2* F * F D * —— 4 — —— S J —— * J 8 9 g
E — s 2 s —2 F — 2* D 5 K 2 — —2 ——— 3 —— J * 8 —
2 2 90 ee 7*
Amtliches Publikationsorgan für den Mit zwei Beil agen:
—X 0 *
40
Bürgermeisterei⸗Bezirk Dudweiler. Sonntagsblatt und Heitere Blätter.
* A. 2 3J 2 3 3 3 3 3547. * 2 242
fernspr.⸗Ar chlee Zoarbrücken Nr. 69, 259, 269, 1261. Drucku. Verlag: J. Unterleller, Dudweiler Verantwortlich für die Schriftleitung Arthur Unterkeller, für den Anzeigenie:l Karl Unterkeller
—— —— — — — 2
jeder Abonnent ist mi . gegen Tod durch Unfal dei der Rürnderger Lebensversicherungsbant in Nurnderg versichert. Jeder Unfall ist binnen einer Woche nach Eintritt der —E,,,,,—
hehandlung begeben Todesfalle můssen sofort spãtestens aber innerhalb 48 Stunden nach dem Eintritt zur Anmeldung gebrachtwerden. Aber die Voraussetzung der Versicherung geben die enereshermget eeegui 3 ee oenne e e r
— — —— — —— 2* — 4 —B
Nr. 272. ZZMusoabe ohne Abonnenten⸗-Versicherung Mittwoch. den 15. November 1911. 24. Jahrgang
— VWAYäBEEE A
uver die Steuungnerne des veichssstanzlers zu dem
Verfassungs⸗Abänderungsantrag des Freiherrn v. Hert⸗
ling, der für künftige Fälle die Genehmigung
»es Reichstages für die Veränderung der
ßrenzen unserer Schutzgebiete vorsieht,
ind ließ sich von dem Abg. Erzberger über die Art,
vie sich das Zentrum die weitere Behandlung des An
rages denkt, unterrichten. Im Anschluß an diese Mit—
eilungen gan der Staatssekretär Herrn Erzberger ver
chiedene Aufschlüsse über schwebende Fragen, die sich
uf die auswärtige Politik beziehen. Die Unterredung
var streng vertraulicher Natur; sie läßt es aber nich
inmöglich erscheinen, daß die Regierung zu einem ge—
vissen Entgegenkommen gegenüber dem Antrage de—s
Freiherrn von Hertling bereit ist. Am wahrscheinlichster
st es, daß die Regierung dem Reichstag bei kolonia⸗
lem Landerwerb dieselben Rechte einzuraͤumen bereit
st, wie bei den Handelsverträgen.
Dem „Neuen Wiener Journal“ wird aus Berlin
erichtet, daß in dortigen ersten politischen Kreisen von
einer nicht unbedenklichen Verr st i m mun g zwischen
England-⸗-Deutschland und Jtalen ge—
sprochen wird und zwar, weil Deutschland und Oester⸗
reich mit der geplanten italienischen Flottenaltion im
igäischen Meere nicht einverstanden sein sollen.
*ᷣ Graf von Posadowsky, welcher bereits fü
den Reichslagswahlkreis Bieleseld als Kandidat aufge
tellt ist, wird nun eine zweite Kandidatur annehmen
die bürgerlichen Parteien des Wahlkreises Bitter
jeld haben dem Grafen diesen Wahllreis angetragen.
* Montag abend hat unter dem Vorsitz des Prinz
Regenten eine außerordentliche Sitzung des bac
rischen Staatsrates stattgefunden, ein unge
wöhnlicher Vorgang, der mit der bevorstehenden Ent
scheidung in der Frage des parlamentarischen Konssitte
zu motivieren ist
s Zu Beginn der Dienstag-Sitzung der bayer!t⸗
schen Abgeordnetenkammer verlas Staatsninister
von Brettreich eine allerhöchste Botschaft, wo⸗
iach der gegenwärtige Landtag aufge—
össt w ird. Sowohl die Rechte wie auch die Linke
iahmen die Botschaft mit stürmischem Bravo entgegen.
