NRr. 280.
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Postschließfach Nr. 14. — D — X —
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Erscheint — —93— — 334 J 93 0 — d—7 3311 4 Aneetgen
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I cbti vc luc iuc curuce ueeeh er ueet reu grzt.et Suudrh achzwhe h e r
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Verleumdungen des Auslandes.
Im neuesten Hefte der „Historischen Zeitschrist“ lendt
er Leipziger Historiker Felit Salomon die Aufmerksam
eit auf ein umfangreiches deutschfeind!iches Geschichtswerk,
da; Ernest Lemonon unter dem Titel „Europe et la po—
e britannique 1882 1909“ in diesem Jahre veröf—
It hat. Dem sranzösischen Botschafter in London ge
vieniet und von dem bekann'en Deputierten Paul Descha
iel bevorwortet, gliedert sich das genanne französische
Werl in zwei Fauptabschnitte. Der erste führt von 1882
vis 1901; er enthätt die Geschichte des Zusammengehens
Englands mit den Dreibund, insbesondere der politischen
Freundschaft Großbritanniens mit Deutschland. Dabei ist
das deutsch englische Verhältnis weit in imer dargestellt,
als es gewesen ist, während Großbritanniens Beziehun—
gen zu Frankreich und Rußland übermäßig schwarz ge—
nalt werden. Der zweite Hauptabschnitt, von 1901 -1909
führend, schildert die Beschaffenheit des deutsch⸗englischen
Begenfatzes. Lemonon findet die unmitte'baren Ursachen
die es Gegensatzes im Transvaalkriege und in den ostafia—
tischen Schwierig'eiten, die tieferliegenden Gründe im
wirtschaftlichen Wet.bewerb, in der Flottenfrage und vor
illem in der allgemeinen Richtung der deutschen Politik.
Von letzterer entwirst Lemonon folgendes Bild:
„Das ehrgeizige Deutschland hat davon geträumt, Eng
'and zu verdrängen And die Welt zu erobern; es konnle
Jlauben, daß sein fẽindliches Vorgehen unbemerkt blieb,
uind daß England seine Fortschritte erst bemerkte, wenn
»as Ziel erreicht war. Aber Eng!and bemerktt den ger—
nanischen „Drang“, bevor er sich durchsetzt. ... England
onnte nicht der Verbündete der Macht bleiben, die ihm
ie Herrschaft über die Meere und die Länder der fernen
Weltteile streitig machte . . . es wurde der Feind Deutsch
ands, weil dieses Frankreich und Rußland zuvorkommend
einerseits eine maritime und koloniale Großmacht gewor
den ist ... Deutschland hat England auf politischem, wie
iuf wirtschastlichem Gebiete klein machen wollen. .. Die
»eutsche Politik ist in dem Maße imperialistischer gewor—
»en, in dem die englische Politik aufhörte, es zu sein ..
Deutschland wird immer anma zender: Europa, bald die
Welt, scheint unter seiner Herrschaft zu stehen; es will
äberall befehlen, in den weiten Ebenen Mesopotamiens
vie in Holland, dessen Häfen seine Stapelplätze werden,
n Marolko, wie in Oesterreich, das die alldeutsche Flut
iberschwemmt, oder in Dänemark, das Schleswig ver—
iert.“
An die Wiedergabe des französischen Wortlautes der
dorstehenden Sätze lnüpft Salomon u. a. folgende Ve—
nersungen:
„Forschen wir, woher diese Behauptungen stammen
o finden sie ihren Nährboden der ebenso glühenden,
die uns feindseligen Phantasie des Verfassers. Das Buch
hließt mit der Erzshlung der verschiedenen von Eng
and ausgehenden Ententen ... und mit einem Appel.
ur Bildung eines großen Friedensbundes mit Einschluß
der Balkanstaaten gegen den deutschen Friedensstörer ..
