Von der Luftschiffahrt.
*Ein neuer Flugzeugtyho. . Etrich, der
krfinder der Taube, des bisher erfolgre'ichsten denischen
Flugapparates, hat einen Flugzeugtyp fertiggestellt, dem
r den Namen Schwalbe gegeben hat. Dieses deutsche
Flugzeug ist durch wesentliche Verbesserungen besonders
sur Verwendung im deutschen Heere geeignet und be—
timmt, und den besten französischen vollkommen gleich—
vertig.
Den Mann mit der Oelkanne
vürdigt die New-Yorker Da e in ihrer Num⸗
ner vom 5. Dezember mit folgenden Ausführungen:
Die Dynastie der Rocke sellers ist nunmehr
ꝛxloschen. John ODr. Rockefeller, der Gründer der Dy—
astie, sein Bruder William und alle anderen Ange—
zörigen der Familie sind von der eitung der Stan—⸗
ard Oil Co. von New⸗Jersey, dem von Rechts wegen
uufgelösten amerikanischen Erdöltrust, zurückgetreien,
aachdem die geedee sich dem Spruche des höchsten
gerichtshoses im Lande gefügt und die Selbständigkeit
der von ihr beherrschten 34 Einzelbetriebe in der ame⸗
tikanischen Erdölinduftrie sormell wenigstens wieder her⸗
restellt hat. Der ältere Rockefeller war zu dem Rücktritt
chon vor zwei Jahren bereit, als er den Grund zu der
etzten Rockefeller⸗Stiftung legte. Er und sein einziger
Sohn wollten nur noch ihren zahlreichen, zum Teile
ürstlich dotierten Stiftungen leben, doch hielien sie beide
mis, bis dem Sherman⸗Gesetze Genüge geleistet war.
John D. Rockefeller Senior, der am meisten karikierte
Vann in Amerila, der in allen Zeitungen als de
»agere Gestalt mit der schlichten, kleinen Perücke au
dem Kopfe und dem kleinen Oelkännchen in der Hant
dargestellt wurde, hat sich jetzt vollständig ins Privat
eben zurückgezogen, soweit es ein Privatleben für einen
Dann gibt, der über ein Vermögen verfügt, das auf
nehr als eine Milliarde Dollars geschätzt wird.
Als Mensch ist der ältere John D. Rockefeller viel⸗
eicht der bestgehaßte Mann im Lande, denn er personiizierte
aufs drastischste die ungeheuerlichen Auswüchse,
u denen die ungezügelte Kapitalansammlung und die
rustwirtschaft in den Vereinigten Staaten geführt haben.
krotzdem ist der Mann nicht ohne Verdienste. Es seien
ihm als Verdienst nicht so sehr die großen Stiftungen
angerechnet, mit denen er der Bevölkerung einen Teil
der riesigen Gewinne wieder zuführte, die ihm aus der
Nonopolisierung der Erdölgewinnung zugeflossen sind.
Zein unbestreitbares Verdienst liegt in der erstaunlicher
kntwicklung einer Industrie, die in ihren Uranfängen
var, als Rockefeller, damals ein junger, aber energi—
cher, zielbewußter Mann, sie zu einer Weltindustrie
auszugestalten begann. Es ist nicht von ungefähr, daß
zie Standard Oil Co. aus den kleinen Anfängen der
rsten Oelfunde in Titusville und Oil City sich zu dem
stiesenbetrieb, vielleicht dem größten Betrieb der Welt
entwickelt hat. John D. Rockefeller hat dabei eine be
»eutende Rolle gespielt. Während zur Zeit des Oel—
iebers in Pennsylvania andere Pioniere der jungen
Industrie sich mit dem augenblicklichen Erfolge begnüͤg—
en, schaute Rockefeller danach aus, alles ölhaltige Land
n seinen Besitz zu bringen. Wo immer im Lande Oel
gefunden wurde, waren seine Agenten bei der Hand.
