en und Verwnneitn, während von den Meuterern etwa
200 zu Gefaugenen gçgemacht, mehr als 300 Rebellen tot
ind oͤder verwundet wurden. Der Senat hat die Ve häu
zung des Belagerungszustandes über din Distrikt der
bauptstadt und das gegenüberliegende Niotheroy für 36
Tage beschlossen. Die Parlamentsvorrechte werden respet
ieri werden. — Ueber eine Beschießung von Riode
Janeiro durch den Kreuzer Rio Grande do Sul und ein
Wweites Kricgsschiff ist auf der brasil anischen Ge'audt chaẽ
zisher kenerlei Meldung eingelqufen.
Alle aus Rio de Janeiro in Pais eingettoi—⸗
enen Nachrichten stimmen darin übere'n, daß durch die
don der Regierung getroffenen Maßnahmen jede unmit—
elbare Gefahr der Erneuerung der Meuterei zu Lande und
r Wasser beseitigt erscheint, und daß die Bevölkerung sich
eruhigt hat. Der Kreuzer „Rio Grande do Sul“ wurde
ach dem Hafen von Santos geschickt. Wah'rscheiulich wird
jori die Sühne für die am stärlsten belastelen Meuterer
dofolaen.
Die Moabiter Krawnalbe vor Gericht.
Im Moabiter Krawal prozeß wurde die Zeugenver
lehmung zur Aufiliruna der Vo gonge im Pilzschen Lo—
al fort zesetzt. Sodann teihe der Vorsttende mit, dafß
em Gerichte noch 53 Beweisanträge der Ver eid gung
orl:egen. Er bittet die Verteid'gang. sich darüber schlü⸗
ig zu machen, welche von die en Anträgen aufrecht erhal—
en werden boilen. R.A. Heine ablbt eine Erklärung ab,
daß nach den Aeußerungen des Reihstanzlers in der
neichstagssitzeng vom Samstag es für d'e Verteidigung
vichtig fei, zu beweisen, daß bere ts vor dem Montag,
dem 26., Polizeibeamte sich nicht beschrän!“ haben auf
das was hres Amtes gewesen wäre, sondern daß sie
schon an diesem Tage in rücksichtslosester Weise gegen ganz
Unbeteiligte vorgefangen sind und harmlose Straßenpaf⸗
santen mißhandelt haben. Der Erste Staatsanwalt weisi
darauf hin, daß d'e Zeugen zwar nach bestem Gewissen
ausbagen, andererseits aber doch einseitige Bekundungen
nachen, sodaß nach dem Grundsaße „audiater et a'tera
ars“ auch Gegenzeugen vernommen werden müßten. —
Kors.: Wir berücksicht'gen nichts, was auderhalb dieses
Zaales vorgeht oder gesprochen wird. — Darauf wird
ie Zeugenvernehmung fortgesetzt. Zerge früherer Ritter—
utsbesißer Georg Sschmidt aus Wilmersdorf belun—
et: Ich habe gesehen, daß seitens der Schutzleute nie—
dals eine Brutal'tät begangen worden ist. Ich habe im
jegenteil gesehen, daß die Schutzleute sehr sanst und mit
teberlegung vorgingen. Die Zeugin Frl. Günther
—E
inzu'aufen, seien plötzlich uniformierte Schutzleute an sie
erangetreten und hätten ihr zugerufsen: „Na, DTu olle
krine, mach daß Du weiter kommst!“ Als sie sich er—
chreckt umdreh!e. habe ein Schutzmann gesagt: „Haut doch
ie olle Sau, daß sie liegen bleibt!“ In demselben Mo—
nent habe sie einen Hieb mit dem Säbel über den Rücken
rhalten. Zeuge Kammergerichtsrat Dr. Daberko rw
ekundet, daß die Polizei sich absolut ruhig und besonnen
enommen habe. obwohl es nicht verwunderlich gewesen
väre, wenn die Polizei in die Menge eingedrungen wäre
im sie zu zerstreuen. Ihm seien beim Passieren der Schutz
nannskette die Schutzleute immer höflich entgegengetreten
o2bwohl er seinen Namen nicht angab.
Arbeiterbewegung.
— Drohender Ausstand. Der französische rote Atbei—
er-⸗Verband hat beschlossen, in Paris und allen Orien
Frankreichs durch Plakate bekannt zu machen, daß er der
allgemeinen Ausstand für sämtliche Arbeiter-Verbände pro—
tlamieren werde, fal's das Urteil des Schwurgerichts von
sRouen nicht ausgehoben werde.
