Full text : Dudweiler Zeitung

RAATInqg angerommen. Sie Ypten visher reine
Flagge. Man versichert, daß sie die r epubli;
danische Flagge' aufziehen werden. Zwei Kreu⸗
jer, drei Kanonuenbooie und ein Transporischiff sind den
Kanal aufwärts gefahren, augenscheinlich in der Ab—
icht, die Siellung der Revolunonaͤre zu bombardieren
Huanschikai ist mit 2000 Mann in Peking
eingetroffen. Eine enorme Menschenmenge war
zusammengeströmt und empfing ihn schweigend. Die
Ordnung wurde nirgends gestoͤrt.
Der Einzug von Dagn g in Peking
erfolgte mit großem Romp. Abends wurde er zum
ennm schränkten Kommandanten aller Truppen ernanm
* ausgerufen. Er gilt gleichsam als Dittator.
Der japanische Kontreadmiral und Bejehlshaber
bes internationalen Geschwaders vor Hankau teilte
bem Konsularkorps in Hankau den Ab falldreiel
S9 iffe des Admirais Sah und des gesamten La
der Kaiserlichen zu den Revolutionaͤren mit. Di
olutionãͤre haben den Bahnhof besetzt und be
8 teßen die Chinesenstadt Hankau und der
Bahnhof bei Kilometer 10. Der Rückzug der treu
gebliebenen Laiserlichen nach Norden vd erwartet.
Der Berlehr auf der Bahn Peting Hantau ut iete
————
Das Petersburger auswärtige Amt erhielt aus Pe⸗
hag die Slachricht, der Hof fe nach der Mand—
—
Aus Perin g wissd gemeldet: Die Unabhängigkel'
—A—
Die revolutionären Führer erließen eine Proklama—
Rion, worin sie den Mandschu ihre Güter garantie
zen, wenn sie den Schwur der Treue leisten. Viertau
end Mandschus haben diesen Schwur schon geleiflet um
ind freigelassen worden In der gleichen Proklamatior
vird das Tragen von Zöpfenvervboten.“
*Die Times“ meldet aus Schangeh'a iUnter
en enalischen Einwohnern herrscht große
krregung über die im Unterhause gefallene Andeutung,
daß es nötig sein könnte, Truppen zu landen
Schanghai sei mit seinen 700 Mann Polizei und 1000
Iriwlügen volllommen imstande, sich selbst zu ver—
idigen. An manchen Stellen glaube man aber, daf
pie Deutschen, vielleicht auch die Japaner, einen Vor
vand für das Landen von Truppen willkommen heißen
vürden. Es sei kürzlich ein Offizier aus Tsingtau da—
zewesen, um sich nach einem pafsenden Orte fuͤr eine
staserne umzusehen. Die Folgen einer Besetzung könn⸗
höchst ernste sein, während jetzt volllommene Ruhe
errsche.

—XV—

Aus aller Weit.
Eplelhösle. Die Kriminalpolizei hob in einem Ho⸗
ei in Leipzig ein Spielernest aus. Dreißig meist
iuswärtige Gutsbesitzer, Kaufleute und Viehhändler be—
eiligten sich am Spiel. Die Umsätze waren ziemlich
jroß. Ein großer Geldbetrag wurde beschlagnahmt.
Cholera. In einem Dorfe des Bezirks Kamobai
Belgien, sind sieben Erkrankungen an Cholera vorge—
ommen, davon sind drei tödlich verlaufen. Weitere 7
dranke sind der Cholera verdächtig.
Erpdbeben. Dienstag Nachmittag 5 Uhr 24 Minu⸗
en 47 Sekunden registrierten die Instrumente der Warte
n Laibach den Beginn eines katastrophenartigen
Fernbebens. Die Herddistanz beträgt etwa 9000 Kilo—
neter.
Neberfallene Arbeitswillige. Bei Maison⸗Laffitte,
dep. Seine et Oise, überfielen an hundert Ausständige
— Arbeitswillige auf einem Bauplatz der West⸗
auhn. Es lam zu einem heftigen Kampfe, bei dem ein
Arbeiter durch einen Revolverschuß getötet wurde.
Verhafteter Pring. Aus Marseille wird ge—
meldet, daß der dortigen Polizei der Prinz Muhamed
Ali Khan, der als Vertreter seines Oheims, eines in
dischen Radschas, an den englischen Krönungsfeierlich—
leiten teilgenommen hatte, verhaftet wurde, weil er
angeblich einem Pariser Juwelier Schmucksachen im
Werte von 21000 Franks herausgelockt hatte.
