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Aurmeltier.
Berbreiter der Beulenpest.)
tryichwarze Tod“, der jetzt durch die mand'ichuri—
Eieppen erbarmungslos dahinschreitet und bereits un
gezaäͤhlte Tausende Chinesen und viele Europäer dahinge⸗
Hift hat, wurde eingeschleppt von Jẽgern, die sich in der
Hongolei beim Nachstellen einer Art Murmeltiere ansteck
en. unter diesen Murmeltieren „Bobals“, chinesisch „Tar—
agan“, wütet die Beulenpest ähnlich wie anverwandt«
Zrantkkeiten bei Nagetieren, z. B. den Karnickeln und Rat—
en schier unausroubar, und zwar tritt diese Seuche zu
Beginn des feuchten Spätherbstes im verstärlten Maßze auf.
Baͤhrend die Tarpagans bei jeder anderen Krankheit ihre
Arigenossen töten und dadurch gewissermaßen ihre eigene
Sanitätspolizei bilden, um in den wohlausgepolsterten
Seobauen ihren langen Winterschlaf ohne Gesahr zu ver—
lehen, fuchen sie vor dem Schwarzen Tod“ selbst ih: Heil
in der Flucht.
Eie suibirischen Blätter fahren fort, haarsträubende
Dinge von den Zuständen in Charb,in und Fudia—
du n zu erzählen. Die Chinesen versenken täglich 100 und
Pefsleichen im Sungari. Bettler graben die
en us, um ihnen die Kleider zu rauben. Für den
anhling. wenn der Sungari über d'e Ufer tritt, Stürme
reten und Fliegenschwärme erscheinen, wird eine Ver⸗
tartung der Seuche erwartet. Aus Fudiadun fliehen
e chimestschen Beamten und Kaufleute. Viele Beamte
und Ärbeiter der Osst ba hin fliehen aus Charbin, so daß
Vunee ernste Betriebsstörungen eintreten können.
z* harbiner Eisenbahn- und Eledtrizitätswerl-Arbeiter
gerlongen unverzügliche Entfernung der Chinesen aus der
Ver sotien, worauf jedoch die Verwaltung unter keinen
umstaͤnden eingeht. Die Verhaftung und Mißhandlung
ber Arbeiterführer erregt böses Blut.
Die Spezial⸗Kommission zur Beratung von Maßnah—
nen gegen die weitere Ausbreitung der Pesi auf russisches
Debien hat beschlossen, die Beförderung von Flüchtlir gen
wus dem Pesigebiei auf der transsibirischen Eisenbahn zu
erbieten. Die Leitung der Erpedition, die auf Ersuchen
der chinesischen Regierung nach der Mandschurei gesandi
vird, stehl unter der Leitung des Professors Zabolutny,
zer ersl kürzlich aus der Mandschurei in Petersburg ein—
petroffen ist, um über den Umfang der Pest⸗Epidemie Be⸗
acht zu erstatten.
die Zahl der in Charhin von der Pest geforder⸗
en Opfer betrug am letzten Sonntag 8422 im Chinesen.
nertel und 946 im Russenviertel. Die Pest dehnt sich
heneisnach der Gegend von Maikden aus. Tausende
on Flüchtlingen verlassen die von der Pest befsallenen
webiet⸗ F
Ber Limes wird aus ßBering ergrapmert, da.
ne PestEpidemie in Charbin mit vrverminder⸗
ver Hesftigkeit sich weiter ausbreite. Die fürchterliche Kälte
nacht das Funktionieren der Desinfektions-Apparate un
möglich. 99 Prozent aller Pestfälle nehmen einen tfödli—
cheu Verlauf
ix
— —
Von der Luftschiffahrt.
„Neune FliegerRekorde. In Pau (Frank
zeich) unternahm der Aviatiker Lemartin auf einem
Monoplan einen Flug mit 7 Pa sagieren an Bord, sodaß
sich also einschließlich des Aviatikers 8 Personen auf dem
Monoplan befanden, die ein Gesamtgewicht von 4734
Kilo hatten. Außerdem hatte der Monoplan noch 30 Kilo
Benzin und Oel an Bord. Der Flug dauerte 5 Minuten
und siellt den Weltrekord in Bezug auf die Anzahl der
beförberien Personen dar. — Der Militär⸗-Aviatiker, Haupt⸗
mann Bellanger, hat die Lustreise Paris⸗Pau, die
ihn am Mitwoch bis Bordeaur brachte, von dort aus
sortgesedt und glücklich zu Ende geführt. Die Entfernung
zwischen Vordeaur und Pau beträgt 170 Km. Der Offi—
jier stieg 2 Uhr 80 Min. bei herrlichem Wetter in Bor⸗
deaur auf und landete um 4 Uhr 35 Min. in Pau vor
dem Aerodrom.
