Full text : Dudweiler Zeitung

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vierteljähr⸗
2.25 Mark.

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Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwe Beil agen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweil— Sonntaqsblatt und Heitere Blätter.
4 9 * 2 545, 2 2 —
vbrncken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweile Verantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieil Karl Unterkeller
——— ———— — — —775555777c77 2 —TT « ĩ sch der verlehzte innerhalb 24 Stundea nach dem Unfall in ärztliche
ment isi mit dud M. geger Tad deerch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversi cherunasbant anzuzeigen, auch muß sich der Ver e dr tt
n re d ee aber —e Is Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden. Über die Voraussetzung der Versicherur en die Versicherungebedingungen? Aufschiuß die om Verlage od pon der RurnbergerLcbensre ice ungsbant zu bezet —8
ir. 297. AE Ausgabe ohne Abonnenten-Versicherung Freitag den 15. Dezember 1911. 24. Jheung
uger als die in Tripolis, Albanien oder Mazedonien lieben ist, der heimkehrende Leiter der auswärtige
5 und daß es für vy Türkei von dlhsena a Holitik Rußlands auf die weitere Verfolgung dieser An
seworden. ihr eigenes Haus zu schützen. Man hosft gelegenheit verzichtet.
edoch noch, daß dies durch Verhandlungen erreichbar Die führenden Männer Italiens.
ei. In Teheran ist eine merkliche Schwenkung in der — —— — — —
ürkischen Politik eingetreten. Der neue türkische Bot—
chafier wird erwartet, und man wünscht eine Annähe—
rung an England in den persischen Fragen. (Auch in
onstantinopel gehen Gerüchte über gespannte Bezieh—
ungen zwischen der Pforte und der Petersburger Re—
gierung um. Eines dieser Gerüchte, das dem „B. T.“
bon dessen Konstantinopeler Korrespondenten nur unter
allem Vorbehalt übermittelt wird, will wissen, daß
Rußland das Odessaer Armeekorps mobilisiert habe.
Wir nehmen hiervon ebenfalls nur mit der nötigen
seserve Notiz. Der Hinweis der Teheraner „Times“
depesche auf die Möglichkeit, die Lage durch Verhand
ungen zu bessern, zeigt in jedem Falle deutlich, wor
uf Rußland hinaus will. Es hat bei den Dardanel
nverhandlungen den Türken Kompensationen an der
irkisch-persischen Grenze, eben im Gebiete des Urmia—
ees, augeboten, die abgelehnt worden sind. Die Trup
enzusammenziehungen, von denen berichtet wird, diener
ffenbar dem Zweck, auf die Türkei einen Druck aus
uüben, um sie zu einem Widerruf ihrer Dardanellen
bsage und neuen russisch-türkischen Vereinbarungen übern
ie von Türken bewohnten Teile Perstens gesfügig zu
uachen. Die Red

