Full text : Dudweiler Zeitung

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Postschliefach Nr. 14.
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Honnerstag, den 2. Februar 10811.

24. Jahrgang.
— TEVX
Postschließfach Nr. 14.

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Erscheint
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Sonnftaasbiaft und ßetere 3üftor. xo 4 pro aspaltige Petitzelle.

Redaktlon, Druct und Verlag von J Unlerkeler-Dndweller. Bel Jahre-⸗Abonnement „ochster Audatl
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FErfahrungen über den Inhalt der Erhebungspapiere und
Vorschlage zu deren Vereinsachung, 8. Zusamnmienlegung
on Reichszählungen auf die FJahre mit 5z und O, 9. Er—
laß eines allgemeinen staistischen Gesetzes.
Einladungen zu der Kan'orenz hat der Staaits' ekretär
»es Innern ergehen lassen, an die beteiligten preußischen
Minister und Staatsselretäre, an die Regierungen von
Zayern, Sachsen, Wirttemberg, Baden, Hessen, Hamburg
ind an den Statthalter in Straßhurg, an die landesstati—
tischen Zen rasstellen von Preußen, Bayern, Sachsen, Ba—⸗
zen, Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Ham⸗
urg, Bremen, Lübeck und Elsaß-Lothringen, sowie an die
Ztatistischen Aemter der Städte Berlin, Breslau, Köln, Po—⸗
en, Düsseldorß, München, Nürnberg, Dresden, Leipzig,
Stuttaart und Mannßeim

ä —
2I — s8
vatangesetenenenrung.
Ziebener-Kommession des Haußtausschusses zur
ing einer staateiichen Pensions- und Hinterblie—
scherung für die rivatangestelsten hat im Reichs—
e zu Berlin getiagt, un zu dem Entwurfe eines
gsgeietzes sür Augesteure Siellung zu nehmen.
zsalmte des Innern nahmen die Gehermen Ober—
üte Koch und Dr. Beumann an den Beraun—
Die Kommission faßte solgende Beschlüsse:
ziebener-Kommission begrüßt den Entwurf eines
gs⸗-⸗Gesetzes für Angestellle als eine gute und
Grundlage fur die Penstons- und Hinterbliebe—
rung der Privatangestellten, zumal da der Ent—
inen wesentlichen Destimmungen den Beschlüssen
ausschusses entspricht. Soweit der Entwurf de
einzelner Wünsche der übergkoßen Mehrheit der
stellten nicht gebracht hat, wird die Siebener—
n beim Hauptausschusse beantragen, bei den ge—
Körperschaften nachdrücklich für die Erfüllung
Leitsätze einzutreten:
u81 Ziffer 4 des Gesetzentwurfes ist die Be
zu streichen, wonach die Versicherungs»pflicht an
arbeitsverdienst von 5000 M. gebunden wer—
zielmehr soll statt dessen bestimmt werden, daß
gehalt von 5000 Mart für die Bemessung von
und Beiträgen festaesetzt wird.
ne Befreiung von der Versicherun gspflicht so!
e des Reichs, der Bundesstaaten, Gemeinden ꝛc.
etenn, sofern diese Beamten auf Privaibien wer—
tellt sind, ohne eine Pensionsberechtigung nach
80—— Gesekes sgewäbhréotftet zu erhrien 8

