Dienstag, den 13. Dezember 1810. 23. Jahrgang'
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ändi Die Partser Morgenoblätter erortern die Reichs
Hollandische Butterkontrolle. agsrede des Reichs'anzlers von Bethmann Hoclweg Diie
Angesichts der geradezu unheimlich grassierenden Mar Laͤnserne“ schreibt: Während unser Minister des Aeußern,
garine-Vergiftung, die schon so viele Opfer gefordert hat, derr Pichon, sanst schlummert, hat Deutschland daran ge—
muß man sich doch fragen, warum denn unsere Nahrungs arbeitet, sih Ruß'and und Eng!and zu nähern. Die
mittelkontrolle, wie die Tatsachen lehren, gleich Null ist Sprache des Reichskanzlers zeigt, daß es hart am Ziele
Da ist es denn für unsere Leser zweisellos von Inte st. Aber wir könn en dafüer auch noch andere Zeichen au—
tede, zu erfahren, wie in Holland die Butterkontrolle aus führen. So wissen wir bestimmt, daß Rußland serne
geübt wird. Wohl handelt es sich hier um Naturbutter Wesigrenze von Truppen entblößt hat, da es gegenwärtig
aber auch dafür, und hinsichtlich der Anwendungsmöglich in keinen Zwist mit Deusschland mehr glaubt — das ifi
leit auf die Kunstlutter“ wäre manches für unsere maß iemlich klar —, aber dann haben wir das Recht, Herrn
gebenden Stellen lehrreich und nachahmenswert. Es wür— ßichon zu fragen, wie es mit der französisch-russischen Al—
den dann die Opfer dieser „Butterlunst“ in Zukunft we ianz steht und ob wir über 20 Milliarden nach Pelersniger
gesährlich werden. »urg deshalb exportiert haben, damit auf unsere Koften
Es seien über die Holländische Butterkontrolle einige ine russisch-deutsche Entente abgeschlossen wird. — Die
Mitteilungen gemacht: Die Butterfabrikation spielt für di Action“ fragt, ob das französisch-russische Bündnis, das
holländische Volkswirtschaft eine große Rolle. Im Jahr hnehin schon durch gewisse militärische Maßnahmen im
1909 wurden im ganzen 62 Millionen Kilogramm Butte Tone eine erhebliche Einbuße erlitten hat, nunmehr im
erzeugt, wovon mehr als die Hälfte, nmlich 3z3 bis 360 uropäischen Gleichgewicht denselben Finsnunß wie früher
Millionen Kilogramm ausge ührt wurden. Wenn man vesitzen werde.
das Pfund Butter mit 1.20, Mark berechnet — das ij Wegen der inneren Vorgänge wird die Rede des
gegenwärtig ungefäühr der Preis ab hollandische Molke eutschen Reichskanzlers in London wenig besprochen.
cei —, so fließen Holland jährlich un geführ 80 Millionen der „Standard“ sieht in den wiederholten Eroͤffnungen der
Marl für Butter aus dem Ausland zu. Deutschland iß nglifchen Regierung eine Demütigung, die das rad kale
in steigendem Maße Abnehmer von Butte!; im Jahr Nimister um dem Lande zugefügt habe. Die „Daily News“
4909 beirug die Einsuhr von Holland 16 Millionen Kilo billigt im ganzen Bethmanns Siandpunkt, daß weniger
gramm in formelles Abkommen a's eine Besserung der polit schen
Nun gibt es in der Nahrungsmittelbranche kaum en Beziehunden anustreben sei und sieht die gegebene Zeit
Prodult, das oft so gefälscht wird — sei es durch Zusat ür diese Besserung in dem kommenden Jahre bis zum
minderwertiger Fette, sei es durch Wasserzugabe — wie di 57rlöschen des deutichen Flottengesetzes.
