Full text : Dudweiler Zeitung

dermischtes.
DTer Platten⸗zginematograph. Nach der kinemato—
raphischen Fachzeitschrift „Das Lichtbiid-Theater“ ifi
inem Italiener namens Bettini eine wichtige Erfind—
ing auf dem Gebiete der Kinematographie gelungen,
im deren Verwirklichung man sich bisher Jahre lang
ergebens bemühte. Es handelt sich darum, bei den
inematographischen Aufnahmen die teueren Films durch
ßlatten wie bei den gewöhnlichen Photographie-Appa—
aten zu ersetzen. Der Artikel, dem wir diese Angaben
intnehmen, ist durch die Wiedergabe einer solchen 13
nal 21 Platte illustriert, die 1576 kleine Bildchen, aus
eichend für eine Minute kinematographischer Vor—
ührung aufweist. Der Apparat ist vorläusig allerdings
veniger für den Betrieb der großen kinematographischen
LGorführungen geeignet, wird aber wahrscheinlich eine
lera der kinematographischen Aufnahmen kleineren Stils
„urch Liebhaber, Vergnügungsreisende usw. eröffnen.
datürlich ist eine Vorführung nicht auf die Wiedergabe
iner einzelnen Platte beschränkt, sondern durch eine
„esondere Vorrichtung können beliebig viele Plaiten un—
nterbrochen vor der Linse vorgeführt werden. Die Vor—
ührung kann also ebenso gut wie jede andere stunden
ang fortgesetzt und sie kann ohne jede Feuersgefahr
lößlich unterbrochen werden. Der Apparat soll sehr
lein, leicht und ganz besonders billig sein. Man kann
atürlich heute noch nicht sagen, ob alie Erwartungen
ie sich an diese vielleicht erst in den Kinderschuhen be
indliche Erfindung anknüpfen, sich erfüllen können. Der
derausgeber der genannten Fachzeitschrift scheint aller
ings dieser Meinung zu sein. „Obgleich Steptiker von
Beruf,“ sagt er, „hat mich der neue Apparat sehr be
reistert.“
Den Einzelnen und die Menschheit stellt Unn
ersitätsProfessor Kurt Breysig im „Tang' gegen
iber: Wer die Menschheit stark und reich wünscht, dar!
ie io wenig einförmig wollen, wie er ein Vol ein
õörmig wollen darf. Wer die Persönlichteit will, muß
»as Volt stum wollen: das Volkstum ebenso um
»er Menschheit — nicht um seinetwillen, wie die Per—
sõnlichleit um des Volkes, um der Menschheit, nicht um
hretwillen. Und so gibt es einen Adel der Volter, der
eschadigt werden wuͤrde, wollte man ihn um eine
MNenschheits⸗, einer Völkerdemokratie wilien untergehe;
assen. Das deutsche, das englische, das russische, viel
eicht auch das japanische, das chinesische, das indisch
Golkstum: sie mögen die Träger der Zukunft sein. An
ere bedeutende Volkspersönlichkeiten, die spanische, di
olnische, vielleicht auch die italienische, die französisch
aben die Zeiten ihres Wachstum—. ihres Bluühens hin
er fich, aber sie sind die Traͤger einer großen Vergan
enheit, und noch der Abend ihres Lebens wird reiche
ein als der ganze Tag vieler geringerer Volkstümer
zch glaube nicht an die Zulunst mancher heut wirtschat
ich und selbst staatlich mächtiger Volkstümer: nicht ar
»ie der Nord⸗, der Südamerikaner, der Australier. Blu
st nicht stärler als Himmel und Boden: diese Lände
rzaben alle nur sehr langsam fortschreitende Entwickel
ingen der von ihnen selbst geborenen Rassen gesehen
So werden sie auch später nichts Größeres hervorbrin
zen können. Die Engländer haben schon heute einer
ustigen Spotinamen für ihre australischen Landsleute
»er so viel heißt wie dürre Zaunlatte, und sie werder
echt behalten. Ein ganz kleines europäisches Germa—
ienland wie Holland hat der Menschheit mehr an Gü—
ern des Geistes geschenkt als diese halbe Erdkugel von
dolonialländern bis jetzt. Und dabei wird es bleiben,
veil die wirkenden Ursachen, die geographischen, weiten
jleiben werden.