12. Der Bundesrat soll ersucht werden, die Versiche
rungspflicht alsba'd nach dem Inkrafttreten des Gesetze
auf Trichinen- und Fleischbeschauer auszudehnen, die dies
kdätigkeit auf eigene Rechnurg ausüben. (8 4). F
Die SiebenerKommission erhsfft die Erfüllung diesel
Forderungen umsomehr. als die Privatangestellten bei ih—
rem Bestreben bisher die einmüt'ge Zustimmung des
Reichstages gefunden haben. Die vbald'ge Verabschiedungç
des Gesetzentwurfs soll mit allen Mitteln gefördert wer
zen. Die Einberufung eines allgemeinen Privatanaestell
ensages nach Berlin steht unmittelbar bevor.
24232 TTF —
— PMoolitische Rundschaunn
Deutsches Reich.
* Der Neichsanzeiger“ veröffentlicht folgenden Erla
des Kaisers an den Reichsfanzler: Mit herzlicke
Freude habe ich auch an meinem diesjährigen Geburtstag
erfahren dürfen, wie sehr mir alle deutschfühlenden Her
zen im Vaterlande zugetan sind. Durch die Erinnerum
an die vor 49 Jahren erfolgte Vegründung des Deutsche
Reiches hat die Feier meines Geburstages noch eine be
ondere Weibe erhalten. Ueberall in den deutschen Lar
den wie in sernen Erdtetlen, wo Deutsche sich an die'er
Tage festlich vereinigt haßben, hat man der Errungeuscha!
ten jener groößen Zeit freudig und dankear gedacht. Am
allen Kundebungen liebevoller Anhänglichkeit, welche mi
in großer Anzahl von nah und sern zuzegangen sind, —
mir die Freude au dem geeinigen deutschen Vaterland
und das Gelöbnis entgegengekslungen, das Erbe unsere
Väter zu erhalten und zu bewahren. Im Vertrauen au
diese Gesinnung hoffe ich zuversichtlich, daß es uner Gol
tes Schutz auch in Zulkunft gelinzen wird, das durch di
Finmürigkeit der deuuschen Fürsten und Stämme geschaffen
ind in den verflossenen vier Jahrzehnten kräüftig gefördert
Werk im sriedlichen Wettbewerb mit den anderen Knlun
»ötkern weiter zu befestigen und auszubauen zum Sege
des teuern Vaterlandes! Allen denen, welche meiner a
neinem Gieburtstage mir freudlichen Glückunnuschen um—
vrommer Für tie gedacht oder mir ihre irene LTei nahnie
chriftlich uns lelegraphisch kundreneben haben, spreche ich
uf diesent Wege meinen rntsten Dane aus.
* Im Reichsschahaumt finden vemnächst neue Besprech—
ingen mit Vertretern des Harnrdels und Gewerbes über
»as Brüsseser Ablommen zum Weltwechselrecht
att. Diese Sachverständ nen Lommission steht unter dem
zorsitz von Arthur Fische:, Ritinhaer des Banthauses
Rendelssohn u. Co. Vorucissichtlich mm diesem Herbst wird
u Brüssel eine neue Konserenz zur endgültigen Süpulie—
ung der Wechselordnung zusamnmentreten.
* Die Verbündeten Regterungen und der Reichskanzler
saben, wie schon mehrfach hervorcçehoben worden ist, seür
rustlich den Wunsch, daß die grohen, den Reichstag seit
iängerer Zeit beschäftigenden Vorlagen, wie die Reichs—
—
sung für Elsaf-Lothriugen, die Regelung der Heimarbeit
noch von diesem Reichstage erledig; werden. Ja srgat
on der Privatbeanitenversicherung, die ihm noch nicht ern—
mal zuzegangen ist, wanscht das mancher. Unter diesen
UImstenden ist, wie die „Franff. Ztg.“ sich aus Berlin
chreiben läßt. an eine frühe Anberaumung der Neu—
vahlen zum Reichstage nicht zu denken, und es wird
mch n'cht daran gedacht. Man wird dem Reichstage zur
stegelung der gedachten Arbeiten soviel Zeit wie möglich
assen. Vor dem Spätherbst werden, falls nicht ganz un—
rwartete und unwahrjheinliche Zwischenfälle eintreten, die
Vahlen nicht stattsinden. Es gewinnt sozar der Vorschlag
in Boden, sie erit pver Januar oder Febrnar des nächsten
Jahres vorzunehmen. Beschlüsse darüder existieren nalür—
ich nicht und können nicht existieren; denn schließlich ist
das Entscheidende, wie lange dieser Reichstag sich arbeits
iähig und arbeitswillig erweist.
*Wie der „Vorwäürts“ mitteilt, findet die Beer—
digung Singers am Sonntag Mittag vom Haule
des „Vorwärts“ aus statt. Singer wird auf dem städti—
schen Zentral-Friedhote in Friedrichsselde begraben. Im
Trauerzuge werden mehrere Musittorps marschieren. Die
Dedner werden von der Parte'! selbst gestellꝛ. In der Sitg
ung der f42iosvennfratisichen Woichktacns-erettioen winr—