Um das geförderte Rohöl zu reinigen, ließ er es sich
angelegen sein, die tüchtigsten Chemiker und Techniker
u gewinnen. Rohrleitungen in der Ausdehnung von
kdausenden von Meilen wurden von ihm angelegt für
den Transport von Rohöl nach den Raffinerien. Die
Lerwertung der Nebenprodukte, von den flüchtigen Oe—
en, auf denen heute die ganze Automobilindustrie be—
uht, bis zu den dickflüssigen Rückständen, die als Vase—
in und Schmieröl sich den Weltmarkt erobert haben,
ind alles die Ergebnisse von Rockefellers Unternehm—⸗
ingsgeist, in dessen Betätigung er sich stets der besten
echnischen Hilfskräfte zu bedienen wußte.
Allerdings kam es ihm bei seinem rastlosen Stre—
»en nicht darauf an, wirtschaftliche Existenzen zu ver—
nichten, wenn er von deren Dasein eine Beeinträchtig
ing seiner Monopolstellung zu befürchten hatte. „Der
)reißigjährige Petroleumkrieg“, durch den die Standard
Dil Co. das Weltmonopol erobert hat, bildet eine der
nteressantesten Episoden der zeitgenössischen Kulturge
chichte, denn dieser Krieg breitete sich auf die ganze
Welt aus, als es für das amerikanische Erdölmonopol
gzalt, die Konkurrenz der Sunda⸗Inseln und der Oelfel⸗
der in Rumänien und Südrußland matt zu setzen, um
dem amerikanischen Erdöl das Absatzgebiet in Europa
und Asien zu bewahren. John D. Rockefeller und seine
Paladine haben dies alles durchgesetzt, hauptsächlich
durch intensive Konzentrierung aller ihrer Unternehmun—
zen und die enorme Kapitalkraft, welche die Folge der
porausgegangenen Erfolge war.
Fohn D. Rockefeller mit seinen 72 Jahren kann auj
ein tatenreiches Leben zurückblicken. Es war ganz
siicherlich nicht alles gut, noch standen seine Handlungen
mmer im Einklang mit den zehn Geboten. In John
d. Rockefeller, so mild und anspruchslos und gottes—
ürchtig er sich in seinem Privatleben gibt, sahen die
zeitgenossen den am meisten verhaßten Mann im Land.
doch aing es ihm dabei wie Goethes Teufel: Gin Kerl—
3gch glaube, Du bist zu aut für den Jungen, aber ich werde
veiter nichts sagen; Du mußt es erfahren. Sieb mal bier! Es
daß Du schon angezogen bist, daun wird es sich besser
en.“
Auf dem Toilettentisch zwischen den Vuderschachteln und
Riechfläschchen usw. lag ein dunkelblaues, mit goldenen Buch⸗
daben verziertes Etui. Das ist für Dich!“ sagte Korona. indem
ie es Hermine gab.
Für mich?“
FJa. alle unsere Töchter und Schwiegertöchter bekommen
in Geschenk an ihrem Hochzeitstage, Du batt also ein Recht
—EXW&
Site las die Aufschrift: Hermine.“
Mun, machst Du es nicht auf, bist Du nicht neugieria?
dib mal ber!“ Korona öffnete das Etui. und die Sonnen⸗
zrablen brachen sich vielfach in den fein geschliffenen Steinen
ines überaus reichen Schmuckes.
Hermine war zu sehr Frau, als daß ibre Augen nicht bei
dem Anblick all der Diamanten geglänzt hätten. — O Korona,
zas ist zu viel!“ rief sie.
Zu viel! Die dicke, faule Sophie hat es auch bekommen
md die dumme Gans Tutie, und als wir den windbeuteligen
hortias und den schläfrigen Ankeveen in die Familie aufnabmen.
rbielten Kitth und Dolly auch einen solchen Schmuck.“
.Du denkst nicht sebr herzlich von Deiner angeheirateten
Familie“, saate Hermine lachend, „wie wirst Du nächstens von
nir reden?
