Lokales und Vermischtes.
Enthebung von Neujahrswünschen. Wie in früeh—
ren Jahren, werden wir auch in diesem Jahre Beiträge
zur Enthebung von Neujahrswünschen am Orte entgegen—
nehmen. Die eingegangenen Beiträge werden je zur Hälfte
den hiesigen Franen-Vereinen überwiesen. Wir bitten die
oerehrliche Einwohnerschaft, uns die Beiträge so rechtzeitig
zukommen zu lassen, daß wir die Liste in der Sylvester—
iummer veröffentlichen können.
Neuer Roman. In der heutigen Nummer haben
wir mit einem größeren Roman „Königskinder“ begonnen
Wir empfehlen diesen Roman der geneigten Aufmerksam—
keit unserer werten Leserinnen, hoffend, daß ihnen die
er gut gefallen möge.
Feierkage. „Nichts ist schlechter zu ertragen, wie eine
Reihe von guten Tagen,“ — besonders noch, wenn solch'
schlechtes Wetter vorherrschend ist, wie an den vergangenen
Feiertagen Am ersten Tage war es noch passabel — am
zweiten Tage nichts wie grauer Himmel und Regen. Im
großen Ganzen sind die Feiertage still verlaufen. Das
Konzert der Bergkapelle am 1. Feiertage hatte ein volles
Haus zu verzeichnen, das für die ansgezeichneten Leistun—
gen der Kabelle mit feinem Beifall nicht kargte. Auch die
brigen Weihnasutsfeiern, so die der Feuerwehr, hatten, wie
wir hörten, einen sehr schönen Verlauf. Nun sind die
Feiertage vorüser und tritt das Alltagsleben wieder in
seine Rechte — und Pflichten!
Rechtzeitige Besorgung von Freimarken vor dem
Jahresschluß. Beim Herannahen des Jahreswechsels ist
wiederum darauf aufmerksam zu machen, daß es sich dringend
empfiehlt, den Einkauf der Freimarken für Neujahrsbriefe
nicht bis zum 31. Dezember zu verschieben, sondern schon
früher zu bewirken, damit der Schalterverkehr an dem
genannten Tage sich ordnungsmäßig abwickeln kann. Auch
liegt es im eigenren Interesse des Publikums, ˖daß die
Neutahrsbriefe frühzeitia aufgeliefert werden und daß
nicht nur auf den Briefen nach Großstädten, sondern auch
auf Briefen nach Mittelstädten die Wohnungen des Em—
pfängers angegeben werden. Für Berlin ist außerdem die
Angabe des Bestellpostamts dringend erwünscht.
UÜber die Einfuhr englischer Kohls nach Deutschland.
Aus dem Ruhrkohlenbezirk wird uns gefchrieben: die
drei aroßen deutschen Kohlengewinnungsstätten, der Ruhr—
bezirk, Oberschlesien und der Saarbezirk, fördern schon seit
Jahrzehnten so griße Mengen Kohlen, daß der aganze Be—
darf des deutschen Reiches an Brennstoffen reichlich dadurch
gedeckt werden könnte selbst wenn die inländische Braun—
kohlenindustrie nicht seit Anfang dieses Jahrhunderts eine
so glänzende Entwicklung genommen hätte. Trotßzddem wer—
den jährlich noch erhebliche Mengen ausländischer Kohle und
zwar hauptsächlich englischer Herkunft nach Deutschland ein
geführt und ungeheure Summen dafür an das Ausland
bezablt. Es ist eine wirtschaftliche Merkwüreiakeit, daß dem
deutschen Reiche, das selbst über ungewöhnlich reiche Kohlen—
schätze verfügt, noch Jahr für Jahr viele Millionen Tonnen
fremder Kohle zugeführt werden Ueber die Gründe dieser
seltsarnen Erscheinung, die eine dauernde Schädionng der
deut chen Volkswirischaft bedeutet und eine Tributpflicht an
das Ausland begründet, besteht schon seit langem keine“ Un—
klarheit mehr. Die englischen Kohlen werden mit billigen
Schiffsfrachten nach den deutschen Hafenplätzen an der Nord—
see und Ostsee befördert, während die Verfrachtung der
deutschen Kohlen von den inländischen Gewinnungsstätter
nach denselben Gebieten nur mit der Eisenbahn erfolger
kann, deren Frachtsätze wegen der ungünstigen Lage der
deutschen Kohlengewinnungsstätten in den nördlichen Gebiten
des deutchen Reiches so hoch sind, daß die deutschen Kohlen
den Wettbewerb der englischen Kohle dort nicht aus dem
Felde schlagen kann. Der Vorsprung den die englischen
Kohlen gegenüber der deutschen in der Fracht bis zu den
Küsten Deutschlands besitzt, ist es also, der den englischen
Kohlenberabau in den Stand gesetzt hat, an der deuischen
Küste und die Flußläufe hinauf zum Nachteil der einhei—
mischen Kohle festen Fuß zu fassen.
