Nr. 282. — —“
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* —— — ——— ——
— Freiburg i. Br. Die Voltszählung ergab 83 036
Personen. Zunahme seit 1905 um 12,1 Prozent.
Würzburg. Die Einwohnerzahl von Würzbur—
beträgt schätzungsweise 84 100 gegen 80 327 am 1. De
zember 1905.
Nürnberg. Die Volkszäh'ung hat für das letzt
verflossene Jahrfünft ein Anwachsen der hiesigen Bevölke
rung von 291 426 auf 332 539 Personen ergeben.
Erlangen. Die Einwohnerzahl ist hier um 1135
zuf 24874 gestiegen.
Pafssau. Unsere. Stadt zählt 20861 Einwohner
jegen 21107 vor fünf Jahren. Der Rückgang um 246
erklärt sich daraus, daß sich damals viele Eisenbahnarbei—
ter hier befanden, die nach Beendigung ihrer Arbeiten
unsere Stadt wieder verlassen haben.
BMülhausen. Der empfindliche Rückgang der Be—
völkerung unserer Stadt von 94 498 im Jahre 1908 au
24 014 am 1. Dezember dss. Is. muß umsomehr befrem
den, als in der Zwischenzeit die Garnison um ein ganzeẽs
davallerie⸗Regiment verstaͤrkt worden ist.
Berxlin. Die Einwohnerzahl für Berlin belief sich
am 1. Dezember auf 2 180 000. Im Jahre 1903 betrucç
sie 2040 148, währeid es im Jahre 1900 1888 848
ẽinwohner waren.
Erfurt. 111 498 Personen gegen 98 im Jahr⸗
1905.
Königsberg i. Pr. Die Einwohnerzahl Koͤnigs
ros heirat 248 O08s geoen, 223,770. in 1908.
Der Streit um die Befestigung von
Vlissingen.
Unter den gegenwärtig in den Niederlanden an der
Tagesordnung vesindlichen politischen Streitfragen nimmt
der Kampf der Meinungen um die Befestigungswerke von
Blisingen die erste Slelle ein. Diese auch für die be—
iachharten Mächte hochinteressante Frage schwebt bereits
eit langer Zeit und wurde in den leßten Monaten wie
derholt mit der sagenhaften Affäre des angeblichen „Kai⸗
erbriefes“ an die Königen Wilhelmine zusammen erör—
ert. Gute Freunde De ands hatten nämlich die al—
erdings bis zum heutigen Tage unerwiesene Behauptung
mifgestellt, daß Deutichland auf Holland in der Frage
»er Befestigung der Vlissinger Seeküste einen starken Druck
musgeübt habe, und daß das ganze Vorgehen Teutsch
ands eine deutliche Spitze gegen Englande zur Schau
ae Dor holländische Minister des Aeußern. v. Swin
—
Der Etat.
Der Reichstag begennt am Freitag die erste Lesung
„es Etats, die sich nach altem Brauch über mehrere Sitzingen
erstreckt und einer allgemeinen Aussprache nicht nur
iber die Finanzen des Reiches, sondern über die gesamte
golitikt und Verwastung und den davon unzertrennlichen
arteipolitischen Auze nandersetungen gewidmet ist. Die
dritik des Etats und der Finanzlage kommt dabei häufig
»gar zu kurz; sie ist auch, nachdem der Reichstag die be—
IAtendsten alten Kenner unseres Etats- und Finanzwe
ins allmählich verloren hat, nicht jedernanns Sache
Nan darf annehmen, daß in diesem Jahre über den Etat
elbst und die damit zusammenhängenden Finanze- und
ztenerfragen eingehender gesprochen werden wird, als frö
er zuweilen, weil dabei über die Wirkungen der lebzten
teichsfinanzreform zu urteilen sein wird und weil dem
deichstage in Wermuth jetzt ein Schatzsekretär gegenüber—
leht, der sich seit der kurzen Zeit seiner Amtsführung zu
inem wirklichen Leiter der Reichsfinanzen ausgewach'en
sat. Seine Vorgänger waren eigentlich alle Märtyrer
uuch wenn einzelne von ihnen persönlich tüchtig waren
58 hat es keiner von ihnen im Verhältnis zu den Reichs
anzlern und in den Beziehungen zu dem mächtigen preu
ziischen Finanzminister zu dem Einfluß gebracht, den der
deiter der Reichss nanzen haben muß, wenn er nicht le—
iglich die Stelle sein soll, der die anderen Ressorts mit—
ilen, wieviel sie brauchen, während sie es ihr überlas—
en, wie sie mit den vorhandenen Mitteln auskommen
»der neue bereit stellen soll. An dieser Aufgabe sind alle
Schatzselretäre gescheitert. Es ist wohl keiner freudig in
ieses Amt hineingegangen und ieder hat es schließlich mit
inem Seufzer der Erleichterung verlassen.
