⸗Machen, 5. Dez. (Seuchenbekämpfung.) Auf
Frund einer sofort in Keraft tretenden Regierungspolizei
verordnung sind mit Rücksicht auf die gegenwärtig be
tehende Gefahr der Einschleppung der Maul- und Klauen
euche alle mit der Eisenbahn in den Regierungsbezirke
Aachen eingeführten Rindviehtransporte, ausgenommen die
zur alsbaldigen Abschlachtung in einem öffentlichen Schlacht—
hause bestimmten, bei der Entladung am Bestimmungsort
durch den zuständigen Kreisarzt zu untersuchen.
*Bochum, 6. Dez. GeigelegterStreik.) Nach—
dem die Leitung der Zeche „Lulkas“ ehrenwörtlich erklärt
hat, von jeder Maßregelung der in den Streik getretenen
Bergarbeiter abzusehen, wenn die Belegschaft die Arbeit
wieder aufnimmt, hat die Belegschaftsversammlung nach
langer und teilweise hitziger Tebatte mit 201 gegen 44
A
zu beenden und wieder einzufahren. Bei Verkündigunç
des Abstimmungs-Ergebnisses wurden heftige Pfuiruf
der Minderheit laut. Lärmend verlangte man eine noch
malige Abstimmung, die aber verweigert wurde. Die Füh
ter ermahnten die Bergleute eindringend, dem Mehr
xeitsbeschluß zu folgen.
* Dorimund, 5. Dez. (Aus dem Ruhrrevier.
Die Belegschast der Zeche „Lukas“ ist heute früh entspre
hend dem Beschluß der gestrigen Belegschaftsversammlungç
in der Stärke von 270 Mann wieder zur Arbeit angefah
ren. Die Anfahrt vollzog sich in aller Ruhe und ohnc
sede Störung. — Bergrat Kleine in Dortmund hat einen
Bertreter des „Dortmunder General-Anzeigers“ die Forde
tung einer 15prozentigen Lohnerhöhung für die Ruhr
vergleute als einfach undurchführbar bezeichnet. Würden
ztese 15 Prozent bewilligt, dann käme nicht nur die Aus
deute ganz in Wegfall, sfondern die GSewerlen würden
jedes Jahr noch Zuschüsse leisten müssen Kleine bezeich
nete es als nicht ausgeschlossen, daß die gegenwär
Age Lohnbewegung zum Ausstand führe.
* Lüttringhausen, 5. Dez. Gerbrechen.) Hall
erstarrt aufgefunden wurde ein Mädchen in den Waldun
gen bei Olperhöhe. Wieder ins Leben zurückgerufen, er
lärte das arg zugerichtete Mädchen, es sei von zwei Per
onen überfallen und vergewaltigt worden. Dos Mädchen
das von seinen Eltern verstoßen worden war und sich
chon längere Zeit von Hause entfernt hielt, wurde dem
Lenneper Krankenhause zugeführt.
* Mainz, 5. Dez. Den Unrichtigen gepackt.
Dder des Mordes an dem Dienstmädchen Diehl verdächtige
Belegenheitsarbeiter Legell wurde aus der Unlersuchungs
zaft wegen Mangels an Beweisen enthassen. Die
Volksmenge hatte ihn vor der Verhaftung fürchterlich ver—
zrügelt.
*Aus Kurhessen, 5. Dez. EEntsprungene
zZträflinge.) Aus dem Korrektionshaus zu Breite
jau sind am Freitag 6 Sträflinge en sprungen. Die Flücht—
inge konnten bis jert nicht wieder ermitielt werden.
* Marburg. 5. Dez. Netter Beamter.) Als
Täter des am 26. November verübten Einbruchs im Rat
sause ist jetzt ein auf einem städischen Amt beschäftig:e
Schreiber ecmittelt und verhastet worden, der, wie er be
seiner Festnahme gestand, auch eine Reihe weiterer in der
letzten Jahren im Rathaus vorgekommener Diebstähle aus
geführt hat.
* Fulda, 5. Dez. Ueberfahren.) Hier wurde
»er Dienstinecht Adam Müller von hier von ernem
Zuge überfahren und getötet.
