Full text : Dudweiler Zeitung

str. 297. Mittwoch, den 28. Dezember 1318.
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kückblick der preußischen Volkszählung.
Welche ungeheuren Vorarbeiten, welche Unsummen ve—
rucklen und beschriebenen Papiers dazu gehören, um e ne
olkszählung zustande zu bringen, davon vermag der Un⸗
ingeweihte sich in den meisten Fällen kaum eine Vorstell⸗
mg zu machen. Bereits zu den vorbereitenden Arbeiten
ehören unzählige Formulare und am Tage der Zaͤhlung
elbst werden trotz der vereinfachten Familienkarten Hun—
zerte von Millionen der verschiedenartigsten Formulare
verwendet. In einigen süddeutschen Staaten ist man im
znteresse schnellerer Abwicke ung und Vereinfachung des
zjählungsgeschäftes bereits dazu übergegangen, eigenartg
onstruierte Maschinen zu benuzen. In origineller graphi—
cher Darstellung gibt nun unser beistehercd abgedruckteẽ
Ableau Auftchlus über einige Lahlen aus den Arbeiter

23. Jahrgan
Postschließfach Nr. 14.

Minisierpraäs vent von Bethmann-Hollweg in der Ausicht
oaß diese Angetegenheit bis zum Vollzug der al gemei—
nen Neuwahlen zum Reichstag ruhen muß
kxrst dann wäre es, je nach dem Aussal dieser Wahlcn
möglich, daß die maßgedenden Parteien in be den Heu
sern des Landtages hre Ste lung zu dieser Frage revi
zieren wäirden, und daß eine neue Wahlrechtsvorlage eil
zesseres Schicksai haben würde als die vorzährige. Jetz
würde sie lediglich einen weiteren Zankapsel abgeben ent
das Ergebnis ebenso negativ sein wie vor einem Tahr.
Das aber möchte der Minisiterpräsident unter allen Um
tänden vermeiden, da er nicht auf dem Standpunkt st he
daß das feierliche Versprechen der preußischen Throtred
bom 20. Oktober 1908 durch die Einbringung einer Wahl
reformvorlage erfüllt sei, gleichviel, ob diese im Landica
scheitere oder zustandekomme. (Wie man sich nun auch 3
diesem Standpunkte verhalten mag, das eine steht fesi
daß die preußische Wahlrechtsfrage eine sehr bedeutend
Rolle bei den nächsten Reichssstagaswahlen spielen wird.
Ddie Red.)
*Der Konflikt zwischen dem ordentlichen Professon
her National-Oekonomie an der Berliner Universität Lud⸗
wig Bernhardemit Max Serinmg ist durch Vermit,
⸗elung des Kultusminisisers am Weihnachtstag beige;
egil worden. Beide Professoren gaben Erklärungen ab
deren Inhalt so entgegenkommend ist, daß damit der
Zündstoff als beseitigt gelten kann. Durch dieses Einver⸗
dehmen ist Professor Bernhards Stellung an der Berline
Aniverfität gesichert. Im Interesse unserer größten deut
schen Hochschule dürfte die gleichsam unter dem Weih
rachtsbaum zustande gekommene Versöhnmmg allgemein mi
Freuden begrüßt werden.
* Die vom Reichsgericht verurteilten englischen Ofsiziere
dauptmann Trench und Leutnant Brandon werder
n den nächsten Tagen nach einer Festung, deren Wah
och nicht getrofsen ist, überführt werden. Die Weihnachts
elertage haben die Offiziere noch im Leipziger Unter—
suchungsgefängnis zugebracht. Wabe nlich werden fie
nach Glattz übersührt werden.
Ans dem Vatikan.
* Der Papst hat eine Enzyklika ausgearbeitet
ie sich an die unlierten Griechen wendet. Der Papst be—⸗
handelt darin den Artilkel des Prinzen Max von
Zachfen.

