em Morde nicht nachgewiesen werden ronnte.
Familiendrama. Der 47 Jahre alte Arbeiter Pön—
iecke in Gomern bei Magdeburg erschoß seine drei
üngsten Kinder im Alter von 11, 7 und 4 Jahren und
erletzte sich dann selbst durch einen Schuß dodlich. In
inem hinlerlasfenen Briefe erklärt er, daß der Gram
iber den Tod seiner Frau ihn zu der Tat getrieben
abe.
Wegen Unterschlagung von 230 000 Mark wurde
der Rechtsanwalt Justizrat Waelcke von der Strafkam—
ner des Altonaer Landgerichts zu drei Jahren Ge—
sängnis verurteilt. Die unterschlagenen Gelder waren
zum größten Teil für milde Stiftungen bestimmt und
em Angeklagten als Nachlaßvollstrecker anvertraut.
Autounfall. Der Wunderdoktor Johannes Spieß—
Birkenfelde, fuhr im' Automobil nach Eichenberg. In
»er Nähe des Ecksteiges sauste der Wagen gegen einen
Baum und wurde vollständig zertrümmert. Spieß schlug
nit dem Kopf gegen den Baum und war sofoct von
Erdstoßz. Aus Ebingen wird berichtet: Tiens—
ag, früh 6 Uhr 15 Min. wurde ein intensiver Erdstoß
erspürt. In verschiedenen Häusern bröckelle »a8 ganze
Uauerwert ab.
Ein Spielernest. Aus Petersourg wird be—
richtet: Großes Aufsehen erregt die Aufdeckung einer
Zpielhölle in der Wohnung eines Beamten des Mim—
teriums des Innern. Die Polizei nahm 20 PVersonen.
dorwiegend Damen fest, die dem Hasardspiel huldigten.
Die Verhafteten gehören sämtlich den besten Gesell—
chaftskreisen an. Leiter des Klubs war ein berüchtig⸗
er Spieler namens Periz.
»Faolgen des Fußballspiels. Im Laufe eines Fuß⸗
ballspieles zwischen dem Fußball-Klub von Roanne und
dem Sportklub von Lyone wurde der Führer der Po⸗
ie Mannschaft durch einen Fußtritt gegen den Kop
getötet.
Schnee. Aus dem Engadin wecden heitige
Schneestürme gemeldet. Im Tessin sist der Verkehr
zurch starken Schneefall erschwert.
Sturm im Kanal. Infolge des starken Sturmes
im Kanal haben sämtliche Dampfer Verspätungen erlit—
en. Auch mehrere Schiffsunfälle werden gemeldet. Un—
er anderem strandete ein Dampfer auf der Höhe von
MNungeneß. Die Mannschaft konnte gerettet werden.
der Kapitän eines anderen Dampfers wurde bei der
kinfahrt in den Hasen von Newhavn von einer Welle
iber Bord gespült und ertrank, da Rettungsboote we—
zen des hohen Seeganges nicht ausgeseßt werden
onnten.
Schiffs⸗Erplosion. Der zwischen Trepert und Lon—
»on verkehrende Dampfer „Hardy“ ginmg infolge einer
kesselexplosion unweit der Küste unter. Ein Matlrose
zieb tot, sechs wurden verletzt; die übrige Mannschaf
onnte sich retten.
Spionage-Prozeß Aus Portsmouth wird
zemeldet: Der Staatsanwalt beabsichtigt, die Verhand—
ung gegen den Kapitän Große wegen Spionage zu
eknde zu führen und Große vor die Assisen zu verwei—
en, da sensationelles Beweismaterial vorgebracht wer—
en würde.
Explosion im Kino. Ueber die Explosion im Lüt—
licher Wintergarten-Kino wird noch berichtet: Der Ver—
dacht scheint sich zu bestätigen, daß ein junger Mann,
der 24jährige Arbeiter Verveck, der in der vordersten
Reihe saß, der Urheber der Erplosion gewesen ist. Ver—
veck, der an den erlittenen Verletzungen inzwischen ge
torben ift, trug keinerlei Erkennungszeichen bei sich
Er weigerte sich, in dem Hause, wo er verbunden woi—
den ist, seinen Namen zu nennen. Die Explosion der
Bombe ist anscheinend durch eine unvorsichtige Beweg
ang vorzeitig erfolgt. Es scheint nämlich, daß die
Bombe ein Uhrwerk gehabt hat und zu einem gegebe
ien Moment erplodieren sollte, aber durch einen Stof
eines durch die Reihen drängenden Händlers zu frült
zur Entzündung gebracht wurde. Eine bei Verveck vor
zenommene Haussuchung brachte keinerlei belastendes
Material zu Tage. Ebenso wenig wurden verdächtige
Bücher und Schriften gefunden. Ein anderer bei der
ẽxrplosion schwer verletzter Mann liegt im Sterben, sec
»aß wahrscheinlich zwei Tote zu beklagen sein werden.
