Nr. 284.
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Posischließfach Nr. 14
28. Jahrgang
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Sonntadsblatt und heitere Zlätter. ad 4 pro aspaltige Petitzelle.
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Amtliches Publikationsorgan
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5— 235 in. 3 1ersität folgte. Prosessor Rax Sering wurde 18357 in
Die Eisenbahnerbewegung in Italien Barby geboren; er studierte in Straßburg, Leipzig, machte
Während, die Vorlage zur Reform der Staatsbahn usgedeknte Reisen nach Nordamerika, habilitierte sich in
—88 Ide se die eeoden e ser Bonn und ist seit 1897 an der Berliner Universität tät'a.
achung der Bureaukratie bezweckt, im Lande eine gute 4 2 5
usnahme finder und man ih von der Durchfuhrung de⸗ Das Ergebnis des deutschen
Besetzes eine entschiedene Besserung der Verhaͤlimisse ver— * 32645 44e6455
pricht, haben sich die Eisenbahner mit den ihnen gemach— Heeresergänzuugsge chäftes.
en Konzessionen nicht zufrieden gegeben. Wir sehen von Angesichts der durch die Zeitungspresse laufender
zahlreichen Einzelkundgebungen ab, wie von den wenig Vermutungen, daß die Einführung einer Wehrsteue:
tespektvollen Telegrammen, die auf den Tisch des Mini— in Anzuge begrifsen ist, der die nicht zum altiven Diens
ters Saccht geregnet sind, von der Drohung der Genue—⸗ n der Armee und Marine herangezogenen Wehrpflichti
er⸗Gruppe des Eisenbahner-⸗Syndikats, in Obstruktion zu jen unterworfen werden sollen, gewinnen die Ergebnisse
reten, und von dem Semonsirationszug, den die römi— es Heeres⸗Ergänzungsgeschäftes ein besonders akuellee
chen Eisenbahner von der Piazza dei Cinquecento am znteresse. In der beistehenden Tafel sind diese Ergebnisse
Ausgang des Hauptbahnhofs durch die Hauptstraßen der ür d'e Aushebungsbezirle der e'nzelnen Armeekorps nach
Ztadt nach der Kammer machen wollten, eine Kundgeb ßrozenten zur Darstellung gebracht, wobei das preußihe
ing, die von der Polizei verboten wurde. Worauf es vardelorps ausgeschieden ist, weil es seine Rekruten nich
ankommt, das ist vielmehr die Haltung des Eisenbahner— ms einem einzelnen, unbegrenzten Aushebungsbezirke, son
Syndikats, der bei weitem größlen Organisation, die ca. ern aus den verschiedensten Gegenden erhält. Die end
146 000 Mitalieder umsaßt. Ihr Zentralausschuß han zältig abgefertigien sind dabei: untangliche, künftig taug
eschlossen, ein Reserendum unter den Mitgliedern zu ver— che, mindertaugliche, untaugliche und unwürdiges welch—
anstalten darüber, ob sie erstens die Vorlage annchmen tztere aber wegen ihrer geringen Zahl in der Zeichnunç
und zweitens welche Takbik anzuwenden sei, um den Ge t besonderz —r Daritellung vebracht merden nen
setzentwurf eventuell zu bekämpfen. Die Ausstellunzen, 8
die die Eisenbahner an der Vorlage Sacchi zu machen
haben, sind mannigfacker Art. Zunächst sind sie natürlich
nit den ihnen gemachten Gehalts-Aufbesserungen nicht zu—
rieden, wogegen der Mindsster Sacchi erklärt hat, er sei
nit den bewilligten 20 Millionen bis an die Grenze des
Möglichen gegangen. Einen wahren Entrüstungssturm
iber hat eine Bestimmung hervorgerufen, wonach in
drankheitsföllen der Lohn der ersten drei Tage und ein
Viertel des Lohnbetrags der folgenden Zeit zu Gunsten
reiner neu zu gründenden Wohltätigkeits-Anstalt abzuzie—
jen sind. Diese Maßregel hat der Minister Sacchi weni
zer aus fiskalischen als aus disziplinären Gründen ein
ühren wollen, denn in den letzten paar Jahren, wo sie
zufgehoben war, sind die Krankheitsfälle um 30 Prozen
zestiegen. Weiter fordern die Eisenbahner die Aufhebung
des Streikverbots und größere Rechte für ihre Vertretung.
