Arbestranmern eine ienttale Stelle haben. Diefes gZiel
—A
ʒen Arbeitskammern haben. Ich bitte hringend, gefährden
Sie die Annahme des Gesetzes nicht durch Einbeziehung
zieser Bestimmung.
Nach kurzer weiterer Erörterung wird abgestimmt.
Der sozialdemokratische Antrag betr. die Waͤhlbarke
»on Personen, die Armenunterstützung haben, wird a bF
zelehnt. Ueber den Kommissionszufatz, der den Ar
zeiter⸗ und Arbeitgeber⸗Sekretären die Wahlbarkeit ver
eiht, wird namentlich abgestimmt. Die Kommissionsbe
voee werden mit 193 Stimmen (Zentrum, Volkspartei
irtsch. Vgg., Polen, Sozialdemokraten) gegen 111 Stim
nen (Konservative, Reichspartei, Nationalliberale) auf⸗
echterhalten. Mit derselben Mehrheit wird der soinit un—
eraͤndert gebliebene 8 13 in der Kommissionsfassung ann⸗
zenommen, ebenso der Rest des Gesetzes. Die Kom—
mission beantragt zwei Resolutionen, von denen die eine
die Schaffung paritätischer Kammern für das Handelsge⸗
verbe, und die andere den organischen Ausbau der A—
betterausssschude in Staatsbetrieben fordert. Beide Reso⸗
itionen werden angenommen. — Darauf vertagt sich das
bans. — Rächste Sitzung: Freitag 1 Uhr. Tagesorbnung
äeße Lefung des G1414.
— —
Die Moabiter Krawallse vor Geridht.
Ein Schutzmann hat den Angeklaglen Barbier Ri
hard Eisenreich in der Turmstraße festgenommen
weil er gerusen hatte: „Haut ihn.“ Ein auderer Schutz
mann will von ihm gehört haben: „Haut d'e Hunde, haut
bie Blauen!“ Es war dies kurz nachdem ein Schuß ge—
fallen war, worauf die Schutzleute die Menge auseinander
trieben. Der Angeklagte erklärt nochmals, daß er aus
dem Gange zu einer Gebetversammlung in die Menge
I sei. Er sei mit den Schutzleuten mitgelau
en und habe nur einmal „Haut ihn!“ mitgerufen, als in
der Menge so gerufen wurde. Er habe das Wort ers
halb ausgesprochen gehabt, als er schon festgenommen
wurde. Der Angeklagte Stallarbeiter Albert Roma«
towski soll am 28. September, als in der Waldstraß
zelärmt und auch sonst exzediert wurde, mehrmals „Blut.
hunde“ gerufen und dann sich wiederholt in ein Haus ge
lüchtet haben. Polizeiwachtmeister Kosch schildert der
Standpunbkt der Polizei in der Waldstraße als recht schwie
tig. Es sei mit Steinen auf die Beamten geworfen und
sein Helm sei auch von einem Stein getroffen worden
Auch ein Schuß fsei gefallen. Die Polizeibeamten hätten
die Erzedenten wiederholt bis in die Häuser versolger
müssen. Durch Vernehmung mehrerer Zeugen wird fest
gestellt, daß Romanowski mehrmals „Bluthunde“ gerufer
De Der Zeuge Papierhändler Dientz bezeugt, daß ver
chiedene Leute von den Schutzleuten geschlagen worden
seien. R.eeA. Heine: Wie war wohl die Meinung de
ruhigen, anständigen Einwohner über die ganzen Vor
gänge? War man nicht erregt über das Vorgehen de
Polizei? Zeuge: Es herrschte eine allgemeine Erregung
Die meisten Leute sind der Ansicht, daß die ganze Sach
gar nicht so schlimm gewesen wäre, wenn nicht die Poli
izei so scharf vorgegangen wäre. Mechaniker Ed. Fr'o st
in dem Siemenswertk seit dreizenn Jahren beschäjt'gt, be
kundet gleichfalls, daß die Polizei in der Turmstraß
ohne Grund auf die Masse eingehauen habe und gibt da
jür mehrere Fälle an. Buchdruckereibesizer Auge ha
am 28. September gesehen, daß Kriminalbeamte q4u
Leute, die vor den Häusern standen, losgingen, mit Gum
miknüppeln auf sie losschlugen und riefen: Was habt Ih
hier zu stehen?. Ihm selust sei, als er ruhig auf seinen
Balkon stand, mit der Pistole gedroht worden, wenn e
nicht weggehe. Zeuge Beamter Schultze macht Aus
sagen über den Grund, und die Umstände, unter denc
der Angeklagte Senff aus einem Straßenbahnwager
heraus verhaftet worden ist. Der Zeuge ertlärt weiler
daß nach seiner Beobachtung während der ganzen Zeit
wo er an Ort und Stelle war, das Verhatuen der Poli
zei durchaus korrelt. maßvoll und nach seiner inung zu
gelinde war
—rnrn — —
Gerichtszeitung.
