Full text : Dudweiler Zeitung

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Amtliches Publikationsorgan für den it zwe Beil agen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweiler. sonntagsblatt und Heitere Blätter.
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ernspr.⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drudu. Verlag: J. Unterkeller, Dudweile LBerantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenteil Kavl Unterkeller
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Nr. 306. A Ausgabe ohne Abonnenten⸗Versicherung Donnerstag, den 28. Dezember 191.34. 24. Jahrgang
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znneweitere Starfrurader drohender
Das Fazit. — ussalseuhen dez,droy
er Marokkohandel ist nunmehr, nachdem die fran *
che Kammer mit erdrückender Mehrheit zu dem Ab Neue Marokko⸗Schwierigkeiten.
men Ja und Amen gesagt hat, endgültig zu Ende. Die „Figaro“-Meldung, wonach angeblich Schwie
st also nunmehr an der Zeit, das Fazit zu ziehen igleiten zwischen Deutshland und Frankreié
a Pazifisten ist die Hauptursache und das Entschei. begen der Kongo⸗-Regulierung bestehen, wird in Paru
de, daß die beiden Nationen, die vor 40 Jahren salbamtlich durch die Erklärung ergänzt, es sei zwa
under auf blutiger Walstatt begegnet sind und seit⸗ eutscherseits bisher keine diesbezugliche Anspielun(
m zu einer Annäherung auf dem Boden des Vertra— srantreich gegenüber gemacht worden, doch habe sic
3 oder der Verstandigung nicht zu gelangen vermoch—⸗ er Reichskanzler von Bethmann-Hollweg in Gesprächer
n, nunmehr zwei Abkommen unterzeichnet haben, durch nit deutschen Parlamentariern in dein angedeutete
e beiderseitig politische und territoriale Besitz. und dinne geäußert, nämlich bezüglich der —XXX
oheitsrechte geregelt und festgelegt werden. Gewiß iß er Kongo-Inseln und eines Teiles vder Kongo⸗Ufer
as ein erfreuliches und bedeutsames Greignis, aber Nan weist französischerseits darauf hin, daß fuͤr der
ril es das ist, besteht die Gefahr, daß seine Trag Fall, wo Schwierigkeiten entstehen, ein Schieds⸗Aus
eite überschätzt wird, daß dagegen andere, sehr viel chuß mit deren Schlichtung beaufiragt werden ward,
ichtigere Vorgänge und Umstände nicht die im deutscher ind daß keine erniste Streitigteifen wegen
nteresse nötige Beachtung finden. ieser Frage zu er warten sein werden. In nich
Zunächst muß doch einmal ausgesprochen werden imtlichen Kreisen fordert man jedoch eine entschieden
z der Vergleich der Gegenwart mit der Zeit vor blehnende Antwort auf eventuelle neue deuische Nn
erzig Jahren deshalb hinkt, weil sich damals die deut⸗ prüche, da die zugestandenen Konzessionen bereits wein
hen Staaten und Frankreich allein gegenüberstanden jehendere seien, als solche von den französischen Parla
iesmal stand allerdings Deutschland wiederum allein, nentariern zugestanden sein würden, wenn das Partia
niet der französischen Republik aber stand England. ment vorher über die Angelegenbeu befragt worden
s monarchische England, das dem deutschen Volke väre
mmverwandte England! Es ist zum mindesten sehr
aglich, ob es je zu einer deutsch-französischen „An⸗
herung“ im Vertragswege gekommen wäre — es isi
zz gewiß, daß der beschrittene Vertragsweg zu dem
werreichten Ziel nicht geführt hätte —, wenn Deutsch—
d und Frankreich, wie es vor 40 Jahren geschehen,
h über Marokko sich nicht bloß zu zweien auseinan ⸗
zesetzt hätten, sondern auch tatsächlich und ausschließ
auf die eigenen Kräfte und Energien angewiesen ge—
sen wären. Daß es so nicht war, darüber noch ein
ort zu verlieren, wäre überflüssig.