Du bist ganz anders, mein süßes Blondinchen. Komm, ich
vill es Dir umhängen.“ 3
Auf das schwarze Kleid?“ ec
Ja, warum nicht?“ ——
Beim Fruhnuck — das sieht ja pfauenbaft aus .· —
Papa wird Freude daran baben.“ — *
Und Konrad?“ “
O der! laß mich mal seben!“
Sie stand auf, ohne darauf zu achten, daß sie ihre Frisur
janz wieder in Unordnung brachte und schmückte Herminens
dals. Arme und Ohren mit den glänzenden Brillanten. „Nun
eguck Dich mal in dem Spiegel“, sagte sie Mareuerite. ce
a'est plus toĩ.“
Ciest la fille d'un roi!“ trällerte Hermine.
Beim ersten Ball werde ich für Deine Toilette sorgen,
dermine; ich muß endlich einmal Ehre an einer meiner Schwestern
Arben Kisber soh alles nach mir. das lanaweilte mich ichreck⸗
sen so viele hassen, an dem muß was sein. In spä—
eren Jahren wird man vielleicht einmal anders uͤber
»en Mann mit der Oelkanne denken. *
Vermischtes.
Tausend Mark Belohnung sind von einem Nürn—
herger Fabrikanten auf die Wiederbeschaffung einer
teihe von Juwelen ausgesetzt worden, die ihm vor einigen
kagen auf der Fahrt im D-Zug 40 zwischen Bitterfeld
und Halle aus einer Handtasche gestohlen worden sind.
der Fabrikant hatte sein Abteil, in dem sich sonst nie⸗
nand befand, in der Zeit von 12 bis 51 Uhr mittags
erlassen und entdeckte bei seiner Rückkehr, daß seint
handtasche gewaltsam geöffnet war, und daß aus ihr
zuwelen im Betrage von etwa 20000 Mark ge—
tohlen worden waren. Der Bestohlene wird außer der
zelohnung von tausend Mark für die Wiederbeschaffuncç
»der die Angabe der Spur des Diebes auch den Juwe
ieren oder Pfandleihern, die die Schmucksachen ange
auft oder beliehen haben, die ganze Ankaufs⸗ oder Be—⸗
eihungssumme ersetzen.
Eine drollige Zurechtweisung läßt die Redaktion
zes Altöttinger Liebfrauenboten einem ihrer sehr ver—
hrlichen Leser angedeihen. Dem wird nämlich im Brief⸗
asten mitgeteilt: „Lieber Seppl! Du darfst nicht mehr
chreiben: „Sehr geöhrter Herr Nätakter!“ Ich hab
uch nicht mehr Waschli wie andere Leut.“
Schutzumann Glaußz. Von dem Wilhelmshavener
cchutzmann Wilhelm Glauß, der am 9. d. M. aus dem
ortigen Gerichtsgefängnis entsprang, ist bisher nock
eine zuverlässige Spur gefunden. Man neigt deshalb
u der Annahme, daß es ihm gelungen ist, in das
lusland zu entwischen. Es bestaͤtigt sich, daß die
lufsicht einem ganz jungen Aufseher, der erst wenige
dage vorher den Dienst angetreten hatte, übertrager
oar. Da Glauß den wilden Mann spielte und fürch
erlich brüllte, hatte man zur Dämpfung des Schall—
vollene Decken über die Zellentür gehängt. JInfolgedef
en klemmte sich die Tür ein wenig beim Schließen. Die
en Umstand machte sich Glauß zunutze und steckte zwi
chen Tür und Schwelle eine Zahnbürste, die den ord⸗
ungsmäßigen Verschluß der Tür in der Weise verhin
erte, daß wohl die Zunge des Schlosses vorsprang,
en Einschnitt nicht vollftändig erreichte. Die Tuͤr waͤr
lso nicht vollkommen geschloffen und gab dem starken
d)ruck, den Glauß auf sie ausübte, nach und diin⸗
ch. Allerdings bleibt es noch immer rätselhaft, wie er
eiin gelingen konnte, die eiserne Tür des Gefängnis
rridors und das Oberlicht der Haustür zu passieren
hne daß irgend jemand hiervon ciwas bemerkte. Nich
under auffällig erscheint die Herkunft der vier Mete
ingen Latte, die Glauß zum Uebersteigen der zwe
efaͤngnismauern, der inneren und der äußeren, be
utzte. Daß man auf einen Ausbruch gefaßt sein
iußte, geht daraus hervor, daß Glauß schon bald
ach seiner Einlieferung einen Fluchtversuch machte, der
hm eine ziemlich lange Schramme an der Nase eintrug
Im Laufe der letzten Tage waren in der Glaußscher
ingelegenheit ein Geheimrat vom Polizeipräsidium ir
zerlin, der Oberstaatsanwalt aus Celle und der Erst
z3taatsanwalt aus Aurich in Wilhelmshaven anwesend
Cokales.
