Full text : Dudweiler Zeitung

eitet die Aussage des Zeugen. Nicht seine Frau, son—
ern er selbst habe den Zeugen hinter dem Ladentische
zurchgelassen. Wellischmidt bestätigt weiter, daß er
nit einem Krimina schutzmann am nächsten Tage nach dem
Pilzschen Lokal gegangen sei und unter den dort versam—
melten Streikenden vier Personen als an dem Erzeß be
etligt bezeichnete. — Der nächste Zeuge, Arbeiter Gott—
schalk, hatte bei Kupfer u. Co. Arbeit angenommen
ind ist in der Sickingerstraße, als er dort mit anderer
Arbeitswilligen entlang ging, belästigt worden. Die Strei—
enden fragten, ob sie bei Kupfer u. Co. arbeiteten. Sie
rwiderten, daß das niemand etwas angehe. In der Nähe
des Bahnhofs Putlitzstraße sei ein Schuß gefallen, den er
ür einen Signalschuß gehalten habe. Dann seien 15 bie
20 Personen über sie hergefallen und hätten mit Gummi
nütteln auf sie losgeschlagen. Aus Furcht habe er dann
zie Arbeit bei Kupfer niedergelegt. Eine Arbeit habe er
rotz des ihm gegebenen Versprechens nicht bekommen. —
Dder Arbeiter Griesel ist am 2. Oktober auf dem
Bahnhof Beusselstraße, als er schon seine Fahrkarte ge
wöst hatte, von Streikenden aufgehalten worden und har
eins gegen das Kiun bekommen.“ Er wurde aufgefo dert,
n das Streikbureau Pilz zu kommen. — Zeuge Arbeiter
Liedtke ist gleichfalls, ars er von der Arbeit bei
upfer kam, von Streikenden auf dem Bahnhof Beussel—
traße geschlagen worden, ebenso der Zeuge Meyer. —
dann teilt der Vorsitzende mit, daß feitens der Verseidi—
zung zum Fall Pilz 31 neue Zeugen angemeldet sind.
Zeuge Schriftsteller Gustads Erdmannsdörfer sjag
rus, er habe gesehen, wie ein einzelner Mensch von einem
Polizeioffiziet und 6—ã8 Schutzleuten verfolgt worden sei.
der Offizier habe den Mann mit der Faust ins Genids
egen. Die weiteren Zeuacnaussagen ergeben nichts
esentliche

In der Sttzung von Dienstag vormittag. wurde ein
Normone vernommen, der auf dem Wege zur Bibelstunde
var. als er in einen Haufen Tumultuansen geriet. E
oll gerufen haben „Haut die Blauen, haut die Hundel!“
— Den als Zeugen auftretenden Schutzleuten ist gestatter
vorden, über die Zusammensetzung der mobilgemachter
Mannschaften auszusagen, dagegen haben sie auf Fragen,
»ie den inneren Dienst und die Verwaltung betrifft. die
Aussage zu verwetlgern

*
Der auf den 12. d. M. und folgende Tage vor dem
Schwurgericht augesetzt gewesene Termin in dem Prozeß
zegen die als Rädelsführer in den Moabi—
zer Exrzessen angesehenen Personen ist nun end
gülhtig aufgehoben worden. Die Verhandlungç
ljoll nunmehr in der Januartagung stattfinden, vorausge
atzt, daß der ietzt tagende Krawallprozek zu Ende wäre

— F—— —
Von der Luftschiffahrt.
*Passagierflugwoche. Der Aviatiker Auguff
En lerr veranstaltete am 22. Rovember bis 1. Dezembe:
auf dem Truppenübungsplatz bei Griesheim eine Passa
ierflugwoche, an der eine Anzahl Offiziere der Darm
gn Garnison und je ein tüuͤrkischer und ein Schweize
Diiaier teilnahbmen. August Euler bat seine Teilnabn
in dem großen Flug Waris-BrüsselsLondon-Berlin zuge
agt.
er allonunglück. Aus der Gondel eines übe
bder Nordsee hinfliegenden Ballons ist e'n Insasse heraus
gestürzt. Der Ballon war in München mit drei Passa
gieren aufgestiegen, um in die Schweiz zu fahren. de
Ballon „Kirkwall“ ist auf den Orkneyinseln niedergegangen
der Passagier, der von einer Welle aus dem Korbe ge
pült wurde, ist Kaufmann Ernft Mebaer aus Gersthosep
dei Augsburg.
*Wieder einer! Der Aviatiker Hermann Rei—
helt, der erst vor vier Wochen mit seiner Flugmaschinc
einen Absturz erlitt, hatte abermals einen Unfall Rac
inem erfolgreichen Fluge bei einer Windstärke von 12
Meter brach bei der Landung ein Rad des Apparates
die Flugmaschine kam trotzdem wieder hoch, wurde zur
Seite gedrückt und Reichelt stürzte aus beträchtlicher Höhe
ab. Er wurde erheblich verletzt. (Der Selbstmord⸗Spori
fordert nachgerade unerhörte Opfer. Da ist es zu ver—
wundern, daß es noch soviel Menschen gibi, die sich dem
heute doch noch so gefährlich unvollkommenen und unzu⸗
verlässigen Maschinen anvertrauen. Das ist kein Herois⸗
mus mehr Das ist dann schon mehr Dummheit oder
Zeichtsinn. D. NRed

Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
* Düffeldorf, 6. Dez. (Die Rheinschiffahrt.)
Die aus Anlaß des Baͤues der Rheinbrücke bei Düssel—
dorf⸗-Hamm verhängte Beschräntung der Rheinschiffahrt ist
laut Bekauntmachung des Oberpruͤsidenten der Rheinpro⸗
yinz mit dem heutigen Tage aufgehoben.
* Dülken, 6. Tez. (Schrecklicher Tod.) In der
Zzwirnfabrik von V. Hoogen u. Co. hierselbst tam ein
iebzehnjähriger Arbeiter der Transmission zu nahe, wurde
von ihr erfaßt und auf der Stelle getötet.
* Rhendt. K. De r Or Ma 75· 14 —

Und dies scnen ihr immer wahrscheinlicher, je länger
e nachdachte. Zuletzt verirrte fich ihr Sinn, sie halle sich in
olinden Zorn gegen jenes Mädchen dineingearbeitei und
in höchster Erregung schrieb sie demselben einen Brief, worin
ie Emmi kategorisch aufforderte, den Brillanten auszu—
zändigen, widrigenfalls eine Anklage wegen Fundunter
chlagung zu gewärtigen habe.
Sie adressierte und schickte den Brief durch die Auf
vãrterin sogleich zur Post. Später erschien ihr diese Hand
Angsweise übereilt, aber sie beruhigte sich bei dem Ge—
danken, daß sie sich in ihrem guten Recht befinde. ——
e —

. Der Zufall wollke es, daß Emm Brandis das ominöst
Schreiben selbst in Empfang nahm und es lesen konnte, ohn
daß ihre Eltern Kenntnis davon erhielten.
In grenzenloser Bestürzung überflog das Mädchen
vieder und wieder die wenigen Zeilen, die sie wie ein Ver
dammungsurteil anstarrten. Ihre Wangen brannten, alles
v ihr war in Aufruhr. Noch konnte sie es nicht fafsen
daß man es tatsächlich wagte, ihr einen Diebstahl zuzu—
rauen. Nie hätte sie geglaubt, daß ein so erbärmliche
Lerdacht fie erreichen könne.
Sie wußte noch nicht, wie sie sich dem Angriff gegen
iber verhalten solle. Ihre großzte Furcht war es vorlufig
uir zu Po sein, um Ihre Wünsche zu erfüllen. Aber id
vill nicht Zyr dillenloser Stlape sen vnd uine Undin
nein nennen. Ein Herz voll Milde und Poesie, ein tapfe
ter reicher Sinn voll Erbarmen und Liebenswürdigteit, da
ind die Eigenschaften, die ich bei meiner Gattin zur Be
ingung mache. Weder Rang noch Reichtum lockt mich
—A
mogen zu erwerben. Unsere Zukunft wird nicht so schlich
und bescheiden sein, wie es den Anschein hat Wier werde
reich sein, Elfriede, mit zu den allerersten gehören. Dod
das sind nur Aeußerlichkeiten, auch im Herzen muß Frieden
A
dament des wahren Glückes.“
Er hatte sich warm geredet. Seine Augen leuchteten
eine schlanke Gestalt dehute sich Er war stehen geblieben
und reichte ihr nun beide Hände hin. „Schlage ein, Ge—
liebte, gib mir mit einem Kusse die Vollmacht, an unserem
A zu arbeiten, dich auf deine
Fehler aufmerksam machen zu durfen. Du bist ja so jung,
en 9 berechtigt, das höchste Menschenglück zu besitzen
ae eini —