Wein und das Großfeuer. Eine Feuersbrunsi
nit Wein zu löschen, das ift ein Gedanke, der nur von
merikanischen Feuerwehrleuten kommen kann. Aus
dew⸗York wird über diese neue Idee berichtet, daß
⸗or einiger Zeit in der von den Spaniern gegründeten al
en kalifornischen Stadt Sonora, deren Hauser fast alle
on Holz sind, ein großer Brand zum Ausbruch kam.
das Feuer, das in den alten Holzhäusern reichliche und
ehr ergiebige Nahrung fand, verbreitete sich mit Blißes
chnelle und die Feuerwehr stand, da alle Wasserbehäl⸗
er und Zisternen der Stadt erschöpft waren, bald ohne
Vasser da. Schon glaubte man, daß die Stadt jetzt
anz dem Feuer überlassen werden müsse, als einem
Feuerwehroffizier die Idee kam, die Pumpenschläuche
n einen großen Behälter, in weischem junger Wein gärte
zu steclen und es mit diesem Vsschmiltel zu versuchen.
And das Exrperiment gelang grodartig; die Kohlensäure,
ie sich im Most entwiclelte, erstickte die Flammen so
asch, daß die Wehr schon nach kurzer Zeit des Feuers
»err wurde.
Strafen für schlechte Ehemänner. Die amerika—
tischen Gesetze und Richter zeigen gegen schlechte Ehe⸗
nänner große Strenge. In Kaliformen werden Ehe⸗
nänner die das eheliche Heim verlassen, dazu verurteilt,
Straßenfegerdienste zu tun, ganz gleich, welchem Stande
ie angehösren. Und Ehemänner, die ihre Unterhalt⸗
maspflicht gegen die Familie zu leicht nehmen, werden
n eine Arbeilsanstalt gesteckt, wo sie zwangsweise ar—
eiten, und das Erträgnis ihrer Mühe der Familie
berweisen müssen. Wer in Alabama seine Frau schlägt,
oird zu Amangasarhoit in den Minon vnerurieilt
—A
unterhreiten. wabrend ich nur diejenigen alücklich machen will
ie mir teuer sind.“
Natürlich, und darum bast Du mir dieses Los bereitet
»as wirklich einzig in seiner Art ist.“
Kein einziges ibrer Worte ließ Thoren van Hagen sich entgehen,
obschon er mit dem alten Herrn sich lebhaft zu unterbalten schien
„Ich bhoffe, daß Du einmal Deinen verdienten Lohn finden
virst“, fuhr sie fort, und der Freund ihrer Jugend ließ plötzlich
ein Gespräch fahren und sah sie in einer Weise an, die sie fast
hre schwer errungene Selbstbeherrschung verlieren ließ. Doch
»er Angorpuf“ oder Champagner wurde gebracht, und Hermelin
chickte sich an, die Vflichten der Hausfrau zu erfüllen.
„Noch einen Augenblick“, sagte sie, „wir erwarten unsern
hastherrn, er scheint große Toilette zu machen.“
Korona schaukelte sich in ibrem Sessel und streichelte mis
hrer Reitpeitsche den Kopf Matjans. ihres großen Hundes, der
ich nicht mit Konrads Windspielen einlassen wollte; ein ver⸗
mügtes Lächeln wielte um ibre Lippen. und sie ahnte durchaus
licht den versteckten Sinn der Anspielungen ihrer Schwägerin
„Wir batten gestern einen wissenschaftlichen Abend von Herrn
gan Hagen“. sagte sie zu Hermelin, „er hat von seinen Nordvol⸗
ahrten erzählt.“
„Ist er da auch gewesen?“
Es war sehr interessant, aber ich mag ihn trotzdem nicht
eiden.“ Sie schlug bei diesen Worten Matian so heftig, daß er
as Spiel für Ernst bielt und sie arimmig ansah.
.Daran mußt Du Dich gewöhnen, Matian“, sagte sie lachend,
die ich liebe, quäle ich am meislen.“
Sagten Sie mir etwas?“ fragte Thoren van Hagen näher⸗
retend.
Ihnen? Wie kommen Sie dazu? Ich sprach mit Matijan.“
Sie sahen mich dabet an.“
„Darf ich nicht seben. wohin ich will?
