Full text : Dudweiler Zeitung

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Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beil agen:
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Bürgermeisterei-Bezirk Dudweiler. Sonntaqsblatt und Heitere Blätter.
zernspr.⸗Anschluk Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterkeller, Dudweiler Verantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenieit Karl Unterkeller
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Nr. 287. Ausgabe ohne Abonnenten-Versicherung Montag, den 4 Dezember 10911. 24. Jahrgang
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Voliti e Run 7 RX]atchrem das persische emnisterlum der russischen zeigte dies a4aͤch, indem er ihn mehrmals⸗
ische udschau esandeschaft in Zeheran mitgeteilt hat, daß“ dae „nentlich auß zeachnete Gbneidorf hrat außerdeu su
* J Medschlis die russischen Forderungen abgelehnt habe tarke Vermehrung der Garnison in Südtirol ein. Der
* Jin Reichstage wurde die Nachricht verbreitet, der hat die russische Regierung angeordnet, daß die ruff Minister des Auswärtigen, Rehrenthal, bekämpfte
Reichskanzler habe in den letzten Tagen mit schen Truppen sofort in das Innere Persiens weiten aber diesen Wunsch aus politischen Gründen, und hat
verschiedenen Parteiführern Besprechungen über die zu marschieren haben. Die in Rescht zusamnmen gezo wohl haͤuptsächlich zum Rüchktritt Hötzendorfs beigetra
ommenden MarpktoDebatten gepflogen. Diese genen Truppen-Abteilungen erhielten Befehl, auf Tehe zen. Wie es heißt. sollen zwischen dem Erzherzog
Debatten sollen allem Anschein nach kurz sein. Das ran vorzurücken. Das russische auswärtige Amt' berei Thronfolger und Freiherr von Aehrenthal ernstlich
Zentrum sei bereit, durch den Freiherrn von Hertling tet ein Conimunique über die Vorgänge in Persien Meinun 8verschiedenheiten bestehen. — Der Rücktritt des
nur eine kurze Erklärung abzugeben. Die Reichspartei vor. Die Schulb an der Ablehnung des russi Beneralstabschefs wird n Ftelien sehr befrie
will sich darüber schlüssig werden, wie sie sich bei den schen Ultimotums schreibt das russische auswärtige Ani digend aufgenommen. Fie Presse beschäftigt sich mi
Marotko⸗Verhandlungen verhalten soll und die Natio— der NKopflusigkeit des Persischen Kabinetis zu. dem Ereignis. Diese betonen. daß Conrad von Hötzen
nalliberalen wollen dies ebenfalls iun. Von verschiede— * 250 russische Soldaften sind in Kas zorĩ die Seele der östenne ehen Rüftunagen an
nen Seiten wurde die Nachricht verbreitet, daß der win eingetroffen.
Reichskanzler nicht das Wort ergreifen werde, sonderr *ZJInfolge der Ablehnung des russischen Ultimatum—
dies dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes zu durch das Medschlis ist der persis'sche Ministe
überlassen gedenke. des Reußern, Wusuch ed Daule'b zurückat
*Wie mit Bestimmtheit verlautet, ist die Entschei treten.
dung über die Nachfolge des Herrn von Lindequist ge Es bestätigt sich, daß das gesamte Kabin eit
fallen. Der bisherige Gouverneur von Ostafrika, Frei demissionitert habe. Das Medschlis hat bisher
jerr Albrecht von Rechenberg, soll zum Staats— vergebens versucht, das Minifterium umzustimmen. Der
selretär des Reichs-Kolonialamtes ünd an seiner Stelle Premierminister teilie den Abgecrbneten mit, daß er