Die Friedberger Bomben⸗-Affäre.
Der zweite Verhandlungstag begann mit der Vorleg
ung der Schul dfragen. Nicht weniger als dreizehn
baupt⸗ und Nebenfragen wurden gestellt. Die schwersten
Delikte sind de Mordversuch gegen die im Rathaus
zu Friedberg besindlichen Personen, die Schüsse auf den
Bankbeamten Meier und die beiden wegen Brandstiftung
durch Erplosionsstoffe unter An'lage geste lten Bo miben
attentate in Frankfurt und Friedreng. TDas Attentai
in Frankfurt soll sich, wie eine Hilfsfroge lautet, eventuell
als ein Verbrechen nach dent Sprengstoffgeses charakteri—
sieren. In seinem letzten Wor!e beteuerte der Ange—
klagte nochmals, daß nicht er, sondern Winges die
Bombe in die Villa Majer gelegt habe, und daß er nicht
die Absicht gehabt habe, auf den Bantbeamten Meyer zu
chießen, um ihn zu tölen. Es folgen die Plaidoyers.
Gießen, 7. Dez. Das Schwurgericht veruͤrteilte den
dachdecker Karl Friedrich Werner aus Kaiserslautern
heute abend wegen des Bombenat entals zu Friedberg
zu Lebe z 1 ä* 248
Sare nur diese Trennungszeit erst vorsiher und zehf wieder
daheim. Einen Sehnfuchtsgruß Euch allen, einen Kuß aber
Dir, mein Weib, und meinem einzigen Jungen. Volkmer.“
Von der Liebe, wie sie den Mann zum Weibe zieht,
stand nichts in dem Schreiben und auch zwischen den Zeilen
war davon nichts herauszulesen. Und' vog war Regine
glücklich
Die Zukunft, sonst von dunklen Schleiern umhüllt, lag
plötzlich sonnenklar vor ihr. Wer mit so treuem Herzen an
Weib und Kind hing, der konate seine Liebe unmöglich
dauernd einer Fremden, einer herzlosen Kokette zuwenden.
Nun glaubie sie seines Besitze für alle Zeit sicher zu
sein, alles Zagen, alle Trauer war geschwunden, nur die
Bewißheit des Wohlgeborgenseins überkam sie
Und dann rief man saut ihren Namen“ Es folgten
fröhliche Umarmungen, Necken und ein⸗ Flut von Glück—
wünschen.
„Aber unrecht war es doch, so heimlich und verschwiegen
xi sein,“ schmollte Linae Während ich dir man ganzes
Serz ausschüttete, spieltest du die Spröde. Nichtwissende,
das hätte ich dir garnicht zugetraut.“
a. Sei mir nicht böse, Volkmer wünschte es so. Hinfor!
gibt es nun auch keine Geheimnisse mehr zwischen uns.“
„Du, du, hüte dich, daß ich dich nicht beim Wort nehme!“
Regine errötete. Am meisten freue ich mich noch, daf
ich nun immer bei meinem süßen Jungen bleiben darf!“
„Ist das der triftigste Grund, der dich hier fesselt!
Gilt Volkmer dir so wenige“
Dunkler Purpur bedeckle Regines Wangen. „Fürchtes
du, daß er an meiner Seite nicht das rechte Glück firdet!
Ich trage ein Ideal im Herzen, Lina, ein reines, schöne
Ideal, dem ich immer nachstteben werde, dieses Ideal ha
den Namen Valentin! Bist du nun beruhigt?“
„O, sol eine besondere, göttliche diebe, wer doch da
nachfühlen könnte! Ich sagte es gleich, ihr seid beide apari
und gehört zusammen. Und nun komme, daß wir auf dein
und Volkmers Wohl trinken!“ —
Die Nachricht von der Verlobung des Försters mit der
armen Waise“ ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt.
Als Kelling davon börte, nickte er befriedigt. viel—
leicht, daß ich die Widerspenstige doch noch bezähme, ich ver⸗
zsuche es noch einmal.“ .
Frau von Bittner erfuhr die Neuigkeit durch ihre Aufvãrterin.
