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22 van. Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweiler. Sonntagsblatt und Heitere Blätter. eα
enspr.Ant 12nt Saarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Druck u. Verlag: J. Unterleller. Dudweiler Verantwortlich für die Schristleitung Arthur Unterleller, für den Anzeigenieil Karl Unterleller
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ß elinse ieeebensversicherungsbant in Nürnberg verfichert. Joder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der Nurnberger Lebensversicherungsbank anzuzeigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb 24 Stunde a nach dem Unfall in ärzgtki
der hen. Todertoẽ acten sofort spätestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrachtwerden. Üüber die Voraussetzung der Versicherung geben die Versicherungsbedingungen Aufschluß, die vom Verlage od. von der Nürnberger Lebensvey sicherungsbank zu begtehrn sind.
handlung begeben Tod en asort patostens averneroln,⏑⏑⏑⏑ ——
nr. 278. 76Ausgabe obhne Abonnenten⸗Versicherung Donnerstaqg, den 16. November 1911. 24. Jahrgant
sichts der völligen Verwirrung in Persien, des er— Im Senat wurde die Frage der nationalen Verteidien
hitterten Konfliktes zwischen dem Regenten und dem dng wiederum angeschnitten. Der Kriegsminister soll
Vedschliß, dem persischen Parlament, und des Einver rile erforderlichen Erklärungen über diese Ftage dem
iehmens der beiden „Beschützer“ Persiens, Rußland und rächst abgeben.
ẽngland, ein ernstlicher Widerstand gegen die russischer
Forderungen nicht gut denkbar ist, so ist der Regent
in der Sache des Vaterlandes verzweifelnd, zurückge
reten, und mit ihm hat das Kabinett seine Entlassunc—
zenemmen.
Wie die Dinge sich jetzt weiter gestalten werden,
»as bleibt zunächst abzuwarten, aber jedenfalls dürfte
nan mit Mirza Ali, dem Kinde, keine langen Faxen
nehr machen, und an die Teilung in Interessensphären
zürfte sich nun wohl langsam, aber sicher die Aufteilung
Persiens schließen. Dies unvermeidliche Schicksal kön—
ten auch die anderen Mächte nicht abwenden, aber sie
önnen doch vielleicht darauf dringen, daß die im eng—
lisch-russischen Vertrage vorgesehene Gleichberechtigung
des Handels und der Industrie, besser geschützt wird als
die Unabhängigkeit und Integrität Persiens. Die Spu
ren Maroklos schrecken' D. G. A.
—
Der russische Bär hat Hunger.
Wenn miehrere Mächte sich zusammentun, um die
nabhencçigkeit und Integrität“ eines Staates zu
uͤhen, dañn bedeutet das nach den allermodernsten
Mncriechtlichen Anschauungen den Anfang vom Ende
s Siaates. Die Unabhängigkeit und Integrität
ottos ist fast von allen europäischen Staaten ge—
iht worden, drum ging es auch so schnell mit ihr
Inde. Ueber den Schutz der Mandschurei und Ko
3hatten sich Rußland und Japan mit solchem Er—
g geeinigt, daß jenes jene und dieses dieses nahm.
3 nun folat Persien! In dem englisch-russischen Ver—
ge vom 31. August 1907 ist die Erklärung enthalten,
die beiden Mächte sich gegenseitig verpflichten, die
abhangigkeit und Integritaͤt dieses Landes (nämlich
rfien) zu achten. und daß sie aufrichtig die Aufrecht⸗
haliung der Ruhe in diesem Lande und ebenso die
ernde Einführung von Vorteilen für den Handel und
Industrie aller übrigen Völker wünschen.
Und so setzen denn selbstverständlich mit diesem
nen Vertrage die Bemühungen ein, Blatt um Blat
oer persischen Artischoke abzuzapfen. Das Zaren
machte den Anfang, und England, welches be—
intlich für die Freiheit aller Völker schwärmt, soweit
sich nicht um englische, sondern um andere Angriffe
gen diese Freiheit handelt, machte diesmal eine Aus⸗
ahme, indem es auch einen fremden Eingriff duldete.
ber freilich, es fügte hinzu: „Haust du deinen Perser,
u ich meinen Perser!“, und um jeden Schritt, wel⸗
en Rußland in Nordpersien vorrückte, schob es seine
zositionen in Südpersien vor, wie das ja auch durch
je in dem Vertrag vom 31. August 1907 erfolgte Ver—
eilung der Interessensphären so schön vorgesehen war.