Herr Wermuth scheint nach allem, was man bisher
eobachtet hat, der erste zu sein, der, im Einverständnis
nit dem Reichsfanzler und von diesem unterstützt, einer
virklich entscheidenden und jedenfalls viel weiter gehender
kinfluß auf die Bemessung der Ausgaben hat, als irgent
iner seiner Vorgänger. Er drängt auf Sparfamkeit, er
etzt sie durch, soweit es irgend möglich ist. Er ist 6
twas wie ein Reichsfinanzminister und scheint sich des
vegen Anerkennung bei so ziemlich allen Parteien zu er
tingen. Er ist auch mit Ersolg bemüht, größere Klarhei
n das allmählich sehr kompliziert und nur noch für Spe
ialisten kritisch verständlich gewordene Gebiet, der Fi
ianz⸗ und Steuerverwaltung des Reiches zu bringen. Ei
sat schon im vorigen Jahre dem Reichstag durch di
dlarheit seines Finanzerposees gefallen, und man sieht mi
Interesse der Rede entgegen, mit der er am Freitag di
Eeneraldebatte über den Etat eröffnen wird. Dann folger
gewoöhnlich nach der Stärke der Parteien die Fraktions
edner.
Man hat früher gelegentlich durch ein stilles Ueber
inkommen eine gewisse Ordnung in die Debatte gebrach
ind die auswärtige Politik von der inneren geschieden
das scheint, so schreibt der „Frankfurter Zeitung“ ihr Ber
iner Korrespondent, diesmal nicht für notwendig gehal
en zu werden, vielleicht weil nicht beabsichtigt ist, beson
ders viel über auswärtige Politek zu sprechen. Sie win
also in dem bunten Gemisch der verschiedensten Fragen
die in diesen Etatsdebatten durcheinandergehen, behandel
werden, und dann wird der Reichskanzler wahrscheinlich
n der Rede, die man von ihm erwartet, das, was e
Ver unfere Beziehungen zu andern Mächten vielleicht zr
agen hat, mit anbringen. Der Reichskanzler wird an
ersten Tage der Debatte nicht anwesend sein, er hat dem
Präsidenten mitgeteilt, daß er verhindert ist. Er muß ap
einer Hofjagd teilnehmen, die an diesem Tage in Spring
zu Ehren des österreichischen Thronfolgers stattfindet. Er
ist nicht das Jagdvergnügen, das ihn dorthin führt, son
dern er selbst und andere halten es für angebracht, daß
der Reichskanzler während dieses kurzen Besuchs des öster
reichischen Thronfolgers nicht fehlt. Der Reichstag hat auck
daran keinen Anstoß genommen, denn sonst hätie er der
Beginn der Etatsberatung um eine Sitzung verschieben
lönnen. Er hat das nicht getan, weil so wie so in der
ersten Sitzung außer dem Schablokrotär auch noch dee
Der Duellunfug.