* Mannheim, 5. Dez. (Zzur Fleischnot.) Die
Zufuhr franzoͤsischen Viehes zum heutigen Viehmarkt be
ief sich auf 132 Stück, darunter 24 Ochsen und 89 Bul
en, Der Handel war schleppend. Es wurden für Ochien
0 bis 88 Mark, für Bullen 70 bis 80 Mark, für Kühe
6 bis 88 Wark pro 50 Kilogramm Schlachtgewicht be
ahlt. Die Qualität stand hinler jener der erften Zufuhr
urück, weshalb auch deutsches Vieh höhere Preise erzielte
* Mannheim, 5. Dez. (Selbstmordeines Re
ruten.) Am Sonntag Vormittag nahm sich in der
raserne des hiesigen Grenadier-Regiments der Rekrut Ernft
on der 1. Kompanie, während seine Stubengenossen bei
em Kirchgang waren, das Leben, indem er sich am Lam—
enhaken aufhängte. Dem aus der Gegend von Dortmund
tammenden Mann, gegen dessen Führung nichts vorlag
var von seinem Korporalschaftisführer gedroht worden
»aß er gemeldet werde, weil er kurz nach der Löhnuncç
mehr den vorschriftsmäßigen Betrag im Brustbeute
e.
*Stuttgart, 5. Dez. (Spion.) Wegen Spionagever—
—VD— Friedrichs
jafen von der Polizei verhaftet und hierher gebracht. Der
elbe wird dem hiesigen Amtsgericht vorgeführt werden
»as darüber zu entscheiden hat, ob seine Verhaftung auf
echt erhalten bleibt.
*Rürnberg, 5. Dez. (Soziale Einrichtung.
die Versicherungsanstalt für Mittelfranken errichtete eine
Beobachtungsstation für Lungenkrante, die auch der am
ulanten Nachbehandlung mit Tuberkulin sich widmen 'oll—
* Landshut, 5. Dez. (Das Messer.) Auf dem
deimweg vom Wirtshaus gerieten zwei Tagelöhner in
Ztreit, der in Tätlichkeißen ausartete Dabei wurlde eine;
zurch einen Stich ins Herz getötet, während der andere
rch einen Stich in die Lunge tödlich verlekt murde
— — —— — — — —— — —
GSie freuten sich mit Vore, daß der bunte Schwarm
er Gäste wieder fort war. J
Einsam, von Nebelschleiern überwogt, lag der weite
diesenplan vor ihnen. Wie Silberschaum schimmerten die
lauperlen an den Gräsern. *
Wie schon war es doch in der Einsamkeit, sie empfander
es beide, wie sie sich überhaupt verstanden, ohne zu sprechen
Regine rief den Knaben heran und führle ihn ins
haus, sein Drellanzug war mit Grasflecken überfat, di
Stiefel feucht und schmutzig.
e. Aber bald lag der kleine Unhold frisch gewaschen in
dem blütenweißen Nachtzeug in seinem Beitchen und schliet
est mit roten Bäcchen.
An seinem Lager kniete das schlanke, blonde Mädchen
Ich verlasse dich nicht,“ flüsterlen ihre zitternden Lippen
And wenn ich im Leid ersticke, ich bleibe bei dir.“
Als sie dann aber allein in ihrem Zimmer war, wollte
der Jammer sie doch wieder übermannen. „Alle Unnatur
rũcht sich,“ dachte sie, „‚und dies ist alles der Gipiel des Ge
pwungenen, Gewaltsamen.“
Und von neuem sann sie über ihr Leben nach.
SFrüher hatte sie immer still und heimlich auf ein un⸗
erwartetes, großes Glück gehofft. Als sie dann Heinz Die
sing kennen lernte und von seiner Mutlter aufs zärtlichste
umhegt wurde, war sie überfelig.
Aber in jener Zeit hatte sie ohne Besinnen den Rin
ans der Hand gegeben, das einzige, von ihren Eltern er
erbte Kleinod.
Dieses Andenken war für sie ein Talisman gewesen
eine heilige Reliquie, der man Wunderkraft zuschreibt.