ßon den anderen Mächten aber war und ist ein Ein⸗
hruch nicht zu befürchten, denn Frankreich ist durch die
inwilligung zur Tunisierung Marokkos gebunden, Ila—
en durch den Wechsel auf Tripolis, Oesterreich-Ungarn
urch die Zustimmung zur Annektion von Bosnien und
Heutschland durch den Bagdadbahnvertrag.
—A
em bis die Russen, denen die Sache zu langsam ging,
in Juli dieses Jahres den Staatsstreich des Erschahs
Moöhammed Ali inszenierten, der auf einem russischen
dampfer und mit dem rollenden Rubel nach Persien
urückkehrte, um in russischem Auftrage den derzeitigen
Schah, seinen unmündigen Sohn Mirza Ali, zu entthro—
ien und das Land den Russen in die Hände zu spie—
en. Das offizielle Rußland wußle merkwürdigerweise
jon dieser ganzen Sache nichts, und die sonst so eifri—
zen Behörden, die jede Laus eines politisch Verdäch—
gen mit einer besonderen Kontrollmarke versehen, hat
n, so wurde wenigstens amtlich und feierlich versichert,
mn der Reise des Exrschahs durch das Zarenreich nich s
merkt. In Großbritannien war man zunächst sehr
estürzt, aber man machte zum Schluß gute Miene zum
ösen Spiel, denn man sagte sich, daß der Ausbruch
ines Bürgerkrieges in Persien sehr gut zur Förderung
er eigenen Pläne nutzbar gemacht werden könne.
Allein die russische Rechnung bekam ein Loch, als
er Staatsstreich des Exschahs mißglückte und die durch
en Regenten Nasr⸗-el-Mulk repräsentierte Regieruncç
Zzieger blieb. Seitdem suchten die Staatsmänner des
zareureiches nach neuen Handhaben zu einer Einmisch—
ing in die innerpersischen Angelegenheiten, und jetzt ha
nan sie endlich gefunden. Der russische Generalkonsul
n Teheran hat unter den fadenscheinigsten Vorwänden
inen Konflikt mit der persischen Regierung vom Zaun
jebrochen, und als diese die wegen angeblicher Belei—
igung russischer Konsularbeamten verlangte Genugtu—
ang verweigerte, hat die Regierung des Zaren an die
persische Regierung ein Ultimatum erlassen, das für
den Fall der Nichterfüllung der russischen Forderungen
nit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen droht.
Man sieht, es ist eine echte, rechte Komödie, denn
»cse Beziehungen waren schon längst so undiplomatisch
nur möglich. Allein da Rußland im Besitze der
Placht ist und in den internationalen Beziehungen bis
uuf weiteres der Satz gilt, Macht geht vor Recht, so
wandelt fide 2 22 Und ha aun—
Standpuñkte stehe, daß ohne die Zustimmung Ungarns
zie Einfuhr überseeischen Fleisches untunlich sei, erweckte
Entrüstungsstürme bei den Städtevertretern und der
Zozialdemokraten. Man rief: „Abzug Stürghk!“, droht
nit Fäusten und nannte Stürgkh einen ungarischen La
aien. Unter einem Sturm des Unwillens verließ der
Ministerpräsident den Saal. Die Mitglieder des Teue
rungsausschusses wollen zurücktreten. Stürmische De
hatten stehen bhevor.
England.