Turten.
* Dem „Tanin“ zufolge hat die türkische Regierung be—
echlossen, einen de utschen Spezialisten als Di
cektor der neuen Schifsahrts-Gesellschaft Mahsussa zu er—
nennen.
»*In der Kamm er kam es bei der Verhandlung über
die Nachtragskredite zur Bekämpfung der Cholera zu einem
erregten Zwischenfall zwischen dem Ministen
des Innern und dem Präsidenten der Sanitätskommission,
dem jungtürlischen Abgeordtie en Ismit. Der Min ste,
des Innern nannte Ismit einen Gaumner, worauf die
er rief: Unverschämtheitt! Seft! Auch der Jungtür
ische Abg. Said beschimpft en Minister des Innern
Infolgedessen entstand ein so heftiger Läarm, daß die
Sitzung unterbrochen werden mußte. Insolge.
dessen entstanden Gerüchte von einer Demission des Mi—
nisisers des Innern. Authentischen Informationen zufo'ge
war TalatBeny auch entschlossen, zurückzutreten, wurde
jedoch vorläusig durch den Groswesir und andere einfluß
reiche Komiteemitglieder ersucht, davon Abstand zu neh
nen. Der Minister des Innern wird in einer Konseren,
des jungtürkischen Komitees die Ausschließung Ismits un⸗
Saids, sowie anderer Deputierter, die sich an den Lärm
zenen beteiligten, verlangen wird. Sollte sein Antra
nicht durchgehen, so beabsichtiat er zurückzutreten

vra Bauestren T.
Der frühere Präsident des deutschen Neichssstages, Ex
ellenz Franz Graf von Ballestrem ist nach längerem Lei—
den auf seiner Besitzung Plawniowitz gestorben. Gral
hallestrem, einer der Führer der deutschen Zentrumspartei,
var von 1888-1906 Reichstagspräsident und erfreute sich
ils solcher bei allen Parteien großer Beliebiheit.
Am 3. September 1834 zu Plawniowitz (berschlesien,
eboren, studierte Graf Ballestrem 18833—558 in VLüttich
ind wurde 1855 Offizier. Als solcher machte er die Kriege
»on 1866 und 187025.71 mit und nahm 1872, als er in—
olge eines Sturzes Invalide wurde, den Abschied. 1872
n den Reichstag gewählt, wo er sich der Zentrumspartei
inschloß. Sehr lebhaft beteiligte sich Graf Ballestrem an
den Kulturkampf-⸗Verhandlungen und gehörte nach deren
Beendigung zum konservativen Teil des Zentrums. 1890
vurde er zum ersten Vizepräsidenten des Reichstages und
894 zum Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses ge
vählt. Im Jahre 1898 ersolgte seine Wiederwahl in
en Reichstag, zu dessen Präsident er am 7. Dezembeir
esselben Jahres berufen wurde. Schon seit 1973 päpsft

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China.
*Ein neues kaiserliches Edikt weist der
BerfassungsAusschuß an, unverzüglich einer
Organisationsplhan für ein modernes Ka—
inett auszuarbeiten. Darauf wurde die wegen des
xdiktes verzögerte Thron-Eingabe mit St'mmenmehrheit
om Ausschuß zurückgezogen. Die gemäßigte Partei hat
aun entschieden die Oberhand.

Ein Heimarbeiter-Tagg.
Ein Ausschuß, an dessen Spitze Prof. Dr. E. Franck
eht, erläßt folgende Einladung:
Das Hausarbeitsgesentz steht vor der Enb
scheidung. Der Bericht der Reichstagskommission lieg
vor. Die zweite Lesung im Reichstag wird bald nach
Wiederbeginn der Sitzungen stattfinden. Was in ihr be
schlossen wird, wird voraussichtlich in der dritten Berat
ung bestätigt werden. Dann hat der Bundesrat das letzt
Wort. Ist das Gesetz aber zustande gekommen, so ist siche.
damit die Regelung der Hausindustrie auf lange Zeit hinm
aus abgeschloffen. Es gilt daher, in letzter Stunde die
Wünsche und Forderungen, die die Heimarbeiter und ihr
Freunde an die Gesetgebung haben, noch einmal zum
ffenen Ausdruck zu bringen. Der Heimarbeiter-Kongreß
ion 1904 und die deutsche Heimarbeit-Ausstellung von 19060
zaben den Anstoß zu dem Hausarbeitsgesetz gegeben, das
kEnde 1907 dem Reichstag vorgelegt worden ist und somit
polle drei Jahre bis zur Entscheidung gebraucht hat. Die
Regelung der Hausarbeit nach dem Beschlüssen der Reichs
agskommission erscheint in wichtigen Punkten unzuläng.
lich; daher sind wir der Ueberzeugung, daß im Rahmen
dieses Gesetzes noch manche Verbesserungen Platz grei—
sen müssen, soll wirkfam den schweren Notständen der
Zeimarbeiter gesteuert werden. Um solche Verbesserungen
„orzuschlagen und an Reichsstag und Bundesrat zu 6
zen, laden wir Vertreter der Scimerbeite
weige und Freunde deꝛ
hen Ständen, di