Vermischtes.
Benunschrecken und Schnaken als Ballonpassagiere.
Im Januarheft des Kosmos“ schildert Dr. Wein'and, wie
ex umd seine Gefährten bei einer am 7. Juli 1908 von
Manzell nach dem bayerischen Allgiu ausgeführten Bal—⸗
Anfahrt nach dem Ziehen der Reißleine auf der oberen
dälfte des langsam sich zur Seite neigenden Baslons zu
ihrem nicht geringen Erstaunen Wanderheuschrecken entdeck⸗
ten. die sich erst. als ihnen die zusammenfallende und Fal—
len bildende Hülle den weiteren Aufenthalt unmöglich
nachte, durch einen Sprung zur Erde flüchteten. In wel—
her Höhe die Heuschreden auf die Ballonhülle, wie er—
müdete und hungrige Zugvögel auf ein vorüberziehendes
Schiff, sich niedergelassen hatten, war vom Korb aus nicht
deobachtet worden (der Ballon hate eine Höhe von 4830
Meter etreicht Die Frage, ob ein Heuschreckenschwarm
bei der Schärte der Kauwerkzeuge dieser Tiere und ihrer
unheimlichen Freßluft gelegentlich einen Ballon beischädi—⸗
zen und so e'nen Unfall herbeiführen kann, mag offen blei
den. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, daß bei einer
am 19. Juni 1910 von Stuttgart nach Radolfzell unter
tommenen Nachtfahrt die Teilnehmer, nachdem die schwä—
bische Alb in der Richtung Reutlingen-Pullendorf und die
Ddonau überflogen waren und der Ballon sich dem badi—⸗
chen Bodenseegebiet bei Ueberlingen näherte, gegen 2 Uhr
aach!s in 1200 Meter Höhe von Shnaken“ gestochen wor⸗
ꝛau IAnd.
Aeber Musik bei offenem Fenster lesen wir im
Antirüpel“. der Zeitschrit des Anti-Lärm-Vereins, fsol⸗
jende beherzigenswerte Berrachtung: „Eine junge Amerika—
zerin, die, rebeneei bemerlt, keine üble Stimme besitzt,
hat'e mich gebeten, sie in ihrem Heim auf dem Flügel zu
rinigen Liedern und Arien zu begleiten. Ehe sie nun zu
ingen begann, bemerkte ich mit Entseßen, daß sie das
aach der Straße führende Fenster ihres Musitzimmiers öff—
zete, und als ich mit gelindem 8 sie um den Zwed
vieser Liebloßg'eit sragte, antwortete Rie, sich Luft zufä—
helnd: Aoh,. es ist heiß nir, und ich bin nicht eine Fre n—
Iim von die große Heizung.“ Ich erlaubte mir, sie auf
vie unschu d'gen Menschen auf der Straße aufmerksam zu
neichen, die hierdurch eine ganz unverdiente Strafe erl't—
en: Da aber erwiderte die schlanke Tochter des freien
Amerikas leuchtenden Blickes: „Aoh, sie uerden haben aine
jroße Fraide an dem scheenen Könzert.“ Ich suchte sie,
und Gott sei Dank nicht ohne Erfolg, von ihrem falschen
Dptimismus zu überzeugen. Sie shloß, wenn auch lopf
schüttelnd, das Fenster und stieß nun ihre musikalisch-dra
matischen Wutschreie unter völl gem Ausschluß der Oecf
kemtlichkeit aus. Es hätte im anderen Falle eine Stra—
gendemonstration gegeben: sie studierte gerade die Partie
der Kiytenznästra in Richard Strauß' „Elektra“. Der Fall
ist wpisch für eine ganze Reihe ähnlicher Ungehörigke ten,
die demselben Motiv der persönlichen Eitelkeit entstammen.
Leider muß es gesagt sein, daß den bei weitem größten
Brozentsatz der Missetäter das schöne und zarte Geschlecht
jellt, und da die Ueberschätzung des eigenen Wertes meist
m gleichen Verhältnis zum Nichtkönnen steht, so kommi
»B. daß gerade die Unfäh'gsten den unwiderstehlichen
drang haben, die erstaunte und entzückte Mitwelt Zeuge
hres hilflosen musitkalischen Stammelns werden zu lassen.
