkeiten
unlassen darf. sondern nur die großen Richtzüge im Auge
mben muß. Dem sliimme ich vollständig zu. Um eine
Fotie zu schaffen, braucht es lange Zeit. Man kann sie
acht wie eine Armee aus dem Boden stampfen. Das
rifft auch zu auf dem Gebiete der Werften. Ich habe nie
jeleugnet, daß unsere Werftbetriebe erheblich verbesser
perden müssen Die Fabrikation ist zugunsten der Privat
abustrie aufs äußerste eingeschränkt worden. Das werder
pir auch weiter immer tun. Auf das politische Gebie
asse ich mich nicht ein, ich beschränle mich ausdrücklid
af das Flottengebiet und was damit zusammenhängt
lin ganz wunderlicher Irrtum in England aber war es
aß wir den Flottenbau über das Flottengesetz hinaut
eschleunigt haben sollen. Das hätten wir ohne Zustim
xung des Reichssstages doch gar nicht uun können. Be
xr Streichung der Heizer-Zulagen haben wir unseren be
limmten Grund. Der Abstrich ist vollständ'g gerechtfer
igt. Die Auffassung, daß unsere Flot‘e nicht zu aggres
wen Zwecken gebaut worden ist, unschreibe ich auf das
usdrücktichste vol inkaltlich.
Abg Noske (Soz.): Es wäre unsinn'g, wenn zwei
d kultivierte Industriestaaten wie Deutehland und Eng
and über einander herfallen würden. Redner verlangt,
zaß Deutschland die enalische Abrüstunasidee aufgreifen
oll
Staatssekretär v. Tirpitz ertlärt in Beantwortung
tniger Aufragen des Vorredners, daß der Fall der Miß
sandlung eines Heizers ö'ent'ich verhandelt worden ist.
ks handle sich um ein ganz schweres Verbrechen, um eine
diederträchtigkeit Gegen Niederträchtigkeiten und Scheuß—
ichkeiten wehren wir uns fselbst und brauchen nicht die
dilfe der Sozialdemokraten. (Beifall rechts. Lachen bei
en Soz.) Der Mann ist mit 10 Jahren Zuchthaus be—
zraft worden. Das Ermittlungsverfahren gegen die aus
ührenden Vorgesetzten schwebt noch.
Abg. Weber (nl.): Wir halten an den Kommissions—
eschlüssen bezal der Heizerzulagen sest. Die Besichtigangsreisen
von Abgeordneten sind geradezu notwendig
venn nian die Belriebe kennen lernen will. Der Rednern
rörtert auf Grund seiner Reisen nach Kiel und Wii
sjelmshaven die Verhältnisse in den Wersten vom Gesichts
zunkte der laufmännischen Betriebsverweliung. Der größte
krebsschaden aun der ganzen Sache ist der Rechnungshe
n Potsdam. Die Monitas schreien zum Himmel.
Abg. Hertzog (W. Vgg.): Ich ha'te es für ge
ährlich, unsere Mar'ne als eine Art Nationalsparkasse an
usehen. Hoffentlich werden die Erklärungen des Staats
elkretärs dazu beitragen, die Flottenvolitik etwas einzu
dämmen.
Abg. Werner (Gxsp.) erklärt sich im Gegensatz zun
Abg. Hertzog für die Wiederherstellung der He'zer-Zulager
und polemisiert gegen den Abg. Ledebour.
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Er zbergen
—D
selretärs wird die Diskussion geschlossen.
Die namentliche Abstimmung über die Heizer-Zulagen
Andet morgen statt.
Mitwoch 1 Uhr: Marine- und Justizetat.
—F Schluß 48 Uhr.