—2
icher Geheim⸗Känimerer di spoda e cappa wurde hmäaw
8 Jini 1900 wegen seiner Verdienste um das Zustande
»ringen der Flottenvorlage det Charakter als preußischer
wWirtlicher Geheimer Rat verliehen. Als der Reichssca im
dezember 1903 aufgelöst wurde, nahm Graf Boallestrem
ein Mandat nicht mehr an, er lebte von da an nur noch
einen Passionen, auch war er häufig im Herrenhaus, des
sen Mitglied er seit 1903 war, tätig.
Auf die Meldung von dem Ableben des Grafen Bal
lestrem hat der Kaisser an den Sohn des Verstorbene
den Grafen Valentin von Ballestrem ein in den herz!
Worten gehaltenes Beileids-Telcgramm gerichtet
finden die Ueberführung der Lesche des
von Schloß Lawniowitz nach Ruda

Nußzland.
eDer „Matin“ meldet aus Petersburg, daß der dem—
aächfsigen FJusammenkunft im Skiernewice zwi⸗
shen den Groß ürsten Nikolaus und Sergins mit den Mit—
zliedern der österreichischen Kalser-Familie auch der öster⸗
eichische Thronfolger beiwohnen wird. In offiziellen rus
ischen diplomatischen Kreisen schenkt man dieser Zusam⸗
nentunft große Beachtung und wird als Resultat der
kntrevue von Potsdam bezeichnet. Man sieht eine öst e r—
reichischrussische Annäherung voraus.

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ur Vollszhlung in Preußen. Allein in diesem Sias
vurden nicht weniger als 70 Millionen Formulare benö
igt, eine riesige Zahl, wenn man bedentt, daß der preu
pische Staat ja nur rund 40 Millionen Einwohner zählt,
odaß auf jeden Einwohner sast zwei Formulare kom⸗
nen. Legt man diese Formulare aufeinander, so erhäli
nan eine stattliche Säule von 9000 Metern, die alst
höher als der höchste Verg der Erde, der Himalaja⸗Riese
Npunt Everest mit seinen 8840 Metern ist. Andere Erden
zrößen, wie die Chrops⸗Pyramide, die größte ihrer
Schwestern, der Eiffelturm mit seinen winzigen 300 Metern
Deutschlands größter Berg, die Zugspitze und endlich der
Nont Blomc verschwinden gegenüber der neuen Größe voll—
tändig. Fast 6 Millionen Bogen Papier der verschieden
ten Formate dienten zur Herstel ung der noiwendigen For
mulare, die in ihrer Gesamtheit das respekltable Gewich
bon 350 000 Kilogramm wogen; das ist das ungefähre
Gewicht eines madernen D⸗Auges mit allem Zubehör.

Griechenland.
»Aus Hof⸗ und Regierungskreisen verlautet authenticch,
aß die Wiedereinsetzung eines griechischen
gzrinzen als Gonverneur oder Fürst von Kreta
usgeschlossen ist. König Georg erklärte letzthin in Gegen—
vart des Premierministers Veniselos bestimmt, daß er
iner solchen Ernennung im Interesse Griechenlands und
kretas unter keinen Umständen zustimmen werde, gleichv'e
velche Entwicklung die kretische Frage nehme. Das ir
Athen zirkulierende Gerücht. de —
nis auf Wunsch
wen
            
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