Präsident v. Orterer schloß darauf die Sitzung, die noch
keine fünf Minuten gedauert hatte, mit einem Hoch auj
en Regenten, in das die anwesenden Sozialdemokra—
en mit einstimmten. Das Königreich Bayern ist damit
n die schwierige Lage versetzt, zwei Wahlen, Reichs—
ags⸗ und Landtagswahl, ziemlich gleichzeitig vollzie—
sen zu müssen.
Rußland.
* Wie verlautet, sollen im nächsten Jahre alle rus—
sischen, nach der österreichischen und deutschen Grenze
ührenden Bahnen verstaatlicht werden
Fraukreich.
* Mehrere Mitglieder der Kommission für die aus—
väörtigen Angelegenheiten übten an der diplomatischen
Geschichte des de utschfranzösischen Ab⸗
ommens, sowie an diesem Abkommen selbst scharfe
dritik. Es sei bedauerlich, so wurde u. a. ausge—
ührt, daß die französische Diplomatie sich um das
Zchicksal der Eingeborenen in den abgetretenen Bezir—
len nicht eifriger gekümmert habe. Mit Interesse wur—
»en die Ausführungen des katholischen Bischofs der
dongo⸗-Kolonie angehört. Der Präsident Deschanel er—
uchte die Kommission, über alles vergangene den
Zchleier der Vergessenheit zu breiten und sich mit dem
tächsten was not tue, nämlich mit den schwebenden
ranzösisch-spanischen Verhandlungen zu befafsen. Die
Jommission müsse darauf bestehern, daß ihr alle Geheim—
aikte über Deutschlands Recht, nunmehr Spanisch-Guinea
äuflich zu erwerben, vorgelegt werden. Man sagt, daß der
Ninister des Aeußern die bestimmte Erklärung abge—
ben werde, daß Frankreich bei seinen Verhandlungen
mit Spanien darauf bestehen wolle, zwischen Tanger
und Fez den spanischen Ginfluk fern u balten
5 3 *
Nußland im Welttheater.
Während sich Rußland in dem Krieg zwischer
talbien und der Türkei bisher ganz zurückhält
cheint es an anderen Punkten der Welt eine lebhafter«Ä
üjtivität entfalten zu wollen. Wenn es richtig ist, daß
on Wladiwostot Truppensendungen nach Peking unter
vegs sind, so deutet dies zweifellos auf die Absicht,
ie Veschwerden, die Rußland schon im letzten Früh—
ahr gegen China vorbrachte, jetzt unter Benutzung der
aneren Unruhen zu einem für seine Interessen erfolg
eichen Austrag zu bringen. Noch mehr aber triitt sein
Lerhältnis zu dem persischen Nachbar in den Vorder—
rund. Aus Anlaß von Händeln, die persische Gen
zatmen mit russischen Konsulatsbeamten gehabt haben
jat Rußland ein Ultimatum an Persien ge
lellt, worin mit gewaltsamen Schritten gedroht wird
Jenn die persische Regierung nicht das Vorgehen ihrer
Zeamten „sühnt“. Wer eigentlich im Recht ist, läßt sich
hwer sagen. Die persische Regierung hat das Haus
zes im Kampf gegen ihre Truppen gefallenen Rebellen
Schoa es Saltaneh. eines Bruders Mohammed Alis
onfiszieren lassen. Eine russische Bank aber hatte die—
em Geld geliehen und behauptete Rechte an dessen
haus zu haben. Die persische Regierung hat sich an—
cheinend nicht darum gekümmert, und die Vertreter
dußlands hatten sich nach anfänglichem Protest aus
em zu konfiszierenden Hause, ohne daß es zu einem
Zusammenstoß kam, zurückgezogen. Nachher sforderte
Rußland die Zurückziehung der persischen Gendarmerie«
don dem Hause und für die angebliche Beleidigung der
zussischen Konsularbeamten — die persischen Gendarmer.