— Streikbewegung in Spanien. Wie der „Times“
aus Oporto berichtet wird, hat die städiische Verwaltung
die Gassabriken zeitweise in eigene Regie genommen. Die
Ausständigen haben eingen qi, die Arbeit unter städ
uscher Verwalinng wieder mehmen und sich berei
erklärt, ihre Forderungen ei. Schiedsgericht zu unter
hreiten, das aus Veriretern d. Parlelen zusammenge
setzt ist. * —
— Deutscher Reid, »
74* Eine stürmische Sitzung
(100. Sitzung.)
Nachm. 1 Uhr. Berlin,13. Dez.
Am Bundesratstische: Reschsslanzler v. Bethmaun—
Hollweg, die Staatssekretäre Wermuth, v. Tirpitz, Kider—
len Wächter, ». Lindequist und der Kriegsminister von
Heeringen.
Der Präsidententisch ist anläßlich der 100. Sitzung mit
einem von den Schrif führern gestiftelen Blumenstrauß ge—
schmückt. 5
Die erste Lesung des — N
Etats e
wird fortgesetzt.
Staalsfekretäir v. Lindequist: Herr Erzberger
hat in meiner Rede einen Hinweis darauf erblickt, daf
ich das Deutschtum in den Nolonien besonders pfleger
werde. Meine überseeische Tätigkeit dürfte eine hinrei—
chende Gewähr dafür bieten, daß ich unbedingt nur ein«
deu⸗schnatienale Golonial⸗Malitik betreiben werde Gei—
4
lunge Weid an seine Brust zu betten, sie mit Liebkosunger
zu überschütten.
Und doch schwieg er. Mit einem Achselzucken, aus den
je unendlich viel, nur nicht das, was in ihm glühte und
berzufließen drohte, entnehmen konnte, entfernte er sich.
Regine blieb mit ihren Tränen allein. ——
24 Kapitel.
Nachdem Elfriede die Ueberzeugung gewonnen, daf
jolkmer nicht mehr in der Gesellschaft weilte, suchte sie der
Baumeister“ auf. .
In einem elwas entlegenen Boskett traf sie mit ihn
usammen. Er war eh selbst Elfriedes berückend
xhönheit schien ihn zu lassen.
8 Ort ist wie geschaffen zu einer Aussprache, bei der
der Zeuge lästig empfunden wird,“ sagte sie schmeichelnd
hre Fingerspitzen auf seinen Arm legend, „welch schöne!
bend, Herr regesiezt Meine eeimen eerden el
eklagen, daß Sie sich so ganz zuruͤckgezogen haben.“
Werzeihung, meine —— ich hatte geschäftliche An
egenheiten zu bedenken. Meine Rückkehr nach Berli
ht zhhe bevor. Die schönen Tage von Araniues sind
vrbei. 52*
PDaos lieal boch nux in Ihrem Willen,“ bemerkte El
riede halblaut, „darüber läßt sich noch sprechen ... vo
Mem erxinnere ich Sie an Ihr Wort. Sie versprachen mi
sinige Mitteilungen über das Vorleben der Försterin.“
Er sah ihr, mit flammendem Blick tief in die Augen
ind zog sie tiefer in die grünen Gehege hinein, die zum
See hinabführten. „Könnten auch Sie mir Vertrauen
I— gnädiges Fräulein, so aanz unbedingt und rück
os?“
Eine fieberhafte Spannung bemächtigte sich des schönen
Nädchens. War jetzt der große Moment gekommen anfj
en sie so ungeduldig gehofft und gewartet? Würde der
„Baumeister“ ihr jetzt einen Antrag machen?
„Sis können noch fragen?“ gab sie, purpurn erglühend
zurück, „ich muß Ihnen ja glauben, mein Herz verlangt es.
Die Situgation war so recht nach ihrem romanischen
Sinn. Die tiefe, abendliche Stille ringsum, die Dunkel—
heit, welche nur durch das Sternenlicht und sparsam ver—
leilte Gaslämpchen gelichtet wurde, die Nähe des Mannes
mit den gewandten Allüren der Großstadt, das alles sagte
hr außerordentlich zu.
Abr Blut strömte rascher durch die Adern, ihre Vulse
all.) Das wird mich nicht abhalten, die Ausländer in un
eren Kolonien rücksichtsvoll zu behandeln. Der Staats
ekretär verteidigt den Gouverneur von Samoa gegen der
Zorwurf, daß dort die deutschen Interessen nicht genügent
sewahrt werden. Im übrigen werde er als Staaissetkre
är der Kolonialverwaltung es von den Gouverneuren ver
angen, daß das Deutschtum in jeder Beziehuna gefördert
verde. GBeiöall.)
