Full text : Dudweiler Zeitung

verde vermutich eine Droße Bloda de Ver Dar—
danellen statifinden, ohne daß die Italiener den
Versuch machen wüuͤrden, Truppen zu landen. Dies
würde aber gleichbedeutend muͤ einer Blockade
ZSüdrußlan des sein. Für Friedensvermittelungen
»estünden augenblicklich gar keine Aussichten.
In Wien er diplomatischen Kreisen findet die
Meldung von einer bevorstehenden Blockade den
D,ardanellen durch die italienische Flotte keinen
Blauben. Es wird erklärt, daß dies ein so ungeheuer⸗
licher Att wäre, den sich keine der großen im Mittel—⸗
meer beteiligten Staaien gesallen lafsen könnie und
welcher der Ausgangspunkt für unabsehbare internatio
nale Verwickelungen sein würde. Dder Engpaß der
Dardanellen seil keine ausschließlich türkische Verbind
ing,, sondern eine Zufahrtssiraße des Weltverkehrs, die
rdiemand absperren dürfe.
Die Türkei setzt noch in letzter Stunde mit fie
erhaftem Eifer ihre Verteidigungs-orbe;
reitungen in den Dardanellen fort. Man hält die
leberzeugung fest, daß die italienische Flotte, ohne die
hiwersten Verluste zu erleiden, weder die Passage
er Meerengen foreieren, noch landen kann. Au
zer etwa 100 Festungsgeschützen gelangten 150 Feldge—
chütze in den Dardanellen zur Aufftellumg. Die türki—
che Flotte wird diesmal nicht inatliv bleiben.
Vom Kriegsschauplatz. —
Nach aus Tripolis eingelaufenen Meldungen
aben die Araberchefs den tärkischen Komman—
anten vor die Entscheidung gestellt, entweder die
Jtaliener anzugreifen oder das Land
zu verlas,sen. In letzterem Falle würden sie ihn
zis zur tunesischen Grenze begleiten.
Nach türkischen amtlichen Meldungen kreuzt die
talienissche Flotte in den Gewässern von
Ahios. Mehrere italienische Kriegsschiffe wurden
in der Küste von Thasoe gefsichtet.
Dent „Giornale d'Italia“ zufolge seien die beiden
düstenstädte Sliten und Misdata der Miüttiel—
zunkt der aufrührerischen Bewegung der tripolitanischen
Bevölkerung geworden. Die Besehung dieser beiden
Punlte durch die italienischen Truppen steht bevor.
Die Nachrichten darüber, daß in Tripolis ein
neuer Vorstoß bevorstehe, wollen nicht verstum
nen. Nach dem „Corriere diItalia“ soll die Oase
Lin Zara mit neu angekommenen Truppen besetzt
werden. Zum Schutze gegen den Wüstensand werden
die italienischen Truppen ietzt mit Rrillen dausde—
üstet.
Nach einer dem türkischen Kriegsministerium zuge—
zangenen Depesche wurde eine istalienische K'o—
bonne von 2000 Mann, die bei Benghasiein
das Innere vorgerückt war, um die Telegraphenlime
zu zerstören, von Arabernangegrüͤffen und
nußte sich zurückziehen mit einem Verlust von zwöli
Doten und vielen Verwundeten.
Aus Italien.
„„Die italienische Regierung hat sich im Prinzip be—
reit erklärt. den de u 1sscheen Stasatsangehöe
rigen von Lochow, dessen Besitztum bei Tripolis voll⸗
ständig ver wüstett wurde, angemesien zu ens—
chädiagen.