Uebrr die Wege, auf denen die englische Kohle in das
deutsche Reich eindringt, ist die Oeffentlich anscheinend noch
nicht hinlänglich aufgeklärt, da wir kürzlich in einem rhei—
nischen Blatte lasen, doß von der enalischen Kohleneinfuhr
nur ein beschränkter Teil an der Nord- und Ofsseeküste,
in Berlin usw. Verbrauch gelangt, während der überwiegend
größere Teil über die Rheinstraß in das Absatzgebiet des
Rhei isch-Wesifälischen Kohlen-Sundikates eingeführt werde.
Wir wollen daher nachweisen, daß diese Annahme irrig
ind gerade das Gegenteil der Fall ist. Aus den vom
Reichsamt des Innern herausgegebenen Nachrichten für
dandel und Industrie geht hervor, daß die Gesamteinfuhr
englischer Kohle über deutsche Hafenplätze im Jahre 1908
10049 9956 Tonnen, im Jahre 18909 10495 226 Tonnen
ind in den eriten zehn Monaten des Jahces 1910 8016779
Tonuen betracen het. Davon gingen über Hafenplätze an
er Ostsee im dohre 1908 3691046 Tonnen, im Jihre
908 8551463 Tonnen und in den ersten zehn Monaten
es Jahres 191 2552417 Tonnen und über Haenplätze
in der Nordseesim Jahre 1908 5783633 Tonnen, im
Jahre 1009 6138143 Tonnen und in den ersten zehn
Monaten des Ichtes 1910 4833961 Tonnen. Von der
Hesamteinfuhr eclischer Kohlen entfielen auf Hafenplätze
m Linnenlande, worunter Emmerich zu veistehen ist, da
onst kein andeze Einfallstor möglich ist, im Jahre 1908
575277 Tonnen,m Jahre 1909 825620 Tonuen und in
den ersten zehn donaten des Jahres 1910 630401 Tonnen.
Es giht also daris hervor daß die Mengen englischer
Kohlen, di auf da Rhein in das natürliche Absahgebiet
—
werden, im Verglei zu der Gesamteinfuhr englischer Kohlen
nach Deutschlandew sehr gering sind. Die gegenteilige
Veh uptung wirkteen so überaschender, als allgemein be—
kann; sein dürfte, d die Einfuhr enalischer Kohlen sich
haupꝛfächlsch nach Hiurg-Altong richtet. In dieses Wirt—
ichastöͤgebiet wurden 7 Jihre 1908 4988932 Tonnen im
Jahre 1908 5302 5 Tonnen und in den ersten zehn
Monten des Jahre 1910 4046052 Tonnen englischer
Zdohlenn cingeführnens ist demnach nicht richtig, wenn
begauptet wird, daß natürlichen Absatzgebiet des Rhei—
nisch⸗Westfälrschen Kon-Syndikats ein eiheblich größerer
Bedari besteht, den w die Zechen des Syndikates be—
riedigen Es handeltch wie oben gezeigt, bei der Ein—
suhu englischer Kohlenr Emmerich nur um Mengen, de—
ien Lief rung jederzeitirch das Kohlen-Syndikat erfolgen
önnte, deren Unterbring jedoch nur daͤdurch möalich
reworden int, daß fsie Schleuderpreisen auf den Mark
cewo irn werden. Füre deu sche Voskswirischaft ist es
zwesftlos rine uneriuche Erscheinung dem englischen
Kohlenbergbau jährlich r als 100 Millionen Mark für
Kohl », die auch ans diInland bezogen werden könnten,
—zuwenden zu müssen. rgt nicht in dem Bereich der
Inwöglichkeit, eine Kentng hierin eintreten zu lassen
Diejenige Stelle, die es der Hand hätte, dies zu tun,
die preußischè Eiser bobnzaltung, ist jedoch nicht geneigt
3bden einheimischen Ste.nladergbau durch billigere Fracht⸗
e nach dem Norden uyem IAnnern Deutfchlands in
Kampfe gegen die englische Kohle zu unterstütßen. Obwoh
zie Transporte einheimischer Kohle das Rückgrat für den
Frachtverkehr der preussichen Sisenbahn bilden ist dennock
hre Tarifpolitk gegenüber den einheimischen Kohlen
zew'nnungsstätten nicht von dem Entgegenkommen erfüll
»as man billigerweise aus nationalwirtschaftlichen Gründen
