Full text : Dudweiler Zeitung

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Umtliches Publikationsorgan für den Mit zwe Beil agen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweile⸗ ssonntagsblatt und Heitere Blätter.
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fernspr. zaarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler PVerantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenie?: Sarl Unterleller
J — z — 78 J i i Ib 24 Stunde a nach dem Unfall in ärztliche
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dOo M. Tod durch Unfall bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank in Nürnberg versichert. J nfal n int.
een Dmien m gegenge eee innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebracht werden Uber die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß. die vom Verlage od. von der Nürnberger ebensve — J sin
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Nr. 288 I.Ausgabe ohne Abornonton-Perti herun⸗ VLieenstag. den 5. Dezember —— lahrgang
Jult vefand sich die persische Haupistadt wieder in den der so über die österreichische Krieaspartel den Sieq
»änden der Nationalisten. Der Schah mußte auf der davon getragen habe.
ussischen Botschaft Zuflucht suchen. Dann solgle seine Aus dem Vatikan.
bdanlung und die Proklamierung seines Sohnes, eines *Aus Rom wird den Blätiern gemeldet, daß das
fiährigen Kuaben, zu seinem Nachfolger. Während der Bbefinden,des Papstes seine Umgebung beun—
amuse war das and in einen Zustand der Anarchie Ahiht nZit dag san sint gun Gicht fes an
eraten Der Wunsch der neuen Regierung richtete sich ie Papst bekanntlich schon seit laängerer Zeit leidel
aturgemäß darauf, Ordnung und Ruhe im Lande wie ind verordneten ihm Ruhe. Der, Papft klagt jedoch
Iberzustellen. Aber zu diesem Zwece war Geld noß nt a Schmerzen und zeigt sich sehr zufrieden üͤbern
vendig. Die Bemühungen der persischen Regierung, ie Ernennung der neuen Kardinale
ine Inee en 8 sich als eue — —
veil sowohl die russische, als au bedauerlicherweise —IIF
ie englische Diplomatie eine solche nach Kräften ver— Das Marokko⸗BAbkommen.
itelten. Wöhrend sich nun die persische Regierung in Anläßlich eine DenkmalsEnthüllun g in
inem völlig hilflosen Zustand befand, richtete die bri Srepen Bry hielt der Unterrichtsminister Steeg
ische Regierung im Oktlober 1909 ein Ullimatume an ine Rede, worin er das innere und äußere Wirken
as Kabinett in Teheran, in dem es auf Wiederher er Regierung schilderte und sich über das deutsch⸗fran⸗
tellung gesicherter Verkehrsverhältnisse im südlichen zösische Abkonimen äußerte. Wir haben während dreier
zersien drängte. Nun machte die persische Regierung Monate aufgeregte Stunden verlebt. Niemals haben
ne außerurdentliche Anstrengung, die zerrütteten Finam wir uns von Einflüssen leiten lassen, die zur Würde
en des Landes zu reorganisieren, und betraut den der Nation und zum Völkerfrieden im Gegensatz stehen
merikaner Mr. Morgan Shuster mit dieser Aufgabe. ind wir glauben, Sie werden unser Vorgehen billigen.
m kritischen Moment tauchte aber wieder Rußland als Wir können nicht zugeben, daß man über das Abtom—
riedensstörer auf, indem es die Invasion des Eyschahs nen zur Tagesordnung übergeht, ohne sich darüber
ihig geschehen ließ. Das Abenkeuer scheiterte jedoch. jffentlich zu äußern. Unsere Haltung läßt keine Intri—
un holte Rußland zum letzten Schlage gegen das um quue zu. Wir haben das Bewußtsein, ein großes Werl
lückliche Persien aus. Mr. Shuster muß gehen. Mi— ür die Zukunft des Landes und für das Ansehen der
em Verschwinden dieser Persönlichkeit vom persischen dation ausgeführt hat
chauplatz schwindet auch die letzte Hoffnung auf eine
degeneration des versischen Neiches