o hlen“!) Wie in anoeren Städten, so ist auch hier die
Lerwaltung dazu übergegangen, Fischmärkte einzurichten.
diefselben erfreuen sich bei den hohen Fleischpreisen eines
zroßen Zuspruchs. Die Verwaltung wird in dieser
Woche enen weiteren Versuch mit wilden Kaninchen ma—
hen, die in größerer Zahl beschafft werden.
*Mainz 7. Dez. (Jur Bluttat.) Die Mainzer
Ztaatsanwalischaft etzt eine Belohuung von 500 Mart
uus für die Ergreifuna des Mörders des Dienstmädchene
Diehl.
* Frankfsurt, 6. Dez (So ist's reecht!) Die Straf—
ammer verurteilte den dandlungsreisenden W. Mödinger,
der vter Aussaufer um 330 Mark an Kaution und Eimn
agen prellte, zu 3 In en Gefängnis. — Das Schöffen,
zericht verurteilte den umse und Fleischengroshändler G.
rübling, der in sein a Lagerkeller verdorbene Meittwurf
uind Därme hatte wegen fahrlässiger Nahrungsr—
*zischung zu 500 Mark Geldstrase.
RMannheim, 7. Dez. (Man spart) In Ma
jeiim hat die Badine Eisenbahnverwaltung begonnen,
das sogenannte Einn nsystem auf den Lokomotiven ein
uuführen. Diejenigen »omotiven, welche die Züge über
ie Ablaufjberge drüchen sind nur mit einem Mann, dem
zührer besetzt, währed der Heizer fehlt. Dieses ‚System
oll in Baden überall, wo es die Bahnhofsperhältnisse ge
tatten, eingeführt werden
* Wertheim, 6. Dez. (Mor dꝰ) In dem benachbarten
dülsheim wurde die Ehefrau Ochs erhängt aufgefunden
Ilsbald stellte es sich heraus, daß der beklagenswerter
Frau die Schädeldecke eingeschlagen war. Als mutmaß
icher Täter wurde der eigene Ehemann, sowie dessen Va—
eeverhaftet und in das hiesige Amisgefängnis überlie
ert. Familienzerwürfnisse sollen die Ursache der unsele
sen Tat gewesen sein. Die Entrüstung der Bevölkerunt
it sehr aroß.

à äα.XOö
Aus aller Welt.
Des Kaisers Stiftung. Die Gründung der Kaiser
VBilhelm-Gesellschaft, die beim Universitätsjubiläum ange
aindigt worden ist, soll, wie die „Tägl. Rodsch.“ erfährt
och in diesem Monat stattfinden.

Die Affäre Margulin. Aus Berlin wird berichtet:
kine nochmalige Haussuchung bei der mitverhasteten Ernd
Fröhlich hat deren Mitschuld an den Betrügereien Margu—
ins zweifelssrei eigeben.
Krupp in Nußland. Wie verlautet, hat Krupp
im Konzession nachgesucht, in Rußland eine Fabrik für
Zanzerplatten zu errichten.
Ertrunken. Der Matrose Radscheid, Post-Ordonnanz
»es Linienschiffes „Kaiser Wilhelm 2.“ ist abends im Kie—
er Hafen ertrunsen. Seine Leiche wurde bereits geborgen.
Choristenstreik. In der Lohengrin-Vorstellung der
»ofoper in Wien streikten die männlichen Mitglieder des
hores; sie sangen nicht, sondern markierten nur. Der
herrenchor versucht seit Jahren, eine Besierstellung seiner
nateriellen Lage herbeizuführen. Eine solche soll ihm auch
urch Direktor von Weingarmer schon in Aussicht gestellt
vorden sein. Als die Herren nun ersuhren, daß durch
»en Direktionswechsel sich ihre Angelegenheit verschlechtert
jabe, bemächtigte sich ihrer eine große Erregung, infolge
eren sie passive Resistenz übten. Darau hin verfügte die
Direktion die sofortige Entlassung der betreffenden Mit
lieder. Von der Entlassung wurden der Allgemeine deut
che Chorsängerverband in Mannheim, sowie die Chor—
ängerverbände von Frankfurt a. M., Berlin und Breslau
n Kenntnis gesetzt. Die Sperre über die Wiener Hof
pfer wird verhängt werden. — Der Herrenchor der Hof
per veröffentlicht eine Kundgebung, in der er das Wie
er Publikum wegen der passiven Ressistenz um Entschul—⸗
ziigung bittet. Die Zwangslage sei geschaffen worden
icht so sehr durch die Ablehnung der Gagenerhöhung als
urch das brüske Verhalten eines Beamten der Direktion
jsegenüber einer Deputation der Chorherren.
Todesurteil. In Brzezani wurde ein Polizist we—
gen Raubmordes vom Schwurgericht zum Tode durch den
Itrang verurteilt.
Russischechinesische Bahn. Die russische Regierung
eabsichtigt, eine Bahn vom Baikalsee von der großen
zibirischen Bahn abzuzweigen und erstere durch die Wüst
zobi direlt nach Peling zu legen. China soll sich bereit⸗
nit dem Plan einverstanden erklärt haben. Durch dies.
eue Strecke würde der Weg Berlin-Peking um etwa 100—
kilometer kürzer und nach Fertigsteliung derselben (1913
is 13) noch 9085 Kilometer betragen, die in 814 Tager
urückgelegt werden können, d. h. nach der jetzigen rus
chen Fahrgeschwindigkeit.
Grubenunglück. In der Kemberton-Grube von der
Nedeley-Wood Kohlenbergbaugesellschaft zu Shisnal stürzte
in mit sieben Mann besetzter Förderkorb in die Tiefe.
ille Insassen waren sofort tot.
Sabotage? Aus Toulon wird gemeldet: Bei der
lusbesserung der Turbinen des neuen Panzerschiffes „Vol—
aire“ wurde in einem Dampfrohr ein Meißel gefunden.
die Marinebehörden ordneten eine Untersuchung an, um
estzustellen, ob es sich um Sabotage oder uͤm ein bloßeẽ
Bersehen eines Arbeiters handle.
. 1 —X oectrachan wird x

