—D
en ein Teil der Schriftstücke wieder rekonsiruiert wer—
den, damit sie erkennbar werden, um durch neue ersetz
u werden,. Die vernichteten zahlreichen Wechsel müs
en, nachdem ihre Vernichtung festgestellt und amtlid
»ubliziert ist, nochmals ausgestellt werden.
Saolgenschwere Explosion. Ein drahtloses Tele—
ramm von dem an der Samanainsel festgekommenen
dampfer „Prinz Joachim“ der Hamburg-Amerika-Linie
neldet: Neun Mann in drei Booten waren damil
eschäftigt, die über Bord geworfene Ladung wiedeir
u bergen und griffen gleichzeitig nach einer Büschse,
die. ohne daß sie es ahnten, Erplosivstoffe'ent
dielt. Während jeder die Büchse an sich zu bringen
uchte, ersolgte eine Explosion. Alie nenun
vurden in Stückegerissen.
Hochwasser. Infolge der heftigen Regengüsse in
en letzten Tagen führen die Tiroler und italienischen
xlüsse sehr bedeutendes Hoch wasser. So wird
ius dem Valsugana⸗Tal gemeldet, daß dort das Hoch
vasser eine seit Jahren nicht mehr erreichte Höhe an—
senommen hat. Bei Gossensaß in Tirol ereignele sidk
nfolge des von den Bergen stürzenden Wasfers ein
jelssturz und verschüttete einen Teil der Brennerbahn.
Die Pulver-Affäre. Anläßlich eines Tagesbefehls
es Seepräsekten von Toulon, in welchem dem mit ve
ßersenlung der Pulvervorräte betrauten Personal An
rlennung ausgesprochen wird, bemerkt der „Temps“
der Wert des ins Meer versenklen Pulvers betrage 20
is 25 Millionen Franks. Dazu kommen noch die Ko—
en des vexunglückten Panzerkreuzers Liberte⸗ mit 4.
dillionen, die Kosten der mit demselben vernichteten
zulvervorräte im Werte von 8 Willionen, die Aus
esserungskosten für die übrigen beschädigten Kriegs
Via n dis Hosten für die Entfernung des ran
Mtißglückter Raubanfall. Bei Aubaägne (Teparte
ment Rhonemündung) griffen drei Räuber einer
Büäüterzug an. Der Schaffner vertrieb sie durch
Revolverschüsse. Einer der Uebeltäter wurde verletzt
Selbftmord. Der bekannte sozialistische Propagan
dist Lafarge und seine Frau, eine Tochter von Karl
Marx, haben auf ihrem kleinen Landgute in Dravei
Selbsimord begangen. Als eine Magd das Schlafzim—
mer des Chepaares betrat, fand sie dieses tot im Bette
liegend. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur
den durch Gift herbeigeführten Tod fjeststellen.
Explofions⸗Unglück. Aus London wird gemeldet:
Am Sonnabend erfolgte in der Grube Jammage eine
schwere Explosion, die sechs Bergarbeitern das Leben
kostete und 5 schwer verletzte.
Schiffs⸗sZusammenftoßz. Unweit Sherneß erfolgte
bei dichtem Nebel zwischen dem dort verankerten Tor—
pedoboot „Spemker“ und einem unbekannten Dampfer
ein heftiger Zusammenstoß. Dem „Spanker“ wurden
mehrere Platten eingedrückt. Das Schiff mußte zur
Reparatur nach Sherneß zurückkehren.
Explosion. Im Erdgeschoß des Albert⸗-Hotels zu
Rottingham erfolgte eine schwere Explosion, welche
das Gebäude teilweise zerstörte und viele Fensterschei—
hen in der Nachbarschaft zertrümmerte. 8 Personen sind
schwer verletzt worden. Ddie Ursache der Explosion war
pr durch Kurzschluß hervorgerufene Entzuündung von
asen.
Großer Betrug Im Tresor des türkischen Fi—
nanzministeriums wurde ein Fehlbetrag von drei Mil
üonen entdeckt. Von dem Diebe fehlt jede Spur.