Endlich verdient es hervorgehoben zu werden, daß sie
rnergisch gegen die geplante Besteuerung ihrer Freikarten
drotestieren, während dagegen merkwürdigerweise andere
dreise, die durch dieselbe Maßregel getroffen werden, und
zie Städte, die die Bezirksdirektionen verlieren sollen,
»isher ziemlich ruhig sind. Einen Teil ihrer Forderungen
wverden die Eisenbahner wohl noch während der Verhand—
lungen in der Kammer durchsetzen; im übrigen ist es
bisher nicht wahrscheinlich, daß ein Streik eintreten wird
Nur macht es einen gewissen Eindruck, daß neben der
fisenbahnern auch die Angestellten der Post- und Tele
zraphenverwaltung, sowie die Arbeiter der Kriegswerkstät
en in eine Lohnbewegung eingetreten sind und Forde—
ungen aufsteslen, die es dem Schatzminister immer
chwerer machen, das Gleichgewicht im Budget aufrecht zu
rhalten F. 3.
Politische Rundschan.
Deutsches Reich.
*æ Der „Breslauer Zeitung“ zufolge hob der Reichskanz
er die einstweislige Verfiigung über die Zollbehand
ung von Kleie auf, die für Handel und Land
wirtschast eine schwere Schädigung bedeutete.
*Die Aufnahme des Abg. Prof. Spahn in
die Zentrumsfraktionnsst mit großer Mehrheit
beschlossen worden. Etwa 90 Abgeordnete waren amn
vesend.
* Bürgermeister Wag ner-Tapiau (F. Vp.) ist bei
der Stichwahl im Wahlkreise Labiau-Wehlau
nit erheblicher Mehrheit gewählt worden. Der Wahl—⸗
kampf war sehr heftig, die Beteiligung überaus rege. Im
ganzen Wahlklreis herrscht großer Jubel.
* Ueber Versuche, den Reichskanzler für eine Aus⸗
nahmegesetzgebung gegen Sozialdemo—
raten zu gewinnen, erfährt die „F. 3.“ von besonde—
rer Seite, daß die Versuche tatsächlich auch noch in aller⸗
etzter Zeit angestellt worden sind und dabei auch die Vor—
zänge in Moabit eine Rolle gespielt haben. Der Reichs—
Deutscher Reichstag.
(96. Sitzung.)
Vorm. 11 Uhr. Berlin, 10. Dea
Am Bundesratstisch: Reichsskanzler von Belhmann
Ddollweg, Dr. Delbrück, von Heeringen, von Tirpitz, Wer
muth, Kraet?e, Dr. von Lindequist, Dr. Lisco, Wacken
zapp. — Die erste Lesurg des
1F tat⸗a
wird fortgesetzt.