— ⏑ —
sKtindes zum Spiele erwedt. Die Tante, in deren Haufe
Jeanelte eine geregelte deuische Erziehung erhielt, betrach—
kete das Spiel nux als einen Scherz, als eine Spielerei
und taͤdelte nur zuweilen den Marineoffizier, wenn er zu
große Summen verlor. Im Hause der Tante hatte Jea—
nette, ob zwar sie nie viel Lust zeigte, etwas Positives zu
erlernen, eine sorgfältige Erziehung genossen, und trotz
ihres angeborenen Unfleißes und ihrer mutwilligen Bücher—
perachtung sich eine schönere Bildung angeeignet, als vlele
ihrer „geschulten“ Alters zenossen. Einen nicht minder zün—
tigen Einfiuß übte die Freibeit, die man ihr ließ, auf
ihre Herzensbildung aus. Sie haßte jeden Zwang, und
so kam es auch, daß sie Heinrich, den sie im Hause elner
Freundin kennen lernte, sah, liebte und sich wenige Tage
zarauf mit ihm verlobte. Heinrich, der ursprünglich die
diplomatische Karriere einschlagen wollte, sich aber dann
dem Kaufmannsstande zuwendete, stand damals auf dem
Sprunge, sich in F..... zu etablieren. Was Jeanette
an ihn fesselte, war neben seinem einnehmenden Wesen vop
allem seine männliche Festigkeit. Trotz seines zurückhalten⸗
den Wesens, las Jeanette doch recht deutlich in seinem
jeurigen Händedrucke, wie unaussprechlich er sie liebe, und
in der Tat, ihr Herz, auf das sie sich ste s verließ, belog
fie auch diesmal nicht. Sie wußte es wohl, daß Heinrich
alles für sie zu tun imstande sei, aber sie hätte auch gern
den Triumph gefeiert, ihn am Spieltische zu sehen, den
er verabscheute und wozu ihn zunächst, wie er mir später
entdeckte, ein Spielunglüdsfall in seiner Familie veran—
laßte, den er doch aus Zartgefühl vor seiner Braut ver⸗—
eimlichte.
Noch einige andere Mitteilungen ersuhr ich von dem
jungen Kaufmann selbst, der sehr bald Vertrauen zu mis
zgefaßt hatte, und mich einlnd, ihn Abends vor dem Kur⸗
sagle zu erwarten und dann mit ihm nach J..... zu⸗
rückzulehren.
Jeone“⸗Bemaͤlungen, ihn zum Spielen zu über⸗
reden, schienen fruchtlos, und es wurde beschlossen, daß
das Mädchen heute bei ihrer Tante bleiben sollte,
die ihren Sommeraufenthalt stets in H.... nahm.
In H..‚. angelangt, treunten wir uns. Es war
gegen 5 Uhr, und im Parke vor dem Kursaale wog'e es
bunt durchelnander. Ich durchschritt den Garten, um noch
zinen Vesuch bei einem Freunde zu machen
den KRommissionen.
Bersin In der Budgetkommission des
steichsstages gab heute ihr Vorsitzender Frhr. v. Gam
ior Eintritt in die Tagesordnung folgende Erklärun
ib: „Die Mitteilung der französischen Zei ung „Matin
iber den Inhalt der vertrau sichen Erklärung, die der Her
Ztaatssefretär des Auswärtigen Amtes in der Budge“
ommissioin bei Beratung des Heeresgesebes über die Frie
enspräsenzstärke des dentschen Heeres gemacht hat, ha
einigen deutschen Zeitungen Veranlassung gegeben. gegen
die Budgetommission, bezw. einzelne Mitg'ieder der'elber
den Vorwurf des Vertrauensbruches zu erheben
Dieser Vorwurf findet dadurch seine Widerleaung, daf
wie ich hiermit festzustellen mich verpflichtet HFalte, die An
gahen des „Matin“ in allen wesentlichen Punkten unrich
kig sind.“ — Die Kommission beriet daranf über den Mi
hitäretat. und der Generalmajor v. Wandel galt
dabei ausführliche Erklärumgen über die Notwendigkeit de
Schaffung eines Generalinspekteurs für die Verkehrstrup
pen. Er wies auch die Notwendigleit der En wicklung des
Kraftfahrwesens und dessen Bedeutung für die Mobilmach
ung, sowie der Entwicklung des Luftschifs- und Flugwe
ens, sowie der Fun'entelearavhie nach
oloniales.