— MX— IE5—.Ä ÔoO — Oöä
Zur Revolution in China.
Nachrichten aus chinesischer Quelle bestaͤtigen, daß
n Sinanfuns Ausländer ermordet worden
ind, Den übrigen gelang es, sich zu verbergen. Ge—
rüchtweise verlautet aber, daß auch amerikanische An—
gestellte der angloamerikanischen Tabak-Gesellschaft bei
Sinanfu ermordet sein sollen. Von Schanghai sind
wei Kreuzer nach Nanking abgegangen.
Die „Times“ meldet aus Pekimng, daß aus dem
seit 40 Johren unberührten kaiserlichen Schaß 10 Mil—
lionen Taels in Goldbarren eninommen und einer aus—
ländischen Bauk verkauft worden seien. Nächstens wird
der kaiserlichen Schatzkammer ein weiterer Betrag ent—
nommen werden.
Nach in Petersburg vorliegenden Pekinger Nach—
richten steht die Abreise des kaiserlichen
Hosfes von Peking bevor. Derselbe dürjte sich unter
rufsiichen Schuns stellen
— AAZXZäX—
Aus aller Welt.
— Bum Fall Kraatz. Auf die Beschwerde des Pfar—
kers Kraatz und des Kirchenrates von der evangelischen
Luisengemeinde in Charlottenburg hat der kommandie—
sende General des Garde-Korps, von Löwenfeld, es
iunmehr ebenfalls abgelehnt, gegen die beteiligten
Affiziere ein Strafversahren wegen Störung des Got—
esdienstes einzuleiten. In der Begründung des ab—
ehnenden Bescheides wird dem Staändpunkie, den die
z. Garde⸗-Division eingenommen hat, beigetreten. Als
etzte Instanz wird Psarrer Kraatz nunmehr das
seichsmilitängericht anrufen.
Postraulb. Ein verwegener Postraub wurde in
Berlin auf dem Wege von dem Reichsbank-Postam
nach dem Postamt 41, Ecke Kur- und alte Leipziger
traße von nicht ermittelten Dieben verübt. Der Wagen
hatte mehrere Beutel mit Geld bei der Reichsbank ab—
zeholt und solste diese 5 Ddem Notamt 41 brinaen

Er führt sie nunmehr in einen Anbau, der eine Schmie—
de, eine Bäckerei und eine Tischierei enth'ilt, in kleinem Maß
tabe. „Für den eigenen Bedarf“ ertlärt der Ordensmann
„Unser Tagwerk beginnt sehr früh,“ erläutert der Füh—
rer weiter. „Nachdem wir Gott die Ehre gegeben und das
Frühstück, Kaffee mit Brot, genommen haben, wird von e
vis 12 Uhr gearbeitet; wie, das werden Sie gleich sehen
Anser Diner besseyt aus einem Gang, aber der mundet uns
aach der Arbert besser als manchem ein Festmahl. Nach
dem Essen ist bis 1 Uhr Pause. Dann wird bis 7 Uhr
weitergewirkt. Nach dem Abendbrot ist Feierabend. Die
Leute sitzen hier in der großen Laube oder dort am
veiderand auf den Bänken, ptaudern, singen und musizie
en sogar, bis um die neunte Stunde die Glode auf dem
Dach Tagesschluß verkündet. Der Schlafsaal wird geöff—
net und jeder muß sein Lager aufsuchen. Dem Tage der
Arbeit folgt eine erquickende Nacht. — Die Tagesordnung
ist, wie Sie sehen, streng. Nur mit eiserner Disziplin ijt
»ei den Brüdern der Landstraße etwas zu erreichen.
„Sie werden in dieser Umcebung auch nicht auf Rosen
gebettet sein, bemertt Lisa zun Poater gewandt.
Dieser lächelt: „So schrimm ist's nicht. Man meint
draußen, hier wöre nur der Auswurf der Menschheit. Fre—
aich haben vire von denen, die hier sind, in der Welt Schiff
bruch erlitten und mancer mag allerlei auf dem Kerbhel:
zjaben. Aber hier werden sie wieder an Arbeit und Zucht
odie Grundlage der Sittlichteit, gewöhnt; hier wiro vas bes⸗
jere Ich, das in jedem Menschen ruht, zu weren rersucht
m der Schule der Ar eit. Es ist für uns eine Genugtu⸗;
ung und Freude, so manchen in die nienschliche Geselnalut
zurücklehrin zu se en, den die Arbeit wieder zum Mensen
gemacht hat. In der Arbeit stecktt das größte Heil der ge—
samten Wienschheit.“
Schlicht und einfach ist das Hohelied der Arbeit, das
der Ordensmann singt.
Sie hahen sich einige rndert Meter vong Hause ent⸗
fernt.
„Sehen Sie dort die drei Männer, beginnt der Pater
wieder, „die mit der Hacke in den Hei eboden schlagen? Der
eine ist der Sohn eines reichen Raufmanns, schlechte Ge—
sellschaft ließ ihn von Stufe zu Ziuufe sinken; die iesige
Amgebung wird besser auf ihn wirken. Der zreise ist gar
im gewesener Rechtsauwalt; er beging Unterschlagungen,
erbüßte die Strafe und trieb sich seitdem in der Welt um
er, bis er hier landete. Müßiggang und Genuß haben
hn heruniergebracht, durch Arbeit und Entbehrung muß er
Beder in die Hüko rnen manißgtene mieder ⸗i* 11114