ollen sie durch Zielen mit ihren Gewehren erschreck
haben — eine Entschuldigung. Die pexsische Regierung
antwortete hieraus mit der Forderung der Abberufung
er Konsnlarbeamten, was Rußland in der Form-ab—
ehnte, daß der russische Gesandie die persischen Noter
urückgab und nochmals Genugtuung forderte. Die per
ische Regierung lehnte die Forderung Rußlands ab.
rklärte sich aber zur Untersuchung des Falles in einer
zemeinsamen Kommisston bereit. Daraufhin ist nun das
ufsische Ultimatum erfolgt, in dem Rußland sich die
zeeigneten Schritter zur Wahrung der russischen Inte
essen vorbehält. Welches diese Schritte sein werden
agt es nicht, aber es ist wohl klar, daß russische Trup
»en bereit stehen, um in Persien einzurücken. Wie die
dinge liegen, wird Persien, mag es im Recht oder Un—
echt sein, hichts anderes tun können, als nachgeben
henn anj Hilfe von England oder von irgend welcher
nderen Maͤcht rechnet es vergeblich, und die Möglich
it. Rußland zu trotzen, besteht nicht. Wenn also Pet
en den Schein von Souveränität, den man ihm noch
elassen hat, retten will, so bleibt ihm garnichts übrig,
ls die russische Forderung zähneknirschend anzunehmen
Aus Italien.
JItalien hat die Mächte von seiner Absicht, den
driegsschauphlatz zu erweitern und auf die
düssten des Aegäischen Meeres auszudehnen,
interrichtet. Die Behauptung Turiner und Mailänder
Blätter, daß Deutschland und Oesterreich gegen die ge—
olaute Flottenaktion Italiens Einspruch erhoben häit—
en, ist unbegründet. Von Deutschland ist das jeden«
sallz bis jetzt nicht geschehen, und wenn Oesterreich
freundschaftliche Vorstellungen erhoben haben sollte, so
beziehen sich diese wohl nur gegen eine Aktion, die die
Ruhe auf dem Balkan stören könnte. Ob aber nicht
andere Mächte weitergehende Vorftellungen erboben
haben. ist eine andere Frage
— — ig
Zur Revolution in China.
Nachdem nunmehr alle bedeutenden Städte des sübd—
lichen und mittleren China in die Hände der Rebellen
gefallen sind, greift die Bewegung immer mehr nach
Norden über. So wurde das Gebäude des General—
gouverneurs von Tiensin niedergebrankt. Die Stadt if
Vom Kriegsschauplatz.
Die „Agenzia Stefani“ meldet: Am Montag wurd
in den ersten Morgenstunden die südliche Front der
italienischen Stellungen zwischen der Ka
valleriekaserne und dem Bumelianabrunnen ange
nriffen. Der Angriff wurde von einem Bataillor
regulärer Truppen. das von Ariillerie unterstützt wor
den ist, unternommen, kam jedoch 600 Meter von der
talienischen Stellungen entfernt, infolge des italienischen
Artillerieseners, zum Stehen. Die Türken verlorer
fünf Tote, darunter einen Offizier, und nahmen zahl
reiche Verwundeie mit sich. Am Nachmittage wurde ei⸗
neuer ähnlicher Angriff gemacht, der ebenfall
von italienischen Truppen zurüchgewiesen wurd«
Die italienische Presse zeichnet die Lage in Tripe
lis jetzt mit geringerem Optimismus. Die „Tribung
neldet, daß die Türken über die unesische Grenz
Verstärkungen, Munition und Proviant erhielten; auc
der Nachfolger Fethy Beys sei über Tunesien im türki
schen Lager eingetrossen. Die Stimmung der Türker
sei infolgedbessen gehoben. Der „Corriere della Sera—
berichtet, daß auch in der Stadt Tripolis der Aujfj—
tand wieder sein Haupt erhebe. Die am 26. Oktobe
eingedrungenen Feinde verschwänden in der Menge, er
hielten aber vom türkischen Lager Nachrichten durc
Leuchtsignale. Auf die italienischen Soldaten werde wie
der aus dem Hinterhalt geschossen; der Divisionskom
nandeur de Chanrand sei nur durch ein Wunder einen
olchen Attentat entgangen. Notwendig sei also ein
ibermalige Säuberung der Operationsbasis, ehe der ge
plante Vorstoß erfolge.