wEr war ein anderer in dieser Stunde, Eifriede er—⸗
lannte es wohl. Wie Licht und Schatlen war es über ihr
ezauberndes Gesicht geglitten. Eine innere Stimme flü—
terte ihr zu, daß das Glück an ihrem Wege stehe. Wes—
zalb hielt sie es nicht fest? O, häte sie doch den Moment
zenützt, die Hand, welche sich iht bot, ans Herz gezogen
ẽs handelte sich ja doch um das Glück eines ganzen, langen
—W
Sie schwankte. Roͤte und Blässe wechselten auf ihren
Vangen. So ganz in den Wind gesprochen waren seine
Worte nicht, sie trafen vielmehr ihr Herz berührten eint
Saite, die leise sehnsuchtsvoll erklang.
Und die Mücken spielten in den Sonnenstrahlen, das
laue Wasser murmelte geheimnisvoll, die Zaubermacht der
Ratur umstrickte zwei Menschen, welche der Wirklichkeil ent
rückt waren und einen Blick in die Zukunft wagten.
Nie zuvor hatte Elfriedes Herz so ungestüm, so un⸗
leichmäßig gepocht. Wen man liebt, dem spricht man
zoch nicht von seinen Fehlern,“ sagte sie endlich halblaut,
vie aus einem Traum heraus. Sie dachte an Kurt von
zarsen. Was hätte sie sich um seine Charakterschwächen ge—
kümmert! Wenn, er treu geblieben wäre, sie hätte in
zeißer Liebe zu ihm gehalten, trotz allem!
„Es handelt sich hier um Eigenschaften, die geeignet
ind, das Gute in Ihnen zu ersticken. Ich komme nur auf
gie Geschichte mit dem Brillanten zurück. Geben Sie der
Wahrheit die Ehre, Elfriede. Wo blieb der Edelstein?
dein Vorwurf soll Sie treffen, welche Antwort ich auch zu
zören bekomme.“
Vielleicht war es taltlos, ja unkkug von ihm, in dieser
geheiligten Stunde eine so profane Angelegenheit zu be—
rühren. Aber seinem geraden, offenen Sinn widerstand
s, auf Umwegen ein Ziel zu verfolgen.
Elfriedes Züge erstarrten in Hochmut und kaltem Groll
„Sie scheinen an Einbildungen zu leiden, Herr Kelling.
Ich rate Ihnen zu einer Kuͤr bei einem Nervenarzt.
Sie ging, ohne eine Entgegnung abzuwarten. Aber
ihre kalte Ruhe war erkünstelt. Sie fühlte sich tiefunglück⸗
ich. Ein Schluchzen und Sichaufbäumen in ihr, ein
Schmers, als glühe Eisen in ihrer Brust.
Zögernd blieb sie stehen. Dann schaute sie sich um.
Kelling befand sich noch auf derfselben Stelle, wo sie
hn verlassen. Er hatte sich auf den Rasen geworfen und
en Hut abgenommen. Der Wind spielte in seinem blonden
Ler er schien angelegentlich das Spiel der Wellen zu
achten.
e ging langsam zu ihm zurück. Als er sie
ommen sah, erhob er sich. Sein blasses Gesicht leuchtete
u nearo“lenen Glück