Dr. Solf zum Gouverneur von Ostafrika ernannt noch mit Rußland verhaudie ad hoffe, durch Faͤllen
verden. lassen Shusters den Vormarsch der russischen Truppen
*Der ‚„Keisch Sanzeiger“ bringt eine Bekannt aufzuhalten.
machung des Ministers des Innern, wonach am 14 Der Polizeichef Jefrim soll mit 3000 Man—
Dezeniber mit der AUsbringunghder Wäh nach Kas win gehen, um die Russen am Vor
lerlisteu für die bevorstehenden Reichstag rücken nach Teherau zu hindern. Es gehen Gerüchi
wahlen zu beginnen ist. die Mollahs, die sehr gegen Rußland agitieren. vre
.„*Das Scicksal der Strafgesetznovelle iß digten den heiligen Krieg.
jetzt endgültig besiegelt, sie wird in dieser Reichstags Die Erregung unter der Bevölkerung in Tehe—
Zession nicht mehr zur Verabschiedung gelangen. ran ist sehr groß und andauernd im Zunehmen be
* Die „B. N.. N.“ lassen sich aus Berlin melden grifsen. Auf den Straßen und Plätzen finden sich viel
in Wech seel auf dem Statthalterposter Bewaffnele ein. Im Parlameme ist eine groß
pon Elssaß-⸗LSothringen ist, wie der „Berline. Menschenmenge erschienen, wo verschiedene Krin g 8
Börsencourier“ von sonst gut unterrichteter Stelle er reden gehalten wurden. Man gab der Meinunç
führt, in den ersten Monaten des nächsten Jahres zu Ausdruck, daß eine sftarke Regierung eingesetzt werde
rwarten. Der Rücktritt des bald siebzigjiährigen Gra um den Kampf mit Rußland fuür die Zukunft aufneh—
ken Wedel käme nicht überraschend. Schon vor de men zu können. Zu diesem Zwecke wurde bereits ein
Berabschiedung der neuen elsaß-lothringischen Verfas Kommission gebildet, welche die ersten Maßnahmen 231
diesem Schritte ausführen soll.
ung verlautete, daß in das Statthalterpalais von Straß Nach einer Privatdepesche aus Teheran, wurde dor
burg bald ein neuer Mann einziehen würde. De beschlossen, alle ussischen Waren zu boykot
stücktritt des Grafen Wedel soll auf überwiegend per tieren. Mit dem Bontotueren soll sofort begonne
önliche sd — sein. v ungewiß verden
it. wer Gra els Nachfolger werden dürfte. . ——— — J
—8 Zum Abschied Graf von Hötzendorss.
* Von gut unterrichteten italienischen Kreisen wirt * Wie nunmehr feststeht, sind die Gründe des Chefe⸗
dem Korrespondenten des Neuen Wiener Tageblattes des eeeenhese sintdin Suun ee
mitgeteilt, daß alle Meldungen, IJt alien beabsich marschall von Hötzendorf, die zu seinem Ruͤcktritt ge
tige aus dem Dreibund zu scheiden, falsc führt haben, rein militärisch-politischer Natur. Seu
sind. Italien stehe im besten, Einvernehmen mit Deutsch Nachfolger, Feldmarfschallleiinant v.e ch em ua ha
land und Oesterreich. Italien gehöre zum Dreibun vereits sein Amt angeilreten. Seit Jahren trat Hötzen
und werde auch beim Dreibund bleiben. dorf für eine umfaffende Ausgestaltung und Vermeh
England. net Ine in J ae Kriegsminister yor
* D lische Königspaar ist an Borz 27— ich hielt diese Forderung Hötzendorss für übler—
— Aebe ur zagte ihm starte Zppostton Dagegen sian
* Lord Beresford sagte in einer in Ports. zherzog ⸗ nand auf der Seite Botzen⸗
mouth gehaltenen Rede, er freue sich, daß die neu
Admiralität einen Kriegsstab bekommen solle. Weni
dieser geschaffen sei, wuͤrde er über die Flotte beruhig
ein. Der Admiral erklärte ferner, die plötzlichen, siar
en Veränderungen in der Admiralität seien ausschließ
lich auf die deutschenalische Krisis zurück
uführen