Als der Postwagen vor dem“ gentcunten Postamt ange.
kommen war und geöffnet wurde, mußte man die Ent
deckung machen, daß die gesamten Geldbeutel nebst In
halt auf dem Wege zwischen Reichsbank und dem Pof
anit 41 entwendet worden waren. Wie es den Diebe.
möglich gewesen ist, auf dem kurzen Wege, der um dies
Zeit überdies noch äußerst belebt war, den rasch fah
renden Wagen zu öffnen, die schweren Beutel heraus,
zunehmen, die Tür wieder zu verschließen und zu ver
chwinden, ohne bemerkt zu werden, ist vorläufig nock
ein Rätsel. Der Inhalt der Beutel hetrua 80—*0 00⸗
Mark.
Ein Großfener hat in Lehesten bei Saalfeld 7
Wohnhäuser zerstört. Zwei Personen sind verletzt.
— Giftuörderin. Aus Ol mäütz wird berichtet: Das
Dienstmädcheen Franziska Benirschke, die ihre Schwe
ster durch vergifteten Kuchen beiseite schaffen wollte und
dadurch zwei Kinder der Dienstherrschaft ihrer Schwe
ter vergiftete, steht im Verdacht, auch ihre Eltern er
nordet zu haben Der Vater war auf einige tausent
kronen versichet Im März dieses Jahres starb de
»is dahin vollkommen gesunde Mann nach kurze
drankheit und wenige Monate später auch die Mutter
die beiden Leichen werden jetzt auf Veranlassung de—
Ztaaisanwaltschaft exhumiert.
Familiendrama. In Wisen hat in ihrer Woh
tung im 5. Bezirk die 33jährige Frau des Kürschnei—
jehilsjen Budlinski. während der Mann auf Arbeit war
hre beiden Kinder von 5 und 3 Jahren und dann sich
a4lbbit mit eineun Rasiermesser detöte

Vermischtes.
Das Nuster einet Eisenbahn.“ Die Eisenbahn
katastrophe bei Saumur hat in Paris tief
TDrauer, aber keine Ueberraschung hervor
gerufen. Es ist nur das eingetroffen, was jeder Rei
ende, der die „Ouest-Etat“ benutzt, in jedem Augenblic
rwartete: der To d. Seit Monaten vergeht kein Tag
ohne daß eine volle Schale bitteren Spoits über di
pöllig geschäftsunfähige Verwaltung ausgegossen wird
Auf einer Boulevardbühne spielt man feit etwa 1
Tagen eine Revue, die den Namen Ouesi-Eitat“ führ
und in der all die unglaublichen Vernachlässigunger
des Bahnbetriebes gesammelt werden. Auf dem Bahn
hof St. Lazare in Paris kommt es seit Wochen täglich
zu den turbulentesten Szenen, weil die Züge stunden
ange Verspätungen haben. Die völlige Verwahrlosung
»es rollenden Materials, die Disziplinlosigkeit des Be—
intenkörpers ist seit langem ein öffentlichen
Skandal. Vergebens hat man in den letzten Wo—
hen ein paar hohe Beamte gefltürzt, es kam, wie es
ommen mußte. Die Schuld der Verwaltung ist schop
etzt als sicher zu bezeichnen.“ Es war der Verwaltun—
ekannt, daß das Hochwafser des Thouet die Brücke
bon in der Nacht zu m Bersten gebrachi han
vährend das Unglück um 7.40 Uhr früh palsierte. An
tatt also die durch das Hochwasser gebotene Wachsam
teit zu erhöhen, hat man überhaupt nicht s getan
bgleich ein einsaches Begehen der Strecke die Schat
haftigleit der Brücke erwiesen hätte, und obgleich dies
Brücke nur 1 Kilometer von der Station enifernt war
(1) Ueberdies haben die Staatsingenieure die Eiser
hahnverwaltung seit zwei Jahren von de
Zchadhaftigkeit der Brücke wiederholt benachrichtigt, der
schlechten Zustand der Pfeiler ausdrücklich hervorgehoben
und die nohe Wahricheinlichkeit einer Katastrophe be
tont

