Full text : Dudweiler Zeitung

achzug des Expreßzuges von Chicago nachs Milwau⸗
e⸗St. Paul stieß auf den ersten Teil, der durch ein
ignal zum Stehen gebracht worden war. Neun Per—
nen wurden getötet und eine große Anzahl erlitten
zwere Verletzungen.

Serichtszeitung.

Karl Mays Beleidigungsprozeiz. Im Beleidig-—
ngsprozeß des Romanschriftstellers Karl May wider
en Generalsekretär der gelben Gewerkschaften Ve—
i u s, wurde vom Landgericht Berlin als Beruf—
ugsinstanz das freisprechende Urteil des Schöffenge—
chts Charlottenburg vom 12. April 1910 aufgehoben
ebius wurde zu 100 Mark Geldstrafe, im Nicht—
eitreibungsfalle zu 20 IAgen Gefängnis und zur
ragung der Kosten verurteilt.
Spionage. Die Strafkammer in Aurich verur—
ilte den früheren Schutzmann Jaenicke, der von dem
eflüchteten Schutzmann und Spion Glauß verführt, sich
mdiesem Verbrechen beteiligt hatte, wegen vierfachem
hwerem Einbruchdiebstahl zu 334 Jahren Zuchthaus
ud 3 Jahren Ehrverlust, sowie Stellung unter Poli—
iaufsicht
Shinesen vor Gericht. Vor wenigen Wochen hatte
nin einem Zirkus „Wild-West“ als Jongleur ange—
ellter Chinese wegen Gehaltsdifferenzen in Crossen in
nhalt seinen Direktor durch mehrere Schüsse schwer
erletzt. Dieser Tage sollte sich der Chinese vor der
ztrafkammer Naumburg verantworten. Als Dolmetsck
»ar ein anderer im Zirkus angestellter Chinese berufen
»orden. Man sah vor Beginn der Verhandlung die
eiden Landsleute mit wütenden Gebärden aufeinan—
er einsprechen und mit den Händen gestikulieren. Nur
iit schwerer Mühe gelang es dem Vorsitzenden, den
dolmetsch zu besänftigen, der schließlich erklärte, er könne
ein Wort seines Landsmannes verstehen, da dieser eine
indere Mundart spreche, wie er. Man mußte deshalb
en Terniin vertagen. Zum nächsten Termin soll ein
)olmetscher von der Berliner Botschaft berufen werden.
's ist wohl nicht ausgeschlossen, daß die chinesischen
umpanen vor der Verhandlung Berabredet hatten, ge⸗
enseitige Verständnislosigkeit zu markieren, fie haben
ber dabei wohl vergessen, daß es auch Dolmetschen in
)eutichland gibt, die jeden Dialekt verstehen können.

Spiel und Sport.
Lorenz⸗Saldow, die einzige dentsche Mannschaff
1 dem jetzt beendeien New-Yorker Sechstage-Rennen,
aben durch ihr ausgezeichnetes Fahren die gehegten
rwartungen noch weiterübertroffen, und ohne die
hweren Stürze, sowohl von Lorenz, wie auch von Sal—
ow, würden sie dem siegreichen Paare Clark-Fogler
och weene gefährlicher geworden sein. Nach den
zten Nachrichten sollen die schweren Stürze der bei—
en Berliner auf Machinationen der um ihre Position
esorgten Amerikaner zurückzuführen sein, und dies
ürde auch erklären, warum sich Lorenz weigerte, mil
tücksicht auf das Vorgefallene zum Enischeidungskampf
mm die nächsten Plätze mit den fünf außer ihm von
zlark⸗Fogler überrundeten Paare anzutreten. Bei der
roßen Schnelligkeit, über die Lorenz im Spurt ver—
ügt, wäre ihm zum mindesten der Platz hinter Kra—
ner, also der dritte im Gesamtklassement, ficher gewe—
en, während er insolge seiner Nichibeteiligung an den
zchlußrunden von der Rennleitung auf den siebenten
zlatz verwiesen wurde. — Lorenz⸗Saldow hatten zuerfi
urch ihren Sieg im Dresdener Sechstage-Rennen und
ann durch ihr hervorragendes Verhalten gegen Rütt
ztol bei dem letzten Berliner Sechstiage-Rennen die all—
emeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Beide stehen im
lnfang der 20er Jahre und sind seit zirka vier Jah—
en Rennfsahrer

