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Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwe Beil agen:
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Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweiler. Sonntagsblatt und Heitere Blätter.
ernspr.⸗Anschluk Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Dructk u. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Berantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieil Karl Unterlkeller
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eder Abomnent ist mit auo M. gegen Lod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg verichert. Jader Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nürnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Sundea nach dem Unfall in ärztliche
zehandlung begeben. Todesfälle mussen sofort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrack twerden. Über die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß, die vom Verlage od. von der Nürnberger Lebensver sicherungsbank zu beziehesind.
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Nr. 295. Ac.Ausgabe ohne Abonnenten-Versicherung Mitwoch den 13. Dezember 1911. 24. Jahrgang
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Die bürgerliche Linke.
Die bürgerliche Linke scheint im Blockreichstag end—
ültig den Bruch mit ihrer kritischen Haltung zu den
zehr- und Kolonialfragen vollzogen zu haben. Die
lien Schlagworte, mit denen früher der Freude am
lonialen Besitz entgegengearbeitet wurde, sind aus den
ebatten fast gauz verschwunden; nur als gegen unse⸗
en neuen Kolonialerwerb zu Felde gezogen wurde, doe
ih man einige der mißtrauischen alten Bekannten wie
erkehren. Auch hier wird die Zeit lehren, ob ir
irklich ein „krankes Kind“ oder nicht vielmehr einen
ackeren Zuwachs ins Haus bekommen haben. Schließ⸗
ch wird in diesem Reichstag das kraftvolle patrioti⸗
he Gefühl nicht vergessen werden, in dem er sich in
einer letzten Sitzung, ohne Unterschied der Parteien
uͤtn der Regierung dem Ausland gegenüber wieder
usammenfand. Was in all dem inneren Streit und
zader so oft und schmerzlich vermißt wurde, das wurde
ns zum Abschied von diesem Reichstag noch beschieden.
zin klarer, heller und eherner Zusammenklang. Se
efellle sich der Zwang zum Schaffen, den wir im In—
ern nicht entbehren konnten, und der freie Wille zu
ester Selbstbehauptung in allen Stürmen unseres na—
onalen Schicksals.
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Regiernng und Reichstag.
zn ihrem offiziösen Organ leitet die Reichsregie
ing in einem bemerkenswerten Artikel, dem der Reichs—
izler selbst nahestehen dürfte, die Wahlbewegung ein.
s heißt da:
Der Nachfolger Bülows.
„u ihrem Rückblick auf die abgeschlossene Legis⸗
turperiode des Reichstages schreibt die „Nordd. All—⸗
meine Zeitung“ u. a.: Man hat es dem Nachfolger
ülows zum Vorwurf machen wollen, daß er als
r erste Mitarbeiter des vorigen Reichskanzlers zur
eit der Blockpolitik mit der Gegenzeichnung des Fi—
inzreformgesetzes sein neues Amt begonnen hat. Kei⸗
er dieser Kritiker vermochte aber anzuügeben. mit wel—
en anderen Mitteln die Geschäfte des Reiches ohne
e schwersten inneren Erschütterungen über den „toien
unkt“ hätten hinweggebracht werden sollen. Für den
achfolger Bülsws, wer er auch sein mochte, lag eine
viugende Situation vor, bei der die Ausgabe hieß: te
sate best of it. Ihr ist die Regierung in sparsamer
inanzwirtschaft gerecht geworden. Mit Bezug auf die
zängel, die dem Refsormwerke inbezug auf die einzel⸗
in Steuern wie auf ihre Zusammensetzung anhaflten
ogen, kann nicht widerlegt werden, daß die Ver—
jehrung der Reichseinnahmen um mehrere hundert
illionen Mark eine auch nach Ansicht des früheren
sanzlers unaufschiebbare Notwendigkeit war. Tatsächlich
egann mit dem Zeitpunkt des Zusammenhruchs des
ocks bereits der Kampf um die Mehrheit im kommen,
en Reichstag. Aber trotz des Bedürfuuses der Var—
zen, Vergangenes zu rechtfertigen und Künftiges wie⸗
er vorzubereiten, nahm die sachliche Arbeit einen ruhi⸗
en, erfolgreichen Fortgang.
Die Arbeit des Reichstages.
Der Reichskanzler stellte in der ersten Etatsrede
in Streit um Geschehenes den Zwang zum Schajsfen
egenüber. Dieser Zwang, wenn er auch die Parteien
3 versöhnen konnte, setzte sich in tüchtigen Werken
urch.