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Petitzeile 10 Pfg.
hei auswärtigen
16 Pfg. Rekla⸗
nen die 1spaltige
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Zur Marokkorage.
Dienstag Nachmittag 2 Uhr begann in der frau
ösischen Kammer die Debatte über das deutsch⸗-franzö
ische Marokko-Abkommen. Es sind 31 Redner der ver
schiedenen Parteien eingeschrieben. Außerdem werden
das Wort ergreisen der Vorsitzende und der Berichter—
talter des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten.
Pon Seiten der Regierung wird die erste Rede der
Ninister des Aeußern, de Selves, über das Ab
sommen im allgemeinen halten. Sodann wird der Ko
lonialminister Lebrun über das Kongo-Abkommer
eden. Die Debatten dürften 5 Sitzungen beanspruchen
Wegen des Unwohlseins des französischen Botschaf
ers in' Radrid ist die Fortsetzung der französisch
panischen Marokko-⸗Verhandlungen auf nächste Woche
ertagt worden. Die Vermutung liegt nahe, daß
das Unwohlsein lediglich ein diplomatisches ist, wenn
Jleich in Madrid immer hervorgehoben wird, daß die
Jerhandlungen sich bisher im besten Einvernehmen ab
gespielt haben.
„Petit Parisien“ erfährt, die Unterhandlungen zwi⸗
chen Frankreisch und Spanien seien jetzt erst
gonuen worden. Die Hauptpunkte sind noch nicht
rörtert worden.
Zum Krieg um Tripolis.
Italienische Schlappe.
der türkische Kriegsminister veröf
entlicht folgendes Telegramm: Am 2. Dezember liefer
en die türkischen Truppen vor Benghasi den Ita—
ienern, welche zwei Bataillone, eine Eskadron, eine
gebirgsbatterie und zwei Mitrailleusen stark waren, ein
Hefecht. Die Türken hatten einen volleinn Er—
folg. unter den getöteten Italienern befand sich auch
ein höherer Generalstäbler.
Am 3. Dezember unternahmen die Türken eine
neue Attade. Die Italiener ließen wieder zahl—
reiche Tote am Schlachtfeld und wurden gezwungen,
ihre Stellungen gegen die Stadt zZzurüchzuziehen.
Von Benghasi wird nach Rom gemeldet,
daß einige Beduinentrupps sich vor der italienischen
Züdostfront gezeigt hätlten. Unbedeutende Angriffe san—
den auf die Vorposten statt, bei denen die Italiener
eine Verluste hatten.
Von Derna wird gemeldet, daß Admiral Pres—
itero dort von Tobruk eingetroffen sei mit der Mit—⸗
eilung, daß sich bei Tobruk nichts neues zugetra⸗
jen habe. Die Verteidigungsstellung befindet sich in
jollkommenem Zustande und ist von Infanterie und
Artillerie stark besetzt. Die Flieger nahmen wegen zu
tarken Windes bei Derna keine Erkundungen vor.
Der „Matin“ meldet aus Tripolis: Die Unter—
drückung der Unruhen wird auch weiter energisch durch—
geführt. Am Mittwoch ist wieder ein Araber ge—
zaͤngt worden. In Tripolis herrscht rege Tätigkeit
die Kaufleute machen gute Geschäfte. Es heißt, daf
ie italienische Marine-Aktion unmittelbar bevor—
teht. Es wird jedoch nicht angedeutet, welchen Umfang
zie Operationen haben sollen

das Wahlrecht zum Reichstage.
Pählen kann jeder Deutiche, der am Wahl—
e 25 Jahre alt ist, wenn sein Name in der
lerliste steht. Wer also sein Wahlrecht sichern will,
ijch davon überzeugen, daß fein Name in
ählerliste steht. Die Wählerlisten müs⸗
indestens vier Wochen vor dem Wahltage und
enens 8 Tage lang zu jedermanns Einsicht ö 7⸗
ich ausgelegt werden. Es ist also ieder
chtigt, die Listen einzusehen.
der wählt dort, wo er in der Wählerliste einge⸗
t. Jeder Wähler muß dort eingetragen sein,
ir Zeit der Aufstellung der Wählerlisten wohnt.
ahlberechtigt ist, aber nicht in der Wählerliste
uß auf sein Verlangen nachtr äglisch ein—⸗
werden. Der Antrag muß aber in—
lbo8Tagennach Beginn der Anu 8⸗
g der Listen beim Gemeindevor—
mündlichzuProtokoll oder schrift
estellt werden. Der Antragsteller hat die
⸗mittel beizubringen. Die Zugehörigkeit zu einem
Bundesstaat ist auf die Wahlberechtiaung ohne
on der Berechtigung zum Wählen sind nach 83
zahlgesetzes ausgeschlossen:
zersonen, welche unter Vormundschaft oder Kura—
el stehen.
zersonen, über deren Vermögen Konkurs⸗ oder
Fallitzustand gerichtlich eröffnet worden ist und
war während der Dauer dieses Konkurs⸗ oder
gallitverfahrens.
ßersonen, welche eine Armenunterstützung aus öf—
entlichen oder Gemeindemitteln beziehen oder im
etzten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen
aben.
personen, denen insolge rechtskräftigen Erkennt⸗
nisses der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte
entzogen ist, für die Zeit der Entziehung, sofern
sie nicht in diese Rechte wieder eingesetzt sind.
Schulgeldreste, erlassenes Schulgeld, unentgeltliche
eieserung von Lernmitteln für die Kinder, Steuerrück⸗
ande, rückständige Kosten für Krankenhauspflege bilden
einen Grund, einen Wähler vom Wahlrecht auszu—
hließen. Als Armenunterstützung ist auch nicht anzu—
ehen, wenn jemand insolge eines großen Unglücksjalls,
die Feuersbrunst, Ueberschwemmung, Mißernte ꝛc. eine
interstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat.