et: Bon den von dem Sturme auf vem Kaspischen Meere
reilten Schiffen sind insgesamt 23 gesunken. 314 Men
chen sind ertrunken, darunter 184 persische Schiffsarbeiter
scht Leichterschiffe sind im Eise siecken geblieben; ihr
Ldage ist bedrohlich.
Zugzusammenftoßz. Bei dem Zugunglück bei Willes—
»en (England) wurden 30 Personen schwer verletzt und eine
jetötet. — Ueber das Eisenbahnunglück werden noch fol—
jende Einzelheiten bekannt. Wie jetzt feststeht, wurde bei
dem Unglück ein Mann getötet und 46 erheblich verletzt,
etwa 50 andere erlitten leichtere Verletzungen. Die Ur
sache der Katastrophe ist noch nicht festgesteilt. Der Ex⸗
preßzug war in den haltenden Zug hineingefahren. Der
Führer erklärte, daß die Signale auf freie Fahrt gestan
den hätten, doch ist dies noch nicht geklärt. Bei der Ein—
ahrt in den Bahnhof befindet sich eine siarke Kurve, so⸗—
daß der einfahrende Führer den Bahnsteig nicht sehen
ann bis er dicht davor ist., Der Lokalzug stand bereits
3. Minuten über die Abfahrtszeit in dem Bahnhof, wei
die Inspektoren die Abonnementskarten prüften. Der Zuc
war überfüllt. In den letzten beiden Abteilen standen
mßer den Sitzenden noch zahlrciche Fahrgäste. Den Schlus
»es Zuges bildete ein Bremswagen. Plößlich erblickten
ie auf dem Bahnsteig stehenden Personen den mit voller
Beschwindigkeit in ungefähr 60 Meter Entfernung au'
»emselben Gleise daher brausenden Schnellzug. Einig
—R—
Wartesaal und starrten wie hypnotisiert auf den heran
zrausenden Zug. Der Führer des Schnelzuges gab Ge
‚endampf, doch war es zu spät. Im nächsten Moment
rachte die Lokomotive gegen den Bremswagen und in den
iberfüllten letzten Personenwagen hinein. Dieser wurde
yollständig und der vorhergehende Wagen fast ebenste
ertrümmert. Aus diesem Wagen sah man Blut in Bä
hen auf den Bahnsteig fließen. Von den Insassen der
eiden letzten Wagen des haltenden Zuges blieb kaum ei
rer unverletzt.
Gestrandete Dampfer. Aus Tanger wird berichtet:
Im Sturm strandete der italienische Dampfer „Nordame
ika“, etwa 8 Meilen südlich vom Cap „Spartel“ und der
nglische Dampfer „Cairntorr“ östlich von Tanger an der
zibraltarstraße. Während die Lage des letzteren Schiffes
iemlich ungefährlich ist, befindet sich der Dampfer „Nordmerika“,
 der voll beladen ist und Passagiere an Bord
sat, in sehr kritischer Lage wegen des schlechten Wetters
nd der hohen See. Hilfe ist sofart ABgeonnoeo

ChambordeGedenktag. In der kriegerischen Tätig—
eit der Hessen während des Fedzuges 1870571 bildet
zie Erstürmung des Schlosses Chambord am 9. Dezem—
er einen Glanzpuntt. Hauptmann Kattrein von der 8
domp. des Inf.RNgts. 118 unternahm in der Erwaͤgung
»aß die Dunkelheit die Schwäche seiner Abteilung ver
erge, mit zwei Leumants und 54 Mann abends 54 Uhr
ꝛeinen Angriff auf das genannie Schloß, das, wie späten
esigestellt wurde, von über 3000 Mann besetzt war. Mi
autem Hurra und krästigem Wirbelschlag des Tambour⸗
zing die kleine Schar vor. Die Besatzung des Schlosses
jab allen Widerstand auf; wie gelähmt durch das Hurra
ilt alles in regelloser Flucht in den nahen Wasd, um
inter dessen und der Duntelheit Schutz die Straßfe nack
Bracieur zu gewinnen. Hunderte von weggeworfener
Waffen, drei stehengebliebene Geschühe, eine Menge Aus
üstungsstücke jeder Art bezeichneten den Weg der Fliehen
den. Im Schlosse selbst wurde ein Oberfi (Regiments
onimandeur), zwei Stabsoffiziere, acht Subalternoffizier
ind über 200 Mann zu Gefangenen gemacht. Zur Erin
ierung an den Heldenstreich ist in der Kugel eines de
kürme von Chambord jetzt solgende Inschrift angebracht
„Dieses Schloß, verteidigt von 3000 Franzosen, wurde an
d. Dezember 1870 von drei Offizieren und 54 heisischen
poldeten erstürmu“
Motorbootrennen in Monaco 1911. Das Motor
»ootmeeting von Monaco 1911 weist in seinem Programm
jegen früher keine Aenderungen auf. Es sind 11 Tag.
n Anspruch genommen. Nach der Ausstellung der teil
ieh nenden Motorboote beginnen die Rennen am 5. April
Kreisen sind wieder 100 000 Franks ausgesetzt, vor
n der höchsie Preis im Rennen der Nationen, an den
drei Boote für jedes Land teilnehmen können, 10 000 Fr
»etregt. Dieser Preis ist in den letzten vbeiden Jahren an
zas englische Renuboot „Ursula“ gefallen. Das über eine
urze Strecke schnellsie Boot erhäst den Ehrenpreis des
Fursten von dnaco. Das sportlich werivollsie Renner
st das um die Neisterschaft des Meeres für Kreuzer über
200 Kilometer, das am 9. April stattfinden soll. In
Frankreich setzt man auch diesmal alle Hoffnungen au
ie Gleitboote, die aber auch in England mehr als frühe
Zeachtung finden