rwarten dürfte. Denn sonst hätte die preußische Eisen
ohnverwaltung schon länast dem seit Jahrzehnten bestehen
ꝛen Wunsche nach GSinführung billigerer Tarife für die
Beförderung schlesischer und Ruhr-Kohle nach dem Norden
ind nach der Reichshauptstadt zur Bekämpfung des eng—
ischen Wettbewerbs nachkommen müssen
Was alles getauscht wird. Die Zeit, die zwi
ichen Weihnachten und Neujahr liegt, ist die der großer
AUmtausche. Die großstädtischen Basare und Verkaufsstel
en richten für die Umtausche ganz besondete Stunden eir
ind ein Teil des Personals ist beauftragt, die Umtausck
vollziehungen vorzunehmen. Au'schluß über das, was ge
auscht wird, können am besten die Warenhäuser geben
Inen interessanten Ueberblick über den Umtausch nachk
Veinn hten gibt ein großstädtisches Warenhaus, es mach
olgendes bekannt: Am meisten getauscht wurden — Haus
chuhe, Haus he in allen Formen und Ausführungen.
dausschuhen den einfachsten Filzpantoffeln bis zu jenem
leinen goldgetcnten seidenen Nippespantöffelchen, das die
legante Dame des Morgens überstreift, und das bis zu
O bis 35 Mark kostet, Hausschuhe für jedes Lebensalter
»ausschuhe in allen Farben und Ausführungen. Diejeni—
en, die aber bei wiitem diesen nützlichen Gegenstand am
ieisten tauschten, waten Junggesellen, weniastens hatte es
en Anschein, als ob d'e Tauschenden die Bande der Ehe
icht unit sich herumschleppten. In eiter Linie da
'auschgegenstände standen die Dam Sctaschen. Man
ollte es gar nicht für möglich halten, daß es so vietle
amen agibt. die anscheinend keine Handtalche nötia ha
en, namentlich, wenn man sieht, daz doch jede jung
nd älere Taute mit diesem Ausrstangsstück der Nenzei
e s geseben wird, Aber der Bedarf an Handtaiche
shzeint doch nicht groz zu sein, denn von der Unzahl de
erkausten Taschen wurde eine Unzahl gegen andere Ding
ingetaͤuscht. Regenschirme. gelien gleichfalls als beliebte
bauschobjekt. Hier scheint nun der persönliche Geschmau
uine große Rosle zu spielen, denn man konne beobachtv
daß Schirme fast stets gegen Schirme eingetauscht wurven
wenngleich gegen einen Schirm in anderer Ausführemg
Biufen, Jabots, Bänder und Strümpfe wanderten gleich
jalls in großer Anzahl an den Tisch zurück, unter den
ie vor Weihnachten schon eine ganze Zeit lang geruht hat
en. Fast gar nicht getauscht wird Briefpapier Seife, Par'
ünt und Süßigkeiten. Es sind also doch wohl mehr ode.
minder Gegenstände, die dem Gebrauch nicht entsprechen
und aus dem Grunde in den Verkaufsladen zurückwan
dern Es ist wohl doch nicht allein die Umtauschlust, die
uins Danien immer vorgeworfen wird, die Lust am Tau—
chen alle'n. Und jenes Witzwort hat nicht recht, das von
einent Herrn folgendes erzählt: Dieser junge Mann und
Fhemaun ging vor Weihnachten in ein Geschäft, um eine
zluse zu danfen, die Verkäuferin erkundigt sich nach der
Farbe, die der Herr zu kaufen wünscht. „Das ist gleich
zültig“, lLautet die Antwort. Die Verkäuserin fragt, ob
zie Bluse hell oder dunkel sein soll, ob sie groß oder kleir
ein soll, elegant oder nicht elegant, Seide oder Wolle
»er Herr antwortet: „Das ist alles gleichgültig, geben Sie
mir irarnd eine Bluse — getauscht wird sie doch.“
Prinz Max und der Vatikan. Corriere d'Italia
eröffentlicht einen Artikel, der in der nächsten Nummer
»er Revue Roman e Oriente erscheiuen wird. In diesen.