Die Parteikonstellation, die großen Teilen des
eichstages eine Stellung in das Negative gewiesen,
itten sstets den Charakter des Vorübergehenden, weil
der vielgestaltigkeit unseres Parteilebens in Ver—
ndung mit der Dauer nicht standhalten konnten. Das
achsende Bedürfnis aller bürgerlichen Parteien, den
aterländischen Forderungen ihrer Wähler nicht nur in
reKritik, sondern auch durch die Tat Ausdruck zu
ben, macht die Wiederkehr solcher Konstellationen im⸗
er umwahrscheinlich; es sei denn, daß sie sich in spä—
r Zukunsi in der Zweiteilung unseres gesamten poli⸗
schen Lebens vollziehen sollte, Politisch völlig un—
löglich war es, daß an die Stelle des zusammenge—
rochenen Blocks sofort ein neuer trat, nachdem gerade
e Exklusivität des alten zur Katastrophe geführt hatte.
‚arteipolitisch war allerdings der Wunsch der links⸗
ehenden Parteien begreiflich, daß sich ein solcher der
egierung dienstbarer neuer Block bilden möge, um
egen beide im Hinblick auf, die bevorstehenden Wahlen
ine konzentrierte Opposition inszenieren zu können,
zraktisch mußte diesem Wunsch die Erfüllung versagt
so oft auch das von Herrn von Bethmann—
sweg richtig zitierte Wort des Fürsten Bismard
I goltgegebenen Abhängigkeiten“ unter Entstell⸗
feines Wortlautes und Sinnes als Stütze für eine
‚arteitaktische Fiktion mißbraucht worden ist. Der
zeichskanzler konnte tatsächlich die Geschäfte nur unab—
ingig von den Parteien in dem Sinne führen, daß
nicht den persönlichen Anspruch auf die Gefolgschaft
stimiter Paͤrteien für die Gesamtheit der zu erledi—
uden Arbeiten erhob. Die Sache mußte sich jedesmial
ibft ihre Mehrheit suchen.
Die Arbeitsleistung der Session, die mit wechseln—
n Mehrheiten zustande gebracht wurde, trägt auch nicht
un Stempel eines einseitigen Parteieinflusses. Es gehr
keiner Weise an, diese Session als eine Periode
alitischer Reaktion zu bezeichnen.
dripolis abgingen, wurden wieder zurückberufen, da im
hegensatz zur bisherigen Praxis auch dem Uebertritt
inzelner Offiziere in Zivilkleidung seitens der tunesi⸗
chen Grenzbehörden ein Veto entgegengesetzt wird.
Aus Tunis wird gemeldet: Türkische Of—
iziere, die in einem Automobil die tunesisch⸗tripo⸗
ilanische Grenze in der Nähe von Gabes zu überschrei⸗
en versucht hatten, wurden bei Ben Gardane angehal—
en. Die Offiziere werden nach Frankreich geschickt und
dort interniert werden.
Aus der Türkei.
Auf die Vorstellungen des deutschen Botschafters
hin hat die türkische Regierung die Ausweisung
der Jtaliener aus Smyrna vorläufig rückgängig
Jemacht.
Von der montenegrinischen Grenze wer—
den anhaltende Truppennachschübe gemeldet und auf
ürkischer Seite werden weiter Gegenmaßregeln getrof⸗
sen. Auch trifft aus Kotchane die Nachricht von bul⸗
garischen Truppenkonzentrationen ein.
In Istib ist noch keine Beruhigung eingetreten;
nan LNrwariei dort Assim Bey, den Minister des
Aeußern
Politische Nundschau.
Deutsches Reich.
ze Die 200Jahrfeier pa Geburtst
königs Friedrichs des Groß edes ur de
ind 24 Januar 1912 in Berlin glaͤn
en. In Gegenwartdes Kaisers en begangen wer⸗
zniglichen Hauses findet am Diensla der Prinzen des
n Vortrag in der Kriegsakadenue 9 en 23. Januar,
n Festgottes dienst in der Hof⸗ und de q wo,
otsdam, nach dessen Beendigunged arnisonkirche in
ranz am Sarge Friedricha des blehereicz u
ie
vird. Darauf erfolgt ein Parademarsch im nee
Am Nachmittag findet eine Festsitzung der Königlichen
ee enr penanen im Weißen Saale des Kö
glichen losses und abends eine Festvor i
doͤniglichen Opernhause statt. — —
—8 *
* Im Sitzungssaal des preußischen Herrenha
ielt der Direktor der deded —3
er, vor dem Kaiser einen Vortrag Löer die Ba g—
„adbahn. Um 6 Uhr war der Kaiser gekommen
de en n daie er das Herrenhyaus, noch
ied versichernd, wie sehr ihn das Thema un
er Vortrag gefesselt habe. ——A—
*In der zweiten sächsischen Kammer teilte die Re—
ierung mit, daß sie bereit sei, im Bundesrat für die
zerstärkung des Schutzes der Arbeits—
Mi1Liaqen einzutreten
Zur Lage in Persien.