Ich kerme eine Gesangsmeisterin, die mit Vorliebe sämtliche
Fenster ihres Studio öffnet, sobald sie Vorgeschritteneren
hrer Schülerinnen Unterricht erteilt. Der helle Sopran
zer sangesfreudigen Eleven schrillt dann wie der Pfif
iiner lungenräftigen Lokomotive über Feld und Wald,
veit über sämtliche Straßen dahin, und ruft mit lauft
hmlicher Stimme. wie Ausrufer vor der Jahrmarkts-Az⸗i⸗immer
naher. meine Herrschaften, und herein
Prozeßz Margulin. Die Vorunter uchung in der
Margulin-Affäre ist bereits geschlossen worden. Die Haupterhandlung
gegen den Hochstapler, der in allen Fällen
estäͤndig ifst und gegen seine Geliebte Erna Fröhlich, soll
ioch in diesent Monat stattfinden. Gegen de la Ramee
vird das Hauptverfahren voraussichtlich gar nicht eröffne?
verden.
Opfer des Eises. In Eidelstedt bei Hamburg gin
zen die 11 und 9 Jahre alten Brüder Gustav und Her—
ert Meyer auf das Eis des KrupunderSees. In der
Mitte brachen sie ein und sanken in die Tiefe. Ihre Lei—
hen —* noch nicht gesunden.
*. Freiwillig gestellt. Am 2. Oltobet v. J. wurde der
mte schler Slebe aus Gleiwit in seinem Jagdrevier er—
Bosten aufgefunden. Nach dem Ergebnis der Untersuch
ig nahm man an,. daß er von Wilderern getötet wor
den war. Jetzt hat sich der Täter in Breslau der Poli—
zei gestellt. Es ist ein seit der Tat flüchtiger Artist, ein
stunstschütze namens Dittrich. Er sagte aus, er sei von
Siebe beim Wilderern betrofsen und von ihm zuerst be—⸗
chossen worden. Darauf habe er ebenfalls geschossen und
Siebe getötet. Auf die Ergreismig des Täters waren
3000 Mark Belohnung gesetzt.
Gesunken. Der oldenburgische Lotsenschoner Nico
saus“ ift westlich vom Weserseuerschiff gesunlen. Wahr-⸗
cheinlich wurde er überrannt. Ob die Mannschaft Jeret
tet wurde, ist noch unbekannt.
Studentendemonstrationen. In Prag fand eine
große Man sestationsversammlung der Studentenschaft der
lechnischen Hochschule und ded Universität statt, in welcher
der Autrag gestellt wurde, gegen die Vorgͤnge an der
Frakauer Unmversität zu protestieren und in einen dreitä—
zigen Sympathiestreitk zu Gunsten der freiheitlichen Kra
fauer Studentenschaft einzutreten. Der Ausstand wurde
sedoch algelehnt. Dagegen wurde beschlossen, ein Alktions—
omitee einzusetzen, das im Verein mit der freiheitlicher
Ztudentenschaft aller übrigen österreichischen Hochschulen
eine große Protestbewegung aller österreichilchen freiheitli
chen Hochschüler ohne Unterschied der Nationalität einle
ten poll. Die tschechischen freiheitlichen Abgeordneten wur
den ersucht, diefes Vorhaben zu unterstützen. — In Kra
kau fanden 6 Versammlungen der freiheitlichen Studentern
tatt, in welchen die Abtrennung der theologischen Falul
ät von der Unversität gesordert und gleichzeitig der Räüch—
ritt des akahemischen Senats verlangt wurde.
Sturm und Schneetreiben. In Wien und in der
UAmgebung wütet ein starker Schneesturm. Auch aus dem
zchneeberggebiet werden orkanartiger Sturm und Schnee⸗
reiben gemeldet. Der Sturm hat überall großen Schaden
ngerichtet. — Auch aus Ottawa liegen Meldungen vor,
aß dori in vielen Teilen Kanadas die Züge vom Schnee
örmlich eingeschneit wurden. Auch ist grober Sturm vor⸗
serrschend.