AGine gefährliche Bande. Aus Deutsch-Sühd—
westafrika wird amtiich gemeldet, daß nach Mitteil
aing der englischen Grenzpolizei ein Teil der Simon—
dopperleute bei Pella und Ramansdrift die deut
sche Grenze zu überschreiten sucht. Der
Polizeiposten in Ramansdrift hörte am Abend des 7. Fe—
»ruar Gewehrfeuer. Da auch auf deutschem Gebiet eine
newaffnete Bande festgestellt worden war und sämtliche ein—
jeborenen Viehwächter aus der Gegend von Steinkopf
erschwunden waren, wurde das Kommando des Südbe
irkes angewiesen, die Bande energisch zu verolgen und
„ie Bondels zu überwachen. Eine Verbindung zwischen
den Simon-Kopperleuten und den Bondels bei Steintopf
cheint nicht ausdeschlossen
—LAI,AUAE—?eA&
Aus West⸗ und Süud⸗Deutschland.
* Düsseldorf, 14. Febr. (Werhaftete Geldfäl
scher.) Die Kriminalpolizei entdeckte hier eine Falsch—
münzerwerfstatt, verhaftete den Stukkateur Th. Schroer
und beschlagnahmte zahlreiche falsche Zweimarkstücke.
* Krefeld, 14. Febr. (Ein Verbrechen.) In dem
iahen Niederbruch wurde die geschiedene Ehefrau Köhnen
ot aufgefunden. Anscheinend ist sie erwürgt worden. Un
ersuchung ist eingeleitet.
m Aus Rheinhessen, 14. Febr. Kaninchenpla—
ge.) Außer den Klagen über die bekannten Rebschädlinge
deu⸗ und Sauerwurm, Peronospora usw. klagen die Wein
utsbesitzer und Winzer ganz ungemein über großen Scha—
zen, der ihnen in den Weinbergsanlagen durch die wil
zen Kaninchen angerichtet wird. In einem großen Teil
»er Provinz haben sich die wilden Kaninchen in einer
Veise vermehrt, daß sie zu einer förmlichen Plage gewor—
zen sind. Es sollen Schritte unternommen werden zu—
hertilgung dieser Schädlinge.
⸗Gießen, 14. Febtr. (Der Bankräuber Wer
zer.) Ver wegen des Friedberger Bombengtientais
ebeuslänglichent Zuchthaus verurteilte Dachderker Kar
Vorner von Kaiserslautern, ist, nachdem das Urteil rechts
räftig aeworden ist, zur Strawerbuüfung nach dem Lan
eggzuchthans Marienscheotß gebracht worden. Auf Wernerd
Vuresch ha⸗/ die Staatsanwalischaft Weisung ergehen las⸗
seun, den noch jungen Menschen von anderen Gefangener
zu isolieren und in einer seinen Säkiakeit enisprechender
Warle au beschäftigen
cec
Aus aller Welt.
Mißhaudiung eines Gendarmen. Zu schweren
nusschreilungen gegen einen Polizeibeamten fam es in
Zoppot. Eine Schar radaulustiger Arbeiter begegnete dem
auf einem Patronillengange besindlichen Polize-Sergean—
len R'rmann, der die Leute zur Ruhe verwies. Sosor.
wurde er von den Burschen umzingelt und tätlich ange—
griffen. Er versuchte sich mit seinem Säbel zu verteidigen,
siel aber dabei zu Voden und nun bearbeiselen ihn die
Burschen mit Steinen, Knüppeln und seinem eigenen Sü—
bel, salange bis er besiunungslos aus vielen Wunden blu
Tud liegen blieb. Der Veamte liegt im Krankenhause 'e“
Hwer darnieder. Die Exzedenten wurden später in 80
zohnungen verhastet.