3
Vvermischtes.
Dokumente. Der frühere amerikanische Votschafter
n Berlin Dr. David Jayne Hill hat ein unangeneh—
nes Reiseerlebnis gehabt. Nach einer Meldung der
„Daily Mail“ ist Hill am Tage vor seiner beaösichtig⸗
en Reise aus New⸗York ein Koffer mit überaus weri—
pollen, unersetzlichen Dokumenten im Hotel auf uner⸗
laͤrliche Weise enhen gekommen. Unter anderen ent⸗
ielt der Koffer Briefe, die eine Erklärung für den so
lötzlich erfolgten Rücktritt Hills von seinem Berliner
ßosten hätten bringen können. Hill verschob deshalb
eine Abreise, aber alles Suchen war vergebens, der
doffer blieb verschwunden. Ersft zehn Tage später reifte
zill nach Paris ah und beauftraate den bekannten New
YJorker Advokaten und fruheren Botschafter in London,
Nr. Joseph H. Choate, Himmel und Erde in Beweg,
ing zu setzen, um den verschwundenen Koffer wiederzu—
chaffen. Man kann die Vermutung nicht von der Haud
oeisen, daß diplomatische oder politische Feinde Hills
in dem Verschwinden des Koffers beteiligt seien. Die
dokumente, die der Koffer enthielt, hätten hochstehende
zersönlichkeiten in Washington kompromittieren köunen.
eren Verschulden Hill geopfert worden sein soll.
Amerikanische Edelsteine Obaleich in4

Ste sah verscwommen vor sich eine dicke, indische Vame mil
einem bübschen, aber dummen Gesicht; eine magere Blondine
zie aber genügsam ihre indische Herkunft verriet. zwei hübsch
Brünetten, die einander und Konrad täuschend äbnlich saheX
cin langes aufgeschossenes Mädchen, dem man in Holland
hzier aber rubig drei Jahre weniger geben konnte; von allen
wurde sie mehr oder weniger herzlich geküßt.
Oann kam die Reihe an die Kinder; wie eine endlose, wirre
ditanei hörte Hermine ihre Namen von respektiven Müttern her⸗
eiern. Sie kütßzte und wurde geküßt, sie lächelte und verbeugtt
ich, immer mit dem vagen Bewußtsein, daß dies alles nicht mil
hr, sondern mit einer ganz fremden Hermine vorging.
„Sie werden gewiß etwas Erfrischendes bedürfen, Madame?“
agte eine süßliche Stimme neben ihr.
Hermine sah sich um und erschrak. Eine kleine, verwachsene,
oboldartige Gestalt stand an ihrer Seite. Es war ein Persönchen.
nicht grötzer als ein Kind von zwölf Jahren; der Kopf, der auf
inen größeren Leib zu gebören schien, war tief in die Schultern
jesunken, der Rücken wölbte sich zu einem ansebnlichen Hügel.
vorüber ein Netz von struppigen Locken ausgebreitet war; die
Brust war eingefallen. und das Gesicht machte nicht gut, was
m übrigen an Anmut fehlte. Ein breiter Mund verzog sich
ortwährend zu einem Grinsen, das ein Lächeln vorstellen sollte,
vährend die Augen sich bebarrlich weigerten, vereint zu einew
Punkte zu schauen. Das ganze Persönchen schien ursprünglich
zerechnet zu sein, zu einer mittelmäßigen Länge heranzuwachsen
aber eine böse Fee schien ihr den Kopf eingedrückt zu baben, so
daß alles eine schiefe Richtung nehmen mußte.
Diese Koboldfigur hatte Hermine aus ihrer Betäubung auf⸗
jeschreckt und auf ihren Zügen unwillkürlich einen Ausdruck des
Widerwillens hervorgerufen, doch nur für einen Augenblick, und
im ihren unbewußten Verstoß wieder gut zu machen, sagte sie
o freundlich wie möglich: »O, wenn ich hitten darf, ich füble
nich so matt.“
Das Geschböpfchen entfernte sich, und gleich darauf kam ein
Bedienter in der weißroten Livree der Gerans und präsentierte
br Backwerk und Champagner auf silbernem Teller.
Hermine trank und aß mit Wohlbebagen, zugleich sah sie
ich nach ihrem Manne um. der aber nirgends zu finden war.
Korona stand als Mittelpunkt in einer Gruppe von Herren;
FShoren van Hagen wurde ihr vorgestellt; sie sprach und lachte
röhlich, mit ihrem großen silberfarbenen Fächer spielend. den
—nIæ NDonmter u — ⏑ ⏑αν—

