Die Paragraphen 27 bis g383 vieiben unverändert
Beim .38a vealuragt Abg. Triniborn (Zir.), oah
gegen den Steuerbescheid als Rechtsmittel nicht das Ver—
waltungstreitwersahren, sondern der Rechtsweg zulässig
sein soll. Der Antrag wird, nachdem Schaätzsekretär Wer.
muth und die Abgg. Zunck (nl.), und Dobe (F. Vp.) sich
dagegen ausgesprochen haben, albgelehnt.
Die Paragraphen 350, 36 und 37 bleiben unverändert.
Der 8 Z7a, wonach die Entscheidung der obersten
Verwalmungsgerichte über die Auslegung diefes Gesetzes
in einer geneinsamen Veröffentlichung zur allgemeinen
Kenntnis gebracht werden soll, wird nach einem Kompro⸗
mißantreg Graf Westarp ckons.) gesirichen.
Die Paragraphen 38—48 werden unverändert ange⸗
aommen
Nach 8S 49 erhält das Reich 50 Prozent, die Ge—
me'nden 40 Prozent und die Bundesstaaten 10 Prozent
des Ertrages der Steuer. Abg. Göhre (Soz.) beantragt
den Gemeinden 60 Proz. und dem Reich 30 Proz. zu
zeben.
Abg. Cnno (F. Vp.) besürwortet einen Antrag, wo⸗
nach den Gemeinden, die nach der lebien Volkszählung
mehr als 2000 Einwohner haben, 34 des Anleilesvpon
»er Stener verbleiben, die von den in ihrem Bereich be—
indlichen Grundstücken aufkommen.
Schatzsekretär Wermuth: Die Veteranenbeihllfe kann
nicht in dieses Gesetz einbezogen werden; das muß im
Etat geschehen.
Abg Votthoff (F. Vp.): Wir glauben nicht.
daß der Abbau des Umsabstempe“s in der im Gesetz vor—⸗
zesehenen Weise vor sich gehen kann.
Schatzselretar Wer mush: Wenn Sie mir nicht glau
ben wollen, dann glauben Sie doch an die Tat'ache, daß
Bie durch Ablehnung des Gesetzes uns die Möglichkeit
xehmen, jemals den Umsabzstempel zu beseitigen.
* 49 bleibt unverändert, ebenso im wesentlichen die
Varagraphen 4904 bis 57.
Als lebten Paragraphen beantragen die Sozia!demo—
rxaien einen 58, wonach mit dem Inkrafttreten dieses
Bese ves das Zündwarensieuergefetz außer Kraft tritt.
Anter großer Unruhe des Hausecs begründet Abg
boey (Soz.) den Antrag, der aͤber abgelehnt wird.
In namentlicher Abstimmung wird dann das Zu
wachsfteuergeseß mit 199 gegen 93 Stimmen, bei 20 Ent
haltungen, angenonzmen. Dagegen stimmen geschlossen dit
Dozialdemokraten, die Mehrheit der Fortschrittlichen Volks
ꝛartei und Dr. Arendt (Reichsp.). Die Polen enthalten
Ach der Stinimabgabe.
Damit ist das Zuwachssteuergesetz endgültig verab
Es solqen Sialn z
Petitionen.
Die vor einigen Tagen abgebrochene Aussprache über
ꝛas Impfgesertz wird fortgesetzt
Abs. Sachse (Soz.) nimmt die Impfgegner gegen
ve Angriffe des Abg Arning in Schub.
Geheimrat Frhra v. Zedlitz (kons.) wendet sich ge⸗
zen die Meinung des Vorredners, daß ein polizeilicher
Zwang durch das Gesetz nicht beabsichtigt sei.
Abg. Damm (GW. Vgg.) bekäͤmpft im Namen
zeiner Partei den physischen Zwang, sowie die Wieder⸗
holung der Bestrafung wegen Nichtimpfung und bean—
agt, die Entschadigungspfücht des Slaales
Horiann (F. Vpy tritt für die Impfgeg—
ner ein.