Metternich soll dran glauben!
Zndiplomatischen Kreisen gilt es sel
inigen Tagen als eine absolut feststehende Tatsache
aß Graf Wolff⸗sMetternich nunmehcr eundgül—
ig von seinem Posten in Londonzurück
kitt. Und in der jüngeren Diplomatie, wo Gral
detternich keinen einzigen Bewunderer, aber viele Geg—
er zählt, hat die feststehende Tatsache seines Rücktritts
ur Gefühle größter Genugtuung ausgelöst. Man hat
z dort nie verstanden, daß dieser weltentrückie, ver—
fäumte Diplomat, der ohne jede Verbindungen persön—
scher oder gesellschaftlicher Art seit Jahren als ein
jtemdling unter Fremden in England lebte, so lange
serufen war, die deutschen Interessen dort zu vertreten.
zin Diplomat, der sein ganzes Urteil über die gewun—
enen Wege der englischen Politik nur aus Minister—⸗
eden und offiziösen Preßstimmen bilden zu können
zlanbte, die er in der Stille seines Studierzimmers
ait fast kleinlicher Peniblität unter die Lupe nahm.
zin Diplomat, jeder modernen Regung fremd, beseelt
jon einer souberänen Verachtung der Wresse und der
zifentlichen Meinung.
Und dieser Diplomat hat es verstanden, jahrelang
Auswärtigen Amt in Berlin im Rufe eines beson
ers feinen Beobachters zu stehen, der inistande war
ber alle intimen Züge der Diplomatie zu berichten,
e allein ein Urteil über den Gang der auswärtiger
zolitik eines Staates ermöglichen. Zuweilen sind aller
ings unter der Kanzlerschaft des Fürsten Bülow —
„er bekanntlich mehr als einmal in kritischen. Situatio—
ien das Versagen unserer Diplomatie schwer empfunden
jat — auch in der Wilhelmstraße starle Zweisel an dem
iplomatischen Genie des Grafen Metternich aufgetaucht.
Aber der Gang der Ereignisse, auf die der Botschafter
reilich ohne jeden Einfluß war, hat immer wieder
»ou neuem seine Stellung befestigt. Die jetzige Regie—
ung war ja traditionell auf gute Beziehungen zu
seutschland eingeschmoren, die Besuche Haldanes und
loyd Georges in Berlin wurden als Erfolge Metter—
ichs bewertet. Und wenn der Kaiser oder ein Mit
ilied seiner Familie bei einem Besuch in England gasi—
iche Aufnahme fand, so galt das als beachtentwerte
'eistung der Diplomatie unseres Boitschafters.
Dieser Nimbus ist heut zu Ende. Die Offenbarung—
er englischen Politik in der Marokkofrage, über du
zraf Metternich nicht eine einzige zutreffende Mutmaß
ig hatte, bedeutet eine vollständige Liquidation der
janzen unter der Aegide des Botschafters seit Jahren
till, aber überzeugungstren betriebenen deutsch-end
ischen Verständigungsaktion.
In wenigen Tagen wird im Reichstag das letzt
Lort von amtlicher deutscher Stelle zur Marokko-Affäre
esprochen werden als Echo der Reden von Grey und
lsquith. Den Verhandlungen in der französischen
ammer sieht niemand mehr mit Spannung entgegen
denn die ganze Frage ist von einer deuisch-französi
hen zu einer deutschnglischen geworden, und dari
ꝛgt ihre größte Bedeutung. Wer aber diese neuest
hase der Beziehungen zwischen Deutschland und Eng
ind richtig verstehen will, der muß eine Tatsach
issen, die nur wenigen bekannt ist. Es werden vieil
nglands Politik in der Marokkofrage als eine herb
nttäuschung für uns empfinden, aber ein Mann uicht,
nd das ist der Kaiser. Seit Jahren steht er allen
eutschenalischen Freundschaftsbestrebungen mit größtem
leptizismus gegenüber. Und darin haät er sich als ein
iel besserer Beurteiler des englischen Volksempfindens
twiesen, als unsere zünftige Diplomatie. Gewünschi
Ȋtte der Kaiser herzliche Beziehungen zu England
* sroller Ueberzeugung, aber geglaubt hat er nicht
ie.
Graf Wolff Metternichs Zeit ist gekommen. Die
adliche Klärung unserer Beziehungen zu England er—
ordert für den Botschafterposten in London einen Mann
'on hervorragender Tüchtigkeit und befonderen persön⸗
ichen Eigenschaften.