— Dem „Soir“ zufolge hat der deutsche Kaisern
»em König Albert aus Anlaß der Explosion im
Lütticher Wintergarten-Kino in einem Telegramm seir
Beileid über das Unglück ausgesprochen.
Trambahn⸗Unfall. Aus Porto wird gemeldet
haß zwei Wagen einer elektrischen Trambahn in
»en Durefluß stürzten. Die Zahl der bisher festgestell—
ten Opfer beträgt 16 Tote. An 30 Reisende wurder
berletzt. — Eine weitere Meldung besagt: Die in den
Duero gestürtzte Straßenbahn kam von Lei—
koes und enigleiste auf dem Quai Massaroles. Die
Verunglüchten sind mit Hilse der Feuerwehr geborgen
worden. 14 Leichname, darunter von zwei Frauen
vurden aus dem Wasser gezogen. Die Bevölkerung
eigt gegen die Straßenbahngesellschaft eine drohend
altung. Die Bureaus und Wagenschuppen müsfen mili—
irisch bewacht werden, um Ausschreitungen der Volks—
nengen zu verhindern. Der Unfall wird auf den sehr
hlechten Zustand des Schienenweges zurückgeführt. Ein
arker Regen hatte in einer Kurve von kleinem Durch
resser Sand angeschwemmt, auch fehlte dem Beamten
nie —V— —24 S— —— —8 —B
FGeliebtel“ Dæ *
Is ist mein Ernst,“ veteuerie sie und schmiegte fich an ihn
7 „And Du weißt nichts Gewisses von Deiner Herkunft, mein
lieber Sohn?“
„Nichts!“ versetzte Aswald traurig.
Es war am Abend desselben Tages und der junge Mann
hatte rückhaltslos die traurige Geschichte seiner Kindheit der
Gräfin enthüllt. Diese hatte aufmerkfam den Worten Oswalds
—G ein trauriger wehmütiger Ausdruck malte sich in
en len Zügen.
„Armes, armes Kind!“ flüsterte sie kaum hörbar. Dann
—58 sie dem jungen Mann ihre Hand. „Glaube mir,
mein Sohn, was Du mir soeben erzählt, macht in dem Ver—
ältnis zu meiner Tochter nicht den geringsten Unterschied.
ch gestehe offen, ohne dieses Geheimnis der Geburt sähe ich
ich als Gatten für meine Tochter lieber, aber dennoch ver—
traue ich das Glück meines Kind niemandem lieber an, wie
Dir, und nun wollen wir die Sache nicht weiter berühren.
Ein Mann ist das, wozu er sich selbst aus eigener Kraft macht,
nicht das, was er seiner Geburt und der Stellung seiner El—
tern verdankt.“
„So würde unter Tausenden kaum eine Mutter gespro—
hen haben!“ rief Oswald begeistert aus. „Die meisten Müt—
er würden den „namenlosen Findling“ von der Schwelle
des Hauses jagen.“
Auch, wenn der „namenlose Findlung“ ein hochange—
ehener, berühmter und ein sehr geachteter Mann istz?“ gab
die Gräfin lächelnd zurück. „Und dann erinnert mich die
ßeschichte lebhaft an eine Epifode meiner Jugend. Ich war
ast noch ein Kind, weder verheiratet noch verlobt, als ich
einahe ein kleines Kind adoptiert hätte, das vor der Tüt
meines Hauses gefunden wurde, ebenso, wie Deine ehrenwerte
pflegemutter Dich fand. O, es war ein so hübscher Knabe,
ind ich erinnere mich noch, daß ich lange Zeit über seinen
berlust bitterlich weinte, denn das Kind verschwand ebenso
eheimnißvoll, wie es aufgefunden wurde.“
Oswald zeigte natürlich das größte Interesse für das
ẽrgehen eines Kindes, dessen frühestes Leben so sehr dem
einigen glich, und als Bertina in diesem Augenblick gerade
das Zimmer wieder betrat, baten Beide um eine genauͤe Er—
ählung der Auffindung des Kindes.
Die Gräfin willfahrte dieser Bitte gern sie erzäylte von.
em liebgewonnenen Kindchen und der Kleidimg, die es
etragen.