Sturm.
Aus Parizs wird berichtet: Das Sturmwetter
der letzten drei Tage hat zahlreiche Schiffsunfälle zur
Folge gehabt. Der Verkehr an der Küste ist vollständig
interbrochen. Verschiedene bereits ausgelaufene Damp
ser mußten angesichis des heftigen Stuͤrmes wieder in
ꝛen Hafen zurückkehren. Der Passagierverkehr nach
England hat erhebliche Verspätungen erfahren. Jn
Zavoyen hat der Sturm großen Schaden angerichtet.
Bäume wurden entwurzelt, Häuser abgedeckt und son⸗
tiger Schaden angerichtet. Sämtliche Wasserläufe sind
uus ihren Ufern getreien. Im Gebirge fanden mieh—
tere infolge des anhaltenden starken Regens veran
aßte Erdrutsche statt. In Remirement in ein beftiger
Zchneefall eingetreten.
Auch in England ist durch den starken Sturm
biel Schaden verursacht worden. Besonders beträchtlich
soll er im Medwa⸗-Tal sein. Hunderie Hektar bebau⸗
ten Ackerlandes sind dort überschwemmt. Die ESiad
Tanibridge steht vollständig unter Wasser. Der Verkehr
der Einwohner miteinander ist nur mittelst Barken und
Booten möglich. Viele Personen versanken im Wasser
»is an die Brust. Mehrere Ortschaften wurden infolg⸗
»er Ueberschwemmung vollständig isoliert und müssen
nittelst Booten verproviantiert werden. —
Gerichtszeitung.
9.Der Automobilsehwindel. Die Bamberger
Ztrafkammer verurteilie den 30 Jahre alten Kaufmann
Julius Kahn aus Graudenz, wohnhaft in Charlot⸗
enburq, wegen Betrugs zu einem Jabr Gefänanis

iches Glied der menschlichen Geseslschaft werden. In sein
rüheres Milieu kann er nicht mehr zurückkehren, aber ein
ieuer Mensch werden, der durch die Arbeit neugeadelt ist,
»as kann er. Erreichen wir das, so sind wir zufrieden.“
Wie eine Oase liegt die Kolonie in der Heide, der sie
chon weite Flächen entrissen und zu sruchtbarem Lande ge—
nacht hat, auf welchen Pflanzen vAd Baͤume wachsen und
zedeihen. Ueberall bliten Hacke und Spaten, geführt von
chwieliger Männerhand. Der von der uee rinnende
zchweiß düngt den trockenen Boden.
Große Achtung vor dieser Kulturarbeit und ihren Pio⸗
nieren im schlichten Ordensgewand steigt in Lisa auf. „Wie
zinfach sie sich geben, und als selbstverständlich betrachten,
ↄas andere nicht für klingenden Lohn täten,“ dentt sie; „ie
Tbarmen sich der Aermsten der Armen und schaffen in ih—
ien, und mit ihnen im Oedland, hohe Kulturwerte.
„Der dort ist schon sechs Monate hier.“ Der Pater zeigt
mauffällig auf einen Mann in den dreißiger Jahren, der
mermüdlich die Art in knorriges Gesträuch niedersausen läßt
Er kam über die Grenze, mit einer bewegten Vergangen.
jeit, und hat hier ein neues Leben begonnen. Jede Wo—
he erhält seine im holländischen Nachbarort wohnende Frau
einen ganzen Lohn. Draufen könnte er mehr verdienen
iber noch will er nicht in die Well zurück; er fürchtet nock
nicht gefeit genug zu sein gegen die alten Lodnen diy
lohol und Umgang.“
Ein Wehlaut lenkt ihre Aufmerksamkeit auf den Mann
der sich durch einen Fehlhieb mit der Axt am Fuß verletz
hat und umzusinken droht Schnell eilt der Pater auf ihr
zu und ftützt ihn, während Lisa, ihres künftigen Berufe
eingedenk, den Schuh von dem blutenden Fuß löst, unter
stützt von Mitz. die gleichjalss ohne Zimperlichteit a
**— Verietzte witrd zu einer Bant gesuhrt, der Pate⸗
olt das nötige aus der Hausapothele und Lisa legt einer
achgerechten Verband an
Mit einem Gemisch von Verlegenheit und Dankbarkei
lickt der Mann auf die sich um ihn bemühenden Mädchen
vährend der Pater mit innerer Befriedigung deren resolu
es Zugreisen betrachtet. Auf seinen Zuruf eilen einige
Männer herbei und tragen ihren Arbeitsgenossen ins Haus
„Er wird einige Tage feiern müssen,“ bemerkt der Pa⸗
er, „sonst aber hat es noch gut gegangen.“
Lisa mahnt zum Aufbruch, da die Zeit schon vorge
ückt ist, und dankt dem Pater für seine Vemühungen, de
ichelnd abwehrt. Bald liegt das Petrusheim ieter nin
511 44 *7— — 54