Vermächtnis. Der verstorbene Geh. Kommier! enre
etecke hat der Stad. Hatle 116 Millionen M. zum e
er Jugend-KSüriorage und außerdem zwei Grundstaͤcke ver
nacht.
Spende für die Armen. Fretterr von Rothschitt
hat in seiuent Testament anch der Armen gedacht. Am
Tage der Beerd'geiing werden in Wien 209 60 Krener
ind in Budapest 100 000 Kronen an die Armen vertei!
werden.
Zarenfeinbvliche Professoren. Einige Rrosesoren
der Warschauer Universität verwe gerte die Unte schrift fur
eine vom Relter vorgesch'egene Adresse an den Zaren und
reichten lieber ilr Entlasungsge aAch ei
Als ich nach mehreren Stunden zurückkehrte, war der
Park bereits erleuchtet. Ein vollzähliges Orchester ließ
inladende Musikstücke ertönen, und ohne gerade zu tanzen,
bogte die ganze Gesellschaft in rhythmischer Bewegung.
Die Mehrzahl der Damen bestand aus blonden Englän—⸗
erinnen, die man durch ihre graziösen Gartenhüte mit
en wallenden Federn alsbald herauserkannte. Auf den
derrassen vor dem Kursaale saßen die ältlichen Damen
eim Mokka und sahen in das Patschuliduftende Blumen—
zeet hinab.
Aus dem Kursaale tönte das unheimliche Geldgeklirre
heraus, das sich immer erneuerte, wenn eine Rolle Gold⸗
oder Silberstücke auf dem grünen Tisch klirrte.
Sätten nicht die Arkaben der Terrassen und die gallo—
ierten Beblenten die Bestimmung des Hauses verraten, so
vpurde ich geglaubt haben, in der Nähe einer Münze zu
ein.
Mis dem festen Entschusse nicht zu spielen, trat ich in
die außerordentlich prachtvollen Säle des Kurhauses ein.
Der beispiellose Lufus der Ausstaltung, die blenden⸗
den Toiletten der Damen, die schönen Fresken, kurz, das
zanze Arrangement überraschte mich, so sehr auch meine
Erwartungen durch die vielen Beschreibungen 8. 4
gespannt waren.
Sämtliche Spieltische waren besetzt und das Gesumme
der Spielenden, das Klirren des Geldes und die absicht—
lich zu düsterem Schimmer gedämpsfte Beleuchtung verliehen
dem weiten Saal einen unheimlichen Charakter. Immer
neue Gruppen gesellten sich zu den Tischen. Auf allen Ge—
ichtern spiegelte sich Außregung und Spannung ab. „Rot“
etef der Kroupier und das weinrote Gesicht eines Herrn
nit grünem Schirm verdüsterle sich; „Schwarz“ rief ein
mderer und die Wangen einer brünetten Schönheit röte e
obe Freude üher ein Säutlein Goldstücke. das sie ein—
telch.
Das größte Gedränge war jedoch bei dem lektten
Tische des Nebensaales. Ein junger Mann soll daselbst,
wie sich die Leute erzählen, ungeheure Summen verloren
haben, und noch immer den Einsatz auf ein und dieselbe
Zahl verdoppeln. Ich trat hinzu, aber durch die Men—
ichenmenge war ich verhindert, den Spieler selbst in das
Lluge zu fassen. Nur die großen Nollen Godes sah ich,
Zur Frucht Tosnstois. Der Leibarzt des verftorbe—
nen Dichters Tolstoi hielt in intimem Freundeskreise in
em slowenischen Orte Rosenberg im Waagtal einen aus
ihrlichen Vortrag über die Ursachen der Flucht Tol
tois, in dem der Vortragende ausführte, daß das Leber
dolstois im letzten Halbjahr vor seinem Tode ein schwe—
es Martyrium war, und daß er in seinem eigenen Hause
vahre Höllenqualen auszustehen hatte, denen er üh ichließ
ich durch seine Flucht zu entzießen suchte.