Abg. Faßbender (Zir.): Auch die Impifre inde
sollten sich einer Nachprüfung nicht widersetzen. Die Ver—
haltnisse haven sich doch seit 1874 geaändert.
Abg. Hahn (konf.): Dem Antrage, eine Kommission
jur Klärung einzusetzen, und zur Ausarbeitung einer Denk⸗
cchrift stimmen wir zu.
GeheRat Kir schner: Die Pocken sind so selten ge—
vorden, daß nicht nur das Publikum, sondern auch viele
Aerzie sie nicht mehr kennen. Das verdanken wir allein
der Impsung. Die Impfgegner wollen alle Erfolge wie—
der zunichte machen Auf die Gewissensklausel können
wir uns unter keinen Umsiänden einlaffen. Dadurch würde
das Impfgesetz zu Fall gebracht werden.
Hierauf vertagt sich das Haus auf Monta g 2 Uhr.
*. Tagesordnung: Konservative Interpellation über die
Ueberschwemmung des deutschen Geldmartles min auslaͤn
dischen Altien. — Schluß gegen 7 Ubr
Verlin, 1. Febr. Vei der Beratung des Etats
jsur KCiauischou in der Budgetkommission
rdegte ein Zentrumsvertreter an, der Ker onprinz möge
die deutschen Kolonien im Osten vor seiner Heimreise be⸗
suchen Staatssekretär Tirpitz sprach sich zuftimmend
zus; wahricheinsich sei ein Plan schon für spätere Zeit in
Aussicht genommen. Nationalliberale und Reichspartei
chlossen sich dem Wunsche an, Sozialdemokratie und Fort⸗
Hhrittliche Volkspartei lehnten ihn ab, da bisher das
Reich sfinanzielt zu der Kronprinzenreise nicht herangezo⸗
jen worden set und ein solcher Wunsch des Reichstages
inanzrechtliche Folgen haben könnte.
Der Ritter der blauen Rose.
M. teine Tochter sorv fur ich, a!s ich entdecken
mußle, daß sie cine Fesrac eingegenzen, die im äußersten
Gegensatz zu me nen Wunschen und Plenen stand.“
Die beabsichtiglie B.leidigung praute witkungs os an
Robert ab, selbst das Bekenutnis des traurigen Beteuges
konnte ihn in diesem Nugenblice nicht erzürnen. Jedes
andere Gesühl perschwand vor der wilden, wahnsinn gen
Hofmung, die ihre Worte in seinem Herzen aussteigen ließen.
„Meinen Sie damit, daß Lissie nicht wirllich tot iste“
stieß er hervotr. Nur tot für Sie⸗ O, Gott sei gelodt!
Und möge Gott Ihnen verzeihen, Lady de Brucel“
de Sie saß noch immer schweigend da—
Wollen Sie dies wirklich fagen?“ wiederholte er ein—
dringlich. „Ich bin Lissies Gatte und habe das erste
Recht, alles zu wissen. Sagen Sie mir, daß sie lebt!“
„Aber, Mr. Langddon, ich kann Ihnen nicht fagen, ob
sie lebt oder nicht. Sie solllen wissen, wo sie ist! Sie
derließ mich und flüchtete in die Welt hinaus. Man fand
tin Billett auf ihrem HLimmer, worin sie mir mitteilte,
aß sie seit einiger Zeit verheiratet, daß sie gegen meinen
Wunsch und Willen vermähtt sei und mich nun für im—
mer verlasse. Ich möge sie betrachten wie eine, die aus
meinem Leben ausgeloͤscht sei für immer. Da ich später
Grund zu der Annahme erhielt, Sie seien der von Lissie
erwähblte Gatte, so mußte ich natürlich annehmen, daß sie
zu Ihnen geflohen sei.“
„Seit jenem Taze, Ende des Monats Juli, wo ich
plötzlich aufs —RBV Zeit hinge—
streckt wurde, b's heute, sah und hörte ich nichts mehr
bon meinem Weibe.“
„Was um Golteswillen ist denn aus ihr geworden?“
cief Lade de Bruce entsettt, zilternd on allen Gliedern
md bis in das Innerste ihres stolzen Herzens gedemü—
igt durch den Gedanken, die Sorge um Lissie mit die—
em jungen, niedtig geber nen Menichen, an den sie bis—
zer nur mit Zorn und CEmnirunua denften tanme —
ju muüssen. Mein Sohn ist eben von feiner Reise zurud⸗
gekehrt, er muß sich sofott wieder auf den Weg macher
mnd die ganze Welt durchsuchen, bis er seine Schweste.