Bethlehem zur Weihnachtszeit. Alljährlich, wenr
h in der lieben deutschen Heimat alles in geheimnis
oller Geschäftigkeit rührt, wenn sich der unvergäng
che Zauber der stillen Weihnacht über die Lande brei
t, dann rüstet man sich auch im fernen Palästina zu
ufnahme der zahlreichen Pilger und Touristen. Aus
ller Herren Laͤndern eilen sie in frommer Ehrsurcht ar
ie geweihten Stätten der Christusgeschichte. Die Eisen
ahn Jaffa-Jerusalem befördert täglich große Pilger
uͤge nach der heiligen Stadt. Vor dem Jaffatore Je
usaleins suchen die schmutzigen Araber in lärmender
iderwärtiger Aufdringlichkeit ihre gebrechlichen Fiaker,
hre Reitpferde und zierlichen Esel an den Mann
u bringen. Glücklich derjenige, der dem etwa zwei
ztunden entfernten Bethlehem zu Fuße zustrebt; denn
m Wagen beginnt auf der holprigen Straße eine auj—
egende, lebensgefährliche Galoppfahrt. Jeder Kutscher
ziil des Backschischs wegen der erste in Bethlehem
ein. In lieblicher Schönheit, von warmen Sonnen—⸗
crahlen überflutet, taucht bald die Stadt Davids wie
chutzsuchend an der kahlen Berglehne auf. Ihre weißen,
lachen Steinhäuser leuchten weithin in das fruchtbare,
aber unter der türkischen Mißwirtschaft und der Träg—
jeit seiner Bewohner total verwahrloste Land. Aui
em geräumigen Marktplatze in Bethlehem beginnt ein
zäßlicher Schacher der Eingeborenen mit Reiseandenken:
Zerlmutter⸗ und Olivenholzarbeiten. Nach den vielge—
riesenen weiblichen Schönheiten Bethlehems hält der
remde Reisende vergeblich Umschau, doch sieht man ara—
ische Mädchen und Frauen hier und da in reichgestick—
en, einstmals weiß gewesenen Gewändern, die die ab—
ezehrten Gestalten dürftig umhüllen. In der Geburts—
rche, einem umfangreichen, stark verwitterten Gebäude
omplex, sammeln sich in großen Massen die Pilger.
Nan sinat, betet, opfert und räuchert den ganzen Taa
lich: jeßtt kommst Du an die Reibe, Herminel /
Wenn Konrad es nur will!“ —4
„Immer Konrad!“ J
Ja, was ist natürlicher? Er ist mein Mann.“
Nun ja, das ist schon so — aber — ich will Dir Deine
zllusionen nicht uehmen. Wird der Thor oder Thoren lange
leiben?
„Ich weiß es nicht. Papa hat ibn eingeladen, mitzufahren.
Zat er mit Dir getanzt?“
Nein, meine Karte war schon ganz voll. Ist er liebens⸗
vürdig?“
„Das weiß ich nicht, ich mochte ihn früher gern leiden; er
nar sehr wild, gerade wie ich.