Zwei Forderunge.« zum Zweikampf stehen, so schreib
der Reichsbote, im Vordergrund der Tagesgeschichte. In
beiden Fällen erregen sie selbst in denjenigen Kreisen
ernstes Kopfschüttern, die sonst nicht zu den prinzipiellen
Gegnern des Duel s gehören. Ein Professor der Natio
nalökouomie an der Berliner Universität hat temperament
voll der Pistole die Enticheidung anheimgegeben über ei
nen auf wissenschaftliche Meinurgsverfchiedenheiten zurück
leitenden persönlichen Gegensatz zu einem Koillegen
Dieser Erscheinung haftet unzweiselhaft der Reiz des Neue!
an, sollte indessen ganz und gar nicht hauerndes Heim
tättenrecht auf deutschen Universitäten eingeräumt werden
Rach Artikel 20 der preußischen Verfassung ist die Wissen
schaft und ihre Lehre srei. Es liegt nicht im allgemeinen
Interesse, daß dieser wohlbegründete Grundsatz eine Kor
reltur erhüli von den Lehrern nach dem bei den Schü
——
geäuferten „Zweisel an der Intelligenz“ als enen nu
mit Blut zu sühnenden Tusch gegen die Ehre des akade
mischen Bürgers erachtet. Auch bei den Begleiterscheinunge!
des anderen Zweikampfes begegnet man nur einer Mei
nimg, die ihre Spitze freilich nicht gegen die Ursachen
wohl aber gegen die Wirlimgen eines Duells, noch daz
eines nicht zur · Anwendung gebrachten, kehrt. Ein ältere
Offizier, Oberleutnant der Landwehr, und in seinem 8i
vilstande Rechtsanwalt und Notar, ist auf Grund eine
ehrengerichtlichen Spruches mit schlichtem Abschied au⸗
einem militarischen Dienstverhältnis entsassen worden, wei
er einen anderen Reserveoffizier, einen Kaufmann, nac
einer brieftichen Belesdigung nicht zum Zweikampf gefor
dert hat, mit der unter Beweis mestesfteen Roarindung
Kart Wernet π
der aus Kaiserslautern. Werner ist ein jugendliches, bart
oses Bürschchen mit hellblondem vollem Kopfhaar, mit
elgroß und schmächtig. Er überrascht geradezu durch d'e
darmlosigkeit seiner Erscheinung.
— nmmm — —
Volkszählungs⸗Gegebnisse.
Barmen. Die Vwolkszählung ergab eine Einwoh
nerzahl von 169 019 Personen, gegen 156 080 im Jahre
905.
Elberfeld. 170066 gegen 162833 im Jahre
905 war das Ergebnis der Zählung.
Bochum Der Großsiadtbezirk Bochum mat nach
»einer vorlaufigen Schätzung 136 829 gegen 118 455 im
Fahre 1905
Düsseldorf. 1910: 356 733; 1905: 118 455.
Ohne die eingemeindeten Vororte beläuft sich die Zunahme
uf 34322.
Worms. Die Volkszählung ergab 46 8834 Einwoh—
ier gegen 44 288 im Jahre 1905. Zunahme somit 2566.
Osnab rück. Ergebnis der Zählung: 65 822 Per⸗
onen (gegen 59 580 im Jahre 1905).
Ludwigshafen a. Rh. Hier wurden 83297
kinwohner gezählt gegen 72 287 im Jahre 1905.
Aus Baden. Gezählt wurden am 1. Dezember
n: Mosbach 4240 (1905: 3977) Einwohner, Tauber—
zischofsheim 3605 (3299), Bühl 3622 (3489), Achern 4870
4613), Oberlirch 3984 (3941), Triberg 4020 6717), Furt
vangen 5405 (5281), Donaneschingen 4076, Singen 8368
7396), Schopfheim 3830 (3860), Radolfzell 6002 (5202)
Zäckingen 4628 (4223), Waldshut 4271 (63824).
Mannheim. Nach dem vorläufigen Ergebnis der
Golkszählung beträgt die Einwohnerzahl der Stadt Mann—
zjeim 193 379. das 24 670 mehr als im Fahre 1905
—24
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Kleinigkeiten stets auf deinem Recht. hier handelt es: das Brautkleid sowohl wie verschiedene andere Dinge in
lich migt —A— t — der Reichshauptstadt einzukaufen wünschte.