zahre die Ausbeute an Edelsteinen in den Vereinigten
taaten sehr erheblich gesunken ist, umfaßt sie doch
och immer kolossale Quantitäten. Bei Halbedelsteinen
t das nicht weiter sonderbar, so wurden Achat, Onyn
sw. 1150 Pfund, Chrvsopras 1700 Pfund, Jaspis 500
zfund, Rauchtopas 1753 Pfund gesunden. Aber Tür—
ien und Matrix lieferten 16 886 Pfund, also weit über
Tonnen, von Saphir wurden 1062 000 Karat und
ußerdem noch 208 Diamanten gefunden.
Bakterien auf Geldmünzen. Bei dem Hygiene—
mt zu Rom beschwerten sich jüngst mehrere Besucher
er italienischen Ausstellungen über den in den römi—
chen Hotels und Speisewirtschasten verbreiteten Brauch
er Zahlkellner, den Gästen das Geld, das sie nach der
zahlung herauszubekommen haben — mag es sick
un um Metall oder um Papiergeld handeln —, au
enselben Platten oder Tellern zu überreichen, auf die
ann Brot, Obst und anderes gelegt werden, und nicht
wie es z. B. in Oberitalien Sitte ist — auf eigens
ür diesen Zweck zur Verfügung stehenden Meiall—
chüsseln. Die Beschwerdeführer sehen in dieser Art des
jeldreichens eine Gefahr, da sie annehmen, daß da—
urch gefährliche Krankheitserreger verbreitet würden.
die „Tribuna“ berichtet nun, daß das Laboratorium
es Hygieneamts, um festzustellen, ob wirklich eine Ge—
ahr vorhanden wäre, Kupfer-, Nickel-⸗, Silber- und
joldmünzen, die schon lange im Gebrauch und so un—
ruber wie möglich waren, und dazu noch andere Mün—
en, die man längere Zeit zwischen Cholera-, Typhus-⸗,
yphtheriebazillen liegen gelassen hatte, nahm und mii
llen diesen Münzen bemerkenswerte Versuche machte.
Nan stellte unter Zuhilfenahme des Schmutzes, den man
on den Münzen abgekratzt hatte, und der eigens „an—
esteckten“ Münzen Reinkulturen her. Aus den Forsch—
ingen ergab sich, daß die Kupfer-, Silber- und Gold—
nünzen als „steril“ betrachtet werden können, d. h.
aß sie fast keinem Mikro⸗Organismus Unterschlupf ge—
oähren; infiziert zeigten sich nur die Nickelmünzen. Die
Netallstücke, die man mit den Bazillen in direkte Be—
ührung gebracht hatte, waren gleichfalls von allen
Nikro-Organismen befrejt, und auch hier bildeten nun
ie Nickelstücke eine Ausnahme: auf ihnen fand man
soch drei, Stunden nach Beendigung des Versuchs eine
echt arobße Anzahl von Baklerien.
— ———
der neue Kopenhagener Zahnhof.
Vor einigen Tagen wurde einer der größten Bahn⸗
öfe Europas, wenn nicht zur Zeit der groͤßte, eroͤffnet.
ẽäs ist dies der auf unserm Bilde dargeftellte Zentral—
ahnhof in Kopenhagen, welcher mit einem Kostenauf—⸗
zande von mehr als 30 000 000 Mark ⸗rbaut ug
un wu

m. l
)as wichtigste an dieser neuartigen Bahnhofsanlage
it, daß hier eine direkte Verbindung ohne Umsteigen
wischen Deutschland, Schweden und Norwegen ge—
haffen wurde.
Volkswirtschaftliches.
Verfälschungen des Kaffees. Mit Verfälschungen
es Kaffees, die in neuerer Zeit vielfach wahrgenom—
gen sind, beschäftigt sich ein Runderlaß des preußischen
Ministers des Innern. in welchem ausgeführt wird