— Die Arsenalarbeiter. Das Syndikat der Arfenau⸗
arbeiter von Brest protestiert gegen die Verfügung
des Marineministers, aus den Arsenalen sämtliche tuber⸗
ulosen Arbeiter zu entlassen und verlangen vom Mini—
ter die Aufhebung dieser erugng
Sturmschäden. Der Sturm in Cherbourg hat
beträchtlichen Schaden angerichtet. Ein dreistöckiger
Neubaun ist eingestürzt. Viele Bäume wurden entwur—⸗
jelt, die auech und telephonischen Verbindun
gen sind unterbrochen. Bei Port Bail sind Schiffstrüm⸗
mer angeschwemmi worden. Auch an anderen Stellen
at nzoͤsischen Küfte verursacht der Sturm qgroßen
Zchaden.
Anfgefundene Lebelgewehre. In Bourges
ei Brest wurde auf dem Felde neben dem früheren
Seminar, in dem zur Zeit die Reservisten des 22. In
anterie⸗Regiments untergebracht sind, kürzlich ein ger—
rochenes Lebelgewehr gefunden. Trotz sorgfältiger ün
ersuchung blieb es unaufgeklärt, wie das Gewehr dort
zjin gekommen ist. Jetzt wurde ein zweites Gewehr un
er aͤhnlichen Umständen auf dem Felde aufgefunden.
Der Ohorstt ιν ν ενι dakß Ae

»Beht nicht, Gert! Wuß erst die Lena fi
„Spar' die Müh. Sie ist Saal und ee ei⸗
iem, den ich nicht kenn', so 'nem Hergelaufenen
„Ohol“ weist der Vater zurück, der nun das tanzend
Paar entdedt hat; „die Lena tanzt nicht mit Hergelaufe
nen daß Du's weißt! 'S ist ein netter junger Rann, a
Refs' von Olischlagers. Dokior ist er, oder wirds vald.
79 wo gFye und beißt sich in die Lippen.
as ha ⸗
drauhen sind st denn, Mann?“ fragt Gemstern, als sie
„Henn,“ beginnt dieser, Ihr haltet mich all für so'n
— B ——
„Fillst mir was borgen? Hab nichts nötig, Holländer!“
„So ist's nicht gemeint. Ich mein', wenn ich Geis ba
ann ich ein Weib anschaffen!
„Schaff Dir's ani“ — z
D Und Du sollst dabei helfenl“ J
„Das Weib, mein' ich, die Lenal“ J————
5 macht der Vater. —
Wäar auch für Dich von Vorteil, Henn! Ich kauf' ein
e ien de iährst, besser als mit der „Wiarianne⸗
Der Köder zieht.
‚Bist denn mit der Lena im RNeinen?“
Hab' erst mit Dir reden wollen, daß Du hilsst.“
„Hilfft? Das Weibsvolk läßt sich nicht helfen. Mußt
chon selbst anpacken!“
„Well, Henn. Aber ihr zureden, das kannst doch!“
‚Will die Lena, mir soll's re ht ein; mehr tu' ich
ticht dran!“
Der Freier siest ein, daß er für heute sich damit beschei—
en muß
Er schiebt seinen Arm in den des alien Schiffers unc
zeht mit diesem zu der Gesellschaft, bei der Lena mit ih—
cem Tänzer wieder angelangt ist.
Eben nimmt Franz pflichtgemäß sein Bässchen Mina
sum Tanz, als der Holländer Lena auffordert. Sie kann
ticht gut abschlagen.
Ihr Partner tanzt nicht schlecht, aber die stürmischdrei⸗
ie Art, mit der er sie herumwirft, verletzt und empört sie.
Lena bitet um Pause. Ein tüclischer Blick streist sie;
ie hat ihn nicht bemerẽtt.