Hutanus verhaftet. In Marseille wurde der Deut
sche Hutenus, der aus Bonn nach Unterschlagungen ge—
lüchtete Ober-Telegraphen-Assistent verhaflet. Die Polize
atte in Ersamung gebracht, daß ein Mann, auf den das
Zignalement des steckbricssich Verfosgten pahte, in einen
NMarseitler Hotel abgestiegen sei. Nachdem der Flüchtige
yon einem deutschen Geheimpolizisten als der Gesuchte er
'annt worden war, erfolgte die Verhasturg, Nach Erle—
zigung der Auslieferunas-Formalitäten ertolat seine Neber
zabe an die deutschen Behörden.
Verhaftung eines Hanptmauns. Das Par'sJour—
tal meldet aus Lyon: Hauptmann Pietri vom 22. In—
anterie-Regiment, wesches im Lager von Sasonayen Gar
nison steht, wurde infolge der Veröffentlichung einer Flug—
chrift, die gegen die Disziplin verstößt, verhaf'set. Die
Nili ärbehörden verweigern jede Buskunst über d'ese Auf
ehen errezende Verhastung. Die Schrift trägt den Tise
Die beiden Gewissen“ und sol in der Haupt'sache die Drey
us-Affäre zum Gegenstande haben.
Englische Prinzen erkrankt. Die beiden Söbhne
»es Königs Georg, der Prinz von Wales und Prinz Al—
bert sind in der königlichen britannischen Kade tenschule zu
Dartmorth an den Masern ertrankt. Nuf der Schule ist
eit esniger Zeit eine heffige Masern-Epidemie mit bösar—
igem Charakter. der kürz'ich einer der Kodetsen erlag. Die
zeiden Prinzen wessen im Fause des Vorstandes der
Schule. Kapitän Epen Ikre Krankhzeit nimmt bisher
einen normalen Verlauf.
—A
zerichtet! Tie Unterhandlungen wegen Gr'ndung einer
Damplerlinie zwischen Hull und Ostende sind gescheitert
Der Plan ist aufgegeben worden.
. Von ihrem Sohn ermordet. Die Kauimannswitwe
Alerxandrine Opescu wurde in Bukarest von ihrem eigenen
Sohne ermordet. Dieser litt an Veriolaungswahn und
zildete sich ein, seine Mutter sei eine Here
Die Pest.
Die „Times“ erhält von ihrem Spezialmitarbeiter in
Indien einee Meldung über das außergewöhnlich starke
Umsichgreisen der Pest in Indien. Nach dieser Meldung
oll die Epidemie zwischen 105 bis 20 000 Opfern pro
Voche in Indien fordern. Seit mehr als 14 Jahren ist
die Pest in Indien ununterbrochen herrschend. Eine ge—
naue Zahl der Opfer der Seuche anzugeben, ist zwar nicht
nmöglich, doch sei als wahrscheinlich anzunehmen, daß die
Epidemie bisher ungefähr 9 Millionen Menschen hinge—
tafft hat.Eine offizielle Statistit bis Ende 1908 gibt die
Zahl der Opfer mit «c Millionen an.
— —
Werichtszeitung.