fsin Buch von über 500 Seiten zur Zeitgeschichte! Eir
zuch nicht von dem ersten besten, sondern von einem
MNanne, der von Deschanel patronisiert ist und sein
Arbeit dem französischen Botschafter in London hat wiod
nen dürfen. Ein solches Buch wird von einem Jurister
Lemonon ist Advolkat) im Aufbau einer Anklageschrift ge—
chrieben; erst wird alles, was auf das Zusammengeher
er beiden Partner Englands und Deutschlands Bezuç
at, in freundlichsten Farben geschildert, um nachher da
Anversöhnliche des Gegensatzes um so wuchtiger hervo—
reten zu lassen. Es ist nicht meine Aufgabe, und es ge
sört nicht in diese Zeitschrift hinein, auf die politischer
zedenlen einer solchen Arbeit, die sich sogar als objektir
usgibt, in einem Zeitalter, in dem das Gewicht der öf—
en lichen Meinung immer mehr hervorgehoben wird, hin
uweißen; vielleicht aber darf die Frage gestellt werden
Sollte es nicht gut sein, die Zeitge'chichte auch bei un—
intensiver zu pflegen, damit Verleumdungen des Aus
andes nicht durch Unwifsenheit entschuldigt werden kön—
ten?“ — Diese Anregung verdient in der Tat die sora—⸗
ältigssie Beachtung
23. Jahtgang
—EXE EXBA
Postschliefach Nr. 14.
Gerichtszeitung.
Die Friedberger Bomben⸗-Affäre.
Vor dem Schwurgericht Gieden hat die Verhandlurg
einer Bomben-Affäre begonnen, die seiner Zeit großes
Aufsehen errege. Der Sachverhalt sei h'ier kurz rekapitu
liert: Am 14. Juni wurde auf die Vila des Bantiers
Aleeander Maler in Frantsurt ein Bomben-Atten at ver
übt, wodei ein Schaden von ca. 1000 Mart augerichte
wurde. Die Täter, die entkamen, richteten am 17. Juni
an den in Homburg wohnenden Bankier zwei Briese, in
dem sie ihn zur Niederlegung einer großen Geldsumme
in Amsterdam aufforderten, falls er nicht sein Leber
⸗erlieren wolle. Der Banlier reagierte hierauf jedoch nicht.
Am 22. Juni wurde ein ähnliches Bombenattentai au
das Rathaus der Stadt Friedberg verübt, wobe
das Treppenhaus vernichtet wurde und ein Schaden von
10 000 Martk eutstand. Zwei Personen erlitlen gering⸗
üg'ge Verletzungen. Gleich darnach wurde auf den Vor—⸗
teher der Reichsbantnebenstelle in Friedberg, MA. Meyer,
'on den beiden Tätern ein Angriff verübt. Einer der Taä—
er, der Mechansker Wingers, flüchte!'e per Rad in der
int ng nach Bad Nauheim und erschoß sich, als ihn die
Ler olger ereilt hatten. Der andere, der Dachdeckerlehr⸗
ing Friedr. Wer ner, entkam ins Ausland. Nach man
herlei Irrfahrten kehrte er wieder nach Deutschland zu—
rück und wurde in Elberfeld festgenommen. Eine ganzte
Reshe von Anklagen sind gegen Werner, der am 29. Sep
ember 1890 zu Kaiserslautern geboren ist, erhoben wor
den. — Der Angeklagte, der von mittelgroßer Sta⸗
ur ist, sieht wie ein 16jähriger aus. Nach Verlesung des
Anklagebeschlusses kommt es zur Vernehmung des Ange
lagten, der völlig geständig ist. Werner wurde am
29. September 1890 als Sohn eines Dachdeckermeisters in
staiserslautern geboren. Er besuchie die Oberrealschule.
Werner soll die Konstrukiionder Hsllen
maschine erklären. Auch soll Dr. Popp einen Teil
seines Gutachtens über die Höllenmaschine erstatten. —
5s ergeht Gerichtsbeschluß, die Oeffentlichteint auch
ür die Vertreter der Meoste 153uschle⸗ken
—BäB— —oeeæ
Deutscher Reichstag.