Auf der Pforte ist jetzt die Antwort der Mächte
zuf die türkische Note betreffend P er sien eingetrof—
en. Die Mächte erklärten, fie seien in Petersburg vor—
sellig geworden und Rußland habe erklärt, es hege
keine Absichten gegen die Integrität Persiens. Die Ant—
wort wird auf der Piorte als ein bedeutsamer Erfola
Fer türkischen Diplomatie angeseben
Zur Nevolution in China.
Wie der „Matin“ berichtet, soll die französische Ko⸗—
onie in Hankanu sich bereits wieder an die fran⸗
ösische Regierung um Verstärkung des Schutzes der
ranzösischen Staatsbürger in Hankau gewandt haben
die Mitglieder der französischen Koloͤnie in Hankau
veisen darauf hin, daß es unbedingt notwendig wäre,
Vo Maun französische Truppen dorthin zu entsenden,
amit Frankreich wie England, Rußland und Japan
einen Üntertianen hinreichenden Schutz für Leben und
zigentum angedeihen lassen kann.
Trotz des Waffenstillstandes haben rund um Schih⸗
iatschwang weilere Gefechte stattgefunden, die zu Gun⸗
sen der Kaiserlichen aussielen. Die Nachhut Tschang⸗
shuns wurde in der Nähe von Pukau so aut wie
bernichtei.
In Beantwortung eines Telegramms Hwaus h⸗
sand's, des früheren Führers der Aufständischen in
Wutschang, in welchem dieser Nuan sch ikain die
ßräsidentschaft der Repuͤblik anbot, wenn er
ich mit den Aufständischen vereinigen wolle, erklärte
YJuauschikai, daß die fremden Regierungen die Repu—
zlik niemals anerkennen würden.
Ein Komplott der Mandschustudenten, welche
Bomdben-Attentaie verüben wollen, soll entdeckt wor⸗
en sein.
Die Rebellen kauften in Kanton zwei Aero
plane, wahrscheinlich französischen Typs. —A
late wurden nach Wutschang gesandt, wo Bomben aus
hnen geworsen werden sollen.
Truppen der Rebellen in einer Stärke von 0
Mann sind von Wangtang nach Schanghai unter
veas.
Aus aller Welt.
Die „Berlin“ auf der Heimreise. Der deutsch
dreuzer „Berlin“ dampfte auf der Fahrt nach Sout
sampton bei Spithead vorüber und siauschte Salutschüsst
nin Relsons Flaggschiff „Victory“ aus.
Zum Koniher Mord. Der Bäcker Bräunlich, der
nter dem Verdacht steht, den Gymnasiasten Winter in
donitz ermordet zu haben, wurde wieder aus dewm
icuinnanie ⸗nilassen, da seine Schuld ar
— ———
NNoch immer schwieg Bertina, aber sie schaute mit so
glücklichem Lächeln zu — empor, daß es keiner Worte be—
durfte ünd Aswald die lieblich Errotende in seine Arme schloß
und ihre Wangen mit heißen Küssen bedecte.
Einen Augenblick hörte man nichts als das laute Klopfen
ihrer Herzen; doch dann erinnerte er sich plötzlich an die Kluft,
die zwischen ihm und der Geliebten gähnte.
Er ,erbleichte. Ein schmerzliches Stöhnen entrang sich
einer Brust und fast rauh fließen seine Lippen hervor:
WVerzeihung! Ich vergaß momentan, daß ich kein Recht habe,
Sie 8 lieben.
ertinas Antlitz entfärbte sich schreckensbleich; seine Worte
aurchschnitten ihr Herz wie ein scharfes Messer.
„Kein Recht, Oswald?“ hauchte sie tonlos.