Reichsskanzkze von Bethmann⸗H0ollwegt
Meine Herren! Es ist mir unmöglich gewesen, an Ihres
zestrigen Sitzung teilzunehmen und ich bedauere lebhaft
aur den Eindruck des gelesenen, nicht des gesprochenes
Wortes zu haben. Ueber die auswärtige Politik rt
erst in einem späteren Stadium der Debatte sprechen u
wende mich gegenwärtig nur ein'gen Fragen der inneren
Politik zu. Die Herren, die gestern geredet haben, habet
cauch den Zusammenhang betont, der zwischen der Reichs
finanzreform und dem Etat für 1911 besteht. Dieser Zu
sammenhang liegt auf der Hand, denn gleichviel wie mar
sich zu den neuen Steuern in ihrer Gesamtheit oder in
einzelnen stellt, für die praktische Politik ist entscheidend
wie wir uns hätten einrichten sollen, wenn die Reichs
finanzreform nicht gemacht worden wäre. So annähernt
eine Milliarde mehr Reichsschuld in wenigen Jahren, da⸗—
wäre ziffernmäßig ausgedrückt das Ergebnis gewesen, ver
bunden mit all den Einbußen, die bei Fortsetzung der
Anleihewirtschaft Deutschland nach innen und nach außer
erlitten haben würde. Ueber der Polemik um die Besitz
steuern hat man ganz vergessen, was die Nation bewegte
als wir vor zwei Jahren die Steuergesetze einbrachten
Das war nicht der Streit um einzelne Steuerarten, son
dern die Ueberzeugung, daß es mit der Finanzwirischaft
die wir lange Jahre getrieben hatten, nicht weiterging
Teshalb hat auch Fürfi Bülow, ich erwähne das, weü
sich darüber falsche Anfichten zu bilden beginnen, aus der
Ablehnung der Erbschaftssteuer nicht die Konsequenz ge
zogen, daß der Reichstag aufzulssen sei, sondern ex ha
den sofsortigen Abschluß der Reichsfinanzreform auch ohm
Erhschaftssteuer für eine Lebensforderung bdes Reiches au
gesehen und hat dieser Forderung seine Person untergé
ordnet. So ist der Hergang gewesen, der jetzt zum Zwee
parteipolitischer Fruktifizierung vielfach verschlezert wordei
ist. (Sehr richtig! rechts.) Der Etat, den Ihnen der Reichs
schatzsekretär vorgelegt hat, ist die beste und bündigstk
Rechtfertigung darauf, daß die verbündeten Regierungen
den Beschlüssen der Reichsstagsmehrheit beigetreiten sind
trotz ihrer Bedenken, die sie im einzelnen zu erhebet
hatten. Allerdings kann das ganze Volk fordern, daß di
Regierungen nunmehr mit den ihnen bewilligten Mitteb
haushalten und den Grund zu einer douerhaften Sanle
rung unserer Finanzlage legen. In das Gebiet der 3
»el gehören alle Erzählungen von Krisen zwischen e
heeres- und Marineyerwaltung und der Reichsleitanig
der Armee- und der Marineetat ist auf der Grundlage
»ölliger Verständigeng zwischen den beteiligten Ressorie
uufgestellt worden. Auch die anderen Aufgaben, die dat
deben des deutschen Volles an uns stellt, würden nich
rleichtet werden, wenn die Parteien dauernd von der
Zergangenheit leben wollten. Ich verweise zunächst au
as große politische Gesetz, auf die Reichsvpersicherungs
Irdnung, die ihrer abschliebenden Beratung harrt. Hier
sat die Haltung der Parteien selbst gezeigt, wie weni—
ich die sozialpolitischen Fragen dazu eignen, unter dew
vesichtswinkel bestimmter Parteikombinationen behande
u werden. Ebenso, wie sich der Aufbau unserer ganzo
ozialpolitischen Gesetzgebung auf die Arbeit und die Ver—
dienste der Liberalen so gut wie des Zentrums und de
Konservativen gründet, ebenso hat auch diesen Somme,
das gemeinschaftliche Wirken der Parteien die vorliegen
den Arbeiten gefördert. Manche Fragen werden auch zw
chen den Parteien im Wege des Kompromisses gelöft wer
den müssen. Aber die Einführung der Hinterbliebenenver.
icherung und die Ausdehnung der Kranlenversicherung au
große bisher nicht versicherungspflichtige Kategorien sint
in sich ein bedeutungsvolles und einschneidendes Werk unt
»edeuten jed nfalls die Ersüllung von Forderungen, die
Anage vor dem Nussßbruch her Rlockstreitiakeiten mit der
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ondern den untauglichen zugeschlagen sind. Den höchsten
Prozenisatz an tauglichen hat das 15. Armeekorps (El—
aß) mit 66 Prozent, dann folgen das 1. (0sipreußische)
tdorps mit 63,5, 17. (westpreußische) Korps mit 60,9,
»as 14. Korps (Großherzog von Baden) mit 58,7, das
16. Korps (Lothringen) mit 58 und das 3. Baherische
Armeekorps mit 88,1. Weitaus die schlechtesten Rekrutie
ungsergebnisse hat das 3. (brandenburgische) Armeekorps
n dem von 100 endgiltig abgefertigten nur 43,3 tauglich
varen und das 6. (schlesische, Armeekorps mit 51,4 unter
dundert. Bei dem außerordentlich niedrigen Prozentsatz
er tauglichen kommt deutlich der Einfluß Berlins und sei
ter Vororte zur Erscheinung. Von 5339 507 im letzten Be—
ichtsjahr endgiltig abgefertigten wurden 283 005 ausge—
zoben oder traten freiwillig ein, 92645 wurden als
leberzählige oder künftig taugliche der Ersatzreferve und
.223 888 dem Landsturm 1. Aufgebots als mindertauglich
iberwiesen. Zu Zuchthausstrafe usw. Verurteilte wurden
Is Unwürdige ausgeschlossen 836, davon allein im Be—
rk des 3. Armeekorps (Brandenburgische) 107 und im
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Eine Flucht.