„Hatte denn das Kind gar kein Erkennungszeichen?“
agte Oswald mit lebhaftem Interesse.
„Ja doch, es trug um den Hals ein goldenes Kettchen
uomem Modai
en sprang und davonlief. Er ist verhaftet worden
die meisten Insassen waren Passagiere des englischer
ampfers „Antonie,“ die in Leixoes an Land gegan
en waren.
Feuersbrunst. Aus New-York wird gemeldet:
der Luna-Park brennt. Ganz Coney Island ist be—
roht. Die ganze Feuerwehr ist aufgeboten. Einzel⸗
eiten fehlen noch. n
Gefjluüchteter Mörder. Siczinski, der Mörder des
Brafen Potocki ist nach einer WMeldung aus New-Yon
u Canada gelandet, sodaß also seine Flucht voll—
ommen qaealückt in
Arbeiterbewegung.
— Das Ende des Streiks. Eine von dem Zentral
erband der Meister und Werkstätteninhaber der Ber—
iner Damen- und Mädchen-Mäntel-Konfekltion einbern.
ene Versammlung beschloß, die Aufhebung des Streikẽ
ind den Eintritt in Verhandlungen mit dem Verband
er Mäntelsabrikanten und zwar auf der Grundlage der
on diesem gemachten Vorschläge. — Der Zeniralver.
and setzt sich sogleich mit den Fabrikantenverbaänder
ns Benehmen.
— Passive Resistenz. Die passive Resistenz der öster—
eichischen Postbeamten steht unmittelbar bevor. Die
Arsache ihres Verhaltens ist darin zu suchen, daß sie
nit der ihnen kürzlich bewilligten Gehaltszulage nicht
ufrieden sind
Von der Lujtschiffahrt.
*Zuverlässigkeitsflug am Ober—
hein. In Baden-Baden tagte die Delegierten-Ver—
ammlung der Südwest-Gruppe des Deutschen Luftfah⸗
er⸗Verbandes, der zur Zeit neun Lufifahrervereine,
»arunter zwei rein aviatische Vereine, angehören. Es
vurde beschlossen, zwischen dem 12. und 27. Mai 1912
zen zweiten deutschen Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein
ibzuhalten, der voraussichtlich folgende Städte berüh⸗
en soll: Baden-Baden, Koblenz, Darmstadt, Frankfurt,
Freiburg, Karlsruhe, Konstanz, Mainz-Wiesbaden, Mar—
urg, Vetz, Neustadt a. H., Saarbrücken, Straßburg,
rier. Die Reihenfolge wird erst später sestgesetzt;
Straßburg ist vorläufig als Anfangsort in Aussicht ge⸗
iommen. Um eine Ueberanstrengung der Flieger nach
en vorjährigen Erfahrungen zu vermeiden, soll die
seranstaltung zerfallen in einen Ueberlandflug um
hrenpreise und in örtliche Wettflüge, für die in der
auptsache Geldpreise ausgesetzt werden. Auf diese
Zeise wird es sowohl geübteren Fliegern, als auch
nfängern ermöglicht, sich an dem Wettbewerb zu be
eiligen. Einige Ehrenpreise sind bereits ausgesetzt.
— ⏑ —
Vermitjschtes.
Die Viktoria auf dem Brandenburger Tore in
herlin ist eine viel umstrittene Dame. Es geht von ihr
ie Sage, daß das Viergespann auf dem 1791deinn
zerlehr freigegebenen Tore ursprünglich nach außen ge⸗
chtet gewesen sei, worauf die Betliner den Witz ge
iacht hätten, daß sie den Sieg gus der Stadt sahre.