Geliebtel Es war nicht meine Schuld, daß ich Dich
iebte, und ich, werde Dich lieben bis zu meinem letzten
Atemzuge.“ versicherte er leidenschaftlich. „Aber es liegt ein
Beheimnis in meinem Leben vor, welches ich Dir jetzt noch
nicht enthüllen kann.“
„Wenn Du mich liebst, kann kein Geheimnis zwischen
uns fein, dann kann uns nichts trennen!“ rief Bertina zu⸗
zersichtlich.
Für diese, Worte danke Dir, aber Du verstehtst sie
etzt noch nicht,“ Lächelte er trübe, dann setzte er zögernd, fast
traurig hinzu: „Berting, Geliebte, ich habe gar kein Recht zu
dem Namen, den ich sühre.“
Zu seinem Erstaunen lachte Bertina belustigt.
Gast Du ebenfalls einen salschen Namen angendmimen?
D, Vu Keber, böser Menschl rief' sie jubelnd und klatschte
vie ein glückliches Kind in die Haͤnde. „Dann wirst Du mir
auch meine Täuschung verzeihen. Ich heiße gar nicht Ber⸗
sng Saldern, sondern Bertina von Exrtern; unserem Freund
Berthold sollte unser Aufenthalt geheim bleiben, daher der
angenommene Name Saldern.“
Weun sie erwartet hatte, Oswalds Antlitz hätte sich bei
dieser Aufklärung erheitert, so hatte sie sich getäuscht, denr
seine Zuge wurden noch ernster.
Tomteß von Extern,“ kam es kaum hörbar von seinen
Lippen, „die gefeierte Schönheit und reichste Erbin der Um⸗
egend! Nun ist die Kluft noch vergrößert — ich, Oswalt
—— ein Findling, ein Ausgestoßener, dessen Eltern noc
unbekannt sind.
Er hatte die letzten Worte mit gereizter Bitterkeit hervor
gestoßen; doch Bertina schlang ihren weichen Arm um seiner
Zals und flüsterte ihm leise ins Ohr: „Selbst wenn Du eir
Zeiller wärest, würde ich doch nicht von Dir lassen. Du ge
örft mir und ich gehöre Dir. Michts und Niemond n doe
Wolt olsl uns scheipon!
England.
xLord Charles Beresford wiederholte in einer
ede in Leicester, daß Herr Me Kenna aus dem Ma—
neami entferut worden sei, weil die Flotte im kriti—
hen Augenblick nicht bereit gewesen sei. Uebrigens
cklärte Beressord unter lautem Beifall der Versamm—
ing seinen Wunsch, daß man mit Deuischland zu einem
Ibkommen gelange. England müsse seinen Ent—
hluß, die Seeherrschaft zu behaupten, ohne Arroganz
ud diktatorischen Ton, aber mit Festigkeit bekanntgeben,
olle sonst aber der deutschen Expansion nicht entgegen—
reten.
e — —
— 22“ „——
—
—
Amerika.
* Die Aeußerungen des republikanischen National—
lusschusses beweisen unwiderleglich die Absicht, Taft
Alen zu lassen und Roosevelt als Kandida—
en für das Amt des Präsidenten aufzustellen.
Zum Krieg um Tripolis.
Vom Kriegsschauplatz.
Nach dem Fall Ain Zaras und der Räumung
es Ostieiles der Oase von Tripolis seitens
er Araber, die eine Umzingelung befürchteten, erwar⸗
In Tripolis sind 13 Araber, die an dem Auf—
tande vom 26. Oktober beteiligt waren, gehäng;
vorden. Das Kriegsgericht hat zum ersten Male diese
sarte Form der Todesstrafe gewählt, damit da
urch ein stärkerer Eindruck auf die Bevölkeruna aus
eübt werde.
Frankreich hat die unesische Grenze desi
nitiv gesperrt. Das bedeutet einen ziemlichen Schla—
ür die türkische Verteidigung. Die wichtigen Kamel
ransporte mit Proviant und Munition nach Deliha
ollen bereits aufgehört haben. Hauptsächlich macht
ich im türkischen Hauptquartier im Dijebel das Weg
oleiben der Munition-Nachschübe fühlbar. Einige zwan
zig Offiziere, welche jüngst von Kon“ntinopel ne—
Heimatlos.
e hie sind vielsoc pamit verbunden.
Aber trotz aller Mühe würden Sie kein guri daezegenes
eben zu führen mögen, in welchem Ihre, Tulente verborgen
sieben?warf Berting ein, die aufmerksam gelauscht hatte.