*t
Volkszählungs-Ergebnisse.
Groß—-VBVerlin, 6. Dez. Aus den Groß-Berlinen
Bemeinden liegt bis jetzt das genaue Ergebnis von Schö—
neberg vor. Es wurde eine Bevölkerung von 175632
gegen 140 992 in 1905) ermittelt.
Braunschweig, 6. Dez. Nach dem Resultat der
imtlichen Zählung der Einwohnerschaft Braunschweigs be—
rug diese am 1. Dezember 143 319. 1905 betrug die
Sesamtrenätterung 124 207

„Wenn Sie mir versprechen, auf die Geschichte mit dem
Brillanten nicht mehr zurückzukommen —“
Er unterbrach sie ungestům, Empörung in jedem Laut
einer Stimme. „Es ist Ihre Absicht, den Verdacht des
Diebstahls auf Fräulein Brandis ruhen zu lassen! Und
Sie verlangen obenein meine Beteiligung an einer solcher
Niedertracht?“
„Sie bedienen sich mit Vorliebe starker Ausdrücke
derr Kelling; wer von uns beiden läßt es nun wohl ar
Zelbstbeherrschung sehlen?“
Seine heilblauen Augen blickten finster. „Ich werde
nicht eher ruhen, als bis der Verbleib des Brillanten er!
mittelt ist, verlassen Sie sich daraus. Es ist mein letztes
Wort in dieser Angelegenheit.“
„Dann haben wir einander nichts mehr zu sagen.“
Sie warf den Kopf in den Nacken und ging. Und dies
nal kehrte sie nicht wieder um. Sie trotzle.
Wie kam dieser schlichte Mensch dazu ihr Vorschriften
zu machen? Warum wehrte er sich dagegen, ihr Sklave
u sein, wo so mancher Kavalier schon behauptet hatte, e
‚ei ein süßes Glück, unter ihrem Joch zu schmachten?
Auch jetzt wieder wollte sich eine Stimme zu jseinen
Sunsten in ihrem Innern erheben, doch gewaltsain unter
drückte sie dieselbe.
Er verlangte Unmögliches. Es hatte keinen Zweck
veiter mit ihm zu streiten

XX.
Im Forsthause weilte seit einigen Tagen Besuch.
Förster Horst, welcher in einem nahegelegenen kleineren
ßevier augestellt und zur Aushilfe hierher beordert war.
e ebhaftẽ junge Frau auf Voltmers Wunsc̃ mit
gebracht.
Frau Lina und Regine schlossen sich bald einander an
Freilich war letztere immer zurückhaltend, während die
rstere sich gern alles vom Herzen heruntetplauderte.
Sie hatte ja auch nichts zu verbergen, in ihrem Daseir
jab es keine dunklen Stellen. Das Elternhaus war ihre
heimat gewesen bis zu dem Augenblick, wo Ling an de
Zeite des angetrauten Gatten, ihr eigenes Heim betrat.
Die Liebe hatte ihre Kindheit und Fugend behütet und
ärtliche Neigung sie in die Arme ihres Gatten geführt.
„Wenn Otto hier fertig ist, geht's direkt nach Hause
n den Urlaub,“ erzählte sie, vierzehn Tage hat mein Schaß
reibekommen. Wir freuen uns alle schreclich Mama wirt
gzienenstich — meinen Lieblingskuchen — und Sandiort
u unserem Empfange backen, meine kleinen Schwesiern
ühren mit ibren Freundinnen zusammen einen Reigen