achdem die Franzosen das Kunstwerk nach Paris ge⸗
hleppt, die Preußen es aber in den Befreiungskriegen
ieder geholt hatten, sei die Gruppe umgekehrt, mit der
zferden nach der Siadt zu, aufgestellt worden, wie sfie
och jetzt steht. Diese schöne Ueberlieserung scheint aber
um größten Teile auf sehr schlechter Grundlage zu
uhen, denn die Bilder, die uns vom Brandenburger
or vor 1814 erhalten sind, zeigen die Viktoria bereits
a der heutigen Stellung, so namentlich das Bild von
. Berger aus dem Jahre 1797 und eine Abbildung
ie 1805 in Gillys Sammlung gemeinnütziger Aufsäbe
tschienen ist. Lediglich ein, augenscheinlich französischer
tich zeigt die Viktoria mit nach außen gewandten Pfer—
en. Wenn man nicht gerade annehmen will, daß die
reußischen Künstler vor 1814 alle den Fehler began—
en haben, die Vilktoria falsch zu zeichnen, so wird man
lauben dürfen, daß höchstens der Franzose, der viel—
eicht nicht einmal nach der Natur gezeichnet, sich geirrt
at, wenn er nicht sogar durch die Zeichnung Napoleon
hmeicheln wollte. Von der ganzen Geschichte bleibi
Iso nur schließlich der Berliner Witz übrig, daß die
Siktoria vor 1814 den Sieg aus der Stadt gefahren
zabe. Der Witz scheint echt zu sein, und er würde dar—
uuf hindeuten, daß in der Tat vorübergehend die
ruppe auf dem Tore mit nach außen gewandten Pfer
en gestanden hat, daß aber, bald nach der Freigabe
es Tores, die Umänderung bewirkt worden ist, viel—
eicht auf Grund der Spötteleien der Berliner. Lange
jat die Gruppe kaum nach außen gestanden, da Berger
ie schon 1797 in der heutigen Anordnung gezeichne
sat. Uebrigens hat der Siegeswagen noch zu einer
inderen Redensart Veranlassung gegeben. Ehe die
dremser am Brandenburger Tore üblich wurden, stan—
en dort leichte mit zwei bis drei Pferden bespannte
dorbwagen, welche je sechs bis acht Personen zur Be—
örderung nach Charlottenburg aufnahmen. Der Ber
ner sagte von ihnen, daß sie „dem kuppernen Wagen
uf dem Tore nachgebildet seien, nur daß der Kutsche
icht weiblich war. wie beim Siegeswagen. Diese Vor
Oswald sprang erregt von seinem Sitze auf; mit großen,
unruhigen Schritten durchmaß er das kleine Gemach. End⸗
ich blieb er vor der Gräfin stehen.
„War es ein feines, goldenes Kettchen mit einem gol⸗
oenen Medaillon, das mit funkelnden Ruͤbinen besetzt war?“
rief er atemlos.
uvVvuäää * — — — — — * J
Beide Damen blickten erstaunt den erregten jungen Mann
rn.
„Meine Pflegemutter ist im Besitze dieses Medaillons“,
uhr Oswald, noch immer erregt, fort; ich erinnere mich, es
ils Kind oft gesehen zu haben uͤnd hätte gern damit gespielt,
doch, „es sei wertvoll und habs einem Grafen gehört“, wurde
nir anmogtete
räfin Extern war sehr ernst geworden. „Wie heißt
deine Pttere fragte sie endlich. F
en eifer — Lilli Seifer heißt sie.“ 24
ie Gräfin wiederholte den Namen zweimal; er war ihr
änzlich fremd und doch ahnte sie, daß diese Frau im Zuͤ—
ammenhang mit dem Kinde stehen muͤsse, das vor fünfund—
wanzig Jahren geraubt worden war. J
Oswald erhob sich. „Ich muß dem Geheimnis auf den
trund kommen“, gab er vor. „Wollt Ihr jetzt gleich mit
nir zu meiner Pflegemutter kommen? Nein? Danu gehe ich
llein und Ihr kommt morgen früh.“
„Das verspreche ich“, versicherte die Gräfin.
So gern Oswald am ersten Abend bei seiner Braut ge—
lieben wäre, so zog ihn mit aller Gewalt zu seiner Pflege⸗
iutter. War es denn möglich, daß sie die langen Jahre
indurch seine Abkunft gekannt und ihm dieselbe verheimlicht
atte? Woher hatte sie das Medaillon, das sie so sorgsam
ütete, und wer und wo war das Kipd, das der Gräfin da—
nals geraubt worden war? Alle diese Fragen sollte seine
3flegemutter beantworten.
Es war schon spät, als Oswald die Hütte der Bäuerin
rreichte. Die Alte saß mit ihrem Strickzeug vor der Tür
ind arbeitete fleißig.“
„Mutter,“ bat er mit bebender Stimme, „zeig' mir doch
inmal das goldene, mit Rubinen besetzte Medaillon an der
einen, goldenen Kette, das früher einem Grafen gehörtel“
Die Alte ließ entsetzt ihre Arbeit zur Erde fallen.
„Was willst Du damit?“ fragte sie tonlos und erbleichend.
„Wie hieß der Graf, dem das Kleinod gehörte?“ fuhr
)8wald unbeirrt und in strengen Tone fort.