In Konstantinopel verlautet, daß es den Ita
hienern durch ein Umgehungs⸗Manöver gelungen
sei, den trürkischen Truppen in Tripolis ein
empfindliche Schlappe beizubringen.
Nach amtlichen Nachrichten dauern die Kämpf«
pon Tripolis in den Positionen vor Henni und
Nedschab fort. Die mächitigsten italiensschen Pan
zer untersiützen die Operationen. Die Italiener ver
suchten, bei Schatelarab die türkischen Linien zu nmer
flügeln, wurden aber von den arabischen Freiwetger
des Dschebel Zarb unter Verlust von 100 Toten und
z00 Rausergewehren zurülgewonnern
Aus der Tuͤrkei.
Vie turkische Presse bespricht die Möglichteit der
a4ausdehnung der Feindseligkeiten Ita.
iens auf den Archipel oder die türkischen Kuüsten und
neint, die Besetzung der Archipelinseln wäre lein Preß
jonsmittel, da die Türkei dort nichts zu verlieren hätt
ind von der Fortsetzung des Krieges nur Nortei'
in den Händen der Revolutionäre, zu denen die Trup
pen übergegangen sind. Die Lage der Regierung in Pe—
kiug wird als hoffnungslos bezeichnet. Proklamationen
künden die Besetzung Pekings durch di«
Revoelutiomaäre am 13. November an. Die Ne—
r * —— . *
bellen haben alle Maßnahmen z5. Gesangennahme bes
Regenten getroeffen, wenn er nach Norden fliehen sollte
In Mulden ist Fürst Kuguschew, der Direktor der rusß
sisch-asiatischen Bank, eingetroffen. Er stellt in Abrede,
dak Anleiheverheandsungen mit dem VwWizeksnia der
— —— — —
Politische Nundschau.
Deutsches Reich
—Lord Londsdale, der bekannte Jugendsreund
aiser Wilhelms sandte der „Evening Times“
nf eine Anfrage wegen der angeblichen anuͤenglischen
haltung des deutschen Kronprinzen im
steichsstage folgende telegraphische Aniwort. Nach dem
vas ich von seiner kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen
u wissen die Ehre habe, glaube ich keinen Augenblick,
aß eine antienglische Kundgebung sein Zweck gewesen
ein kann, denn es gibt niemanden, der England in
llem, was England angeht, außerhalb seines eigenen
tationalen Interesses freundlicher gesinnt wäre, als der
euische Kroͤnprinz. Hierüber hinaus ist es schwierig,
ine Meinung auszudrücken, da ich sie mir nur nach
deni, was ich in den Zeitungen gelesen habe, bilden
ann. Doch bin ich uͤberzeugt, daß irgendwo ein Miß—
verständnis vorliegen muß, und daß die Haltung des
kronprinzen nicht antienglisch gewefen sein kann.
* Im Verlaufe der Reichstagssitzung ließ Staatssekre—
rvon Kiderlen-Wächter den Abgeordneten
rzberger um, eine Unterredung bitten, die nahe—
u eine Stunde dauerte. Der Staatssekretär machte dem
— ——— — —————
* ch
Der deutsche und der englische Abdunilrat
besuchten Ranking und empfahlen den Konfsuln,
fich mit dem ne aneee vi a u 3 *
i ie iffe nicht imstande seien, sie zu
de die gricogschi i7 8 —7 * siud in
— — — e
den Saal und zur Stange; viele Peanner sind dort, abder
er, den sie sucht, nicht. Wie der Sturmwind fegt sie wei⸗
ter zum „goldenen Knopf“. In der Nähe schon hoͤrt sie Ma⸗
nes Tenor fröhlig schmettern: „Was fsrag ich hier nach
Weib und Kind ...“ Wahrhaftig, da steht der Sünder unmt
trinkt mit Behagen das wer weiß wievielte Glas; Grittje
hat die Anzahl ja nicht, wie sonst, zählen können. Bo
fällt schwer auf seine Schulter eine Haud und wie einu
Stimme aus dem Grabe tönt es ihm ans Ohr: „Manes!“
.. In dem einen Wort lag eine Welt voll Vorwurf,
Anklage, Entrüstung und Befehl: Geknickt halt er an Grit
jes Arm ein und wird fortgeschleppt.