„Mir ist das ganze ein Rätsel,“ sagte sie später zu ihrer
odie. Mas nur in Volkmer gefahren sein maͤnEeij
auerndem Ehrverlust, weiter wegen “schweren D'ebstahls,
zergehens nach 8 50 des Sprengtoff-Wesetes, Erpreffungs—
ersuches, Raubversuches und Morbverjuches zu10 Jah—
en Zuchthaus und Ehrverlust und dauernder Polizeiauf—⸗
364
IJBerurteilter Schwindler. Die Strafkammer in
Lachen verurteilte den Musiter Erich Cassel aus Ber—
in, der in der Uniform eines Gardefeldwebels große
zchto ndeleien veröbt hatte, zu 4 Jahren Gefängnis.
Ariegsgerichtsurteil. Das Kriegsgericht in Wil—
elmishaven verurtelte den Obermagt Jakob we—
zen Verrats militärischer Geheimnisse u 6 Jahren —XC
aus.
IJFreigesprochen. Der Marine-Indenieur Gille,
»er angeklagt war, durch Unvorsichtigkeit bei der Füllung
iner Akkumulatoren-Batterie an Bord des Unterseebootes
U. 6“ eine Explosion herbeigeführt zu haben, die für
5 000 Wartk Schaden anrichtete, wurde vom Kriegsgeriche
in Kiel freigcorocher.
—A ——22——
Die Kainz⸗Lluktion in Berlin.
Im Kunstauktionshaus von Lepte in Berlin hatte mar
ich von der Versteigerung der Kainz-Andenten“ einen gro.
zen Tag versprochen, es kamen aber außer einigen Haͤnd
ern nur wenige Leute, hauptsächlich Damen, und niaß
onnte schon für einige Mark Figuren u. dgl. erwerben
Ddem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze!
Zo war's, und jetzt noch gilt die Weigerung.
Ib er im Schreibewerk auch ewig glänze —
Fast niemand kam auf die Versteigerung!
Nicht einer der bedeutenden Kollegen
des Meisters aus der bunten Weit des Scheins,
die besten Freunde waren nicht zugegen
zeim Ausgebot der Habe unsers Kainz! J
dur ein paar Händler, lese ich, erschienen,
zu ramschen möglichst billig Kainzens Kram,
And später nicht zu wenig zu verdienen,
venn Josef erst die Zeit mehr „Körper“ nahm!
des Bayernkönigs Ludwig Staatskarosse, 5
Die eine Meerschaumspitze prächtig ziert,
Ddem Könstler überreicht im Königsschlofse, 9
Vie schäbig wurde sie verauktioniert!
Vierhundertfünfundsiebzig Mark!“ — Und weiter
Sprach niemaud im Lolale einen Ton. —
Ernst ist das Leben, und die Kunst ist heiter,
And heiter ist auch eine Kunstauktion! 38
Aber die Zeit, sie wird noch korrigieren, ——
Was heute provisorisch gilt als „Wert —
Wenn erst für Kainz sich Lords interessieren,
Dann sollt ihr staunen, wenn ihr Preise hört! ——
V Svpottvogel.
— * — —777
Von der Luftschiffahrt.