Wieder drehen sich die Paare, und wild preß: der Hol—
änder seine Tänzerin an sich, der die Schammeite Mangé
—FIXXVV

Zewehre nunmehr Nachts auf vem Kasernenhofe aufge
stellt und von Wachtposten scharf bewacht werden sollen
Mord. Aus Kamendo'l im Bezirk Belgral
wird gemeldet, daß dort der Führer der Jungradikalen
Zivoin Giorgiewitfch, als er sich bei Verwandten auf
hielt, durch einen Schuß durch das Fenster ermorde
worden. 3
Hotelbraud. In Cardiff brannte in früher Mor⸗
genstunde das vierstöclige Zentral-Hotel teilweise nieder
Ungefähr sechzig, Gäste und ebensoviel, meis
weibliches Hotel⸗Personal konnten sich, nur notdürftig
bekleidet, retten. Sie konnten in einem benachbarten
tel Unterkunft finden.
do ene Der New⸗ Yorl⸗Atlantie⸗Schnell⸗
zug entaleiste in der Nähe von Venaja, Nord-Carolina.
Eine Person wurde getötet, viele verletzt.
Plötzlich erkrankt. Der deutsche Generalkonsul
Franksen erlitt beim Jubiläumsfest des deutschen Ge
angvrereins in New-Y ork einen leichten Schlagan
rall. Sein Auftand aibt zu Besorgnissen keinen Anlaß
—— — t—
Von der Lujftschiffahrt.
*Luftsahrt des Reichskanzlers. Das
Lustschiff „Schwaben“ unternahm am Dieustag von dem
Flugplatz Johannisthal aus eine dreistündige Fahrt
Unter den 18 Passagieren befand sich der Reichskanzlen
von Bethmann⸗Hollweg nebst Gemahlin, welche zun
erstenmal in einem lenkbaren Luftschiff fuhren.
*z)Rotlandung des „M. 1“Als Montag ge—
gen Abend das Lufischiff „M. 1* seine dritte Fahr—
machte, gab der Lufttreuzer Notsignal«
durch Leuchtlugeln ab. Die Mannschaften des Luftschif⸗
ferbataillons eilten zur Hilfe herbei. Der Kreuzer hat
eine Notiandung vornehmen müssen. Das —A
teuer isst zerstöri. Der Ballon hat derartig
Beschädigungen erlitten, daß er abmontiert werdern
nuß. Zur Zeit liegt das Militärluftschiff in einen
Außenfort an der Militärringstraße. Die Ursache de
Unglücks ist auf Versagen des Motors zurückzuführen
—, Zu dem Unfsalle ist noch zu melden, daß die mehr
jachen Versuche, die Motoren in Gang zu bringen, miß
glückten. Es erfolgte dadurch eine unglückliche Land
ung. Das Vuftschiff stieß an Telegraphenstangen, wo
durch ein Propeller zerstört wurde. Der Besatzung ge—
lang es nicht. das Luftschiff in die Halle zu bringen
— —
Knnst und Wissenschaft.
Lautverstärkung im Telephon. Der dänisch.
Banldirektor Petersen in Nykoebing (Insel Falster) hat
vem „Hannoverschen Courier“ zufolge, eine Verbesserun
des Telephons dadurch erreicht, daß er die Sprechtrich
ter erwärmt und so die darin befindliche Luft ver—
dünnt. Die Folge davon ift, daß man auch bei Ge—
prächen auf fehr bedeutende Entfernungen den Laut
mit vedeutender Verstärkung und großer Schärfe ver—⸗
timmt. In der dänischen Versuchsanstalt, die unte
taatlicher Oberaufsicht steht, wurden durch Prof. H. J
bannover von der Polytechnischen Lehranstalt in Ko—
enhagen Versuche angestellt, die sehr gute Ergebniss
zeitigten. Hannover erklärt, daß eine große Verstärt
ung des Lautes eintrete, ganz gleichgültig, ob die Mem
bran ganz genau eingespannt sei. Bei Gesprächen zwi
schen Nvyleebing und Kopenhagen sei der Laut so star
gewesen, daß man die Worie habe hören können, nach
dem man den Apparat auf den Tisch gelegt und sich
davon ein Stück entfernt habe. Die Erfindung ist ir
dielen Ländern, u. a. auch in Deutschland, zum Paten
rnaenteldet.

— —
Deutscher Reichstag.
205. Sitzunga. Berlin, 14. November
Mittag 1 Uhr.
Das Haus ist fast leer.
Auf der Tagesordnung steht zunächst der Gesetzent—
vurf über die Ausgabeskleiner Aktien in
den Schutzgebieten.