Er kann einen so sonderbar spöttisch ansehen.“
Ja, er ist oft sehr übermütig, aber zu andern Zeiten fast
relancholisch. Er hat seine Mutter früh verloren.“
Ich auch, aber darum schaue ich nicht düster darein.“
*Es war ein trauriger Tod; sie bat sich selbst ums Leben
ebracht.“
„Aus welchem Grunde?“
Ich weiß es nicht; einige sagen, daß ibre Ebe unglücklich
har, andere bielten sie für irrsinnig. Sein Vater aber lebt seit
zner Zeit ganz zurückgezogen; er bat auch einen Selbstmord⸗
ersuch gemacht und trägt noch immer ein schwarzes Halstuch.
dabei ist er sebr streng gegenüber Iwan.“
9 Heitzt der Herr so? Welch sonderbarer Ramel“
.ZJa, wir neckten ihn immer damit; eigentlich hieß er Johann.
voch seiane Mutter, die aus Ungarn oder Rußland stammt, nannte
J———
BRort gerlst.· ι 5
—9* ich mag ibn gerne, er hat ein gutes Herz ·“·
und ich kann die guten Herzen ni
derzen haben alle dummen, ae
ichen Personen; wenn man sonst nichts Gutes sinden kann, jo
vird das aute Herz wie mit den Haaren herbeigezerrt. O. ich
nöchte nicht, daß man mir ein gutes Herz nachsagte“
3 boffe, daß ich es erfabren werde, Korona !
Oabe ich denn so viele Untugenden, ir ei
zergütung gegeben werden muß? Tina, d * ** n
ertia?“ — die leßten Worte in malaiischer Sprache — was
auert es Jangel Mache es nur feit es kleiht sich gleich. pi
ader einen Höhle, in der EChrtistus geboren ist. vVei—
er muß nicht selten die verstärkte türkische Bewachung
treitigkeiten schlichten. Es ist kein schönes Treiben, ein
ublick zum Lachen und Weinen zugleich. Wie wunderbal
ngegen ist ein Christabend auf den Höhen Bethlehems
in zauberischer Pracht des sternenbesäten Nachthimmel—
egen die kahlen Berge Judäas und die nahe Wüst
hweigend da. Das Mondlicht wirft seinen bleicher
ichein auf das friedliche Städtchen mit seinen enger
jassen und auf das olivenumsäumte Hirtenfeld, wo nad
er Legende der Gesang der himmlischen Heerscharer
ruchzend emportönte. Da ragt wie ein König unten
ielen Paladinen der kühne Frankenberg mit dem an
eblichen Grabe des Herodes empor, dort der Berg Mar
lias, der den Anblick der heiligen Stadt Jerusalen
erhüllt. Wie in tiefes Todestrauern scheint das ehe
em so blühende Land mit seiner Jahrtausende alter
zeschichte versenkt, das Land, das einst Moses so sehn
ächtig erschaute und von dessen Fruchtbarkeit ihm Wun
erdinge berichtet wurden. In dieser feierlichen Still«
es bethlehemitischen Weihnachtsabends eilen wohl aud
ie Gedauken des einsamen Beschauers wehmütig nad
er winterlichen deutschen Heimat, und es wird den
remden Wandersmann doch so warm ums Herz. GE
eht im Geiste den geschmückten Tannenbaum in strah
endem Lichterglanze, umgeben von glücklichen Menschen
indern. Und leise vernehmbar klingt es an sein Ohr
Ehre sei Gott in der Höhel“
— —*
—E
Aus ailer Welt.
Gattenmordd In Döbeln in Sachsen wurde
die Frau des Ingenieurs Bauser unter dem Ver—
hacht, ihren Gatten erschossen zu haben, ve r⸗
haftet. Ingenieur Bauer wurde vor fünf Tagen er
schossen ausgefunden und man nahm an, daß Selbst
mord vorliege. Jetzt lenkt sich der Verdacht des Mor
des auf die Ehefrau, die vor einigen Tagen einen Re—
volver in einem Altwarengeschäft in Döbeln gekauf
hatte. Der Revolver lag neben der Leiche.
Opfer des Sports. Aus Reichenau (GGrau—
hünden) wird berichtet: Bei der Abfahrt von der Pe—
rulalpe stürzte eine große Anzahl von Stisahrern ab
Zie wurden schwer verletzt zu Tal gebracht.
Zugentgleisung. Auf der Station Wolkow in
Böhmen entgleifste ein Personenzug. 17 Reisende wur—
den meist leicht verletzt.
