und ven gregorignischen Kalender schon in den nächsten
Jahren einzuführen.
Durch kaiserliches Edikt wird die Provinz Schan—
tung begnadigt, weil sie nur unfreiwillig an
der Revolufion teilgenommen hat.
Revolutionäre Delegierte verfammeln sich in Wut⸗
schang, um mit den Kaiserlichen über die Friedens—
bedingungen zu beraten. Eine Berstanda gung
wird allgemein erwartet.
Aus aller Weit.
Großfeuer. In Leipzig brach am Samstag
in einem Montierungsgebäude Großfeuner aus. Das
zanze Gebäude, in dem sich Montierungsstücke und Ge—
räte für ein Reserve-Artillerie-Regiment befanden, is
»on den Flammen ergriffen worden, sodaß nichts geret.
et werden konnte.
Duell. In der Nähe von Chemnitz, im Ra
»ensteiner Wald, fand am sogenanuten Totenstein zwi
ichen dem Sohne des Gutsbesitzers und eineni Kechts
mwalt aus Hohenstein⸗Ernstthal ein PistolenSuell statt
der Gutsbesitzerssohn wurde durch eine Kugel in di
Rippengegend schwer verwundet.
Zug-Zusammenstosßz. Auf der Weichselbahnstatior
Liechanow stieß der Warschauer Eilzug mit einem Gü
erzuge zusammen. Beide Lokomotiven, 7 Personen
ind 6 Güter⸗Wagen wurden zertrümmeri. 10 Reisend
ind 8 Bahnbeamte wurden verlebhl, davon 4 schwer
Explosion. In einer Weberei in Lille erfolgt
ine schwere Erxplosion, die einem Arbeiter das Leben
ostete. Ein zirka 1000 Kg. schweres Eisenstück traf den
rbeiter mit solcher Gewalt, daß er buchstäblich z e r⸗
nalmt wurde und zwei andere Arbeiter lebeusge
ährliche Verletzungen erlitten.
Ein Droma. Im Schnellzug Borrdeaux-Paris der
Aleansbahn spielte sich ein furchtbares Drama ab. Ein
ẽrpresser namens Lalanne, der nach Paris ins Unter—
uchungsgefangnis gebracht werden sollte, öffnete die
Waggontür und sprang auf das Trittbrett, um zu ent
veichen. Der ihn begleitende Gendarmeriewachtmeister
ilte ihm nach und nach einem heftigen Ringkampf
türzten beide auf das Geleis. Der Gendarmeriewacht—
neister wurde zermalmt, der Verbrecher schwer ver⸗
vundet.
Das BePulver. Die mit der Enquete über die
bulver⸗Lieserungen für die französische Marine beauf
ragten Offiziere haben eine neue skandalöse Entdeckung
emacht. Es ist festgestellt worden, daß ein Quantum
8 von 1908 nicht nur einen großen Prozentsatz
Bulver von 1901, sondern sogar solches von 1885 oder
1896 enthielt. Der Kriegsminister teilt mit, daß die
Direktoren der in Frage kommenden Pulver-Fabriken.
pon den Enquete⸗-Ausschüssen zur Verantwortung ge—
ogen werden würden. Der „Matin“ verlangt aber die
Einleitung eines Strafsverfahrens gegen die Schuldigen.
.Bauern⸗Revolte. In Kosmesti in der Bukowina
ist eine gefährliche Bauern⸗Revolte ausgebrochen. Als
die Hinterbliebenen des Groß⸗Grundbefitzers Bartioz
pon dem Gute des Erblaffers Besitz ergreifen wollten
eisteten die Bauern mit Knütteln und Revolvern Wider.
stand. Vier Personen wurden getötet. Das
zu Hilfe gerufene Militär war machtlos. Die Revolte
nimmt großen Umfang an
* — —
Arbeiterbewegung.
—Der Kampf im Metallgewerbe. Die Situation
des Kampfes in der Berliner Metall⸗Industrie hat sich
wenig verändert. Die Zahl der Ausgesperrten hat sich
nicht allzu sehr vergrößert. In zahlreichen Betrieben
ummt man eine abwariende Haltung ein und will die
Arbeiter, die man zur Fertigstellung dringender Liefe—
ungen nötig gebraucht, nur im äußersten Notfalle ent—
lassen. Am Abend sammelten sich vor den großen
Fabrikbeirieben im Norden ausgesperrte Arbeiter an,
ohne daß es aber irgendwie zu Zusammenstößen mit
den dort postierten Schutzleuten gekommen wäre.