Abg. Gans Edler zu Puttlitz skons.): Wir
euen uns über die Erklärung des Reichskanzlers zur
uswärtigen Politik. Die Etats-Debatte steht unser dem
zindrucke des Erfolges der Reichsfinanzreform. Wir kön—
en ohne Sorgen in die Zukunft blicken. Der Erregung
n Lande liegt nichts als die Steuerhetze der Presse zu
runde. Der schwarzblaue Block ist nichts als eine Le—
ende. Die konservative Partei ist einig nach wie vor in
er Ueberzeugung, daß das parlamentarische Regiment für
eutichland nicht vaßt. Gehr richtig! rechts.) —
Abg. David (Soz.): Der Felsblock, den der Schatz
ekretär den Berg hinaufwälzt und oben festhalten will
vird vom Kriegsminister und vom Staats e?retär der Ma
ine wieder heruntergeschleudert werden. Diese dulder
eine Ersparnisse Es ist eine Schmach für Deutschland
aß kein Ged für die Veteranen und die Witwen und
Vaisen vorhanden ist. Der Reichskanzler sollte seine Po
itik nicht nach der Mehcheit der Parteien, sondern nac
er unzweideutigen Wi lensmeinung der Mehrheit de—s
Holles einrichten.
Reichskanzler v. BethmannHollweg: Nach—
em von sozialdemokratischer Seite der Verdacht ausge
prochen worden ist, die Moabiter Krawalle seien durc
ßolize spitzet hervorgerusen und erklärt wurde, auch di
Noabiter Exzesse seien von neun zu zehn auf das Kontt
on Polizeispitzeln und Arbeitswilligen zu schreiben, war
ch natürlich verpflichtet, die Polizei gegen derartige An—
riffe in Schutz zu nehmen. GSehr richtig! rechts.) Das
jat mit dem schwebenden Verfahren gar nichts zu tun
Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Die moralisch«
Mitschuld der Sozialdemokratie bei den Moabiter Vor—
zängen steht fest. (Stürmischer Beisall rechts. Großer Lärm
ei den Sozialdemokraten) Mehrere sossialdemokratische
Ahgeordnete springen von den Sitzen auf. Der Abg. Fi—
cher-BVerlin schlägt fortgesetzt mit der Faust auf den
kisch. Ein anderer Sozialist ruft dem Reichskanzler zu:
Frechheit. Sie haben gesogen. Von der Rechten und an
eren Parteien werden einmütige Pfuiruse gegen die So—
ialdemokraten laut, während diese gleichfalls mit Pfui—
stufen antworten. Rechts wird gerufen: Frecher Bengel
Lizepräsident Schulze, der während der ganzen Szené
zie Glocke geschwungen hat, fragt, nachdem die Ruhe e
ruigermaßen wieder hergesiellt ist, wer dem Reichskanzler
ugerufen habe: „Sie haben gelcgen!“ Der Abg. Kunert
Soz.) meldet sich und vird zur Ordnung gerufen. In
dem tosenden Lärm erichallt von den sozialdemokratischen
Bänken der Ruf Frechheit! Vizepräsident Schulze ertei“!
dem betr. Rufer ebensalls einen Ordnungsruf und ruft
in den Lärm hinein: Ihr Redner hat zwei Stunden lang
ungestört sprechen können. Ich verlange von Ihnen, daß
Zie dasselbe dem Erstent Beamten des Reiches gewähren
Stürmischer Beisall rechts, Der Reichskanzler
ann schließlich seine Rehde fortsetzen. Er sagt: Darüber
»esteht kein Zweifel, daß es weder durch die dialektische
dunstfert'gkeit, noch durch Zeugenaussagen über vereinzelte
Nißgriffe polizellicher Beamten, und auch nicht durch Zwi—
chenrufe, wie Sie sie mir soeben an den Kopf geworsen
aben, geändert werden kann ... (Stürmischer Beisall
ind Lärm bei den Sozia demokraten.) Abg. Ledebour
Soz.) ruft: Schamlosig“eit, wofür er vom Vizepräsiden—
en Schulze zur Ordnung gerusen wird)
Abg. Schrader (F. Vp.) erwähnt unter ae
neiner großer Unruhe: Der Reichskanzler hätte n r
iggreßsiv sein sollen, sonst sei es unvermed ich, da
die andere Seite energ'sch wehrt. Er freue sich, daß un
ere auswärt'ge Beziehungen gut sind. Zum neuen Ko
onialsekretär habe auch seine Partei Vertrauen. Mit ei
ier bissigen Bemerkung gegen das Zentrum geht dann de
Redner zu Ausnahmegeseten über, die er verwirft. Red
ier polemisiert dann gegen den Modern sten-Eid. Die Re
zierung weist er darauf hin, ob sie nicht einschreiten solle
Abg. Gras Milzewki Wole): Die polnische Be
oülkerung hat kein Vertrauen zur preußischen Justiz, dar
in ändere kein Bestreiten des Staatssekretärs etwas.