oerfügte dessen sofortige Verhaftung. Es handelt sich
um den bekannten Automatenschwindel, vor dem schon
ost in der Presse gewarnt und auf den erst vor kurzem
in einer Entschließung des bayerischen Ministeriums
warnend ausmerksam genzacht wurde. In den meisten
Fällen wird die Unterschrifi der betrefsenden Geschäfis—
leute erschlicher. Der Vertrag wird nur alsein—
Formsache bezeichnet Im guüten Glauben, daß di—
Vereinbarungen, die der Reisende mit den Leuten ge—
troffen hat, auf Wahrheit beruhen, unterschreiben df
die Leute den Vertrag, ohne ihn vorher gelesen zu
haben. Darnach müssen sie sich aber verpflichten, im
Jahre bis zu 20 000 Paketchen Schokolade oder Bou—
bons zu bezichen, während oft Geschäftsleute dabei sind,
die nicht einmal 100 Paketchen im Jahre verkaufen kön—
nen. Die Firma, die Kahn vertrat, heißt Konrad und
hat in Barlin ihren —55

·
Von der Lufitschiffahrt.
*Die Rückfahrt der Schwaben'e. Di
Rückfahrt der „Echwaben“ nach Baden-Baden ist ledig
lich abhängig von der Windrichtung, die in den zu be
cührenden Gegenden Berlin —Baden-Baden herrscht
Man rechnet auf eine allgemeine Drehung, welche für
die Abfahrt günstig sein wird: auch mit Schneefäller
wird gerechnet.
*“„L. 83. 9“ Das Militär-Luftschiff „L. 3. 9“ unter⸗
nahm Dienstag früh in Friedrichshafen be
strömendem Regen seinen ersten Aufstieg nach der vom
Kriegsministerium geforderten Verlängerung um acht
Meter. Graf Zeppelin übernahm selbst die Führung, ar
Bord besanden sich als Kommission der Muitärbebörde
Maior Neimann und Hauptmann Schoof