eunten hot!“
Das schlechte Weinjahr.
Wiesbaden, 1. Febr. Der Regierungspräsident v
btte i steer hat eine Informationsreise nac
dem Rheingau angeisreten, um über die Winzer
wot Erhebungen an Ort und Stelle anzustellen und mi
den Bürgermeistern der weinbautreibenden Ortschaften Be
tatungen zu pflegen über die zu ergreisenden Marreselr
zur Bekämpfung der Rebschädt'nge und über d'e zu ge
vährende Entschäd'gung für die durch die vi ru5
tandenen Verluste.
Niederwalluf. 31. Jan. Der hi sig Winzerveßn
in hat seinen Konkurs beint AmisZericht zu Eltoslo
nmelden müssen, weil er der Kend gung senes Kapstaf
„urch den hiesigen Spar- und Darlehensderein nicht nach
ommen konnte. Letzterer hat die Kündigung vorgenom
ien, trotzdem er für das Kapital noch persich Sicher
‚eit hattd. Diese wenig genossenschaftliche Hand unggz
veise hat hier in dem Augenblick, wo die Sanierung ir
dem Eltviller Winzerkrach sür den Winzerveren einse tzer
ollte. Beiremden und Auffehen erregt.
— — — — —
Aus aller Welt.
Grausiger Fund. Bei Ausschachtungsarbeiten an
hotel de Rome in Berlin wurde 3 Meier unter den
Ztraßen- Niveau im Keller-Fußboden ein menschlicher Scha
»el mit einer vier Zentimeter langen Stichverletzung in
dinterlopf gefunden. Der Schädel, der an der bezeichne
en Stelle wahrscheinlich schon lange gelegen hat, wurd
nach dem Schauhause gebracht.
* Eine Tragödie. In Wien hat sich eine ungewöhn
iche Tragödie abgespielt. Die 19jährige Arbeiterin Marie
Petawa und der 21liährige Sch!ossergehitfe Alex. Fiant, de
einen gemeinsamen Haushalt führten und ein Kind ha!ten
waren beide in den Zuckerwerken beschäftigt. Es kam zwi⸗
schen ihnen öfter zu Streisig!eiten, weil sie Soz'aldemotra—
tin war und er nicht. Tienstag Abend ging das Maͤd—
chen in die Nähe der Fabrik, um ihren Geliebten abzuho⸗
ien. Auf dem Heimweg sprang sie plötzlich mit ihrem
Finde in die eisigen Flüten der Donau. Petawa. sprang
bhr sofort nach und alle drei verschwanden in den Flulen
Eisenbahnunfall. Auf der Station Isoszez (Un
garn) stieß ein Personenzug mit einem Guͤterzuge zusam
nen, wodurch vier Arbeiter g St wurden.
* Doppel⸗-Selbstmord. Der Kanzleibeamte Alexander
xileiß und seine Frau haben sich an der Bahnstation Roe
Brücke bei Budapest vor einen Eisenbahnzug geworfen
Beide wurden fofort getötet. Das Monv zu' dem Dop
pel⸗Selbstmord ist unbekannt.
Untergegaugen. Vier Fischerboote sind während ei⸗
nes Sturmes in der Nähe von Barcelona untergegangen.
Neun Mann werden vermißt.
Ertrunken. Vierzehn Arbeiser ertranken wie in einer
Falle, als sie nach Mitiernacht an einer Drehbrücke der
Pennsylvaniabahn arbeiteten, im Passaiceftuß bei Newart
New⸗Jersey). Die Ursache des Unglücks war, daß ein
türzender Baggereimer eine Caissonwand durchichlug.