(93. Sitzuna.)
Nachm1 Uhr. Berlin, 6. Dzbr.
Auf der Tagesordnung siteht die Weiterberatung der
weiten Lesung des Abeitsktammergefetzes.
Bei 58 2 begründet Abg. Bömelburg 6Goz.) ei
ien Antrag, wonach in diesem Paragraphen der Satz ge—
trichen werden soll, daß die Arbeitstammern auch die In—
eressen der Arbeitgeber wahrzunehmen haben.
Die Abgg. Manz (F. Vp.) und Fleischer (3.)
wenden sich gegen diesen Antrag. worauf derselbe abge—
lehnt wird.
s* 2 wird darauf unverändert angenommen, ebenso
die Paragraphen 3 und 4.
Nach 8 5 sollen Angelegenheiten, die lediglich die Ver—
hältnisse einzelner Betriebe beirefsen, nicht vor den Ar—
beitskammern verhandelt werden. Die Sozialdemokraten
beantragen Streichurg dieses Paragraphen.
Abg. Manz G. Vp.) empfiehlt die Beibehaltung.
8 5 wird dann gegen die sozialdemokratischen Stim—
men angenommen, ebenso 8 6.
87 bestimmt, daß auch die Eisenbahnarbeiter in die—
ses Gesetz aufzunehmen sind.
Abg. Ir!l (Zir.) beantragt, ausdrücklich festzulegen,
daß nur seßhafte Personen unter das Gesetz fallen.
Abg. Potthofif (F. Vp.) bittet, die Eisenbahnar—
beiter im Rahmen dieses Gesetzes festzuhalten. Er befür
wortet dann einen Antrag seiner Partei, die Errichtungç
einer befonderen Kammer für die Angestellten im Han
delsgewerbe.
Die Kommission hat nur eine Resolution in diefen
Sinne angenommen.
Staatssekretär Delbrück erklärt nochmals, daß s
die Regierung die Einbeziehung der Eisenbahnarbeiter un
annehmbar sei.
Abg. Bolko (cons.) lehnt die Einbeziehung der Ei
enbahnarbeiter gleichfalls ab, ebenso der Abg. Schwa
rach (nl.)
Aha. Hoch (Soz.) bearündet einen Antrag auf Ein
—BWBR — —— —
Es sollte wohl zugleich eine Entschuldigung ihres Ver
jaltens sein. Wenigstens nahm Paul es so. Er verneigte
ich schweigend und nahm seinen Hut. „Ich bin bereit,
gnädiges Fräulein.“
Sie setzte einen Florentiner auf das dunkle Gelock.
Dann gingen sie um das Haus herum und gelangten in
eine Birkenallee, die direkt zu dem See hinunterführte.
Von der Seite blickte Elfriede mehrmals verstohlen in
ein blasses, geistreiches Gesicht, das einer undurchsichtigen
Naske glich.
So gern hätte sie gewußt, was in ihm vorging. Aber
weder seine Augen, noch die leichtgeschlossenen Lippen ver—
rieten etwas.