Ein bankerotter Fürst. Großes Auffehen erregt in
Petersburg der finanzielle Zusammenbruch des Fürsten
Halizin, Der von seinem Vater immense Besitungen im
Perner Gouvernement geerbt hatte. Er machte aber so
biele Schulden, daß auch dieses kolossale Vermögen nicht
ausreichte, um seine Verpflichtungen zu decken. Wie ver—
lautet, soll' gegen den Fürst ein Verfahren wegen betrü—
Jerischen Banterott eimaeleitet werden
Wochen⸗Rundschau
Nun wäre also die vielumstrittene Wertzuwachssieue
sorlage, das Sorgenkind des Schatzselretärs, endlich une
dach und Fach. Die seinerzeit im Prinzip mit einer sel
enen Einutütigleit beschlossene Besteuerung des Wertzu
vachses, sollte Regierung wie Reichsstag noch manche,
dopfzerbrechen verursachen. In den letzten Tagen vor de
lostimmung war die Stimmung pessimistisch; das Schich
al der Vorlage stand auf des Messers Schneide. Scho
ie Zusammensetzung der Mehrheit zeigt, welchen Schwie
igleiten und Bedenten das Gesetz begegnete. Da gab e⸗
eine reinliche Scheidung zwischen rechts und lints, son
ern bei fast allen Parteien waren die Meinungen ver
chieden. Das aͤndert aber nichts an der Tatsache, daj
as Gesetz mit grozer Mehrheit verabschiedet wurde, di
ich nach alledem wohl Herr von Wermuth nicht bhät
räumen lassen. Wie sich das Gesetz einführen wird, dar—
iber ist man sich wohl auch am Regierungstisch noch nich
‚ollftändig klar. Es ist eben ein Sprung ins Dunkle. Viel
vird von seiner Ausführung abhängen. Es wird Sach«
er Regierung sein, etwaige durch die Praris sich erge
ende Härten und Unklarheiten zu beseitigen, dann wird
in Teil der Unzufriedenheit über das Gesetz allmähli—
vohl verschwinden.
In der verflossenen Woche hat sich der Reichstag rech
ingehend mit einer Impf-Petition beschäftigt und
vird sich bei nchster Gelegenheit auch wohl noch weite
nit dieser heillen Frage beschäftigen müssen. Die Gegen
äte der Meinungen traten recht schars in die Erscheinung
die Gegner wie die Freunde des Impfgesetzes kämpften
nit gleicher Leidenschaftlichleit für ihre jeweiligen Anfich
en und suchten sie zu verteidigen, so gut es eben ging.
Die Kronprinzenreise nach dem fsernen
Isten hat eine unvorhergesehene Wendung genommen. Wie
s nicht anders zu erwarten war, läßt der in Chima und
n der Ptandschurei sich immer weiter ausdehnende Pest
serd den Besuch des Thronfolgers, so ungern er verscho—
en werden mag, nicht zu, denn es besteht die Gefahr, daß
ie menschenmordende Seuche auch unseren zukuünftigen
daiser ergreisen würde. So wird also die vorzeitige Ruück
eise in Tokio und Peling nicht weiter übel genommen
verden können, zumal aufgeschoben ja nicht aufgehoben ist.
Vie es heißt, will der Kronprinz die jetzt abgebrochent
steise im nächsten Jahre fortsetzen.
Die Erneunung eines biederen Handwerkera4
um Minglied des preußischen Herrenhause?
u't ein gewisses Aufsehen und einiges Interesse hervor
verl damit der erste Vertreter eines handarbeitenden Stan—
»es in diese feudale Körperschaft seinen Einzug hält. Mit
ieser Berufung wollte man wohl dem Handwerk als sol—
yem ein Kompliment erweisen. Ein sehr verspätetes
dompliment — aber doch eine freundliche Aufmerksamkeit.
Iber was ist e in Handwerker neben all' den feudalen
»erren! Ob nun auch bad die Arbeiterschaft eine
zertretung erhalten wirdd Daran denkt man wohl vor
äufig noch nicht.
Graf Aehrenthal hat sich vor einigen Tagen
iber die auswärtige Politik Oesterreich Ungarns aus
jepprochen. Viel Bemerkenswertes ist dabei nicht gerad—
u Tage gekommen. Das war auch, nachdem vor weni
gen Monaten derselbe Minister ein Exposee über die aus
wärtige Lage erstattet hatte, nicht zu erwarten. Der öster
reichische Staatsmann mußts sich darauf beschränken, die
zuten Beziehungen zu allen Mächten, auch zu Rußland,
festzustellen und knüpfte daran de Hoffnung, daß es noch
echt lange so bleiben möge. Zum Schluß richteie er dann
an das Voll den üblichen Appell, für die Stärke von
Heer und Mariue einzutreten. Im Zeitalter des Wetirü
ttens fällt das nicht weiter auf; man hat sich daran ge—
wöhent, und so kann aus dieser Aufforderung nicht der
geringsite Schluß auf ein dunkles Zukunftswölkchen ge—
schlossen werden. Es herrscht eine seltene Harmonie n
internationalen Mächtekonzert.