—
Die Pest.
Paris, 1. Febr. Der Korrespondent des „New⸗
hort Herald“ in Charbin telegraphiert seinem Blatie aus
er nördlichen Mandschurei sehr ung mist ge Nachrichten
die Pest habe sich auf sämtliche Städre und Dörfer in
er Mandschurei in einem Umkreise von 200 Meisen aus.
gedehnt. Mehrere dieser Orte sind völlig entvelkert. Die
ius Charbin geflohenen Chlnesen haben die Krankheit nach
»en benachbarten Dörfern und Städten verschleppt, wo die
Zeuche sofort ihr Zerstörungswerk begonnen hat, das sie
don Tag zu Tag fortsetzt. Die Zahl der Opfer in de
nördlichen Mandschurei wird auf täglich tausend geschätzt
Die Chinesenstadt von Chardin ist uur noch eine Tolen
tadt. Täglich sterben dort 490 Eiuwotzner. Mehr als die
bälfie der 30 000 Bewohner ist gesiüüchtet, während die
undere Hälfte in der Stadt zurückaeblieben ist und ihren
Tod erwartet
Petersburg, 1. Febr. Aus Charbin wird ge⸗
neldet, daz sich die Pest furchtbar a'usbreitet. Das Chine—
enviertel Fudsjadjan ist in eine Totenstadt verwanden.
Alle Kaufleute und Beamte sind çeslüchtet. Da es nicht
möglich ist, alle Leichen sofort zu beerd'gen, haben Spe
kulanten Leichen Depots eingerichtet, in denen sie die Kör—
per der an der Pest Gestorbenen gegen eine Vergütung von
anderthalb Rubel aufbewahren, um sie später den Ange—.
hörigen zur Beerdigung auszuliefern. Vie russisch-chinesi⸗
che Bahn hat alle Angestellten hoch versichert, um ihre
Flucht zu verhindern. Die russischen wie vie japanischen
Zestungen im sernen Osten verlangen iniernationale Ein⸗
mischung zur Bekämpfung der Epidemie und Niederbren—
nen der Pestherde auf chinesische Kosten.
Peking, 1. Febr. Von den 30000 Einwohnern
der Chinesenslsadt Fudjiad'ian sind bereits 4000 gestorben
und mehr als die Hälste geflohen. Ganze Straßen seien
eingeäschert worden, und man glaubt, daß es notwendig
sein werde, die ganze Stadt zu verbrennen. Jeden Mor—
gen seien die Straßen mit Leichen bedeckt. die man
vährend der Nacht dorth'n geworfen hat. Alle Europäer,
Japaner und Chenesen, die der RPolizei und dem Eisen—
»ahndienft angehören, iragen, um sich vor der Seuche zu
schützen, Gazekleider, die mit Jodofotm getränkt, die Nase
aAnd den Mund bedetken vre⸗e — die Naäen senen
„Auch ich werde mein Weib suchen durch die ganze
Welt“, rief Rodert mit leidenschaftlich bebender Stimme.
Zehntausend Brüder können Lissie nicht lieben, wie ich
ie liebe! Aber warum ging sie denn fort? Und wie kam
s, daß zwei Briefe, die ich während meiner Krankheit
in sie schrieb, der eine ungelesen, der andere zerrissen an
nich zurückkamen?“
„Die alte Haushälterin, die ich in Whifford zurüd⸗
ieß, trägt die Schuld daran. Ich erfuhr erst davon nach
er Flucht meiner Tochter, deren letzte Ursache ich nicht
enne.“
Lady de Bruce war jetzt der Verzweiflung nahe;
kein, wie sie auch im Innersten litt, kein Wort sollte
ziesem jungen, unbedeutenden Menschen ihre Gefühle ver—⸗
aten. Gemeinsame Sache zu machen mit ihm, der Herz
ind Hand ihrer unbvergleichlichen Tochter gestohlen, das
oar zu viel für ihren Stolz.