Die Lippen der Alten bewegten sich, ihr Antlitz wurde
eisterbleich, doch sie konnte keinen Ton hervorbringen; dann
hlug sie wild mit den Armen in die Luft, stieß einen herz—
schutternden Schrei aus und fiel wie tht au den Füßen
»8s jungen Mannes
gRünger der Torwagen sind jedenfalls nicht so dauer
saft gewesen, wie der ‚kupperne Wagen“; dafür kostet
hre Benutzung auch nur zwei Groschen.
Künstler-Ausweisungen in Berlin. Seit einiger
Vochen ist in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Frie
enau und anderen Orten ein großer Teil aller Kuͤnst
er aus ihren Aleliers, die sie in der fünften Etage
nune hatten, polizeilich ausgewiesen worden. In Ber
in sollen bereits 400, in Schöneberg 150, in Char
ottenburg 200 Ausweisungsbefehle ergangen sein. In
ierhalb vier Wochen sind aus allen Ateliers die Mö
zel, Teppiche und die sonstigen zu einer Wohnung ge
ignet erscheinenden Gegenstände zu entfernen. Ebens
st ihr Hauswirt veranlaßt worden, binnen gleicher Fris
ille Heiz- und Beleuchtungsanlagen zu entfernen. Bei
en Parteien ist im Verweigerungsfalle eine Straf
son 50 Mark angedroht. Es handelt sich bei diese
lufsehen erregenden Maßnahme durchaus nicht um ein
Lorgehen gegen die Künstler als solche, sondern ledie
ich um dre Durchführung einer Bestimmung baupolizei
scher Natur. Es besteht seit längerer Zeit ein Erlaf
es Ministers der öffentlichen Arbeiten, nach dem de'
auernde Aufenthalt von Menschen in den Räumen der
ünften Etage nicht zulässig ist. Dieser lange Zeit un
eachtet gebliebene Erlaß ist auf irgend einen Vorfal—
in wieder hervorgesucht worden, sehr zum Schader
er Berliner Künstler, die bei der schlechten Versorgung
jerlins mit Ateliers sich jetzt plötzlich an die Luft ge
tzt sehen.
Das Schönheitsmärchen. Ein lustiges kleine?
Närchen weiß eine englische Zeitschrift ihren Leserinner
u erzählen. Eine junge Dame sucht die Hexe auf, di
icht in einer Hütte, sondern in einem funsstöckiger
Nietehause wohnt und an deren Wohnungstür eir
zchild mit der Aufschrift: „Schönheitspflege“ angenagel
st. „Können Sie mich schön machen?“ fragt die jung«
Ddame. Die Here stützt sinnend das Kinn auf die Hant
ind sagt dann: „Für hundert Mark kann ich Sie si
schön machen, daß alle Männer auf der Straße steher
bleiben und ihnen nachschauen.“ Die junge Dame lächel
ein wenig verächtlich, diese Wirkung will heutzutag
richt viel besagen und ist kein Beweis für wirklich
Schönheit. „Für zweihundert Mark,“ fährt die Hexd
ort, „kann ich Sie so schön machen, daß jeder Photo
raph sie umsonst aufnehmen wird.“ Aber die kritische
unge Dame ist noch immer nicht befriedigt und schü
elt den Kopf. Da sagt die Hexe schließlich: „Für drei
„undert Mark aber — und keinen Groschen billiger —
ann ich sie so schön machen, daß Sie auf der gan
Jen Well nie mehr eine Freundin haber
verden.“ Da leuchteten die Augen der jungen Dam
ruf und sie rief aus tiefstem Herzen: FJa, da s wärd
virklich Schönheit ..“*
Der zerstreute Dichter, oder: Man muß sick
zu helfen wissen. Ludwig Tieck schrieb ein
Novelle direkt für die Druckerei. Da meldet ihm Brochk
jaus, er habe zu seinem größten Schreck wahrgenom
nen, wie die unter dem Namen Eugenie eingeführté
dame in den letzten Bogen von ihrem Liebhaber kon
equent Emilie genannt werde. Aber Tieck blieb ruhig
er ließ nur den Geliebten bei passender Gelegenhei
agen: „Teure Eugenie, die ich zuweilen auch Emili
u nennen pflege, du bist mir unter beiden Namer
gleich weri!“ Die Novelle findet sich in einem der äl—
eren Jahrgänge der Zeitschrift „Urania.“
Idyllisches vom englischen Manöver. Eine lustig
kpisode aus den Manövern der englischen Territorials
errät eine englische Zeitschrift. Die Operationen sint
mn vollem Gange. Angenommen ist, daß die „Roien“
n das Land der „Grünen“ eingedrungen sind und wa⸗
ie dort tun sollen, ahnt natürlich keiner der wehrhaf
en Bürger. Eine große Abteilung der „Roten“ mar
chiert schließlich über eine Brücke, um jenseits des
zlusses einen kleinen Trupp „Grüner“ anzugreifen
Nein! nein!“ schreit aufgeregt der Führer der „Grü
ien“. „Hier dürfen Sie nicht drüber, Sie sehen doc
»as Schild an der Brücke.“ „Es ist angenommen, daß
ie Brücke zerstört ist.“ „So, so,“ sagt der Feldherr der
Roten“ grimmig: „Na schön, dann nehmen wir eben
in, daß wir hinüberschwimmen ...“
Chinesischer Humor. In Weichai⸗wei, dem eng—
ischen Pachtgebiete in Nordchina, ist kürzlich eine
Lolkszählung vorgenommen worden. Sie hat die An
vesenheit von 147 177 Personen ergeben, wovon 88
hren Beruf als Bettler, 2 als Zauberer, 3 als Orakel—
rteiler angaben. Bei dieser Volkszählung ergaben sid
iämlich humoristische Erfahrungen, besonders bei der
Jeststellung des Alters der chinesischen Bevölkerung.