Die Beharrlichkeit der Mutter schien die junge Dame Und so fuhr die junge Braut an einem duftigen Som ˖
nervös zu machen. Trotzig irat sie mit dem kleinen Fuße wermorgen im offenen Wagen zur Bahn. Wit dem Zuge,
auf. „Ich weiß nicht, was geschieht, wenn diese Soche nicht er nach Mitternacht eintraf, wollte sie zurückkehren. Hors
beigelegt wird!“ ind iunge — praen sie abzuholen.
„Im Gegenteil, forschen will ich, der Geschichte auf den s war ihr alles wie ein Traum.
Grund gehen, nicht eher ruhen, als bis der vieb entlarvt Damals, als sie die Großstadt verließ, war es kalt und
ist! Und, wenn ich mir einen Geheimpoliziften aus Verlin ahle Bäume empfingen sie im Walde.
dommen lassen soll!“ Jetzzt blühte der Hochsommer. An grünen Wiesen und
Elfriedes sonst immer rosige Wangen waren erbleicht reundlichen Ortschaften, an goldigen Getreidefeldern und
Nun, wenn du so starrsinnig dist, trage auch die Folgen, ichgesegneten Sbslplantagen eiste der Train ut ihr vor
sagte sie herb, aber die Strafe wird auf dich zuruͤckfallen. iber. Stets wechselnde anmutige Bilder boten sich ihren
—A—— Und doch schloß sie bald in sanfter Träumerei di
Frau von Bittner wollte heftig etwas erwidern. Da ebhafien Inleresse dar. ——— —
erhob sich Kelling. Iugen, das Damals mit dem Jetzt vergleichend. Wie hatb
„Gnädige Frau, ereifern Sie sich nicht weiter. Ihr ich doch alles zu ihrem Glück gewenßsef!
Iräulein Tochter weiß ganz genau, wo der Brillant sich ve Heimatlos war sie hinausgeirrt, und nun noch wenig
indet er urde vielleicht ange vorher ausgebrochen / bebor Wochetteun ser die Gane es echatshaheen wohl
ie Uhr verloren ging.“ R abenden, vrielseitig gebildeten Mannes des Mannes, wer
ze Id rachtoser Enpörung starrte die Rätin ihn an. hen üe hit hee dün atte
Die Worte ihrer Tochter, daß. Kelling Böses gegen fie er— Das Glück war nicht vollkommen, nein, gewiß nicht
inne, kamen ihr ins Gedächtnis. Eine solche Veleidigung Vielleicht warleten noch ernste, an Prüfungen reiche Stunden
vagen Sie wehrlosen Frauen gegenüber, wo Sie mongte ihrer, aber eines Tages mußte sich ihr Volkmers Herz dod
ang gls Gast in meinem Hause verkehren? vohl zuwenden, sie hoffte es immer wieder von neuem!
„Verzeihung, gnädigste Frau, daß ich Ihnen, gezwun · Trotzdem sich im Saufe der Stunden angenehme Gesell—
ermaßen etwas Unangenehmes sagte . Sine Kräutkung chaft un damctepeted buc er en
arekieticht, sondern aller Wabrscheinlichkeit nach die ltend Sie hattelhhlhern ergahlt dheß e v e
Wabrheit. —F F aber der Verlobungsring fehlte ja noch au ihrer Hand
„Die Rätin hatte sich erhoben. Mit der Würde, die det dar ent schon am nächsten Sontag von der
chte Vornehmheit und das graue Haar ihr verliehen, stand Zangel herob verkuündet werden sollte, Es war eben alle⸗
ie den erregten jungen Leuten gegenüber. „Gehen Sie, ellsam in ihrem Leben, anders, ais es sonst üblich
derr Kelling. Ihh war Ihnen aufrichtig zugelan. Von Im Fluge schwanden die Stunden. Gegen Mittag
etzt ab sind wir Fremde. uhr der Zug in Berlin in den Anhalter Bahnhof ein
Kelling verneigte sich ehrerbietig. „Ihre Worle schmer⸗ Die Wellen der Großstadt umbrausten sie.