So standen sie beide schweigend da, die alte Frau,
die ihr Leid mit unnatürlicher Anstrengung in sich ver—
ichloß, und der zunge Mann, dessen Herz Hosfnung,
Furcht, Freude und Angst zugleich bestürmten.
Da plötzlich tönte ein lurzer, rascher Schritt durch die
ßalle, und im nächsten Momente wurde Edgar Lord de
Bruce im Türrahmen sichtbar.
Für Lady de Bruce war Edgars Erscheinen eine Er—
eichterung und ein Schrecken zugleich. Dieses penliche
Begenüber mit einem jungen Menschen, der sich ihr als
Schwiegersohn aufdrängte, war nun zu Ende. Indessen
zatte sie alle Ursacke, der nächsten Viertelstunde mit Herz⸗
sopfen entgegenzusehen. Sie kannte das heflige Tem—
perament ihres Sohnes zur Genüge; bittere Vorwürfe
pürden ihr nicht erspart bleiben, wenn Edgar erfährt, daß
dissie verschwunden sei, und zwar durch ihre Schuld. So
chnell hatte sie ihn auch nicht zurückerwartet. Natürlich
vellie sie ihn bei seiner Rückkehr über den vermeintlichen
Tod Lissies sofort aufklären und sicher würde er ganz
hrer Ansicht sen, daß man die Schwester, die sich mit
ihtem ganz unebenbürtig geborenen Gatten in irgend einem
Wetwinkel verbarg, sich selbst überlassen müsse. Jetzt aber
lagen die Dinge anders; die harte und ungerechte Mut—
ter besand sich nun in einer Zwangslage, aus der lie
einen Ausweg sah.
Ihr blasses Antlitz mit seiner unnatürlich grünlichen
25r6una bperriet den Aufruhr ihres Annern. Doch udf⸗
Etwas für Langschläfer.
— —— —
— —
—
— —— —— —
— ———7—
7
— —— —— ——
—— — — —
—— ——— — —
— — — —
—
— c—
— A
2
22
——
Eine Ersindung von größter Originalität, die dver
ühnen Kombinat'on den weitesten Spielraum gestat!:et, ha⸗
ein deutscher Mechaniker soeben gemacht. Auf höchst prak⸗
tische Weise verband er die Weckeruhr mit dem Grammo—
ohon. Zur festgesetzten Zeit spielt nun das Grammaphon
ein munteres Morgenlied, bezw. sagt es die aufgenomme⸗
nen Sätze her. Besonders für hartnäckige Langschläfer dürfte
die neue Eriindung von größier Bedeutung sein.
— ——— s — —
Arbeiterbewegung.
— Schuhmacher⸗-Streik? Die Arbeitgeber der Schuh—⸗
fabrikation in Weißenjels haben einstimmig die neuen
Arheiterforderungen abgelehnt. Wahrschein ich werden doodtit
Urbeiter in Streit treten.
— Vuchdruckerstreik. Die Provinz Lüttich, in der
ben erst der Ausstand der Kohlenarbeiter beendet worden
st, wird von einem neuen Streit bedroht. Die Buch—
)rucker in der Provinz sind mit ihrem Lohn und der Ar—
zeits bedingungen unzufrieden. Sie verlangen eine g9stün—
dige Arbeitszeit und einen Tagelohn von8 Franks. In
Verviers ruht bereits in 40 Betrieben die Arbeit. Di
Zeitungs⸗Unternehmer wollen versuchen, eine gemeinschaft
liche Ausgabe außerhalb der Stadt druucken zu lassen. D
die Druckereibesitzer von Lüttich die Verhzandungen mi
den Arbeitern ablehnen, so wird es wohl dort demnächß
zum Ausstand kommen
— ——
Von der Luftschiffahrt.