Schiffsunglück. In Berck (Frankreich) ist das
rischerboot „St. Joseph“ mit 19 Mann Besatzung auf
zrund gelaufen. Vier Mann wurden über Bord ge—⸗
qh9wemmt und sind ertrunken. Die übrigen mußten meh—
ere Stunden in gefährlicher Lage zubringen. Erst nach
kintritt der Ebbe konnten sie gerettet werden.
Anschlag? Der „Matin“ berichtet aus Toulon
on einer ernsten Entdeckung, über welche strengstes Ge—⸗
zeimnis bewahrt wird. In der dortigen Feuerwerks—
chule wurde bei der Prüfung der Pulvervorräte des
dreuzers „Leon Gambetta“ in einer Kiste eine Streich—
olzbüchse gefunden. Man kann sich nicht erklären, wie
iese in das Pulver geraten konnte und vermutet da—
her. daß man es mit einem Anschlage zu tun habe
Die Zofe steckte ein paar Diamantnadeln in die schwarze
dichte Masse und sagte nur das eine Wort: „Ahis!“ (Fertig.'
Korona stand auf; ihr indisches Morgengewand aus den
unkelroten, schöngemusterten Sarong und einer feinen weiße!
tabaja bestehend, ließ ihre schlanke, wohlgestaltete Figur trefflid
jervortreten; Hermine fand sie noch schöner als am gestrigen Abend
Ihre Gesichtsfarbe hatte den warmen Duft der Achatrose, di
on vielen der Lilie vorgezogen wird, und die dem tropischen
lima am besten Widerstand bietet. Ihre Züge waren fein und
regelmäßig, wenn auch ein wenig scharf. Am meisten aber
esselten ihre Augen, wunderbar tiefe, mandelförmige Augen
vie die Augen Herminens, hinter langen Wimpern verborgen
zie ihre Wangen beschatteten, wenn sie sie senkte; ihr Aufschlac
iber gebieterisch, ganz in Uebereinstimmung mit dem strengen
zug um die Lippyen, der unangenehm berührte, wenn Korona
twas tadelte oder ihren Willen durchsetzen wollte; wenn sie
ber lachte, dann strahlte aus ihrem Blick eine zärtlich schmelzende
Slut und alles, was eben noch hart und ischarf erschien, ver⸗
chwand im Nu und machte einem freundlichen, unwiderstehlich
inziehenden Ausdruck Platz.
Nun lachte Korona, und so wie sie da gegenüber ihrer
Z„chwägerin stand, sie schmückend und bewundernd, trat die
Aehnlichkeit der beiden trotz ihres verschiedenen Temperaments
roch mebr hervor.
Sie schlang den Arm um Herminens Hals und verließ mit
br das Schlafzimmer, um sich zur hinteren Galerie zu begeben.
Da war die ganze Familie am Frühstückstisch versammelt;
Augusts Frau saß vor einem Teller mit Schinken, Gänseleber⸗
zastete und Pfaubeinchen, und diejenigen, die auch den Appetil
hres Mannes zu beobachten Gelegenheit batten, konnten be—
rechnen, welche erstaunlichen Mengen nötig waren, um den großen
vpaushalt zu ernähren. Drei oder vier Kinder bingen um Mamas
Stuhl und schnappten ihr dann die Bissen vom Munde weg.
Frau Guilleaume lag in Anem Schaukelstuhl mit einem
Mädchen auf, dem Schok und einem Knaben, der in eine
Djambufrucht biß, neben sich, und Dolly van Ankeveen lief
nit einem schreienden Kinde, das sie nicht zu berubigen wußte,
hin und her. Kitty Vortias aber, in ihrem indischen Morgen⸗
gewand frisch und allerliebst aussehend, stand vor einem Tischchen
und band Blumen zu einem Strauß; ihr Schwesterchen Margo
at, als wenn sie ihr half, aber hatte weit größere Mühe, ein
aar allerliebste Knaben, die niemand für Vetter und Onkel
salten würde, mit allerlei holländischen und malaiischen Schelt⸗
norten von den Blumen und ihren langen Flechten fernzuhalten
V. F IA, ä ——⏑⏑ S ö —J—
Vien, 21. Dez. Die Heeresverwaltung bereitet
jufs Sicherstellung eines füchtigen Berufsunte
ffizierkorps zwei Geseßesentwürfe vor. 8
ine betrifft die Erhöhung der Löhnung für länger die
iende Unteroffiziere, was mit einem Mehraufwand vos
10. Millionen Kronen verbunden wäre; der zweite ent
ält Bestimmungen für die Zivilversorgun
der Unteroffiziere. Beide Vorlagen sollen beiden Pa—
amenten als Ergänzung zum neuen Wehrgesetz unt
reitet werden.