Der einzige Mißton, der den harmonischen Klang der
Weltmusik beeinträchtigt, ist die noch immer aktuelle Schel—
de-Frage: die Befestigung Vlissingens. Frankreich und
Fugland wittern Gefahr und wollen es sich noch immer
nicht ausreden lassen, daß Deutschland der eigentliche Draht⸗
ieher ist. In Holland kümmert man sich fürchterlich we—
iig um das Knurren in Paris und London und geht
uhig seinen Weg. Das ist recht gut so, denn sonst wer—
en die englischeit und französischen Herren zu üppig.
— M2 ———————
Lokales und Vermischtes.
Der hundertjährige Kalender besagt für den Februar:
Infangs trübe und regnerisch, vom 5412. schön, 13. - 18.
—chnee und Wind, worauf es kalt wird, den 21. Regen
dann Schnee und ziemliche Kälte.
Thalia⸗Theater. Anstatt des „Trombadour“, dessen
Aufführung Sonntag Abend angekündigt war wird Lehars
zaktige Operette ‚Der Graf von Luxemburg“ in Szene
zehen. Der Graf von Luxemburg ist der beliebteste
Nperettenschlager der lausenden Saison, was neben der
ebendigen und slotten von humoristischen Intermezzo's
»uchsetzten. Handlung vor allem auch der an Variationen
cichen, melodiösen, lieblichen Musik zuzuschreiben ist. Da
ie Besetzung der Rollen an unserer Bühne ein erstklassie
st, haben die bisherigen Aufführungen bewiesen.
Preußische Klassenlotterie. Tie Lose zur zweiten
älasse müssen bis zum 6. Febrnar erneuert werden. Bei
zer Erneuerung muß das Los der ersten Klasse vorgezeigt
verden
Mittel gegen Verbrühungen und Verbrennungen.
Tin sehr einfaches Mittel, das soiort die Schmerzen lindert,
und selbst große, tiefe Wunden schnell und gut heilt, kann
sede Hausfrau leicht bereiten, indem sie ein frisches Ei mit
einem eigroßen Stüeck Butter recht verrührt. Diese Salbe
vird euf ein leinenes Löppchen gestrichen, das man auf die
Wunden legat. Sobald es trocken ist, wird es erneuert
In schlimmsten Fällen bereitet man eine Salbe von 1Ka
Butter und 20 Eiern, bestreicht ein Bettuch damit und
züllt die Kranke damit ein. Natürlich muß diese Verfahren
nehrmols wiederholt werden. Die beftigsten Schmerzen
cssen bald nach Nach kurzer Zeit sind alle Wunden gut
oerheilt und der Kranke ist gesund.
Den Kampf gegen die sozialdemokratischen „freien
Jugendorganisationen“ hat der Berliner Kreisverband
vangelischer Jugendvereine auf der ganzen Linie aufge—
sommen. Von Mitaliedern von 60 Jünglingsvereine wurde
in Flugblatt in 150000 Exemplaren an die jungen Männer
sßroß⸗Berlins verteilt, das sich energisch gegen die Vorwürfe
vendet, welche die sog „freie Jugendorganisation, der
hristlichen Jugendbewegung macht. Es heißt darin u. a,:
Nan behauptet, die christliche Jugendbewegung wolle die
Jugend verdummen. Aber wie ists wirklich? Jene wollen
en Geift in die falschen Doamen der geistlosesten Weltan—
hauung, des sogenannten historischen Materialismus zwängen
Wir aber wollen, den erleuchtesten Führern der Menschheit,
en edelsten Wahrheitszeugen folgend, in freiem Austauch
»er Gedanken den tiefsten Fragen tapier ins Nuge schauen,
söchsten Idealen wollen wir miteinander nachstreben. Man
erlemdet uns als Verräter der Jugend. Die christliche
Bewegung, so behanptet man, habe nichts getan zur sozialen
hdebung der Arbeiterjugend. Während jene (die freien
Jugendorganisationen“) volitisch noch völlig ungeschulte
unge Leute für eine bestimmte Partei drillen will, lassen
vir unseren Freunden grundsätzlich volle Freiheit polisischer
leberzeugung. Aber wir helfen ihnen auf machen Wegen
Heime, Unterrichtskurse usw.). Aber wir sind zu sozial, um
dlafsenpolitikt zu treiben, denn wir dienen den iunaen Männern
aller Stände.“
In der Münchener Bockstimmung kommt mancher
Ukt, zu Tage. Ein Tischlermeister hatte gewettet, er
volle siebziig Eier in einer halben Stunden verzehren
Der Schlaukopf ließ sich einen Eierkuchen zubereiten, den
rein der angegebenen Zeit auch glücklich vertilgt hatte
Diese Art der Verzehrung wollte aber die Gegenparte;
nicht gelten lassen: es entstand eine Prügelei, in welcher
er Tischler viel Schläge, aber nicht den ausgemachten
Zewinn erhielt.