Abg. Hilpert Gayr. Bbd.) stimmt den neuer
deeresforderungen zu. Das Reich solle aber doch auck
ür die Witwen und Waisen sorgen.
Hierauf vertagt sich das Haus zur Weiterbera ung au
Mittwoch 12 Uhr SAHsuß 6Ubhbr.
Berlin, 13. Dez. Die Reichstagskommission für die
Vertzuwachssteuer nahm bei s 55 beir. die Er
nächtigung des Bundesr3 zum Erlaß von Bestimmun
gen zur Ausführung und vendung des Gesetes geger
den Widerspruch des Staatss. tärs des Reichsschaham s
den freisinnigen Antrag an, der »3 Verordnungsrecht des
Bundesrats auf? die Ausführung 3 Gesetzes beschränk
uind das Verordnungsrecht über die Anwendung in Fort
all brinat. —
— ————— — — — —*
Handel und Verkee
Die Ginsuahr von Arbeitspferden hatte 'n den er
klopften so unruhig. Wer wollte von etinem leidenschaftlich
erregten jungen Mädchen in solchen Momenten klare Ueber—
egung, folgerichtiges Handeln verlangen?
Elfriede wußle so gut wie nichts von den Spitzfindigkeiten
der Welt. Es verlangte sie, aus dem Krähwinke!
ortzukommen, an der Seite eines geschätzten, situierten
Mannes das Lebn kennen zu lernen, es zu genießen. Sie
jlaubte das Ziel ihrer Wünsche erreicht zu haben. Eine un—
gestüme Freude durchbrauste sie, verwirtte ihre Sinne. Ihr
herz war so wenig wie gar nicht beteiligt. Und doch um—
ung ein süßer Rausch die Sinne des betörten Mädchens.
„Es ist da jemand, auf den vielleicht das Lied von der.
Trauben, die zu hoch hängen, Anwendung finden könnle,“
fuhr ihr Begleiter vorsichtig fort.
Elfriede, lachte, daß ihre Zähne durch die Dunkelhei—
olitzten. „Sie sprechen von Herrn Kelling, er beehrt mid
setzt mit seinem Haß.“
Exr stimmte in ihr Lachen ein. „Das ist lustig! Es
handelt sich da, soviel ich hörte, um die Geschichte einer Uhr,
ie Sie, gnädiges Fräulein, verloren hatten und von einem
Fräulein, einer Freundin Kellings, zurückerhielten.“
„Ach, pfeifen die Spatzen von den Dächern bereits dies
Angelegenheit?“
„Man spricht überall davon, wie auch über den fehlen
»en Brillanten.“
„Nun, und traut man der kleinen, dummen Emm
vrandis den Brillantendiebstahl zu?“
„Die Meinungen sind geteilt. Und schließlich, weni.
nan noch soviel zweifelt, bleibt der Verdacht doch auf ihr
Inn Der Stein ist fort, und Fräulein Brandis fand die
r.“
„Ja, es fügte sich großartig!“ spottete Elfriede, „nun
nag das Mädchen sehen, wie sie mit der Verdächtigung fer—
ig wird, mich soll es nicht kümmern.“
„Aber Sie könnten Aufklärung über den Verbleib des
Brillanten geben,“ sagte der „Baumeister“. Es kam Elfriede
ticht zum Bewußtsein, daß er in einem seltsam lauernden
Ton sprach.
„Ja, ich könnte es! Ha, ha, ha! Natürlich hüte ich
nich. Was geht jenes Mädchen mich an.