Brückeneinsturz. Aus Malta wird berichtet
Während eine Abteilung Soldaten mit dem Versuch
ꝛine Hängebrücke herzustellen, beschäftigt war, gab dief
aach und stürzte in sich zusammen, wobei 2 Offizier
und 16 Soldaten, die sich auf der Brücke befanden, in
einen darunter liegenden Sumpf stürzten. Der größte
Teil der Verunglückten erlitt schwere Knochenbrüche und
Queischungen, während die anderen leichter verletz!
vurden.
Unglücksfall. Während der Taufe eines Kindes
in der Kirche von Epernay stürzte ein kupferner Kron
leuchter ins Kirchenschiff. Zwei Personen wurden dabei
chwer, zwei leichter verletßzt.
Unglücks fall Aus Catania wird berichtet: In
einem Steinbruch bei Acireale wurden durch herabstür—
gendes Gestein fünf Arbeiter getötet un
wei schwer verletzt.
Truppenerkrankungen in Marokko. „Paris Jour—
ial“ behauptet, die französischen Besatzungsiruppen in
Marolko seien sehr stark von Krankheit heim—
zesucht und die Sterblichkeit unter ihnen eine
Arschreckend große. Alle drei Tage zögen Ab—
—ADOO—
Jäbe gegenwärtig fast gar keine wirklich dienstfähigen
Truppen in Margafe.
Arbeiterbewegung.
Aussperrung der Metallarbeiter. Die für Don—
ierstag angekündigte Aussperrung von 60 bis 70 Pro—
zent der Metallarbeiter in Grosß-Berlin wird sich
nicht mehr abwenden lassen. Die Parteien stehen ein
ander schroff gegenüber und keine ist zur Friedens-Ver—
mittelung geneigt. Sowohl im Lager der Arbeitgeber
vie Arbeitnehmer werden Vorbhereitungen zu einem
änageren Kampi getroffe
— — — —
Wie wenn ene Wolle über die sonnige Flur geht, wird
Lenas eben noch srshlich-helles Antlitz von einem plötzli—
hen Gedanlken beschattet.
„Der Holländer wird sich an ihm rächen!“ sagt sie trau—
iq.
Henn Hemskerk weiß, wer mit dem „ihm“ gemeint ist.
„Können vor Lachen!“ sucht er zu trösten, obschon er
elbst bedenklich geworden ist
Erschöpft sinkt er in die Kissen zurück, und Lena macht
sich schon Vorwürfe, daß sie ihm mit dem Gespräch zuviel
zugemutet hat. —
Als sie wieder in das Schankzimmer zurückkehrt, ist es
von mehreren Gästen besucht, darunter einem, bei desen An—
klick sie die Farbe wechselt: Gert van Moolen.
Die Stunde der Auseinandersetzung ist da.
Sie ladet den Holländer ein, ins Wohnzimmer zu kom
men; er folgt, von ihrem Ernst befremdet.
„Ist der Vater schlimmer?“ fragt er unzart.
„Was ich Euch zu sagen hab', betrifft uns allel“ er
widert sie kalt.
Erwartungsvoll läßt er sich auf einen Stuhl nieder.
„Ihr werdet wohl noch wissen, daß Ihr mic von ei
nem Diebstahl des Vaters erzählt habt.“
Der Hollander nickt.
„Hat sich der Vorfall jetzt aufgeklärt?“
Lenas Auae ist sest auf ihn gerichtet, sodaß er unruhig
nird.
„Was soll das jeht? Ich hab's begraben.“
„Aber ich nicht! Antwortet: Kennt Ihr den Dieb?“
„Natürlich, Dein Vater war's Wie ich's Dir damals
zejagt hab'.
„Ihr habt danmals die Unwahrheit gesagt. Vieilcitht
wußtet Ihr's damais auch nicht besser. Aber daß Ihr heu
x, wo Ihr den wirklichen Dieb keunt, meinen Vatee von
Renem bezichtigt, das zeigt, daß ihr cin schlechter Mensch
seid, mit dem ich nichts mehr zu tun haben will!“
Ein edler Zug blitzt in ihren Augen und nmiacht sie schö
ner denn ie Gert van Moolen verschlingt sie mit den
Blicken.