Artikel, der von der Direktion der Revue gezeichnet sein
vird, sollen die Behauptungen des Prinzeu Max von
Sachsen als irrig widerlegt werden. Der Corriere d'Italia
agt, man hofse, daß infolge der Veröffentlichung dieses
Artikels der schmerzliche Zwischenfall, den der Artikel des
Prinzen veranlaßt habe, zur allgemeinen Zufriedenheit bei—
zelegt werde. — Das Privatsekretariat des Prinzen Maꝛ
eꝛrmächtigte die „Köln. Vztg.“ zu der Erklärung, daß der
Prinz keinem einzigen Journalisten ohne Ausnahme irgend
ine Unterredung gewährt habe.
Eine Mutter von 50 Kindern. In Transvaal im
distrikt Kronstadt, lebte eine würdige Witwe, Frau van
Wyk, die auf eine nicht gewöhnliche Lebens- und Ehege—
chichte zurückblicken kann. Sie erblickte am 20. Oktoben
833 das Licht dieser Welt und begann im 18. Lebens—
ahre ihre eheliche Laufbahn, als sie sich mit Petrus Ja—
'obus Lubbe verheiratete. Nach zwei Jahren verlor sie
hren Mann und blieb als Witwe mit einem Kinde zurück
Doch die Einsamkeit währte nicht lange, nach 10 Monaten,
o weiß die „Volksstem“ zu berichten, heiratete sie Nikolaus
Martinus Pretorius, einen Witwer, der bereits 4 Kinder
satte. Nachdem sie mit ihm ein Jahr und fünf Monate
ingetrübten Glückes genossen hatte, entriß ihr das Schicksal
nuch diesen Gatten, und sie blieb wiederum als Witwe zu—
rück, diesmal freilich schon mit fünf Kindern. Nach fünj
Monaten trat sie zum dritten Male vor den Altar, wurde
Frau David Stephanus Pieterse. Dieser dritte Mann
brachte als Hochzeitsgut sieben Kinder mit in die Ehe. Milt
hm lebte die heutige Frau Wok 11 Jahre lang glücklich
zusammen und gebar ihm in dieser Zeit fieben Kinder.
Aber dann starb auch dieser Gatte. Nun verstrichen füns
Jahre, die die trauernde Witwe im Kreise ihrer 19 Kinder
»erbrachte. Dann heiratete sie zum vierten Mal, wiederum
eiinen Witwer. Er hieß Daniel Lodewikus Cronje und
»rachte 8 Kinder mit in die Ehe. Mit ihm lebte sie 11
Jahre lang zusammen, schenkte ihrem Manne noch vier
dinder, bis dann auch Daniel Lodewikus Cronje vom Tode
»ahingerafft wurde. Wieder verstrichen 5 Jahre, dann trat
ie zum fünften Mal vor den Altar und heiratete Hendrik
tlopper. Auch mit ihm lebte sie 11 Jahre und hatte 10
dinder, bis der Gatte starb. Nach 2 Jahren heiratete sie
um sechsten Mal, Coenraad Hendrik van Wyk, einen Wit—
ver mit 5 Kindern. Dieser letzten Ehe entsprosseu noch 4
dinder Nachdem sie mit ihm elf Jahre zusammen gelebt
yjatte, starb van Wyk. Die Witwe hat heute fünfzig Kin—
»er, die sie alle Mutter nennen, und gegen 270 Enkelkinder
Sie steht in ihrem 78. Lebensiahr und erkfreut sich gesunder
Rüstigkeit
SsSaarbrücken, 25. Dez. Herr Rektor Meyer berichtet
aäber den über den von uns gemeldeten Unglücksfall in der
katholischen Mädchenschule: 1. Es ist unwahr, daß die
Schülerin Blank von der Türklinke so unglücklich an den
Kopf getroffen wurde, daß sie sofort besinnungslos zu Bo—
den fiel und der herbeigerufene Arzt nur mehr den Tod
des Mädchens feststellen konnte 2. Wahr dagegen ist: a)
daß der Unglücksfall sich am Montag, den 12. d. M. er⸗
eignete und der Tod am darauffolgenden Sonntag abend
erfolgte; b) daß die Schülerin Blank beim Oeffnen der
Türe durch die Kante des Türschlosses eine anscheinend ge—
ingfügige, oberflächliche Wunde an der Seite des Kopfes
rhielt, die nur wenig blutete und von der Lehrerin sofort
iusgewaschen wurde; e daß die Schülerin Blank kaum eine
Ninute nach dem Unfall sich wieder an dem Unterricht be—
eiligte und auch am folgenden Tag die Schule
»esuchte; a) daß die Schülerin Blank körperlich schwächlich
var und deshalb zu Ostern 1909 mit 1 Jahr vom Schul—
»esuch z rückgestellt werden mußte.