*Ein vemerrenswerter ueberland
lLug. Aus Köln wird berichtet: Dienstag nachmitae
mternahm der Avialiker Dr. Hoos den Ueberlandflug vor
der Halle in Merheim auf einer „Gesa“Maschine der Ge
ellschast für Flugmaschinen-Apparatenbau. Als Passag'e
cahm er seinen Mechaniker mit. Er umkreiste zunächst de
Llas, wandte sich dann dem Rhein zu und berührte die
Irtscha ten Merheim, Niehl und Fühlingen. Der Appara,
jewegte sich in einer durchschnistlichen Höhe von 100 bis
120 Metern und zeig'e troß des böigen Windes eine aus—
rezeichnete Stabilität Er landete alatt nach einem Gleit—
uge aus etwa 80 Meter Höhe vor der Halle. Hieraus
nternahnt ein Schiler von Dr. 60608, Oberingenieur
Rkopik, einen lurzen Flug. Dr. Hoos wird in den näch—
len Tagen einen neuen Apparat esonderer Nonitruft on
robieren
*FliegerUnfall. Am Dienßtag versuchte in
Berlin der Avigliker Bomtard auf e nem Ponlain Ap⸗
»arat einen Aufsticg. Der zunge Avigtiser, der mit der
Zteuerung noch nicht recht veriraut war. geriet mit dem
Ppparat auferhalb des Flugplatzes und stieß wieder einen
Baum. Die Maschise fiel zertrüummert »u Voden und be—
zrub Boutard unter sich. Der Verunglückte hat eine sehr
schwere Rückgrat-Verletzung erlitten.
—8B ⸗
—————
———
—
.Buntes Allersei..
—8
— —
— 28
—V
I
»** Sultan Bimbambum hatte ge—
träumt, er verliere alle Zähne aus dem Munde. Er
ließ einen Traumdeuter holen und befragte diesen, was
yon dem Traume zu halten sei. — „Ach, welch ein Un—
Jl'ch. Herr!“ rief der Traumdeuter, „ieder verlorene —R
hedeutet den Verlust eines Teiner Angehörigen!“ — ‚Wie
tndl“ rie wütend der Sisenn und das as
keine Muskel dieses starren, kalten Gesichtes, als ste jetzt
mit der gewohnten majestätischen Haltung auf ihren heim—
gekehrien Sohn zuschritt und seinen sonngebräunten Hals
mit ihren Armen umschlang.
„Willkommen, Edgar!“ fagte sie. „Du findest mich
in Trauer und Bestürzung. Mein Wunsch wäre es ge—
wesen, von Deiner Ankunft frühzeit'g benachrichtigt zu
sein, um Dir eine fröhlichere Begrüßung zu bereiten. Doch
bin ich froh, daß Du heute gekommen bist, unaussprechl ich
Jücklich, Dich wohlbehalten und unversehrt hier zu sehen
Du bist mein Sohn — unser zukünftiger Herrscher.“
„Dein Sohn natürlich, Mutter — aber ganz gewiß
nicht Dein Herrscher. Es wäre nun endl'ich an der Zeit
diesen Unsinn bei Seite zu lassen, denke ich Es tut mir
leid, Mutter, daß ich gleich beim ersten Wiedersehen seo
rauh auftreten muß; ich bin jedoch lange unter wilden
KBolkern gewesen und habe vielleicht etwas von ihre
Deanieren angenommen Auch muzt Du melne rauhe Aus
drudsweise meiner großen Au'regung zugute halten. D
jand ich an Vord des Schitfes in einem alten Zeitungs
blatt eine Notiz über den Tod unscrer Lissie. Und nich
dine Seele, ich versichere es Dir, hat mir seit meiner
Landung etwas näheres über ihren Tod oder die Ursach
desselben mitteilen können. Bevor wir nun über irgent
einen anderen Gegenstand reden, mußt Du, liebe Multer
mir gefälligst Ausschluz über dieses Ereignis geben. Die
zrme, liebe, kleine Lifsie! Wann starb si:?? Wie starb sie?“
DTas männlich ofsene, gerade Wesen des jungen Lord,
ie rührende Aeußerung seiner brüderlichen Liebe für die
orgeglaubte Schwester wirkte gewifsermaßen tröst ich und
rmiurigend auf die beiden anderen. Lady de Bruce zit
erte zwar vor tihrem Sohn, und doch sah sie in ihm ihre
inzige Stütze. Robert fühlte sich zu ihm bingezogen, noch
eror Edgar seine Anwesenheit bemerkt batie. Er erin—
jerte sich, wie oft Lissie von ihrem Bruder gesprochen,
vie oft sie seine Herzensgüte und Offenheit erwähnt haätte.