*
Wie römische Zeitungen berichten, glaubt man all—
gemein, daß die Türkei und Araber sich nich
us Gebirge zurückziehen. Sie haben sich nur zum
Scheine einstweilen vor den italienischen Truppen 3u
rückgezogen und werden in Kürze einen aluIde
neinen Amariff unternehmen
— — ———
Zur Revolution in China.
Die „Times“ meldet aus Tientsin: In der
lezten Tagen sindenormemengen Munitior
in Takuu gelandet worden. Angeblich handelt es sich
unt 1690 Tonnen Munition, bestehend aus etwa 4
Blillionen Patronen. Es besteht der Verdacht, da
diese Vorräte von einem japanischen Dampfer gelande
und dann per Bahn weiter befördert worden sind.
Wie ans Schanghai telegraphiert wird, bestä
tigt es sich nunmehr, daß die Revolutionär
die wichtige Position des Purpur-Hügels bei Nanking
durch Sturm genommen haben. Die revolutionäre In
fanterie ging in drei Kolonnen vor.
VNuanscichikai hofft auf versöhnlichem Wege die
Ruthhhe in vier Wochen wieder herzustellen.
Das Kabinett beschloß, jedermann freie Wah!
in Bezug aui das Wnnneiden zu lafen.

Kreta.
* Infolge der Aufregung der kretischen Bevölkerun
hat der englische Kreuzer „Diana“ Befehl erhalten
UAhalta zu verlassen und nach der Suda-Ber
zu gehen, wo sich bereits das enalische Stations-Schif
„Minerva“ befindet

2
Rußland in Persien.
*Die Lage in Persien spitzt sich immec Nneh—
zu. Es finden fortgesetzt Landungen russi—,
scher Truppen in Enzeli statt, und auch England
hat außer den bereits in Schiras gelandeten 400 Mant
noch eine aroke Anzahl Truppen nach Ispahan gesandt

8
2 3
Exxi — —— 4

0
Lumps

ader na —, er war eben sohr froh, daß wir sein Präsent
aufgenommen!“
„Wirklich, ich bin es auch — wirklich sehr froh und
grätuliere ich Dir nochmals von Herzen!“
„Du meinst doch auch, wenn er selbst auf Kosten seiner
Gesundheit meinen Jungen eine solche Freude gönnt, daß
r da auch ein vorzuͤglicher Vater
D vorzüglicher Vater sein wird!“ fiel Frau Talari
ein, die, ganz rot im Gesicht geworden, uͤnruhig hin und
Jerrückte, wohl gar schon an den Rückweg dachte.
„Nun willst Du doch gewiß auch den kleinen Heirats—
vermittler sehen!“ rief die strahlende, junge Frau und
prang auf, um Lumps zu rufen.
„Bitte nein — dante, bemuhe Dich nicht erst — ein
mindermal!“ wehrte Frau Talari.
Aber da war er schon mit einem Satz ihr auf dem
Schoß, ungestiime Freude durch blitzschnelle Zärtlichkeit ver—
ratend.
„Was niachst Du denn — Lunipschen, Lumpschen!“
rief die junge Frau, waährend die audere wehrte.
„Ich begreife nicht, er ist sonst ein bissiges Tier und
kläfft alle Leute an!“
„Sie sind mir alle gut — die Hunde — meine ich —
und am Ende merkt er —“
„— daß wir gute Freundinnen sind — gewiß, der
Hund hat wirklich Menschenverstand, den müssen wir aber
pflegen!“ Sie reichte ihm ein Stüg Konfekt.
„Gewiß!“ hauchte Frau Talari umd Herdrücdkte eine
beimliche Nührundsgsrane
* 7 *
Sh Dogelsrei. as
JNNach altlten Untersuchunosakten erzähle