Staͤaissekretär v. Kiderlen-Wächter: Die
blehnung dieses Gesetzes durch den Reichstag hat so
achteilig gewirkt und das Ansehen der deutschen In
usirie- Unternehmungen in den Kolonien derart beein
rächt'gi, daß die verbündeten Regierungen das Geset
ibermals vorlegen und um Annahme bitten müssen
Die deutschen Aktien-Gesellschaften mußten sich infolge
ber Ablehnung in englische umwandeln. Die verbünde
en Regierungen bitten dringend um Annahme des Ge
ehzes, damit unsere Kaufleute draußen in den Kolonien
den schweren Wettkampf mit den anderen Staaten auf
tiehmen können. Geifall.)
Ahg Belzer (3Z3tr.) führt die Gründe an, die
vielleicht manchen zum Verlassen seines früheren ableh
tenden Standpunkles bestimmt haben könnten und wi—
derlegt noch mancherlei Bedenken.
Abg. Rösiche (kbons.) lehnt namens eines großen
Teiles seiner Fraktion das Gesetz ab, ein kleiner Teil
timme dafür. Wir dürfen lokaler Verhältnisse weger
nicht unsere bewährten Grundsätze verlassen. Redner be
onl, daß die Bedenken trotz der Ausführungen des
Ztafatssekretärs durchaus bestehen bleiben.

Eme energische Bewegung macht sie frei.
Stumm geht Gert neben ihr; er fühlt, daß er töricht
war, als er sich von der Leidenschaft hinreißen leß. Die
Erlenntnis steigert aber nur seine innere Wut.
Durch einen Nebenauszang, der ihnen zunächst ist, ver—
assen sie den Saal. Ettwa fünzig Meter im Umkreis is'
der Garten menschenlcer
Dem Holländer er eint die Gelegenheit günstig. Mit
mühsam unterdrückter Leidenschaft erklärt er dem Mädchen
seine Absichten: Daß er seßhaft werden wolle, daß er reick
ei, und daß er eine Frau h Len müsse, die ihn in rutziges
Fahrwasser bringe; das Jun gesellsein tauge nicht, das füh—
le er selbst, und sie, Lena, sei grad die richtige, die aus
ihm was retes mache.
Lena hatte erstaunt zugehört; als er aber am Schluß ih
re Hand ergreift, entzieht sie ihm diese mit schlechtverhehl
tem Widecwillen.
„Laßt das, van Moolen! Wir passen nicht zusammen
Und an's Heiraten denk' ich noch nicht.“
„Einmal müßt Ihr doch daran den en. Ich mein', wit
vaßten best zusammen. Und Ihr sollt's wohl überlegen.“
Lena schüttelt mit dem Kopf.
„Es geht nicht, van Moolen. — Rommt mit zu der
indern zurück!“
In den Augen des Abgewiesenen flackert es gefahrdro
hend.
„Nicht eh' Du mir Hoffnung läßt! Ich hab' Dich gern
ind laß Dich keinem andern!“
„Nehmt eine andere!“ will Lena begütigen.
„Dich will ich!“ bricht es leidenschaftlich von den Lip⸗
pen des Erregten; die Raserei übermannt ihn und mit
wilder Gewalt reißt er das Mädchen an sich.
Ein tödlicher Schreck lähmt anfangs Lenas Glieder,
dann weckt sie das Bewußtseln der Gefahr aus der Erstar⸗
tung und mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft stößt sie
den Angreifer von sich.
Wie ein gereizter Tiger setzt dieser zum Sprung an —
da streckt ihn ein wuchtiger Schlag zu Boden: Franz Brink—
mann steht mit zornblitzenden Augen vor ihm.
Langsam erhebt sich der Geschlagene. Erst scheint es,
als ob er sich auf den Eegner stürzen will, doch er besinnt
iich anders, tritt hart an den Mediziner heran und taucht
einen Blick voll tödlichen Hasses in dessen Aucen, daß es
Lena kalt überläuft.
Auch Franz Brinkmann weik daß er nunmehr einer
Todfeind hat.
Aber nicht dieser Gedanke bewegt ihn zumeist, sor
8ndioe SZorge un dag innne Me 8542 ä— 541

Avg. Geg (Soz.): Nie ist ein abgelehntes Gese—
o rasch wieder eingebracht worden. Wir wollen nicht
»aß die kleinen Leute in die Spekulation einbezoge
verden. Nicht Aktien brauchen dee kleinen Leute, son
dern Brot, Fleisch und Schutz gegen die Ausbeutung.