Landwirtschaftliches.
Hreilung der Mauls— und Klauenseuche?
Vor einer zahlreichen Versammlung meckllenburgi
scher Landwirte und Vertreter der interessierren Behoͤr
den in Güstromw hielt der ordentliche Professor ar
der Tierärztlichen Hochschule Stuttgart, Tr. Leonari
Hoffimannd einen Vortrag über eine von ihm ent
deckte Methode zur Heilung der Maul
und Klauenseuche.
Hoffniann hat seit vier Jahren in der richtigen Er
kenntnis, daß die Absperrmaßregeln gegen den bishe—
unbekannten Erreger der Seuche wirkungslos find, sich
mit Forschungen zur medikamentösen Behandlung der
Krankheit befaßt und zwar verwandte er dafür das in
der nmenschlichen Praxis bereits bekannte Enauform. Ir
zwei Viehbeständen, von denen der eine 40, der ander
siber 100 Haupter zählte, wurden die Tiere in weni
zen Tagen so vollständig wieder hergestellt
daß auch die so sehr verhängnisvollen Folgen de
Seuche wie Futterverweigerung, Abfall im Körperge
wicht und in der Milchproduktion bald behoben waren
Ueber die Anwendungsweise und die einzelnen Ver
suchsergebnisse hat Hoffmann unter Vorführung vo
Lichtbildern genaueste Anweisung gegeben, ebenso übe
die von ihm zum Teil neu konstruierten dabel not
wendigen Apprarate. Er betonte zum Schluß, daß an
scheinend die Maul- und Klauenseuche, wenn sie auch ir
sehr verschiedenen Graden der Schwere und in mannie
fachen Variationen auftritt, nach seinen neuefien Forsch
ungen sich als eine verhältnismäßig harnm
bosesKroenkheit erwiesen hat. Die schwersten un
zum Tode führenden Symptome beruhien, wohl zur
größten Teil au Machkrankheiten: An der
faulig gewordenen infizierten Steilen siedeln fich bös
artige Erreger anderer Krankheiten an und führen z
schweren, ost verhängnisvoll werdenden Eiterungen
Hoffmann beantragt nun, seine Methode unter Aui
sicht der Behörden im arnkon nochkvrüsen e

Eit semagsertiger Ehemann. Der Schlosser Al
ert Schweizer in Frankfurt a. M. ist beschuldigt
tder Zeit vom 1. November 1910 bis 3. Oktober d
zhrs. seine Ehefrau öfters mit dem Tode bedroht und
rißhandelt zu haben. Ganz besonders schlimm schein
in Auftritt vom 3 Oktober gewesen zu sein, wo di
jrau zu Nachbarn flüchten mußte, um seinen Mißhand
ingen zu entgehen. Der Angeklagte wurde dann von
inem Schutzmann abgeführt. Auf die Frage des—
zchoffengerichts⸗Vorsitzenden, wie er dazu komme, seine:
zrau mit Halsabschneiden zu drohen und sie zu schla—
sen, sagt er: „Ja, Herr Gerichtshof, Sie misse ver—
tehe, was will mer mache, wann e Fraa Sache kaaf
ind fragt ihrn Mann net.“ Der Vorsitzende hält den
hanne vor, daß das doch so kein schlimmes Verbre
hen sei, daß man es mit Halsabschneiden bedroher
nüsse. „Ja, wann mer so in der Wut is ....“, mein
arauf der Angeklagte. Die Hauptbelastungszeugin is.
die Ehefrau, die aber zu allgemeinem Staunen erkläri
richt aussagen zu wollen. Nach dem Grunde der Zeug
tisverweigerung gefragt, sagt sie: „Ei, mer sin ja
vidder zusamme“ Der Angeklagte wird wegen de
stuhestörung und Bedrohung freigesprochen, wegen Kör
erverletzung zu 15 Mark Geldstrafe verurteilt. „Ja, ja
»es is net soviel“, saate zr el αα— wirb obe