„Wer hat Dir das in die Ohren gesaat?“ Seine Be—
rürzung kann er nicht ganz verbergen.
Lena beachtet seine Frage nicht, sondern spricht:
„Unsere Wege sind fortan getrennt, und es wird vor
Such und Eurem Verhalten abhängen, ob wir Euch nich
wegen verleumderischer Beleidigung und Nötigung anzeigen.
Jetzt erkennt der Holländer die volle Bedenlung ihre
rrte; maßlose Wur macht sein BGefieht mit dor Hlatia fonnu
— 34
Luftschiffah
*Die Rückehr der „Schwaben.
Am Montag morgen 9.15 Uhr hat die „Schwaben“
on Gotha aus die unterbrochene Heimfahrt nach
Baden-Oos angetreten. Die Fahrt ging übei
Fisenach. Hersfeld, Fulda, Darmstad
Verunuglückter Militärflieger. Auf dem Truppen—
übungsplatz Döberitz unternahm am Samstag der Mi—
itärfsieger Leutnant Frhr. v. Freyfag-Lo
ringhobden vom zweiten thüringischen Feldariille—
rie-Regiment in Naumburg, der im letzten Sommer das
Fliegen erlernt hatte und jetzt einen Repetitionskurs
durchmachte, einen Flug und wollte nach einstündiger
Dauer im Gleitflug aus 200 Meter niedergehen, al—
ihn in 50 Meter Höhe ein seitlicher Windstoß faßte,
den er nicht mehr parieren konnte. Er stürzte ab und
war sofort tot. Der Verunglückte ist der Sohn des
als Militärschriftsteller bekannten Generalmajors, des
Oberquartiermeisters im Generalstab der Armee.
Todesfahrt. Der 27jährige Aviatiker Decroc«
ist in Turin bei Fluaversuchen abgestürzt und seinen
Verletzungen erlegen.
Neueste Meldungen.
Berlin, 28 Nov. Der Kreuzer Berlim
wird, nachdem in Agadir alles ruhig ist und keine Ge—
fahr für das Leben und das Eigentum der Deutschen
mehr vorhanden ist, über Casablanca und Ta'n
ger die Heimreise antreten. Das Kanonenboo
„Eber“ wird die „Berlin“ nach Casablanca und Tan
ger begleiten und sich dann wieder auf die westafrifä
nische Station begeben.
Haunover. 27 Nov. Der Vorsitzende des Vereins
deutscher Zeitungsverleger und Mitbesitzer des „Han
noverschen Kuriers“, Dr. Max Jäneccke, ist in de
Nacht zum Sonntag plötzlich gestorben. Der Ver
storbene litt an einem schweren Gallensteinleiden und
unterzog sich deshalb im vorigen Jahre einer Opera—
tion. Leider trat die Krankheit jetzt wieder mit grö—
zerer Heftigkeit auf und war die Ursache des plötzlichen
Todes. Dr. Max Jänecke war erst 42 Jahre alt.
Straßburg, 27. Nov. Wie verlautet, ist als Tag
bder Erösffnung des neuen Landtages del
z. Dezember in Aussicht genommen. Die fseierliche
kröffnung des neuen Landiages wird im Kaiser-Palaß—
tattfinden
Paris, 28. Nop. Auf dem Fatholikenkon
Ireß in Lille hielt der Erzbischof von Cambrai ein
Rede, in der er mit energischen Worten die Freihei
des Unterrichte und die religiöse Freiheit für die Be—
amten und die Soldaten forderie. Wir werden, schlos
der Erzbischof unter stürmischem Beifall, mit Hilfe des
zrollenden Volkes die Wahrheit zurückerobern, die ma
uns gestohlen hat.