. O, hätte sie den Ring doch wieder in ihren Besit
—J können, vielleicht daß dann alles gut gewordenß
wãre
Aber woher mehr als tausend Mark nehmen? Ihre
kleinen Ersparnisse reichten zum Einlösen des Wertstuckes
bei weitem nicht aus.
Und dennoch kehrten ihre Gedanken wieder und wieder
mu dem Ringe zurück, wurde fast zur fixen Idee in ihr.
XIX.
Paul Kelling hatte es mit der ihm eigenen Ruhe und
Ausdauer dahin gebracht, daß er bei den Damen von Bittne;
iolicher Gast war.
Auch heute kam er zum Kaffee gerade recht. Die Rätin
hbegrüßzte ihn freundlich, Elfriede ein wenig von oben herab
„Was gibt es Neues?“ fragte die alte Dame. Ihreé
Stimme klang müde. Die Sorge stand vor ihrer Tür und
le wußte noch nicht, wie derselben zu begegnen sei.
Volkmer hat seinen Oberförster gemacht.“ iagte Hel—
* Muncyhen, 5. Sez (VBVoltszahlungserged—
i 8.) Die Einwoynerzaͤhl der Stadt München beträg
ach dem vorlzufsgen Ergebnis der Volkiszählung 595 053
as sind 56 000 meihr als bei der Volkszählung im Jahr«
905
— — —
Aus aller Welt.
Familiendrama. Auf dem Tempelhofer Felde in
er Nähe der einsamen Pappel scheint sich der Schlußakt
iner Ehetragödie abgespielt zu haben. Dort wurde eine
moekannte Frau in den letzten Zügen mit ihrem etwo
Mjährigen alten Töchterchen im Arm aufzefunden. Die
Nutter hatte sich und ihr Kind mit Loysol vergiftet. Die
rfßrau starb bald nach ihrer Eincie erung ins Krankenhaus.
as Kind hoffen die Aerzte am Leben zu erhalten.
Massenerkraänkungen. Nach dem Genuß von Kar—
offel-Salat sind etwa 500 Mann des Leib-Garde-Husa—
en-⸗-Regimens in Potsdam an leichten Vergiftungs-Erschei—
lungen erkrankt. Dank sofortiger ärztlicher Hilse war jede
zefahr nach wenigen Stunden behoben, sodaß sämtliche
reute wieder zum Dienst erscheinen konnten. Die Reste
»es Salates wurden beschlagnahmt und dem Untersuch
ngsamt übermiittelt.
Neue Margarine-Vergiftungen. Nach dem Genuß
on „Backa-Margarine von der Firma Mohr u. Co. er—
rankten in Spandanu in der Achenbachstrafe drei Kin—
er der Familie Kiesland un er Vergiftungserscheinungen
eicht. — In Breslau erkrankten elf Personen nach
ein Genuß von „BackazMargarine schwer. — In Co 3-vig
und Aschersleben sind zahlreiche Familien
iach Genuß von Margarine unter Vergiftungserscheinun—
en erkrankt.
Amerikafahrt deutscher Aerzte. Das Deuitsche
Zentralkomitee für ärztliche Studienreisen beabsichtigt im
zeptember 1912 eine Studienreise nach Amer'ka zu unter—
iehmen Die Dauer der Reise, für die ein Danipfer der
damburg-Amerika⸗Linie in Aussicht genommen ist, ist aui
twa sechs Wochen veranschlagt. Mii der Reise soll eir
Besuch der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Wa—
hington, die vom 22. bis 29. November staitiindet, ver
unden sein.
Zugzusammenstofz. Ein Personen- und ein Gütet—
ug sind am Montag in Zwickau zusammengestoßen. Dre
zersonen wurden verletzt.