Er neigte sich ihr tiefer zu, ihre Hand zog er enger zu
ich heran. „Aber mir, Elfriede, vertrauen Sie Ihr kleines
zeheimnis an. Es wäre doch zu hübsch, wenn wir uns ge—
neinsam über die kleine Närtin amüsfieren könnten.“
„Das wollen wir auch. Ich freue mich ja, jemandg
unden zu haben, der sich gleich mir gern über Kleingeifice
ind Philisterei belustigti .. Der Brillant fehlte namlich
hon landge in der Ubx. Als ich vor einem Fabre bei mei
ten zehn Mona'en dieses Jahres gegen den gt Zeit
raum des Voriahres eine erheoliche Zunahme ersa un. Be
sonders ist die Zahl der eingeführten leichteren Ticre ge
tiegen. Die Zahl der eingeführten leichten Pferde hat sic
um etwa 25 Prozent gehoben, die der schwereren um nꝛ
etwa 19 Prozent. Ailerdings ist absolut die Zahl de,
schweren Pferde, die aus dem Auslande eingeführt wer
den, höher, als die der leichten. Insgesamt wurden ir
den ersten zehn Monaten dieses Jahres 102 020 Pierd
nach Deutschland eingeführt, davon gehörten 48 913 der
eichteren und 533 107 den schwereren Schlägen an Im vo
tigen Jahren waren es im ganzen 85 222 gewesen uns
zwar 39 027 leichte und 46 195 schwere Arbeitspferde
Die leichteren Arbeitspferde werden zum ganz überwiegen
den Teile aus dem europäischen Rußland ecingeführt. Die
es lieferte im vorigen Jahre 27 389, in diesem Jahr
35 225 leichte Pferde. Für die Einfuhr von schwere
Pferden kommen Belgien und Dänemark befsonders in B—
cacht. Belgien lieferte in diesem Jahre 20 914, Däne
arlt 21979 Stück. Im Vorjahre waren von dort 18 96
ind 18 957 Pferde nach Deutschland eingeführt worden
hinter diesen Ländern folgt in weitem Abstand Oester
eich⸗ Ungarn mit 4223 Pferden in diesem und 8724 Pfer
en im vorigen Jahre. Die in diesem Jahre in den Mo
taten Januar bis Oktober nach Deutschland eingeführter
Iferde repräsentieren einen Wert von 78 818 000 Mark
vovon 22 587 000 Mark auf leichte Pferde, 55 231 000
Nark auf schwere Arbeitspferde entfallen. Trotzdem alse
zelativ viele Pferde vom Auslande nach Deuischland ein—
jseführt werden, besitzt Deutschland selbst eine sehr ent
vickelte Zucht. So sind z. B. die leichten ostpreußischen
Pferde, die in der Gegend von Trakehnen gezogen werden
vohl den leichten russischen Pferden gleichwertig. Die ol
enburgischen und mecklenburgischen Schläge geben ein.
teelaneten Ersatß für dänische und belaische Pferde.
— —
Aus aller Welt.
Verhaftete Bankdiebe. Auf Grund e'ns Steckbrie
ses der Berliner Poiizeibehörde verhaftese die Porizei in
Lille zwei ehemalige Angestellte der Deutschen Bank in
Berlin, die vor drei Wochen nach Veruntrenung von 80 061
Mark eine Re'se durch Europa angetreten hatien. Sie wa
ren am 5. dss. in Antwerpen eingetroffen und hatien sich
von dort nach Lille begeben. Die Verhasteten, die unter
falschem Namen reisten, heißen Franz Krause und Frit
GBiese. Während des Verhörs legten beide ein Gestaͤndnis
ab. In ihrem Besitz wirden im Ganzen noch 75 Marl
gefunden. In dem von ihnen bewohnten Hotelzimmer
wird eine Haussuchung vorgenemmen werden.
Beschlagnahme beim »Weöerts“. Wie der „Vor
wärts“ mitteilt, wurde in seiner uckerei 56 Exemplare
der Dezember⸗-Nummer der „Fackel“, 5monatlich erschei—
nenden Agitations-Organs für die länd ne Bevölkerunç
der Provinz Brandenburg wegen eines Fedichtes: „Die
Beichte“ durch Polizeibeamte beschlagnahmt.
Flieger⸗Unfall. Auf dem Flugplatze Johannisthal
reignete fich ein Unfall. Der Aviatiker Thelen hatte mit
iner Schülerin, der Bildhauern Fräulein Beese aus
dresden einen Flug in einer Höhe von 6 bis 7 Metern
uusgeführt. Durch einen Bruch des Propellers stürzte der
Apparat zur Erde. Während Thelen umnverletzt blieb, er—
itt die Dame einen Knöchelbruch und mußte zu einem
Arzt nach Adlershof transportiert werden. Der Appara
ist vollständig zertrümmert.
Verhafteter Raubmörder. Der Raubmörder Her—
mann Franz, der in der Nacht zum 29. September zu
Schönhagen bei Pritzwalk den Bauerngutsbesitzer Klein
und seine Frau ermordet und d'e beiden Toöchter gedessel⸗
and um 11 Mark beraubt hatte murde in Lübeck er—
griffen.