Abg. Dove (Vp.): Der Aktienverdienst gehört mi
zur mirijschaftlichen Betätigung und kommt auch der
Arheitern zugute. Nicht um lokale Rücksichten, sonder
um wirtschaftliche handelt es sich.
Ubg. Arndit (Rchsp.): Meine politischen Freunde
sind für die Vorlage und auch ich habe mich von der
Notwendigkeit des, Gesetzes überzeugt. Es muß aber
eine Form gefunben werden, die die schweren wirt
schaftlichen Bedenken beseitigt. Auf keinen Fall dürfen
wir rütteln an dem Verbot der kleinen Aktien im deut
schen Reiche.
Abg. Ortel (ntl.) spricht namens seiner Freunde
für das Gesetz und erklärt die Besorgnis der Gegne'
vegen Anreizung der Spielwut für unbegründet.
Abg. Rasab (W. Vgg.) bekämpft die kleinen Ak
tien mit großer Schärfe. Werfen wir die Vorlage in
die Kommission auf Nimmerwiedersehen.
Staalssekretär Lisco gibt namens der verbün—
deten Regierungen die Erklärung, daß sie nicht darar
denken, an der inländischen Gesetzgebung zu rütteln.
Abg. Kämpif (Vp.) tritt entschieden für die Vor
lage ein.
Abg. Görcke (nl.): Es handelt sich um die Her
anziehung chinesischen Kapitals und somit um Verbrei
lung deutschen Einflusses in dem modern werdender
China.
Der Gesetzentwurf geht an die Budget-Kommission
Die gestern abgebrochene Besprechung der Eissen
deä nerJInterpellation wird hierauf fortge
e
Abg. Böhle Goz.): Die bürgerlichen Parteier
haben den Bahnarbeitern Koalitionsfreiheit zugesichert
Hoffentlich ist das nicht nur ein Versprechen vor den
Wahlen. Das Vorgehen der Eisenbahn-Verwaltung if
ein unerhörter Eingriff in das Privatleben der Bähn
arbeiter.
Eisenbahn⸗Minister v. Breitenbach: Gewisse
Einschränkungen der Vereins- und Versammlungsfreihei
müssen jedber Staatsbehörde zur Seite stehen. Die Ge—
horsamsverweigerung rechtfertigt die Entlassung.
Abg. Spahn jun. (Ztr) polemisiert lebhaft ge—
gen die Sozialdemokraten und spricht dann über den
elsaß⸗lothringischen Großblock.
Eisenbahn-Minister v. Breitenbach erklärt au
eine Bemerkung des Vorredners, daß die Entlassung
nicht erfolgt sei wegen sozialdemokratischer Agitation
sondern wegen Disziplinvergehen.
Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 1 Uhr. —
Tagesordnung: Schiffahrtsabgaben-Gesetz. Der Antrag
der Sozialdemokraten, die heutige Besprechung morget
sortzusetzen, um auf die Ausführungen des Abgeordne
ten Spahn antworten azu können, wird abgelehnt. —
Schluß 7 Uhr

* e
Aus den Kommissionen.
Die Budget⸗Kommission des Reichstages begann am
Dienstag mit der Beratung der Maroktover—
trätge!, Zumz Berichterstatier wurde Freiherr vonr
Herthing Gtitr.) gewählt. Man einigte fich zunächs
dahin, die KMompetenzfrage zu erörtern. Staais
sekretär Delbruüsck betont in einer längeren Erklär
ung, daß nach Artikel 14, Absatz 1 der Reichsverfasffung
der Kaiser das Reich völkerrechilich vertrete, und daru
liege das Recht, ohne Genehmigung des Reichstages Ko
lonien zu erwerben oder abzutreten. Auf eine Anfrag
erklärte Staatssekretär von Kiderlen-Wächter, daß ein
französisches Gelbbuch über Marokko in
späterer Zeit vielleicht erscheinen werde. Ob die deut
sche Regierung auch ein Weißbuch herausgeben werde,
sei fraglich, da die Verhandlungen meist mündlich ge
führt worden sind. Von den Parteien wurden verschie
dene Anträge gestellt. Weiter wurde ein Telegramn
der Gebrüder Mannesmann an ein Mitglied der Kom
mission bekann gegeben, in dem sie ihrer Befriedigun⸗
liber den Abschluß ihres Abkommens Ausdruck geben
aind die energische und taktvolle Unterstützung des deut
schen Botschasters herbvorheben. Die Debane wurde var
zuf vertaägt.

2
zuneen.