— üüü—
Gerichtszeitung.
P Kriegsgericht. Das Kriegsgericht der 17. Divi—
sion in Bree'm en verurteilte den nus Ostpreußen stam—⸗
menden Musketier Hoppe vom Bremer Infanterie⸗
Regiment wegen Selbstverstümmelung zur gesetzlich
niedrigsten Strafe von einem Jahr Gefängnis. Hoppe
n sich auf dem Kasernenhose den oberen Teil der
hrmuschel abgeschnitten, um vom Militaͤr wieder frei
zu kommen, um seiner gelähmten Mutter und 75jähri⸗
gen Großmutter helfen zu koͤnnen, die durch seine Ein—
giehung in bitterster Not zurückgeblieben waͤren. Troh—
em erkannte das Gericht auch auf Versetzung in die2.
slasse des Soldatenstandes, weil Hoppe dadurch eine
ehrlose Gesinnung bekundet habe, daß er sich durch
Selbsiverftünmelung dem Misitärdiensfi entziehen wollte.
e PιαOαααOOQUQÜĩC
Vermischtes.
Wie heißt der Deutsche Kronprinz? Komische
Frage! wird wohl jeder sagen, und doch ist sie nicht
ganz unberechtigt. Bei den gegenwärtigen Eroörterun—
aen über die Teilnabme des deutschen Kronvrinzen an
—
Ihn durfte Niemand sehen,
denn die Vuft, die er atmete, durfte er gesetzlich nicht atnien;
er mußte das Licht scheuen, denn jeder Beamte der Polize
war verpflichtet, ihn sofort zu verhaften und inss Zucht⸗
haus abzuliefern! Der an das Uebermaß persönlicher Frei—
heit gewöhnte amerikanische Büraee nste Quchtkaus
wandern?
Der alte Vater, der sich als Schachtmeister mit seiner
Familie kümmerlich ernährte, tonnte dein Sohne nicht hel⸗
sen; er hatte sein letztes Gelbd nach Mainz geschickt, um die
Schwiegertochter auszulösen. Brinkhoff war in Verzweif⸗
lung. Er wollte wiederum zum Verbrechen übergehen;
mit dem Revolver in der Hand wollte er bei einem reichen
Gutsbesitzer in der Nacht eindringen und sich das Reisegeld
nach Amerika holen. Aber sein draves Wen hielt ihn zu—
rück und erklärte ihm, sie wolle lieber vor Hunger sierben,
als ein auf unrechtmäßige Weise erworbenes Stück Brol
essen! Eins vergaß er in seiner Lage, daß es in Europa
noch Meenschen gibt, die dem Elend' des Nebenmenschen
gern abhelfen, und die nicht, wie oft der Amerikaner, die
Tasche voll Dollars, den am Wege Schmachtenden keines
Blickes würdigen. Wäre Brinkhoff damals ohne Revolver
vertrauungsvoll zu dem reichen Gutsbesitzer gegangen, den
er berauben wollte, so würde ihm dieser das Geld zur
Rückreise nach Amerika geschenkt haben. Aber Brinkhofj
hatte in Amerika den Glaͤuben an die Menschheit verloren.
Was kommen mußte, blieb nicht lange aus. Es
wurde bald in dem kleinen Dorfe Alpen bekannt, daß Wil—
helm Brinkhoff aus Amerika zurückgekehrt sei. Merkwür—
digerweise unternahm der Bürgermeister von Alpen nichts
gegen ihn. Er ging ihm aus dem Wege und brachte so
Brinkhoff die Idee bei, die Polizei fürchte sich vor ihm.