Butter. Das hat die hölländische Regierung veranlaßt B — ——
in Buttergesetz zu schaffen, das außerordentlich scharfe 9 i
Bestimmungen enthält und Butterfälscher mit Gefängnis— 8 eanadigungen.
zis zu einem Jahre bedroht. Butierfälschungen sind abe! Die Begnad'gung von zwei Bonner Borussen, die
nicht so leicht zu erkennen und es ist schwer, die Fälsche zusammen mit anderen Korpsgenossen einen einjährig frei⸗
n den einzelnen Fällen zu ermitteln. Da ist nun die willfigen Unteroffizier überfallen und geprügelt hatten, zu
Privatinitialive hervorgetreien, indem von gewissenhafter ehrenvoller Fest ingshaft hat begreiflicherweise einigerma⸗
Butterproduzenten unter Mithilfe und Unterstützung de' hßen überrascht, nicht weil man eine solche Anwendung
segierung ein System der Kontrolle geschaffen wurde, das des Begnadigungsrechts an sich jür unmöglich gehalten
nteressani genug ist, um einem großen Publikum bekann hätte, sondern weil man in diesem Falle, wo das Ur—
u werden. Die holländische Buterkontrolle ist eine Be teil schon recht milde war, doch nicht geglaubt hätte, daß
riebskontrolle, verbunden mit einer chemischen Kontrolle da noch eine Begnadigung platzgreifen würde. Die lkon⸗
Es gibt acht Kontrollstationen. Jede von ihnen unter ervativen Blaͤtter wollen freilich eine Kritil des Begna⸗
zält ein Laboratorium. Geleitet wird die Statien vor igungsrechtes überhaupt nicht zula sen. und der „Reichs⸗
inem Chemiker, außerdem sind zwei bis drei Kontrolleur ote“ hat zudem noch eine sachliche Rechtfertigung unter⸗
vereidigie Beamte) angestellt, die die Einrichungen der ommen, indem er meint, es habe sich um ein Vergehen
Mi glieder mehrmals und zu unbestimmten Zeiten besu ehandelt, zu dem sich der jugendliche Uebermut im Assest
hen und zwei bis drei Mal im Monat Butter- und der unter den Einwirkungen eines Rausches habe bin
Rahmproben entnehmen. Die Rahmproben werden in eißen lassen. Den Uebermut wollen wir gelten lassen;
Laboratorium verbuttert, und die dabei erhaltere Butten s war aber der Uebermut von Leuten, die da glaubten,
nuß in der chemischen Zusammensetzung mit der in der je dürsten sich gegenüber gesellschaftlich schlechter Stehen-⸗
Molkerei entzüwmmenen Butlerprobe überenstimmen. Te. en alles herausnehmen. Und der Exzeß war nicht im
Proben werden genau analysiert. Die Ergebnisse einen uffelt begungen worden, sondern vorbereitet, unter An
eden Prüfung werden notiert, und mit der Zeit verfüg vendung roher Gewalt, viele fielen über einen he.
sonach der Direktor einer Butterkontrollstation über eil Wir bezweifeln doch, daß das Volksempfinden suͤr
zroßes Zahlenmaterial, das über den Charakter der But iesen Gnadenakt Verständnis hat, wenn in anderen Fäl⸗
ser seines Kon rollbezirks genau Aufschluß gibt. Ueber di en bei viel schwereren Strafen keine Begnadigungen statt
Zutter jeder einzelnen Molkerei liegen ihm die Jahre hin inden. Da sieht der ‚Reichsbote“ — und ihm sekundie
urch gesammelten und in Tabellen zusammengestellter ren die „Hamburger Nachrichten“ — freilich nur Roheits
Inalysenzahlen vor. Da nun die Zusammensetzung der akte proletarischer Unholde und den Geist zügelloser Vru—
Butter eines bestimmten Betriebes ziemlich konstant ist talität. Wir sind im Gegenteil der Meinung, die Bruta,
rgibt sich für den untersuchenden Chemiler die Möglich lität ist größer bei nichtproletarischen Elementen, die trot
eit, bei den geringsten Abweichungen Untersuchungen nad der besseren Erziehung und ohne Provokation sich zu
en Gründen anzusgA. Sämtliche Analysenergebniss Roheiten hinreißen lassen. Die „Hamburger Nachrichten“
verden von allen acht Konra sstationen monatlich an die zehen noch weiter und wollen üßerhaupt von der vollen
Reichsmolkereiuntersuchungsstation in Leiden mitgeteilt. Zleichheit vor dem Gesetz nicht? wissen. Sie machen gel—
Damit nun der Käufer zu jeder Zeit die Gewißhei end, daß für den einen die ge etliche Verhandlung und
jat, nur kontrollierte Buiter zu erhalten, wird eine staat Bestrafung nach den Auffassungen einer Kreise viel schwe
iche Schutzmarle im äußerst zweckmäßiger Weise auf de cer wiege und einen Makel bedeute. während der Prose
Battter selbst angebracht. Die Schutzmarke reigt das nie arier in seinem Fortkommen nicht gehindert werde. Diese
derländische Wappen und trägt die Worte „Nederlandsche atsächliche Ungerechtigken müsse durch die Gnade aguisge⸗
Botercontrole“, ferner in kleiner Schrift den Vermerk „Un glichen werden. Das heißt mit anderen Wor en, aristotro
er Staatskontrolle“. Auf der Marke ist ein Buchsiabe tische Erzesse dürsen nicht so schwer bestrast werden wae
er die Kontrollstation bezeichnet, und eine laufende Num— olebejischel Eine nette Rechtsauffassung: Daß der Prole,
ner angebracht. Die Schutzmarke wird von Staatsweger arier viel eher Versuchungen ausgesetzt ist, darüber wird
nit blauer Farbe auf einer besonderen Sorte Papier ge zinfach hinweggegangen. Was bei dem einen als Bruta
ruckt und numeriert und damit sie nur einmal gebrauch lität bezeichnet wird. soll bei dem andern als übermüti
verden kann, wird sie perforiert. Die Schutzmarken sind ner Jugendstreich gelten! Wir danken für solche Gerech
zom Staate den Nontrollsiationen verliehen und mit ihre g!eit, die nach Klassenunterschieden differenziert wird.