Unter den Linden und Kaftanien ist es etwas leerer ge—
worden; der Hauptstrom der Festteilnehmer ist in den Saal
geflossen. Cedämpft klingt die Tanzmusik herüber in den
Garten. Ein leiser Wind läßt die Blätter der Bäume er—⸗
zitlern, und neugierig leigt durch die Wipfel der Mond.
Durch Frau Olischlagers raschen Fortgang sind Lena
und Franz allein zurückheblieben. Stumm lauschen sie der
fernen Tanzweise. Einem plötzlichen Gedanken folgend, bit
tet Franz seine Nachbarin um einen Tanz.
Das Gewühl der Tanzlustigen umfängt' sie, leicht flie
gen sie im Walzer dahin, und mancher Zuschauerblick be
zeichnet die beiden als ein schönes Paar.
Der junge Mann, sonst kein allzugroßer Freund die
ses Vergnügens, fühlt eine steigende Freude an diesem Tan
und ein Blick auf das Gesichtchen seiner Tänzerin sagt ihm
daß bei ihr dieselben Gefuͤhle herrschen.
An einer Säule steht ein Mann und verfolgt das tan
zende Paar mit seinen Blicken: Gert van Moolen, der Hop
länder.
Eine Flamme zuckt in den Augen und die Narbe au
der Stirne wird rot. Düsterer Zorn und spöttisches Grin
sen wechseln im Gesichtsausdruck.
„Seht da die Lenal“ knirschte er; „tut sonst so spröd«
und jetzt, wie sie lacht und sich anschmiegit! Und der Mensd
wie der sie anschaut! Den Hals brech' ich Dir, Jungel“
Verhaltene Wut verzetrt seine Züge.
„Schaust ja, als ob Du einen verschlingen tätst, Gertl“
schlägt eine Stimme an sein Ohr: es ist Lenas Vater, der
neben ihr steht.
Der Hollander spricht einige unverständliche Worte. Nach
lurzem Ueberlegen sagt er dann:
„Kommst mir recht, Henn Hemskerk. Wollt' Dich was
wichtiges fragen!“
„Schützenfest und Wichtiges!“ lacht dieser.
Komm nach draukent“ dränat der Souänder bie⸗
2. — 83
Ueber Wasser.
Roman vnn J. Ingendaay.
Nachdruck verboten.
»Er wieiß was er wiuie hat der Pliarrer von ihm ge
gt, und andere wußten aus persönlicher Erfahrung, daf
iit ihm in bestimmten Fällen nicht gut Kirschen essen war.
Heute wird der Ausdriick gemildert durch die allgemei—
e freudige Stimmung seiner Umgebung, der auch er sich
iicht entziehen kann und will.
Als die Damen ins Zimmer treten, kommt Mutter Oli—
hlager um die ganze Wirkung, die sie mit der herausge⸗
utzten Mina erzielen will, denn ihr undiplomatischer Ma—
es springt gleich auf und kommandiert; „Auf zum Gro'“
en Marti! Kinder es ist die höchste Zeit!“
„Bumtara, bumtara. tönt es vom nahen Marlkt her—⸗
der. Als die Familie Olischlager mit ihrem Besuch dori
nlangt, sleht schon das Schu benbataillon un Abmarsch
ert g. Die Schuͤßen im gruͤuen Rock, den Hut keck auf'⸗
hr geschoben und das sträußchengeschmückte Gewehr au
et Schulter, dahinter die Reiter zu Pferde in Frack und
unter Feder. Eine tausendköpfige Menge umlagert sie
eber das Ganze liegt der helle Glanz der Sommersonne.