*8uftschiffehrt und Spionage. Um dei
Nöglichkeit entgegenzutreten, daß von Lentballons und
zlugmaschinen aus das Innere von Festungswerken und⸗
düstenbefestigungen erkundschaftet wird, hat das Kriegs
ninisterium veranlaßt, daß in die von den Ministerier
es Innern und der öfsentlichen Arbeiten erlassenen Vor
chriften über Luftschiffahrt und Flugwesen einige wichtig
Zusaͤtze ausgenommen worden sind. Der „Nationalzeitung
ufolge sind danach Flüge mit Flugzeugen über Befestig
ingen und innerhalb eines Umkreises von zehn Kilome
ern von Befestigungen ohne schriftliche Erlaubnis de
ustündigen Militärbehörde, also des Gouvernements ode—
»er Kommandantur, verboten. Flieger, die hiergegen ver
loßen haben, sind bei der Landung als der Spionag
erdächtig zu behandeln, indem ihre Personalen festgestelf
derden und nachzusorschen ist, ox sie pbhot graphische Auf
ahmen oder Zeichnungen gemacht haben. Die gleiche
zestimmungen finden auf die Veranstolter von Fahrien
on Luftschiffen mit Jahrgästen sinngemäß Anwendung
Hdie Aufstiege von Fesselballons mit Fahrgästen find in
erhalb eines Umkreises von zehn Kilometern von Befestig
ugen nur mit schriftlicher Genehmigung der zuständigei
Nilitärbehörde gestattet. Erwerbsgesellschaften, die sich mi
er Ausnutzung des modernen Flagwesens befassen, er—
‚alten von der Militärbehörde grundfätzlich überhaupt keint
krlaubnis zum Ueberfliegen von Festungen. Indes dar“
ine solche den inländischen Vereinen zur Förderung der
Zuftschiffahrt, denen keine Ausländer ongehören, erteili
verden, wenn sie der Keeresverwaltung gegenüber d'e Ge
vähr übernehmen, daß keinerlei Spinage — besondert‘
eine Photographie von Befestigungsanlagen — von der
Fabrtteilnehmern getrieben wird
g pud
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
* Essen, 7 Dez. (Krupp dementiert.) Die Pa
riser Meldung von der Errichtung einer Kruppschen Pan—
ꝛ⸗arnlatteniehritkf in Rukland. die von der Nowoie ra
Tahbtte an jenem Abend, wo er uns zum letzten Male e
nte. vor Glück. Was du saqtet, schien eine Quelle de
reinsten Freuden ür ihn zu sein. Und zwei Tage sputer
war er wie ausgewechset. Au puß uns jemand in un
erhörter Weise verleumdct haben!“
„Das hätte niemand gewagt, Mama, und es wüede
auch keinem etwas genützt haben. Ich aber kann es di
genau sagen, was ihn so ganz umgewandelt. Erinne
du dich noch unserer Unterhalkung, nachdem Volkmer ge·
gangen? Ich nannte ihn einen hoͤlzernen Götzen und ver—
iangte von dir, sofern die Heirat zustande käme, die Ent—
ernung des Jungen aus dem Hause!“
Die Fütin blickte ganz entgeistert. „Du aloubst, daß
wir bedauscht wurden?“*
Weißt du noch, daß die Garkentür ins Schloß schlug
and ich aufstand, um nachzusehen, wer gekommen sei? .5
Es war niemand da, aber Volkmers Gestalt verschwand
erade, als ich bei der Pforte anlangte, drüben in den
Anlagen. Er ist aus irgend einem Grunde nochmals um—
jekehrt und wurde ungesehener Zeuge unferes Gesprächs.“
—Aber Kind, das ist ja entsetzlicht Weshalb sprochs
u damals nicht sogleich? Man dätte Voltmer beschwich
igen eine Ausrede erfinden konnen, um ihn zu versohnen.
Am Elfriedes Lippen zuckte es trozig. „Ich wollie
es nicht, Mama. Bin froh, jener Fessel gluͤcklich entronnen
u sein er
„Und Kelling?“ ——
Das schöne Mädchen erhob sich, um ihr Erblassen zu
erbergen. „Kelling ist ein anmaßender Mensch, Mamo
»er mir gegenüber den Tyrannen herauskehren möchte. Jc
vunte ihn hassen, wenn er mir nicht so entsetzlich gleic
3
Die alte Dame schlug kummervoll die Hände zusammen.
O, mein Gott, was fsoll hieraus werden! Solche Unnatur
cächt sich immer, Kind. Es waren ehrenwerte Männer,
welche um dich warben, nun hüte dich, daß du nicht einem
Flanenr, einem, der schöne Worte spricht und es mt Ehre
und Gewissen leicht nimmt, mehr vertraust, als jenen.“
„Sei unbesorgt, Mama, ich bin überzeugt, daß auch für
mich der Rechte eines Tages kommen witd. Ich weiß, was
ich unserem Namen, unserem Stande schuldig bin und werde
meine Hand nur einem Ehrenmanne reichen..Was
ollte mir Volkmer mit seiner Pedanterie und Beschrankt
Jeit! Ich wäre verkommen in der Einfamkeit, dem tristen
Finerlei der Tage dort draußen! Und wenn Volkmer nun
virklich zum Oberförster avanciert, damit ist noch nichts
ebessert. Erstens kann er Jahr und Tag auf eine vakaufe
3tesse marten, und dann hbleibht er doch immer non Fereess
a“ wiedergegeben wurde, wird hier als nzutreffend be—
zeichnet.
*Siegburg, 7. Dez. (Unglücks fall.) In der
öniglichen Geschoß-Fabrit enistand eine Gas-Explosion,
vobei 5 Arbeiter schwere Verletzungen am ganzen Kör—
her erlitten. Zwei wurden durch den Luftdruck weit fort⸗
Jeschleudert, kamen aber mit geringen Verletzungen davon.