Ueber die Führung des Titels, Oberbahnassistent“
st Berliner Blättern zufolge jetzt angeordnet worden, daß
»er Titel, sortan, unabhänagig von der unkündbaren An—
tellung als nach Ablauf von fünf Jahren seit der An—
stellung als Eisenbahnassistent verliehen werden soll.
Was vorkommen kann! In einrer letzten Sitzung
der Kieler Strafkammer wurde ein fast Achtzigjähriger als
Zeuge vernommen. Dabei stellte sich heraus, daß er noch
riemals einer Gerichtsverhandlung beigewohnt und keine
Kenntnis davon hatte, was ein Eid bedeute. Daraufhin
iußerte der Vorsitzende, der Zeuge werde doch gelegentlich
in der Zeitung gelesen haben, daß jemand einen Eid ge—
eistet habe. Der Alte erwiderte, er habe in seinem Leben
ioch nie eine Zeitung gelesen. Und das kann im 20
Jahrhundert im Deutschen Reiche noch vorkommen!
Voraussichtliche Witterung: Trocken, wieder etwas
älter, heiter, dann wieder Truͤbung.
Unglucksfall. Heute Vormittag gegen 4 Uhr ereignete
ich auf Bahnhof Hamweiler ein gräßlicher Unalücksfall,
vobei einem Bahnbeamten aus Saarbrücken der Kopf
uͤberfahren wurde.
Von der Saar. Im verflossenen Jahre haben die
söniglichen Kohlengruben an der Saar insgesammt 10817 987
Tonnen Kohlen abgesetzt. Der Hauptkonsument der Staats⸗
gruben waren die Eisenhütten, die 3327572 Tonnen ver—
braucht haben.
Saarbrücken. 3. Febr. Erhängt aufgefunden wurde
an Maria Lichtmeß ein in dem Mühlenweg des Stadtteiles
Burbach wohnender Hüttenarbeiter. Er war am Morgen
wie gewöhnlich zur Arbeit gegangen. Als nun die Frau
in den Keller ging. um Kartoffeln zu holen, fand sie ihren
Mann erhängt vor. Der sofort herbeigerufene Arzt. Herr
Dr. Staudacher, konnte nur den Tod feststellen. Was den
Mann, der sonst als ein fleißiger und nüchterner“, Mann
galt, in den Tod trieb, ist bis jezt noch unbekannt.
Saarbrücken, 3. Febr. Lach einer Nachricht'der „Ifr—
ZItg.“ sollen 2 Unterprimaner vom Königl. Ludwigsgymna—
sium in Saarbrücken, nachdem sie wegen Fälschung von
Zeugnissen von der Anstalt verwiesen waren und sich mit
hHülfe des Sparkassenbuchs einer Tante das nötige Reisegeld
berschafe hatten, durchgegangen sein.
Saarbrücken, 2. Febr. Frau Julie v. Pestel, geb
richhorn, Witwe des Generalmajors v. Pestel, ist am
rreitag den 27. Januar in Wiesbaden gestorben. Ihren
hatten, der im Frühjahr des Jahres 1908 starb und im
khrental inmiten seiner getreuen Mitkämpfer zur ewigen
Kuh gebettet wurde, hat sie um fast vier Jahre überlebt.