Der Major sprengt an die Spihe, Kommandoworte.
id mit klingendem Spiel zieht das ganze Bataillon durch
Straßen zum Berliner Toe hinaus zum Schützenhaus.
9Hierher!“ ruft im Gedränge Vater Olischlager und
eisft Grittee in den Arm, daß sie kreischt. Sie schließen
n dem Sirom an, der sich hinter dem Zuge ergießt wi⸗
zessen Kielwasser segelnd.
Das Schützenhaus mii seinen Parkanlagen ist ein denk⸗
tdiges Fledchen Erde einen Büchsenschuß entfernt grüßt
f freier Wiese das schlichte Dentmal der elf Silische
iziere herüber, die dort den Boden mit ihrem Blut—
ancten, als Opfer der Gewaltherrschaft des Korsen. Au
em Boden des Schützen hauses haben sich die sonst polit sch
nd lonfessionell getrenmen Bürger Wesels zusammengefun
en zur gemeinsamen Pflege de Valtersandsliohe die soine
e Satzung isi.
„Natur und Kunst haben das Fleckchen Erde zu einem
oyll gemacht. Den Einnelenden empfangen Blumengrüße
fWwuͤndervollen Zierbeeten, in einem Blumenhain versied.
gt der Schießplatz, und mächtige Kastanien und Linden
denen nachts die Nachtigallen schlagen, breiten ein Rie
dach aus über die unter ihnen aufgeschlagenen, gesonder
Standquartiere der vier Kompagnien und des Reiter zu
ein malerisches Bild, dessen stärkster Zauber die inne
ende heitere, niederrheinische Gemütlichteit ist
RNe Famille Olischlager niedergelahhen. Die sorçsame Wiut—
er plaziert den Gast des Hauses neben Mina— natürlich
anz ohne besondere Absicht. Ihr Mann aber, nicht so be
vandert in diese Art Strategie, rist in die mütterlichen
Retze, indem er an Franz die Frage richtet:
„Was sagst Du von unserer Mina?“
„Sie ist groß geworden,“ ist die unverfängliche An wor:
es ist sfreilich auch lange her, seit ich sie zuletzt sah.“
„Sie war in Pension,“ betont die Mutter, „zwei Jah
re hat sie Bildung gelernt.“
Freundlich sellt der junge Mann einige Fragen nach
der Pensionszeit, die dem Mädchen Wasser auf die Mühle
ind.
„Mit mir war von Wesel noch Lena Hemstkert dort,
ichließt fie endlich den Redeschwall.
In dem Augenblick erhebt Vater Olischlager seinen Spa
zierstock und winkt jemanden: „Da ist Hemstert mit Lena
— Hierher!“
Nach der Begrüßung bezw. Vorstellung lassen sich die
deiden Ankömmlinge an dem Tische nieder. Lena setzt sich
u den beiden jungen Leuten.
„Zwischen zwei Feuern,“ neckt Vater Clischlager, wo
auf Mina unverzüglich die Wimpern senkt und sich erfolg⸗
os bemüht, rot zu werden, während Lena, in der Unter—⸗
haltung mit Mutter Olischlager, die Maorte nicht vehör zu
daben scheint.
„Sie wohnen in der Rheinvorstadt, direkt am Rhein,
wie ich höre,“ wendet sich im Laufe des Gesprächs Franz
imn des Schiffers Tochter; „es ist ein schönes Wohnen, so
en Vater Rhein immer vor Augen. Wahrend meines Bon—
jer Studiums hatte ich auch eine Wohnung mit dem Blid⸗
uf den Strom; es war nur ein Zimmer im driuen Stock
er menschenleeren Rosenstraße, aber ich hätte nicht mit der
chönsten Wohnung inmitten der Stadt getauscht.“
Lena stimmt zu: Auch ich möchte den Rhein nicht ent
ehren; freilich bin ich noch ein besonderes Rheinkind; ich
sabe auf ihm das Licht der Welt erblick.⸗
„In Bonn ist der Rhein aber viel schöner als hier,“
pirft Mina ein, um Franz eiwas angenehmes zu sagen.