Saarbrücken, 24. Dez. Gestern morgen kurz nachee
lhr kam in das Ladengeschäft des Herrn B. auf den
Narktplatz in St. Johann ein junger Mann. Da zufäll
erweise niemandw Loden anwesend wor, riß er
einem flinken Griff die Ladenkasse heraus und suchte vas
Weite. Als er aber die Türe hinter sich geschlossen hatte
rat der Geschäfisinhaber ein und nun begann eine wild
Jagd auf den Ladendieb. Er sprang in großen Sätzen
iber den Marktplatz, lief durch die Obertorstraße, Schiller
allee und Bismarckstraße, wo er gestellt wurde. Der
Bursche hatte auf der Flucht einen Teil des Geldas fort—
geworfen. Er wurde in die nahegelegene Polizeiwache des
genannten Reviers gebracht. (Sbr Volksz.)
Louisenthal, 23 Dez Die h'iesige Berginspektion 2 be—
absichtigt auf der linken Saarseite an der Kreisstraße vor
der Rotheck eine größere Anzahl von neuen Arbeiterwoh—
nungen zu erbauen. Dir Häuser kommen in die Nähe des
neuen Osischachtes zu stehen
Von der Heydt, 24. Dez. Die bergbehördliche Ab⸗
nahme der führerlosen Akkumulatoren-Lokomotiven (Berg—
ochsen), welche versuchsweise auf Grube Von der Heydt in
Betrieb sind, erfolgte am Dienstag durch Herrn Berghaupt—
mann Baur und Herrn Geheimen Bergrat Althüser von
Oberbergamt in Bonn. Um 81/ Uhr fuhren die Herrer
am Amelungschacht 2 ein, um die Lokomotiven im Be—
triebe besichtigen zu können. Gleichzeitig erfolgt auch di—
Besichtigung der automatischen Weichenanlagen, der selbst—
tätigen Blockierungseinrichtung und des Wettertürenöffners
Die Herren haben sich eingehend über die ganze Förder—
einrichtnng unterrichten lassen. Der Lokomotivbetrieb mit
führerlosen Lokomotiagen hat einen sehr vorteilhaften Ein—
druck auf sie gemacht, sadaß anzunehmen ist, daß die führer—
losen Akkumulatorenlokomotiven in nicht allzulanger Zeil
das Grubenpferd immer mehr aus der Gruübe verdränger
werden.
Heiligenwald, 23. Dez. Ein Einbruchsdiebstahl wurde
im nahen Uchtelfangen-Kaisen verübt. Der Bergmanr
Recht hatte ein Schwein geschlachtet und es der Vorsich!
halber über Nacht in der Küche aufgegängt. Als Reecht
am andern Morgen nachsah, war die Hälfte des Schweines
versöwwunden. Einbrecher waren eingedrungen und hatten
das halbe Schwein gestohlen. Sofort angestellte Nach—
torschungen verliefen leider etgebnislos
Sinnerthal, 23. Dez. An den nunmehr in Angriff ge—
iommeneun Erdarbeiten zur Erweiterung des Bahnbofes
Neunkirchen werden etwas über 700 Mann beschäftigt.
Diese sind in Landsweiler, Neunkirchen und hier unterge—
»racht. Später wird die Zahl auf 800 bis 1000 erhöht
verden.