Wahrscheinlich nicht. So lange uns die Arbeit unseres
ebeus befriedigt, hat man kein Verlangen, darauf zu ver⸗
ichten,“ versetzte Oswald überzeugend.
Bertina blickte bewundernd zu ihm empor.
Sie gehören zu den Bevorzugten unter den Menschen;
Ihnen kann doch, nichts mehr zu wünschen übrig sein,“ flü—
erte das junge Mädchen leise.
„Nein!“ Hswalds Stimme klang plötzlich so verändert
ind schmerzerfüllt, daß beide Damen betroffen in das bleiche
Intlitz ihres Gastes schauten.
Hert Werther fand keinen Grund, die Einladung der
eiden Damen zum AÄbendessen abzulehnen, und ohne es selbst
awissen, dehnie er seinen Besuch his zur wäten Abendstunde
us.
Diesem ersten Besuche folgte bald ein zweiter und dritter,
ann wurde Oswald Werther ein täglicher Gast im Wald—
uschen. Ehe vierzehn Tagen vergangen waren, war er
ni den beiden Damen so vertraut. als hahe or sie seit Jabhren
ekannt.
Es waren herrliche Sommertage. Bertina glaubte, die
jonne habe niemals heller geschienen und die Voͤglein noch
iie heiterer sepwgen wie hier in dieser Waldeseinsamkeit,
ind jeden Morgen klopfte ihr unruhiges Herz lauter, wenn
ie in der Ferne die Gestalt ihres Helden erkannte, der jetzt
hre aanze Soele gurte Berrma ihren wGast vergedens erwar⸗
t; selbst am Abend war er nicht erschienen. Es war ihr
ist unmöglich, ihre Unruhe zu verbergen, und ihre Mutter
beraschte sie oft in Tränen. Wie traurig und öde würde
ch das Leben gestalten, wenn Oswald es nicht durch seine
sSegenwart verschönertel Das junge Mädchen waate diesen
zedanken nicht auszudenken.
Der Gräfin waren die Gefühle ihres Kindes kein Geheim⸗
nis geblieben, und sie freute sich im Stillen, das Bertinas
Wahl eine so günstige gewesen war. Sie hatte oft gefürchtet,
aß eines Tages mit dem Bekenntnis einer Liebe vor sie
ntreten werde, die vielleicht bittere Enttäuschung nach sich
zogen hätte; aber diese Furcht war jetzt geschwunden. Hätte
ie Gräfin Extern die arze Welt durchsuchen können, so
itte sie gewiß keinen Mann aufgefunden, dem sie das Ge⸗
hick ihres Kindes lieber anvertraut hätte, als Oswald Wer⸗
— und sie war überzeuat. er würde Bertina alücklich
achen.
Doch am jsolgenden Tage stellte sich der schmerzlich ver—
ißte Gast im Waldhäuschen wieder ein. Bertina plauder—
und scherzte so heiter mit ihm, und da es den jungen
—eisdbßuschen 21u nß murde. machton sie ain
Spaziergang in den kühlen Wald, um auf ihrem Lieblings⸗
olatzchen ein ungestörtes Beisammensein gu enießen.
Apropos, unser gemeinsamer Freund, Icnd Berthold,
zomnmit morgen und bleibt einige Tage als Gast bei mir,“
semerkte Oswald leichthin.
Als Berung schwieg, streifte sein Blick ihr Antlitz, und
ꝛr sah das junge Mädchen erröten und die Augen senken.
Bertina fühlte sich schuldbeladen; denn jetzt mußte ihre
Zchuld offenbar und ihr wahrer Naine konnte nicht länger
eheim gehalten werden.
Hsald jedoch sah in der Erxegung des jungen Mäd—
hens seinen Argwohn beratig und glaͤubte, Berltina liebe
Zerrn Berthold. Ein banges efühl des Schmerzes und der
Fiferfucht erfüllte sein Herz, und er entschloß sich, dieser
suasenden Ungewißheit ein schnelles Ende zu machen.
„Ich möchte mir die Erlaubnis erbitten, unsern gemein⸗
amen Freund Berthold zu ihnen führen zu dürfen. Er wird
ich freuen, die Bekanntschaft seiner lieben Freunde zu erneu—
rn“ begann er einlenkend.
Berlina schaute bittend zu ihm empor.
„Würden Sie meine Bitte achten und ihren Freund nicht
»eraulassen, uns zu besuchen? Ich habe meine Gründe!“
at sie leise.