„Darf ich nicht mit dem nämlichen Recht fragen, ob Sit
reiner bedürfen?“ —
Sie wandte sich ab und stellte Hermine vor. mit ihr ins
zaus zu gehen. Im nämlichen Augenblick trat der Herr deds
»auses, jest auständig gekleidet. bervor. „Ha, Konrad! Wie has
u uns warten lassen!“ sagte Hermine.
Konrad arüßte kurz und steif. doch das schien niemanden zr
efremden.
„Nun Du gekommen dist, die Ehre des Hanses wahr
Anehmen. werhe ich mich eben mit Korono enffernen. Vaf

ur Winterszeit zum Schneeschaufeln auf der Straße
der einzige etwas männerfreundlichere Richter in Ame
ika ist der Richter Cleland in Chicago, der die Wett
mschauung vertritt, daß alle Ehen glücklich würden
venn die Frauen anständig kocheen. Wenn Männer ihr
rauen verlassen, verurteilt dieser amerikanische Salome
ie Frau dazu, dem Manne fortan leckere Mahlzeiten zu
ereiten und sich einen Monat späler wieder vor Gerich'
inzufinden. Natürlich haben sich in der Zwischenzeit di
jzatten längst versöhnt und kein Mensch denktt an da—
zrozessieren.
Die hopsende Zunge. Von einem ehemarnigen Par
amentsberichterstatter des österreichischen Abgeordneten—
auses, Herrn August Angenetter, ist im Verlag Brau—
züller (Wien) ein lustiges Büchlein erschienen, eine
zammlung von Redeblüten, denen es zu danken
»ar, wenn die Monotonie langwieriger Redenn, durch
eitere Augenblicke unterbrochen wurde Wir lassen hier
inige Stichproben aus dieser Sammlung nach einer
luswahl des „Ertrablat'es“ folgen.
Das ist ein Kuckucks e i, das der zweischwänzige
2Nöwe hinterrücks ins deutsche Nest gelegt hat.
„Es ging ein Kamel im Syrerland, — führt
inen Mann am Halijterband!“ So, meine sehr geehr—
en Herren, kommt mir das Abgeordnetenhaus im Ver—
ältnis zum Ministerpräsidenten vor.
Wir müssen unser Hauptaugenmerk darauf richten,
ie Kasseubestände fruchtbringend zu ver geuden.
Dieses Vorgehen erinnert mich an das Bild einer
z„chlange, die sich selbst aufsrißt, so daß nur ihr
zchwanz übrig bleibt.
Auch ich war einst ein Lehrjunge, der von seinem
Lehrmeister und den Gesellen bis zur totalenVer—
»lödung geschlagen wurde.
Der jetzige Kultus- und Unterrichtsminister ist ein
MNann, dessen linke Hannd nie weiß, was die rechte
agt. — —
Ich kaun nicht länger schweigen, ohne einige Worte
u sagen.
Ueber diesen Fall sage ich mit dem berühmten
Z3,oFrates: „Zwar weiß ich nichts, doch möcht ich
illes wissen.“
Auf dem Lande nehmen die Sieuerinspektoren dem
Bauern das letzte zerrissene Hem d aus dem Mund.
Zentnerschwer lastet auf unserer Presse das Auge
es Gesetzes.
Ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft ist die
lufzucht des Viehs, denm auch ich die Ehre anzugehö⸗
en habe.
Was nützt das Fletschen der Zähne, wenn man die—
elben verloren hat.
Der Herr Vorredner möge sich gewissenhaft bei sei—
ier Nase nehmen, dann wird er erkennen, wo seine
üichillesferse sitzt.
Meine Herren! Wenn wir das Vieh schützen,
ann schützen wir auch uns.
Das Geld ist flöten gegangen, die Millionen sind
erschwunden; dann haben wir Schulden gemacht und
ie sind auch verschwunden.
Kein Loch ist zu groß, durch das das goldene Kalb
icht lächelnd hinduͤrchkriechen könnte.
Ju erinnere mich noch sehr genau daran, daß
ur Zeit der Geburt meines Vaters die Ver—
ältnisse in dieser Hinsicht ganz anders waren.
Vieles auf dem Lande ist Zwang, nur die Pro⸗
ultion von Kindern ist kein Zwang. Die steigt stetig.
Ich kenne den Ministerpräsidenten ganz genau. Mis
er einen Hand liebäugelt er mit den Tschechen und
uit der anderen nerlauit er die Deutichen
Der Gebirgsbauer ist nun einmal so mi—
em Rindvieh verwachsen, daß er mit dem—
lben lebt oder zugrunde geht. J
Ich will nun mit kur zeen Worten des lbänge.
en und breiteren ausführen, wie sich die Sach
gentlich verhält.