Heinitz, 22. Dez. Der Arbeiter der Königlichen Berg—
nspektion 7 zu Heinitz, Herr Bergwerksdirektor Fähndrich,
st mit dem heutigen Tage zum Königlichen „Bergrat“ be—
ördert worden.
Obervölklingen, 24. Dez In einem Anfall von Geistes—
törung hat sich hie an der Saar der 67 Jahre alte
Miliärinvalide Z. zwei Revolver-Schüsse beigebracht und
st dann in die Saar gesprungen. Nachdem er etwa 50
Meter weit vom Wasser fortgetrieben worden war, kletter—
te er wieder aus dem Wasser heraus. Seine Kleider hatte
—AV
Behandlung; ob er mit dem Leben davonkommen wird
steht z. Z. noch nicht fest. (Völklinger Zeitung)
Stieringen, 235. Dez. Die Burbacher Hüttenw.rke
hahen die hier befindliche Schlackenmühle, die 30 bis 40
Arbeiter beschäftigt, aufgekauft, um hier in größerem Maße
Thomasmehl herzustellen. Das neue Werk wird mehrerc(
sundert Arbeiter beschäftigen und die Anlage einer Ar—
veiterkolonie wird damit nötig werden,
Illingen, 23. Dez. Heute Nacht verunglückte au
Brube Itzenplitz der Bergmann Peter Schmidt von hier
Die erlittenen Verleßzungen waren so schwer, daß er kurz
nach seiner Einlieferung ins Lazarett, nachdem er mit den
heiligen Sterbesakramenten versehen war, gestorben ist.
Srbr. Volksztg.)
— — —
Humoristische Ecke.
*Verraten. zSie haben geschlafen, Herr Meier!“
— „Aber — —“ — „Reden Sie nicht! Sie haben ja mit
oer Stirn auf dem Stempelkissen gelegen!“
*)Druckfehler. ...Die Premiere des Stückes hat
inen sehr gelungenen Verlaus genommen. Der Verfasser
nußte sich wiederholt vor dem Publikum verbergen.
*Ein Schäker. Ein Bauchredner wird im Kran—
enhaus behaundelt. Als ihn der Chefarzt zum ersten Mal
ntersucht und bei dieser Gelegenheit seine Brust „klopft“,
egt plötlich ein Schmunzeln über sein Gesicht, während
ie umherstehenden Assistenten in ein helles Gelächter aus
rechen. Aus dem Inneren des Patienten schallt es naͤm
ich nach jedesmaligem Klopfen laut und deutlich „Herein!
*Auf, der Kleinbahn. „Schwerenot, der Zu—
ält ja schon wieder auf freier Streckel“ — „Gleich geht
»eiter. Der Lokomotivführer nimmt nur seine Baldrian
capfen.
»Unter Freundinnen. ZIch habe mich gesic
— obt.“ — „Nein, wirklich?“ — „Gewiß — und er ha
nich erst zweimal gesehen“ — „Ja, dann will ich es
lauben.“
*Unbeirrt. „Reisen Sie doch auch mal nach Rom,
derr Huber.“ — „Ach, dort gibt es ja kein gites Bier!“
— „O doch, Herr Huber!“ — „So? Nun, das aqidt's h'e
ruch!“
*Entgegenkommend. Dorfjpolizist: „Wir kön—
en Sie nicht einsperren, der Schlüssel zum Arrest ist ver—
oren gegangen.“ — Gauner: „Darf ich Ihnen vielleicht
neine Dietriche anbieten?“
*Dienstgrad. „Sie sind der Herr Bahnhofsvor—
tand?“ — „Bedaure, nein; der ist verreist!“ — „Aber
ein Stellvertreter?“ — „Auch nicht, der ist heute dispen
iert!“ — „Voerzeihen Sie, was sind Sie denn?“ — De—
tellnertretende Stel vertreter!
Neueste Nachrichten und Telegramme.
Breslau, 24. Dez. Wie die „Schles. V.«Ztg.“ meldei
ist am 23. Dez. auf Schloß Plawniowitz der frühere Prä—
sident des Reichstages Exzellenz Graf Franz von Ballestrem
zestorben. Er war am 5. Sept. 1834 geboren. Von
1890 bis 93 begleitete er das Amt des 1. Vizepräsidenten
des Reichstages. von 1898 his 1910 das Amt des Wräsi—
denten.