Unseren Friedensträumern sollte aber auch die
irlung der letzten Rede von Jean Jaures ein Lich
igesteckt haben. Nicht etwa, daß irgendwie hätte er—
tet werden können, daß die Gründe, die der soziag
che Parteiführer zur Rechtfertigung der Ansprüch
ichlands in Feld führte, in der Kammer Verständ.
der wenigstens sachliche Beurteilung finden wür
Aber was dem Abgeordneten Jaures antwortete
in Schrei der Wut und der Entrüstung, war eir
türmisches Aufbegehren gegen die Zumutung, daf
mkreich das neue, von Bismarck geschaffene Deutsche
ich in seiner heutigen Gestalt und Größe und Stell
ig als existenz⸗ und expansionsberechtigt anerkennen,
zz es sich nun endlich mit dem Gedanken der Ueber.
genheit Deutschlands, das um 20 Millionen Menscher
rker ist als das europäische Fraufkreich, befreunden umfs
ssöhnen sollte.
Wen aber die Aufnahme der Jauresschen Rede unt
von Millerand, ausdrücklich betonte Freimütigkeit der
tischen Varteien im Marokkohandel nicht zu delehren
mag, dem sei ein Drittes zu bedenken gegeben. Mar
gesagt, die Rechnung zwischen England und zwi
en Frankreich sei nunmehr beglichen, nachdem ersteres
er Verpflichtung nachgekommen und der französischer
iblik die Vorherrschaft in Rordafrika, den Besit
gewaltigen, Vannstsreicen Kolonialstaates ge—
hat. Man brikereht sich nur zu fragen, was Aegyp.
uf das Frankreich Verzicht leisten mußte, für das
che Weltreich, und was Marokko in Verbindung
Algerien und Tunis für Frankreich bedeutet, um zu
ennen, was bei diesem letzten und gewiß nicht ge—
asten Stück englischer do ul des Poliuit herauskommen
d. Die Gegenleistung Englands ist sehr viel größer
werwoller, als seinerzeit der Verzicht Frankreichs;
e Gegenleistung verpflichtet Frankreich aufs neuet
nüber England. Englands Stolz aber wird es
mn Zulassen, einen Krieg gegen Deutschland im Ge—
e Frankreichs zu führen, also in einem französischer
anchetrieg die Rolle des Sekundanten zu überneh—
Eine derartige Aufgabe ist Frankreich zugedacht
u übernehmen ist Frankreich nach seine?!“ Marokko
myh mehr denn se herpflichtet. Somit in dae FXdarit

Das Bündeln am Stefanstag.
sin Vollsbrauch bei,sdenSiebenbürgef
Sachsen.
Nachdruck verboten.
Vorüber ist der heilige Abend und die Christbesche⸗
ung, der Weihnachtstag mit seiner kirchlichen und häus⸗
ichen Feier, und an ihn reiht sich der dem heiligen
Ztephanus geweihte Tag an, im Volksmunde kurz Ste⸗
antag genannt. Drei Heilige der katholischen Kirche
ragen den Namen Stephanus, einer davon, dessen
Fdeier auf den 20. August fällt, ist der Nationalhei—
ige der Ungarn, jener aber, dem der 236 Dezember ge⸗
weiht ist, war einer der sieben ersten Diakonen ver Chri.
sttengemeinde zu Jerusalem und wurde auf Anstiften
der jüdischen Gesetzlehrer im Jahre 36 oder 37 n. Chr.
von dem Pöbel gesteinigt und so zum ersten Blutzeu
gen des christlichen Glaubens, weshalb die Kirche auck
einen Gedächtnistag gleich nach der Feier der Gebur
Thristi, dem Weihnachtstage, ansetzte.
Von besonderer Bedeutung ist der Stefanstag den
Ziebenbürger Sachsen, von den Magyaren „Schwaben‘
zenannt, jener deutschen Sprachinsel im ungarischen
Vollsmeer Dort ist er zum Festtag der Diensimädchen
zeworden, welchen sie alle frei haben, und an diesem
Tage werden auch die neuen Mietverträge mit ihnen
abgeschlossen. Ein Bündel unter dem Arm, welches sie
als „Bündlerinnen“ oder „Binklerinnen“ kennzeichnet,
ziehen die ärmeren Mägde in ihrer besten Kleidung
durch das Dorf, bei Freunden, Verwandten und Bé—
kannten vorsprechend, wo eine reichliche Bewirtung ihrer
harrt. Die Mägde, welche bei einer größeren Herrschaft,
einem Großbauern in Dienst waren, und daber auch
materiell besser gestellt sind, geben es schon nobler. Sie
mieten sich Schlitten, die sie mit Reisig und Bändern
bunt herausputzen, auch das Pferdegeschirr wird mi
Papierrosen geschmückt, und in die Mähnen und in die
Schweife der Pferde bunte Bänder ngelohten, und
sahren so durch die Dörfer, ein seidenes Taschentuch in
der Hand, mit welchem fie den Freundinnen und wohl
auch den Freunden Grüße zuwinten.