„Ich meine,“ erwiderte dieser, „die Hauptsache‘ isi der
sthein; gewiß bietet eine schöne Umgebung einen besonde
en Reiz, aber nehmen wir aus ihr den Rhein fort, so hat
ie ihre Hauptschönheit verloren“
„Ich war noch nicht am Mittel- und Oberrhein,“ sag
sena einfach, ‚ann also nicht mitreden. Ich weiß nur, das
h den Rhein seiner selbst wegen liebe. Auch abends, wen
»und die Landschaft im Dunkel liegen, freue ich mich se
ex Nähe: ich höär soin 5537.
langt, ich sehe die Lichter der Shire, bie mir meiner Kind—
heit Tage erhellten, und ich atme seine reine, frische Luft
die mir die Brust weitet.“
Sie hat mit Wärme gesprochen, ein träumeriiches Sin—⸗
nen tritt in ihre schönen Augen:
„Und ist unser Niederrhein landschaftlich ohne Reiz?
Wenn der Kahn zwischen den flachen Ufern gleitet, grüßen
keine Burgen von Bergeshöhen, aber rechts und links tau
chen aus den fruchtbaren Gefilden die Kirchtümer stiller
friedlicher Dörser, in XRanten ragt der wundervolle Si. Vik
tor⸗ Dom, Rees liegt wie von einem romantischen Zaube!
umflossen da, träumerisch stehen die Weidenbäume auf Wie
sen und Wegen, Gesundheit strotzendes Vieh grast auf Damum
und Deich, und die Menschen, gesund an Leib und Seele
tun ihr hartes Tagewerk gelassen und sind mit ihrem Lo—
se zusrieden.“
Als Lena geschlossen hatte, sieht sie die Augen ihres
Gegenüber mit unverhohlenem Interesse auf ihr ruhn, ein⸗—
leichte Röte steigt in ihre Wangen.
Olischlager hat nach seiner Meinung schon viel zu lan
ge gesessen, und so raunt er seinem Freunde Hemstkerk ein
Wort ins Ohr.
„Mut er. wir müssen mal zu unserer alten Kompaanie!
Frau Grittie nickt gnädig die Entlassung.
Die Dämmerung ist herabgesunken. An allen Bäumer
werden die Gasflammen und Lampions entzündet, die Fron
des Schützenhauses erflammt in unzähligen bunten Lämp
chen und drinnen im Saal drehen üich die ersten Waore ip
Tanz.
Mittlerweile sind Hemstert und Olischlager zur „Stan
ge“ und darauf zum „goldenen Knopf“ gegangen. Die „Stan
ge“ ist nur eine gewöhnliche Eisenstange im Schützensaal in
der linsen Ecke, aber dahinter ist ein KArahnen, aus dem
frisch vom Faß das braune, schäumende Naß viele durstig
Kehlen labt; um die Stange berrscht immer Belagerungs
zustand.
Der „goldene Knopf“ ist ein ähnliches Institut, nur daß
er, für besonders große Schwärmer der Hopfenzucht pro—
fanen Blicken entzogen, in der dunkelsten Ecke des Gartens
hinter Strauchwert verborgen liezt: einzig erhellt durch den
im Gasflämmchenlicht leuchtenden goldbronzierten Knovi aben
vor dem Ausschank.
Frau Grittje hat schon lange Ausschau nach ihrem Ma
nes gehalten, der über Gebühr ausbleibt. Endlich geht ih
Zie Geduld aus, sie nimmt Minas Arm und begibt sich au
ie Sude. In der Kompagnie' — nicht zu finden! Ap
zchießstand — nichts zu sehen! Im Garten keine Spur! D.
6 iα ι ——ͤ—