Die neue Krise.
Wir leben in einer hochbedeutsamen Zeit. Aus einen
zrise gelaugen wir in die andere. Kaum hat sich die
ine Spannung in Wohlgefallen aufgelöst, so taucht
hon eine neue drohende Wolke am politischen Horizont
uͤf. Schon wieder stehen wir einer neuen Situation
egenüber.
„Eine neue Situation hat sich ergeben,“ sagte der
ritische Stuatssekretär des Aeußeren im Parlament,
ine Situation, die die ernste Beachtung seitens bei—
er Negierungen erheischt. Die Regierungen, die hier—
ei in Frage stehen, sind diejenigen Großbritanniens
und Rußlands. Die Entstehungsstelle der Krise ist
ersien. Die gegenwärtige Situation im mittleren
sten wird das anglo-russische Abkommen auf eine harte
zrobe stellen, aber auf englischer Seite hofft man, daß
3aus der Krise unversehrt hervorgehen und sogar
jesentlich zur glatten Beseitigung der Schwierigkeiten
ienen wird. Welch großen Wert das Abkommen für
ie englische Politik besitzt, geht am besten daraus her—⸗
or, daß man auf die englisch-russischen Beziehungen
ezůglich Persiens zurückblickt, die vor 30, 20 oder selbst
ir vor 10 Jahren obwalteten. Das russische Ultima—
m und die russischen Truppenbewegungen hätten un—
ylbar eine akute und möglicherweise verhängnisvolle
rise hervorgerufen. Die Situation entbehrt des Ernstes
Abst heute nicht, wäre aber das anglo⸗russische Abkom—
en nicht vorhonden, dann hätten freundliche Bezieh—
ugen zwischen den beiden Ländern längst zu existieren
usgehört, und die Krise hätte bereits ihren Höhepunkl
reicht. Keinesfalls läßt sich aber behaupten, daß die
ituation eine befriedigende sei. Wie wäre sie aber
hne das ·Abkonimen beschaffen gewesen? Die Antwort
uf diese Frage bildet einen Maßstab für den Wert des
ibkommens. das knapp vor seinem Zustandekommen
och so unwahrscheinlich schien. Die Moral aus der
eschichte ist derjenigen, die man aus der Marokko⸗Krise
ehen mußte, ganz und gar entgegengesetzt, nämlich die,
iß Staatsmänner niemals zu verzweifeln brauchen.
rotzdem läßt sich nicht verkennen, daß die gegenwär—
ge Lage so ernster Natur ist, daß sie möglicherweise
r Erschütterung der Grundlage des Abkommens füh—
mwlann, die die Integrität und Unabhängigkeit Per—
is anerkennt. Angesichts der gegenwärtig vorliegen—
Verhältnisse mag es nicht ohne Interesse sein, einen
ackblick auf die Geschichte der versisichen Wirren 2u
erfen.
Seit Jahrzehnten wurden die russischen Absichten
uf Persien durch Großbritanniens Widerstand stets
ihmgelegt, dessen Interesse es war, die Unabhängig—
eit Persiens als Puffer-Staat zwischen Rußland und
zundien aufrecht zu erhalten. Um 1906 herum begann
ie russische Diplomatie mit der englischen zusammen
uarbeiten. Dieses gemeinsame Vorgehen führte zu
em Abkommen von 1907, demzufolge sich England da—
nit einverstanden erklärt, daß das nördliche Persien
inschließlich Teherans als exklusiv russische Einflußsphäre
u betrachten sei, während England eine ähnliche Kon—
ossion mit Rücksicht auf das suͤdliche Persien eingeräumt
vurde. Mit russischer Unterstützung ging darauf der
—— mit Maßnahmen vor, die die Intrigen des nörd—
ann · hen Nachbarn klar und deutlich erkennen ließen. Er
MPegann die Nationalversammlung zu schikanieren. Im
ang Dezember 1907 schritt er zur Verhaftung des gesamlen
talrg abinetts einschließlich des Nasr-el-Mulk, des gegenwär—
Henfeen Regenten. Sofort brach in Teheran eine Revolte
tus 128. und britische: Pression Gehör schenkend, entließ der
m chah die Mitglieder aus der Haft. Aber schon wenige
onate nachher entschloß sich der Schah zu einem
urst taatsstreich, zu dem ihm Oberst Ligcoff, der russische
zrobs anmandeur der Kosaten, hilfreiche Hand leistete. Am
Idsi . Juni 1908 wurde das Parlament bombardiert,
egsrecht proklamiert und Oberst Liakoff zum militä—
x nischen Diktator eingesetzt. Es hatte den Anschein, als
b RNußland den erwünschten Erfolg erreicht hätte; das
rsische Volk griff zu den Waffen. Rußland mißbrauchte
Revolte zur militärischen Otkupation von Täbris⸗
Gaswin Aber bald wendete sich das Blatt. Min—