Als die Angst um sein Leben sie damals in den dunklen
mitternächtigen Wald hinaustrieb, hatte er in ihren schöner
Augen wie in einem Spiegel zu lesen geglaubt.
Nun aber zweifelte er doch, ob es Liebe gewesen, was
hm ihre strahlenden Sterne verraten.
Er seufzte. Doch einen Vorwurf wagte er selbst in
seinem Innern nicht gegen sie zu erheben. Er hatie ja
ruch sie nicht zur Vertrauten seiner Enttäuschungen und
eines Herzenskummers gemacht.
Daß auch das stille, pflichtbewußte Mädchen mit, ihrem
herzen, bereits Schiffbruch erlitten hatte, mußte sie ihm
igentlich, so meinte er, noch näher bringen; sie waren beide
rschöpfte Kämpfer, welche sich glücklich schätzten, in den
Friedenshafen einer Ehe einlaufen zu können, aus der das
Wort Liebe von vornherein verbannt war.
Regine blieb auch während der letzten Wochen vor der
hochzeit im Forsthause. Volkmer hatte sich in der Stadt
im Gasthofe ein Logis gemietet.
Die junge Frau Horst stand der Braut treulich zur
Seite, nur meinte sie, wisse Regine das Glück, Volkmers
Battin zu werden, nicht genügend zu schätzen. Es sein
geradezu Sünde, so gleichgültig und gewissermaßen geistes—
bwesend dem Hochzeitstage, dem wundersamsten Tage im
deben einer Frau, entgegenzusehen.
Und endlich zog der bedeutsame Morgen sonnig, in
trahlender Klarheit herauf. Es war Ende August. Aul
den Feldern stand das Getreide bereits in Garben. Die
Nachtigall sang nicht mehr. Aber im Walde wehte eine
cöstlich eaehde Luft. Jeder Grashalm war mit Tau⸗
»erlen geschmückt, die Blumen dufteten stark. Draußen auf
dem unbeweglichen See schwammen weiße Wasserlilien,
Schmetterlinge wieaten ich n dor warmen, köstlichen
Sommerluft.
Um Mittag herum brütete drückende Schwüle über den
Wipfeln. Reglos standen die Bäume. Lina Horst sah
esorgt nach dem Wetter aus. Sie befestigte soeben den
Myrtenkranz in Regines blondem Haar. Der Schleier
umwallte bereits die schlanke, bräutliche Gestalt.
Ueber den Baumriesen segelten in immer kürzeren
Abständen weißgraue Wolken dahin, die ersten Vorboten
eines heraufziehenden Gewitters.
„Wenn unser Herr Prediger pünktlich ist und die Zere
nonie ein wenig kürzt, können wir noch vor Ausbruch des
Bewitters zurück sein,“ meinte Lina, „ebensogut kann es
ins aber auch unterwegs überraschen, dann ist mein schönes
eues Seidenkleid vordorben“
Ailsle Leane Antivort erhielt, umarnite sie egine.