Bom Balkan.
* Die Belgrader Zestung „Politika“ veröffentlicht eine
hissbher von keiner Seite berlaubigte Meldung, wonach
Montenegro sich anschickt, einen Teil von Altsecbien
und zwar denjenigen zwischen Vlawa und Gusinze zu ok—
kupieren.
ꝛAus Cettinije wird gemeldet: Da die Zahl der
us dem Sandschat Novibazar nach Montenegro geslüche
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gegen die Augriffe der türlischen Behörden zu schützen,
o wird der König sich an die Schutz mächte um
duntferbdention wenden

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Kunst und Wissenschaft.
die Schöpfer des „Rosenkavalier“. Keine der m
den letzten Jahrzehnten geschaffenen Opern kann einen auch
tur annähernd so starken Erfolg aufweisen, als der nach
nancherlei Fährlichteiten nun glücklich aufgeführie, Rosen⸗
avalier“, das Werk Hugo von Hofmannsthals und Ri—
chard Strauß. Neben den einstimmigen lobenden Aner—⸗
ennungen der deutschen Presse ist das Stück auch in der
gesamien u2aöιU—, Preise nur hoifksstia hesprochen

Bulgarien.
* Die bulgarische Kammer hat einmütig beschlossen, die
Zollbehörde anzuweisen, um alle türkischen Pro
denienzen dem autonomen Zolltarif anzupassen und
in den Fällen, wenn seitens der Türkei willkürlich er
höhte Zölle angewendet werden sollen, als Gegenmaßr⸗
gel den Marimal-Zolltarif in Kraft treten zu lassen, de
his zu 100 Prozent des Warenwertes beträgt. Im Lauf
der Sitzung gab der Premierminister Malinow und der
Finanzminister Erklärungen über die noch immer fort
danrernden Verhandlungen ab. Beide drückten die Hoff
aung aus, daß die Verhandsungen bald zum Abschlut
»ines Handels-Provisoriums führen werden

ch dem Tode der versicherten Ebefrau ein:s er—
ziigen Ehemaunes, die den Lebens nterhalt ihrer
inz oder überwiegend aus ihrem Arbeitsverdienste
at, steht den ehelichen indern unter 18 Jaßren
e und dem Manne Witwerrente zu, so lange er
st. (8 29).
3WBeitragzmonate im Sinne des 8 59 vollen
dalendermonale angerechnet werden, n denen der
nachweislich ste sungs—sos gewesen ist.
ne Rückvergütung von Beiträgen soll unter kei—
nden stattfinden. (3 64).
ibsichen Versicherten, die aus einer versicherrn gs—
Beschaͤstigung ausschesden, soll auf ihren An—
Wahl eine sofort begennende oder eine auige—
eibrente gewührt werden (8 65).
eEinberusung des Verwastungsrates muß auf
des Verwaltungsgusshuses ersosgen. (8 111).
der An age des Verniegens der Reichsversi he—
it nach 8 226 des Entwurses ioll die Insim—
Verwalmnas-Ausschusses erforderlich sein. (8
ich in die Rentennusschüsse sollen weioliche Ver—
vählt werden können. (8 137).
s soll den bestehenden Penstonskassen der Be—
de ermöglicht werden, auf ihren Wunsch eine
e dieser Kassen durch die Reichsversichtrungsan—
ustimmung des Rundesrats herbeizuführen. 98