FJ Die „Wahrheit“ vor Gericht. Ein Artikel der
„Wahrheit“ unter dem Titel „Harden und feine Freund«
moralisch geohrfeigt“ hat Anlaß zu einer Privatklage ge
eben, die vor der 145. Abteilung des Berliner Schöffen
Jerichts unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wolner ver
handelt wurde. Privatkläger war der Verleger des „Han
noverischen Couriers““ Dr. W. Jänicke. Angeklagt war
der Redalteur der „Wahrheit“, Otto Weber. In dem
nkriminierten Artikel war die Behauptung aufgestelit wor—
den, daß der Privatkläger, der Reserveofsizier war, durch
seine Beziehungen zu dem Schriftsteller Maximilian Harr—
den seine Chre als Offizier verletzt habe und deshalb
zurch den Oberst Engelbrecht veranlaßt worden sei, seinen
Abschied einzureichen. Auf Grund dieses Artikels hat Dr
Jänicke die Privatklage angestrengt. Zu dem Termin wa
sen als Zeugen Generalleumant v. Wachs, Oberst Engel
recht⸗ Hannover und Prof. Oßen⸗Hannover geladen. Ir
dem Artikel, der zunächst heftige Ausfälle gegen Maximi
ian Harden enthielt, wurde migeteilt, daß letzterer ir
dannover, wo er öffentliche Vorträge hielt, im Hause der
Ir. Jänicke freundschafilich verkehrt habe, und daß Id
icke, der Reserveofsizier der Kavallerie gewesen, gezwun
zen worden sei, den Offiziersreck auszuziehen. Der Ange
lagte Weber, der den Artikel nicht selbst geschrieben hat,
rklärte, den Wahrhe'tsheweis führen zu können. Er be—
sauptete, daß, wie ihm von hochstehender Seite mitgeteilt
vorden sei, nach dem Besuch des Herrn Marimilian Har
den in Hannover beziehungsweise bei Dr. Jäuecke diesem
zurch den Bezirkskomtnandeur nahegelegt worden sei, sei—
nen Abschied zu nehmen, da es für einen Offizier nich
ingängig sei, mit einem Manne wie Harden, der die For
derung des Grafen von Moltle abgelehnt habe und des
jalb nicht satisfaktionsfähig sei, so sreundschaftlich zu ver
ehren. Der Verteidiger des Angeklagten ergänzte dies ned
ahin, daß Dr. Jenicke nach dieser Unterredung mit demn
zezirkskommandeur freiwillig seinen Abschied eingereicht
ber nichts getan habe, um diesen Vorfall zur öffentlicher
Zesprechung au bringen, sondern erst nach Ablauf gaeran
die er hinwarf und die der Kroupier mit seiner Schaufel
rinscharrte.
„20“, rief eine kräftige Stimme, die das laute Durch—
einander der anderen Spleler übertönle, und wieder lag
ein Haufen Goldstücke aus der unglüdlichen Zwanzig.
„301“ rief der Kronpter und stäich die Summe ein.
„20!“ wiedecholte die Stimme, und eine doppelte bobe
Zumme flog auf den Tisch.
—„Es ist der zwanzigste Geburtstag seiner Braut“, er—
afärte einer der Zußrer, „darum sekt er immer aure
Zwangig.“
Eine Wendung meines Vordermannes ermöglichte nir
ndlich dem Spieler ins Gesicht zu sehen. Ich fuhr zu—
ammen vor Schrecken. Der Spieler war niemand anders,
Is jener standhaste junge Mann, dessen Festigkeit ich noch
or wenigen Stunden so seht bewunderte. Immer bedeu—
endere Summen warf er auf den Tisch und die höchste
Ausregung hatte seine Gefichtzüge verändert. Umsonst
zat ihn jetzt seine Braut, die offenbar der Impuls seines
hmüso schnell zur Leidenschafsft gewordenen Spieles war,
er möge doch innehalten. Er beachtete ihre Bitten kaum—
hemerkte auch nicht, wie blaß sie aussah und wie ihere
slieder vor Schrecken zitterlen Er schütteste noch das
etzte Gold aus einem Lederbeutel auf die atale Zwan—
ig. Ein Moment, und das Gold war verschwunden
Mit Todesblässe auf dem Gesichte stürzte der Spieler von
inem zweiten zungen Manne begleitet, aus dem Saal.
das Mädchen rang die Haude und wöäre beinahe zusam—
zengesunken, wenn ich ihr nicht zu Hille gekommen wäre
Sprachlos ließ sie sich von mir in eines der Neben
immer führen. Und Verzweissung lag auf ihren Zügen.