Ein rabiater Kläger. Aus Riom (Frankreich) wird
zeme det: Ein Schuhmacher namens Boilon, der einen
Prozeß angestrengt hatte, erkundigte sich im Gerichtsge⸗
bäude beim Oderstaatsanwalt und bei den im selben Bu—
reau be'indlichen Substisuten, was aus seiner Klage ge—
worden sei. Als ihm die Substituten erwiderten, daß sie
der Prozeß nichts angehe, feuerte der Schuhmacher auf
ie mehrere Revolverschüsse ab und verwundete sie schwer
iamentlich der Zustand des einen Substituten namens La
ubice ist besorgniserregend.
Feuer an Bord. Auf dem am Samstag von Odessa
ausgelaufenen Frachtdampfer der Russischen Donau-— Ge⸗
ellschaft „Bulgarfa“ brach ein Brand aus, der 8 Stunden
undauerte. Der Dampfer kehrte am Dienstag völlig aus—
gebrannt zurück, ohne Steuer und Kompaß. Von der Be—
satzung ist ein Mann ertrunlen, drei erlitten lehr schwere
Brandwunden.
Zusammenstotz. In Piccasil'y, einer der Haupt⸗
verlehrsstraßen des Londoner Westends, kollidierten zwei
lutoomnibusse mit voller Gewalt. Beide Gefährte, die
'oll besetzt waren, wurden zertrümmert. Der Führer des
einen wurde mit gebrochenen Gliedmaßen ins „Hospital
gebracht. Auch eine Anzahl Passagiere erlitt erhebliche
Verletungen.
Gerettete Schisfbrüchige. Dank der drahtlosen Te—
egraphie ohne Draht sind die 50 Passagiere und ebenso
tarke Besatrunz des Dampfsers „Olympia“, der in der
stähe des Preunz Wilf'am-Sundes aestrandet war, geret
nen Verwandten auf Besuch war, fehlte es mir nicht mehr
vie an allem. Meine Kleider erschienen vorweltlich, die
derschiedensten kostspieligen Kleinigkeiten, die einer Toilette
erst den Charme verleihen, waren notwendig. Da kam ich
auf den rettenden Gedanken, den Edelstein auszubrechen.
und zu verkaufen. Ich erhielt eine Summe dafür, von der
ich mir einige Toileften kaufen und noch einen ansehnlicher
Rest für spaͤtere Gelegenheiten reservieren konnte. Mame
durfte natürlich nichts davon erfahren, ich redete ihr vor
all die neuen hübschen Dinge von unseren Verwandfen er
halten zu haben.“
Elfriede hätte noch hinzufügen können, daß die Aus
Jaben zu dem heutigen Fest gleichfalls bestritten wurden
aß sie ihrer Mutter vorgelogen, der Onkel habe ihr damals
5 gene größere Summe zu beliebiger Verwendung ge
chenkt.
Doch eine so bedingungslose Aufrichtigkeit bielt ie nich
ür notwendig.
„Als ich nun körichterweise die Uhr verlor,“ fuhr si
ort, „wünschte ich nichts sehnlicher, als daß sie niemals wie
er zum Vorschein kommen möchte. Dieser Wunsch gincç
richt in Erfüllung. Das junge Mädchen brachte die Uhr
zech konnte mich aber nicht entschließen, mir einer Fremder
begen eine Flut von Vorwürfen von Mama zu holen. Unl
etzi bereitet mir die Geschichte großen Spaß. Kelling ha
ich zum Beschütßer des Fräuleins aufgeworfen und mir i
iller Form den Krieg erklärt. Meinetwegen! Ich bin je
och wohl die längste Zeit hier gewesen und freue mich ar
den Tag, der mich aus diesem engen, erdr“ vden Kroet
efreien soll.“
Sie sah zu ihm auf. Ihre Augen leuchteten durch di
duntelheit. Fast wolte es ihm wie Witieid dewegen. Do
asch unlerdruͤckte er die Regung. Er war ja in höherer
luflrage hier. Sein Chef hatte ihm diese „Arbeit“ nu
ingern anvertraut. Nun Diesing sie so erfolgreich vol
racht, war eine Belobigung ihm sicher.
Paul Kelling war Jeit jenem Tage, wo Emmi Brands
ym ihr Vertrauen schenkte, ein gern gesehener Gast ir
hrer Familie geworden. Er lernte die Vorzüge und Tu
enden des herzigen Mädchens mehr und mehr schätzen un
konnte, daß er bisher einem Trugbilde sein Heiligstes, se
utes, treues Herz, dargeboten hatte und nun erst echten
ebenswerter, wahrhaftes Glück verheißender Weiblichkei
egegnete.