Ein großer Teil der späteren traurigen Vorfälle ist der
Schwaͤchheit dieses Bürgermeisters zur Last zu legen. Wäre
derselbe sofort mit Energie aufgetreten, so würde Brinf—
hoff nie gewagt haben, was er getan—
Er wurde jetzt immer kühner, ging am Tage aus, be—
suchte die Wirtaͤhäuser und legte in denselben einen gelade⸗
nen Revolver vor sich, mit dem Bemerken, daß er dem—
jenigen, der ihn verhaften wolle, niederschießen werde. Daß
in einem geordneten Staate ein derartiges Auftreten unter
keinen Umständen geduldet werden darf, ist keine Frage,
denn die Achtung vor der Obrigkeit würde dadurch unter⸗
graben. Es kommt nicht darauf an, ob ein oder der
andere zur Zuchthausstrafe Verurteilter seine Strafe ab—
hünßt nder nicht: aAheor es fanmt wohl darauif an, doß die
N Reichztagsverdandungen wirb sowohl vom Kron
»rinzen „Wilhelm“, als auch vom Kronprinzen „Fried
rich Wilhelm“ gesprochen. Was von beiden ist richtig
Anser Kaiser erhielt bei der Taufe die Namen Prin
Friedrich Wilhelm Viltor Albert und zeichnete bis zu
Lollendung seines 18. Lebensjahres als „Friedrid
Wilhelm, Prinz von Preußen.“ Am 27. Januar 187
Jestattete Kaiser Wilhelm 1. seinem Enkel als den
kage seiner Großijährigkeit, sich fortan „Prinz Wilhelm
ju nennen. Auch unser Kronprinz erhielt bei der Tauf
den Nanen „Friedrich Wilhelm“, ihm ist aber zur Füh
rung eines anderen Namens die erforderliche Erlaubni⸗
des Kaisers bisher nicht erteilt worden. Der richtig
Name des Kronprinzen lautet daher „Friedrich Wilhelm
Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen
wie ja der Kronprinz auch selbst zeichnet.
Eine Ausstellung „Stätten der Arbeit.“ Ein
eigenartige reizvolle Idee liegt dem Plan einer Aus
tellung zu Grunde, die unter dem Titel „Stätten de
Arbeit“ in der Dresdener Galerie Ernst Arnold in
März kommenden Jahres eröffnet werden und späte
eine längere Tournee durch Deutschland antreten soll
Dabei wird sie sich in Essen einer Ausstellung „Die In
dustrie in der bildenden Kunst“ angliedern, die aus
Anlaß des hundertjährigen Jubiläums der Kruppscher
Zußstablfabril im Kunstmuseum der Stadt Essen veran
taltet wird. In der Welt der Hochöfen, in den Häfen
uind auf den Lagerplätzen hat der bildende Künstlen
uinserer Tage dankbare Motive für sein Schaffen g0
unden, und die Ausstellung soll zeigen, welchen Ein
luß die Stötten der Arbeit auf die moderne Kunst ge
vonnen haben, und wie umgekehrt die künstlerisch
Zchöpferkraft diese neuen Motive als Ausdruck für de
Beist unseres Jahrhunderts erkannt hat. Das Pro
zramm ist so weit als möglich gefaßt; alle Gebiete de
ildenden Kunst außer der Architektur sind einbezogen
ind die Beteiligung soll sich nicht allein auf Deutsch
land beziehen.
— —
Allerwelts⸗RPlauderei.
Nachdruck verboten.
Winterleid — Winterfreud.
Immer kürzer werden die Tage, immer früher neig
sich die liebe Sonne müde dem Horizonte zu, immer
später steigt sie am nebligen Himmel empor. Und im
ner stiller wird es in Wald uͤnd Feld, in Garten unt
dag. Unsere Singvögel sind längfi schon in ferne süd
ciche Länder gezogen, nur dreiste Spatzen lärmen nochk
umher und suchen hungrig nach Futler. Und eine ein
same Amsel, die uns im Lenze mit ihrem melodischen
Ruf erfreut, schlüpft durch das schon blätterlose Geäst
nach vergessenen Beerlein fuchend. Längst hat das mun
ere Eidechslein sich ein sichetes Versteck gesucht zwischer
Erd' und Felsgestein, Hamster und Eichhörnchen haben
orsorglich ihre Wintervorratskammern gefüllt und träu
men von koramenden Frühlingstagen. Bald wird de
Schnee die Felder decken — der Winter ist da. —
Manch Herz sieht ihn trübe kommen, und manche
Alter, dem schon das Haar silbern die Schläfe um
säumt, fragt sich still und wehmütig, ob er den künf
tigen Lenz wohl noch erleben werder — Ueberhaupt ij
der Winter für unsere Alten eine harte Zeit, er bring
ihnen mauncherlei Leiden, alte Gebrechen, die die Som
merwärme gemildert oder vertrieben, machen sich nur
doppelt stark wieder bemerkbar. — —