Endlich schien er es zu bemerken, daß sie in seinen
Zügen forschte. Er wandte ihr sein Gesicht zu. „Gnaͤdiges
Fräulein, Sie wissen, wo der Brillant sich befindet. Ver
trauen Sie sich mir an. Ich schwöre, keinem Menschen
etwas zu verraten und Ihnen als Ihr treuester Freund
deizustehen. Aber sagen müssen Sie eées.“
Sie wurde dunkelrot. „Ihre Kombinationen sind mehr
als kühn, Herr Kelling, ich habe keine Antwort darauf.“
Er blieb stehen. Ein eiserner Entschluß prägte sich in
einen Zügen aus. „Ich bringe es doch heraus. Geben Sie
der Wahrheit die Ehre, wenn auch nur aus dem einfachen
Zrunde, daß Sie sich unabsehbare Verdrießlichkeiten zu er⸗
paren suchen.“
unter seinem festen Blick, der wie eine Stahlklinge bis
n ihr Herz drang, schien sie heftig zu erschrecken. Sie er—
laßte. „Sie fühlen mehr für Fräulein Brandis, als Sie
zuzugeben wünschen. Vielleicht ist das junge Mädchen Ihre
jeimlich verlobte Braut?“
Jetzt endlich sah er sie mit Augen an, aus denen heiße
deidenschaft ihr entgegenflammte. Würde ich dann täguch
Ihre Nähe suchen, Elfriede? Nein, die kleine Emmh isi
nir nichts anderes, als eine liebe Bekannte, die slotteste
Tänzerin der Klubbälle. Dorthin ommen die Kosino—
amen ja nicht, daher ist Ihnen das junge Mädchen auch
o ganz unbekannt. Ein liebes, hergiges Ding, ich mag sie
ern, und meine Seligkeit möchte ich darauf verwetten, daß
ie außerstande ist, ein Unrecht zu begehen.“
„Mir aber trauen Sie Vug und Betrug zu. Wir wollen
imkehren, Herr Kelling, und mag nun dommen, was da
vill. ich höre Ihre Beleidigungen nicht laͤnger mit an.“
Doch, Elfriede, Sie müssen mich noch weiler hören
ẽ3 ist die passende Stunde zu einer entscheidenden us—
oraͤche zwischen uns....Ich liebe nicht jenes Mädchen
3 7 riede Inemdersenne ei Ihre
nmut und nicht zum wenigsten Ihr Stolz haben es mit
noetan und mich 3h es mi
Die Moabiter Krawulle vor Gericht.
Nach Eröffnung der Sitzung wird als Zeuge der Koh
enarbeiter Otto Well schmidit vernommen, der ery
eit dem 17. September in Berlen ist und am 85. Oktobe
vährend des Streiks bei der Firma Kupfer u. ECo. in
Arbeit getreten ist, da er angenommen hat, daß der Strei
u Ende sei. Der Zeuge bekundet folgendes: Als er eines
Tages aus dem Kohlenplatze herauskam, seien drei Leut.
jekommen, die ihn fragten, ob er bei Kupfer arbeite Al⸗
er dies bejahte, sei ihm geantwortet worden: Schämft
Du Dich nicht, bei Kupfer zu arbeiten? Zagleich hätten
die drei mit Gummischläuchen und Fäusten auf ihn ein—
geschlagen. Er habe dann zu seiner Mutter in der
Beusselstraße 12 gehen wollen. Als er auf die Straße
am, hätten ihn ver Leute beim Kragen und Genick ge⸗
packt und gesragt: „Wo arbeitest Du?“ und als er ant—
wortete: „Bei Kupfer u. Co.“, hütten d'e vier gesagt,
er solle mit ihnen komnien, sie wollten ihm andere Arbeü
»erschafsen. Er sei dann von den Leuten in das Pilzsche
Lokal in der Rostockerstraße 17 gesührt worden, wo in
inem Nebenzimmer mehrere Leute, etwa 285, faßen. Hier
väre auch einer drin gewesen, den sie vom Bahnhof Beus—
selstraße geholt hätien. Sie sragten mich, so erzählt der
Zeuge weiter, ob ich mich nicht schäme, bei Kupfer u. Eo.
u arbeiten. Ich antwortete darauf, daß ich es nicht aus
lebermut tue, sondern um etwas zu verdienen Es wurde
nir dann vorn im Lokal Brot, Wurst und Bier gegeben.