Seinem Versprechen, dem Verbleib des Brillanten, nach
aforschen, getreu, hotte er sich an ein hestrenommierte—
ussskunftsbuüreau gewendet und diesem die Klärung der An
»legenheit übertrager
Kämpfe mit Drusen. Wie Konstantinopeler Blau
er muüteisen, ist es in Terat neuerdings wieder zwscher
ürkischen Truppen und Drusen zu einem heftigen Kamp
zekommen. Die Drusen wurden zurückgeschlagen und lie
hen 18 Tote und Verletzte auf dem Kampfplatte. Von
hen Regierungstruppen wurden nur 50 Mann außer Gi
echt gesetzt.
31 Bergleute getötet. Aus Winnipeg wird berich
et: Nach den endgültigen Feststellurgen wurden durch di
zxplosion in den westkanad'schen Bergwerlen 31 Berglen
retötet.
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Köln, 13. Tez. (Falsche Selbstbezucr
un g.) Dieser Tage wurde die Mitteilung, daß sich
zchlosser aus Deuz der striminalpolizei mit der Angal
estellt habe, er habe seiner Schwester den Hals abg
chnitten und die Leiche in den Rhein geworgen. D
Pann wurde verhaftet und eine Untersuchung angeordne
die ergab, daß die Schwester gesund und munter,
DPann aber geisteskrank ist.
*Aachen, 13. Dez. GGroßbfeuer. Großfeuer
törte heute Nacht das städtische, von der Firma Dreu
vetriebene Quirinusbad. Zwei Keliner verbrannten. Fau
lbersonen erlitten erhebliche Brandwunden. Zwei Mäde
den durch den Rettungsapparat geborgen.
düsseldorf, 13. Dez. Butterfälschung
Nasgarinevergisitungen nehmen kein Ende. Ncr
ruut er wird hier massenhaft gefälscht. Set
chäftigt sich das Gericht mit derartigen Fällen.
beniger als fünf Butterfälscher wurden q einem
bgeurteilt.
* Elberseld, 13. Dez. (BWergiftungen du
Backa“.) Wie d'e Polizei bekannt gibt, sind auch u
inige Perfonen nach dem Genuß von „Backa“ aus de
Fabrik der Altonaer Margarinewerke Mohr u. Co. er
rankt. Die Polizeiverwalturg warnt deshalb vor den
Unkanf und Senuk dieses Margarineprodukts.
Begnadigungsrecht. J
Die Begnadigung zweer Ronner Borussen, die einen
kinjährig-freiwilligen Unzeroffizier gemeinsam überfallen
ind gemeinsam geprügeit hatten, zu ehrenvoller Fest⸗—
ingshaft wird im Publikum ungleich schärfer kritisiert, als
n der Presse. Gewisse Blätler bezeichnen die Kritik der
Presse als ungehörig und ungerechtsertigt, fügen hinzu,
daß die Ausübung des Kronrechts der Begnadigung au—
zerzalb der Kririt stehe, und geben der Annahme Aus.
)ruck, daß der Justizminister gute Gründe gehabt hätte,
venn er die Begnadigung empfahl. Diese Auffassung er—
cheint uns keineswegs als stichhaltig. Wer die Ausüb—
ung eines Kronrechts kritisiert, greift deswegen das Kron⸗
techt selbst durchaus nicht an. Wird die Ausübung jedes
onstigen Kronrechtes der Kritik unterzogen, dann steht
auch die Ausübung des Begnadigunrgsrechtes der Ktrone
nicht über der Kritik. Wenn man dee entgegengesetzte An—⸗
sicht grundsätzlich zur Richtschnur machen wollte, so würde
sie sich in der Praxis als undurchführbar erweisen: weder
das Volk, noch das Parlament, noch die Presse würde
mif Grund jenes Prinzips die Kritik an Begnadigungs—
ikten der Krone unterlassen. In Fällen, wie der vorlie
zende, wird die Kritik überdies herausgefordert. Aus wel«
hen Gründen ergibt sich ohne weiteres, sobald man die
Frage nach dem Zweck des Begnadigungsrechtes der
drone aufwirft. Er besteht nach H. von Treitschle darin,
Widersprüche auszugleichen zwischen der objektiven harten
Regel des Rechts und den subjektiven Verhältnissen des
inzelnen Falles“. — In Hermann Schulzes „Preußischem
Staatsrecht“ wird derselbe Gedanke in die Worte gellei—
det: Der Herrscher stellt, indem er in das Recht ein—
greift, das Recht wieder her.“ — Es leuchtet ein, daß
im Falle der Bonner Borussen von einer Wiederherstell⸗
ung des Rechts nicht gesprochen werden kann. Schon des⸗
jalb nicht, weil die beiden Borussen gemeinsam einen
Drlitten überfallen haben. Empfahl der preußische Justiz
ninister die beiden Borussen trotzdem zur Begnadigung,
so setzte er sich über einen hoch wichtigen Gesichtspunli
inweg, den R. von Mohl in fsolgenden Ausführungen
etont hat: Die Ausübung des Begnadigungsrechtes muß
iberall vom Staatsoberhaupte selbst ausgehen, einerseits,
weil die Unterbrechung des regelmäßigen Gaͤnges d
Nechtspflege eine so wichtige Angelegenheit ist, daß sin
eines eigenen Beschlusses des Staatsoberhauptes wer!