„Wenn ich doch nur aus dir und Volkmer klug werden
onnte, Herz. Heute endlich möchte ich glauben, daß du
lücklich bist. Bis dahin wollte es mir immer scheinen, als
egtest du dir einen Zwang durch diese Heirat auf... *
Sie beugte sich tief über die junge Braut. „Sage mir
b du Volkmer lieb hast, Regine?“
Eine feine Röte überzog das blasse Gesicht des jungen
Mädchens. Sie wollte sprechen, doch kein Wort kam über
ie bebenden Lippen. Nur aus ihren Augen ftrahlte eir
jelles Licht, wie die Verheißung eines köstlichen Glückes
Da küßte Lina sie auf die Stirn. Gott fegne euch
hr treuen Menschen, die ihr meinem Herzen aleich naht
teht, gebe nur der Himmel, daß ihr euren Wert gegenseitic
im vollsten Umfange erkennt.“
Regine drückte ihr nur stumm die Hand. Dann erhob
sie sich. Unten waren die Wagen vorgefahren.
Volkmer kam die Treppe hinauf. Lina berabschiedete
sich mit einem Kusse von der Freundin.
Der Förster stand vor seiner jungen Gattin, welche ihm
tandesamtlich bereits angetraut waͤr.
Sie sah rührend lieblich aus in dem duftigen Kleide
uus Tüll und Spitzen. Aber die zarte Roöte war schon
vieder aus ihren Wangen geschwunden. GSie hatte sich
erhohen und stand mit, gesenktem Blick vor ihm.
Und auch heute, wie so oft schon, tauchte ein anderes
zerückenderes Bild visionenartig vor seiner Seele auf. Rot⸗
lühende Wangen, lachende Braͤunaugen, dunkles, flutendes
haar. ... O, seine Braut, sein junges Weid hätte gans,
anz anders aussehen sollen, als diefe blaffe, stille Er—
cheinung, welche dreinschaute, als habe fie ich zu einer
Trauerfeier geschmückt.
Er, bauchte einen Kuß auf ihre Stirn, und schritt Hand
in Hand mit ihr die Treppe hinab. Nus einem der hinteren
käume drang Hänschens Geplauder herüber.
Da ermannte Volkmer sich und bannie die Vision.
sein, Elfriede sollte ferner nicht mehr wischen ihm und
einem Weibe stehen. Sie war von nun an die Muller
eines Kindes, dessen treue Pflegerin sie bis dahin gewesen.
die Pflicht forderte, daß auch er ihr mil edem Aemzuge
ingehörte.
Die Haustür prangte im Schmuck einer Girlande
luch der Hochzeitswagen war bekränzt, der Kutscher er—
chien in Gala mit weißen —*88
— Den beiden im Wagen Sibenden war beklommen au⸗
dute. Valentin legte Regines Hand in die seinige. Se
uhren sie schweigend durch den träumenden Wald
In einer guten halben Stunde war die Kirche erreicht
zinige Bekannte halten fich vor dem Nltar versammelt
Die Orgel spielte und pünktlich zur festgesetzten Stunde
tieg der greise Prediger die Stufen zum Altar empor.
Doch schon während er sprach, brachen sich kurze Wind⸗
töße an dem Gemäuer draußen, dann fielen große Regen⸗
ropfen gegen die Bogenfenster. In der Ferne ließ sich
umpfes Grollen vernehmen.
Der Geistliche beendete ein wenig überstürzt die Trau⸗
rede und sprach den Segen. Der Sturm sang sein brau⸗
endes Lied dazu. Kein Sonnenstrahl erglänzte.
Und während die Worte der Liebe wie ein sanfte
Nahnung an Regines Ohr tönten, mußte sie an den
Schwur denken, den sie einst der Sleibenden geleistet hatte,
um ihn zu brechen.
Die Zeremonie war zu Ende. Beglückwünschend um—
ingten die wenigen Freunde die Neuvermählten. Aber
eftige Donnerschläge übertönken die halblaut gesprochenen
gratulationen.
Der Prediger schickte den Hüster und ließ die kleine
Hochzeitsgesellschaft bitten, in seinem Hause zu warten
is das Unweiter sich verzogen habe.
Aber davon wollte Volkmer nichts wissen. Er lehnte
dankend ab. Er sei veriraut mit Donner und Blitz. Das
Valdorchester bereite der Zörsserin einen jubelnden
Empfang.
Wir bleiben in der Sakristei und kommen später
nach.“ bestimmte Horst, meine Frau fürchtet sich und ick
nöchte sie vor jeder Aufregung bewahrt wissen.“
Als Regine sich, von Volkmers ÄArn geleitet, zum Ge
hen wandte, blickten ibre Nugen, wie magnetisch angezogen.
ur Seite.