„Soeben hatte ich mit — mit Me. Langdon eine sehr
ernite Besprechung über Lissie“, sogte Lady de Bruce.
„Per. Langdon!“ wiederholte Edgar, der jest erst die
Begenwart des Mannes bemerkte, den er am jeden Preis
heute finden wollte. In dem blassen schönen Gesichte und
der hohen anmutvollen Gestalt des jungen Mannes dort
rtannte er sosort das Original des Liebenden auf der
365
mir zu sagen? Fort mit ihm! hundert Stodp
der Lohn für seine Deutung sein!“ — Und der
ethielt hundert Stockprügel. — Darauf wurde e
gerusenn und befragt. „O, welch ein Glück!“ rief
ist unserem Heren beschieden: alle seine Angehör
er überleben!“ — Da schmunzelte der Sultan ganz
und sprach mit vieler Güte: „Ich danke Dir, Fr
sogleich zu meinem Schatzmeister und laß Di—
Boldstücke zahlen; Du hast sie wohl verdient.“ A
Herren vom Hofe ganz erstaunt dem Traumdeun
lich sagten: „Du hast ja das'e!be gesprochen,
Erste“, da erwiderie er mit schleuem Lächen: „S
nan alles: es kommt nur darauf an, wie man
*wGesschmachsachen InChinareißzen
uimmer sich die Haate aus den Augenbrauen,
leinen Augen wo möglich noch kleiner zu mache:
treichen ihte Lippen mit Zinnober, weil fie die
besondere Schönheit halten. Die Türkinnen pfleg
hre Augenbrauen zu vergolden und ihre Fingen
enrot anzumalen. Die Grönländerinnen färben
icht blau und gelb. Die Japaneserinnen vergol
hre Zähne, und die indischen Weiber färben
Begenden rot in anderen aber schwarz. In Na
die Frauen zehn Zol hohe Hauben ans Rind—
Thina gar einen kuüpfernen oder goldenen Vogel
Haupte, dessen Schnabck die Nasenspitze berührt
die Flügel Stirn und Schläfe der Dame bedecken
mhorstehende Schweif aber einen Federbusch bi
***Einspanisches Blattstellt
ersschise de Zusammen, die nach ihm zwischen
jösinnen, Englänbder'tinen, Deutschen und Spani
tehen. Es mag sein daß seine Bemerkungen
vahr sind, aber fie scheraen uns so in eressan—
lauben, eine Mitieilung derselben werde un's
villkommen sein:
Zu viel verlangt. Zwei Freunde
sich, der eine war mit einem leichten Sommerr
kleidet, der andere mit einem warmen Winterro
sen fror entsetzlich, da sprach der andere: „Liebe
Dir ist ja entsetzlich kalt, Dir klappern die 80
Frost, warum ziehst Du denn nicht Deinen
in?“ — „Das ist leider unmöglich“, antwor
denn ich habe ihn versetzt.“ — Der andere:
Dir wenigstens den Versatzzettel an, damit die
isehen, daß Du einen Winlerrock hast.“
Abgeblitzt. Sie haben ja Hände
Drescher“, sagte einst ein junger Witzbold zu e
indem er ihre Hand ergriff. — „Jawohl“, entgeg
ich habe darum auch schon den F lbegel an
Sinn pruch.
Kenn, o kenne Deine Sphäre,
Laß sie nimmer ohne RNot.