Spionageprozeßß. In Wien begann am Mon ag die
ür die ganze Gerichtsperiode berechnete Gerichtsverhand
ung gegen die der Spionage und Majestätsbeleid gung
ingellagten Giuseppe Colpi, Luige Dante und Olttone
Tomasine. Colpi wurde seinerzeit wegen des Bantdieb
tahles in Trient bereits zu sechs Kahren Kerker verur
eil
Duell. Ein seltsames Duell auf Degen hat sich ir
der Ortschaft Ville d'Avray zugerragen. In einer Gesell—
schaft kam es zwischen dem Theater-Schri tsteller Cham—
pagne und dem ehemaligen Regisseur Raucourt zu einen
Streit, in dessen Verlauf der Regisseur dem Schrifistelle
eine Ohrfeige versetzte. Champagne forderte nun Rau—
ourt auf Degen und bestand darauf, daß das Duell so
ort ausgefochten werde. Bei Fackelbeleuchtung und im
Zzcheine von Automobil-Laternen gingen die Gegner mi—
hren Degen aufeinander los. Beim zweiten Gange er—
hielt der Theater-Direktor einen Stich in die Lunge, der
ihn lebensgefährlich verletzte.
Automobil⸗Unglück. Die Gräfin Nicolay, die Gat
in des bekannten großen Pferdezüchters und ihr 26jäh
iger Sohn hatten einer Festlichkeit in der Nähe von 8
Mans beigewohnt und waren gegen Mitternacht in ihrer
Automobilen aufgebrochen, um ihr 50 Kilomeier entfern
ses Schloß zu erreichen. Dem Automobil der Gräfin fuh
ein anderes voraus. Als die beiden Wagen vor einen
Eisenbahn-Uebergange anlangten, fanden sie die Barrier
geschlossen. Der Chausseur des ersten Automobils öffnet
ꝛigenmächtig die Schranke und fuhr über die Schienen
yjinweg. Das Automobil der Gräfin folgte, als plötzlid
ius einer Begung der Pariser Expreßzug heranbrauste
Ddie Lokomotive erfaßte das Hinterteil des Automobils
das weit fortgeschleudert wurde. Als der Lokomotivführe
hielt, bemerkte er an dem Räumer der Maschine den ent
etzlich verstͤmmelten Körper der Gräfin Nicolay. Ar
»en Schienen fand man dann die zermalmten Leichen de—
Zohnes und des Chauffeurs. Die Leichen wurden i.
enem nahe gelegenen Hause aufgebahrt. Der schrecklich
Unglücksfall soll in der Hauptsache dem Schrankenwärte
zur Last falsen, der die Schranle nicht vorschriftsmäßicç
icherte, sondern geschlasen hatte. Der Bahnwärter wurde
oerhaftet. —
Ermcerdete Deutsche. In Orly im Seine-Daparte
nent wurde ein halbverkohlter Frauenkörper aufgefunden
Zuerst nahm die Behörde an, daß es sich um eine Wahn
mnige handle, die auf diese Weise Seibstmord verüb
abe. Jetzi hat sich aber herausgestellt, daß die Leiche di
ines deutschen Mädchens namens Anna Kroll ist, die
us Zweibrücken stammt. Das Mädchen ist erstickt worden.
dann schleppten sie die Mörder an den einsam gelegenen
Irt, wo sie gesunden wurde und versuchten, sie au ver
rennen.
Feuersbrunst. Kurz nach Mitternacht brach in der
Zurcqustraße in Paris ein Großseuer in einer Piano—
Ate⸗Tahrik aus und ariff bald auf ein anstoßendes Gi
ing mit einigem Nachdruck. Seine hellblauen Augen
ruhten fest auf dem Antlitz der jungen Dame. „Er wird
in einer Woche zurückerwartet, dann gibt es sofort Hochzeit
das Aufgebot ist schon bestellt.“
„Diese abgeschmackte Geschichte interessiert uns ganz
und gar nicht,“ bemerkte Elfriede kühl, „ich behaupte nach
vie vor, daß der gute Volkmer sich von einer schlauen Person
hat umgarnen lassen. Die Heiligenmiene des Fräuleins
st mir viel zu verdächtig. Niemand kennt ihre Vergangen—
jeit. Nicht eine befreundete Familie hat sie aufzuweisen
ie gewissermaßen bestätigte, daß es sich um eine einwand
reien Persönlichkeit handelt. .. Ich behaupte, es stehen
ins hinsichtlich des hergelaufenen Fräuleins noch seltsame
leberraschungen bevor.“