Deutscher Reichstag.
216. Sibung. Berlin, 4. Dezbr.
Mittag 1 Uhr.
Der Gesetentwurf über die Verlängerung der Dauer
des Gesetzes betr. die militärische Sprachrechtsrage
 in Kiautschou wird in 1. und 2. Lesung
rledigt.
Es folgen Petitionsberichte.
Eine Reihe von Eingaben von Posi- und Telegra—
»hen⸗Beamten wird als erledigt erklärt durch eine
rüher augenommene Resolution der Petitions⸗Kommis—
ion. Eine längere Reihe weiterer Eingaben wird gleich—
alls nach den Vorschlägen der Wetitions⸗Kommission
rledigt.
Ueber eine Eingabe auf generelle Abschaffung der
veiblichen Bedienung in Gast- und Schankwirtschaften
zird zur Tagesordnung übergegangen.
Die Vorschläge der Kolonial-Gesellschaft und des
llldeutschen Verbandes über die Erwerbung und den
Zerlust der Staatsangehörigkeit werden dem Reichs—
anzler als Material überwiesen; ebenso eine Eingabe,
ie sich gegen mißbräuchliche Benutzung von Bierflaschen
urch das Publikum richtet und ein Reichsgesetz zum
zchutze der Bierflaschen fordert.
Eine Eingabe, die eine Kalenderreform und die
restlegung des Osterfestes fordert, wird ebenfalls als
Material überwiesen.
Eine Eingabe der STtadt Colmar zu dem Projekte
iner neuen Bahnverbindung zwischen Deutschland und
zrankreich, einer dritten Vogesenbahn, wird dem Reichs—
anzler grundsätzlich zur Berücksichtigung, und sofern es
ich um einzelne vorgeschlagene Routen handelt, zur Er—
vägung überwiesen.
Eine Reihe von Rechnungssachen wird
hne Debatte erledigt.
Es folgt die zweite Lesung der ostafrikani—
schen Bahnvorlage.
Schatzsekretäir Wermuth: In der Budgetkommis—
ion hat im Anschluß an die Tanga⸗Njika-Bahn eine
urze Debatte über die Entwicklung der Reichsfinanzen
tattgefuünden. Man soll nicht immer ein bedrohliches
doroskop stellen, weil man mit der Finanzgesetzgebung
yon 1909 nicht einverstanden ist. (Stürmisches Hörtf
dört! Fechts und im Zentrum.) Wir haben ein drin
gendesß Interesse daran, daß das Vertrauen in unserer
Finantgebarung nicht aufhört und der Kredit des Rei—
hes nicht beeinträchtigt wird, wo er vollbegründeten
Anspruch darauf hat, als gut und vollwertig angesehen
„u werden. Deshalb und nur deshalb erkläre ich, daß
wir Aussicht haben, die Gesundung der Reichsfinanzen
mehrere Jahre früher zu erreichen, als man sie 1909
porausgesetzt hat. (Anhaltende stürmische Hör Hört
stufe rechts und im Zentrum, Unruhe und Bewegung.)
Was bei der Schuldentilgung des Etats von 1910
md 1911 noch zu wünschen übrig, haben die Ueber—
chüsse nachgeholt. Die Schatzanweisungen haben sich er⸗
heblich vermindert und wir haben von den Schatzan—
veisungen, die am 1. Oktober d. J. fällig waren, 40
Millionen bar auszahlen können. Feststeht, daß wir
m Jahre 1912 mit einer Erhöhung der Zoll⸗ und
Zteuer-Einnahmen rechnen können, ebenso mit steigen—
ven Mehreinnahmen der Post und Eisenbahn, und da—⸗
teben halten wir an den Matrikularbeiträgen fest, nach
o»ben wie nach unten. Ich kann mit gutiem Gewissen
die vorliegende Vorlage empfehlen. (Stürmischer Bei—
fall rechts und im Zentrum. Zurufe links und Be—
vegung.,
Abg. Dröscher (kons.) erstattet den Bericht über
ie Konmmissionsverhandlungen.
Der Vertreter der Vorlage Gouverneur von Re—
henberg ist anwesend.
Abg. Erzberger (IZtr.): Die Erklärungen des
Zchatzsekretärs haben uns in unserer Sympathie fuüͤr di⸗
Vorlage noch bestärkt.
Abg. Paasche (nl.): Wir sind dem Schatzsekre—
ãr aufrichtia dankbar, daß er klipp und klar gezeigl
IEIEISMIXIEAEXIECCEXEECEZ
lian keine bestimmte Kunde meyr von ijm. Ob er dort
in geordneten Verhältnissen an der Seite seines treuen
Weibchens noch lebt oder ob auch ihn der große amerikaische
 Kriea verschlungen — Niemand weik es
— Ende
— 00
rin treuer Führer.
(eiseerinnerung aus den Hochalpen).
In der Frühe eines Julimorgens, so frisch und klar,
ie er nur über dem Hochgebirge aufgehen kann, wanderte
ch mit einem Freunde, der sich die Aufgabe gesjtellt hatte,
n den höchsten Gebirgsregionen photographische Kufnahmen
ür wissenschafiliche Zwecke zu veransialten, durch das
hamounirt'ale“ Es waͤr an jenem Tage ein länd⸗
liches Fest, und die in ihre bekannte nette und einfache
Tracht gekleideten Saboyarden, welche unler heilern Ge⸗
prächen ron der Frühmesse aus Prieure kamen und grü⸗
zendzan uns vorübergingen, blieken am blumigen Vett
der Arve bei einem Alpenführer stehen und bliglen mi
Jrößter Aufmerksamkett durch ein altes, vielgebrauchtes
Fernrohr, das dieser mit sich führte, die weiße Bergwand
des Montblane hinan. Sie mußten dort irgend eiwas
Angewöhnliches beobachten, denn mehrmals hörte ich sie
rufen: „Voila les touristes — a present ils avancent —
8 montent!“ Auf nähere Erkundigung zeigte uns der
Führer, der sich Frederie Dairraz aus Chamounit nannte,
eine kleine Anzahl sich fortbewegender schwarzer Puͤnkte, die
wir mit bloßen Augen auf der weiten glitzernden Schnee—
wüste natürlich gar nicht bemerken konnten. 8wei Eng—
länder waren es mit vielen Führern und Lastträgern, die
inter der Oberleitung des alten, bewaährten WMichel Croz
aus Chamounit bereits in der Frühe des rorigen Tages
aufgebrochen waren, um einen neuen Weg vr EGrene ves
europäischen Bergkönigs zu finden.
Wir ließzen die Kletterer Altenglands da droben ihren
trügerischen Weg weiter ziehen über die prasselnde Schnee—
unt Eiskruste und unterhandelten mit dem Fuührer wegen
etner Besteigung des „Grands-Mulets“, die wir heute noch
deabsichtigten, weil die ruhige und klare Luft für die
Zwecke meines Freundes gerade geeignet schien. Dairraz
vandte ein, daß die Zeit zum Aufbruch für solch eine
chwierige Tour schon eiwas zu spät sei, da er noch einige
Träger mit den nötigen Kletterwerkzeugen, eisenbeschlage
nen langen Stöcken, Haden, Aerten und Beilen, sowie guͤch
mit Proviantkörben ausrüsten müsse und wir somit vor
icht Uhr Chamounix nicht verlassen würden; allein wir
ießen dies nicht gelten und drängten zur Reise.
Nachdem wir uns beäi arren füchtioen tuüuu

Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Die zweite Marokko⸗-Debatte im Reichstage
hird voraussichtlich am Dienstag Nachmittag stattfin
en, und zwar in einer besonderen Sitzung, nachdem
ie die „Germania“ mitteilt, das Haus in einer Vor
ittags⸗Sitzung die noch rückständigen dritten Lesunc
ufgearbeitet haben wird. Die Versuche, bei dieser Ge
genheit eine gemeinschaftliche Erklärung der bürger—
chen Parieien abzugeben, sollen gescheitert sein. Der
teichsstag würde dann schon am Dienstaa Nachmittae
useinandergehen.
* Die vor einigen Tagen über Paris verbreitete List«
ser vom Kaiser ernannten Mitglieder der 1. Kam—
ner für Elsaß-Lothringen erfährt durch ein
salbamtliche Aufstellung nachträglich eine kleine Korrek
ur. Darnach hat der Kaiser im ganzen 18, nicht 17
Mitglieder ernannt. In der ersten Liste war fälschlich
ner Name des Barons von Dürkheim genannt
Oesterreich⸗ Ungarn.
* In Kreisen, die dem Auswärtigen Amt nahestehen,
war das Gerücht verbreitet, daß Graf Aehren—
hal dem Kaiser neuerdings seine Entlassung ange—
hoten habe, trotzdem über sein früheres Demis—
ionusgesuch vom Kaiser durch die Annahme
es Rücktrittsgesuches des Chefs des Generalstabes be—
eits entschieden wurde. Die Veranlassung für das
viederholte Demissionsanerbieten soll das offiziöse
Loumunique des Kriegsministeriums gebildet haben,
as, wie bekannt, scharfe Spitzen gegen den Leiter
er auswärtigen Politik der Monarchie enthält, und
essen Inhalt sich, wie die dem Kronprinzen angeblich
tahestehenden Blätter behaupten. mit den Absichten des
ürzberzogas Ferdinand deckt.
Italien und der Dreibund.
An italienischer amtlicher Stelle wird mit Entschie—
enheit allen Nachrichten über den bevorstehenden Aus—
ritt Jtaliens aus dem Dreibunde wider
prochen. Es werde demnächst eine amtliche Kundgeb
ng erscheinen, die über diesen Punkt nicht den ge—
ingsten Zweifel lasse und den österreichischen Meldun
en entgegeniritt, wonach Italien anläßlich der Anne
don von Bosnien und der Herzegowine gegen Oester—
eich mobilisiert habe. Die Abberufung des Chefs des
seneralstabes p n Hötzendorff' hat in ganz Ita—
ien lebhafte Befriedigung hervorgerufen, da man dar—
——— àA 4 r . 4. 12 ——