Wäre Kolumbus nicht nach Amerika gefahren, je
ätte er es trotz seines Eies nicht entdecken können.
Jetzt muß der Ministerpräsident wie Fa ust aus,
ufen: „Hier stehe ich und kann nicht mehr“
—— D — —
2 2 3
die westaustralischen Kannibalen.
Bier schwedische Forscher, unter der Leitung des
ẽthnographen Mjoeberg, traten im Juli 1910 eine Erx—
edition nach den bisher fast unerforschten Gegenden
Lest-Anstraliens an; die Exrpedition ist dieser Tage mit
inem überaus reichen Ergebnis ihrer ethnographischen
ind naturwissenschäftlichen Untersuchungen wieder ir
zchweden eingetroffen. Die zoologische und botanische
lusbeute der Expedition ist sehr wertvoll; am interes
antesten sind aber die zahlreichen Gegenstände — Waj
en, Schmucksachen, Gebrauchsgegenstände, Skelette *
oelche die Erpeditionsteilnehmer von ihren „kannibali
chen Freunden“ der Kimberley-Gegend als Erinnerun
en an ihren dortigen Aufenthalt geschenkt erhalter
aben. Ueber die Kannibalen West-Australiens berichte
iner der Erpeditionsteilnehmer, Herr Laurell, in einen
Stockhosler 8BIDAt.e foIconde iiro GGizehoiten—

nzwischen den Angorpuf“ knallen, ein hübscher Name, der der
Schall gut wiedergibt, nicht wabr, Thoren? Sorast Du für di
hßäste, lieber Konrad?
„Der Keller ist gut versehen“, stammelte dieser verlegen.
„Endlich ein Wort der Anerkennung!“ sagte Koronga,
O, alles spricht von Koronas zärtlichen Sorgen. Ich weiß
virklich nicht, wie ich ausdrücken soll, was ich für Dich fühle“
agte Hermine, indem sie ins Haus gingen, ein solcher Empfang
in solches Paradies mit allem, was das Herz begehrt. Wie
ndankbar mützte ich sein, wenn ich das nicht anerkennen wollte
„Ich bin zweimal nach Samarang gewesen, um alles zu be—
ellen und einzukaufen“, erzählte Korona noch immer unbefangen
nd arglos.
Ich bewundere Deinen echt europäischen Geschmack.
Ja— ich hafse all den indischen Kram. Aber wie ist Konrad
u Dir?“
So wie ich nur wünschen kann: vor unbescheidenen Blicker
teif und kühl, aber wenn wir allein sind. voll Zärtlichkeit und
lufmertsamkeit, noch mehr, als ich selbst nach seinen herzlichen
zriefen erwarten durfte.“
Korona war mehr oder weniger verblüfft; sie wußte nicht.
jas sie davon denken sollte.
„O, wir sind so alücklich, wir verleben so herrliche Flitter
ochen!“ sagte sie und lietz ihr Köpfchen leise schluchzend auf dit
asten des Klaviers sinten.
Niemand börle es als Thoren von Hagen und Konrad, der
lößtzlich den Kopf wandte und ins Zimmer blickte, aber gleich
Aeder achselzuckend in eine andere Richtung schaute; Thoren van
agen aber stand auf und ging, wie von einer unwidersteblichen
kraft getrieben, in das Haus vbinein.
„Fehlt Dir etwas? Vielleicht bin ich unbescheiden, Euer
ertrauliches Beisammensein so zu stören?*
O nein,. durchaus nicht. Thoren!“ sagte Hermelin, gewaltsam
hre Tränen niederdrückend, ich weine vor lauter Rührung und
zlück. Nicht wahr. Korona, erzählte ich Dir nicht eben, wie
lücklich ich mit Konrad bin? O, wenn mein Vater Zeuge meines
zlückes sein könntel“ 86
Konrad börte alles und bebte auf seinem Stubl, aber bart
ackia blickte er nach der andern Seite bin.