„Ist Schwester müde?“ fragte die dicke Dame, worin
Zermine Augusts Gattin, die Mutter bon zehn Kindern. zu
rraten glaubte.
Ich bin schachmatt.“ 4
„Dann muß Schwester nur rasch schlafen, sonst werden
ioch krank.“
„Ich glaube auch, daß es besier wäre“, entgegnete Hermine
ichelnd.
„Wollen Sie ruhen, soll ich Fräulein de Geran fragen, ob
ch Sie auf Ihr Zimmer führen dari?“ fragte der dienstfertige
dobold, plötzlich wieder an ihrer Seite auftauchend.
„Wenn Fräulein de Geran darüber zu entscheiden hal, dann
a“, entgegnete Hermine, die trotz ihrer Ermüdung nicht gesonnen
var, die allgemein anerkannte Ueberlegenheit ihrer Schwägerin
hne weiteres einzuräumen.
Die kleine Gestalt schlüpfte rasch davon und war sofort
ieben Korona zu sehbson, die sich von ihrer Höhe niederbeugen
nußte, um flüsternd mit ihr zu verhandeln.
„Was ist das für eine Person?“ fragte Hermine die
dicke Dame. 4
Das ist das Fräulein.“ aet cneertee —
„Eine Gonvernante?“ e mn
„Ja, und zugleich Haushälterin.“
‚„Ach so! Und ich spreche gewiß mit der Trau Angusts?“
„Ja, ich bin Voppie.“
Hermine erinuerte sich nicht, den Namen bei der Aufzählung
nehört zu haben, aber sie fragte nicht weiter nach.
.Dann, sind wir Schwägerinnen; ich heiße Hermine.“
„Ja, ich weiß wohl.“
Gerade kam das verwachsene Faktotum zurück. „Fräulein
e Geran würde es bedauern, wenn Sie schon gingen. Gleich
eht der Ball wieder an, und Sie dürfen nicht vergessen. daß
zie die Oauptperson sind.“
„Ja, ich hatte es vergessen“, antwortete Hermine seufzend,
aber mir scheint, daß allein mein Mann hier zu bestimmen hat.“
Die vier Schwägerinnen saben sich bei diesen Worten be—
utungsvoll an; Hermine war unzufrieden und fühlte Lust, sich
yn ihrer Umgebung zu emanzipieren und ihren Willen durch⸗
isetzen. — „Wo ist Konrad?“ fragte sie.
„Ich weiß es nicht“, saate der Mokoald ich min mal sehen
B—6

5Hãufiger werden geröstete Samen von Hürlsen
rüchten, die den Kaffeebohnen in der Größe, im Aus
ehen und in der Form ähnlich sind, dem gebrannten,
ugemahlenen Kaffee zugesetzt. Bei drei untersuchten
zroben war die Menge der zugesetzten Samen von Hül
ufrüchten verschieden groß, und zwar bestand die ein
ßrobe zu etwa einem Viertely die zweite Probe zur
zälfte, die dritte Probe sogar zu zwei Dritteln aus
ieser fremden Beimischung. Solche Mischungen dürfer
einesfalls unter der Bezeichnung „Kaffee“ in den Ver
ehr gebracht werden. Die Leguminosensamen stellen
in dem Kaffee fremdartiges Naturerzeugnis dar, das
„iesen zwar äußerlich ähnlich, dessen Zusammensetzungç
uind Beschaffenheit dagegen von derjenigen der Kaffee
»ohnen durchaus verschieden ist. Vor allem sind die
deguminosensamen frei von dem in den Kaffeebohner
nthaltenen Coffein, auf welches besonders die anregen
den physiologischen Wirkungen beim Genusse des Kassee
eetränks zurückzuführen sind, so daß schon aus diesen.
zrunde die Beimischung unter den Begriff der Lebens—
nittelfälschung fällt.
Andere Verfälschungen des Kaffees erfolgen veim
hzandel mit Kaffee in gemahlenem Zustande. Insbeson—
ere wird darüber geklagt, daß Kaffee-Ersatzstoffe oder
ßemische dieser mit gemahlenem Bohnenkaffee unter
äuschenden Phantasiebezeichnungen als Kaffeemischun—
jen oder mit einer ganz unzureichenden Deklaration
hrer Beschaffenheit und Zusammensetzung in den Ver—
ehr gebracht werden. Die Berechtigung dieser Klagen
st durch die Prüfung der Aufschriften auf den Packun—
gen einer großen Zahl derartiger Surrogate erwiesen
Z30 wurden in letzter Zeit in sogenannten Bruchkhaffee—
nischungen bis zu 30 v. H. Surrogate festgestellt, und
war vorwiegend Zichorie, Eicheln, Roggen, Rüben,
Feigen und Mais. Einige Proben enthielten neben
jerschiedenen Surrogaten auch noch bis zu 10. v. H.
Zteine, die in der Farbe den Surrogaten glichen und
nfolgedessen nicht ohne weiteres wahrnehmbar waren.
diese Zusätze wurden natürlich beim Verkauf wie au
er Packung vollständig verschwiegen, von einem ein
igen Fall abgesehen, in dem die Tüte einen roten Zet—
el enthielt mit der Deklaration „Perlkaffeemischung mi—
Leguminose glasiert.“
Wenngleich diese Mischungen nicht gesundheitsschäd—
ich sein mögen, sofern es sich um den Zusatz geröste—
ter Samen gesundheitsunschädlicher Hülsenfrüchte han—
delt, so ist doch zu beachten, daß speziell die Lupinen—
amen auch wirksame Alkaloide enthalten, die, falls sie
nicht vorher sorgfältig entfernt werden, unter Umstän—
den gesundheitsschädliche Wirkungen ausüben könnten.
Die mit der Kontrolle des Nahrungsmittelverkehr—
betrauten Stellen, insbesondere die Nahrungsmittelun
tersuchungsämter, werden daher angewiesen, den Kaffee
nerfälschungen erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden

Von der Seenot der „Delhi“.
Der bei Kap Spartel gestrandete Dampfer „Delhi“
ist eins der bestausgerüsteten Ueberseeschiffe der „P.
and O.“Linie. Sein Deplacement beträgt 8000 Ton
tien. Die „Delhi“ wurde von Kapitän Howard von der
öniglichen Marinereserve kommandiert. Howad ist einen
er tüchtigsten Offiziere der „P.⸗ and O.“Gesellschaft
kEr hatte eben das Schiff übernommen. Der Wert der
Barsendungen und Frachten, die sich auf der „Delhi
»efanden, wird auf vier Millionen Mark geschäßt. Es
zesteht wenig Aussicht, das Schiff wieder flott zu be—
tommen. Die „Delhi“ verfehlte infolge von Wolken
brüchen und heftigen Stürmen ihren Weg. Am Tage
vorher sank an der gleichen Stelle, an der die „Delhr
etzt liegt, eine spanische Brigantine mit einer Salz⸗
racht, deren Mannschaft gerettet wurde. Der franzosi
che Kreuzer „Friant“ war das erste Schiff an der Un
jallstelle. Von Gibraltar wurden die ESchlachischiffe
„Venerable“, „London“, „Queen“, die KreuzerEdin—
burgh“. „Weimouth“, das Torpedoboot 93 und der
Admiralitätsschlepper „Energetie“ entsandt, der ein Ret—
tungsboot an Ort und Stelle brachte. Diese, der al—
lantischen Flotte zugehörigen Schiffe sollten Gibraliar
verlassen. Auf die Nachricht von der Strandung deir
„,Delhi“ wurde dieser Befehl zurückgenommen.
Aus den Schilderungen der geretteten Passagiere ist
folgendes zu entnehmen: Der Navigationsoffizier der
Delhi“ verwechselte in dem dichten Nebel die beiden
Leuchtfeuer von Kap Spartel. Das Schiff strandete
hne heftigen Stoß. Eine Panik entstand nicht. Die
Passagiere erhielten die Weisung, sich anzukleiden. Daun
nußten sie an Deck antreten, und es wurden Rettungs⸗
zürtel ausgeteilt. Diese wurden von allen, auch vom
derzog und der Herzogin von Fife und ihren Töchterr
sofort angelegt. Das elektrische Licht wurde nicht aus
geschaltet. Die Damen versammelten sich im Musiksalon,
vo ein Herr Klavier spielte. Die Passagiere beruhig⸗
en sich, pacten ihre Habe zusammen und begaben sick
dann an Deck, wo sie von 3 Uhr bis 10,30 Uhr mor
jens warieten, bis endlich der französische Kreuzer „Fri⸗
int“ erschien. Die Herzogin Luise von Fife und X
amilie blieben völlig ruhig. Einer der Passagier«
henkte einer der jungen Prinzessinnen von Fife einer
zlücksrina und versicherte, dem Besitzer des Ringes