Rußland in Persien.
Der Erschah Mohamed Alis siedelt dieser
Zage aus Hodscha nach Astrabad, der Hauptstadt der
leichnamigen Provinz im Südosten des Kaspis-Sees
ber, der sich ihm vor Wochen ergeben hat.
Dem Depeschen-Bureau „Herold˖ wird von unter—
chteter Stelle mitgeteilt, daß die deutsche Regierung
in lebhaftes Interesse an der Aufrechterhaltung der
rdnung in Persien hat. Sollte die Herstellung geord—
eter Zustände nur durch eine militärische Ollupation
on Seiten Rußlands zu erzielen sein, so hätte die
eutsche Regierung gegen eine solche nicht das Gerinaste
inzuwenden.
Um jeder Ausschreitung und eventuellen Angriffen
gegen Russen vorzubeugen, wurde über Teheran
der Kriegszustand verhängt.
Die Erregung in Teheran hält an, besonders
inter der Jugend. Die Feindschaft gegen die Rus—
en beschränkt sich vorderhand auf den Boykott der rus—
ischen Waren, auf Umzüge und sonstige russenfeindliche
zeranstaltungen, ferner auf Schließung der Kauf⸗ und
zchulhäuser und ostentatives Waffentragen auf' den
zlätzen und Straßen der Stadt. Die Regierung denti
iach einer neuen Meldung nicht an einen Krieͤ mil
tußland oder England,
Eine Depesche aus Kaswin berichtet, daß die
ussischen Truppen in Resscht die dortige persische
sdiliz entwaffneten und das Telegraphenami
esetzten. Aus allen Teilen der Provinz treffen Tele—
ramme ein. die dem Med'schlis Unterstützung anbieten.

n

Zum Krieg um Tripolis.
Rämische Meldungen aus Derna berichten, daß
ine Kolonne türkischer und arabischer Truppen in einei
Stärke von zirka 1000 Mann einen lebhaften Angrif
jegen die italienischen Stellungen einleiteten, aber mi
„Lutigen Köpfen zurückgewiesen wurden. Di«
erluste auf Seiten der Türken werden als hedeutend
ingegeben

— —
Zur Revolution in China.
In Peterté 288g wurde die Nachricht verbrei
et, daß ein M hospital in Kantor
on deuRevolutionarenüberfallen wor
en ist. GEin Missionär soll aetäteif worden sein