„O, Du hast alle Ehre davon, Koronal!“ fuhr Hermelin fort.
enn ohne Deinen Rat, sagte Konrad, hätte er die Freundin
iner Jugend nicht dgebeten, üher das Meer au ibm te

.Australien ist ein seltsamer Weltteil, sast eim
Veli für sich. Das erfuhren wir ja bereits in X
zchule, wo uns der alte Geographielehrer erzötzlte, dat
ie australischen Hunde nicht bellen, und daß die Blat.
er der Bäume umgekehrt sitzen. Jetzt haben wir aber
gesehen, daß nicht nur die Hunde und die Blatter dar
zäume merkwürdig sind: die australischen Megnschen, d.
). die Eingeborenen Westaustraliens, sind es in nod
höheren Grade. Sie ähneln nur wenig Menschen“
venn wir die moderne Auffassung zu Grunde legen;
ielmehr kommen sie der Vorstellung recht nahe, welche
ich die meisten von dem „fehlenden Zwischenglied“ zwi
schen Affen und Menschen gemacht haben mögen. Si
zefinden sich noch im Stadium der Steinaltersmenschen
ZSie bilden noch ihre Pfeilspitzen aus Stein, genau wie
‚wir“ es vor 4 bis 5000 Jahren taten. Sie könner
aber Pfeilspitzen nicht nur aus Stein, sondern auch au⸗
Blas herstellen. Hierin legen sie eine virtuosenmäßig
leschicklichkeit an den Tag. Der Fund einer leerern
Zhiskyflasche ist für den Australneger ebenso erfreulich
ils ob unsereiner plötzlich die — Monna Lisa wieder
ände! Aus der Whisevflasche kann sich der biedere Au
tralneger nämlich ein »gar Dutzend Pfeilspitzen anser
tigen. Das könnte auf eine gewisse Intelligenz der go
islaäühnlichen Eingeborenen Westaustraliens hindeuten
katsächlich kann man bei ihnen eine recht große Intelli
jenz feststellen, wenn diese auch andere Wege einschläg
ls die bei uns üblichen. So kann beispielsweise ein
Australneger sämtliche Angehörigen seines Stammes an
den Fußspuren erkennen, was freilich schon früher be
annt war. Dieses ganz erstaunliche Auffassungsvermö
jen ist auf den unerhörten Kampf ums Dasein zurüd
zuführen, den die Australneger führen müssen. Kein Vol
ruf der Erde hat es nötig, einen so strengen Daseins
ampf zu führen wie diese ins nordwestausiralische Hoch
and aus der reichen Ebene zurückgedrängten Wilden
kierische Nahrung läßt sich im Hochlande schwer finden
jeder Stamm weiß gana genau, wie viel Wild⸗ e
aneryauo jeines Gebiets giot. Alles, was sich regt, und
lles, was da kriecht — Ameisen, Schlangen, Eidechser
ind — die eigenen Kinder — von den Mitgliedern de
dachbarstämme gar nicht mal zu reden —, isi für di
lustralneger ein willkommenes Essen. Jeder Stamnm—
orgt dafür, daß er sich möglichst wenig vermehre. Ei
oas Mystisch⸗religiöses liegt auch den Menschenschlach
ungen zugrunde, die unter den Australnegern häufi
orgenommen werden. Es ist fast unmöglich, die voll—
vahrheit von einem Australneger zu erfahren, wenn es
ch um ein „Festmahl“ handelt, wo Menschenfleisch ser
iert wird. Bei einem Stamm, wo wir Expeditions
eilnehmer verkehrten, war ein junges Paar von einen
dachbarstamm zu Besuch gekommen; die jungen Leut
varen mit der größten Zuvorkommenheit empfangen
vorden; auf dem Nachhauseweg wurden sie aber vor
hren Wirtsleuten überfallen, getötet und — aufgeges
sen! Lügenhaftigkeit, Falschheit und Unzuverlässigkei
ind hervortretende Charaktereigenschaften der Austral
ieger. Man muß sich in Acht nehmen, einem Austral
neger jemals den Rücken zuzukehren, wenn man mit ihn
allein ist; da erwacht nämlich soforl in ihm die Mord
lust. Die Mordbegierde ist ein unwiderftehlicher Trief
der Australneger.“
Interessant ist aber die Feststellung des Herrn Lau
rell, daß es unter diesen „Menschentieren⸗ auch ein«
Art Dankbarkeitsgefühl gibi. Kurz vor dem Aufbruch
rus dem Gebiet des in Frage stehenden Siamms er
lärten die Expeditionsteilnehmer den Wilden, daß sie
hnen nun nichts mehr zu schenken hätten, daß sie aber
ich fteuen würden, wenn die Stammangehörigen ihnen
einige von ihren Waffen und sonstigen Gegenständer
auf den Weg mitgeben wollten. Hierauf erklärte sick
einer der grimmigsten Angehörigen des ganzen Stam
nes sofort bereit, den Schweden Waffen zu geben (es
var gerade derjenige Kannibal, der das erwähnte junge
Paar hatte ermorden lassen), und die Expeditionsteil
iehmer erhielten sodann von sämtlichen hervorragende
en Mitgliedern des Stamms reichliche Geschenke.