„Ich werde meinen Mann fragen, wie er darüber denkt“
sagte Hermine, deren Blut zu kochen begann.
Die Schwestern kicherten und steckten die Köpfe zusammen.
„Ich will es Fränlein de Geran sagen“, versetzte die Haus—
sälterin in einem Ton, der deutlich zu verstehen gab: „dann bin
ch von der Verantwortlichkeit enthoben.“
„Wir haben noch kein Wort miteinander gesprochen“, klagte
dermine, die da stand, als wenn das ganze Fest sie nichts
nginge.
„Darf ich mich vorstellen, liebe Schwester“, sagte eine wohl—
lingende, aber etwas affektierte Stimme, und Hermine erkannte
n dem Reitkostüm, das ihm sehr gut stand, den Kommandanten
»er Ehrenwache, ihren Schwager Vortias.
Mein Mann!“ sagte Kitty stolz.
„Ja, ich habe das Glück und die Ehre, liebe Frau! Ich
örte, daß Sie musikalisch sind, Schwester Hermine! Ich bete
ie Musik an, ich hatte ihr mein Leben gewidmet, ehe Amor in
»er Gestalt jenes Weibchens da an Ihrer Seite mich meiner
johen Braut abwendig gemacht hat; nicht wabr, meine Harfe?“
Kitty schmiegte sich lächelnd an ihren Mann, der sie umfing;
3 war der erste Beweis von Herzlichkeit, den Hermine in ihrer
teuen Familie jah, er machte auf sie einen augenehmen Eindruck
chien. vie Sousx fsoptt sieer. enlacnete Sermine
ächelnd, „est mag ich das Wort tauunnoren. Ich bin so mudt
Ad Konrad —“ „hat sich noch nicht nach mir umgeehenꝰ, wollte
e sagen, aber sie drängte den Vorwurf auf ihre Lippen zurück
Ich boffe, daß Ihr beide allmählich zwei aleichaestimmte
zInstrumente sein möget“, wünschte Vortias. „es geht nicht so
asch. das Stimmen erfordert viel Zeit, nicht wahr. meine kleine
Figiine, aber wenn man einmal im nämlichen Diapvason stebt,
ann machen einige kleine Dissonanzen und Verschiedenheiten im
r harakler nichts aus, man bringt doch angenebme Harmonien hervor.
——
So spricht er immer“, saate Kitty. indem sie ihrem Manne
inen bewundernden Blick zuwarf.
und die Stimmgabel ist die Liebe und der Gammer Ge⸗
zuld, denken Sie daran. Schwester Hermine!“
Ich werde daran denken“, und die Tränen traten ihr in
ie Augen; fie fühlte sich gleich au diesem Paare mehr bingeaoagen
Is zu den Uebhrigen.
Wenn ich mich nicht täusche, werden wir gut zusammen
immen“, bemerkte Portias, als wenn er ibre Gedanken er
BM — es Du meine iitze TTAb Galson mit