Hannover, 6. Dez. Nach der amtlichen Zählung
zetrug die Einwohnerschaft am 1. Tezember 292 738
Personen In⸗ Jahre 1905 betrug die Gesamtzahl der
Bevöbtterunn 272 335 Personen.
Lüsbeck, 6. Dez Nach dem Ergebnis der Voltkz
ählung besitzt die Stad. Lübeck 98 612 Einwohner, 7241
nehr als 1905.
Chemnitz, 6. Dez. Nach der vorläufigen Feststell—
uing der Einwohnerzahl betrug diese hier am 1. Dezem—
»er 286 455 gegen 244 927 am 1. Dejember 1905. Die
Zuahme beirägt 41 528 oder 17 Prozent.
Dres den, 6. Dez. Die Bevölferung Dresdens be—
krägt 546 882 E'nwohner. Sie ist seit 1905 um 29 886
zestiegen.
Straßburg, 6. Dez. Nach dem vorläusigen Er—
zebn's beträgt die Einwohnerzahl Straßburgs 178 290
der Zuwachs seit 1905 beträgt 10 612 Personen.
Aus der Schwei;z, 6. Dez. Weitere Ergebnisse
zer Volkszählurg vom 1. Dezember: Zug 3092, Lie—
tal 6192, Aarau 9580, Romanshorn 5999,
rausanne 64142 (“4 17 296), Appenzell 5063

—13

Hochwasser.
Paris, 6. Dez. Die Meldungen über die Ueber—
chwemmungen lauten fortgesetzt sehr kritisch. Sämtliche
Deiche und Dämme der unteren Loire sind durchbrochen
ind ungeheure Landstrecken stehen unter Wasser. Der Fluß
»ehnt sich wie ein See aus, der stellenweise 10 Meter ties
st und eine Länge von 200 Quadratmeter hat. Trotz
dem ist der Fluß um weitere 80 Ztm. gestiegen. Bei
Angers erfolgle ein neuer Dammbruch, wodurch eine ganze
Anzahl von Ortschaften unter Wasser gesetzt sind. Der
Prefekt hat sofort Truppen nach den vom Unglück betrof—
enen Orten abgesandt, um die Bewohssier zu verprovian—⸗
ieren In Sangnen erinla'e ein riesiger Erdrutsch

8Gewonnene Wette. Bei einer kleine;
Hofbühne machte der Komiker mit dem Kapellmekster du
Wette: daß die sonst so taktfesten Musiker unten im Or
hester inmitten ihres Berufes total „umwerfen“ sollten. Der
dapellmeister ging die Wette ein, daß dies in einer Opern
drobe, aber nicht bei einer öffentlichen Aufführung gesche
zen solle. Der Komiker hielt Wort. Während unten ge
trichen und geblasen wird, zieht solcher im Angesicht der
dapellisten eine Zitrone aus der Tasche und beißt hinein
Die Bläser machten alle ein solch saures Gestcht, es lie
hnen sozusagen, das Wasser im Munde zusammen, bdaß su
inwillkürlich die Instrumente vom Munde entfermien umld
nicht fähig waren, unter fünf Minuten einen reinen Ton
herauszubringen. Besonders soll dies Manöver auf Kla
ꝛinettisten und Oboisten eingewirkt haben. απιν.
28Weiberlist ist doch nie um ein Auskunfts
nittel verlegen. Da hat in Cheltenham in England eind
unge Schöne von 17 Jahren ein Liebesverhältnis mi
inem nicht mehr in der ersten Blüte der Jugend stehenden
Bentleman von 46 Jahren; der Vater ist dagegen unl
perrt die widerspenstige Tochter ein. Diese zundet Nachti
hre Fenstervorhänge an, ruft Feuer, ergreift, die Ver
virrung der Familie benützend, die Flucht und läßt sid
n einem benachbarten Dorfe mit ihrem Anbeter trauen
242* Schusternde Damen,. In Detroid fol
8 unter den Damen zum guten Ton gehoren, das eigen
Fußzeug anzufertigen. Man kann an einem Tage zehr
damen einen Besuch abstatten und man ist sicher, die sümt
ichen Schönen mit Zangen, Pfriemen und Schuhmacher
Dräthen beschäftigt zu finden. Nun sage jemand, daß di
Node nicht eine unumschränkte Herrschaft ausübt! 43
** Einräuberischer Sohn. Ein Frem
der, welcher in einem Juweliergewölbe in Mailand Pre
tosen gekauft hatte, wurde danach in einer abgelegene!
dasse von einem in einen Mantel gehüllten jungen Mann
berfallen und unter Androhung der Erdolchung, wenn e
Lärm machen würde, beraubt. Der Verdacht des Beraub
ren fiel alsogleich quf die Umgebung des Juweliers, di
eine gemachten Einkäufe bemerkt haben mußte. Er bega
sich soffort in den Kaufladen zurück und teilte das Vor
gefallene, sowie seinen gefaßten Verdacht mit. Der über
taschte Juwelier machte sich sogleich anheischig, dem Frem
den alle seine Leute vorzuführen und strenge Untersuchun
zu halten. Zufällig kam sein Sohn herzu. „Dieser ist's!
schrie der Beraubte. Der Vater sah nach diesem Rufe de
Zohn erbleichen und zittern, faßt ihn wutschäumend a
»er Brust, entriß ihm ein Stilet und stieß es dem junge
Berbrecher in die Brust, so daß er augenbliclich entseel
zusammensturzte. Der unglückliche Vater wurde der Justi
übergeben.