Stkiaze von F. J.
Nachdruck verboten.
Mama hat es aber gut! Sie braucht nur zu tanzer
- nur zu tanzen! Und wir sollen dabei schlafen!“ klang
es aus einem der weißen Bettchen und die Aulwort lief
nicht lange auf sich warten.
„Warte nur Dina, wenn wir erst groß sind, dann ma
chen wir auch nichts anderes als nur tanzen!“ klang est
aus dem anderen Bettchen und nebenan spielte man dei
Donauwalzer und eine angenehme Frauenstimme komman
dierte: „Eins, zwei, drei — Eins, zwoi, drei
Ein Surren und Schlürfen mischte sich unter da
Rommando und als das so eine Weile gedauert hatte
hörte man den Befehl: „Engagieren zur Francaise!“
Die beiden kleinen Mädchen im Alter von sechs unl
acht Rahro var⸗n ntorda s ihren Beiffen ini

jsem Gesicht und verenden Wangen dajteht.
„Armes Kind!“ sagt er fast zär lich. „Ich sah im Saal
die Frechheit des Burschen, und da ich nichts Gutes ahn
e, folgte ich sofort nach dem Tanz Ich kam noch zur rech⸗
ten Zeit.“
Nun erst findet sie Wore des Danbes.
Als sie zu ihrer Gesellschaft zurücktehren, bleiben sie
fast unbemerkt. Vater Olischlager hält gerade einen Vortrag
lüber das Wester und seine Voraussage.
„Mir sagt die Gicht im Bein, was für Wetter es gibt,
brummt der Schifer, worauf ihn ein entrüsteter Blick sei
nes Fre indes Manes verstummen läßt. „Wie kann der Mensch
ein krankes Bein mit einer wetterkundigen Nase vergleichen!“
Und Olischlager erklärt, warum die Nase das geeignet
ste Instrument zur Wetterprophezeiung ist; er vergleicht sie
mit einer Station für drahtlose Telegraphie, welche die elel
trischen Wellen auffängt; ähnlich würden die Luftströmun
zen von der Nase aufgefangen, und es bedürfse nur der Be—
obachtung und Uebung, die Strömungen nach Wesen und
Bedeutung zu unterscheiden. Freund Henn moge einmal
die Probe machen und die Luft langsam einziehen.
Freund Henn lehnt das Experiment ab mit der stich
haltigen Begründung, daß er einen Stockschnupfen habe.
Plötzlich meint Mutter Grittje, daß ein Regentropfer
auf ihre Nasenspitze gefallen sei.
„Unmöglich!“ ruft ihr Mann und murmell etwas vor
Vögeln im Baum.
Aber die harte Tatsache in Form großer fallender Re
gentropfen zwingt ihn zu der Einschränkung: „Es ist nun
ein Schauer!“ Womit er wenigstens sein Lehrgebäude alaub
gerettet zu haben.
Dem allgemeinen Sturm aus dem Garten in den Saal
müssen sie sich notgedrungen anschließen. Dort aber herrsch
bald eine so fürchterliche Enge, daß Mutter Grittje sich wi
m einer Mangel vorkommt. Man beschliekt daber, nag
banse zu gehen.
Als Frau Olischlager nachher mit Mina allein im Zim
mer ist, will sie bezüglich des Besuches auf den Busch klo
pfen; aber Mina schneidet jede Erörterung ab durch di
Erklärung,. daß sie müde sei und schlafen wolle.
Im „blauen Schiffchen“ am Rhein sieht indeß am Fen
ster ihres Stübchens ein Mädchen und schaut sinnend au
den vom Mond erhellten Strom. Ein leichter Wind kräu
elt die Wellen: Auch Lenas Herz, vordem so glatt wi
in Spiegel, ist in Bewegung. Noch ist sie sich nicht klan
varum ihr Blut schneller zum Herzen strömt, wenn sie a
en Tamg und an die Szene im Schünrenanrion vonte —e

denen sic umatt mo wanzten nun regelrecht
weißen Nachtrödhen durch das — — wvn
eine Leine Nachtlampe matt erheilt weg
Dann krochen sie erst ein Weilchen in Mamas Bet
in dem es sich so wunderbar schön ruhte, und dann al⸗
das monotone Geklimper sie muͤde gemacht, kehrten si
wiedg in ihr aigenee Bett zurůck
Es war nahezu elf Uhr und die Kälte draußen schier
zu steigen, denn aͤn den Fenfie e i
Mhnsiden dhngh Fenstern begannen zarte ahdn
„Ein wirres Durcheinander des Abschiednehmens, dan
vpiele sich entfernende Schrilte — endlich war es still. — Di
Tür öffnete sich und eine ziemlich junge Frau im el—
ganten Gesellschaftsanzug von mattgelber Seide trat ein.