Sie zuckte wie im höchsten Erschrecken zusammen, Volk—
mer beugte sich besorgt über sie und dang folgte er un—
willkürlich der Richtung ihrer Augen.
Neben einem der grauen Sandsteinpfeiler, ganz in der
Nähe des Altars, stand ein stattlicher Ronn mit einem
bleichen Gesicht, aus dem dunkle, leidenschaftlich blickende
Jugen auf die weiß gekleidele Braut starrten. Unsympa—⸗
chisch erschienen Volkmer die verschwommenen Züge, sowie
zer hohnvolle Ausdruck um den sinnlichen Mund.
Der Fremde verneigte sich grüßend gegen die Braut
doch jede seiner Bewegungen war ironisch und verriet beab⸗
aichtigten Spott.
Regine zitterte wie Espenlaub. Ihre Füße trugen sie
aum. Nur langfam, mit schleppenden Schritten konnte
sie sich vorwärls bewegen.
Sie hatte in dem Fremden Heinz Diesing erkannt.
Im Weitergehen bemerkte sie, daß Elfriede von Bittner
m ieine Saite frat und ibn wie aine Nokannten anredete
Vas sollte dies alles bedeulen? Hatte Diesing fich
mit der Aristokratin derbundet, um gegen Regine Vöses gu
unternehmen?
Doch was konnle ihr geschehen? War fie nicht Vold
mers Gattin und stand unier seinem Schutz?
.Und doch war es ihr, als senkten sich graue ga
nieder, um ihre Herzensfreude zu ersticken. Slets Fa⸗
sie eine geheime Furcht, daß es zur Trauung nicht kommen
werde, geschüttelt.
Als aber der Norgen so licht und sonnenhell herauß
zog und ohne jeden Zwischenfall die amtliche Eheschließung
⸗ollzogen wurde, was kümmerten sie da später drohende
Wolken, Sturm und Regen!
Sie fühlte sich so wohlgeborgen, der Wiederschein eines
Jimuichen Friedens hatte auf ihrem lieblichen Antlih ge
egen. J
AUnd nun wagfe sie nicht, dem soeben angekrauten Gal⸗
len ins Gesicht zu sehen, aus Furcht vor seinem forschenden
trafenden Blick. J
Auf Volkmers Stirn stand eine düster drohende Falt⸗
Er hatte recht wohl gesehen wie Elfriede zutraulich ihre
Fingerspitzen auf den Arm des Fremden legte. Und er
pußte, auch, daß jene beiden von ihm und seiner jungen
Frau sprachen.
BVielleicht hätte er sich zu einer Frage aufgerafft, do«
ein greller Blitz tauchte das schon von leichtem Dämmerlich
umflossene Schiff der Kirche in ein Lichtmeer.
.„Das Wort erstarb auf seiner Lippe, ein Donnerschlag
ließ die Grundvesten des Gotteshauses erbeben. Valentin
sttrebte, die bleiche Braut am Arm, dem Ausgange zu.—
RKein Kuß besiegelte den Bund. Bleich und siumm sad
das junge Paar sich gegenüber, von den entfesselten Ele—
menten umtost. F
Doch davon bemerkten sie kaum etwas. Volkmer sab
Flammen vor den Augen. Der Zorn kochte in ihm.
Jener Fremde und Elfriede von Bittner belustigten sich
über ihn, er hatte es wohl erkannt, sie sprachen über Regi⸗
nes Vergangenheit, die er, der Ehemann, nicht Sannte.
Dieses blasse Mädchen hatte ein seltenes Mittel ohl
berechneter Koketterie angewendet, um ihn, den unet Iire
nen Mann zu fesseln. Anstatt sich aufdringlich zu geig
hatte sie von vornherein eine kalte Zurückhaltung gezeigb
Nur seinem Kinde gegenüber war sie freundlich und zutum
* Ihn machte sie von Zeit zu Zeit durch einen Blitz aus
en Augen glauben, daß sie ihn liebe. J
Dabel hatte sie ficher an den anderen gedacht, mit wel⸗
en die Bergangenheit sie verknüpfte,