Madrid, 28. Nop. Bei Jazanem am Hert
fluß wurde ein Friedensatt mit 65 Kabylen
Häuptlingen vollzogen, die darum nachgesuch
zatten. Sie sind wohl teilweise durch Geldgeschente ge⸗
wonnen worden. Damit gilt die Ruhe um Melilla fün
vorläufig gesichert.
Newe⸗York, 18. Nov. Roosevelt erklärte
er werde 1912 nicht kandidieren.
——————-çwg————x ” c!a,
Deutscher Reichstag.
210. Sibung. Berlin, 27. Novbr
Mittag 1 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die erste Beratun—
der ostafrikanischen Giüsenbobn-—Vor
lage.
Stellvertreiender Staatssekretär des Reichskolonial—
amtes Dr. Solf: Die Vorlage ist nur ein Bausteir
zu dem Gebäude, zu dem die Zustimmung des Reichs
tages von 19083 das Fundament gelegt hat. Ueber
die Tariffrage sind vom Gouverneur von Ostafrika Er
hebungen angestellt worden. Es werden fünf verschie
dene Klassen eingerichtet werden.
Abg. Erzberger (Ztr.): Auf Umwegen wird
mit dieser harmlosen Vorlage sir. Nachtrags-Etat ein—
geführt. Ich beantrage Verweisung an die Budget—
Kommission. Die Genehmigung der Vorlage bedeuten
zugleich die Genehmigung einer Mehrausgabe von 5
Millionen Mark. In der Kommission wird zu erwä
gen sein, ob die Kopfsteuer nicht in der Kolonie durch
weg erhöht bezw. eingeführt werden könnte. Das
zentrum nimmt zum Weiterban der Bahn eine freund
siche Stellung ein, die finanzte!len Auskünite müssen
aber gegeben werden.
Reichsschatzsekretäir Wermuth: Es handelt sich
nicht um eine Abweichung vom Programm. Natürlich
lann ich die Anregung wegen Erschließung neuer Ein
nahnequellen nur begrüßen, aber mil diesem Vorbe
hzalt bitte ich um Annahme der Vorlage.
Stellvertretender Staatsselkretär Dr. Solf: In der
dommission werden wir nachweisen, daß Ostafrika die
Finanzkraft besitzt, um die durch dieses Bahnprojekt
ferleaten Lasten traarn 2u fönn
„So, darauf soll's hinaus? So haben wir nicht ge—
wettet mein Täubchen; Zeig' ich Deinen Vater an, so wird
ihn kein Gericht loslassen; dafür sind die Beweise zu
schwer!“
Das Mädchen zuckt gerengschätzig mit den Schultern,
und der Holländer sieht ein, daß ihm diese Waffe aus der
Hand geschlagen ist.
Also versucht er es mit der anderen.
„Was soll das Zanken! Nutten tut's am wenigsten dem
Brinkmann, dem's den Hals kosten lann, wenn ich bei mei
er Aussag' verbleib'.“
Ihr werdes bei ihr bleiben.“
pe PWoglich. Vielleicht aber auch nicht. Das hängt vor
ab
Wie — ändern können? Was wollt Ih
agen wenñn Eche —*2 — Euch nach dem Tater fragt?“
Ter Honander dart Lenas Worte für ein Eingehen au
seine Wünsche:
„Es gibt noch andere, die mir den Stich versezt haber
önnien.“
Lena bewegt anscheinend zweifelnd den Kopf:
„Wer könnte das sein?“
„Wenn Du mir die Heirat fest versprichst, nenn“ id
en Täͤter und mache den Brinkmann freil“
„Elender! Gestanden habt Ihr est, daß Ihr ei ea Un
chuidigen beni ytigt habt. Und Euch solte ich in die Eh
olgen? Nein! VLieber den Tod als die Schande, eines
olchen Menschen Weib zu sein!“
Rerachtung und Widerwilie stehen so deutlich auf ih
rem Antlitz, daß der Holländer über die ganze Natur ih
ter Gesinnung nicht mehe im Zweisel sein lann Diese Er—
enntnis entfacht seine Leidenschaft zum lodernden Brand.