* Der Abgeordnete Ponsonby, der in einen
Londoner Kluh über den Mangel jeglicher Kontrolle der
auswärtigen Politit durch das englische Par
lament sprach, erzählte, es sei ihm von zuverlässiger
Zeite versichert worden, daß im September der Krie;
inmittelbar bevorgestanden habe; die Nordsee-Flotte se
gefechtsbereit gewesen und habe bereits ihre Torpedo
boote in Erwartung eines deutschen Angriffs auf di
hohe See hinausgeschickt. In der Diskussion erklärten
die Abgeordneten Buxrton, Jowett und Byle;
übereinstinimend, daß das System, das dem Unterhau
jeden Einfluß auf die Gestaltung der auswärtigen Be
ziehungen Englands entziehe, un haltbar sei. By—
les teilte mit, er habe erst tags zuvor einen Freund
gesprochen, der kürzlich eine Anterhatung mit dem
deutschen Kaiser gehabt habe; dabei habe der
Kaiser gesagt: „Ich bin der einzige Freund, den Eng—
sand in meinenn Lande hat“
Türkei.
* Die „Times“ meldet aus Konstantimopel—
Zur Begßrüßung des englischen Königsqares
ist eine Sondermission bestehend aus den
Thronfolger, dem Groß-Zeremonienmeister und anderes
hohen Beamten nach Port Said abgereist.
R———Ä—“ —⏑ ÜVV —— ——
Das Marokko⸗Abkommen.
Eine Sensation des Matin.
Der Korrespondent des „Matin“ in London will
die Wahrheit wissen über das, was im Juli zwischen
England und Deutschland vorgefallen ist. Er erzähli⸗
dies in folgender Weise:
Als im Juli der Paunther“ nach Agadi,
zgegangen war, stieß der deutsche Botschafter Graf Wolff⸗
Motternich bei Sir Edward Grey auf eine Haltung, die
er nicht erwartet hatte. England als treuer Freund
Frankreichs verhehlte nicht, wie sehr es die Geste von
Rgadir tadele und erklärte, daß es den hefreundeten
Sfaat im Notfalt mit seiner ganzen Macht unterjtiltzen
wveide. Graf Wolff-Metternich, der eine so dro
hende Haltung der englischen Regierung nicht
lecht glauben wollte, kehrte noch einmal zu Sir Ed⸗
wvard Grey zurück, erhielt aber dieselbe Antwort. Auf
diese zweimalige Erklärung des englischen Minifters ant
wortere Deutschland nicht und so wurde die Situation
‚on Tag zu Tag gespannter. In diesem Augenblick,
ind das soll absolut verbürgt sein, griff der Zar ein
ind schrieb an den deutschen Kaiser, und es iß
wahrscheinlich, wenn auch nicht gewiß, daß a u d
Fönig Georg sich schriftlich an seinen kaiserlicher
vetter gewandt hat. Die beiden Souveräne lentkten die
Ausmertsamkeit des deutschen Kaisers auf die Gefahren
zes Augenblicks hin. Die Rede Lloyd Georges im
Minifterrat bedeutete eine letzte und freundschaftliche ()
Frmahnung. Wenn in jenem Augenblick die Dinge ir
den Pourparlers zwischen Paris und Berlin nicht ein
andere Wendung genommen hätten, so wäre für Ens
sand nur eine Maßregel übrig geblieben: das Ultimatum
Die Verantwortung für diesen Bericht und beson
ders für die Erzählung von einem Eingreifen des Za
ren muß natürlich aans dem .Matin“ überlassen bleiben
—PEPEEACC
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Die Arbeitsdispositionen des
Reichstages für den Schluß der Tagung sind
folgende: In dieser Woche sollen die zweiten Lesunge!
des Schiffahrtsabgabengesetzes und des Hausarbeitsge
setzes vorgenommen werden. Man hofft, diese beide.
Lesungen in vier Tagen erledigen zu können. Die Tag
vom 20. bis 23. einschließlich bleiben sitzungsfrei, un
den Fraklionen Gelegenheit zu geben, zu dem Berich
der Sechzehner⸗Kommission über das Privatbeamten
Versicherungsgesetz, das am 18. November festgestell
werden soll, Stellung zu nehmen. Am 23. und 24
November sol die zweite Lesung des Privatbeamter
Pensionsgesetzes. am 25. dieses Monats die aweite Le—
ing des Hilfskassengesetzes auf die Tagesordnung gesetz
verden. In der leßzten Novemberwoche sollen di
Anträge der Budgetkommission zum Marokko⸗Abkommen
ud im Anschluß daran die drititen Lesungen aller nod
u verabschiedenden Gesetze vorgenommen werden. Der
zchluß der Tagung ist auf den 30. November oder 1
dezember angesetzt.