Die Bündlerinnen tragen alle die gleiche Festtracht:
den kurzen, nur ein Stück uͤber die Knie reichenden Rock
—Dææ Halbschuhe über den farbigen Strümp⸗
en, eine enganschließende Bluse über denm kräftigen
Oberkörper, welche hoch am Halse in einen Faltenkragen
endet, aus den Haaren breite Maschen, rechts und linkse
e eine weiße, in der Mitte eine schwarze. Dieser Um
zug wird das Bündeln oder Binkeln genannt, und wäh—
tend desselben werden, wenn die Bündlerin wieder zu
dienen beabsichtigt, die neuen Mietverträge abgeschlossen
oder, wenn ne im gleichen Haufe bleibte, die alten er
ieuert.
Für manche ber Mädchen aber bedeutet dieser Tag
»en Abschluß der Dienstzeit überhaupt, nämlich sm
sene, welche während des Dienstiahres einen Oraun
zam gefunden haben. Da ein Dienstaustritt während
des Jahres nie vorkommt, so müssen sie bis auf der
Stefanitag warten, bis sie den Dienst verlassen können
vorauf sie dann gewöhnlich noch eine Zeitlang im El
ernhause bleiben, fleißig an ihrer Ausstattung arbei
end, bis im Fasching Hochzeit gemacht wird. Diejt
MNädchen sind natürlich die lustigsten unter den Bünd
erinnen und geben dem Tage exst recht das festliche
röhliche Gepraͤge. Freudig zu begrüßen ist es, dai
ieser alte Brauch auch heute noch wie vor Jahren ge
ibt wird, im Gegensatze zu andecen Volkssitten und
bräuchen, die immer mebr und mehr ausfierden.“
Aus Italien.
Dem „Secolo“ zufolge beschloß das italienische Mi—
risterium am 24. Dezember infolge der Fortdauer des
ürkischen Widerstandes die Eröffnung des regulären Er⸗
werungsfeldzuges in Tripolitanien unter gleichzeiniger
Robilisierung aller süditalienischen Armeekorps
— JZFA—2—

27* 212
cine sonderbare Familie.
Ein Roman aus Indien.
Ist Ihnen nicht wohl, Fräulein? fragle ———
Iteto! Weißt Du. was Gemissensbisse sind de Jaukele di
nfrage.
Glauben Sie daran, Fräulein?“ fragke diese lachend.
Ich fange an, Lady Macbeth zu verstehen, die den Schlal
dete. Ich will Dir keine Vorwurfe machen, Iteko, aber Du
mir immer gesagt, daß ich ein gutes Werk verrichtete, wenn
onrad meine Cousine zur Frau gäbe.“
und sollte es das nicht sein?
Ich weiß es nicht, sie war so wunderbar, so erregt. Ich
aebofft. an ihr einen Ersatz zu finden für die törichte Kitth,
nich verraten und verlassen bat um jenen Gimpel. Hermelin
ußerst freundlich gewesen, und doch, es ist mir, als wenn ich
cdie bittersten Vorwürfe hören möchte, als nochmals jenem
aus ihren Augen au begeguen.“ ——
dat Herr van Hagen etwas gesaat?“ J———
Wie kommst Du dazu?“
Ich weiß es selbst nicht, ich alaube, dak er sterblich in Sie
ist.“
rona lachte laut auf. Wenn jemand anders mir dies
Iteko. würde ich ihn fragen, ob er mich verspotten oder
diden wollte. Er hat mir nichts als Unangenehmes und
res zugefügt.“ Und plötzlich begann sie laut du weinen.
telo. die an solche Launen ihrer Herrin gewöͤhnt war, schloß
uren und setzte sich darauf an den Tilsch. wo sie ruhig zu
hen begann.
orona weinte eine Zeit lang mit all der Leidenschaft, die
inallem was sie tat an den Tag legte.
18 es Iteko länger als gewöhnlich zu dauern schien, fragte
Wollen Sie nicht einmal trinken?“
torona gab keine Antwort umd schluchzte fort, allmählich be—
ite sie sich, bis sie aufstand und sagte: „So, das hat mir
getan! Ich war so bange, daß es am Tisch kommen würde.