Spanien.
* Nach einer Meldung aus Las Palmas ist auf der
zusel Fernando Po ein neuer Aufstaud der
singeborenen ausgebrochen. Vor kurzem halite die Kolo—
ualgarde auf dieser Insel ein schweres Rencontre mi
lusständigen, wobei mehrere Spanier getötet und ver
oundet wurden. Die Eingeborenen der Kolonie besize
eine große Menge Waffen und Munition und man befürch
et eine vollgfändige Insurret ion der ganzen Insel gegen
S„panten. Eine Madrider Zeirung beschurdigt eine deut
che Firma, durch Waffenschmuggel die Erhebung der ein
zeborenen Berslfkterund begqünst at zu haben

Auoo vorirsott ara olrauss
vorden, — Unser Tableau zeigt den Komponisien und sel
ten Librettisten. Strauß sowohl als Hofmannsthal sind
merkannte Größen; während Richard Strauß durch seine
Opern „Guntram“, „Fenersnot“, „Salome“ und „Elektra⸗
sich einen Namen schuf, trat Hugo von Hofmannsthal mit
den Dramen „Der Tod des Tizian“, „Der Tor und der
Tod“, sowie „Die Hochzeit der Soboide“ ersfolgreich an
vie Oeifsen lichkeit

Vreußischer Landtag.
Verlin, 1. Febrnar.
Im Abgeordnetenhaus wurde heute zunächst der Ge
etzentwurf betr. die Polizei-Verwaltung in den Regier
ingsbezirken Düsseldorf, Arnsberg und Münster in ersten
zesung beraten. In der Debatte wurde dem Abg. Lieb
aecht (Soz.) durch Mehrheitsbeschluß das Wort entzogen
veil er allgemein über die Polizei sprach. Die Vorlage
zing an die Gemeindekommission. Dann begann die 2
Lesung des Justi zEtats. Die Einnahmen wurder
zenehmigt. — Freitag: Weiterheratung. F
Serutscher Reichstag.
Ptitsag 12 Uhr Verlin, 1. Februar.
(119. Sitzung.)
Mit der Beratung des
Wertzuwachsstenergesetzes
n dritter Lesung wird forigesahren.
Die Paragraphen 23 bis 25 bleiben unverändert. Ein
Antrag Trimborn (Zir.), die zurückerstatteten Steuer betrage
vom Tage der Zahma ab mit 4 Prozent au verzinsen.
wird abgelebnt

Eine statistische Konferenz. »
Am 15. Jebruar findet im Reichsamt des Innern
ine Konferenz statt, in der die Ersahrungen, welche
nan bei der letzten Beruss- und Betriecoszäh—
ung gemacht hat, besprochen ußd etwaige Aenderungen
er technischen und sachlichen Bearveitung lünfriger großer
Zählungen erörtert werden sollen. Bekanntlich wird seit
Jahren in der Oeffentichkeit und in der Fachliterarur dar«
iber gellagn, daß unsere großen deutschen Zuhlungen (die
Berufẽ- und Betriebszähtungen und die Voltszählungen)
nit zu großen Belastigungen für das Publikum verbunden
ind und in ihren Resultaten zu spät der Wissenschaft und
Praxis zugänglich geniacht werden. Aufgabe der geplan—
ien Konserenz soll es sein, goeignete Mirtel zur Abstellung
der Mißstände vorzuschlagen. Die Konferenz wird fich na—
nentlich mit folgenden Fragen beschäftigen:
1. Erfahrungen mit Zählern, 2. Erfahrungen mit de.
Bevöllkerung, 3. Erfahrungen mit den Rontrollbehörden
und mit der Nachprüfung des Zählstofses, 4. Vorschläg
ür die Gestaltung des Zählverfahrens in Zukunst, 5. Er
ahrungen bei der Aufberestung des Zählstoffes, 6. Vor
chläge für die Aufbereitung einer künftigen Zähluna, 0