*᷑Die parsleiamtliche „Konservative Korrespondenz
inmimt nun zu den scharfen Erllärungen des Reichs
anzlers im Reichstage, welche er gegen die
donservativen richtete, Stellung und verwahrt sich da—
segen, daß die konservative Partei eine national
Angelegenheit zu einem Wahlmanöve
nißbraucht hätte Am Schlusse heißt es: „Wir wisser
ius zahlteichen Kundgebungen, daß die Mitglieder der
vonservativen Gesamtpartei im Deutschen Reiche der
Ztandpunlt der Reichstagsfraktion volkommen teilen.
* Zur Förderung der BRereinheitlichung de
inzelnen deutschen Bahmnen wird der Ausschuß de—
zundelstages eine Sonderkbommission für dies
zrage bilden, in welcher die verschiedenen Staaten de—
deuischen Reiches mit einer oder mehreren Körper
HaAften vertreten sein merden
* Die Neuwayhlen zum Bayerischen
Landtag werden noch vor den Reichstagswahlen
tattfinden. Als voraussichtlicher Wahltag ist der 3. Ja
nuar in Aussicht genommen, doch wird noch ein Mini—
terrat über die definitive Festsetzung des Termins be—
Psiefen Der Arind 3ur Reschleuniguna der Neuwah—
Die französische Kammer hat mit der erdrückenden
Mehrheit von 402 gegen 98 Stimmen das Vor
branensvotum für die Regierung angenommen.
Der Marineminister Delcassee gab noch in einer
ausführlichen Rede Rechenschaft über alles was vorge⸗
fallen war und versprach, die zugesicherten Reformen zu
beschleunigen. Der Sozialist Thomsoon versuchte in
letzter Stunde einen Angriff auf das Ministerium, ver
mochte aber nicht. wie er erhofft hatte, die Rechte und
das Zentrum in sein Manöver mit hinein zu ziehen.
Der Minister des Aeußern, de Selves, erschien
am Dienstag wieder vor der Velede
die etwas unbequem in den Lauf der diplomatischer
Geschäfte einzugreifen beginnt. Wie berichtet, fehlter
in dem Material, das der Kommission zur Verfügun—
steht, zwei Absätze, nämlich der Absatz über das —
zösische Verzicht auf das Vorkaufsrecht in Spanisch
Guinea und der Absatz über Deutschlands Desinteresse
ment bei den franzöfisch-spanischen Unterhandlungen. Hr
de Selves erklärte, daß diese zwei Klauseln wohl exi
stierten, daß aber durch Vereinbarung mit der deuischer
Regierung ihre Verheimlichung beschlossen worden wäre
Auch über den Stand der französisch⸗spanischen Unter
handlungen dürfe der Minister nichts sagen. Auf die
Frage, ob es nicht vielleicht besser wäre, mit der parla
mentarischen Betätigung zu warten, bis alle Algeciras
Mächte den Abmachungen zwischen Frankreich und
Deutschland zugestimmt hätten, erwiderte de Selves, das
sei nicht möglich, er erwarte die Bestätigung der anderr
Machte von Tao 2u Taua Die Untorfuchuna, die de
214
—
56. Michler.
—2
* Der Pariser „Gaulois“ veröffentlicht eine Zuschriff
des Bischofes von FranzösischKongo
namens Abgouard, der seit 34 Jahren in Afrika tätie
ist. Dieser sachkundige Mann erzählt, daß die Land
strecke, welche Frankreich an Deutschland abgetreten hat,
unuwirtlich sind, nur wenige Einwohner besitzen
und daß die Bevölkerung noch vielfach der Menschen
jresserei huldigt. Auch die Gebiete, welche Frankreick
längs des Ubanghi abgetreten hat, seien unwirtlich und
zum größten Teile überschwemmt. Mehnlich ver
halte es sich aber mit dem von Deutschland abgetrete—
nen Entenschnabel, der gleichfalls nur fieber—
eIch wangere Moraste enthalte.
Oesterreich⸗ Ungarn.