Bs Uogelfrei. cEo
Noch alten Untersuchunasakten eraäählt

Voergeblich wurden abermals alle Polizeibehörden in
Bewegung gesetzt, man konnte seiner nicht habhaft werden,
ind erst am 13. Februar wurde er wiederum zur Haft ge—
, nachdem er freiwillig sich den Behörden ausgeliefert
hatte. Ein Vorfall während dieser Zeit belehrt, daß
Brinkhoff es verstand, sich als Flüchtling den Verhältnissen
nach so angenehm wie miöglich einzurichten.
In der Nähe von Rüderich bei Wesel liegt ein aller—
iebstes Gütchen, genannt „Jägersruh,“ ziemlich entfernt
jon andern Höfen, das einer in Köln wohnenden Familie
ehört. Das Haupthaus wird nur im Somnier von den
kigentümern bewohnt, ist deshalb mit allen zu einem
ingeren Aufenthalte nötigen Mobilien versehen, im Winter
bgeschlossen und wird nur zuweilen von dem in einem
aneben liegenden Hause wohnenden Vächter dos Guta dofinet
 und nachgesehen.
Hier ließ sich Brinkhoff nach seinem Entspringen häus—
ich nieder. Schön möblierte Zimmer, gute Betten, ein
‚uter Weinkeller bildeten zwar eine einsame, jedoch für
inen Flüchtling gewiß beneidenswerte Wohnung. Durch
in Fenster des zweiten Stockes wußte er sich Eingang in
»as Haus zu verschaffen. Er fand auch ein Jagdgewehr
nit Munition. Am Tage blieb er ruhig in seinem Schlosse,
achts aber ging er aus und verschaffte sich die nötigen
rꝛebensmittel. Leider dauerte dieses idyllische Leben nicht
ange. Eines Tages, am 8. Januar, bekam der Pächter
»on Jägersruh Besuch von seinem Bruder. Dieser sprach
en Vans aus, das Herrenhaus zu sehen, dem auch ent—
prochen wurde. Als man nun die Tür öffnete, stand
Brinkhoff mit einem Doppelrohr in der Hand vor den Ein—
retenden und rief: „Zurück!“ Man versländigte sich jedoch
»ald. Brinthoff bal die Pächterin, ihm eine Wutst, die
r ihr überreichte, zu braten, zog sodann eine Flasche Wein
ervor und lud die Gesellschaft zum Essen, und zum
rinken ein. Brinkhoff aß und tränk, das Gewehr duf
em Schoße, entschuldigte sich sodann durch seine eigentüm—
che Lage auf das Höflichsie, daß er ohne Miektontratt
ewohnt habe, und verschwand im Dunkel der Nacht.
Lange hörte man nichts von ihm. Er würde sicher
atkommen sein, wenn er nicht das Mißgeschidt gehabt
ätte, sich aus Unvorsichtigkeit durch die Hand zu schießen.
zeimlich ging er nach Rheinberg zu einem Arzte, und als
ieser ihm erllärte, wenn die Wunde nicht sorgfältig be—
andelt würde, könnte der kalte Brand eiutreten, entschloß
r sich, freiwillig sich zu stellen. Einen armen Besenbinder,
mdessen Höhle er verstectt war, gab er den Auftrag, sei—
en Aufenthalt anzuzeigen, damit derselbe die ausgesehte
belohnung verdiene. Am 13. Februar erfolgte die Wie—
ꝛrnorhaftung. Die Frau Brinkhoff, die man vner Re