dune rein unhen widerfahren. Die Prinzessin sledb
den Ring an ihren Finger. Die Herzogssamilie wei
erte sich, als erste das Schiff zu verlassen. Ein fran
ösisches Boot nahm ein Boot der „Delhi“, in dem sich
damen und Kinder befanden, ins Schlepptau. Das
Zau riß. Ein zweites Tau wurde geworfen. Kurz vor
Land kenterte das französische Boot. Ein Natrofe er—
rank. Unter großen Schwierigkeiten wurde die her—
zogliche Familie ins Rettungsboot gebracht. Die Damen
ind die Kinder mußten von Bord der „Delhi“ fallen
gzelassen und aufgefangen werden. Die Sturzwellen be—
zannen das Boot zu füllen. Der Herzog und andere
chöpften mit allen Kraͤften das Wasser aus. Kurz vor
der Küste füllte sich das Boot vollständig und sank.
Die Insassen wurden von den Wellen hin und her ge—
chleudert, hielten sich aber dank der Reitungsgürtel über
Wasser. Die Prinzessin Alexandra verschwand für einige
Augenblicke unter den Wellen. Endlich wurden alle In—
sassen ans Land gebracht. Im Leuchtturm erhielten sie
nach einer zwei Meilen langen Wanderung über Fel—
sen trockene Kleider. Der britische Gesandie, der mit
Mauleseln ankam, geleitete die herzogliche Familie nack
Tanger. Von allen Seiten wird dem heldenmütigen
dandeln der französischen Matrosen großes Lob gezollb
Die internativnale Automobil⸗Alpenfahrt. Die
Internationale Automobil-Alpenfahrt, die der K. u. K.
desterreichische Automobil⸗Klub wiederum veranstalten
will, wird demnächst ausgeschrieben werden, nachdem
die Vorbesprechungen jetzt zum Abschluß gelangt sind
Die Fahrt wird wieder als Non-Stop-Fahrt inszeniert
werden, aber unter etwas schärferen Bestimmungen als
in diesem Jahre. Auch die Strecke, die bereits festge⸗
legt ist, weist ganz erhebliche Terrain-Schwierigkeiten
nuf. Die Fährt soil am 16. Juni beginnen und am
1. Tage von Wien über den Semmering, Bruck an der
Muhr, Leoben, Kallwang, Liezen, Radstadt (Tauern⸗
paß), Katschberg, Spittal a. d. Drau, am 2— Tag von
Zpittal über Lienz, Franzensfeste-Sterzing, Meran, Bo⸗
zen nach Madonna di Campiglio über Tiono, Trient,
Levico, Borgo nach Toblach, am 4. Tage von Toblach
über Lienz, Hermagor, Riegersdorf (Wurzenpaß), Tar⸗
bis, Görz nach Triest gchen. Am 5. Tage wird ein
Ruhetag in Triest abgehalten. Am 6. Tage geht die
Fahrt von Triest über Muggia, Capodistria, Sterna,
Nondona, Pirino, Wranja, Mattuglie, Glana, Cori—
enze, St. Peter, Adelsberg, Laibach und am 7. und
etzten Tag von Graz über WVoitsberg, Weißklirchen,
dnittelfeld, Leoben, Vorderberg, Eisenerz, Hieflau,
Lildalpe, Weichselboden, Wegscheid, Niederalpl, Mürz
»a. Kapelle, Gloganitz, Wiener Neustadt nach Wien
* Nm heimischen —
—S — —X D. F —
*»Das Moos inseiner Anwendung zurs
Pflanzenzucht. Unter allen Hilfsmitteln zur Er—
jaltung der Feuchtigkeit und zum Pflanzenschutze dient kei⸗
ies besser als das Moos, wie es in den Wäldern zut
Ztreu gesammelt wird. Und dennoch kennen nur wenige
hartenfreunde dessen Vorteile. Einmal durch und durch
eucht, läßt das Moos nicht leicht wieder das Wasser ver⸗
„unften; nicht so gern faulend als das Laub ist es sehr
zeeignei, als Decke zu dienen, wo es gilt, zartere Pflan⸗
jen vor Fäulnis, Frost und Hitze zu schühen. Ohne eine
eine Moosbedeckung keimt der Same von Aurikeln, Rho—
»odendron, Azaleen u. dal. sehr schwer. Es spielt eine
roße Rolle in der Blumenzucht. Gewisse Stecklinge be—
ourzeln sich viel eher, wenn unter der Erde im Topfe ein
drittel Moos sich befindet, so namentlich Heiden und
ergleichen feine Holzpflanzen. Wenn in trockenen Jahren
eu gepflanzte Obstbäume, auch Linden, Ahorne, Platanen
1. s. w. nicht vorwärts wollen, so bindet man die Stäm⸗
ne mit Moos ein, — sogleich ist geholfen, in kürzester Zeit
vird sich der Trieb zeigen und ununterbrochen fortwach⸗
en. Die frisch ausgepflanzten Sämlinge aller Alzarten
rholen sich, mit Moos bedeckt, innerhalb 24 Stunden,
dährend unbedeckte oft acht Tage trauern und teilweise
urückgehen, wenigstens dürre Blätter belommen, wenn sie
uch noch so feucht erhalten werden. Um den großen Ei—
luß der Moosbedeckung kennen zu lernen, bedecke man v&
uchsweise einige Pflanzen, indem man den Stamm hand—
hoch mit Moos umlegt, z. B. Georginen und dergleichen
yöhere Gewächse, Hortensien ꝛc; man wird überrascht
verden von der Ueppigkeit, welche in kurzer Zeit sich zei—
sen wird. In Gemüsegärten ist das Moos ebenso wirk—
am, besonders als Bedeckung des Bodens um Pllanzen,
velche die Feuchtigkeit lieben, als Kohlarten und dergl.
Ibgesehen, daß weniger begossen zu werden braucht, läßt
as Moos kein Unkraut aufkommen, ein Vorteil, der nicht
enug beachtet werden kann. Kopfsalat, der in seiner Um—
ebung mit Moos bedeckt war, kam 15 Tage früher und
»urde größer als der freistehende. Es ist merkwürdig, daß
as Moos den Boden lockert, denn kein Beet e be⸗
jackt zu werden, das damit bedeckt ist. Unter dem Moos
st die Erde stets feucht und loder, was den Pflanzen sehr
orteilhaft sein muß. Der einzige Einwurf, daß sich mehr
Angeziefer einstellen soll, kann dadurch bekämpft werden,
»aß man starlke Aschenstreuung anempfiehlt. Dagegen wer—
en auch z. B, die Erdflöhe abgehalten. In jeder Jahres—
eit hat der Gartenbesitzer an dem Moos Mittel in der
Hand, seine Lieblinge gegen ungünstige Witterungasein
flüsse zu schützen