Paris, 21. Dez. Das „Journal Officiell“ verd
fentlicht einen Erlaß des neuen Oberkommi
sars an der algerisch-marokkanischen Grenze, Va
miser, in welchem es u. a. heißt, daß der Oberkon
nissar seine Weisungen von dem Vertreter Frankreid
in Marokko erhalte und die politische und administrati
Leitung in der Grenzgegend, sowie die Oberaufsicht üb—
ie gesamte Zivil- und Militär-Polizei und die Besat
ingstruppen haben werde. Seine Machtbefugnisse
en dem militärischen Regime unterworfenen Grenzg
genden werde er durch Vermittlung des Befehlshabe
der Besatzungstruppen ausüben.
New-NYork, 21. Des. Nach einer Merxikoer Meldun
der „New-York Times“ ist General Reyes im Stagq—
Ruevo, Leon gefangen genommen wordel
Zapata ist angeblich landesflüchtig.
—
Spreug-⸗Unglück. Auf der in Bau befindliche
Bahnstrecke Nizza⸗Coni wurden bei Nizza durch eine
vorzeitig losgehenden Sprengschuß drei Arbeiter getöt
und vier schwer verletzt.
Schwerer Tod. In Nicolast wurden dur
einen verheerenden Brand die Oekonomiegebäude d
Großgrundbesitzers Dumitrescu eingeäschert. 14 Zieg
leiarbeiter, die im Stalle eines der abgebrannten G6
bäude schliefen, kamen in den Flammen um.
— —
Arbeiterbewegung.
— Streikunruhen. Aus Dundee (England) wi
gemeldet, daß dort ernste Krawalle infolge d.
Streiks der Fuhrleute und Dockarbeiter ausgebroch
sind. Die Polizei mußte mehrfach einschreiten, ohne d
Unruhe Herr werden zu können. Schließlich wurde
300 Mann Militär abgesandt. Der Streik greift au
auf die Fabrikarbeiter über.
—WM— — — o
Gbaus, Hofu Pe
7—c 9— —J— 5 9 4 —9*
— —
—— Garlen⸗/⸗ *
Umsetzen der Zimmerpflanzen. Wenn d
Wachssstum einer Zimmertopfpflanze merklich nachlätzt in
die Färbung der Bläiter blasser umd gelblicher wird, kan
nan annehuen, daß Mangel an Nahrung eingetreten i
ndem die Wurzeln die Erde ausgesogen und erschöpft ha
zen. Eine Abhilfe kann nur durch Verpflanzen geschehen
Man nimmt die Pflanze aus dem Topf, indem mand
uͤnke Hand auf ihn legt, so daß der Stamm oder d
untere Teil zwischen den ausgespreizten Mittelfingern he
usragt, dreht das ganze so um, daß die Krone nach u
len gerichtet wird und stößt mit dem Topfrande einigeme
leicht auf, worauf man mit der rechten Hand den To
abnehmen kann und nun den bloßen Ballen vor sich ha
Der Filz der Wurzeln wird mit einem Messer, rund q
geschnitten, und mit einem spitzen swen lodert mo
zwischen den Wurzeln den übrigen Ballen sorgfältig au
um die nach dem Abschneiden glatt erscheinenden Fläche
vieder rauh zu machen, um so eine innigere Verbindur
nit der frischen Erde zu erleichter. Kranke, an d
raäunlichen oder schwärzlichen Färbung erkennbare Wu
eln sind wegzuschneiden. Der neue Topf muß etwa zw
zentimeter größer sein als der frühere. Das am Bode
efindliche Abzugsloch bedeckt man mit einer Scherbe, br
et darüber einige ge kohlen oder auch Moos aus, brir
arüber eine Schicht — Erde, die man andrückt, se
den Ballen auf, der so hoch stehen darf, daß er etwanr
Zentimeter vom Topfrand überragt wird, —8 n