„Nimm Dich in acht, Pädchen, und reize mich nicht
u stark“
„Ich hab' Euch gesagl, daß unse e Wege fortan getrennt
ind, und niuß Euch ersuchen, die Schwelle des Hauses nicht
nehr zu übertretea!“ Ebenso bestimmt wie ruhig sind
Worte und Haltung des Mädchens.
Ein Höllengelächter soll die kochende Wut des Abge—
vlesenen ververgen; dann aber droht er mit mühsam ver
halenen Zornauzbruch:
„Die Schweltie nicht mehr'üterreten? Die Tür' ze
jen? Törichtes Weib, die Worte sollst Du büßen! Ich wer
e die Schwelle noch einmal ükertreten. und ichsimm—
eht's Dir dann
»n Srhazrdern iosit voriog
—
Abg. Dr. Wagner (ccons.) hat Bedenken, daß der
steichstag in diesem Stadium noch einen Beschluß faßt
er eine moralische Bindung des nächsten Reichstage—
hedeutet. Aber diese Bedenken kann man zurücksteller
»a es sich tatfächlich nur um Fortjührung eines Pre—
grammes handelt, dem der Reichstag bereits zuge
timmt hat. Hätten wir in Südafrita früher die Bah
gebaut, hunderte von Millionen und die großen Ver
suste wären uns erspart geblieben.
Abg. Noske Goz.) bestreitet die Rentabilität
der Bahn für absehbare Zeit und betont, daß sich sein
Partei es überlegen werde, der Regierung weitere Mit
lel zur Verfügung zu stellen, saange' eine so ch⸗
Zchandwicrtschaft in den KRolonien »lich sei.
Abg. Eickhhoff (Vp.) wünsa cu Prüfung der
finanziellen Gesichtspunkte in der Kommissien.
Nach einer Erwiderung Dr. Solfs, der die ge
gen die Schutztruppen erhobenen Vorwürfe zurüdweist
spricht Abg. Arning (nl.) über die vom Abgeordne
ten Erzberger erhobenen finanziellen Bedenken.
Abg. v. Liebert (Rchsp.): Das bisherige
Spar-System lastet wie ein Fluch auf unserer Kols
aialpolitit. Gott sei Dank haben die wirtschaftliche
Grundlagen unserer Kolonien sich wesenilich gebessert
Wir sind durchaus für die Vorlage.
Die Vorlage wird an die Budgetkommission ver
wiesen.
Es folgt die zweite Beratung des Heimar
beitsgesetzes.
Abg. Kolbe (Rchsp.) bemängelt, daß in dem
Heimarbeitsgesetz die Begriffe „Heimarbeiter und Ange
hörige“ nicht so genau definiert sind, wie beispielsweis⸗
in dem österreichischen Gesetz.
Abg. SchmittBerlin (Soz.) sagt, die Heimar
beiter seien um ihre Hoffnungen betrogen worden. Red
ner wendet sich dann gegen den sächsischen Regierungs
vertreter, der die Heimarbeiter-Ausstellung in Berlin
als tendenziös bezeichnete.
Abg. Fleisscher (Ztr.): Die Vorlage ist dock
immerhin ein wesentlicher Fortschritt. Die Hauptsorde
8 des HeimarbeiterschutzeKongresses werden er
üllt.
Abg. Naumann (Vp.): Mit dem Herz allein
ist diese Frage nicht erledigt. Ob man das Gesetz an
nimmt oder nicht, ist für die Lebensexistenz der Heim
industrie ganz gleich.
Abg. Behrends (W. Vgg.): Wir sind nicht
schuld daran. daß die Lohnämter gefallen sind. Da
sie aber nicht zu erreichen sind, begnügen wir uns mi
Fachausschüssen.
Die Aussprache schließt.
5*531 wird unverändert angenommen, ebenso 8
Das Haus vertagt sich auf Dienstag 12 Uhr.
Tagesordnung: Schiffahrtsabgaben-, Heim
arbeitsgesetz und Pensionsversicherung.