Louisenthal, 3 Febr. Auf der hiesigen Kohlenhalde
oerlor vorgestern ein weiblicher Fuhrmann, die Frau J
aus Altenkessel ihre Geldbörse mit 120 Mk. Inhalt. Als
sie den Verlust bemerkte, erwies sich das Suchen als
zwecklos. Jedoch fahndet man nach zwei kleinen Jungen,
die bei Passanten aussagten, sie hätten einen Geldbeute
gefunden mit Knöpfen drin. l
Heimbach, 2. Febr. Der Ackerer N. Rix von hier,
dem am Samstag der beim Bahnbau beschäftigte Italiener
Baltaloni2 Revolverkugeln in den Leib schoß, ist letzte
Nacht im Krankenhause in Oberstein gestorben. Rir hinter—
äßt eine Frau mit b Kindern.
München, 3. Febr. Ein mit heftigen Verwehunger
erbundener, die ganze Nacht anhaltender Schneesturn
ührte heute früh im Straßenbahnverkehr beträchtlich
⸗törungen herbei. — Ein Knabe kam auf dem Schnee zu
all und wurde von einem Fuhrwerk übersahren und au
er Sitelle dgetäö“
k*Essen,. 2. Febr. (In den Ausß
ein.) Da zwischen den Arbeitern und v
er Erzgrube „Sizil'a“ und „Siegena“ eine e
ber die gesorderte Lohnerhöhung nicht erzien
onnte, ist die 700 Mann starke Belegschaft
and getreten.
*Essen, 2. Febr. EEistreiben.) Wegen
vurde die Schifsahrt auf dem Dortmund-Ems
estellt.
mHerne, 2. Febr. (Aufdeckung einer
at) Im Sommer 1908 wurde das Dienstmär
Lang im Herne-Kanal als Leiche aufgefunden.
ete sich ein holländischer Arbeiter zu der An
ind sagte aus, daß die Lang damals umgebrt
en sei. Drei hollöndische Arbeiter hätten die 3
ührt. Sie häüiten das Mädchen am Kanal a
berfallen und vergewaltigt, worauf einer das
ait dem Kopf solange unter Wasser gehaltener
s8 tot warx. Die Leiche wurde sputer in den
porsen. Die Staatsanwaltschaft hat bereits ei
ichung eingeleitet.
Trier, 2. Feb. (Erwischte Räuber.
eiden Räubern, die vor einigen Wochen in der
u Diedenhofen 20 000 M. raubten, wurde ein
ien verhaftet. In seinem Besitz wurden noch
esunden.
* Darmstadt, 2. Febr. EErschossen,)
zat sich der beim Bezirkskommandeur kommand
che, namens Werner aus Hanau. Er hatte sie
zene Unregelmäßigkeiten zu schulden kommen la
Ludwigshafen a. Rh, 2. Febr. Gron
zm Palattnawerk der Pfälzischen Chamotte-7
berke (A.“G.) in Eisenberg brach Großfeuer au
‚ees der vier Fabrikgebäude vollständig niederdr
chaden ist sehr bedentend; da jedoch das Maf
rettet wurde. kann der Betrieb aufrecht ernait
a Hamut. 3. Febr. (Gin hartnäcct
zegner.) Der Posamentier T. zu See
burde von der Polizei erneut au'gesordert,
nuipfen zu lassen. Er weigerte sich. Eine Besir
rfolglos und eine weitere Bestrafung wurde
andesgericht zu Hamm für unzulässig erklärt,
„em Rechtsgrundsatz widerstreite, daß nicht zu
zen desselben Deliktes bestraft werden dürfe.
orderte die Polizei den T. nochmals auf, sein
en zu lafsen. Falls er es unterlasse, werde n
zabe des 8 132 des Landesverwaltungsgesees
ührung der Anordunng von Polizei wegen au
ten erfolgen. Gegen diese polizeiliche Anordur
T. erfsolglos Beschwerde, und weitere Beschwe
dandrat des Kreises Bielefeld bezw. beim Reg
sdenten zu Minden. Dann beschritt er den Kl
derwaltungsstreitversahren. Er wies auf das
Werlandesgerichtes Hamm hin, das eine mehr:
Afung wegen derselben Unterlassung für unzi
lärt und suchte aus der Entstehungsgeschichte d
iachzuweisen, daß der Gesetgeber dem Entr
zwaͤngscharakter genommen habe. Einen Impf
3 nicht. Das Oberverwaltungsgericht wies die
rück. Mehrfach habe es in seinen früheren En
achgewiesen. daß der Impfzwang für Kinder
es Gesebgebers entspreche und daß die Poliz
ei, Zwangsmittel, die ihr der 8 132 8.*
dand gebe. in Anwendung zu bringen. Dur«
erung des Entwurfs sei der Impfzwang ni—
vorden. Und was das Urteil des Oberlau
damm angehe, so beschäftige es sich gar nicht
ur Verhandlung stehenden Frage der Durchfu
Zwanges, sondern lediglich mit der Möalich—
achen Bestrafung.