um Rande herum frische Erde ein, bis der Topf gefü
st und der Ballen festsitzt. Man muß beim Verpflanz
varauf sehen, daß der Ballen noch feucht ist; ist er trode
o nimmt das Wasser beim Begießen nach der Verpfla
zung seinen Weg durch die frische Erde, ohne den als—
Ballen zu durchziehen, worauf die Pflanze vertrodne
nuß. Nach dem Verpflanzen muß man sehr vorsichti
zießen, dagegen desto häufiger überbrausen. Die bej
Zeit zum Verpflanzen ist frühzeitig im Frühjahr, beo
ser neue Trieb beginnt; blühende Pflanzen darf man nia
urz vor dem Aufblühen umpflanzen. Bei Kübelpflanze
intfernt man im Frühjahr die obere Erdschicht und gi
ruun mit Hornspänen oder Blumendünger versetzte Erd
Um buschig wachsende Pflanzen in dem Bestreben de
Entwickelung zu unterstützen, empfiehlt es sich beim Ve—
flanzen, zugleich die Zweige an den Spitzen etwas
ürzen, damit die unteren Augen austreiben und eine let
affere Verzweigung veranlassen.
*
aaue Wolken einer Manila gebüllt; noch einige Brüder ab
oder spielten mit den überall herumkrabbelnden Kindern.
Es war ein lebendiges, fröbliches Schauspiel; alles atme
Besundheit und Jugendkraft.
Ein wenig von der Gesellschaft entfernt stand Vortias u
Bespräch mit Thoren van Hagen, der ihm lächelnd zuhörte, bi
eine Aufmerksamkeit plötzlich durch das Eintreten der beide
Schwagerinnen, die Arm in Arm am GEingange erichienen. al
gelenkt wurde.
Das scharfe Sonnenlicht spielte in Herminens Diamant
ind streute Funken auf die Wand und den Marmorboden,
zaß die Kinder mit lauten Rufen den flüchtenden, zitternde
Brismen nachsprangen, die sie für bunte Schmetterlinge hieltit
ind vergebens zu haschen suchten. Binatang, binatanal Pugo
Tierchen, Schmetterlinge) schrien sie in allen Tonarten.
Haltet Euch still, Ihr dummen Rangenl“ schalt Ankeveen. d
n seiner Ruhe gestört wurde.
.Ein klein wenig von ihrer Lebendigkeit würde Dir nie
chlecht stehen, Schwager“, sagte Korona spottend, und wit
dermine einen Stubl an.
„Ist Papa aus?“ fragte sie, ihre großen Augen über die &
ellschaft gehen lassend.
Natürlichl“ brummte Ankebeen, „der Alte ist so verständi
—XEV mad
daß Du um vier Uhr fertig bist, dann reisen wir ab.“
Ich dachte em ein Uhr? Bei der kurzen Nacht möchte
nein Mittagsschlüfchen nicht entbebrenl“
Margo spielte mit Hermelins Diamanten und fand sie schoͤn⸗
ils die ihrer Schwestern.
Sie passen lecht zu dielem Kleide“, sagte Hermine. .ah
dorona wünschte ...“
Daß Du uns allen damit die Augen blendetest. Das e
Kor gerade ähnlich.“
„O lieber Himmel, Ankeveen, wie liebenswürdig Du ber
bist; gewiß einen Haarbeutel?“ fragte Korona ärgerlich.
Ein herrlicher Cinfal“, sagte Portias nidhts schöner al
der Glanz, der eine junge Frau umgibt. Wobl gerubt, Hermine
Auch Thoren van Hagen hatte sich den beiden genäbert. .
hast Deinen Kräften gestern zu viel zugetraut, Hermelin“, sagte
Hermelin, welch ein Name, aber viel schöner als Herwir
Wie kommst Du daran?“ fragte Korona.«
.Konrad gab ihn mir“, erwiderie sie hocherrötend.
Kourad! O ia! Du keunst ihn noch von Holland er“