* Erkelenz, 7. Dez. EErplofion) In der Werk—
tatt der internationalen Bohr-Gesellschaft entftand eine Ex⸗
losion, als man gekrümmte Rohre, die gerade gebogen
verden sollten, in den Ofen steckite. Der Ofen ging ploͤtz
ich auseinander und die herausgeschleuderten glühender
Rohre wurden drei Arbeiter schwer verleßt.
* J———
Volkszaählungs-Ergebnisse. s
Mainz, 7. Dez. Die Volkszählung hat für Main,
113 245 Einwohner ergeben gegen 106 348 bei der letz
ten Vollszählung.
Hanuau, 7. Dez. Bei der Zählung wurden hier
37 701 Personen gezählt. Om Jahre 1905 war das
ẽrgebnis 31 701 Personen.
Heidelberg, 7. Tez. Die Einwohnerzahl unse
er Stadt beträgt 55 776 gegen 49 527 vor fünf Jahren
Stuttgart, 7. Dez. Nach der letzten Volkszäh“
ing beträgt die Einwohneczahl 283 589. Die Zunahme
heträgt selt dem Jahre 1905 32 489.
Ulimm, 7. Dez. Unzere Stadt zählte am 1. De—
zember 55 817 Einwohner, oder 4000 mehr als vor fuün,
Jahren.
*)Auasburq, 7. Dez. Nach der jüngsten Volkszäh—
lung hat Augsburg einschließlich der Vororte Pfer,ee b
Rerbausen rund 100 000 Seelen
— I æ
Aus aller Welt.
Eine Belohnung durch Kaiser Wilhelm. . Durch
die Behörden wurde dem. ehemaligen Kolonial-Soldae
Lavault aus Toulon die Summe von 4000 Mark ausge
händ'gt als Geschenk des deutschen Kaisers für die Hile
leistung gelegentlich des Brandes der Baracke des Grafe
Waldersee in Peting am 3. August 1900. (Ein Glüc
»aß der Mann nicht inzwischen gestorben ist. D. Red.
Zugentgleisung. Bei der Station Pleschen WPosen,
entgleissie ein Güterzug. Drei Mann vom Zugpersonal sin'
schwer verletzt.
Mord. Auf dem Rittergute Czaycze bei Wirfitz, da⸗
dem RittergutsLesitzer Graf von der Goltz gehört, wurd
deser Tage, als die polnischen Feldarbeiter entlassen wu
en, um in die Heimat zurückzukehren, eine 25 Jahre alt
Arbeiterin vermißt. Jetzt ist diese furchtbar verstümmelt,
ermordet aufgefunden worden. Der Mörder ist zweifellos
inter den abgezogenen polnischen Arbeitern zu suchen.
Die euglischen Spione. Die „Evenieg News“ er
ahren, daß die beiden britischen Offiziere, Hauptmann
Trenth und Leutnant Brandon nunmehr ihre Verteidiger
ei der Hauptverhandlung in Leipzig erhalten haben. Als
Erster wird Dr. von Gordon aus Berlin den Angeklag
sen zur Seite stehen neben Dr. Otto aus Leipzig, den
Bruder des britischen Vizekonsuls in Leipzig und Teilhaber
der Firma Tauchnitz. Die britische Regierurg nimmt nich
direlt an der Verteidigung teil, die sich in den Händen
von Sir William Bull befindet. Dieser oder sein Kol
lege Castello werden der Verhandlung beiwohnen. Wen
diese unter Ausschluß der Oeffentlichkeit staitfindet, wirdt
die britische Regierung darum ersuchen, sich affiziell ver
zreten lassen zu dürfen.