Du allein weißt. Iteko, wie suwach vin mädchenhaft ich
'eilen sein kann. Gib mir ein Glas Limonade.“ — „Er
bd von Nerven“, fuhr sie nach einer Weile fort, „sollten dies
derven sein? — Ich will Papo pitten. ihn gehen zu lassen—
urchte mich vor ihme“

.Darin haben Sie recht, Sie müssen sich vor jenem Menschen
hüteu.“
„Weshalb?“
„Ich weißt es selbst nicht. aber es ist mir, als wenn er Ihnen
Unalück bringen würde.“
„Pfui, Iteko! Du hast mich immer wegen meines indischen
Aberglaubens ausgelacht! O, wenn er mich so gesehen bätte, er
„Jätte gedacht, daß es hm gälte, und Du weißt selbst, daß ich
veinen muß, weil ich nicht auders kann“
4 —
Vierzehntes Kapitel.
Nachdem die Gesellschaft fort war und das junge Vaar sich
dieder allein gegenüberstand, sagte Konrad barsch: „Ich kann
zicht Komödie spielen, so wie Du.“
„Ich muß so vieles, was ich zuvor nicht konnte“, ent⸗
eguete sie.
„Aber siebst Du denn nicht ein, wie sie sich freuen werden,
»aß alles aut gebt. und daß ich mich in mein Schicksal ergeben
abe?“

„Ja,. Du! Du hast mir Deinen Namen aegeben und ver⸗
veigerst mir Deine Liebe; Du möchtest mich am liebsten aus
em Hause jagen, um Deinem Haß wider Korona zu genügen.
Varum hasft Du mich denn zur Frau genommen?“
„Weil ich Mitleid hatte mit Kittne
„Mit Kitty?“
„Ja, Kitty hatte sich von Portias entführen lassen, weil
dorona sie nicht heiraten lassen wollte, aber sie haben sie ein
jeholt und in ihrem Zimmer eingeschlossen, und nachdem ich
nich Mongte lang geweigert batte, Koronas Willen zu tun
abe ich endlich „Ja“ aesagt; nur unter der Bedingung wollt
dorona Papa ersuchen. die Ginwillicung au ihrer Ehe 210
eben“.
„Und ich bin das Opfer Veiner Bruderliebe geworden, die
ð von Deiner treuen Erinnerung träumte und mich füßen
zllusionen hingabl Doch ich will nicht bedauert werden. Sage
nir nur, was Dein Vater davon weiß.“
„Er weiß nichts und darf es nie wissen. Er weiß nichts
on Kittys Flucht, wenn er es wüßte, dann — desbalb verlange
b. das Du schweigst.“
Immer aus Liebe zu Deiner Schwesterl Und denkst Di
enn nicht daran, Konrad, wie unglücklich ich bin?“
„Unglücktich? Du hast Korona lieb, die Dir ein schöne!
haus und Diamanten und alles, was Dein Herz begehrt, ge
chenkt hat.“
Ich verachte sie.“
Ich alaube Dir nicht. Du verachtest die Indischen; meln
MNutter war keine Holländerin, wie die Koronas; wenn Ihr au
ammen seid, lacht Ihr mich aus.“
„Auf solche albernen Beschuldigungen bleibe ich die Antwor!
chuldig. Also es bleibt bei unserer ersten Absprache“
„Ja, wegen Kitty.“
„Natürlich! Um wen denn sonst! Wir wollen das Levber
n Gottes Nanien nur so weiterschleppen. Gute Nacht, Konrad!“
Konrad stand unschlüssig. Es war, als wenn eine Stimme
n ihm lant wurde, die von Verzeihen oder vielmehr von Ver
—DDDD
delch ein schönes und liebeuswürdiges Weib er sein eigen nennen
nrfte, aber doch konnte er es nicht über sich gewinnen, ihr ei—
reundliches Wort zu gönnen.
Es war ihm nicht möglich gewesen, Hermine anders all
eichgültig und unfreundlich zu emptangen, weil er überzeug
ar, Korona dadurch tief zu verletzen, am liebsten wäre ein
1H meit far nch der Geßanfk⸗ an Bitin kielt ihn 2uü—

— — ——— — cr —— w
toronas Erbitterung würde sonst alles an den Tag borraen
Er hatte sich vorgenommen, eine Zeit lang vor den Augen der
Welt mit Hermine vereint zu bleiben und sie daun unter irgend
inem Vorwand zu verlassen und die Ebe womöglich aufzulösen
lus Mitleid für die troltlose Kitih, die nichts mehr fürchtete, alz
en Zorn ihres sittenstrengen Vaters, hatte er „Ja“ gesagt, aber
nit dem stillen Entschluß, Korona und ihre Cousine für den ihw
auferlegten Zwang büßen zu lassen.