er Leitsatz des Hauptausschusses über die Hich.
ge hat im En wurf ossenbar nicht de richt a
gessnden. Der Hauptausschuß hat den einmü—
sch gehabt, daß die dort aufgeführsen Säne vor
t und 8 Vrozent sich auf das dürchschnittliche
i, nicht auf das Mindestenkommen beziehen
ie Beiträge sind deshals ent prechend zu er—
durch zugleich auch d'ie Leistungen erhöh werden
zeiträge sollen mög ichit ig abgeünit werden, daf
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der Klaffe A
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1 6BRMO—
wei Königskinder
Abiturium kam der Prinz nach Potsdam zur
und er blieb gleich ein ganzes Jahr dort. In—
Raren Mariens Pflegeeltern gestorben, und die
hatte das alleinstehende Mädchen in ihre per—
ienerschaft aufgenommen. Als der Prinz nach
Trennung sie wieder sah, war sie herrlich er—
in dem jungen Reiz ihrer neunzehn Jahre schön
ärchenbild.“ Der Alte schwieg einen Augenblick
dann seufzend hinzu: „Und da mögen sie sich
iden aben.“ —
ve. ub stöhnend das Gesicht in den Händen,
nd ziniger Augenblicke herrschte tiefe Stille.
r7“ fragte Wolff endlich.
gingen wir auf Reisen. Die Prinzessin war
zt hatte ihr einen Aufenthalt im Süden ver—
Prinz begleitete uns mit Urlaub. Zuersi
un an den Gardasee. Und dann kam die
htbare Zeit. Die Liebe der beiden wurde
»Prinzessin war namenlos hart. Marie
telle entlassen und die verzweifelten Bitten
mochten daran natürlich nichts zu ändern.
os, und der Prinz fand nicht einmal Ge—
von ihr zu nehmen.“
u stöhnte Wolff zähneknirschend.
actelte erst den Kopf.
feige,“ sagte er mild verweisend. „Ge—
r Selbständigkeit erzogen und der Wille
ihn stets ein unverletzbares Gebot ge—
erstenmal war er nicht geneigt, sich zu
und tobte — knabenhaft natürlich und
r er beruhigte sich auch nicht dabei, er
an und verlangte, daß ich ihm helfen
n wiederzufinden. Aber mir erging es
ihm: wir standen beide unter dem Willen
ind der gab uns nicht frei. — Am Abend
ramm von Potsdam, das den Prinzen in
uun zurückberief. Die Prinzessin hatte an den
tommandeur telegraphiert und ihn gebeten, den
s Prinzen zurückzuziehen; das Telegramm war
rt, und der Prinz mußte noch in der Nacht ab—
erkwürdig aber ist, daß er erst nach drei Tagen
neintraf, und er soll denn auch wegen Urlaubs—
ing sofort Zimmerarrest erhalten haben. Er hat
Hannehmen darf, unbedingt geweigert, über die