* Die parlamentarische Situation hat sich durch die
Rede des Grafen Stürgekh in der Teuerungsdebatte
im Reichssrat er heblich verschlechtert. Die
rktürunag des Kabineitscheis. daß er ebenfalls auf de
len ist in de Budgetlage gegeben, denn der Eta
nuß unbedingt bis zum nächsten 1. April erledigt sein
der neue Landtag wird selbst bei frühzeitigem Zusam—
nentritt seine Arbeit beschleunigen müssen, um diese
Aufgabe zu bewältigen. — Unsere Bilder bringen die
wei im Vordertreffen stehenden Hauptbeteiligten, die
den eigentlichen Anlak zur Kammerauflösung geaeben
inhonu
Belgien.
s*Am Dienstag wurde die Parlamentstagung eröff
tet. Kammer und Senat haben ihre Sitzungen aufge
iommen. Der Ministerpräsident kündigte eine program
natische Erklärung der Regierung an. Nach einer Er
lärung, die der Zustizminister in einer politischen Ver
ammlung abgab, wird das Parlament im Mon
Mai aufgelöst werden und allIgemeine Kam
merwahl'en werden im ganzen Lande sattfinder
Ueber Wasser.
Roman vnn J. Ingendaay.
Nachdruck verboten.
Run aver ist Abschied
ind Tre mung vergessen, sie leben nur der shnen, veeni
neiden Gegen. var..
Sie gelangen zum Kineer,pielp atz. Hühsch legt et im
Schatten der Bäume. Da balgt sich die kleme Schar. Klei⸗
ie Mädchen werfen Fangball, wilde Knaben springen um—
ser und fterea das Spiel, bis die Tränen vinnen.
„Es ist doch merlwürdig,“ meint Franz, „daß die Bu—
en in der Kindheit die Madchen vetachten und ärgern, und
achher voller Verehrung und Aufmer samtei sind!“
„Um noch später,“ exgänzt Lena schalkhaft, „in den al⸗
en Fehler zur ückzufallen.“
Lachend erhebt er im Namen der Mehrbeit der Män—
ter Einspruch.
Noch eine lurze Strecke und es erscheint eine Lichtung:
ie Baurstraße durchschneidet das Glacis Am Wegrand un
er dem letzten Baum ist eine Bank, auf der ein altes Mül
erchen Platz genommen hat, das sinnt und traͤum. Manch
nal geht der Blick awanziqg Schrite weier: 2um Misine
*riodhof
dena kennt und grüßt die alie Frau Hemers, die ehe—
»em in ihrem elter ichen Hause gewaschen hat. Lena weiß
nuch von früher her, warum das Mütterchen hier sitzt: Dor
inter den Friedhoͤfbäumen liegt ihr Junge; schon lange.
lus dem Kriege brachten sie ihn krank nach Hause, er leg
e sich und starb bald, die Mutter allein in der Welt zurück⸗
assend. Sie verhalf sich durch Waschen zu einenm targen
Brot und einem Notpfennig fürs Alter. Seit sie nun im
Ruhestand lebt, geht sie tagtäglich zu der Bank vor dem
—A———— Einzi⸗
en.
Auf Lenas Gruß lächelt die Einsame. So jung und
blühend wie des Madchens Begleiter, war auch ihr Junge,
As er in den Krieg zog. Und wie dam er zurna Der shnnae,
rãftige Bursche wantte druchig in ihre Arme.
Das Mädchen reicht der alten Frau freundlich die Hand.
„Mutter Hemers ist immer auf den Beinen,“ sagt das
unge Mädchen.
„Jo, jo, bald ist's getan. Hätt' schon eher zu ihm ge—
mußt (sie zeigt auf den Friedhoh. Bist lange geblieben.
Nutter, wird er sagen. Aber der Herrgott haͤt's so haben
nollen dak sein Grab auch immor nen Wer win
es tun, wenn ich nicht mehr bin?“ sest siie mit einem Seuf
er hinzu.
„So weit sind wir noch nicht, Mutter Hemers“
Die alte Frau schüttelt den Kopf.