— — —
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
»Die kurze Visite des dänischen Königs am
zerliner Hofe hat lediglich privaten freund—
haftlichen Charakter getragen. Die Hoffnungen, daf
ieser von der breiten Oeffentlichkeit in Deutschland we—
ig beachtete Besuch eine Schwenkung unserer Nord
iarkpolitik habe einleiten oder gar schon besiegeln wol
en, beruhen auf unbegründeten Kombinationen. Wi
änische König, soweit man weiß, keinen vesonde⸗
ne zu seinem Freundschaftsbesuche hatte, so
iegt auch kein äußerer oder innerer Beweggrund zur
leuderung unserer jetzigen Verwaltungspolitik in der
stordmark vor.

2

N«

Kreta.
* Der Präsident der revolutionären Par—
e i fordert in einer Pro! samation die Bevölke—
ung der Insel auf, den Weisungen der Schutzmächte
—R und Ordnung aufrecht zu erhal⸗
n und die Rechte der Muselmanen zu resvektieren.
Amerika.
* Das Repräsentantenhaus hat mit 300 gegen eine
Ztimme die Resolution Suhze,r angenom mer
ind sich damit für die Aufh'ebung des 1832 ge—
schlossenen rufsischamerikanischen Ver
trages ausgesprochen. Rußland weigerte sich
ekanntlich, die von den Vereinigten Staaten den Juden
usgestellten Pässe anzuerkennen
— — — —
Hof und Geijellschaft.
»* Vom österreichischen Kaiserhofe.
der österreichische Hof hat eine neue peinliche Af
äre: Der Erzherzog Heinrich Ferdinand, der gegen
oärtig 33 Jahre alt ist und Rittmeister im 6. Drago
ser-Regiment war, wurde vom Kaiser ohne Gebühren
eurlaubt. Dder Erzherzog zeigte eine so ausgesprochen
bneigung gegen seinen mililtarischen Beruf und gerie
ehr oft in hestige Konflikte mit seinen Vorgesetzten, da
er Kaiser sich zu dieser radikalen Maßregel entschloß
wie die Wiener Blätter weiter melden, hängt de
sustritt des Erzherzogs Heinrich Ferdinand aus dem
Rilitärdienst damit zusammen, daß der Kaiser ihm nich
zie Bewilligung erteilt hat, ein bürgerliches Mädchen
zu heiraten. Der Erzherzog, welcher der vierte Sohn
des Großherzogs von Toscana ist, wird sich nunmehr
vollständig seinen künstlerischen Neigungen widmen. Er
ist ein tüchtiger Maler, Modellierer und Radierer.

nerz.

*
Nussisch⸗türkischer Konslikt?
der Teheraner „Times“Korrespondent meldet: Es
st möglich, daß wegen Persien eine ernst
ussischttürkische Situation entsteht. Es
ind Gründe vorhanden, anzunehmen, daß die Tür
seiin Kleinasienmobilisäiert, Fünf Ba
aillone stehen an der Grenze mit Salmas als Be—
simmungsort. Rußland gründete jüngst ein Konsulat
a Choi mit einer angeblichen Konsulatswache von 200
Nann; heute wird zugegeben, daß dort 800 Russen mit
ehn Geschützen stehen, und daß weitere Truppen nach
uschlu und dem ürmigsee auf dem Marsche sind. Ir
ärkischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Besetz
ing von Choi die türkische Westflanke umgeht, wozu
ie Türkei niemals ihre Zustimmung geben könne. Es
ird hbehaupiet. dak die Vage in Kleinasien viel wich—