Als ich aufgegessen hatte und nach Hause gehen wollte,
agte Pilz zu mir: „Sie können noch eiwas trinken
Er brachte mir noch ein Glas Bier, daim ging er hinten
ns Lokal. Gleich darauf kamen die Streskenden, etwa
15 bis 20 Mann, hervor und schlugen mit Gummiknüp⸗
»eln auf mich ein. Ich wollte Deckung suchen, Pilz packte
nich jedoch am Arme und stieß mich immer wieder zu⸗
ück, bis mich Frau Pilz hinter dem Ladentisch hinweg
nitf den Korridor hinaustioß Dor Angeklaate Piiz be
——
Lus schöne Mädchen erhob sich, um ihr Erblassen zu
erbergeu. „Kelling ist ein anmahender Mensch, Mama,
der mir gegenüber den Tyrannen herauskehren möchte. Ich
könnte ihs hassen, wenn er mir nicht so entsetzlich gleich
giltig ware!“
Die alte Dame schlug kummervoll die Hände zusammen.
„O, mein Gott, was soll hieraus werden! Solche Unnatur
rächt sich inmner, Kind. Es waren ehrenwerte Männer,
welche um dich warben, nun hüte dich, daß du nicht einem
Flaneur, einem, der schöne Worte spricht und es mit Ehre
und Gewissen leicht nimmt, mehr vertraust, als jenen.“
„Sei unbesorgt, Mama, ich bin überzeugt, daß auch für
nich der Rechte eines Tages konnnen wird.“ Ich weiß, was
ch unserem Namen, unserem Stande schuldig bin und werde
neine Hand nur einem Ehrenmanne reichen. ... Was
ollte mir Volkmer mit seiner Pedanterie und Beschränkt
eit! Ich wäre verkommen in der Einsamkeit, dem tristen
sinerlei der Tage dort draußen! Und wenn Volkmer nun
virklich zum Oberförster avanciert, damit ist noch nichts
zebessert. Erstens kann er Jahr und Tag auf eine vakante
Stelle warten, und dann bleibt er doch immer noch derselbe
kinsiedler wie vordem. ... Und Kelling? Sei versichert
»aß er nicht der harmlose Mensch ist, als welcher er ——
erschien. Er hat einen heimtückischen, hinterlistigen Cha—
akter und wird sich vielleicht für den Korb, den ich ihm
egeben, in einer raffinierten Weise rächen. Mache dich nur
arauf gefaßt, daß er uns empfindliche Unannehmlichfoiten
Jereitet.“
„So hast du ihn gereizt?“
Elfriede nickte mit einem Ausdruck eisigen HGohnes in
den herrlichen Zügen. „Ich habe ihm gezeigt, daß ich seine
Anfeindungen nicht fürchte und etwaigen Angriffen ge—
vachsen bin. Möglich, daß er sich danach richtet, wahrschein⸗
lich aber, daß er uns seine Ungnade wird fühlen lassen.“
Die Rätin sagte nichts mehr. Was hätie es auch ge—
nützt! Elfriede handelte nach ihrem eigenen, trotzigen Sinn—
Dadurch kam es aber, daß die So ge riesengroß wuchs.
Bis dahin hatte sich immer noch ein Ausweg aus jihret
pekuniären Bedrängnis gefunden. Oft genug berechnele
Frau von Bittner, daß der Brillant von Eifriedes Taschen—
ihr mindestens dreitausend Mark einbringen mußie, wenn
nan gezwungen war, ihn zu verkaufen. Der Verlust des
fẽdelsteins traf sie daher geradezu vernichtend.
Der Brillant war das einzige, in ihrem Besitz befind
iche Wertobjekt gewesen. Als sie später allein war, sann
md grübelte sie unaufhörlich darüber, ob Emmi Brandit
ich wobl den kostbaren Stein angeeignet bobe
— 4
Die Wahlen in England.