Die Wertpapiere Abdul Hamids. Der Prozes
des Exsultans Abdul Zamid gegen die Deutsche Reichs
hank auf Herausgabe der von dem Sultan hinterlegten
Wertpapiere ist zu Ungunsten der Reichsbantk entschieder
vorden. Die Reichsbank verweigerte die Herausgabe, wei
»er Sultan gefangen sei, und weil die Serausaabe vor
dem Sultan nicht ernsilich gefordert werde, ondern nu
von denen, die ihn gefangen halten. Dies sollte darau—
hervorgehen, daß der Sultan nicht gemäß dem Vertrag
oom Jahre 1888 formgültig mit seinem Petschaft unile,
zeichnet habe, als er die Herausgabe forderte. Das Lant
gericht Berlin hatte die Klage abgewiesen. Dagegen ha
ven das Kanmergericht und das Reichsgericht die Reichs
bank zur Herausgabe verurteilt. In der Begründun
heißt es, daß keinerlei' Beweise für die Vermutungen de
Reichsbank vorlägen. Notorisch sei allein die Entthron
ing und Internierung des Sultans, nicht aber eine Ein
chränkung seiner Bewegungsfreiheit in der Gefangenschaf
Mithin liege nichts vor, was an der Ernstlichkeit seine
Begehrens auf Herausgabe der Wertpapiere Zweifel lasse
Abgekühlter „Seld!“ Vor dem Zuchtpolizeigericht in
baris erschien der Tischler Lacour wegen seines Angriffes
uf Briand am Tage der Enthüllung des Jules Ferry
Denkmals. Lacour war geständig, bestritt aber die Zu—
tändigkeit des Zuchtpolizeigerichts, über den Fall zu ur—
eilen. Er habe die Tat mit Vorbedacht ausgeführt und
ꝛinen Schlag mit voller Wucht gegen bas Gesicht de—s
M.nisterpräsidenten geführt. Daher sei das Schwurgerich!
zuständig. Das Zuchtpolizeigericht erklärte sich jedod
ür zuständig und verurteilte Lacour zu 3 Jahren Ge—
üngnis. Das Urteil wurde von dem draußen harrender
zublikum mit Hochrufen auf die Republit und Gegenru
Sinsiedler wie vordem..., Und Kelling? Sei versichert,
daß er nicht der harmlose Mensch ist, als welcher er uns
erschien. Er hat einen heimtückischen, hinterlistigen Eha—
rakter und wird sich vielleicht für den Korb, den ich ihm
gegeben, in einer raffinierten Weise rächen. Mache dich nur
NI daß er uns empfindliche Unannehmlichkeiten
hereitet.“
„So, hast du ihn gereizt??“?!
Eflfriede nickte mit einem Ausdruck eisigen Hohnes in
en herrlichen Zügen. „Ich habe ihm gezeigt, daß ich fein⸗
Anfeindungen nicht fürchte und etwaigen Angriffen ge
wachsen bin. Möglich daß er sich danach richtet, wahrschein
lich aber, daß er uns seine Ungnade wird fühlen lassen.“
Die Rätin sagte nichts mehr. Was hätle es auch ge
rützt! Elfriede handelte nach ihrem eigenen, trotzigen Siun
Dadurch kam es aber, daß die Sorge riefengroͤß wuchs.
Bis dahin hatte sich immer noch ein Ausweg aus ihrer
gekuniären Bedrängnis gefunden. Oft genug berechnete
Frau von Bittner, daß der Brillant von Elfriedes Taschen
uhr mindestens dreitausend Mark einbringen mußie, wenn
man gezwungen war, ihn zu verkaufen. Der Verlust des
Edelsteins traf sie daher geradezu vernichtend.
.Der Brillant war das einzige, in ihrem Besitz befind⸗
liche Wertobjekt gewesen. Als sie später allein war, sann
und grübelte fie unaufhörlich darüber, ob Emmi Brandis
sich wohl den kostbaren Stein angeeignet habe.
Und dies schien ihr immer wahrscheinlicher, je länger
sie nachdachte. Zuletzt verirrte sich ihr Sinn, sie hatte sich ir
blinden Sorn gegen jenes Mädchen hdineingearbeitei und
in höchster Erregung schrieb sie demselben einen Brief, worin
sie Emmi kategorisch aufforderte, den Brillanten auszu—
händigen, widrigenfalls eine Anklage wegen Fundunter⸗
schlagung zu gewärtigen habe. 2
Sie qadressierte und schickte den Brief durch die Auf
värterin sogleich zur Post. Später erschien ihr diese Hand—
ungsweise übereilt, aber sie beruhigte sich bei dem Ge
anken, daß sie sich in ihrem auten Recht befinde.
V — — —— — — m . * 8 8* H 9*
Ber Zufall wollte es, daß Emmi Brandis das omindofe
Schreiben selbst in Empfang nahm und es lesen konnte, ohne
aß ihre Eltern Kenntnis davon erhielten.