zwischenzeit Nuftlarungen zu geben, und es ist timmer sein
zeheimnis geblieben, was den Aufenthalt verschuldet hat.“
Wolff schnellte empor. Es war ihm, als sei ein Blitz
»or ihm niedergefahren, der urplötzlich erhellte, was ihm
eitlebens in Dunkel verborgen gewesen war.
Er stürzte zu Schönborn hin. „Was denken Sie über
iese geheimnisvollen drei Tage?“
Schönborn lächelte trübe.
„Ach mein Freund — es ist so nebensächlich, was ich
»nke, da ich doch nichts weiß —.“
„Aber wär es denn nicht denkbar, daß er meine Mut—
er bei der Abreise oder auch auf der Reise getroffen hat?
Durch einen Zufall vielleicht, oder weil sie ihn erwartete, in
er festen Zunverüicht, daßzer sie nicht im Stich lassen könne?
ind könnte er dann nicht doch —? Es kommt wie eine Flut
ber mich, und meine Gedanken gehen ins Ungeheuerliche,
ber sagen Sie mir —: könnte das nicht so gewesen sein?
ind wenn es so war — könnte er denn nicht die Mittel und
Lege gefunden haben, sich mit den Geliebten heimlich
rauen auu lassen?“
Schönborn hatte sich erhoben und er streckte Wolff ab—
ehrend die Hände entgegen.
„Ich beschwöre Sie — haben Sie Mitleid mit sich
Ibstä Wir wissen nichts, und selbst wenn alle die kühnen
döglichkeiten, die Sie da andeuten, Wahrheit sein sollten
fie wären nicht zu beweisen, und wir stünden im Dunkel
zie bisher. Sie aber können nur Schaden haben; es könnte
hnen zum Verhängnis werden, wenn Sie daran dächten,
8 Sie von Rechts wegen das Erbe Ihres Vaters hätten
itreten müssen, daß Sie unter dem Fluch eines zweifellos
irchtbaren Unrechtes in Niedrigkeit und Not gelebt haben
id noch leben. Das würde Ihre Kraft brechen, das müßte
hnen den Weg für die Zukunft verlegen und es würde
hnen doch nichts nützen — — wir wissen io nichts und
erden nie etwas wissen können —
„Was liegt daran!“ Es klang ein jauchzender Ton
irch die atemraubende Erregung, in der Wolff das sagte.
Vas liegt an der Zukunft, wenn nur ausgelöscht wird, was
ir die Vergangenheit vergiftet hat. Und wenn Sie mir
8t Gewißheit geben könnten unter der einzigen Bedingung,
iß ich in der nächsten Stunde stürbe — ich würde die Ge—
hHheit nehmen und den Tod wählen, ohne auch nur mit
nem Blick nach dem Leben zu schielen.“
Schönborn sah in heißem Mitleid in das vor Erregung
lühende Gesicht Wolffs.
„Was müssen Sie erduldet haben —!“
Gott weiß, daß es furchtbar war! — Vielleicht tra—
nndere lajcte mir hat as die Kraft aermürbt und

as Konnen zerschlagen. Und wenn ich doch nicht zugrunde
zegangen und mehr, geworden bin als mir nach der Um—
jebung und den kläglichen Verhältnissen meiner, Kinderhre
 deftimmt erschien, so ist das nur ein Beweis da
„wiel Kraft in mir ist. Ich bin groß geworden in mein
zetten; aber die Ketten sind darum doch immer da, sie hal.
en fest und zwingen mich an den Boden, wenn ich flieger
Wchte.“ Er gab sich einen Ruck und wandte fsich wieder un
ntttelbar an Schönborn. „Sie sind gut und Sie können
mir nachfühlen, wie schon der Gedanke an die bloße Mög
ichkeit mich erschüttern muß, daß die Ketten eines Tageé
olötzlich von mir abfallen könnten. — Aber nun sagen Si
nir eines: Sie haben längst dasselbe gedacht wie ich und
Sie geben die Moglichkeit zu, daß der Prinz fich mit meine
armen Mutter heimlich trauen ließ und —
Schönborn hob die gefalteten Hände mit einer beinahe
lehenden Gebärde zu Wolff-empor.
„Ja, ich habe das alles schon gedacht — wie man eben
auuf dies und das verfällt, wenn man nichts weiß. Und
das ist's eben: wir wissen nichts. Alles, was ich noch er—
'ahren habe, ist, daß Ihre Mutter bald nach Ihrer Geburt
tarb und das erfuhr ich nicht einmal bei Lebzeiten des
Prinzen, ja, ich habe damals nicht einmal gewußt, ob Marie
noch lebte oder nicht. Wenn Sie Erinnerungen an Ihre
rüheste Kindheit bewahrt haben, dann werden Sie wissen,
»aß wir selten und immer nur für ganz kurze Zeit nach
Wiesenburg kamen und dann gab es allemal so viel zu tun,
daß der Dienst mich voll in Anspruch nahm. Erst vor achtzehn
Jahren, als ich dauernd hierher kam, fand ich Zeit, den
alten Geschichten nachzugehen und nun erst erfuhr ich drun—
ten vom Bürgermeister und vom Frankfurter Magistrat,
was ich nun weiß. Vielleicht hätte ich weiterforschen und
mich nach Ihnen umsehen sollen; allein ich befand mich de
in einem Konflikt mit den Interessen des prinzlichen Hauses
und dann war es doch auch nicht unbedenklich, aus der Ferne
in einen fremden Menschen in einer so diskreten Sache her—
nzutreten — ich wußte ja nicht, was aus Ihnen geworden
dar — —
Wolff trat in die Vensternische und starrte verloren
inaus.
„Sie haben recht,“ sagte er mit müder Resignation,
„es ist zwecklos, über das alles zu sprechen, so lange man
nichts weiß und alle die tausend Möglichkeiten machen mir
den Kopf ganz wirr. Vielleicht sieht das alles morgen an
»ers aus und wir wollen morgen wieder davon sprechen.“
Schönborn war es zufrieden und er beobachtete nichr
hne Erleichtern, daß der ungewöhnlich starken Erregung
5f8 Rals vino r —ι Vo lso u mar a8 ar