München, 26. Dez. Der oberbayrische Bergardeiter
streik kann als beendet betrachtet werden. Die General—
Direktion der Ovberbayrischen Aktien-Gesellschaft für Kohlen—
Bergbau hat heute vormittag das Zugeständnis gemacht
daß am 1. Februar 1911 die am geringsten besoldet
Kategorie auf der Grube Hausham eine Aufbesserung er
hält und daß die Wüusche bezüglich der übrigen Kategorier
geprüft und nach Möglichkeit bei Eintritt eines bessere
Geschäftsganges bewilligt werden. Eine Bergardeiter-Ver
sammlung in Penzberg beschloß heute mittag mit großer
Mehrheit, diesen Vorschlag anzunehmen und die Arbei,
am 27. Dezember wieder aufzunehmen. Eine heute nach
mittag in Hamsham stattgerundene Bergarbeiterversamm
lung wird diesem Beschluß zweifellos beitreten, sodaß de
Lohnkampf nach 14tägiger Dauer sein Ende gefunde
)aben wird.
München, 26. Dez. Ein Eifersuchtsdrama exeigne;
ch vergangene Nacht 12 Uhr in der Elbirastraße.
nRitMhrige Gesftnerin Buher iund der Monteur Seidgenarube
ourden von dem früheren Geliebten der Kellnerin über—
allen. Die Huber wurde durch Revolverschüsse getbtet,
feigengruber schwer verletzt. Der Täter wurde durch Po—
izeihunde ermittelt.
VBonn, 26. Dez Die vom Obertelegraphenassistenten
Hottanus unterschlagene Summe beträgt rund 95 000 Mk.
die auf seine Ergreifung ausgesetzte Belohnung ist auf
1909 Mk. erhöht worden.
Innsbruck, 26. Dez. Die portugiesischen Jesuiten
unterhandeln zur Zeit über den Ankauf er Weyersburg
des uralten Stammschlosses des Kaisers Maximilian 1.
um dort eine Ordensniederlassung zu errichten.
Brüssel, 27. Dez. Der englische Frachtdampfer Finn—
land, von der Red Star Linie, wurde auf der Schelde
in der Nähe von Plissingen von dem Antwerpener Dam—
»fer „Baltique“ in den Grund gebohrt, wobei von 16
Mann der Besatzung zehn ertranken, während die übrigen
zdurch Boote gerettet werden konnten.
Brüssel, 27. Dez. Infolge anhaltender Schneegestöber
ind die Telephonleitungen gestört. Der Schnee liegt
tellenweise 20 — 30 em hoch.
Rom, 27. Dez. Prinz Max von Sachsen ist hier ein⸗
getroffen. Im Kloster der Dominikaner, deren Orden er
ingehört, wurde ihm eine bereits ausgefertigte Widerruf—
ingsschrist zur Unterschrift vorgelegt. Der Prinz bat, vom
Papft empfangen zu werden.
Paris, 268. Dez. Auf dem Manöderfelde von Angou—⸗
lemes explodierte während der Schießübuug eine Marine—
'anone von 248 Millimeter Kaliber. Der Materialschaden
ist bedeutend, doch wurde von den weithin geschleuderten
fisenteilen zum Glück niemand verletzt. Die Kanone ge—
yörte zu der 1892 geschaffenen Geschützserie, bei der wieder—
solt Explosionen vorgekommen sind.
Paris. Aus Philippsville (Algerien) wird gemeldet, daß
icht Kisten mit Feuerwerkskörpern beim Aufladen auf dem
dafenquai explodierten. Zwei Personen wurden getötet, 11
Versonen, darunter neun Araber, schwer verletzt. Der
Absender hatte die Ware als Kinderspielzeug deklariert und
nfolgedessen wurden beim Aufladen keinerlei Vor sichts⸗
naßregeln beachtet.
Paris, 27. Dez. Ein schweres Eisenbahnunglück hat
'ich an einem Bahnübergange 2 Klm. hinter Chateaudun
iuf der staatlichen Westbahn ereignet. Ein großer Bauern—
wagen, in dem 9 Personen Platz genommen hatten, wurde
am 1. Feiertage von dem aus Orleans nach Le Mans
ahrenden Expreßzuge erfaßt und 200 Meter weit fortge—
schleudert. Als die Eisenbahnbeamten herbeieilten, fanden
sie 6 schrecklich verstümmelte Leichen auf den Gleisen liegen,
während der Wagenlenker und 2 Kinder noch lebten, aber
schwer verletzt waren. Die Schuld an dem Unglück trifft
den Blockwärter, der es unterlassen hatte, die Schranken
zu schließen. Der Blockwärter und seine Frau erklärten,
daß der Expreßzug nicht signalisiert gewesen sei und des—
jalb die Schranke nicht geschlossen war.