„Helsen Sie, guter Freund!“ rief sie endlich, „eilen
ZSie, relten Sie meinen geliebten SKreund. idg woar sein
Anglück!“
Ich hat sie, sich ruhig zu verhasten und meine Rück
kehr zu erwarten, und eilte hinaus, ohne mich der Hoff—
nung hinzugeben, in dem Gewimmel die Spur des Um
zlüglichen enidecken zu können. Am Ende des Partes an—
gelangt, wurde ich aber nicht wenig überrascht, den Spte—
er im ruhigen Gespruche mit dem zweiten jungen Mann
zu finden, der ihm so hastig gefolgt war. Ich hielt mich
n der Ferne, un den weiteren Verkanf abzuwarten, konnte
edoch aus der Mimiet der Beiden nur wenig wahrnehmen
ner Zeit ein zufälliges Zusammentreffen des Myrvc
nit dem sriheren Kriegsminister von Einem bu
abe, die Sache gegenüber dem Minister zur Spr
riegen. Der Privaikläger Dr. Jänicke bemerf
aß Narimilian Harden seinerzeit doch auch beind
ierungopräsibenten Grasen Wiltlelm von Wisnurck
lover drei Tage lang soglert habe. Er befin—
nrecht quier Gesellschat. Der als Zeuge
IRberst Engelbrecht gab zu, daß er sich inf
uchs des Herrn Marimiltan Harden den Pri
ommen lassen. und daß dieser gleich nac
edung sein Abschiedsgesuch eingereicht habe.
ing sei eine dienstliche gewesen und habe u3
jen stattgesunden; er sei nicht besugt, über d
Unterredung Aussage zu machen ohne vorherige
nigung seiner vorgesetzten Behörde. Dr. Jämae
aß er 40 Minuten nach dieser Unterredung sein A
esuch eingereicht habe, weil er dem Bezirkskom
as Recht nicht habe zusprechen können, in sein“
»en einzugreifen. — Das Gericht erkannte m
geldstrafe von 900 Mark eventuell 60 Taç
ingnis. Wie der Vorsitzende ausführte, habe das
ediglich mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagt
elbst der Verfasser des fraglichen Artikels ist, n
ie preßgesetliche Verantwortung übernommen
er Verhängung einer Freiheitsstrafe Abstand
Das Gericht sieht als erwiesen nur an, daß Oberf
recht dem Kläger Vorhaltungen über seinen NMoer
zarden gemacht bat
sααιXOασäæ
Arbeiterbewegung.
— Streik auf Helgoland. Etwa 300 Arbeite
dandwerker der Baufirma Hagemann auf Helgolar
inter viele Italiener haben die Arbeit niedergeleg
Firma die erhöhten Lohnforderungen nicht bewillt
ztreikenden wurden durch einen Dampfer der Firn
nann von der Insel fortgeschafft und in Curxhaven
det. Diese Maßnahme geschieht im Interesse der
ichen Sicherheit, da man auf der kleinen Insel
—E
——
Von der Lußtschiffahrt.
*MilitärFlugapparate. Eine mis
dommission bestehend aus dem Oberst Mefsing, Ha
deumann, Hauptmann Deleroi und Leutnant N
hat von den be?annten Flieger Alfred Frey zwe
nan-Maschinen mit Gnom-Motor angekauft. D
maschinen werden schon in den nächsten Tagen pe
iach Dsberitßz überführt werden. Damit hat sich
der im Besitz der deutschen Militär-Flugschule bvei
Lustfahrzerg: auf 8 erhöht.
*Geheimnisvoltes Luftschiff.
analiusel Aldernay wird gemeldet, daß dort —
erleuchteler Lustlreuzer, der vom französischenn,
lam, über Aldernay hinweg auf den atlamischen
hinauslog. Das Schauspiel errerte großes Rue
der Insel. Das Luftschiff flog do hoch, daße
der Passagtere nicht erkauut werden kounte n
wird man wohl wieder gleich an eine Invasion
haben. Die RMRe⸗s
— — —
Neueste Meldungen.