Die Dardanellenfrage.
Die von russischer Seite in einer an sich schon ge—
pannten Zeit plötzlich aufgeworsene Dardanellen—
'rage, die keinem der europäischen Kabinette gelegen
gekommen sein dürfte, scheint nun nicht weiter versolgt
u werden, da der russische Minister des Aeußeren,
Zasonow, während seines Ausfenthaltes in Paris
bestritten hat, daß die russische Regierung die Durch—
sahrt durch die Meerengen für ihre Kriegsschiffe ver—
angt habe, und da andererseits doch feststeht, daß
Tscharykomw, der russische Botschafter in Konstan—
inopel, dieses Verlangen gestellt hat, so liegt die Ver
nutung sehr nahe, daß der Botschafter, der ja in der
ussischen Diplomatie eine hervorragende Rolle spielt,
vährend der Abwesenheit des Herrn Sasanow die Ini
tiative zu dieser Behandlung der Meerengenfrage er—
riffen hat und daß nun, nachdem der Ersolg ausge—

F Anmrate X 5
α
Zur Revolution in China.
Die Friedensverhandlungen.
Tangtschaoyi hatte in Hankau eine Un⸗
lerredung mit dem Rebellenführer Liuen hung. Er
ist nach Schanghai zur Friedensberatung abgereist. Der
Friede auf Grundeiner monarchischen
Verfassung erscheint gesichert.
Tangschaohyi telegraphierte aus Hankau
m Yuanschikai, daß die Aussichten auf eine Ver⸗
ündigung anscheinend sehr günstig seien.
Wie dem „Reuter-Bureau“ aus Port Arthur
gemeldet wird, sind 3356 Russen nach Peking ab—
—
— — —BßäüwSRe—X/»—»—»“, „—“, — — —⏑⏑⏑⏑——⏑— —⏑‘⏑‘[‘—‘ —
schon aufpassen, daß Konrad nicht so wird.“
„Darf ich mich Ihnen vorstellen, gnädige Frau? Mein
Name ist Simons, Suvernumerar — — bitte, bier ist meint
Karter, stotterte der junge Beamte, der endlich den Mut gefunden
hatte, ihr näber zu treten.
Sehr angenehm! Es tut mir leid, daß ich jetzt gerade nach
unten gehe, aber die Reise ist noch so lang, wir baben Zeit
genug, näher miteinander bekannt zu werden.“
Das Kärtchen zusammenfaltend, verabschiedete sie sich mil
rinem gnädigen Nicken und entfernte sich wie eine Königin, die
heute keine Audienz zu geben beliebt.
Alle Wetter!“ sagte der Offizier, der aus der Ferne zu⸗
gesehen hatte, „sie weiß schon recht aut, als Kaffeeprinzeß auf⸗
utreton, aber warum sind Sie auch so eilig, Simons, Sit
sonnten ja warten, bis ich oder van Diteren sie Ihnen vorstellte
Es kann ja doch zu nichts mehr führen!“