Auf den Einspruch des Vorsitzenden der Budgeit
Kommission, Frhr. v Gamp, gegen den frühen Sitz
ungsbeginn erklärt Präsident Graf Schwerin-Löwitz
man müsse versuchen, im Plenum mit den Arbeiten
in den ersien Dezembertagen fertig au werden
Ichluß 7 VUhbhr
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
* Köln, 27. Nob. (Ausländische Stören
Tiede.) Auf Zeche Westende in dem westfälischen
Orte Beek kam es zu standalösen Szenen, als etw
50 österreichische Bergleute, die mit ihren
Lohn unzufrieden waren, Geld für die Rückreise und
den Rücktransport ihrer Möbel verlangten. Als mar
den Vergleuten bedeutete, es müßte erft Rücksprache mi
dem Zechendirektor genommen werden, demolier
ten diese alles, was ihnen in den Weg kam. Bei den
Steinbombardement wurden mehrere Beamt«é
verlestzt. so daß ein größeres Polizeiaufgebot requi
riert werden mußte. Als die Haupterzedenten verhaf—
tet waren. durchzogen die Bergleute die Straßen der
Stadt und beruhigten sich erst, als ihnen der durch die
Werbeagenten bei ihrer Uebersiedelung nach Deutschland
versprochene Rücktransport zugesichert wurde.
* Köln, 27. Noo. (M Kaubmord.) Im hiesiger
bafen wurde wieder eine Leiche geländet, die zahl
reiche Messerstiche aufweist. Es handelt sich um einen
Arbeiter aus dent Orte Wesseling, der in Köln beschäf
tigt war und wahrscheinlich Nachis auf dem Nachhause
wege überfsallen, ermordet und beraubt wurde. worau
man die Leiche ins Wasser warf.
*Aachen, 27 Nov. (Unter Wasser.) Zu de
Meldung, daß in der Grube Nordstern zwischer
Alsdorf und Herzogenrath die ganze 450 Meter-Sohl
unter Wasser stehe, und daß 600 Arbeitern gekün
digt worden sei, verbreitet die Zechenverwaltung ein«
Erklärung, nach der nirgends in der Grube Wasse
stehen soli, aber starke Zuflüsse im Sumpf seien, di
durch die Pumpen allein kaum bewältigt werden könn
ten. Jetzt werde ein Schacht zum Sumpf gebaut. Der
Arbeitern habe die Verwaltung durch Anschlag bekann
ιò -. ferrerhin fe — -« —7
länder scheut ofsenbar die Nähe der Gäste im Schankzem
mer, mit einem haßersüllien Blick auf das Weib, nach wel—
hem er in Raserei entbrennt, stürzt er aus dem Zimme
11d dem Sauso
Der Vlissinger Nachtzug rollt mit dumpfen Donnerr
über die Eisenbahnbrücke, als Seug, von den Aufregunget
dieses Tages matt und müde, itr Kammerlein aussucht. Zu
eor will sie in dem naheliegenden Zimmer eben noch nac
denmt Potienten schauen.
Der Vater wacht.
„Wenn man den ganzen Tag im Bett liegt, schläf
nan nweachts wenig; geh' nur zu Beit, Kind. Ich lieg' gur
Freuen tut's mich, daß Du mit dem Holländer glatte Bahn
emacht hast.“
äs tlich streichelt er die Hand, die seine Kissen alättet
„War das der Vlissinger?“
„Ja, Vater.“
„Dann wird's hohe Zeit, daß Du in die Federr
D—mmnst. Maarsch, marsch!“
Er küßt ihre Stirn und dreht sich auf die andere Seite.
Aber Lena geht noch nicht zur Rutze, wie sehr auch die
glieder darnach verlangen. Der Tag hat ihr die seelisch
Riuhe wiedergegeben; was fragt sie da viel nach der kör
perlichen! Ein Glücksgefühl ist in ihr, das ihr die welt 1
nie gekannter Schönheit erscheinen läßt.