„So 'n unnütz Mensch ist am besten bei'ni Herrgott
dab' auch lang genug auf der Erd herumklabastert. Ander
verden schon eher 'rausgetragen. Der da (sie zeigt wiede;
zuf den Friedhof) hat schon früh dran gemußt! — Kinde!
es ist kein Verlaß aus's Leben. Ueber Nacht kommte
ins Haus, der Tod, und holt seine Leut.“
Franz gibt Lena einen Wink.
„Kommt mal bald wieder ein Täkchen trinken, Mutte
demers!“ ladet Lena ein.
„Jo, jot“
Die Alte hat schon wieder den Mick auf den Friedho
gerichtet.
Schweigend gehen die jungen Leute weiter und spinne
ihre Gedanken über den Gegensatz: Dort die ruhige, ergeb
ae, fast jreudige Todeserwartung der alien Frau — hier
hei ihnen, die herzklopfende, stürmische Lebenshoffnung! —
Dort auf dem Totenfeld die stillen Erdhügel mit der en
gen, dunklen Kammer, sechs Fuß tief, und über ihnen di
rauschenden, dustenden Linden mit Sonnenolanz und Vo
gelschlagl ....
„Es ist Zeit zum Abschied!“ sagt Franz; seine Stimm
su gepreßt. Tut's der Trennungsschmerz, oder eine Ahnung—
ommenden Leids: seine Brust fühlt schweren Druck.
Da tönt es wieder vom nahen Baum sehnendsüß: Wie
wie, wie hab ich Dich lieb!
Ihre Blicke tauchen ineinander, und in überwallenden
ketühl verührt er die zuckenden Lippen des Mädchens.
Im „blauen Schiffchen“ ist die Unruhe zu Gast.
Hemskerk tritt jeden Augenblick vor die Tür und späh—
die Rheinwerft entlang. Soragenfalten liegen auf seinen
Ztirn.
Den Arzt erwartet er: Frau Hemslkerk hat soeben einen
cchweren Anfall ihres alten Leidens gehabt.
Wieder geht er ins Haus zurück und ins Zimmer, wi
ieine Frau liegt, weiß wie- die Wand, mühsam atmend.
Als er sich über sie beugt, flüstert die Kranke:
„Schipper, laß den Pfarrer kommen!“
Wie ein Keulenschlag trifft ihn das Wort. Der Pfar
rer? So schlimm wör s? Dagegen bäumt er sich auf.
„Der Doktor wird gleich kommen, Muitie: der wird Di—
chon zurecht machen!“
4
„Ich stey nicht meyr auf, Henn, das fühl ich. Da drin
nen war's schon lang wund, nun ist der letzte Faden zer
eissen.“
Ein hohler Husten unterstreicht die Worte.
Der Schiffer zögert noch immer, in jener falschen, weit
verbreiteten Scheu, die den Besuch des Vriesters als Te—
dessiegel ansieht.
Der Arzt erscheint und untersucht lange.
„Erfüllen Sie der Kranken jeden Wunsch!“ sagt er nach
zer draußen. „Es siteht bedenklich um sie.“
Ter Priestter kommt. Als der Klang des Sarcraments
glöckchens hereintönt, jähre der Schif er zusammen. Wie gei—
stesabwesend wohnt er der heiligen Handlung bei.
Ein Freudenschein vertlärt die bleichen Züge der Kran
en. Stillweinend fkniet Lena am Bertende.
Henn Hemskert ist umdüstert. Es ist nicht möglich! Es
laun nicht sein! schreit es wild in seinem Innern.
Der Priester ist wieder gegangen. Mit einem alücklicher
Ȋcheln liegt die Aterlbende in den Kissen
„Schiaper! haucht sie.
Er beugt sich über das Bet:.
Was sie lküstert, hört nur er. Es muß ihn tief ergrei—
jen, denn n se nem Gesich roeitet es fürchterlich, und im
Uebermaß der Vewegqung verläßt er schnell das Cemach
„Lena!“
Der Mauter Hand ruht segnend auf dem Haupt brer
Tochter.