*Mannheim, 3. Febr. (Käl berein;
zinweis auf die Höhe der Kalbfleischpreise uꝛ
ahr, daß die Landwirtschaft infolgedessen me
uf den Markt bringe, als im Interesse der Erl
hermehrung des heimischen Rindviehbestandes
satte der Bezirksverein Baden-Pfalz des Deu
cherverbandes die badische Regierung ersucht,
zinfuhr von Kälbern aus Frankreich zu gestan
Ninisterium des Innern erwiderte darauf, da
et sei, an Stelle des zugelassenen Kontingents
uen eine ebenso aroke Anzahl von Kälbern
5
Bei Schießübungen verunglückt.
ingen der Torpedoschule in dem italienischen
Zpezia platzte ein Torpedo. Drei Unteroffia,
etötet, 10 Schüler verwundet.
Mit Maun und Maus untergegangen
undo, Provinz Valencia sank das baslische
Abando“. 22 Mann Besatzung ertranken. 6
ereits geborgen. — Gegenüber von Rista in
datalonien sank ein Fischerdampfer. 15 Ma
rtrunken.
Schneesturm. In ganz Zentral-Spanien
ↄAchneefall unvermindert fort. Sämtliche
indungen nach Norden sind unterbrochen.
ebung von Saragossa sind zwei Eisenbahnu
zchneemassen vollständig eingeschlossen. An de
dordküste herrscht furchtbarer Sturm, durch d
zchiffssunfälle verursacht worden sind. Die ne
st von Schifsstrümmern übersät.
WVerwißt. Der Kreisgerichtsrat Eberha
eipzig soird seit einigen Tagen vermißt.
u, daß er seinen Tod in der Pleiße gefunde
ndan seinen Mantel am User des Flusses au
xermißte hat noch kurz zuvor an drei Verhan'
»nommen, in denen er Referate erstattete.
Studentenstreik. In der Technischen
emberg herrschte wieder vollständige
niversität versuchten die freike tlichen Studen
fungen zu stören, was ihnen in einzelnen
elang. Es kam zwischen den Akademitern
as Universitätsgebäude war von Militär
tudenten jedoch nicht heran kamen, ließ
»ziehen. In Krakau wolsen die streikende
ne Versammlung abhalten, in der sie *
zenat auffscdern werden, sein Mandat nmi—
er Polenktub h'elt eine Konferenz über d
en Universtiäten von Krakau und Lembergs
eschlüsse wurden dabei nicht gefaßt, doch
icht, die Regterung zu ersuchen, behufs B
er Ruhe, die den Studenten nagedrohten
issen.
Von Rüubern ermordet. In Ku—
aind) wurde die aus 8 Personen bestehri
'ondratjem von Räubern ermordet. Die
däuhern erbeutete Barschaft betrug 305
Eisenbahnunglück. Auf der Eise.
ja⸗Torreblanca (Spanien) ereignete sich
isenbahnunfall. Der Expreßzug, der be
on Valencia abging, entgleiste. Infolge
degengüsse hatte das Erdreich des Bahnd
eben, sodaß die Katastrophe verursacht wur
eisung ereignete sich bei der Station Ruid—
ibgang des Telegramms waren bhereits
zchwer verletzte aus den Trümmern gezogen
Eisenbahnu⸗Unfall. Der Simplon Exprep
and ist von einem eigentümlichen Unfall n
en. Kurz nach der Abfahrt vor Pfelle löo
zassieren einer Brücke einige Stangen von
ruktion der Brücke und stürzten auf zwei We
. Klasse. Die Dächer der beiden Wagen w
hlagen, sonst aber kein Unheil angerichtet
Sturm. An der ganzen katalonische;
n heftiger Sturm, der von Regengüssen
esamte Schiffsverkehr ist lahm gelegt.
ischerboote „Mataro“, „Caldetae“, „Vila
erone“, die sich zur Zeit des Sturmes au
zuden nd nicht zurückekehrt scchsepype