Sie löscht das Licht und tritt an's Fenster. Drau e tob
der Sturni, daß die Gaslaternen der Rheinwerft klrren
Die Lichter der kleinen Schitie tanzen aui den unruhiger
Wellen des Stroms.,
Nun war das Stürmen und Wogen ihres Lebensschiff
lein wohl beendet. Bang und zag ist's ihr ost ums Her,
gewesen in dem Wellendrang, und einmial drobie sie soga
unterzugehen. Daehatte sie den Anler der Hoffnung aus
zeworfen. Der Anker hatte Grund gefaßt und das schwan
lende, sinkende Schifflein gehalten — über Wasser!
Nun treten ihre Gedanten die Reise über den Rhein an,
weit fort nach der Grenze. Ob auch er, der Gesiebte, in
dieser Stunde wacht und an sie dentt? Oder ob er ihr noch
zürnt, weil er nicht wissen kann, welch schwere Gründe fse
zum Bruch mit ihm zwangen? — Die Gedanken stimmen si—
nicht traurig; denn felsenfest glaubt sie an baldige, glück
iche Lösung der Wirrnisse, in die er verstrickt ist. —
Lena will sich eben entkleiden, als ein schwaches G.
äusch vom Flur her an ihr Obr drinat *i0 alaubt eine
nloichenden Schritt zu hören.
2*t·a enarpt aj 20ν
mehr zaylen könne, wie sie es über acht Tage
tan habe.
*Essen, 27. No» Gerschüttete Berg
leute.) Auf Zeche Carolus-Magnuͤs wurden dre
Bergleute verschuͤttet. Einer it 1 1. 3wei sind schwo⸗
verletzt.
*Gelsenkirchen, 27. Nov. Groß feuer.) Gestern
Morgen gegen 6 Uhr brach bei den Gelsenkirchener Guß
stahl- und Eisenwerken vormals Munscheid u. Co. ir
Gelsenkirchen neben der Radsabschlosserei auf bisher un
aufgeklärte Weise Feuer aus, durch das der daran an
schließende Verladeschuppen teilweise zerstört wurde
Der Betrieb der Radsakzschlosserei, sowie der Versant
der Räder und Radsätze wird hierdurch in keiner Weis
becinträchtigt. Der entitandene Shaden ist durch Ver
ßGGHeruno oched
*SEaarbrucken, 27. Nov. (GGrwischt.) Eine Ein
brecherbande, die seit zwei eg In 0 —
machte, wurde durch einen Zufall' entlarvi und über
führt, wenigstens 40 zum Teil schwere Einbrüche began
gen zu haben. Die Bande besieht aus jungen Leuten
Ein großer Teil der geraubten Geldsummen fand sie
in den Beinkleidern der Verhafteten eingenäht vor.
*Freiburg i. B., 27. Nov. Erdstöße.) Heut
früh 4 Uhr wurden in hiesiger Stadt ziemlich heftige
Erdstöße von ungefähr zwei Sekunden Dauer wahrge
nommen Vor dem Beben tral ein sehr fiarter Sun
tin. Auch Senntags früh 8 Uhr wurden vier leicht
krichütterungen verspürt.
* Forchhrim (Vayern), 27. Nov. (Opfer de—
rdbebens.) Das Erdbeben, welche Mitte vorige.
Woche Süd- und Mitteldeutschland heimsuchte, hat in
zayerischen Städtchen Forchheim ein schweres Einsturz
inglück im Gefolge. Dort stürzte ein neuerrichtete?
Sägewerk einer großen Baufirma ein, und war in we
igen Minuten ein Trümmearhaufen. Das Werk hat;
eg
unde
—
—
8 9
* 86
J Hsũ
eit bemnt Sage des Erdbebens starke Risse aufzuweise—
und wurde nach dem Gutachten des Nürnberger Inge
nieurs gestützt Der Mitte dieser Woche herrschend.