„Lena, ich rey' jexrt von Euch Beb brav, Krind, wie
Ddu es gewezen bist: Und stey' dem Vater vei! Ich weiß,
hnurit der Schlag hart, er wird mich sehr vermissen. Er
nuß eincen Halt yaben, und der sollst Du sein, Lena! Ver
iritt Tu meine Stelle. Versprichst Dus mir, Kind, daf
Du ihm Tochter und Stütze bleibst, auch wenn Du einma“
einent anderen folgen wirst?“
„Ja, Mutter!“
Ein inniger Kuß auf die Stirne ihres Kindes ist Dank
und Lebewohl zugleich. Fast fröhlich nickt sie dem wieder—
kehrenden Gatten zu *
Nun trit der Tod ans Lager und legt die Hand auf
thre Schulter. Sie zuckt jäh zusaummen. — Der Glanz des
Jenseits leuchtet auf der weißen Stirne ...
Vaut aufsschluchsend wirst sich LVena über die Entseel
und benesßt die lieben vertlärten Züßen mit ihren Träner.
Dumpibrutend starrt Fenn Hemskerk auf jein tote? Weib
Er tann's nicht jassen, das grauenhaft Wirkliche: seir
Weib, sein cles, ist fir immer von ihm egangen! —6
rnalnallez— ãfühnen rinat sich au dor Mrrt
Da näher. sich ihm das Maädchen und nimmt ihn bei
der Hand.
Er merlhes kaum.
„Vater, lieber Vater!“
Er sieht in das verweinte Gesfichtchen. Der rührende
Ausdruck von Mitleid und Liebe löst den beengenden Druck,
der ihm Hals und Brust zupreßt. Auch sie hat viel verlo—
ren, faft so viel wie er selber. Sie sind Leidgeführten.
Mit einem erschütternden Aufschrei stürzt der starke Manr
am Totenbett nieder und weint wie ein Kind.
„Vater!“ tönt es wieder an sein Ohr. „Wir halien zu⸗
sammen. Ich will Dir Mutter ersetzen, so gut ich kann.“
Feierlich, wie ein Gelöbnis klingen die Worte, und in
dem Gesficht des Kindes ist der Ernst zu lesen, von dem das
Gelöbnis getragen ist.
Mehrere Wochen sind ins Land gegangen. Im „blau—
en Schiffchen“ hat alles wieder seinen gewohnten Gang
Lena schaltet und waltet wie ein besorgtes Hausmütterchen
Die sonnige Unbekümmertheit der Jugend ist aus ihrem Ant
litz gewichen, sie hat einem ungewöhnlichen Ernst Platz ge
macht.
Hinter der Eisenbahnbrücke geht die Sonne unter. Ros
Strahlenbündel fallen durch die gewaltigen Bogen ins Was—
ser und verwandeln es in ein Feuermeer.
Schon mehrmals hat das Mädchen den Rhein hinumtien
gespäht; endlich taucht im Lichtschein der Brücke ein Sege“
boot auf: ihr Vater kehrt zurück.
Henn Hemskerk liegt seit dem Tode seiner Frau noch
mehr auf dem Wasser als früher; ganze Nachmittage fährr
er hinaus, meist allein, manchmal auch mit Gert van Moe—
len, dem Holländer. So auch heute.
Der freundschaftliche Verkehr der beiden Männer ist der
Tochter eine schwere Sorge. Sie sieht mit Schrecken den
Einfluß des Holländers auf den Vater, den sie für keinern
guten hält. Im Anfang hat sie eine dahingehende Bemert
ung zum Vater gemacht, aber ohne Erfolg. Dumm Tüg,
hat er erwidert, ‚der Gert ist ein patenter Kerl.“ Da ha
sie ihr Erlebnis mit dem rohen Patron im Schützengarier
erzählt, das sie bisher für sich behalten hatte, weil der Hob
länder nach dem Schützenfest das „blaue Schiffchen“ miel
und sie daraus entnahm, daß der Fall erledigt wäre. Dodh
der Vater hat auch darauf nur etwas von Kinderei
Schützenfeft gebrummt. Verletzt hat fie geschwiegen.
Sie schwieg auch, als der boöͤse Dämon des Holländers
im Vater die Lust am Würfelspiel wedte. Oft saßen sie bi
m die Nacht. Lena wurde dann zur Ruhe geschickt, abe
der Schlaf ioh ihre Liver. bolange »ien die Witräel Aas
——