Venn den Chinesen nämlich ein Kind geboren wird, se
eißt es ein Jahr alt, und wenn es seinen ersten Ge—
»urtstag feiert, so gilt es für 2 Jahre alt. Sie leilen
oie Jahre ferner in Serien von je 12 ein, und jeden
der 12 Jahre einer Serie geben sie Sen Namen eines
zestimmten Tieres. Alle Kinder nun, die in einem
Jahre geboren worden sind, werden der betreffenden
dierklasse zugezählt. Beispielsweise war das FJabr
876 für die Chinesen ein Rattenjahr, also ist der
janze 76er Jahrgang der chinesischen Bevslkerung der
Rattenklasse ugehöriag. das Fabr 1888 bat dann wmie
smwaido yob die Vhnmächtige auf und trug sie liebevoll
in die Hütte; dort bemühte er sich, sie zum Bewußfein zurück
urufen. Es gelang ihm zwar soweit, daß sie die Augen
vieder öffnete, aber obgleich sie die Lippen bewegte und sich
»emühte, ein Wort zu sprechen, gelang ihr es nicht. einen
don hervorzubringen.
Ratlos stand der junge Mann vor dem Lager der Kranken
Noch nie hatte er seine Hülflosigkeit so bitter empfunden,
als in diesem Augenblicke. Endlich kam ihm der Gedanke—
daß weiblicher Beistand hier allein von Nutzen sei, und die
ülte einen Augenblick sich selbst überlassend, trat er vor die
Zütte und spähte nach allen Richtungen aus. Das Glück
var ihm hold; in der Nähe spieste ein EGnaho dem or schmelt
herbeiwinkte.
„Geh, und hole Deine Mutter!“ rief er ihm zu, ihm
gleichzeitig eine Silbermünze zuwerfend; dann fehrteer in
die Hütte zurück.
Frau Seifer lag noch immer regungslos auf ihrem La—
ger; doch als sie ihren Pflegesohn erblickte, öffnete sie ihre
»luden weiter. und kaum merklich streckte sie ihm ihre zitternde
Oswald kniete vor dein Lager nieder und
och alle Bemühuugen, ein Wort der
uckenden Lippen zu verstehen, waren erfolglos. Frau Seifet
8* augenscheinlich einen Schlaganfall gehabt, der ihr die
Sprache geraubt hatte. Als endlich der Knabe mit seiner Mutter
urückkehrte, sandte er ersteren mit einem Auftrag zu der
Hräfin Extern. Er selbst hoffte im benachbarten Dorfe einen
ürzt zu finden, während dessen er die Kranke der Pflege der
Nachbarin überließ. Aber auch im benachbarten Orte war
kein Arzt aufzutreiben, und nach Verlauf von zwei Stunder
ehrte der sunge Mann müh—- und ratlos in die Hütte zurück.
Gräfin von Extern empfing ihn an der offenen Tür.
Fin Blick in ihr erregtes Antlitz überzeugte ihn, daß sie in—
wischen wichtige Entdeckungen geinacht hatte. Sobald sie
Aie Botschaft erhalten, hatte sie sich bemüht, einen Wager
aufzuspüren, der sie in ganz kurzer Zeit zu Fraut Seifer—
zütte brachte.