Aber die Jugend! Für sie hat der Winter kein
Schrecken, sie grüßen ihn so froh, wie nur Lenz und
Sommer. Vor ihrem geistigen Auge tun sich schim
niternde Hallen und leuchtende Säle auf, mit rauschen
der Musik und sich fröhlich im Tanze wiegenden Paa
ren; blinkende Eisflächen laden ein, auf stahlbewehr
iein Fuße flüchtig und leicht darüber hinzugleiten, ode
im Schlitten unier lustigem Schellengeklingel durch di
Landschaft dahinzufliegen. Fuͤr so manches junge Her
bhringt erst der Winter die Erfüllung dessen, was de
Zommer versprach; so viele, die draußen in der hellen
ZSommersonne, unter den Augen so vieler beobachter
xXr Bekannter und Fremder auf Ausflügen oder Gan
enfesten sich nicht auszusprechen vermochten, finden end
ich die heiß erfehnte Gelegenheit, von Mund zu Mun'
hrer Liebe sich zu versichern, was vordem nur verstoh
len die Augen auzudeuten wagten. In fröhlichem Rei
zen, unter den rauschenden Klängen der Musik, die so
nutt die Worte, die nicht für andere bestimmt sind, ver
decktt. in lauschigen Nischen, fern vom Ball, oder ir
neckischem Munmenschanz auf Maskenbällen finden sic
die Herzen fürs Leben, werden flüchsige Sommerbekannt
schafien wieder angeknüpft und fortgeführt oft zu glüch
liichem Ende. — Und so manche Multter mit heiratẽ
fähigen und heiratslustigen Töchtern, die in der Som
merfrische oder im Badeort ihr Ziel, eins oder da—
andere der Kücken unter die Haube zu bringen, nich
erteichte, setzt ihre ganze Hoffnung auf den Winter, —
ieht sich schon als zufriedene Schwiegermutter, froh
venigstens der Sorge um die eine oder andere ihre
Töchter oder wohl gar aller enthoben zu sein. — Un
uinsere Kinder? — Auch ihnen bringt der Winter tau
send Freuden, und das schönste Fest der Kindheit, di
Weihnachten, fällt ja in den Winter. wo die Toe
EZc— — — — ——, —————
Vesetze und Diener der Gesebe nicht verhöhnt Und veschimpfi
verden. Kaum hörte daher der damalige Landrat des
Kreises Moers, in dem Alpen liegt, von Enshausen, von
dem Treiben Brinkhoff's, so entbot er alle ihm zur Dis—
oosition stehenden polizeilichen Kräfte? Er selbst, an der
Spitze von Kreissekretaͤr, Kreisbote, Gensd'arm und meh—
reren Polizeidienern, umstellten in der Nacht vom 1. aus
den 2. Dezember das väterliche Haus des Brinkhoff und
chritten sodann zur Haussuchung. Im Hause fand sick
nichts, als ein neu angelegter heimlicher Durchgang nack
dem Nachbarhause. Plötzlich aber erschien eine Person in
dem Durchgang, der das Brinkhoff'sche Haus von dem des
Nachbarn trennte und dessen Ausgang von einem Polizei—
diener besetzt war. Es war Brinkhoff; den Revolver in
der Hand rief er dem Polizisten zu: Mach' Dich fort!“
Als dies nicht sofort geschah, fiel ein Schuß, durch welcher
der Polizist am Arme unerheblich verwundet wurde. De
Rurchgang war frei und Brinkhoff floh in den nahegelege
en, nit Moor und Sum . ge
e pf durchzogenen Wald, genanm
Nrirtt atf war frei aber es war eine schredliche Frel⸗
veit!
Die Behörden gingen jetzt zu einer energischen Tätig⸗
eit üher. Auf die Habhaftwerdung des Brinkhoff wurde
ꝛine Geldbelohnung von zwanzig bis achtzig Taler geseht.
Brinkhoff verhöhme die Polizel; er schlüug Bekanntmach⸗
ingen an die Bäume des Waldes an, in denen er eben⸗
alls eine Belohnung von fünfzig Talern demjenigen ver—
jprach, der ihm einen Paiireshtamnenot sehondia
iefere.
Das Publikum wurde nun auf die Strafe der Teir—
nahme an einem Verbrechen aufmerksam gemacht; Jedem
vurde es eingeschärft, daß es schon eine strafbare Handlung
sei, den Brinkhoff in sein Haus aufzunehmen dem Hun—
gernden ein Stück Bror zu schenken.
In einer dieser Publikationen heißt es wie folgt:
„Wer auf irgend eine Weise mil dem Wilhelm Brink—
joff, genannt Lemkfe, verkehrt, ihm Eßwaren oder Schieß—
»edarf bringt, ihn berbirgl, seinen Aufenthalt nicht an—
zeigt, oder in irgend einer Weise seinen Ungesetzlichkeiten
Vorschub leistet, wird sofort zur Haft gezogen werden.“
Brinkhoff war mithin pogelfrei m“pollen Sas des
Wortes.