Im „vblauen Schifschen“ steht Lena Hemskerk am Fen—
ter und läßt das Strombild am Auge vorüberziehen. Das
zäuten der Schiffsglocken, das Pfeifen der Werftbahn, das
sKreischen des Hebekrahns bringen Ton in den gleichmäßi
zen, matten Wellenschlag des Rheins. Die Schiffbrücke hat
ꝛben einen Dampfer durchçelassen, der durch das seinen Bug
umschäumende Wasser ruhig daherzieht.
Auch Lenas Bahn ist jetzt von der Ruhe beherrscht
Klar und deutlich sieht sie ihren Weg vor sich, entschlossen
vird sie ihn gehen. Nohh hofft sie, die Vergangenheit des
holländers aufzudecken; gelingt es nicht, so ist sie zum Op
jer ihrer selbst bereit. Wie jener Dampfer wird auch si
iur lennen: festes Steuer, rechte Bahn und bewußtes Ziel
Weder Leid noch Glückverlangen werden fortan mit ihr wie
Wellen mit dem Kahn spielen, sie willenlos hierhin und
orthin tragen und Gefahren aussetzen: sie hat in sich die
nenschenmögliche Gewähr, wie jener starke Dampfer, daß
e in jeder Lage über Wasser bieibt.
Das Aufgehen der Türe läßt sie um sich blicken. So früt
— es ist die neunte Morgenstunde — konimt sonst kein Gast.
Sie zuckt zusammen, als sie den Eintretenden sieht: Ger
zan Moolen
Die Hand, die sich in seine ausgestrechte Rechte legt
st eiskalt. So bald hat Vena ihn nicht zurückerwartet.
„Der Empfang ist ja sehr herzlich,“ bemerlkt der Hel
änder finster.
Um der Form zu genügen, ertundigt sich Lena, ob er
zanz wiederhergestellt sei.
„Dem Buben wäre es beinahe geglückt, mich nach dröü
en zu befördern.“
Leuag schweigt.
„Nun, Schatz, wann soll denn die Hochzet sein?“
Sie erbleicht.
„Mutters Trauerjahr ist noch nicht um,“ sagt sie leise.
„Darauf können wir nicht warten, das gib's nicht. Vie
Wochen, denk' ich, genügen, alles vorzubeiten. Einver
standen?“
„Ich werde mit dem Vater darüber sprechen.“
„Ach was, Vater. Wir können's bestimmen, und er
wird den Segen schon geben.“
Vena senkt das Köpichen Was will sie gegen den bru
talen Willen des Mannes, in dessen Hand sie sich befinden
sie wie der Vater?
„Also es vleibt dabei, in vier Wochen! — Werd' mic
ofort aufmachen, um das nötige zu besorgen.“
Er nähert sich ihr, zu Zärtlichkeiten. Aber wit in—
iĩchi ⸗ n·n Moneauna noin on ·

die Strafe annimmt.
„Meuterei“ oder „unerlaubte Entfernung?“ Au
Me tz wird berichtet: Den Musketieren Glogowsg
ind Gringel war der Urlaub zu einem Feste de
weiten Jahrgangs wegen ungenügender Führung ve—
agt worden. Sie wurden statt dessen zur Wirts haus
atrouille kommandiert, die von abends 8 Uhr 6
Hitternacht die Straßen und Wirtschaften abzupatroui
ieren hat. Die beiden Musketiere ärgerten sich da!
iber, gingen in die Stadt und kneipten bis nachts
Ahr, Weil der eine den anderen gefragt hatte: »Gel
du in die Stadt?“ oder „machst du die Patrouiller
vas beide verneinten, sah' der Gerichtsherr der 33. D
zision in deu Vergehen eine Meuterei und lie
ahingehende Anklage vor dem Kriegsgericht erheben
Dder Anklagevertreter beantragte für jeder fünf Jah
zwei Mongte Gefängnis. Das Kriegsgeri cht sa
ziber die Sache lediglich als uner lauble Ent
ernung an und verurteilt Glogowski zu zwei Mi
iaten Gofhnanis, Gringel zu sechs WochenUesart
— —
Kunst und Wissenschaft.
Wilhelm Jensen 7.
Der in voriger Woche verstorbene Romandichter«
Jensen, war einer der bedeutendsten Schriftstell
m Deutschland. Wilhelm Jensen wurde 1837 in Heil
zenhafen als Sohn eines Landvogis geboren. Er sn
dierte zuerst Medizin, wandte sich dann aber, du
smanuel Geibel beeinflußt, der Literatur zu. Seine
zeutendsten Werke sind: Der Pfeiffer von Dusenbac
Aus schwerer More Am Ausgange

9
u
7
9

— — —Z —
Reichs“, „NRirwana“, „n ver Fremde“, „Die Wunde
auf Schloß Gottrop“, „Runensteine“, „Luv und Lee
und die „Chiemgau-Novellen“. Zu seinen be
tanntesten Liedersammlungen gehören die dem Feldzue
1870- 71 gewidmeten „Laͤnder aus Frankreich“ und de
Band. den er zu seinem 60. Geburtstage bescherte.
Hugo von Tschudi 7.
Der im Sanatorium zu Cannstatt verstorbene Di
rektor der Bayrischen Staatsgalerie, Geheimrat Dr.
von Tschudi wurde am 7. Februar 1851 als Sohn Jo
lob von Tschudis geboren. Seine Studien absolviert
er in Wien und trat nach verschiedenen Studienreise
im Alter von 31 Basßron AsdDirektotafsissent in