„Es ist alles voruber,“ sagle sie tiefbewegt, den sinigen
Mann in die Hütte führend. „Als sie mich säah, erkannte sie
nich, und die Aufregung gab ihr die Sprache wieder. Deine
Iute Pflegerin war mein früheres Kammermädchen, Lilli
nede — vor kaum zehn Minnten starb sie sanft und
riedlich.“
Erst später erfuhr Oswald von der Gräfin die Geschichte
iner Kindheit. die die Sterhende noch vor ihrem Endo ent⸗
üllt hatte.
Lilli Schneider war als sunges Mädchen im Dienst einer
—7707MHJin agomeson dor — ssöoa tr rohon mäWor AL—
der unter dem Zeichen der Ratte gestanden. Vie zwön
Tiere, die zur Bezeichnung der Jahrestlassen dienen,
ind: Ratte, Ochse, Tiger, Hase, Drache, Schlange,
ßferd, Schaf, Affe, Huhn, Hund und Schweind. Man
ann sich denken, wie humoristisch auf die englischen
Lolkszähler diese Vermischung von Zoologie und Sta—
istik gewirkt haben muß, wenn sie hier ein Schweine⸗
ind und dort einen Ochsenjungen zu registrieren hat⸗
ten. Auch die Feststellung des Geschlechtes war nicht
immer ohne Schwierigkeit. Das klingi sehr überraschend,
hat aber darin seinen Grund, daß chinesische Mütte
hren Söhnen gern einen Mädchennamen geben; es is
bei den Chinesen die Annahme verbreitet, daß ein Maäd
hen schwerer zu entwenden sei, als ein Junge.
Spiel und Sport.
Das New⸗Yorker Sechstage⸗-Rennen. Das ame
ikanische Riesenrennen, das letzte auf der altgewohnter
Ztätte im Madison Square Garden, nahm in gewohn
er Weise in der Nacht vom Sonniag zum Montage
Minuten nach Mitternacht seinen Anfang. Das Temp—
ves Rennens war von Anfang an ein sehr schnelles
Die Berliner Lorenz-Saldow zeichneten fich bei de—
Führung besonders aus und gingen unermüdlich an die
Spitze. Schon die ersten Stunden brachten verschiedene
charfe Vorstöße, deren einem allerdings die beiden
deutschen, sowie die Gebrüder Bedell beinahe zum Op—
er gesallen wären. Um 4 Uhr morgens haͤtte das ge⸗
amte Feld unverändert 103 englische Meilen und 7
zunden zuürückge
Gerichtszeitung.
Die Katze als Branditifterin. Eine eigenarti—
lombinierte Ausrede brauchte vor dem Bromberger
Schwurgericht eine Angeklagte, die sich wegen Brand.
tiftung und Versicherungsbetruges zu verantworiten hat
e. Es handelt sich um die Besitzersfrau Anna Paw.
ak, mit der zusammen ihr Ehemann und der bei ihner
bedienstete Knecht angeklagt war. Alle drei werden ve—
chuldigt, einen Stall und eine Scheune vorsätzlich in
Brand gesteckt zu haben, um die Versicherungssumme
on 6000 Mart zu erhaälten. Aeußerst belastend für
die Angeklagten war der Umstand, daß an verschiede.
nen Stellen der abgebrannten Gebzude das Stroh mi—
Petroleum getränkt war. Als die Frau vor dem Un—
tersuchungsrichter vernommen wurde, erzählte ñe fol—
gende Geschichte: An dem betrefsenden Tage sei ihre
Katze von einem Hunde verfolgt worden das Tier se
in seiner Angst in den Kamm gesprungen, habe fsick
hier den Pelz angezündet und fei dand vor Schmer—⸗
in der Stube herumgerannt. Unglücklicherweise hätter
in verschiedenen Ecken mit Soiriuis getrankie Lapper
gelegen, wodurch Motten vernriebven werden sollten. Die
Lappen seien durch die umherrasende Katze angezünde
worden und so sei der Brand entstanden. Die Ge
schworenen glaubten dieses Märchen aber nicht, son
dern sprachen die beiden Eheleute schuldig. Das Ur—
teil lautete auf je 19 Jahre Zuchthaus,. de—
mitangeklaate Knecht wurde freigesprochen
— — —
Kein Betriepsunfall. Verlehungen beim Mib
agessen sind kein Betriebsunfall. Eine landwirtschaftliche Ar⸗
deiterin hatte sich beim Einnehmen des Mittagessens im
Wohnhause des Arbeitgebers verletzt. Das zuständige
Schiedsgericht wollte einen Betriebsunfall sehen, weil das
Einnehmen des Essens sich als eine Empfangnahme des
Lohnes dargestellt habe. Das Reichsversicherungsamt war
aber der gegenteiligen Ansicht. Wenn das Reichsamt es
nuch für richtig hält, daß die Empfangnahme des Loh—
ies unter Umständen noch dem Betriebe zugerechnel
vird, so hat es doch ständig daran festgehalten, daß die⸗
enigen Verrichtungen, welche die Arbeiter zum Zwede der
Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse vornehmen, im
illgemeinen nicht mehr als dem Betriebe zugehörig an—
jesehen werden. Um eine solche Verrichtung, nämlich das
Finnehmen des Mittagessens, habe es sich hier in er—
ter Linie gehandelt. Die Beziehung der Ärbeiterin zu
em Betriebe ihres Arbeitgebers waren deshalb zurzen
»es Unfalls als gelöst anzüsehen. Sie hatte den Aze
amit beim Betriebe erlitten
7 — 7
GBaenaneren
Selig, wer im Sonnengolde
Durch der Kindheit Gärten schritt!