Die Bürgermeister der Umgegend boten alle verfügbaren
Mannschaften auf und hiellen Hesseltreiben; ein Militär—
ommando wurde von Wesel requiriert, das den ganzen
Wald mit einem Cordon umzog; kurz man stellte eine Jagd
in, welche jeden gewöhnlichen Men sshen zur ruhigen Un—
erwoeriung homoöogen hötto die— indessen boi NRrinkhff mau
arzesten sind und Schnee und Eis die Fluren bedecken
dann kommt das Christkindlein wieder auf die Erd
nitten im Wintergebraus und Sturmeswehn, und zau
dert Freude und hellen Jubel in Palast und Hütte wet
nur immer Kindlein sind.
Winter Leid — Winters Freud'! — Möge er un
sern Alten nicht gar zu sehr zusetzen mit Rheuma unt
Zipperlein, unserer froͤhlichen Jugend aber bringen unt
efcheren was „ie von ihm erbofft und ersebni!“A. &
Teutscher ceintag.
215. Sitzung. Berlin, 2. Dazbr—
Vormittag 11 Uhr.
Das Klein-Aktien-Gesetz für Chinq
wird nach kurzer Debatte in dritter Lefsung end gültic
angenommen.
Es folgt die Weiterberatung der 2. Lesung des
Privatbeamten-Gesetzes
Bei dem Abschnitt „Rentenausschüsse“ im 8 134
(Wahl der Beisitzer) wird auf Antrag Behrendé⸗
(W. Vgg.) ausdrücklich die schriftliche Ahstimmung vor
gesehen.
Nach 5 135 sind in die Renten-Ausschüsse nur Män
ner wählbar. Die Fortschrittliche Volkspartei und die
Sozialdemokraten beantragen auch die Wählbarkeit der
Frauen.
ð Abg. Hormann (Vp.) begründet den Antrag.
Abg. Bassermann inl.) stimmt dem Antrage
zu. Die Aufgaben der Rentenausschüsse eigneten sig
durchaus für die Frauen.
Ministerialdirektor Caspar bittet um Ablehnunc
des Antrages.
In der Abstimmung werden die Anträge abgelehnt
Mit den Parteien der Linken stimmten auch die Arbei
terführer des Zentrums für die Anträge.
Mit 8 157 beginnt der Abschnitt „Hilfsgerichte“ und
„Oberschiedsgerichte“. Die Soziaidemokraten beantragen
an Stelle der Einrichtung besonderer Instanzen für
die Angestellten-Versicherung, die Angliederung an die
Rechtsinstanzen der Reichsversicherungsordnung.
Die Abstimmunga eraibt die Ablehnuna des An
trages.
Bei 8F 161 wird ein Antrag von Strombe«c
(Ztr.) angenommen, wonach nicht nur die Beisitzer
sondern auch der Vorsitzende des Schiedsgerichts uͤm
dessen Siellvertreter nicht Mitglieder des Oberschied⸗
Berichtes sein dürfen.
Die Kommission hat in einem Zusatz zum 8 183
die Möglichkeit gegeben, mit Genehmigung des Reichs
kanzlers eine andere Quittungsleistung als durch Mar
kenkleben zuzulassen. Es wird noch hinzugefügt: auch
ein anderes Zahlungsverfahren als durch Zahlung bei
der Reichsbank
Die weiteren? Paragraphen bis zum 8 341 werden
ohne Erörterung erledigt. An einigen Stellen werder
Kompromißantragge Schul z (Rchsp.) angenommen,
die das interne Verfahren beireffen.
Beim 8 3242 wird den Arbeitgebern und ihren An
gestellten, sowie der Reichsversicherungsanstalt unler
agt, die Versicherten an der Uebernahme oder Aus
übung eines Ehrenamtes der Angestelltenversicherung
zu verhindern, oder sie wegen der Uebernahme ode
der Art der Ausübung eines Ehrenamtes zu benach
teiligen.
8 343 sieht Geldstrafen vor. Die Fortschrittliche
Volkspartei beantragt, einen neuen Paragraph 3434,
daß Augestellte während der Dauer eines Ehrenamte?
nur aus einem wichtigen Grund vom Arbeitgeber ent
lassen werden dürfen
Abg. Potthoff (Vp.): Dieser Antrag will nu
die Kündigung oder Entlassung eines Angestellten wäh
rend der Dauer eines Ehrenamtes auf einen wichtigen
GBrund beschränken.