Den jungen Mann durchrieselte es kalt. Bertinas Worte
varen nicht mißzuverstehen. Sie liebte Berthold, hatte aber
vielleicht mit ihm eine kleine Zwistigkeit gehabt, sich deshalb
mit ihrer Mutter in die Einsamkeit des Waldes zurückgezo⸗
gen und scheute jetzt die erste Zusammenkunft.
Ihre Bitte ist mir Befehl, Fräulein Saldern,“ sagte er
deshalbkühl; dann trat eine kleine Pause ein.
Bertina wagte kaum zu atmen; sie versuchte zu reden,
doch die Worte erstickten in ihrer Kehle, und sie konnte kei—
len Ton hervorbringen. Sie ahnte vielleicht die Gedanken
im Herzen ihres Begleiters, denn sie war fest entschlossen,
hm zu versichern, daß nichts weiter als ein Band der Freund—⸗
chaft zwischen ihr und Herrn Berthold bestehe und daß sie
ihn garnicht lieben dürfe, da er bereits sein Wort verpfän—
det habe; doch zum erstenmal in ihrem Leben konnte sie die
rechten Worte nicht finden; darum erhob sie sich von ihrem
Siße und schritt langsam den Waldweg entlang.
Herr Werther blieb an ihrer Seite und machte den Vor⸗
schlag nach dem Waldhäuschen zurückzukehren. Doch als er
Berunga anblickte, sah er ihre Augen mit Tränen gefüllt, und
im die schmalen Lippen zuckte es bedenklich. Eheé er wußte,
das er tal und was er sagte, erfaßte er ihre Hände und rie
lürmisch: „O, Bertina meine Geliebte, mein Leben! Was
jabe ich deun gesagt, um Ihnen Schmerz zu bereiten? O mein
Liebling, verschließen sie nicht die Tore des Paradieses vor
fadnen vo i ih nicht lichon
»87yoch da rede ich nur von mir selbst, an—
att nach Ihrem verletten Arm zu fragen; hoffentlich
at die ÄAnftrengung keine bösen Folgen für Sie gehabt.
Dswald hoh den Acm empor und schwang ihn hoch
der Luft. 9
„Er ist wieder ganz kräftig und stark,“ versicherte er,
man darf auch nicht alles glauben, was die Aerzte
ind guten Freunde sagen. Da habe ich z. B. einen treuen
Fzreund, Franz Berthold, der mich überredete, ich sei Pa—
zent wind hauptsächlich auf seine Veranlassung kam ich
nerher.“
Bei der Nennung des Namens legte die Gräfin das
zuch nieder und sagte lächelnd: „Franz war immer sehr
esorgt und ängstlich.“
Bertinas warnender Blick kam zu spät, die Mutter
atte ihn nicht bemerkt.
n Sie meinen Freund?“ fragte Oswald er—
tuͤunt.
„O, ja; er gefällt uns auch sehr gut, nicht wahr,
Nama?““ fiel Berfing schnell ein.
Eine leichte Falte des Unmuts umdüsterte momen—
au Oswaldé Stirn: es war ihm, als ob ein leises Ge—
uͤhl der Ciersucht sich rege machte, doch bezwang er sich
ind erwiederte lächelnd: „Es freut mich, daß wir einen
emeinsamen Freund haben.“
Dann trat eine peinliche Pause ein.,
Ddie Gräsin gesellte sich jetzt den jungen Leuten zu.
zie yatte geglaubt, ein ungestörtes Planderstündchen
räre den beiden ganz nach ihrem Sinn gewesen; doch
is die Uunterhaltung so oft stöckte, hielt sie es für ihre
bilicht, auszuhelsen.“ Sie begann gleich, ein lebhaftes Ge⸗
on literarischen Werken und zeigte dabei so viel Keunt—
iis, daf, der junge Schriftsteller sich wunderte und da—
urch ermutigt sogar unaufgefordert non Fsoinom oigenen
ieben erzählte.
Jeder“ Erfolg im Leben ist süß,“ sagte er; „aber
he ich meine Laͤufbahn begann, wußte ich nicht, wie
tatt ünd schlüpfrig die einzelnen Sprossen der Ruhmes—
eiter sind und wie schwer es ist, dieselbe zu erklimmen, Und
och hatte ich später nie eine so große Freude, als das erste
nal, als ich mein erstes Manuskript in die Welt sandte und
hon bald darauf der klingende Lohn mir zuteil wurde.
Star mar ich daran owöühiit aher Mihe NMrkhoit und schlaf-