Bis ans Grab nimmt er die holde
Blume der Erinn'rung mit.
*
In jedes Haus, wo Liebe wohnt,.
Da scheint hinein auch Sonn' und Mond
Und ist es noch so ärmlich klein,
Es kommt der Frühling doch hinein!
*
Der Welt mehr geben, als sie uns gibr,
Die Welt mehr lieben, als sie uns liebt,
Nie um den Beifall der Menge werben
Macht ruhig leben und jelig sterben.
Bewunderung selbst dem Feinde
— Abzutrotzen, das ist süß
—
ich das Beryaltnis zwischen Herrin und Dienerin fast in
Freundschaft verwandelte. Da tauchte plötzlich in der Theater⸗
zruppe ein junger, aristokratischer Herr, Oswald Werther.
ruf, von dem niemand wußte, wer er war und woher er
kam. Es wurde unter den Mitgliederu der Truppe viel hin⸗
und hergemunkelt. Etliche sagten, es sei ein Graf, andere
meinten sogar, ein Prinz, der ein romantisches Leben führen
wolle, aber Gewißheit hatte außer dem Theaterdirektor nie—
mand, und dieser war verschwiegen, wie das Grab.
Die gefeierte Sängerin und der Aristokrat liebten einander
und wurden bald ein Paar. Sie verlebten ein Jahr voller
Glück und Freude, und als der Herr ihnen nach Jaähresfrist
ein Söhnchen geschenkt, schien kein Tropfen im Frendenbecher
mehr zu fehlen. Aber ach! Kein Glück ist auf der Erde voll—
kommen; denn nach kaum vier Wochen raffte ein heftiges
Fieber zuerst den jungen Gatten, dann die glückliche Mutter
don der Seite des armen kleinen Waisen hinweg. Sterbent
vertraute die Sängerin ihr hülfloses Kindlein dem Schutz
der treuen Dienerin an, demselben als einziges Erbe das
goldene Koettchen mit dem goldenen, mit funkelnden Rubinen
besetzten Medaillon umhängend. Lilli versprach, treulich für
das Kindlein zu sorgen, und erleichterte dadurch die lezter
Augenblicke der Sterbenden.
dedoch der Theaterdirektor war schon seit langer Zei—
der erbittertste Feind der treuen Lilli, der sie gern als Gattir
für seinen Sohn, der ein verkommener Mensch war, gehabrt
hätte, Lilli jedoch wehrte jede Annäherung des Elenden zu⸗
ruck, wohl wissend, daß sie sich durch ihre Weigerung Notund
Sohn zu Feinden mache.
Es gelang ihm schon uach wenigen Tagen, sich in der
grausamsten Weise zu rächen; denn so treulich Lilli auch das
Kindlein gehütet hatte, es war eines Tages verschwunden
und die treue Dienerin wußte, daß der Direktor es ihr ge⸗
raubt hatte. Alle verzweifelten Anstrengungen, es wieder —
erlangen, hatten keinen Erfolg, und so verließ Lilli die Theater—
gesellschaft, um in der Welt Veragessenheit für ihren Verluf
zu finden.
So kam Lilli Schneider als Kammermädchen in das Saus
der reichen Erbin Margot von Hachfeld.
Doch der Theaterdirektor mochté wohl die sich selbst auf⸗
erlegte Bürde lästig finden; denn schon nach wenigen Wochen
ibergab er das Kindlein einer vorüberziebenden Zigenner
runne