Abspannung und Uebermüdung lagen auf dem hüb
schen — noch jungen Gesicht; sie warf zu allererst die klei
nen Tanzschuhe von den Füßen und fuhr in die warmen
bereitstehenden Pantoffeln.
Dann sant sie auf einen Diwan, stöhnte laut auf um
bedeckte das Gesicht mit beiden Händen.
Lange verharrte sie so; unbegchtel standen die Er
frischungen, köstliches Obst, leichter Moset auf ihrem Nachf
tisch. Während der Körper schlaff und ermüdet kaum in
stande war, sich zu regen, tobte in ibrem Herzen wild
Qual.
Einst ja einst war sie dahingeschwebt über das Par
kett, getragen von den Armen des schönsten und stattlich
sten Mannes — sie eine Elfe, zart und leicht, er ein Apoll
schön und stark. Man nannie es das schönste Paar in der
Gesellschaft und ihr einziger Wunsch bestand darin: Tan.
zen, nur tanzen! Mit ihm dahinfliegen nach den zauber
vollen Klängen Wiener Walzer, wie von Wolken getragen
— ruhend an seiner, des Geliebten Brust. Welche Wonne
Und es währte nicht lange, da schloffen sich die Händ
des schönen Paares zum ewigen Bunde.
Mit der kleinen Hand seiner jungen Frau nahm
Gregor Lewinsky willig Besitz von dem Vermögen dersel
ben, die seit langer Zeit Waise war.
Der junge Architekt begann zu bauen — nun war er
ihm ja möglich die Luftschlösser feiner Phantasie in wirk
liche zu gestalten — er baute und baute — ohne Erwägung
und ohne Berechnung — den ganzen langen Sommer hin
durch und im Winter — tanzten sie.
Einige Jahre sonnigen Glüdes waren im Fluge ent
flohen — niemand dachte daran, daß dies Glüd sobald ir
Trümmer gehen sollte.
Eines Tages wurde der junge Baumeister unter einen
zufammenstürzenden, schlechtgefüaten Kuppel eines Pracht
baues begraben.
Sinnlos vor Schmerz über den Zusammenbruch ihreẽ
Blückes war Wanda Lewinsky unfähig, ihre Lage zr
überdenken. Nur ihre zwei kleinen Mädchen waren im—
stande, sie aus ihrer Versunkenheit empor zu reißen. Au—
ßeedem drängte sich Gläubiger um Gläubiger über ihre
Schwelle, um ihr in wenig schonender Weise verständlid
zu machen, daß sie nahezu eine Bettlerin war.“
Was nun tun? Welche Arbeit hatte sie gelernt, die
sie vor Not und Entbehruug schüßte — sie micht von ihre
Kindern trennte.
Keine! Nur eines konnte sie: Tanzen — nur tanzen
In ihrer Verzweiflung ergriff sie diese einzige —
keit und suchte sich dieselbe nuͤtzbar zu machen. Mit den
Trümmern ihres Vermögens errichtete sie ein Tanzinstitu
für feinste Kreise. Sie war eine elegante Frau von fein
sten Manieren und bald drängte sich die Jugend der gro
ßen Stadt in ihre Zirkel. —
Was sie selbst einst mit Freude getan und was ihln
jetzt zur Qual wurde, das lehrte sie allabendlich den jun
gen, hoffnungsfreudigen Menschenkindern, die sib bewun
dernd um sie scharten.
Wer von ihnen dachte daran, daß die noch so reiz
volle stets freundlich lächelnde, auch bei den größten Un
geschicklichkeiten immer geduldige und liebenswürdige Frau
sich nicht glücklich fühlen könnte? Daß diefe Tätigkeit eine
aufreibende nervenzerstörende sein sönnte. — Sie tanzte io
nur. —
Es brachte ihr soviel, daß sie den gewohnten Luxrus
nicht vermissen durfte — und doch —, ach — nur um Eu⸗
retwillen“ flüsterte sie täglich, wenn sie nach ihrem Abent
tverl die schlafenden Kinder küßte.