Die englische Wahltkampagne wird mit großer Ener
ie weiter betrieben. Auf beiden Seiten wird hestig ge
ämpft. Die bisherigen Resultate entsprechen nicht der
»offnungen der Konservativen. Bisher ist ein Drittel der
Abgeordneten desinitiv gewählt. Die Konservativen haber
die Zahl ihrer Sitze nur um 5 erhöhen können, und e⸗
st vorauszusehen, daß ne in das neue Parlament mi
derselben Minorität einziehen werden wie in das alte
Die Liberalen haben seit 1906 bei drei Wahlen immen
eine Majorität erreichen können, eine Erscheinung, die
ich vor 59 Jahren nicht gezeigt hat. Wenn das End—
esultat der Wahlen den Anfaͤngen entspricht, so wird
der König gezwungen sein, dem Premierminister Asquith
»rꝛe notwendigen Garantien zu geben, um die Absichten
der Liberalen zur Durchführung zu bringen. Diese Ga—
antien können in Form eines Versprechens gegeben wer—
en, daß, wenn es notwen 'g ist, eine Anzahl von libe
alen Peers in das Oberhans geschickt wird, um dort ein
iberale Majorität zu sichern. Dieses Versprechen, auf wel—
hes Minister Asquith vielleicht nicht zurückkommen wird
vird aber das Ergebnis haben, daß wahrscheinlich eine
tene Konferenz zwischen den Führern der beiden Parteien
tattsendet, um zu einer Ein'gung zu gelangen.
Infolge der Ue berschwemmung gehen di
vahlen in Mottingham unter großen Schwierigkei—
en vor sich. Die Wähler werden in Wagen nach der
Lahllokalen befördert, von denen eines der größten über
hwemmt ist.
Nach deu letzten Bericht sind gewählt: 115 Un oni
ten, 85 Liderale, 16 Nationalisten, 13 Arbeiterparteiler
die Unionisten haben bisher im Ganzen 11, die Libera
en 6 Sitze erobert. Unverändert blieben 212 Mardate
Eine Flucht.
Sie woute dem jungen Vegochen, welches ihren Zorn
aum zu meistern vermochte, über den Tisch herüber die
eine, schmale Hand reichen. Aber die Bewegung wurde
nicht beachtet. Emmi sagte kein Wort mehr.
Stumm, ohne aufzusehen, ging sie hinaus.
Es war, als wandle die Rälin eine Ohnmacht an
Anwillkürlich streckte sie beide Hände weit aus. Es han—
delt sich um Tausende, die uns verloren gehenn“
Paul Kelling schüttelte unmutig den Kopf. „Bedenken
Sie nur, gnädige Frau, daß Sie eine tadellose, junge Dame
des Diebstahls bezichtigen; das ist ein schlechter Dank für
die Ihnen erwiesene Gefälligkeit. Ebensowenig angebracht
wax es, von einer Belohnung zu sprechen. Die Eltern von
Fräulein Brandis leben in durchaus wohlgeordneten, wenn
zuch schlichten Verhöltnissen. Die Familie genießt alldeucin
die größzte Hochachtung.“
„Sie scheinen dort ja sehr genau informiert zu sein,“
agte Elfriede spitz, „es schien ein hübsches Einverständnis
wischen Ihnen ,und dem Fräulein zu bestehen.“
Frau von Bittner erschrak. Auf, Kelling setzte sie all
hre Hoffnung. Sie hielt ihn für einen durchaus harm⸗
osen Menschen, welcher in blinder Verliebtheit zu Elfriede
mporschaute.
Er besaß ein gutes Einkommen, war intelligent und—
ie schon erwähnt, bei seinem Chef hochangesehen.
Er war keine so üble Partie. Wenn die unberechen⸗
bare, trotzige Elfriede ihn nun auch fortschickte oder ihn
dermaßen reizte, daß er nicht wiederkam, so war kein Ersaätz
für ihn vorhanden. Er war der einzige, welcher bisher
ausdauernd, allen Kaprizen des schönen Mädchens mit
immergleicher Gelassenbeif hegeanend azu ihnen ins Haus
am.