beschundigung ver „xanojtreichereir festgenommen, wurde
ndessen in Freiheit gesetzt, weil aus Amerika die Atteste
arüber eingelaufen waren. dak sie die rechtmäßiage Gattin
zrinkhoff's sei.
Durch barmherzige Leute wurden noch die Mittel zur
deise nach Amerika aufgebracht und sie reiste dahin ab.
Mit der größten Sorgfalt wurde nun Brinkhoff be—
vacht, die Untersuchung gegen ihn wurde mit Energie
etrieben, so daß er schon am 28. März vor den könlg—
ichen Assisenhof zu Cleve gestellt werden konnte.
Brinkhoff war angeklagt: in der Nacht vom 1. zum
. Dezember 1859 zu Alpen den Polizisten Husmann vor—
ätzlich und mit Ueberlegung zu töten versucht; am 5.
dezember 1859 in der in dem Walde bei Alpen belegenen
Lohnung des Jagdhüters Jakob Esselborn diesem unter
Drohungen ein Gewehr, in der Absicht, sich dasselbe rechts—
vidri auaueialen. megaengeumnen, aul 11. Deacumer 18000
u Sõolhof den Taglöhner Ingenilm vorsätzlich und miĩt
— DD
of den Polizisten Murmann vorsätzlich und mit Ueber—
gung getötet; endlich in der ersten Nacht des Januar
860 zu Jägersruh, in dem Hause des Direktors Götz,
urch Einbruch und Einsteigen ein Gewehr und einige
Runition an sich genommen zu haben.
Wurde dieser Anklage, aus der indes das Vergehen
igentlichen gemeinen Diebstahls nirgends hervorgeht, ent⸗
yrochen, so mußte auf die Todesstrafe erkannt werden.
Auf der Bank der Angeklagten erschien ein schlanker,
inger Mensch, mit blassem, länglichem Gesichte und
hwarzen langen Haaren. Sein ganzes Auftreten war
uhig und gemessen, seine Haltung anständig. Nach zwei—
igiger Verhandlung bejahten. die Geschworenen die ihnen
orgelegten Fragen, jedoch mit der Modification, daß
zrinkhoff zu der Tötung durch den getöteten Polizisten
elbit, der ihm eine schwere Mißhandlung zugefügt, gereizt
borden sei. Der Assisenhof erkannte auf eine Zuchthaus—
rafe von zehn Jahren. Brinkhoff nahm das Urteil mit
roßer Ruhe auf. Einige Tage darauf erkundigte er sich,
ann die Abfahrt der Schiffe von Rotterdam nach Amerika
attfinde, und als man ihn auf seine Ketten und die
arken Wände seines Gefängnisses aufmerksam machte, antvortete
 er, die würden ihn nicht belästigen wenn er mir
deisegeld hätte.
Er wuͤrde wiederum nach Werden abgeführt, ließ sich
ort seine durchschossene Hand gründlich kurieren und —
ines Tages war er wieder verschwunden. Seine glüdiche
 Ankunft in Amerika hat er den Beamten, denen er
vwiele Sorae gemant scrifflich anaezeiat Seithem b0

»6i

Brinkhoff verschwand im Dickicht des Waldes, aber
y die an den Beinen erhaltenen Verletzungen kam er
t weit; er blieb liegen. Seine Frau kam ihm zu
e; sie brachte ihn in die ärmliche Hütte eines Taglöh—
» und legte ihn in's Bett. Dort wollte er zuerst seinem
den ein Ende machen, allein seine Frau faßte seine
nd mit dem gespannten Nevolver und brachte ihn durch
Worte; „Wilhelm, wenn Du auch festkommst, ich
pol rde Dich immer befuchen“, von dem Enischluß ab. Et
von Jab sich un in sein Schicksal und wollle nach Alpen ge—
nsten ren werden, um sich dort den Vehörden zu überliefern.
Unterdessen war auch eine Abteilung Militär bis zu
Taglöhnerhütte gelangt, in welcher Brinkhoff lag. Als
derer dies hörte, sprach er den Wunsch aus, sich diesem
ergeben. Der kommandierende Leutuant trat in die
de. Brinkhoff überreichte ihm mit, den Worten: „Ich
gebe mich Ihnen,“ seine Waffen, Revolver und Jagd—
zaufte eer das verhängnisvolle Gewehr hatte er gleich nach
n Schuß fortgeworfen) und wuͤrde sodann mit seiner
u über Alpen und Wesel in das Arresthaus zu Cleve
ihrt. Als er in Mpen, ankam, und ihm mitgeteilt
oll tde, daß der eine Polizist tot sei, fing er unter“ den
ter. orten: „also wirklich ot, hätee der Mann mich nur an—
en, dann wäce das Ungliick nidot neicheheir!“ beftiag
u weinen.
— Die Abführung Brinkhoff's in das Arresthaus glich
7 . Triumphzuge; so hatte er namentlich überall die
X ierigen Dainen auf seiner Seite, die sich herandrängten,
hn zu sehen. Große Freude verursachte die Ein
Ans uung des Brinkhoff bei den Sicherheitsbeamten; allein
* reude war von kurzer Dauer. Bereits am 28. De—
— er gelang es Brinthosf, seine Freiheit wieder zu er—
Is jacen. Von dem Krantenzihumer des Arresthauses kurtterte
ͤEs enachdem er auf unerklärliche Weise die Angeln der
e der Krankenstube abgebrochen, über Mauern'bis auf
Fertt ny des neben dem Arresthause liegenden Landge—
—**8 nagebäudes, dedte dort einen Teil der Tachpfannen ab,
— gte auf diese Weise auf einen kleinen Soͤller, wo er
ιν ochdem er die Pfannen wieder eingesetzt hätte, bis
— Ieend ruhig verhielt. Als der Kasiellan des Land⸗
As am Abend die Lichter anzünden wollte, huschte auf
Trebbe ein Schatten an ihm norhboi —
            
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