Verteiluna wird sehr sorafältig nerfahren Jed⸗e— 4 un kerumon a aleich »rvSĩ R-rvSerung von Stan
Eine Flucht.
8 war keine glückliche Ehe, kein frohes Leben im
ause.
Horst und seine junge lebhafte Frau waren abgereisi
. nun schleppte sich ein Tag nach dem andern mühsam
in. ———— 8* J
. Der einzige, welcher davon profitierke, daß Regine Frav
rörsterin geworden, das war der kleine Hanus. Er durfte
Mama“ fagen, und ein echtes Mütterchen war es, welches
hm der Himmel geschenkt, sein kleines Herz vermochte das
zroße Glück kaum zu fassen, alles war Jubel und Séligkei
n dem lieben, kleinen Bürschchen.
Regines Bett stand noch in ihrem Mädchenzimmer und
aneben das ihres kleinen Sohnes. In der Liebe zu dem
————
Die Leidenschaft zu Volkmer hatie sie in der verbor⸗
jendsten Falte ihres Innern eingesargt. So konnte sie ihn
nit kühler Gleichgültigkeit begegnen. Den geheimnis
zollen, göttlichen Funken in ihrer Brust, der nur für der
ꝛigenen Gatten glühte, wollte sie doch nicht an diejen ver
ichwenden, wenn er demselben mißtrauisch, verständnislot
egenüberstand. ——7
So gingen sie heimlich grollend neben einander dahin
der frühere harmlos freundliche Ton wollte sich zwischer
nen nicht wieder einstellen.
Regine wußte recht wohl, daß sie sich einer Gefahn
aussetzte, wenn sie jener Einladung folgte, aber sie tat es
w hocherhobenem Haupte, mit dem Mute der Verzweif
ung.
An einem warmen Septembertage war es, als der Wa
gen vorfuhr, um das junge Ehepaar zur Stadt zu bringen
Regine trug ein waschseidenes Kostüm vom zartesten
Frau mit feinen rosa Mustern durchwirkt. Ein weißes
Spitzenfichu von hohem Wert vervollständigte die ebense
einfache wie reizende Toilette. In dem hochfrisierter
Blondhaar trug sie ein paar frische Rosen.
Volkmer hatte kaum einen flüchtigen Blick für sie. An—
scheinend waren seine Gedanken weit ab.
Schweigend fuhren sie durch den flüsternden Wald da⸗
iin. Noch prangte das herrliche Grün. wohin auch das
luge sich wandte. Und doch war bereits ein herbssliches
stegen im Forst. Die Singvögel bereiteten sich auf die Ab⸗
eise vor, die Blumen hatten an Duft verloren. Matte
Sonnenstrahlen glitten wie Blicke aus müden, enttäuschten
lugen über die Landschaft
Regine hatte die Augen geschlossen, doch war weder
duhe noch Frieden in ihr. Schon während der leßtzten
dacht hatte sie keinen Schiaf gefunden.