Abg. Stresemann (nl.): JIch habe heute mit
Vertretern der großen Angestellten-Verbaͤnde uͤber den
Antrag Potthosf gesprochzn. Die Herren haben selbs
die größlen Bedenken gegen den Antrag.
Der Antrag wird abgelehni.
Mit 8 367 beginnt der Abschnitt „Ersatzkassen“.
Abg. Emmel' oz.) erklärt, daß die Sozial
demokraten die Ersatzkassen rundweg ablehnen.
Abg. Behrends (W. Vgg.) beantragt, daß auch
bei den Ersatzkassen die Beiträge ver Arbeitgeber nichlt
niedriger sein dürfen als die der Verficherten.
Abg. Potthoff (Vp.) und Abg. Schmidit
Soz.) wollen keinen Ersatzkassen zustimmen, die höhere
Beiträge von den Versicherten verlangen, als die der
Reichsversicherungsanstalt.
Ministerialdirektor Caspar: Die Kommission ha
einen bedeutenden Eingriff zugunsten der Arbeitnehmen
gemacht. Die Kosten des Versicherten sind erleichter
worden. Damit haben wir uns abgefunden, aber wei
ter dürfen wir nicht gehen.
Der Antrag Behrends wird angenommen.
Beim 8 381 über die Versicherungveriraäge durck
Lebensversicherungs⸗-Gesellschaften bittet Abg. Erzber
rGtr.) bis zur dritten Lesung um Auskunft ver
schiedener Zweifelsfragen.
F Der Rest des Gesetzes wird ohne Erörterung er—
edigt.
. VNontag 2 Uhr: Petitionen und Rechnungssachen
Ostafrikanische · Baͤhnvorlage und Euͤdweniaftitanisch
Diamantenfragen. —
ααS 1— —
die Folge hatte, daß er sich entschloß, sein Leben so teuer
wie möglich zu verkaufen. Allen, die ihm zu Gesicht ka—
men, teilte er mit, daß er entschloffen sei, Jeden, der ihn
angreifen wolle, zu erschießen. Daß dies keine Redensari
war, geht daraus hervor, daß er sich bald ein Jagdgewehr
mit Munition zu verschaffen wußte. Am8. Dezember,
am hellen Tage, drang er, den Revolver in der linken
Hand, in die alleinstehende Wohnung eines Waldhüters
und mit den Worten: „Du bist der Kerl, der mich verfolgt
hat! Jetzt müßte ich Dich niederschießen, das Gewehr nehme
ch zu meiner Sicherheit mit; dann werde ich Dich kriegen;
venn Du vor die Türe kommst, schieße ich Dich nieder,“
ergriff er mit der rechten Hand dessen on der Mand nän—
gendes Jagdgewehr und endfernte sich.
Er haktte nun eine Waffe, die in der Hand des nie
Fehlenden noch manchem das Leben gekostet hätte, wenn
nicht sein Schutzengel ihm zur Seite gestanden. Als Brink
hoffs Frau von diesen Vorgängen hörte, entschloß sie sich
sein Elend zu teilen, um ihn nur vom Verbrechen zurück
zuhalten. Im Dezeunber bei Kälte, Nässe und Frost ging
das an allen Komfort des Lebens gewöhnte junge Weis
in den Wald und suchte den armen Mann“ Sie fälte sein
Lager unter freiem Himmel unter zusamniengescharrtem
Laub, sie teilte das letzte Stüd Brot“ mit ihm, das sie
nitgebracht hatte, und hungerte dann mit ihm. Allein sie
virkte auch auf ihn, daß er die blutigen Gedanken fallen.
lietz. Einige Tage darauf begegnete er einem andern
Förster im Walde; nachdem er anfangs demselben mit der
distei gedroht hatte, sagte er: „Ich nie Shnen nichts umd
werde auch Niemand etwwas tun
Auf den 11. Dezember war großes Treibjagen arran
giert. Alle Männer von sechs um den Wald herumliegen
den Bürgermeistereien, die Waffen tragen konnten, besetzter
die Leucht, den Wald, in dem sich Brinkhoff aufhielt. Es
var eigentlich nicht mehr nötig, denn Kälte umd Hunge
ind mächtiger als die Menschen, und der Anblid eide;
Jeliebten Weibes, das hungert und friert, zwingt auch der
nergischsten Mann, sich in das Unvermeidliche zu fügen.