enthalt an Freiheit gewöhnt, sich nicht entschließen ronnte,
freiwillig ins Zuchthaus zu wandern; einen jungen Ehe
mann, der sich nicht bereit finden lasfen wollte, kurz nach
der Trauung sich von seiner reizenden, kaum achtzehnjah—
rigen Frau zu trennen; ein armes gehetztes Wild, das
keine Lust hatte, sich wie einen kolsen Hund totschießen zu
lassen, sondern mit aller Energie, die allerdings einer bes⸗
sern Sache würdig gewesen wöre, seine Freiheit und sein
Leben der Staatsgewalt gegenüber verleidigte! Die Ge—
schichte ist mertwürdig und lehrreich, sie tut dar, wie ein
Mensch, ohne von Natur böse oder roh zu sein, aus einem
ungemessenen Freiheitstrieb zum Mörber werden kann
Brinkhoff ist der Sohn braver Eltern, die in Alpen
einem Dorfe an der Straße zwischen Geldern und Wesel
wohnen. Er erlernte das Schreinerhandwerk und machie
sich in seiner Jugend dadurch bemerklich, daß er zu allen
waghalsigen Knabenstreichen aufgelegt war. Er konnte wi
eine Katze klettern, und machte als Knabe manchmal der
Spaß, das Dach eines Bauernhaufes blitzschnell zu erklim
men, durch den Schornstein zu verschwinden und plötzlich
jeschwärzt unter den Bauern in der Küche zu erscheinen.
Veider wohnte damals in Alpen viel schlechtes Gesin—
del, das vom Diebstahl lebte; in diese Gefellschaft Jeriet
Brinkhoff zu seinem Unheil. Die Vande jsonnsn —
seiner Be iakei RFredit ,
seemenen Natttehesregoth ehenersiebzehn Jahreatt
var, sich an schweren Diebslählen zu beteiligen. Die Fol—⸗
zen konnten natürlich nicht ausbleiben. Brinkhoff wurde
derhastet und am 13. März 1857 vom tgl. Assisenhofe zu
Tleve zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren verurteilt.
Zur Abbüßung dieser Strafe wurde er in's Zuchthaus nach
Werden abgefuͤhrt. Dort wußte er sich bald bei den Be—
amten durch seine Geschicklichkeit im Arbeiten und durch
ein einnehmendes Benehmen beliebt zu machen; man be
rachtete ihn kaum wie einen Verbrecher, sondern wie ein
Rind, das einen Fehltritt gelan und das sich bessern win.
Er aber benutzte die für ihn günstige Meinung und war
lötzlich auf unerklärliche Weise aus Werden verschwunden.
Indem er einsah, daß er in Eirepa nicht mehr bleiben
konnte, schiffte er sich am 2. Jannar o in Vattordam
iach Nordamerika ein.
Dort war für ihn, den geweckten und unternehmenden
VPenschen, das richtige Feld.“ Eine in Amerika verheiratete
Schwester, die in güten Verhältnissen war, bot ihm einen
Anhaltspunkt. Als tüchtiger Schreiner verdiente er bali
reichlich so viel Geld, daß, er nach der Arbeit als Gentle
nan auftreten und sich noch Ersparnisse zurücklegen konnte
Im Besitze von einigen een Dꝛʒ * ann J
i rentierte, da er es verstand, billi—
andeld er sich gut rentierte, de f342 HwAm and, RA

— —
war er ein gemachter Mann, der uber zwolfhundert Dou.
verfügen konnte. Seine Geschäfte führten ihn nach dem
Rorden und nach dem Süden, nach dem Osten und Westen.
Im Juni, 1859 kam er aus Kalifornien nach Philadelphig,
ehrte dort in einem der ersten Hotels ein uͤnd machte in
demselben die Bekanntschaft der Caroline Ernst, ienes
siebenzehnjährigen hübschen, schwarzäugigen deutschen Mäd—
hens, welches im Hotel das Departement des Kaffees unte
sich hatte. Die jungen Leute waren bald einig. Nach
echt amerikanischer Weise begaben sich die Liebeuden be—
reits am dritten Tage ihrer Bekanntschaft zum Kriedens.
richter, der ihrom Raraonabruindo die gefehliche Reiße
eilte.
Die junge Frau war eine deutsche Eingewanderte, g.
bürtig aus Sieglingen im Königreich Württemberg. Sie
hatte Sehnsucht nach der Heimat, und wollte gern den dort
zurückgebliebenen Freundinnen ihren jungen, schönen und
reichen Mann vorführen. Nachdem am J. August die Hei—
rat stattgefunden, begab sich das junge Paar“ bereits am
15. August in Newyork auf ein Dampfschiff und gelangte
am 1. September wohlbehalten nach Hamburg. Nach einer
kurzen Vergnügungsreise nach Amsterdam und“ einem heim—⸗
lichen Besuche bei den Eltern in Alpen reisten Beide ir
die Heimat der jungen Frau nach Sieglingen. Brinkhoff
in seinem Aeußern vollständig Gentlemann, legitimier
durch einen regelrechten Paß, in dem das amerikanisch
Bürgerrecht, welches er sich dort erworben, besch einigt war
nebenbei ein ausgezeichneter Jäger und Schütze, war ir
der Heimat seiner Frau bald eine gesuchte Persönlichkeit
Der Amerikaner wurde zu Jagden eingeladen; dafür re
vanchierte er sich glänzend, gab im Gasshofe Gesellschaften
machte den Verwandten seiner Frau Geschenke; kurz, die
auer erworbenen Dollars rollten und rollten, bis diefelben
aul, ein kleines Häufchen zusammengeschmolzen waren. T.
nun der amerikanische Gentlemann sich in der Heimat sei
ner Frau nicht als Schreinergefelle entpuppen wollte, su
beschloß das junge Paar, nach Alpen zu reisen und von
dort mit Hülfe von Brinkhoff's Eltern sich wiederum nad
Amerita einzuschiffen. Schon am J. Novenber war in
Darmstadt der letzte Dollar ausgegeben; um die Reise fort—
setzen zu können, wurden die Schmucsachen der Frau ver—
setzt. In Mainz war die Barschaft soweit zusammenge—
schmolzen, daß Brinkhoff seine Frau dort zurücklassen mußie
Er reiste nach Alpen und erst“am 8. November, nachden
die Frau auch ihre lehten gulen Kleidungsstücke verkauf
hatte, zog nächtlicherweise nicht der amerikanische Gentle
man, nein, der preußische enüprungene ii,”,
: Alpen hei don GFstrn —