Umsonst war sie damals geflüchtet, umsonst ihr Schwei
en gewesen, diese Erkenntnis lastete schwer auf ihr. Hein;
HRiesing ging darauf aus, sie zu kompromittieren, ihr eine
mypfindliche Niederlage zu bereiten, das war doch sicher
zer einzige Zweck seiner Anwesenheit hier.
Nun, sie war eine mutige Lebenskämpferin. Und war
s ihre Bestimmung, unterzugehen, so wollie fie sich wenig
tens bis zum letzten Atemzuge wehren. Man sollte nich
jlauben, leichtes Spiel mit ihr zu haben. Schon des Kin—
es wegen, dem sie unersetzlich war, mußte sie all ihre
Villenskraft aufbieten, um ihren Platz zu behaupten.
Es begann bereits zu dämmern, als sie ihr Ziel er—
ꝛeichten. Sie gehörten zu den letzlen, die kamen.
Lautes Sprechen und Lachen tönte ihnen entgegen
zunte Glaslämpchen leuchteten überall.
Der Hauswirt hatte der Rätin auch den hinter den
dause gelegenen Garten zur Verfügung gestellt, der sich bis
um See hinabzog. Eine elegante Gefellschaft bewegte sid
sier zwanglos.
Volkmer war bei allen hochangesehen. Aber seinen
jungen Frau brachte man keine Sympathien entgegen.
Vorurteile, wie sie nur in kleinen Städten so rasch ent
tehen und wie ein Lauffeuer um sich greisen, begegneter
ihr bei den meisten der Anwesenden.
Niemand wußtes Bestimmtes, aber daß da irgend et
vas nicht stimmte, war die allgemeine Ansicht.
Elfriede kam dem jungen Ehepaare mit einer Freund
lichkeit entgegen, der auch der leiseste Hauch von Herzlich
keit fehlte.
Sie trug eine rosa Toilette von einem so leichten, fei—
nen Gewebe, daß es eigentlich zu duftig für den Septem
bertag erschien.
Die Wirkung allerdings war überaus reizend, geradezrv
bezaubernd. Der schneeig weiße Hals sowohl wie die zart
gerundeten Arme schimmerten verführerisch durch den soser
Ztoff, das dunkle Haar umflutete, nur durch ein rosa Band
eicht zusammengehalten, wie ein dunkler, glänzender Rah
men das blühende, stolze, herrliche Antliß. Ein Perlen
qürtel umspannte die schlanke Taille. Taufrische Rosen ir
en zartesten Farben lagen in dem dunklen Haar und
ichmückten den Halsausschnitt.
Als Volkmer sie sah, durchzuckte es ihn wie ein elektri
cher Schlag. Wie ein höheres Wesen, eine Fee erschien si
bim in ihrer blühenden. mädchenbaften Schönbeit. Un'
soviel Anmut hatte er von sich gewiesen! All diese süßen
Reize hatten sich ihm zugeneigt; daß Elfriede nicht sein
Weib geworden, war seine Schuld allein.
Wie kam er nur dazu, ein so großes, ungewöhnlichs
Blück zu verschmähen! Bei dem Gedanken, daß die selb,.
gewählte Fessel bereits festgeschmiedet sei, übergoß es ih
zlühendheiß. Seine Augen blickten in stummer Leiden
schaft, stürmisch fordernd und doch auch wieder verzwen
felnd in Elfriedes lachendes, strahlendes Antlitz.
Er hätte sie an sich reißen, ihre Lippen mit glutvolle
düssen bedecken mögen. Die Versuchung war stärker, al
ein Wille.
Da brachte ihn das leise Rauschen eines seidenen Ge
vandes zur Besinnung., Erschrocken sah er zur Seite. Ne
»en ihm stand Regine, sein Weib. Bleich und lieblich wi
in duldender Engel stand sie neben ihm, mit zu Boden ge
enktem Blick.
Sein Weib! Und neben ihr tauchte visionenartig ein
raunes Krausköpfchen auf, das sich eng in ihre Arme
8* und zu jeder Zeit dort Aufnahme fand — sein
in
Er atmete tief. Es riß und zerrte in ihm, aber mil
estem Willen bekämfte er die Versuchung. Ein ernstes
dächeln verschönte sein männliches, markantes Gesicht.
„Ich freue mich, gnädiges Fräulein, Ihnen meine Frau
jorstellen zu dürfen, und hoffe auf Ihre gütige Nachsicht
za wir es bisher versäumten, unseren Besuch zu machen.“
Die Rätin näherte sich der kleinen Gruppe und Volk
echentschuldigte sich auch ihr gegenüber mit Geschäftsüber⸗
ürdung.