In grenzenloser Bestürzung überflog das Mädchen
pieder und wieder die wenigen Zeilen, die sie wie ein Ver—
dammungsurteil anstarrten. Ihre Wangen brannten, alles
v ihr war in Aufruhr. Noch konnte sie es nicht fafsen,
aß man es satsöchlice magfe ikr einen Diebstahl ußu
— Morvb aus Rache. In Orleans wurde der Li.—.
tor Schönwald der dortigen Lagerhaus-Gesellschaft in
tem Bureau von dem Sohn des Vorgängers Pich
ach kurzent Wortwechsel erschossen. Pichert, der sch
nehrere Male in einer Irrenanstalt interniert war, 8*
nen tödlichen Haß auf den Direktor, weil er hoffie, selr
»ꝛe Nachfolge seines Vaters zu erhalten. Nach der Te
ergriff Pichert die Flucht und es gelang bisher nicht
er habhaft zu werden.
Die Spielbank gespreugt. In Monte Carlo ha
ein Amerikaner namens Dannborough im Laufe der les
en Tage die dortige Spielbank gesprengt, indem er eil
Pillion Franks am Roulette gewann. (Unsinn. D. Red
Aufgesuudener Toter. Auf der Eisenbahnsited
London-Margate wurde in einem Wagen 1. Klassennd
Leiche eines elegant getleideten Mannes gesunden, die ein
siefe Wunde am Halse aufwies. Sämtliche Papiere we
'en dem Toten geraubt worden. Ein Diebstahl schei
edoch nicht das Motiv des Verbrechens gewelen zu sein
»enn man sand bei dem Toten einen Betrag von 40.
Frankls, eine goldene Uhr nebst Kette und ein Reton
Billett für die Fahrt Londen-Margate.
Opfer der Eisenbahnkatastrophe. Von den be
der Zug-Katastrophe von Willesten (England) Verleotzien
iind drei im Spital gestorben. Zwei oder drei ander
Opser der Katastrophe liegen schwer darnieder, waãhrend
es den übrigen Verletzten den Umständen nach beftiedi
gend geht. Die genaue Ursache der Katastropbe stebt na⸗
unicht fest.
Bomben⸗Affäre. In der Angelegenheit der auf de
önigstraße in Barcelona explodierten Bombe, die gro
zen Sachschaden anrichtete, wird noch gemeldet, daß d
Polizei den Arbeiter Pipe als Täler verhaftete. Pipe
Mitglied des Streik-Komitees der Metallarbeiter. E
Bombe bestand aus einem Eisenrohr, das mit Pulv.
jesülst war. Personen sind nicht zu Schaden gekommen
Untergegangener Dampfbagger. Man fürchtet
London für das Sch'cksa! eines Dampfbagger-Schiffes, da
nit 16 Mann Besatzung im November von Plymout
nin der Bestimmung nach Ferrol in Span'en abgegange;
var. Die Reise hätte bei normalem Verlauf in veer To
zen zurückgelegt sein müssen. Bis jetzt ist man jedoe
ohne jede genaue Nachricht über das Schicksal des Schi
ses. Ein in Plymouth eingetroffener Dampfer berichte
daß er zwei Boote des Dampfbaggers getroffen habe, di
aber leer gewesen seien. Man befürchtet infolgedessen, do
das Schiff mit der ganzen Besatzung uniergegangen ist.
Ueberschwemmungen in England. Das Hochwaj
ser in England dauert an. Der Egham⸗Distrikt ist al—
weite Strecken von der Themse überflutet. Viele Landhäu
ser in diesem Bezirk sind eingestürzt. Das ärmere Vierie,
von Glouceste steht unter Wasser. In Wales sind wei
Landstrecken überflutet.
Weihnachtseinkäufe. Der Veutsche Käuserbuns
eunpfiehlt im Interesse der Verkäufer, der Angeste'lten um
auch der Käufer selbst die Beachtung folgender Regeln:
Besinne dich frühzeitig auf deine Weihnachtsgeschent
und verschiebe deren Einkauf nicht bis auf die letzten Wo—
hen oder gar die letzten Tage.
Kaufe nie am Sonntag, auch nicht vor Weihnachten
enn auch die Kauflente brauchen Ruhe und Erholung.
Sprich sreundlich mit Verkäufer und Verkäuferinnen
uißbrauchs nicht ihre Zeit und Geduld bei Auswahl d
daren.
aufe nicht am späten Abend, du machst bei Tag
essere Einkäuse und verkürze nicht den Feierabend vo
daufmann, Angestellten, Boten.
Gelaufte Waren tausche sellen um und nie am Aben
bei Geschästsandrang, soñndern in den ruhigen Moraer;
tunden.
Nimm kleine leichte Pakete aus dem Laden selb.
nit; mußt du deine Waren ins Haus bringen lasse;
ann schreibe deine Adresse genau auf und gedulde d'e
venn abends gekaufte Waren erst am andern Taage
ir kommen.