Von den NKimberley-Kannibalen haben die schwe
ischen Etpeditionsteilnehmer folgende Definition der
erschiedensten Arten von Menschenfleisch mitbekommen
Einen weißen Mann essen wir nicht so gern; seir
xleisch ist zu salzig; viel besser ist das Fleisch des
chwarzen Mannes; aber köstlicher als alles ander
zleisch ist das Chinesenfleisch!. .“ Chinesen ist des
alb dringend abzuraten, sich nach der Kimberleygegent
Lestaustraliens zu begeben Frki. Ata.

don der Luftschiffahrt.
*Ein neuer Milztäräroplan. Die preu
iische Heeresverwaltung hat den Ankauf einer neuer
zlugmaschine beschlossen, die von den bisher ein zeführ—
en Systemen völlig abweicht und viese inleressaun e Reu—
eiten aufweist. Der Rumpf des Flugzeuges ist in der
form eines Rennbootes gehalten, er ilt born tarpedo
rtig karossiert, nach hinten zu läuf« er allmählich ir
ine breite Dämpfungsfläche aus. Die unere Tragfläche
t bedeutend kleiner als die obere, deren Spanndeit«
3,3 Meter beträgt. Die obere Tragfläche gleicht in der
rorm ungefähbre den heiden Planern kar —

Wir wollen hinausgeden und auf das Wobl des alücklichen
Ebepaares anstotzen!“ Sie trocknete sich die Augen und lächelte
wieder.
Korona aber war still und in sich gekehrt; es überkam sie ein
eiser Zweifel: Herminens heftige Gemütsbewegqung batte ibr die
Augen halb geöffnet.
Man trrank den Champaaner und stieß an. Hermelin lachte
nit einer unheimlichen Glut in den Augen, die Thoren van Hagen
deünostigte. Er. der sonst so lebendig war, blieb wortlos wie
dorona.
Um sieben Uhr kamen die Pferde wieder vor; die Vorreiter
hatten Fackeln m der Hand. Man nahm Abschied; Korona
chloß ihre Schwägerin zärtlich in die Arme, ohne zu bemerken.
vie Hermine bei dieser Umarmung wie vor Abscheu zusammen⸗
uhr.
Die Herren ritten vor, Korona blieb mit Thoren zurück. Wie
zefällt Ihnen Ihre Schwester?“ fragte er ernst.
O, sie ist reizend.“
„Das meine ich nicht; ich möchte wissen, was Sie von ihrem
x*Wbeglück denken? —
„Ein Glück von drei Tagen!“
„Vom Anfang bänagt alles ab.“ ———
Sie scheint ganz alücklich, ein wenig nervöß. Das kenne
ch nicht. ich habe keine Nerven.“
Sie haben wahrscheinlich in Ihrem ruhigen. glücklichen
Leben noch keine Last davon erfahren.“
Rubiges, alückliches Leben? Wie können Sie darüber
rteilen? 86
„Nun, man nennt das Leben glücklich, das keinem Wider
tand begegnet. Ich will nicht behaupten, daß dies gerade meir
Ideal ist, aber das tut nichts zur Sache.“
.Auch das meinige nicht; ich überwinde gern Hindernisse.“
.„Auch wenn es sich um andere handelt?“
„Ich verstehe Sie nicht.“
Ich meine nur, daß Sie andere nicht vor den von Ihner
zesiegten Hindernissen stehen lassen dürfen. Es ist Ihnen ge
ungen, Hermelin zu Ibrer Schwägerin zu machen. Sie freuer
ich über Ihr Werk, aber Sie fragen nicht danach, wie sie sid
abei befindet.“
„Ist denn nicht alles in bester Ordnung?“
Sie hat mir ihr Geheimnis nicht anvertraut, und ich hab
Rarcht nicht das Mecht. ausansfnrechen maß Ro mit En r“ν

m den Enden stärker gehalten aus diese. Der 100pfe
ige Argusmotor ist vorn angeordnet. Die Anordnun—
»er Sitze für Flieger und Passagier ist außerordentlig
equem. Die Steuerung ermöglicht es den Insassen, fig
zegenseitig bei der Führung der Maschine abzulösen
Fast alle Spanndrähte sind vermieden. Die Fläche,
verden durch kräftige Stützen untereinander und mit
»em Fargestell verbunden. Der Doppeldecker wiegt mi
zem Motor 480 Kg. und hat eine Tragkraft von 50
dilogramm. Seine Geschwindigkeit ist auf 90 Km. pri
Stunde festgeseßt.