Berlin, 15. Febr. Die auf den 3. Mür
dandwerkerkonferenz wird insolge er
itionen des Reichstags auf einen späteren Termi
zwar den 7. April verschoben werden. Es ist woe
lich. daß in den ersten Tagen des März der Et
Reichsamts des Innern im Reichstag auf der
ordnung steht. Da aber der Staatssekretär des
Delbrück, sich persönlich an der Handwerkerkonferen
teiligen wünscht, muß sie verschoben werden.
Berlin, 15. Febr. Die Reichstagskommission
Schiffahrtsabgabengese beschloß mi
sicht auf die allgemeinen parlamentarischen Arbeit
der geplanten Informationsreise aufs erste Nbzsi⸗
tehmen.
* Köln, 15. Febr. In Zentrumskreisen besteht
icht, im Hinblick auf die Bedeutung der nächsten
tagswahlen zum ersten Male einen deutschen P
tag des Zentrums einzuberufen. Bisher!
ich m'it der Abhaltung von Provinzialversammlun
Besprechungen von Abgeordneten begnügt.
Petersburg. 15. Febr. Die Sitnation in de
schnlen kompliziert sich dadurch, daß man die
lichkeit einsieht, auf die Dauer de Vorlesungen uw
lizeilichen Schutz zu halten. Eine Gruppe von —
aus den vornehmsten Familien des Landes erklä
dieser Modus der Würde der Hochschulen nicht e
Reltor Grimm und Proreltor Asidrejew von der
hurger Universität haben ihre Demission gegeben.
Paris, 15. Febr. Der Winzerverban
heschlossen, am nächsten Sonntag anläßlich des vi
ament genehmigten Gesetes zum Schutze von E
terweinen in allen Gemeinden der Champagne e
wer Abarenzung“ 3u veranialten
—— —— 1
NRach wenigen Rinuten fsuhr ein Wagen vor und
den Freunde setzten sich sosort in das Kabrio et.
den Wagen als einen gewöhnlichen Mietwagen,
B... fähtt, erkannt und im Innern desselben ni
Plätze srei waren, so nahm ich deinen Anstandee«
gen; uun so von den Vorsitzenden unbemerkt ihr
belauschen zu können. Der Wagen wollte sich ber
Bewegung setzen, als ich vom Parke noch eine D
beieilen sah, die dem Kutscher mit dem Taschentn
winkte, er möge noch einen Augenblick anhalten.
lässig in einen Schal gehüllt, kam sie näher
Jeanette. Sie hatte von dem Fenster des Kab
meine Schritte beobachtet und eilte mir nach
Ungst, ohne Nachricht allein in dem Rimmer
zu müssen. Von den beiden Passagieren die—
gen wohl auch nicht bemerkt haben mochten, wu
nichts Wie groß war daher ihr Glüc, als
leilte, daß Geinrich mit im Wagen sel. Es gibte
eligeres Gefühl als sich in düsteten Ahnungene
zu haben Ungestüm wie sie war, dätte sie denn
ren bes Nabreoets alfoaleich e Numelendetz
benn ich ide geroten bäe ννιια
dens bis B.... beizubehalten. Ich erinnerte
die bedeutenden Verluste ihres Bräutigams unde!
venigstens abzuwarten, bis sich seine Aufreaung
oven würde.
„vwie danle ich Ihnen“, rief sie mit Wärme,
»en ihm das Leben gerettet, den ich so un Alück
nacht. O, hätte ich doch seinen Vorsiellungen gef
Wie töricht war ich, einen solchen Veweis seiner
derlangen? Wie Recht hatte er, wenn er mein
reits eine Sucht nannte. Ich bin von ihr geheil
ihn. Nie soll mein Fuß einen Spielsaal betret
chwöre es bei meiner Liebe zu Heinrich. Er d
etzt vielleicht arm und alle feine kühnen Pläne
chönsten Hossnungen sind vielleicht zertrümmert.
ch vor ihn treten, ich, die Ursache seines Unglüd
ich will auf den Knieen vor ihm liegen, bis eren
der zu sich erhebt die ich so tiefunter ihm stehe,
s ihm zuschwören, daß nie dos Wort Rouletten“
neine Lippen kommen soss“
*