— — ——
besten für Wolff und auch für ihn. Denn auch in ihm
türmte es; das war so plötzlich gekommen und wie ein
Sturm vorüber gebraust; er brguchte Ruhe und was mor⸗
zen kam, wollte er abwarten.
J 4 ging langsam zu Wolff ans Fenster und gab ihm
ie Hand.
„Es ist am besten so und geben Sie sich Mühe, nicht zu
diel zu denken —“
Wolff lächelte ihn traurig an.
„Glauben Sie, daß man die Gedanken aufhalten dann?
die fressen die Ruhe am Tage und, verscheuchen den Schlai
in der Nacht und ich kenne kein Mittel, das gegen die Ge
danken gut wäre.“ Er umspannte die Hand des alten Man—
—
assen Sie mich Ihnen herzlich danken für das, was Sie
nir heute trotz alledem gegeben haben. Mir ist so, als
sabe sich der Boden unter meinen Füßen gefestigt und als
ürfe ich nun ruhiger, und freier ins Leben sehen, seit ich
neine Eltern kenne. Und dann eine Bitte: Verzeihen Sie
nir! Ich bin heftig und unfreundlich gewesen ,4· —
Schönborn unterbrach ihn lächelnd.
„Ach, lassen Sie doch! Und wenn ich Ihnen nun noch
inen Rat geben darf, dann gehen Sie jetzt noch ein mei
sinaus. Es taugt nichts, mit einem sorgenschweren Kop
ind einem übervollen Herzen in den engen vier Wänden
ruszuhalten. Laufen Sie sich aus! Das befreit und viel⸗
eicht ist der Himmel Ihnen freundlich und schenkt Ihnen
och einen quten Sblaf—

4*

Als Wolf später heimkehrte, fand er in seinem Zimmer
ie Lampe brennend; unter der Lampe lag eine verblaßte
hotographie und dabei ein Zettel mit verzitterten, kritze
igen Schriftzügen: „Ihre Mutter!“ 9
Wolff war es, als empfinge er einen Schlag und wäh⸗
tend er por dem Tisch in einen Stuhl niedertaumelte, stieg
s ihm heiß in die Augen empor. Seine Mutter! Er hielt
as Bild krampfhaft mit beiden Händen fest und seine
rennenden Blicke saugten die Züge förmlich in sich ein:
sie verträumten Augen und das weiche, feine Oval des Ge⸗
ichtes. Er starrte darauf, bis ihm die Augen übergingen
ind dann ließ er den Kopf schwer auf den Tisch sinken und
veinte sich schluchzend alle die verhaltene Qual von der
nüden Seele. *
            
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