Valeneia, 24. Dez. Es bestätigt sich, daß der fran—
zösische Dampfer „Jean Consel“ am 21. d. infolge“ eines
Zusammenstoßes mit dem spanischen Dampfer „Industria“
gesunken ist. Die stark beschädigte Industria wurde von
einem dentschen Dampfer nubbch Carlagena gebracht. Mit
dem Dampfer „Jean Consel, sind 27 Versonen umge—
kommen.
London, 26 Dez. Aus Bolton wird telegraphiert,
aß bisher 96 Leichen aus der Yard⸗Grube zu Tage be—
ördert wurden. Man erwarte, daß heute weitere 19 an die
Oberfläche gebracht werden.
London, 27. Dez. Eine Abteilung englischer Matrosen
scheint eine unangenehme Schlappe im persischen Meer—
busen erlitten zu haben. Wie amtlich bekannt gegeben
wird, geriet eine von dem englischen Kriegsschiff „Hyazinth“
im persischen Meerbusen ans Land gegangene Abteilung
Mannschaften, die den Waffenhandel unterdrücken wollten,
am 24. Dezember auf der Suche nach Waffen mit den
Singeborenen in einen Kampf, wobei 4 Mann getötet und
J verwundet wurden. Einer wird vermißt.
Konstantinopel. 26. Dez. Die', Turquie“ meldet, daß
ein neuer Kampf der Truppen mit den Kurden bei
Teheran stattgefunden habe. Die Kurden sollen die inne—
zehabte Position behauptet haben. Die Truppen hätten
nehrere hundert Mann verloren. — Dem „Ikdam“ zufolge
wurde ein Redifbataillon zur Sicherung der Gegend von
Kerak mobil gemacht.
Newyork, 27. Dez. Ein' kühner Eisenbahnüberfall“ ist
in Amerika auf dem Missouri-Pacisiczug bei Cansas⸗City
verübt worden. Dort beraubte einz mastierter Passagier
100 Personen und hielt alle mit dem Revolver in; Schach.
Fin Hauptmann, welcher sich dem Räuber entgegenstellte,
vurde verwundet. Der Räuber entkam. Patrouillen mit
Zluthunden sind hinter ihm her
— 8* — — —
ßrockensammlun
h.
Um der Not noch recht vieler armen Familien
ind alleinstehender älterer Personen, besonders jetzt zu
Beginn der kälteren Jahreszeit entgegenzusteuern, hat der
Unterzeichnete es übernommen,“ im hiesigen Rathause eine
sogenannte Brockensammlung einzurichten. Dielselbe hat
den Zweck, die von bessergestellten hiesigen Einwohnern
urückgesetzten alten Sachen, wie Kleidungsstücke, Wäsche,
Schuhe, Strümpfe, Ueberzieher, Mäntel, Kinderkleidchen,
Erstlingssachen, Bettstellen, Bettzeug, alte Möbel, Küchen—
zeräte, überflüssige Gardinen und dergl. entgegenzunehmen
und an die hiesigen Armen zu vertelen. Wo vorbezeich—
nete Gegenstände en behrlich sind, wird gebeten, dies au
dem Armenbüro im hiesigen Rathaus — Zimmer Nr. 6
— mündlich oder schriftlich mitzuteilen, damit dieselben ab—
zeholt werden können. Ich richte daher an alle edelden—
kenden Sinwohner von Dudweiler, Herrensohr, Jägersfrende,
Lamphausen unsd Fischbach die ebenso herzliche wie drin—
zende Bitte, dieses Unternehmen im Interesse aller unserer
Armen durch rege Beteiligung unterstützen zu wollen. Jede—
auch die kleinste Gabe, wird mit Dank angenommen.
Dudweiler, den 24. Oktober 1910.
H. Kammer,
zokretär der Armenverwaltung
—8B
Heute, Dienstag Abe nd punkt
9. Uhr Vorstands-si tzung im
Lobkale Brenner.
Der Vorsitzende.
— 4—