Sturmwind scheint den Zusammenbruch der riesiger
halle mit verursacht zu haben. Unter den Trümmerr
wurde eine Anzahl Arbeiter begraben, die sämtlich ver
etzt geborgen werden konnten, jedoch erlitt einer de
bereltteten einen tärsiche Sonenie
Der verdächtige Schatten. Die Spionenfurcht ha
wieder einmal eine seltsame Blüte an der Ostgrenze vo
Frankreich getrieben. So wird jetzt, wie dem „Berl
Lok.Anz.“ gemeldet wird, bekannt, daß dort ein au
den Wällen eines Forts Posten stehender Reservist, de
Soldat Bourdot, nächtlicherweile einen „verdächtige
Schatten“ sich nähern gesehen habe. Dreimal rief de
Soldat sein vorschriftsmäßiges „Qui vive?“, ohne je
doch Antwort zu erhalten. Darauf gab Bourdot Feuer
der Schuß alarmierte die ganze Besatzung des Forts
und die Mannschaften schwärmten sofort aus, um de
vermeintlichen Spion oder seine Leiche zu finden. Ma
fand aber nichts. Jetzt hat sich herausgestellt, daß de
nervöse Soldat auf einen kapitalen Rehbock geschosse
hatte, der in dem Gemüsegarten des Forts äste. no—
irlich — ohme den Bock zu treffen.
— 9αααα
Da hört sie deutlich, wie die Klinte ihrer Tür leis⸗
nieder e rückt wird.
Kein Zweifel, ein Mensch mit dunklen Absichten wa—
im Hause.
Vtit klopsendem Herzen lauscht sie. Noch einmal geh—
die Klinke nieder. Dann däucht es ihr als ob sich der lei
e Schritt zur Treppe hin entferute.
Lena atmet auf. Ihr erster Gedanke ist, ans Fensten
u eilen und um Hülse zu rusen. DToch sie läßt ihn gleich
ahren, da sie an den Vater denke: die Aufregung würde sei—
iem Zustand schwer schaden. Besser, daß dem Dievb die ob.
rehin nicht große Beute gelassen wird.
Aber? weun der Vater das Geräusch gehört und sich be
inrihigt hahen sollte? Sein KRimmer war unrerschlossen si⸗
nuß sich rergewissern.
Behutsam öffnet sie die Türe. Der Flur ist menschen—
eer. Geräuschlos geht sie zum BZimmer des Vaters und
ritt ein. Er schläft. Berubigt lert sie in ibr Gemach au
Als sie durch die haldboffene Türe tritt, umfassen sie
lötzlich zwei Arme und ein Tuch wird in ibren Mund de
choben. Mit Entsetzen erkennt sie den Holländer.
Die ARugst lähmt ihre Glieder. Mit starlem Ruck wirf
ie der Holländer auf's Bett und häut ihre NArme wie in
SIchraubstock.
Lena fühlt den heißen Atem des Mannes an ihtce
WVange. Der Knebel droht sie fast zu ersticken. Aber sie
veiß wenu sie jetzt schwach wird, ist sie verloren. Diee Er—
enntnis verdoppelt ihre Kraft, mit einer gewaltigen An
trengung reißt sie eine Hand los und zieht mit ihr der
dneben aus dem Mund. Zu aleicher Zeit tönt ihr gellen
er Schrei durch die Nacht.
Das Ruingen hebt von neuem an. Mit teuflischer Lus
errt und stößt der Holländer das sich tapfer wehrende Mäd
hen und bealeitet ieden Schlag eind Iruck mit grinsenden
zehagen.
„Hab ich Dich endlich, Täubchen? Sei nur hübsch ar
ig! So empfängt man doch nicht den Bräutigam!“
Lenas Kraft geht allmählich zu Ende. Schon furnkel
iber ihr das satanische Auge des Unmenschen wie der hung
ige Blick eines Raubtieres, das im Begriff ist, sein Opfer
m zerfleischen — als eine weiße Gestalt auf dem Kampf
latz erscheint: Der kranke Vater. Die Lage erlennen, der
mf dem Tisch stehenden schweren Kerzenleuchter ergreise
nd ihn mit wuchtigem Schlage auf die Stirn des Einb-2⏑⏑—
———— — 4:4 90q⸗