unser Schwesterchen auf ihr Zimmer hringen?
„Nein, nein, Kor will es nicht.
O! ich werde sie fragen.“ e
Nein, nicht tun! Weshalb Dich darum bemuhen
Gerade fiel die Tanzmusik ein, und endlich war Konrad ge⸗
zunden; Korona gab ihm den Arm und führte ihn zu Hermelin
So, nun müßt Ihr die Polonäse eröffnen“, sagte sie.
„O willst Du uns nicht entschuldigen“, fragte Hermine, „ich
habe mebr Bedürfnis zu ruben, als zu tanzen.“
„Nach der Polonäse seid Ihr frei.“
Konrad gab seiner Frau den Arm, obne den Ausdruck seine?
Hesichtes zu ändern, ohne ihr ein Wort zu sagen, ohne ibre
Hand fester zu halten, als gerade nötig war. Unmittelbar hinter
hnen schritt Korona am Arme eines viel kleineren Mannes, der
stesident im Distrikt war, worin Ngarungan lag, und der schon
eit verschiedenen Jabren alles mögliche versucht hatte., um das
mbesiegbare Herz der schönen stolzen Korona zu erobern; danr
'olgten Familienmitglieder und Eingeladene, Paar an Vaar.
vährend einzelne, wie Augusts Frau, der alte Herr, Thoren
jan Hagen und der immer beschäftiate Hanskabold sich abseit
niesten.
Ihr Blick folate unaufhörlich dem sonderbaren Brgutpaar
niemand konnte leugnen, daß sie trefflich zusammen paßten,. beid⸗
in strahlender Jugend und schön von Gestalt, aber doch erfüllte
ihr Anblick keinen mit Freude: Sie sah müde und trauria aus
und schleppte sich an Konrads Seite fort, der alle durch sein
flegelhaftes Betragen und sein mürrisches Wesen ärgerte.
„Armes Hermelinchen“, dachte Thoren van Hagen, „wirhl
Du glücklich werden? Ich fürchte, daß Du Dein Glüc um
euren Preis wirst erkaufen müssen.“ Aber unwiderstehlich
wurden seine Augen von Koronas Gestalt angezogen. „Schade
daß sie einen solchen Partner hat“, murmelte er, „ich glaube
daß ich sie noch überragen würde.“
Plötzlich blieb die Braut stehen. Ich kann nicht mehr“
flüsterte sie; der Gedanke, daß sie wie eine Marionettenfigu
auf der Kirmes unter den Klängen einer lauten Musik herum—
gezeiat und von allen begafft und besprochen wurde, war ibr
inigermaßen hinderlich, würde ihr unter anderen Umständen
doch nur ein Lächeln abgenötigt haben. Nun aber kam ein
soffnungsloses Verlangen nach einem einzigen freundlichen Wor!
sinzu. nach einem kleinen Zeichen der Liebe von seiten des
mannee fFir molhon fio Materland und Trorudo norlastor här⸗
            
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