J

—

2
3
*

; ů
lerie 25 Jahre an, davon 13 Jahre als Direktor. Wa—
Tichudi suͤr die Nationalgalerie getan und in welche:
Weise er die Arbeiten von wirklichen Künstlern geför—
dert hat. ist ja allgemein bekannt. Ihm verdantt vi
Nationalgalerie in erster Linie den größeren Teil ihres
Besitzes an modernen Meistern der Malerei. Er ha
die Vienzelsammlung derart ausgebaut, daß kaum ir
einer anderen Galerie ein einzelner Künstler so gu
pertreten sein dürfte. Nicht minder sind andere deu
sche Künstler wie Leibl und sein Schüler Sperl, Len
bach und vor allem Böcklin durch ihn erst recht bekann
zeworden und zwar hauptsächlich dadurch, daß die Na
tionalgalerie die Gemälde dieser großen Künstler er—
worben hat. Im Jahre 1909 ging Tschudie nach Mün—⸗
hen, um der Berufung als Direktor der Staatkichen Ga⸗—
lerien Folge zu leisten. Auch hier hat er sich sehr große
Dienste erworben, so daß sein Tod eine große Lüden
der Kunstwelt bedeute“

— —
„Laß das! Du weißt, daß ich Dir gezwungen folge
Also schone mich, bis Du die Gewalt hast.“
„Gezwungen? Ach so, Dein Herz gehört einem and
ren, dem Buben, dem das Mieesser lofe sitzt.“
„Du lügst! Franz Brinkmann hat Dich nicht gestochen
„So, wer denn sonst?“ fragt er mit lauerndem Blick
„Das weißt Du besser als ich.“
„Willst Du Dich nicht er lären, was das heißen soll?
Lena zuckt mit den Achseln. Beruhigt entnimmt d⸗
Holländer daraue, daß wichs weiß.
„Vie leicht ist das Mkjer aus dem Baum gefallen,“ spo⸗
et er; ode ich hab!s uͤr selbst in die Brust gestoßen.
Deine Parteinahme für den Mordgesellen gesällt mir n cht
und nun ist's fest, daß ich ihn ins Gefängnis bringe. VB—
laß Dich drauf!“
Mit dieser Drohung verläßt er die Stube.
„Wer) Tich schon kirre kriegen, Täubchen!“ zischt er
als die Türe sich hinter ihm schließt. „Und nachher solli
Du's büßen!“
Langsam rückt der Zeiger der Uhr vor. Mechanisch er—
füllt Lena ihre häuslichen Pflichten: der Gedanse an die
Nähe der schredlichen Verbindung macht ihr den Kopi
dumpf und die Glieder bleischwer.
Am frühen Morgen ift der Vater auf den Strom hin
ausgefahren. Jetzt ist's Mittag, und er ist noch immer nich
zurück. Eine leise Unruhe bemächtigt sich Lenas.
Da erscheint der Erwartete in der Türe, aber in schlech
ter Verfassung: Wasser trieft aus den Kleidern unde por
der Krämpe des Hutes
„Was ist geschehen, Vater?“ fragt Lena ängstlich.
„Was geschehen ist? So ein niederträchtiges Floß wirs
mein Boot um! Gewahrschaut war ich; aber hinter deir
Eisenbahnbrücke hab' ich nicht acht; bums, gibt's einern
Stoß und ich lieg' im Wasser. Na, herausgetrabbelt b
ich schon. Aber kalt war das Bad, brres⸗
„Schnell die Kleider gewechselt, Valer!“
„Nee, Kind, erst einen Genever; ist die besto Medizin.“
„‚Wie ich da so im Wasser lag,“ fährt Henn Femster
jort, mußt ich an Deine Mutter denken, damals in Nij
megen: Halt Dich über Wasser! Siehste, so'n Wort ist Gol'
wert. Das gibt Kurasch und Kraft, und hat mich auus —
Wasser aebracht⸗
Tartsotzung —2
            
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