jen mich tief, gnädigste Frau, aber die Slunde wird kommen, Eine Luft, die Regine erstickend heiß erschien, erfüllte
wo Sie einsehen, daß Sie inir unrecht getan haben.“ die weite Bahnhofshalle. Hochmoderne Dainentoiletten
Erx ging, unfähig, das was in ihm vorging, zu schlichten Nänner in daundehaster leinnen jedem Gesichtszug die
und zu verstehen. Nur das Bewußifein, im Viensi einer weifelhafte Existenz verratend, Gelehrte und Künstler, ge
uten, gerechten Sache gehandelt zu haben, verhüteten, daß hminkte Frauengesichter, ein Vurcheinanderhasten, aus dem
e Vogen der Erregung üherbrandelen. 9J jervorging, daß ein jeder nur mit sich selbst beschäftigt war,
zInd als er das innere Gleichgewicht nur einigermahen nd über dem allen ein Bauch von Ueberendune ndeucher
urücder langt hatte. ging er datan, das Emmi gegebene ürduug —
bersprechen zu erfüllen. Sein Plan war fix und fersig. — Langsam, alles beobachtend, ging sie dem Ausgange zu—
Eines Tages rückte Regine mit ihrer Absicht, auf einen rine VDroschte bredte sie nach der Strahe Umer den inden
da — verreisen, doch heraus. Es war aim Donnerstag dort ftieg sie aus.
3 enem Sonntag, wo Voltmers Brief eintraf. Bei Kranzler nahm sie, eine Erfrischung, ein.
AMran Sori and es sehr natürlich daß ihre Freundin Der ganze Trubel wirkte betäuübend añf fie. Welo
Eine Flucht.
vr las den Brief und konnte einen Ausruf, der setnẽ
Empörung verriet, nicht, unterdrücken. „Das ist eine fatale
veschichte, die Ihnen leicht verhängnisvoll werden kann,
zräulein Brandis. Aber verlassen Sie sich auf mich. Ich
tehe Ihnen unbedingt zur Seite. Vertrauen Sie mir un—
»edingt. Noch weiß ich nicht, auf welche Weise man den
berbleib des Brillanten nachforschen kann. Aber die Wahr⸗
zeit soll an das Tageslicht, ich verspreche es Ihnen. Sie
nüssen glänzend gerechtfertigt werden.“
Das junge Mädchen atmete erleichtert. Tränen hingen
in ihren Wimpern. „Sie spwchen so zuversichtlich, mein
Zott, ich wage wieder zu hoffen. Wenn Sie den schändlichen
Lerdacht von mir abwenden, ich wüßte nicht, wie ich es
Ihnen danken sollte, Herr Kelling.“
Er sah ihr lächelnd in das rosige, hilflose Gesicht.
HLassen Sie mich nur machen, Fräulein, und fragen Sie
gicht. Das Schreiben mag unbeantwortet bleiben. Sollte
dieser ersten Drohung jedoch eine zweite folgen, so teilen
Sie es mir unverzüglich mit. Zwischen drei und vier Uhr
nden Sie mich an iedem Nachmittag an dieser Stelle
inden.“
Emmi dankte ihm noch einmal mit herzbewegenden
Worten und dann trennken sie sich.
.Die Gedanken des jungen Mädchens kehrten immer
vieder in schwärmerischer Verehrung zu Paul zurück. Man
agte, er bewerbe sich um die stolze, dünkelhafte Baronelse.
ob er sie wirklich liebte? Ob das Fräulein seinen Wert
rkannte, oder auch ihm den Laufpaß geben würde, ebenso
vie sie es mit dem Förster Volkmer gemacht? —
. Der, war aber klug und heirgtete ohne, Zaudern die
ẽrgieherin seines, Sohnes. Es sollte ein liebes, feingebiletes
Mädchen sein, nur daß Volkmer sie nicht ein bißchen
ieb hatte. Sein Herz gehörte noch immer, sagte man, der
idelsstolzen, wählerischen Baronesse.