„Ich halte sie für durchaus ehrenhaft,“ widersprack
delling ruhig, „für ein selten edles, hochherziges Geschöpf
VWenn man beobachtet, wie sie mit dem kleinen Hans ver
ehrt, könnte man Volkmer beneiden. Soviel liebevolle
dangmut würde nicht so leicht ein zweites junges Mädchen
nit dem Wildfang haben.“
„Ich müßte danken!“ rief Elfriede. Uebrigens scheinen
im Forsthause recht eingehende Studien gemacht zu
aben.“
„Fräulein Elsner ist mir außerordentlich sympathisch.“
Er rührte mit dem Löffel von gediegenem Altsilber den
daffee um. „Uebrigens wollte ich fragen, ob Sie Ihre
Ahr wiederbekommen haben, gnädiges Fräulein?“
„Gott bewahre!“ Eine hektische Röte brannte plötzlich
in dem schönen, bestrickenden Gesicht. „Der glückliche Finder
vird sich hüten, schon des Brillanten wegen!“
„Wie durftest du auch solch ein wertvolles Schmuckstück
berlieren?“ schalt die Rätin vorwurfsvoll, „du bist jetzt in
einer unerträglichen Weise zerstreut.“
Elfriede lachte spöttisch auf. „Das ist die Liebe, das
ist die Liebe, von welcher niemand etwas wissen darf.“
Sie wollte sich soeben mit ihrer Handarbeit beschäftigen,
As die Gartentüre knarrte. Nervös zuckte sie zusammen.
Schon oft seit jenem Abend, wo Volkmer, ganz berauscht von
Hhrer Nähe, fortging und am übernächsten Tage seine Ver—
obung mit der Fremden verkündete, nachdem er sich befremd
ich ablehnend verhalten hatte, fragte sie sich, ob er fie da—
nals nicht etwa belauscht habe, als sie mit der Mutter in
er lieblosesten Weise von ihm sprach.
Und seltsam, seitdem ihr Volkmer verloren war, er—
chien ihr das Los an seiner Seite garnicht mehr so bekla—
genswert wie früher. Sie beneidete Regine und war
mpört auf fie, als habe diese ihr tatsächlich ein großes
Wück geraubt.
aude Aber. Jedoch gelang es der Feuerwehr nach ange—
rengter Tätigkeit, das Feuer auf seinen Herd zu be—
chränken. Der Schaden ist bedeutend. Drei Feuerwehr—
euze erlitten bei den Löscharbeiten Verle zungen.
Ein Eisenbahnunglück ereignese sich in der Nähe
non Willeaden (England). Die Zahl der Toten ist noch
aicht festgestellt, man fürchtet aber, daß sie bedeutend ist
dem Vernehmen nach stand der Zug nach London in der
Ztation, als von rückwärts ein anderer Zug in ihn hin
einfuhr. Zahkreiche Verwundete wurden unter den Trüm
mern hervorgezogen. Aerzte sind zur Seelle.
Schifssunglücke. Das Scgelschiff „Anna Christine“,
dapitän Hagelstein, von der Firma Peltersen in Neustadt
nn Holstein, ist nachts im Oststurm vor der Hafeneinfahr:
»on Neustadt leck gesprungen und gesunken. Der Ka—
itän und drei Mann der Besatzung sind ertrunlen. Die
Zdeichen wurden noch nicht gefunden. — Das Segelschif
Princesa“ ging in der Nähe von Corunna mit 18
Matrosen unter; nur der Eigentümer des Schiffes rettet«
ich durch Schwimmen.
Vergiftungen. Eine Anzahl Matrosen des vor Nizze
vor Anker liegenden Panzerschiffes „Leon Gambetta“ is
olötzlich erkrankt. Man vermutet, daß die Ursache in den
BZenuß verdorbener Speisen liegt. Eine strenge Untersuch
aing ist eingeleitet.
Ein türkischer Ehrendoktor. Das Professoren-Kol
— —
Pascha in Anerkennung der Verdienste, welche er sich bei
der Konsols dierung der Neuordnung erworben hat, zum
Ehrendoltor der juristischen Fakultät ernannt.
König Ferdinand fliegt. König Ferdinand beglei—
tete den russischen Aviatiker Masltenkow auf dessen Far—
man-Zweidecker bei einem schönen Fluge über den Exer—
zierplatz von Sofig. Der Apparat erreichte eine Höhe von
50 Metern. Nach dem König unternahrnen die beider
Prinzen Boris und Kyril! Aufflüge.