Statistisches von det
deutschen Arbeiterversicherung
Von tiefgehender Bedeutung für das ganze deuisa
krwerbsleben dürfte die zum großen Teil am 1. Ig
tuar 1912 in Kraft tretende neue Reichsversicherungs
ordnung werden. Mit ihren 1805 Paragraphen bilde
dieselbe in der Geschichte der neueren deutschen Geset
gebung ein hervorragendes Merlmal. Der Werdegan
der neuen Versicherungsordnung war, wie unsern Leser
toch im Gedächtnis sein dürfte, ein außerordentliq
schwieriger. Nach langwierigen, jahrelangen Beratu
gen gelangte die neue Verordnung am 30. Mai 181
das Einführungsgesetz einen Tag später zur Annahme
die Vorschriften über die Invaliden- und Hinterblieb
nenversicherung und die zu deren Durchführung erfso
derlichen Bestimmungen treten bereits am 1. Janune
un Kraft: die übrigen Teile des Gesekes in den Taacu
velche durch laiserliche Verorduung mit Zustimmung de
Bundesrates hierzu festgesetzt werden sollen. Bei dae
zemeinsamen Vorschriften der neuen Versicherungsort
zung ist besonders die jeht staithafie Wählbarkeit de
Frauen auf allen Versteherunugsgebieten hervorzuheben
die Kranltenversicherung umsaßt alle Personen in unte
zeordneter abhängiger Stellung mit einer Arbeitsver
aienstgrenze von 2500 Nark im Jahre. Die Unfallven
icherung umfaßt Angestellie aller Beruse, sowie B—
riebs beamte bis zu einem Jahresgehalte von 5000 M
(bis 3000 Marlh) auch ist die freiwillige Selbstversiche
rung bedeutend erweitert worden. Auch die Invaliden
und Hinierbliebenen-Versicherung hat gegenüber den bis
her geltenden Bestimmungen vielfach Aenderungen er
fahren. Die ganze gewaltige Gesetzmaterie berührt den
nach Handel, Industrie und Landwirtschaft des den
schen Reiches wie selten ein Gesetz des letzten Jah
jehnts. Da die neue Reichsversicherungsordnung anstelln
sämtlicher bisher gültiger Arbeiterversicherungsgesebe
tritt, dürfte es für unsere Leser zweifellos von Inte
resse sein, sich über die Leistungen des letzteren an der
hand amtlichen Materials zu informieren. Wir verwern
en auf unsere beistehende Statistik und bemerken dazu.
olgendes: Nach den Mitteilungen des Reichsversicher.
mgs⸗Amtes umfaßte die Krankenversicherung einschuen
ich Knappschaftskasse) im letzten Berichts jahro (800
13 404 298 Versicherte, davon waren 9 940 583 Man
ger und 3 457 713 Frauen. RNach Abzug der auf rumt
3,4 Millionen zu saanrehen, in andern Versicherungent
oppelt Versicherten umfaßt die Unfallver sicherun⸗
23 707 000 Versicherte; hiervon waren 14 854 000 Man
ner und 8913 000 Frauen. Die Invalidenversicherung
mfaßte 1909 15 444 300 Versicherte, davon 10 707 190
Nänner und 4 737 200 Frauen. Die Einnahmen der
dranlenversicherungen betrugen 1909: 389 686 900 N.