Herminens valtung floͤßte ihm Achtung ein, er fühlte sich
hr gegenüber gedemütigt und jnchte dieses Gefühl durch ungezogene?
Zetragen zu vertreiben. Doch es gelaug ihm nicht; wenn er ihr
einer gekleidet gegenübersaß, schämte er sich und war wider sich
elbst erzürnt, weil er fühlte, daß er sich lächerlich machte. Es
wvar ihm jetzt noch schlimmer zumute, und es kam ihm unaus⸗
tehlich vor, Korona in dem Glauben zu lassen, daß er sich ihren
Wünschen anbequeme, aber doch durfte er Hermine im Beisein
anderer nicht mehr mit verletzender Geringschätzung behandeln.
Er blieb allein in der vorderen Galerie und nahm ein Buch
»as auf dem Tische laa; es war franuzösisch, das er nur wenit
yerstand. „Wer weißz, wie gelebrt sie ist!“ dachte er, vielleich
ioch gelehrter als Korona, die vier Sprachen mächtig war. Ei
var nur kurze Zeit in Europa gewesen, weil Korona es se
vollte, und hatte nur wenig gelsernt. Alles war ihr Werk!
Wer weiß. ob die beiden sich nicht über ihn und seine dummer
Beschwister lustig machten? Er ballte die Fäuste und lief in
»hnmächtiger Wut hin und her.
„Wir sind Puppen, nichts weiter! Korona und ihre vlond⸗
Fousine wollen uns beherrschen, aber es wird ihnen nicht ge—
ingen. Wenn ich ihren Willen tne, tue ich es nur, weil ich e
elbst so am besten finde. Sie hat ihre Büchecr und Noten, sit
ann singen und spielen, was kann ihr daran liegen, ob ich
nürrisch oder freundlich bin? Wenn es noh der schöne Her
väre, der sie so gut zu kennen scheint, aber ich, was bin ich der
gelehrten Damen? Ein einfaches, indisches Mädchen wäre min
tausendmal lieber gewesen, wenn ich doch einmalheiraten mußte.“
Inzwischen fand er doch die Franen seiner Stiekbrüder
wenig nach seinem Geschmack, und auch sonst wollte ihm kein
insagen von den Bekannten, die ihm vor den Geist traten, doch
Hermine am wenigsten. Früher in Holland mochte sie ihm woh
gefallen, aber er erinnerte sich ihrer nur wenig; ja kaum mocht
r noch wissen, daß sie ihn gepflegt hatte, als er krank gewesen
daß er das blonde Pädchen früher gerne leiden mochte, wa
aöglich, aber damals wußte er noch nicht, daß sie Koronas
Tousino mar q9per lieher, er muñte noch nichts pan Saran⸗-„So,

 und weil Herr Konrad so schwach war, ein Stück zu
nterzeichnen, das ein Ehevertrag hieß, mußte ich ibm geopfer
nerden und mich von der gauzen Familie de Geran als arme
erstoßene, beklageuswerte Frau binstellen lassen? Nein, es isi
ier kein Mittelweg, Du mußt mich in ibhrer Gegenwart als
eine Frau behandeln, nicht herzlich, das verlange ich nicht,
ber nicht so, wie Du es auf der ganzen Reise getan hast, sonf
ehe ich zu Teinem Vater und sage ihm, daß ich nicht mit Dir
uter einem Dache leben will, daßz ich durch gefälschte Briefe
etrogen bin. Er ist ein Ehrenmann, er hat nicht an dem Be—⸗
ug teilgenommen; finde ich bei ihm keinen Schus, dann gebe
b enach Samarang und verklage Euch alle.“
⸗Meinetwegen! sie haben das Spiel durchgesetzt, sie werden
ie Folgen tragen.“
„Aber Du hast Deine Zustimmung gegeben, das wäscht das
Vasser des Ozeans nicht ab.“
„Man hat sie mir abgezwungen.“
„Zu dergleichen läßt man sich nicht zwingen. Die Familie
e Geran genießt auf Java die höchste Achtung, aber ich nenne
ie Dinge, die hier vorgekommen sind, schändlich und verbrecherisch.
ind Du bist der Schuldiaste, Honrad
&O-
            
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