Machst du Geschenke nach auswärts, dann bringe
eitig vor dem Fest zur Post und nicht am späten Abem
Empfangene Waren bezahle möglichst sofort.
Zahle angemessene Preise, damit du durch die Sud
illig einzukaufen, nicht das Einkommen derer schädigs
ie von ihrer Hände Arbeit leben müssen, denn der Kau
nann und Fabrikant wird dir nichts schenken, sonde
vird an den Löhnen seiner Arbeiter sparen müssen.
Willst du dich vor dem Weihnachtsfieber der Hetzert
xwahren, so befolge diese Ratschläge und gib sie weitt
—XVEXR
Humoristisches.
Beamtan: „Ich kann Sie nicht verbinden! Ist den.
as noch ein alier Anschiuß?“ Teilnehmer: „J bewahre, Fran
unchen, das ist noch ein junges⸗ Ehepaar!“
Anruf vom Automaten „Ick habe schol
neinen Ireschen durchgestochen!“ Das Fräulein: „Sie muß
en erj anrufen und dann den Sroschen durchftecken. Nu
nüssen Sie noch einmal zahlen.“ Sprecher: „Abor ick hab
yoch schon bezahlt! Sie müssen doch wissen, wat Sie vo
zroschens da eben haben!“ Das Frumlein: „Wonnu i
berbindung haben wollen, miussen Gie eboen nochmal⸗
ahlen! Sprecher: „Dann wil ick de Verbiudung sar
ich haben, aber schieben Ee mir augenblicktich meiner
rosche⸗ 29ů—αα
——— —— —⸗
krauen Nie hatte ste geglaubt, dag ein so erbärmlichet
Verdacht sie erreichen könne. 8
Sie wußte noch nicht, wie sie sich dem Angriff ge
über verhalten solle. Ihre größte Furcht war es vorläufict
⸗aß die leidende Multer davon erfuhr.
Mit erhitztem Gesicht, kaum wissend, was die Hände
»errichteten, rüstete sie sich zum Ausgange. Unter einem
borwande verließ sie das Haus. J .
Sie hoffte auf einem Spagziergange das innere Gleich
jewicht wiederzufinden. Aber draußen wurde sie nur noch
ufgeregter. Die überhitzte Phantasie spiegelte ihr eine
sefängniszelle vor und die Anklagebank, auf der sie sak
—ED
Es war ein schrecklicher, fast unerträglicher Zustand.
mmer deutlicher erkannte sie, daß der Schein gegen sit
prach, daß sie einer Anklage durch nichts vorbeugen konntt
und durch diese unselige Geschichte ihre ganze Zukunft ver⸗
nichtet werden konnte.
Halb wahnfinnig vor Angst eilte sie vorwärts, auf der
33 Promenade dahin, die Leute sahen ihr erstaum!
nach.
Da kam ihr Kelling Er gruͤßte im Vorüber
gehen höflich. Auch er bemerkte wohl, daß das junge Wan
hen sehr aufgeregt war.
Emmi erinnerte sich mit einiger Erleichterung, wit
reundlich und. beharrlich er ihr neulich den Bittnerschen
Damen gegenüber zur Seite gestanden hatte, und einem
zmpulse folgend, ging sie ihm n und sprach ihn an.
Sie hatte sonst keinen Menschen, dem sie sich anver.
rauen durfte. Die Mutter kränklich, der Vater von seinem
Dienst vollständig in Anspruch genommen, die Verwandten
leicht zu Mißgunst und Schadenfreude neigend.
„Herr Kelling,“ sagte sie beherzt, „wuͤrden Sie mir
nit Ihrem Rat beistehen? Mir ist elwas Sqhreckliches be
Jegnet. Frau von Bittner will mich wegen Viebstahl ver
lagen, ich bin halb tot vor Angst, meinen Eilern wage ich
nihs zu sagen. Ein solcher Schlag würde sie au bar⸗
reffen.“
Sie reichte ihm das Schreiben der Rätin. „Sie er
nnern sich wohl, Herr Kelling, daß ich neulich die Taschenihr
des Fräuleins fand. Schon damals verdächtigte mid
die alte Dame. Ich hatte die ganze Geschichte bereits ver
gessen, und gerade jetzt wird es ernst damit. Gibt es denn
iichts, was das drohende Unheil abwenden könnte
Helling sah teilnahmsvoll in das glühende, verstörk—
Nädchengesicht. „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen,
zräulein Brandis, und din gern bereit, Fhnen mit Roat und
at zur Seite zu stebhen“