Bist Du Seefisch, bleib' im Meer⸗
Süßes Wasser ist Dein Tod.—
4 *
* Gedankensplitier.
d Irren ist das Schichsal der Menschheit,
ich zu einem Irrtume bekennt, gibt sich damit
Schande, nur einer Schwachheit schuldig, die er
neisesten, edelften Menschen gemein 64
!α
JAus der guten —
— —— 7
E alten Zeit.
**Im Jahre 1606 müssen wohl nicht
piele Zeitungen erschienen sein, wie heutzutage.
hreitete sich in gedachtem Jahre in H. ... di
richt, daß es einem Kaufmann gelungen sei,
etper Zeitung zu werden. Der ganze Magistrat
zleich eine Beralunz und beschloß einstimmig: de—
iann T. per Dekret zu ersuchen, die Zeitu
MNagistrat gegen Erstattung der halben oten
msen.
Aussprüche über die deutsche Sprach
Wenn unsere höhere Welt deutsch spricht,—
nicht jeden Augenblick nach einem französtschen B
iner französischen Wendung? ..... als feien wi
Anfängen unserer Bildemg und müssen alles von
holen? wir Reichen, die wir vergessen haben, w
wir sind! . ... Sollen wir nicht endlich wenigst—
cher lich nennen, was jedes andere Volke
iennen würde? C. M
* Eine wohlausgeübte Muttersprache beförden
in rein poliertes Glas, gleichsam die Scharfsichti—
Gemütes und gibt dem Verstand eine durchl·
stiarheit. Leibniz. „Ermahnung an die Dem
*Jeder der schreibt, soll darnach streben,
Stil, sein Ausdrud in vollkommenstem Einfsang
fehe, was ar sggen wppit
„Ich habe Sie heute morgen in ihrem Armn
suchen wollen“, fuhr Lord de Brene fort. „Ver—
e nige Bemerkungen zu Ohren, aus denen ich den
ziehen mußte, daß Sie ein Freund meiner teuren
ter waren. Und nachdem ich in Ihrem Atelier d
nen Porträts gesehen habe, die Sie von ihr gem
ben, kann ich nur annehmen daß Sie ais sehr
Freund nahe standen“, schloß Edgar bedeutungsvo
„Als ihr größter Freund, Lord de Bruce.
yr Gatte.“
Dieses Geständnis war mehr, als Edgar zu
parte valzc. Er blidte schnell auf seine Mutter
hr auf Langdon zurück.
Ich brauche Dir wohl nicht zu versichern,
interbrach hier Lady de Bruce das Schweigen, *
ia diese Heirat ohne meine Einwilligung geschlo
Zie versuhr mit äußerster Heimlichkeit, wohl wisse
ie bei mir nur auf Widerstand rechnen durfte.“
„Laß das nur, Mutter“, sagte Edgar ungedul
st jetzt Nebensache. Was ich zu wünschen wisse
erfahren verlange“ — eine leichte Röte überflog 1
gebräuntes Antlitz — „ist: wer von Euch beiden,
»der Gatte, mir die beste und genaueste Auskuni
meiner Schwester Tod geben kann?“
„Ich habe soeben erfahren, daß sie nicht
prach Robert; „nicht tot, Gott sei's gedankt!“
„Nicht tot?!!! — — — —
Edgar war aufs höchste erregt einen Schritt
treten, er glaubte sein Herz von einem Alp befrei
dann verklärte Freude wie Sonnensein sein schönes
iches Gesicht. Wer konnte dann der Urheber diese
schen Todesnachricht gewesen sein? Zweifelnd bl
bon einem zum anderen, während gerechte Entrü
seinen ehrrichen Augen sunkelte.
„Wer hat es gewagt“. fraate er, Zu sagen.
totz“ — — —
„Ich habe es gewagt', versetzte Laͤy de Bri
der ganzen Würde, die ihr zu Gebote stand. „Ja
Mutter, wagte es sie beim Wort zu nehmen, als
neinem Hause floh mit Hinterlassung eines Briefe
in ste ihre uns mißfällige Verbindung eingestand
Vunsch äußerte, für ihre Familie als Tot⸗ zu ge.
erstieb ie Ich habe sie beim Wort genomment