Die kleine Schwindelei von dem angeviichen
derrn wird Lumps nur von Beutzen sein. Wenigsiens ist
unter Dach und Fach!“ Da kehrte der Bote schon zu—
id und hielt die Hand auf. ———
„Hast Du Deine Sache gut' gemacht?“ — —
„O, die haben sich gefreut!“ vsse
„Hier — sag' niemand was davon!
RNoch einen Blid hinauf — sie giaubte wirklich ge—
aͤmpftes Jauchzen zu hören — ihre Kinder hatten es
ebenso gemacht. Schleunigst suchte sie aus der Gegend
eq zu kommen. J
Nun kam wieder Nuhe ins Haus.
Die Kinder fügten sich dem fat accompli. der Haus—
oirt nahm die Kundigung zurüd, und die Steuerbehörde
exlietz ͤhr infolge Reklamation die num nicht mehe berech⸗
igte Hundesteuer.
Nach etwa acht Tagen erhielt sie eine Verlobungsan⸗
ige — ihre Freundin, die junge Wilwe, halte sich mit
nem ihr schon bekannlen Herrn“verlobt.
Eine leise Ahnung stieg in ihr auf — ob nicht etwa
umps — Ihren Gluͤckwunschbesuch verschob fie froh
Aler Sehnsucht doch, um einige Wochen, als sie aber dann,
dohl etwas zaghaft, vorsprach, wurde hr ein große
rreude und Ueberraschung zu teil.
Ja, ich hab' mich doch wieder entschlossen, zu heira⸗
n, obwohl es mir nicht leicht geworden ist. Du weißt
einen Mann bekommt man' wobl. aber keinen Vater
*die Kinder
„Bewiß, Du hast vollkommen recht!“
Ein rührender Vorsae den e Dir erzählen muß,
at mich bestimmt, meinem jetzigen Verlobten die Hand zu
eben. Er ist leiber etwas mrdos befonders Dun V
undegebell nich ertragen, und trokdem — eines Abends
rinat ein Bote en allertiebsten Hund und eine Empfeh—
ung von Nborn Dernn — Ich wußte es sofort, daß es
ur Artur sein konnte, und daßz er damit die Herzen mei—
Kinder geinnen ipale.“
die jumge Frau schwieg einen Augenblick. I
Aind —
3ch bin gauz sprachlos, solch' eine nette Verlobungs
schichte.“
„Das kam hinterdrein. Er wollte es ja zuerst nicht
vehethe e TAlier?

„. Gegen Ende des Jahres 1859 herrschte am Nieder
hein esne außerordentliche Aufregung. Alle Blätter, na—
nentlich die kleinen Lolalblätter, brachten zahlreiche Nach
ichten, daß sich ein verwegener, mit Waffen versehene
äuber auf der Lönninghardter Haide, einer von jeher ver—
ufenen Gegend, herumtteibe und Land und Leute unsicher
nache. Diese Aufregung nahm noch zu, als aus der
xestung Wesel sogar ein Militärkommando ausgesand;
ourde, um den angeblichen Räuberhauptmann einzufangen
ẽs gelang dies auch endlich. Brinkhoff — so hieß de
efürchtete — wurde verhaftet. Aber man verhaftete teine
ãuberhauptmann. sondern einen jungen Menschen bpo
————— dar rh — 16 —
            
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