Drahtlos. Die klo' ossale Entwicklung des Funken
telegraphen wird durch solgende Tatsache besonders an
schaulich charakterisier: Die eben von französischen Offi—
zieren unter Leitung des Majors Vivet fertig gestellten
Anlagen in Rufisque im französischen Senegal-Gebiete er—
möglichen es, täg“ich mit dem brasilianischen Posten au
der „anderen Seite des Wassers“ in 3200 Kilometer Ent—
sernung zu korrespondieren. Bei schönem Wetier hat mar
auch bereits eine Verbindung zwischen dem Posten des
Fiffelturmes und dem senegalischen herzustellen vermocht
die nicht wen ger als 4700 Kilometer von einander ent
ernt sind.
* — —— ——
Hochwafser.
Paris, 3. Dez. Die Verheerungen durch die Ue—
serschwenimungen in Frankreich dauern fort. Ernste Be—
ürchtungen hegt man für die Stadt Le Mans. Auch im
einebecken droht die Ueberschwemmung neuerdings Ver—
jseerungen anzurichten. Die Marne ist während der letz
en 24 Stunden einen halben Meter gestiegen. Aus An
ers wird berichtet, daß die Lage in der Stadt Mesnil
ine bedrohliche ist. Mehrere Häuser sind eingestürzt, ei
ige Personen dabei umgekommen. Die Seine hat in der
lmgebung von Nantes auf eine Entfernung von 16 Km—
ind einer Breite von 8 Km. alles überschwemmt. Die
KRehrzahl der Einwohner mußte aus den Häusern flüchten
der sich in die obersten Etagen zurückziehen. Im Depar—
ement Finsistere gesen immer nom un stutartige ytegen
züsse nieder. Oberhalb Reims sind de Fluren und Fel
der meilenweit unter Wasser. — Oberhaib Nanses ri
nfolge des Hochwassers ein als Eisen ahndaum d enen
»er Berg. Sechs Dörfer wurden von den Fluten über
chwemmt.
London, 5. De;. Es regnet seit 30 Stunden unß
ufhörlich. Groke Uebeschwemmungen werden aus den
krenttal berichtet. In der Umgebung von Nottinghanu
ind Wilford stehen mehrere handert Hektar Land unte
Vasser. Eine Anzahl Häuser sind zerstört und steßen völ
ig unter Wasser. Tausende von Menschen mußten Ha'
ind Gut im Stiche lassen und flüchten. Zwei Leich—
»Uurden geborgen
—VVV WAy
De .Die Plauderecke. 36
I —
Der Gentlemanwieer seinsoll wird
pottweise in einem englischen Blatte folgendermaßen ge—
childert: Ev darf ein Paar Rebhühner tragen, aber keint
zchöpfenkeule. Er darf einen Mann im Duell töten, aber
unge Erbsen nicht mit dem Messer essen. Er darf einen
dachtwächter prügeln, aber nicht zweimal Suppe verlam
zen. Er muß seine Spielschulden bezahlen, um seine
echnungen braucht er sich aber nicht zu bekümmern. Er
darf nie vergessen, was er sich sebbst schaudig ist, wohl
ber, was sein Schneider von ihm zu fordern hat. Ge
darf sogar bankerott machen, aber nie und unter keiner
Bedingung ein Paket tragen oder sich auf der Straße ohne
s5andschuhe zeigen.
—
—
Sie nedte Valentin nicht, aber sie gönnte es ihm auch
nicht, dah er bei einer anderen sand, was er bei ihr ver⸗
eblic aesucht —
Sie konnte sich ihren Gedanken jedoch nicht weiter hin⸗
geben, denn leichte Schritte kamen den Weg herauf, und
dann stand ein schlankes junges Mädchen mit einem frischen,
treuherzigen Gesicht am Eingang der vaube.