». h. 40 000 000 Mark mehr als im Jahre 1907) M
lusgaben 362 894 200 und das Vermögen 286 358 soot
Nart. Die Unfallversicherung hatie 214 103 900 Maur
kinnahmen, 18 973 700 M. Ausgaben und 310 736 Wr
Nark VBermögen und die Invalidenverstcherung
293 894 000 M. Einnahmen, 209 393 200 M. Ausgaben
ind 1574 111 400 M. Vermögen. Die Anzahl der Kran—
enkassen, deren kleinerer Teil der nenen Reichsversiche⸗
ung zum Opfer fallen wird, beirug 1885: 18 9412, 1900.
23921 und 1909: 23 063. In der Unfallversicherun
varen 658 gewerbliche bhezw. laudwirtjichaftliche Bernieer
zenossenschaften und fiaatliche Ausfuũhrungsbehörder
ätig, während die Invalidenversicherung 21Verfiche
ungsanstalten und 10 zugelassene Kasseneinrichtungen
urchführten. Der untere Teil unserer graphischen De—
tellung veranschaulicht die Seistungen der verschiedenen.
zersicherungszweige im Jahre 1909, die einzelnen zuꝝ
eil recht erheblichen Zahlen sind durch entsprechend grof
chraffierte Felder dargestellt. In einer Sonderdarstel
ing ist die Zusammensetzung der Leistungen gezeigt; «a
er Spitze stehen hier die nicht weniger als 414 173 90
Mark betragenden Beiträge der Arbeitaeber.
GOjähriges Juvitaum der Briesmarke. In de
Veihnachtswoche des Jahres 1851 trafen in den Pof
bureaus der Thurn⸗ und Tarxisschen Postverwaltunged
ersten Sendungen von Postfreimarken ein. Nachdem a
b. April 1850 in Berlin zwischen Preußen und Oeste
reich ein Deutsch⸗Oesterreichischer Postverein, dem sich]
weitere Staaten anschlossen, wurde die Anwendung vor
Marken zur Frankierung der Briefsendungen verfüͤgt.

Wuhe zu verschweigen sucht. aber es ist doch besser, daß Sie e
wissen: Hermine ist tief unglücklich, Konrad baßt sie; ich wei
nicht. ob er ihrer würdig ist, das müssen Sie wissen, aber i
danke dem Himmel. daß ich nicht für diese Kuppelei verantwor
lich bin.“
Korona blickte ihn mit aroßen Angen an. doch vermochte sit
m ersten Augenblick kein Wort hervorzubringen. „Was muß ich
un?“ klang endlich ihre bange Frage.
Sie dürfen sich nicht in den Streit mischen, den sie zu be—
ttehen hat, vielleicht kann sie noch als Siegerin daraus hervor
gehen.“
„Warum liebt Konrad sie nicht? Sie ist so schön, so gut
io ganz anders als alle Mädchen, die er je geseben hat.“
„Konrad hat lieber die Blume, die er selbst wäblt, als de!
Diamanten, der ihm von anderer, vielleicht verhaßter Hand ge
boten wird.“
Ich alaube Ihnen nicht, fie sind sebr glücklich“, versicher
dorona.
„Wie es Ihnen beliebt“, entgegnete er spöttisch.
Sie gab ihrem Pferde die Sporen und verließ Thorens Seit
im neben ihrem Vater zu bleiben. Später am Tisch war sie au
allend blaß.
.Es gebt gut mit den Leutchen“, sagte der alte Herr, augen
weinlich wohlgelaunt, „sie sind fröhlich und quter Dinge.“
„Gott sei Vank!“ dagte Kitty, sichtlich erleichtert.
„Sollte das Stimmen so rasch gebhen?“ iraate Vortias.
Es war nur eine kleine Gesellschaft am Tisch. Vortias un'
Tboren unterbielten sich lebhaft über Kunst und Musik, Koron
aß schweigend da und konnte ihren Blick nicht von Thoren ab
venden. Sie errötete, als er an sie die Frage richtete, ob si
nusikalisch sei. Sie bejahte die Frage, weigerte sich aber, a
iesem Abend eine Vrobe ihrer Virtuosität abzulegen, obscho
Vortias behauptete, daß sie trefflich die Geige spiele. Sie wie
sein Lob unwillig zurück, zeigte sich überhaupt von ihrer schroffst⸗
Seite und entfernte sich bald.
Als sie allein in ihrem Zimmer war, ließ sie sich auf de
Divan fallen und starrte in Gedanken vor sich hin. Ihr treu⸗
Schatten Iteko war ihr gefolgt.
            
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