Oumoristisches.
eUnter Freundinnen. .. Du glaubst gar
uicht, welche Unruhe in der Emmy stecktt Im Somme—
tichts als Tennis spielen und radeln, im Winter nichts
in Skifahren, wodeln und tanzen... Das muß doch
hrer Gesundheit schaden, wenn sie so gar nicht zum aus—
uhen kommtte — „Sei unbesorgt — mit der Zeit wird
⸗cchon ͤtzen bleiben!e

uuf. Ach, es wird zu schön werden .... Begleiten Sie
uns, Fräulein Regine, in unserem Elternhause ist Platz
für ein Dutzend Gäste. ... Soll ich Volkmer um Erlaub⸗
tis bitten? Er sagt gewiß nicht nein!“
Ein feines Rot stahl sich in Regines Wangen. „Jetzt
aicht, Liebe, aber später komme ich einmal mit, ich freue
nich schon jetzt darauf.“
„Später —?“ Die junge Frau lehnte sich behaglicher
nden weichen Sessel zurück, ihre zärtlichen Augen träum—
en; sie war jetzt immer so müde und konnte stundenlang
chlafen. Aber wenn Otto leise auf Fußspitzen ins Zimmer
trat und mit den bärtigen Lippen behutsam die reine
A —
m Schlaf.
Hänschen war ihr erklärter Liebling. Und wenn sie
sein Lockenköpfchen an ihre Brust drückte, begegneten sich
vohl ihre und ihres Gatten Blicke. „Solch ein herziger
Bub' muß es auch sein!“ hatte er einmal geflüstert, und
dabei stockte seine Stimme vor tiefinnerer Bewegung.
„Mama schenkt mir ein neues Sommerkleid,“ plauderte
zdie junge Frau, „und verschiedenes, was in der Wirtschaft
fehlt, soll ich auch noch haben. Sie glauben gar nicht, was
illes nötig ist, Fräulein Regine. Nun, und Papa wird
ich ja auch seinerzeit nobel zeigen,“ erglühend flüsterte sie
dem jungen Mädchen etwas ins Ohr.
Regine nickte und antwortete. Aber sie hatte Mühe,
reundlich zu bleiben, Es, war ihr so unsagbar weh und
chwer ums Herz. Ihre Augen blickten trocken, aber in
hrem Innern weinte und schluchzte es bitterlich.
Das ganze Leben, wie es sich um sie her abspielte, war
ein Märchen für sie. Von allem ausgeschlossen, wurde sie
zroß, und selbst ihr bräutliches Verhältnis änderte an ihrer
eelischen Vereinsamung nichts. So würde es auch bleiben,
venn sie als Hausfrau hier waltete.
Oft haderle sie mit dem Geschick, das sie mit diesem
weichen, zärtlichen Herzen schuf und ihr dann alles raubte,
was die Kindheit vergoldet und sie unvergeßlich macht.
Welch ein unnennbares Glück ist es, einer Familie an—
ugehören, im Schoße derselben heranzuwachsen, spielend
iuf den Ernst des Lebens vorbereitet zu werden. Wer jedoch
rnt heranwuchs, bleibt es leicht das ganze Leber
indurch.
Regine war die Braut des Mannes, welchen ihr Herz
iebte, und doch blieb das Glück aus, jene Seligkeit, die nur
empfunden wird, wo zwei Menschen ineinander auf—⸗
n.

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