* 3*
Eine sonderbare Familie.
Ein Roman aus Indien.
Aber deshalb hätte ich ihn nicht geheiratet, wenn ich ihn
nicht leiden möchte. Ich fand es so bübsch, dak er noch an mich
dachte.“
„Wie alt waren Sie, als Sie ihn zuletzt sahen?“
.Er war zwölf und ich zehn, aber er hat noch das nämlicht
Besicht, wollen Sie einmal sehen?“
Ein Medaillon hervorziehend, zeigte sie der Dame ein hübsches
unkles, aber einigermaßen mürrisches Gesicht.
„Ja, das iit das echte Geraus-Gelicht“, war alles, was Frau
jan Diteren sagte.
Es lofiele mir Muhe, mich zu entsoblichen uund gleich zi
jeiraten. Ich wollte wohl nach Indien reisen, um die Bekaunnt
baft zu erneuern, aber das wollte mein Onkel nicht.“
.Und Ihr Gemahl?“
Der noch viel weniger; ich babe so berzliche Briefe voꝛ
m.“
Ach so!“
Dieser Ausruf klang wie ein Seufzer der Erleichterung.
Und da habe ich mich denn nun eutschlossen. In Holland
ieb mir nach Papas Tode nichts, was mich fesselte.“
Ihre Brüder und Schwesterchen auch nicht?“
O doch! Ich mochte sie gerne leiden, aber was nicht eiger
vird nicht eigen.“
Nun, liebe Frau ... darf ich Hermine sagen? Ich hoffe
ßz Sie mit der Familie Geran recht befreundet werden. Es
nd recht gute Leute. wie ich schon sagen börte, aber etwaẽ
inderbar in mancher Hinsicht.“
.Das finde ich gerade angenebm, ich liebe das gar zu All⸗
liche nicht, aber ich bin froh daß ich Sie bier gekunden bhabe,
be Frau van Diteren, wir sind beide so allein — —“
Sie schwieg und bedachte sich vielleicht, wie gar verschieden
ꝛs Alleinsein war; sie ließ nichts zurück und ging allem ent⸗
gen, während die arme Mutter alles verloren hatte, um drüben
ts zu finden. Dieser Gedanke preßte der Kinderlosen neue
aͤnen aus, und Hermine suchte sie zu trösten und ihren Ge—
inken eine andere Richtung zu geben.
„‚Wie alt ist Ihr Aeltester, wenn ich fragen darf?“
Zehn, und der Jüngfte sechs.“
Sind sie in einem Pensionatꝰ“
4 63 23228 84

— — ö— — — — —
Nach diesen Worten fielen neue Tränen, die kein günstiges
Zeugnis für die Familie des Herrn van Diteren abzulegen
schienen.
„Aber wären Sie denn nicht lieber in Holland geblieben?“
fragte die junge Dame.
Natürlich! Aber mein Mann wollte es nicht — und die
Zinder müssen doch lernen.“
van Diteren hatte endlich seine Frau bemerkt und zu seiner
rößlen Verwunderung sah er sie in eifrigem und vertraulichem
Zespräch mit der jungen Dame, die so sehr die Aufmerksamkeil
uuf sich gezogen hatte. Er trat zu ihnen und sagte zu Hermine:
Madame de Geran de Saint-Paul, nicht wahr?“
Ja, mein Herr!“ gab sie zur Antwort, flüchtig den Kopf
eigend.
Mein Mannl“ flüsterte Frau van Diteren.
Die Gegenwart des Tyrannen, der seine Frau so gewaltsam
on ihren Kindern trennte, schien Hermine nicht sonderlich zu ge⸗
allen; sie wandte ihr stolzes Köpfchen wenigstens unmittelbar
on ihm ab.
„Ich habe das Vergnügen, Ihre neue Familie zu kennen —
ber Frau, höre doch endlich auf mit dem Geflenne vor dem
zräu — ich meine vor der Dame, die doch auch einen schweren
Abschied genommen hat.“
Ich habe keinen schweren Abschied genommen“', sagte Her⸗
nine kühl.
„Mene Frau ist etwas nervös, wissen Sie! Sie kann sich
icht über ihren Kummer hinwegsetzen, aber wo die Notwendigkeit
jebietet, da muß doch alles schweigen; finden Sie nicht?“
Hermine preßte die Lippen zusammen, um nicht zu sagen,
was sie dachte.
Aber Herr van Diteren wollte jemanden finden, der ihm
einer Frau gegenüber recht gab, und fuhr fort: „Unsere Kinder
saben es so gut, wie wenig andere; meine Schwestern werden
hnen eine treffliche, holländische Erziehung geben, und das
zndische, das ibnen von ihrer Geburt und ihrer ersten Jugend
nklebt, wird abgestreift werden: sie besuchen eine ausgezeichnete
Zchule; es wird ihnen an nichts feblen.“
Als an ihrer Mutter!“ konnte Hermine sich nicht enthalten,
azwischen zu bemerken.
.Sie haben nun sechs Mütter statt der einen!“ sagte Herr
an Diteren, im vollen Bewußtsein, etwas sebr Eindruckmachendes
esagt zu haben.
Sechgafe miederholte HGerm-E