„Einem altbewährten Freunde rechnet man derlei klein
Interlassungssünden nicht an,“ sagte sie, Regine kühl die
ringerspitzen reichend. Dann rauschte sie weiter.
Sie trug ein mattlila Seidenkleid und sah sehr vor—
ehm aus.
Man flüsterte überall und tauschte Vermutungen. Ei
varen so allerhand Gerüchte im Umlauf. Die Rätin sollt
on einem erheblichen Geldverlust betroffen worden sein.
Ind trotzdem gab sie Gesellschaften und kaufte elegante Toi
etten. Woher mochte das Geld dazu kommen? Man wußte
och, daß die Rätin kein Vermögen besaß und nur eine be—
cheidene Rente bezog.
Elfriede nahm Volkmers Arm und zog ihn mit sich
ort. „Haben Sie sich während Ihres Urlaubes in der
3tadt amüsiert?“
„„Ich war dort, um zu arbeiten, gnädiges Fräulein
Nein ganzes Amüsement waren ein paar Theaterabende.“
Sie hatte ein Dutzend Fragen in Bereitschaft. Sie
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pußte, daß ihre Nähe ihn berauschen und von neuem mu
einer Pflicht in Konflikt bringen würde. Aber gerade die⸗
es frivole Spiel bereitete ihr ein großes Vergnügen.
Regine sah sich bald allein. Langsam ging sie weitetr.
Ihr war es, als schreite sie auf Dornen vorwärts. Jeden
Moment fürchtete sie eine Begegnung mit Diesing.
Oder ob er sich gar nicht mehr hier am Ort befand?
Aber eine innere Stimme sagte ihr, daß sie mit ihm zu
ammentreffen werde. Dieses dunkle, spannungvolle ca
das sie auf Unvermeidliches gewissermaßen vorbereitete, wi
nicht von ihr.
Nur zögernd gelangte sie vorwärts. Dort, wo es leb
haft war, mochte sie nicht weitergehen. All die dreisten
ieugierigen Augen, die so ungeniert auf sie starrten, taten
hr weh. Sie suchte die Einsamkeit auf.
Zwischen hohem, ernstem Buchsbaum führte ein We—
bis zum See hinab. Auch hier waren in kurzen Abständen
Spaliere gebildet, an denen kleine, buntfarbige Lampen
gläser hingen.
Regine glaubte sich ganz unbeachtet. Sie wurde ein
wenig ruhiger.
Da trat ihr aus einem Seitengange Diesing entgegen
Vanz unvermutet stand er vor ihr. Sie zitterte und eilte
auf eine in grüne Hecken gleichsam hineingedrückte Bani
au. Dort sank sie erschöpft nieder.
„Diesing stand vor ihr und betrachtete sie mit glühenden
Blicken. Nie zuvor war sie ihm so begehrenswert erschienen
wie an diesem Abend in der fremden, vornehmen Umgebung,
in der seidenrauschenden Toilette und dem köstlich duftigen
Spitzenfichu.
Er sank vor ihr nieder, keines Wortes mächtig. Wenn
r sie sich jetzt noch zurückerobern könnte! Was war ihm
Elfriede mit all ihren Reizen! Nicht eine Faser seines Her⸗
zens zog ihn zu der vollbewußten Schönheit.
Aber dieses keuschliebliche Antliz mit den wonnigen
Blauaugen hatte es ihm nun einmal angetan.
Konntest du wirklich dein Wort, das du meiner Mut—⸗
er auf dem Totenbett gabst, vergessen? Wie war es mög⸗
cich, Regine, daß du einen Mann heiratest, der keinen Blid
rür dich hat, der dich nur aus Berechnung nahm?“
Sie raffte sich zu einer Entgegnung auf. Seine Worte
crafen sie wie Schläge, aber ihre Pfilicht war es, dieselben
zu parieren.
„Sie haben kein Recht, Herr Diesing, in dieser Weise
nit mir zu sprechen. Ich habe Sie nicht zum Vertrauten
neiner Angelegenheit gemacht.“
„Leider nein! Und doch bin ich Ihr treuester, auf⸗
pferndster Freund. Lassen Sie diesen unnatürlichen Ste
daqine. ageseben Sie es wenidostens mir gedenüber ein. dat