„Sei nicht so unleidlich, Friedel!“ rief sie, „wenn Hert
delling mit den Leuten befreundet ist, haben quch wir Nachcht
zu üben. Du vor allem trägst die Schuld an diesen
ingelegenheiten, hättest deine Uhr sicherer befestigen und
esser beachten sollen, dann fehlte der Brillant nicht.
Auch Elfriede mochte einsehen, daß sie zu weit gegangen.
Im liebsten hätte sie Paul so recht tief gedemütigt, aber das
u tun, wagte sie nicht. Ein wenig vorsichtiger gab sie sich,
itdem Volkmer sich so ganz unvermittelt von ihr abge—
andt hatte.
„Begleiten Sie mich, Serr Kelling,“ sagte sie halb
ittend, iich muß einen Spaziergang machen. Mein Kopf
rennt. Ich weiß nicht mebx, was ich spreche“
—
„Davon merkt man aber nicht das mindestel!“ unter⸗
rach ͤhn die junge Dame spöttisch Sie haben eine sonder—
zare Art, um mich zu werben, mein Herri“
„Nachen Sie, dafür nicht mich verankwortlich,“ wehrte
er gelassen, „ich sehne mich von ganzer Seele nach einer
igenen Häuslichkeit. Alles, was mein ist, möchte ich Ihnen
u Füßzen legen, und doch wage ich kaum, Ihnen ein herz⸗
iches Wort zu sagen.“
Sie lachte hell auf. „Ja, weshalb sind Sie denn ein
olcher Hasenfuß?“
Er ließ ihre Bemerkung unbeachtet. „An eine Heirat
st vorläufig nicht zu denken, es hieße, sich mit sehenden
lugen ins Ungluͤck stürzen. Erst müssen Sie Ihre Fehler
blegen, Elfriede, Ihr Sinn muß eine Wandlung erfahren,
he Sie meine Gaitin werden!“
Jetzt blitzten ihre Augen zornig. „Nie!“ rief sie, „nie—
Vi ich mich ändern, es fällt mir nicht ein, Sie zu
eiraten.“
Das überlegen Sie hoffentlich noch! Ich will nur
Hr Allerbestes, und wenn Sie mein Weib werden, so wird
ieine Liebe früh und spät für Sie sorgen, kein Opfer soll
enere an jenem Abend, wo er uns zum letzten Wale vr
achte dor Glück. Was du sagtest, schien eine Quelle der
einnen Freuden für ihn zu sein. Und zwei Tage später
var er wie ausgewechselt. Da muß uns jemand in un—
echörer Weise verleumdet haben!“
NMDas hätte niemand gewagt, Mama, und es würde
zuch keinem etwas genützt haben. Ich aber kann es dir
jenau sagen, was ihn so ganz umgewandelt. Erinnersi
a dach noch unserer Unterhaltung, nachdem Volkmer ge—
zangen? Ich nannte ihn einen hoͤlzernen Götzen und per—
angte von dir, sofern die Heirat zustande käme, die Ent—
serntzaßs des Jungen aus dem Hause!“
Diz Rätin blickte ganz entgeistert. „Du glaubst, daf
vir belauscht wurden?*
„Moaitzt du noch, daß die Garkentür ins Schloß schlug
und ich aufstand, um nachzusehen, wer gekommen sei?e
E53 war niemand da, aber Volkmers Gestalt verschwand
erad als ich bei der Pforte anlangte, drüben in den
nlagen. Er ist aus irgend einem Grunde nochmals um—
jekehet usd wurde ungesehener Zeuge unseres Gesprächs.“
„Aber Kind, das ist ja entsetzlich! Weshalb sprachst
ou damals nicht sogleich? Man hätte Volkmer beschwich
igen, eine Ausrede erfinden können, um ihn zu versöhnen.“
Un Elfriedes Lippen zuckte es trotzig. „Ich wollte
8 Vse Blama. Bin froh, jener Fessel gluͤcklich entronnen
u soein.“
Uns Selznrn