Am vor jenem Treiben schlich sich Brinkhoff ar
ein einsam gelegenes Gehöft. Als der Bauer desselben vor
die Tür kam, hörte er leise seinen Namen rusen; es stam
dort Brinthoff mit seiner vor Kälte zitternden Frau; e
bat um etwas warmes Essen und um kein Nachtlager. De
Mann, von Mitleid gerührt, konnte ihm beides, trotzden
daß er mit Bestimmtheit wußte, daß sein Haus revidie
werden konnte, nicht abschlagen. Ohne irgend einem Haus
inwohner etwas zu sagen, brachte er das Ehepaar inñ bin
ztube feines Hauses, gab iInen wormes Abendesien u⸗
416N—— M—
—A ungen. Die Reichs⸗Poswerwa
richtet auch in sr Jahre an das Publikum da
suchen, mit den Weihnachtssendun
bald zu beginnen, damit die Paketmassen
nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr
sammendrängen. Bei dem außerordentlichen Anst
len des Verkehrs ist es nicht unlich, die gewöhn
Beförderungsfristen einzuhalten und namentlich
weite Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige
tellung vor dem Weihnachtsfefte zu ũbernehmen,
die Pakete erst am 22. Dezember oder noch kur,
dem heiligen Abend aufgegeben werden. Die .
nuß auf weißem Papier geschrieben uͤnd auf diu
hüllung geklebt werden. Der Name des Bestimm
orts muß recht groß und kräftig gedruckt oder ge.
ben sein. Die Paketaufschrifi muß sämtliche9
zer Posipaletadresse enthalten, alfo auch den
dermerk, bei Paketen mit Postnachnahme den
der Nachnahme, sowie den Namen und die W
des Absenders, bei Eilpaketen den Vermerk dur«
boten ꝛ2c., damit im Falle des Verlustes der Pos
adresse das Paket doch dem Empfänger ausgehi
werden kann. Auf Paketen nach großen Orten
Wohnung des Empfängers, auf Palketen nach
auch der Postbezirk (K, W, SO usw.) anzugeber
Beschleunigung des Betriebs trägt es wefsentlich
wenn die Pakete frankiert aufgeliefert, d. h. de
Frankierung erforderlichen Marken schon vom Ab
auf der Posipaketadresse aufgeklebt werden. Die
sendung mehrerer Pakete mittels einer Postpaket
ist für die Zeit vom 12. bis einschließlich 24. *
ber weder im inneren deutschen Verkehr noch im
lehr mit dent Ausland — ausgenommen Argentin
gestattet. Nach Argentinien können auch in diese
nehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer
paketadresse versandt werden. Gemeinschaftliche
serungsbescheinigungen über mehrere gewöhnliche
ete werden — abgesehen von Sendungen nach ð
inien — in der bezeichneten Zeit nicht ausgestell⸗
F 2* 7 74 * — 41
—— Buͤnleʒ Allerlei —6
*Eintapferer Schweizer zeichnete sich in
schweizerischen Unabhängigkeitsschlacht bei Sempach an
Juli 1386 aus. Umsonst versuchten die Eidgenossen
ihren Keilen den tiefen und breiten Sioehwien
österreichischen Ritter zu durchbrechen. ann an
dicht gedrängt, bildeten diese mit ihren vorgehaltenen
doß — Lanzen eine undurchdringliche eherne Ma
he die Schweizer mit ihren kurzen Schlagwaffen
Feind auch nur erreichen konnten, wurden sie von se
Spießen durchbohrt. Langsam, aber unaufhaltsam
sich die Eidgenossen vom feindlichen Schlachthaufen
rückgedrängt. Da sprang aus den Reihen der Unterw
ner Arnold Winkelried hervor und rief seinen Kampfgt
sen zu: „Ich will euch eine Gasse machen. Sorget
mein Weis und meine Kinder!“ Mit diesen Worten
faßte er eine Anzahl feindlicher Speere und drückte di
ben, tödlich getroffen, mit sich zu Boden. Durch sei
Sturz riß er eine Lücke in den Lanzenwall, und ehe
Oesterreicher Zeit und Besinnung fanden, dieselbe wie
auszufüllen, stürmten die Eidgenossen mit unwiderste
cher Wucht in ihre Reihen. Die eiserne Mauer war
sprengt, der Sieg errungen und unter den Morgenster
fanden Oestreichs Edle, voran ihr tapferer Herznoa
pold, den Tod.