ist, andererseits nur bei ihm eine solche Unabhängigkei
und Unerreichbarkeit der Stellung vorhanden ist, daß un⸗
gerechtfertigte persönliche Einwirkungen auf die Ausübung
vieses Rechtes nicht leicht zu befürchten stehen. „Unge⸗
rechtfertigte persönliche Einwirkungen einer feudalen Ko—
terie scheinen im Falle der Bonne orussen erfolgreich
zewesen zu sein. Das ist zu einer Zeit, da in Moabit
gewalttätigkeiten von Angehörigen der breiten Volksmasse
zur Aburteilung stehen, doppelt beklagenswert. Das bleib!
aber auch an und für sich, ganz abgesehen von der Moa—
»iter Verhandlung, im Sinne der Darlegung bellagens
wert, mit der R.von Mohl für die Ausübung des Be—
madigunagsrechtes durch das Staaisoberhaupt eintrit
— E———
— ——
In jenem wureau war auch Diesing beschäftigt. Eit
Zufall wollte es, daß er den Namen jener kleinen Stad
sörtle. Da war sein Plan fertig. Er bat so eindringlick
is man ihm die „Sache“ anvertraute.
Er kam nur Regines wegen hierher. Rachsucht, et
zeutes Aufflammen seiner Leidenschaft für sie waren di
driebfedern. Als er Regine wiedersah im Schmuck der
räutlichen Myrte, ihm für immer verloren, schienen alle
ösen Geister in ihm entfesselt. Er knirschte mit den Zöb—
ien und ballte heimlich die Fäuste.
Sie wagte es also, ihm zu trotzen. Für sie war er über
saupt nicht mehr vorhanden, nicht mehr, als irgend ei
Tropf, mit dem man nicht rechnet, dessen Persönlichkeit v'*
n Betracht kommt.
Aber für diesen Hochmut sollte sie ihm bühßen! E
vürde es ihr beweisen, daß man ihn nicht ungestraft reizté
Er wollte ihr Glück zertreten, ihre Ruhe zerstören. Aus den
icheren Port des Forsthauses sollte sie wieder hinausgezerr
verden in die Welt. Und wenn sie dann vereinsamter, ver
assener denn je dahinvegitierte, wollte er triumphiere
iber ihr Unglück.
Während er seine persönliche Angelegenheit mit Ha
ind Rachsucht verfolgte, vernachlässigte er keinesweas ei
eschäftliche Tätigkeit.
Kelling vervollständigte die Instruktionen, die Hein
„on seinem Chef erhalten. Unter falschem Namen nähet
er sich Fräulein von Bittner, bei welcher er leichtes Spi
hatte. Keine innere Stimme verriet ihr, daß sie jetzt bli
in ihr Verderben hineintaumelte. Sie brachte dem „Bau
neister“, dessen oberflächliche Aufmerksamkeiten sie für ern
tes Werben nahm, unbedingtes Vertrauen entgegen.
Den höchsten Beweis desselben hatte sie ihm soeben
geben. Und noch immer war sie ohne Argwohn. Sieb
nerkte nicht den Blitz des Triumphes, der aus seinen dun
en Augen über sie dahinglitt, sie wartete auf das Wort, d
ie mit ihm für immer verbinden, sie aus kleinen, beschrän
en Verhältnissen erlösen sollte.
Sie wagte es gar nicht, jetzt von Regine zu sprechen
ihr lag alles daran, daß die Verlobung mit dem „Bar
neister“, an diesem Abend noch perfekt wurde. Wenn
eahnt hätte, wie gleichgültig sie diesen Manne war, w·
nn ihre bezaubernde Schönheit seinem Geschmack en
prach.
. Ihm schwebte ja wachend und im Traum ein andert
üßes Antlitz vor, welches in seiner klaren Blässe und de
arten Rosenhauch auf den Wangen die keusche., sin
Veiblichkeit personifizierte. O, hätte er jene Zeit zuru
ufen können, wo ihre blauen Augen sanft und freun«
u ihm emporschauten und ihre kleine Zand ih
⸗iniae stal