Daß nur ein kaltes Gesicht, herrisch blickende Augen
die die Fräulein von Bittners eine so hohe Angiehungsraft
für die Männer hatten!? .
Ob Herr Kelling sich auch an ihrer Marmorschönheit
zegeisterte, um eines Tages kalt und hohnvoll zurückge—
viesen zu werden?
Und ob er dann auch —? Erschreckt stand sie still und
arrte abseits in das blühende Gesträuch zur Seite.
Würde sie die Kraft haben, mit einem Herzen voll
ieb einen Mann zu heiraten, dem sie vollkommen gleich—
iüiltig war, der nur seine Leidenschaft für eine andere be—
uüben wollte?
Sie schauerte trotz der hohen Temperatur fröstelnd in
sich zusammen. Nein, nein, ein solches Los mußte Qual
und — bedeuten, sie wäre demselben nicht gewachsen
gewesen. —
VPaul lenlkte seine Schritte nach der Wohnung der Rätin.
Sie empfing ihn, wenn auch ein wenig unsicher, doch frend⸗
ich, wogegen Elfriede kaum ein Wort der Begrüßung fand.
„Was hielt Sie so lange fern von uns, Herr Kelling?“
ragte die alte Dame nicht ohne Vorwurf, „seit Ihrem
etzten Besuch ist über eine Woche verfloffen.““ 5
Paul entschuldigte sich mit Arbeitsüberbürdung. Seine
m Elfriedes Blicke trafen sich, leßtere forderte sein
Schweigen.
Sie hatte ihrer Mutter also nichts von jener Ausein⸗
andersetzung am See gefagt. Sie wunschte nicht, zu feinen
Bunsten beeinflußt zu werden. Der Mutier Wohlwollen
desaß er nach wie vor, das war leicht herauszufühlen,
Elfriede aber zürnte ihm, sie zeigte ihm' gaug unverhohlen
hre Ungnade.
„Er gab sich aber ganz harmlos. Man sprach von gleich
gültigen Dingen. Ganz nebensächlich flocht er die Frage
ein, ob der vermißte Brillant sich wiedergefunden habe.
Er konnte Elfriede ganz unaufällig deobachten. denn
ie hatte sich tief über ihre Haͤndarbeil gebeugt. Nun zuckte
ie zusammen und hob das dunkle Haupt, ihre Mundwintei
ogen sich im Spoit herab.
Glaubten Sie wirklich, das Mädchen würde den kost⸗
»aren Stein gutwillig herausgeben?“ fragte Frau von
Bittner, „da könnten wir lange warten. Ich habe ihr nun
nitgeteilt, daß ich sie wegen Fundunterschlagung, wegen
diebstahl anklagen werde, vielleicht hilfl das⸗
Die feine Stickerei entglitt Elfriedes Händen. Sie
achte nicht daran, ihre Bestürzung zu verbergen. „Aber
Mama, wie konntest du nur! FJeßt“kannst dů froh sein,
venn man dich nicht wegen Verleumdung oder salschliche
Beschuldigung zur Rechenschaft zieht.
„Ja, wie kommst du denn dazu, von einer Verleumdung
u sprechen? Es liegt doch auf der Hand, daß der Siein
on dem Mädchen gestohlen wurde!“ 35
„Mama, ich begreife dich nicht!“ Elfriede war in Ek—
tase aufgesprungen die Sache ist ja völlig ans der Luft
egriffen! Du mußt ukbedingt wegen des Schreibens um
entschuldigung bitten. Wer weiß, welche Unannehmlicheiten
du schon jetzt durch deine Uebereilung für uns her—
ufbeschworen hast.⸗
„Ich werde mich hüten, zu widerrufen! Und dein
verhalten ist mir unversländlich Du vestebst doch be