„Gott behüte Euch vor diesem glänzenden Elend —
nie sollt ihr gezwungen sein, das Vergnügen zur Arbeit
zu machen,“ so sagte sie auch heute, als sie sich endlich er
hob und sich über die kleinen Schläferinnen beugle.
Diefen aber war die Tanzlust in Fleisch und Blut
bergegangen. Wanda Lewinsky merkte dies bei Zeiten
und sie beschloß, sich von den heranwachfenden Maͤdchen
zu trennen und sie in ein strenges Institut zu geben.
Nun war es aber erst recht trostlos. Sie hlelt es nlcht
allzu lange aus und mußte ihren ren e wiederha⸗
ben. — Das erste, was die Kinder ihrer tter zeigten
war — ihre Tanzkunsi.
„Nama — jetzt kannst Du Dich ausruhen — wir wol⸗
len das schon übernehmen nur die Kommandos mußt Du
uns lehren!“ rief Dina und schwebte vor der sprachlosen
Mutter auf und nieder wie ein Schmeiterling. Mit strah⸗
lender Genugtuung schloß Rdechen an und Frau Wando
Lewinsty hatte nur zu se und zu staunen
Ja — es war ihnen in * und Blut übergegan
g73 ⸗sie tanzten mit einer Hingebung, einer Grazie unm
nmut, die jeden Zuschauer entaücken mußkt⸗

— ⸗ —
i n'cht die Angst wegen der Gefahr, in weicher sie schweb
e, eine andere Regung ist's, die ihr Herz klopfen macht.
Spät geht sie zur Ruhe. und halb im Schlaf llinger
hr noch die leisen weichen Worte nach Nremes Sinds⸗

Der Fremde, der nach Wesel kommt, steht überrasch
till, wenn er den Bahnhof verlassend nach einigen Schrit
en am Kaiserplatz anlangt. Sein Blick fällt auf eine rei
ende Anlage: Eine Fontäne wirft ihren Sprudel in der
Sonnenschein, daß aus den tausend Tröpfchen sprühend.
Boldtugeln werden, die einen Augenblick aufblißzen um
zann über moosbewachsenes Gestein hinabrollen in da—
zreite Bassin, in dem die Goldfische sie schlucken. Ziersträu
ha in allen Farben halten ihre großen Blumensträuße
Anhende Beete streuen bunte Farben in den grünen Erund
on des Grasteppichs, und hochgewachsene Rotdornbäum
hen stehen mit rotem Kopf hart an der Straße. Im Hin
eengrund umsäumen brete Kastanien das Bild; dunkle Schat
en wirft ihr breites Blätterdach. Dahinter aber ragen die
kiesen des Glacis, die Bäunme des ehemaligen Festungs
rürtels, Wesels schönste Promenade.
Sie winken mit ihren Wipfeln und schwer ist es, ih
em Locken zu widerstehen. So denlt auch das junge Paar
das vom Kaiserring in den Baumhain abbiegt.
Blitz und blank, wie geputzt zum Sommerfest, glän
zen die durch den Regen der letzten Tage gewaschenen Wan
delwege. Frau Sonne sindet kaum einen schmalen Weg durchk
die Baumwipfel, sie streut oben durch die Kronen ihr Gold
zaar, von dem hier und da ein Flimmern auf den Raser
zällt. Hier schweigt der Lärm des Alltags; wie matten
We lenschlag am Scrand verliert er sich am Wallrand. Nui
die Säge einer nahen Fabrik schrillt ab und zu in den stil
en Waldfrieden. Aber sie wird übertönt von den gefie
derten Sängern, die oben in den Bäumen Freikonzert ge
»en. Die Amsel rsift, daß es weithin schallt; und von ei
nen Pfahl lockt es aus sehnender ehle“ Miet wmie wi—
hab ich Dich lieb! ....
Dasselbe den en, denn über die Lippen bringen sie e
nicht, die zwei, die dort nebeneinander wandeln. cna leuch
let der Tag noch heller und schöner, als den übrigen Men
saen, und aus Franz Augen spricht stilles Glück. Sie bve
dürfen nicht der Worte, um ihrer Herzensübereinstimmung
zewiß zu sein. Als er ihr vorhin begegnete, hat er sein
Begleitung angeboren, um ihr vor seinem Scheiden von We
el — er hat seinen Aufenthalt schon üher iehübr men
*4in —⏑ 2 5—
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.