 — — ?—
„Ja sechs, die alle Wege meiner Lieblinge überwachen, die
mit der zärtlichsten Liebe für sie erfüllt sind, die sämtlich außer⸗
gewöhnlich begabt sind. Eine meiner Schwestern ist selbsi
Schritstellerin, vielleicht haben Sie ihren Namen, sie schreib
unter dem Pseudonym „Fedora“, wohl einmal gehört.“
„Sie hält ja auch Lesungen über die Frauenfrage.“
Ja, und sie wird das kleine Mädchen ganz nach ihren
Prinzipien erziehen.“
„O so, dann werden diese Theorien zuerst bei Ihrem
Töchterchen probiert?“
Herr van Diteren sah das anmaßende Ding erstaunt an;
Spottlust glänzte in ihren Augen, und ein böswilliges Lächeln
vielte um ihre Lippen.
Wenn Sie erziehen probieren nennen wollen, ja!“
Wenn die Probe nur aut ausfälltl“
Warum sollte sie es nicht, wenn die Theorien gut sind?“
Weil zwischen Theorie und Prarxis ein großer Unter⸗
chied ist!“
Sie scheinen viel Erfahrnng zu haben, Madame!“
Ja, mein Herr! Ich babe viel mit Kindern zu tun gehabt
ber in meinen Theorien habe ich es nie weit gebrachtlꝰ
Aber meine Schwester werden Sie doch nicht —“
Mit mir vergleichen? O nein! Sie hat das Vorrecht, ein
Nenchenleben älter zu sein als ich. Ich habe sie gebört.“
Die lange, eckige Frau mit der scharfen Stimme und ihren
ibertriebenen Forderungen gleicher Rechte für Mann und Frau.—
nit ihrem Männerhaß und ihren pessimistischen Ansichten trat ihn
deutlich vor den Geistt. J
HDdora ist so strenge“, seufzte die arme Mulker, „und be⸗
hjerrscht alle.“
„Nicht so strenge wie die künftige Schwägerin der jungen
dame hier“, bemerkte Herr van Diteren böhnisch, „sie führt das
degiment im Hause Ihres Schwiegervaters, wie man auf ganz
Java weiß. Sie werden eine lästige Schwester finden.
Sie lächelte überlegen und sagte:
.Das macht nichts aus, ich heirate keine Schwägerin und
verde dafür sorgen, daß mein Mann und ich nicht unter ihren
Pantoffel kommen.“
„Ei, wollen Sie das? Na, dann gratuliere icht Komm
Frau, wir wollen mal seben, wie es in der Kaiüte aussiebt
dachher wirst Du wieder seekrank und kannst nichts ausfübre
luf Wiedersehen, meine tapfere junge Dame!“
Welch ein miderlicher Menschl“ dochte Hermine, ich wer

Drittes Kapitel.
Der „Menado“ dampfte unermüdet weiter durch den indischer
zeau.
Im Salon sitzt Frau de Geran an einem der Tisshe und
schreibt. Eine breite Flechte hängt fast bis zu ibren Füßen
nieder, und um ihre Stirn spielt eine Fülle von dunkelblonden
stingellocken; die Seeluft hat ihre Wangen wrisch gefärbt, ohne
aß die Sounne ihre blendendweiße Haut zu bräunen vermochte.
Ein dunkelblauer Morgenrock umschließt ibre schlanke schöne Ge⸗
stalt. Während sie schreibt, glänzen ihre Augen und ein schalk⸗
haftes Lächeln umspielt ihre Mundwinkel.
„Denke Dir, bester Konrad“, so schreibt sie, „der iunge
Mann hat sich in den Kopf gesest, sich in mich zu verlieben; ich
ue, als wenn ich es nicht begreife, und er ist ganz erstaunit
iber den Mangel an Begriffsvermögen. Es ist ein törichter
nabe!l“
Ich weiß nicht, was ich darum gäbe, um mal einen Blid
n Ihr Tagebuch werfen zu dürfen!“ seufzte der oben erwähnte
unge Mann.
„O, das wäre nicht der Mühe wert, Herr Simons!“ saatt
dermine weiterschreibend.
O doch, Ihre innersten Gedanken, Ihre Art und Weise, alles
u sehen und wiederzugeben, das wäre für mich von böchsten
*uteressel“
            
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