*Der Dorfgewaltige. Aus Schlesien me
man den folgenden Ukas eines Dorfgewalti—
„Das Betreten von Gänsen auf der Hau—
straße ist strengstens untersagt. Wer dabei erwi
wird, wird eingesperrt und dem Eigentümern z2ur —
aurüdgegeden.“ ..
*Das Kopfweh. Das Kopfweh teilt sich in
so viele Arten als Urfachen, die es hervorrufen. Ei
lischer Arzt zählt sie wie folgt aus. Unangenehmer
an der Stirne, auf den Augen, begleitet von Sch.
und Appetitlosigkeit, dies ist vom Magen ausgehend
ist hierfür Diäthalten das beste Mittel. Ist der S
auf der Stirne sehr heftig und von Fieber“ gleit—
dies Anzeichen einer sich entwickelnden drankheit v
es in diesem Falle das Beste, den Arzt hierüber
zu ziehen. Ein ständiger Schmerz gauj der Stirn
Fieber und ohne Schwindelanfälle ist ein Zeichen
eingetretenen Störung in den Atmungsorganen.
auftretende Schmerzen im Nacken sind die sichere
tome eines Leberleidens. Der stechende Schmerz
Schläfen zeigt den Blutmangel an, tritt er jedoch
seitig auf, ist dies ein Zeichen einer starken Hee.
das beste Mittel hierfür ist Ruhe und Schlaf. Ei
schwerer Schmerz im Wirbel des Kopfes zeigt Ge
schlaffung an. Ruhe, frische Luft und gute Nahrur
hier die beste Behandlung. Die wechselnden Schme
ganzen Kopf sind rheumatischen Ursprungs und lase
nur durch Wärme vertreiben. — Gegen Kopfschmer—
Hinterkopfe helfen Umschläge von heißem Wasser.
gen chronische Kopfschmerzen nimmt man Nachts
man die Vorzeichen des nahenden Uebels spürt,
11 und 12, Uhr ein halbes Gramm Chinin. Noötit
auch am Morgen des betreffenden Tages die gleic.
sis. Früh gleich nach dem Aufstehen nimmt maän
eine kalte Abwaschung. — Auch wird als ein gute
tel empfohlen, einen Teelöffel Kochsalz auf die
zu legen und mittelst eines Schluckes Wassers in de
gen zu befördern. Noch sicherer hilft ein Teelöffel
Brom Natrxium in gleicher Weise mit Wasser hinum.
schluckt. Die beiden Mittel sind volllommen unscho
und, wirken natürlich dann am besten, wenn sie sose
Beginn des Uebels zur Anwendung gelangen. — De
einer Zitrone in einer Tasse heißen Kaffees ist nicht
der ein vorzügliches Mittel gegen Kopfschmerzen. H⸗
derblüten mit etwas Wein oder Essig angefeuchtet un
die Stirne gebunden; oder auch: Nimm Eisenkraut, sch
es einen Zoll lang zusammen, siede es eine halbe St
in Wasser und wäsche beide Schläfe damit — auch
helsen sicher. Nach einer halben Stunde ist der ur
nehme Kopfschmerz beseitigt.
Feuchte Hände wasche man im Laufe de
ges öfter mit Wasser, dem etwas Essig oder Alau
mwoi v die Poron 21mengezogen
FSAA
F 4 J
eMinheimischen 32,
*8 —
—M70. *85
J
„Vorgficht., Das Sitzen auf steinernen Sch
Bänken, Treppenstusen und dergleichen in der
Jahreszeit, ganz besonders aber auch im Frühling *
große Gefahren für Gesundheit und Leben bei K
und Erwachsenen mit sich. Darm- und Magenka—
Brechruhr, Unterleibsentzündung, rheumatifchee
und wie die unheimlichen Feinde der Menschheit son
heihen, können durch ein kurzes Verweilen auf eine
chen Steinsitz hervorgerufen werden. Schon das1
Niedersetzen auf hölzernen Bönken kann in kühler F
zeit unangenehme Erkältungen zur Folge haben;
die steinernen Bänke sind wahre Todfeinde für juge⸗
Menschenleben. Ein Kind darf auf solchem Steinsfi
10 bis 15 Minuten sitzen und es kann sich eine Kr⸗
zuziehen, die den Tod zur unmittelbaren Folge hat.
en doch Eltern, Lehrer und Lehrerinnen den Kinder
Kinderwärterinnen diese Gefahr schildern und sien
und wieder ermahnen und warnen: Hütet euch u
Jahreszeit vor jedem Steinsitz!“