Sie rang sichtlich befangen nach Worten, als sie aben
kelling erblickte, nickte sie ihm freunduch zu—
„Ich habe wohl die Chre, Frau und Fräulein von
Bittner,“ bemerktte sie, bescheider neberkommend,
Kelling erhob sich. „Ferlein Brandis,“ sagte er vor.
stellend, „ich kenne den Pepa sehr put, er ist Aufseher in
der Zementfabrit.“
„Was führt Sie zu uns, Fräulein?“ fragte die Rätin,
ihr Staunen nicht verbergeud, fie war immer in Furcht
Kelling werde ihr Elemente ins Haus bringen, gegen die
ihre Tochter protestierte.
„Ich habe die Uhr gefunden, die Sie, Fräulein von
Vinig verloren, ich glaube wenigstens, daß es die Ih
rige ist.“
Elfriede machte eine hastige Bewegung nach dem Päckhen,
das Emmi Brandis in der Hand hieht, die Raͤlin kam
hrer Tochter jedoch zuvor und naͤhm es in Empfang.
Paul Kelling hatte sich erhoben und bot seinen Platz
zöflich dem jungen, sehr einfach, doch zierlich gekleideten
Mädchen an.
Vergleichend blickte er von Emmi zu Elfriede hinüber.
„Das duftige, bescheidene Veilchen neben der stolzen, for⸗
Den Centifolie,“ er konnte sich des Vergleiches nicht ent⸗
en.
Und weshalb glühten Elfriedes Wangen in einem so
fieberisches Rot, warum blickten ihre Braungaugen so unstãt
und unnatürlich glänzend?
Im Momentr fsand er für diese seltsame Erscheinung,
die an der kühlen, formgewandten Baronefse doppelt auf⸗
allen mußte, keine Erklärung.
Emmi hatte bescheiden Platz genommen. Freudig er—
vartungsvoll sah sie zu, wie, die alte Dame das Papier
iufwickelte.
„Wahrhaftig, Elfriedes Uhr! Aber was soll das be—
euten, der Brillant, welcher der Uhr den hohen Werl ver—
jeh fehlt ja!“
Frau von Bittner sah mit einem Blick, der nieder—
chmetternd treffen sollte, zu Emmi hinüber.
Das junge Mädchen antwortete mit einer Bewegung,
ie ihr Erstaunen verriet. „Ich habe die Uhr so gefunden,
nädine Frau, wie ich sie ihnen überreichte. Und vor mi
Schwere Träume. Ich habe', so schreibt ein
hekannter jugendlicher Schriststeller, „Nachts oft schware
und so lebhafte Träume, daß ich dabei laut schreie und
mich fürchterlich geberde. Einstmals nun war mir, als
zrächen Diebe in die Parterrewohnung, wo ich schlief.
Neiner Go ohnheit nach schrie ich furchtbar: „Hilfe, —
Zilfel“ D. »Wdhörte der Nachtwächter, welcher eben vowr—⸗
Werging, rafste schnell einige Bauern zusammen und kam
ärmend als Sukkurs vor meine Türe. Da erwachte ich;
ch vernahm das Geräusch um mich und in der Meinung,
s seien wirklich Diebe da, entfloh ich durchs Fenster. Die
zauern aber bielten mich für den Dieb und schlugen der⸗
zestalt auf mich los, daß ich noch lange kein Glled rilhe
ten konnte, als sich die schauerliche Geschichte bereits auf⸗
deklärt hatte
*4*Die taiserlich öffentliche Bib⸗
tfothet zu Petersburg besteht aus 489,672
Bänden und 18 295 Manustripten. Man schreibt hierzu
us der Zarenstadt, daß in früheren Jahren diese Biblio⸗
hek des Lesens wegen jährlich höchstens von 800 Perso⸗
en befucht worden, was bei der Menge der dortigen Mi
ven gewiß auffällig war. Dies hat sich jedoch *
endert, denn in den letzten Jahren zählte die Bibliothe
hon Tausende von Lesern. Der Drang, sein Wissen zu
ermehren, durch die Schöte der Literalur sich Bil dung
verschaffen, durchdringt iaft mit magischer Kraft alle
lassen der Gelellschaft.
— N —— J
Die Brieftauve als Photograph.
Die in den letzten Jahren gepflogenen Versuche, Brief—
auben als Photographen zu verwenden, haben nunmehr
zu glänzenden Resultaten geführt. Es ist gelungen, miit
den, den Tauben angeschnallten Miniatur-Apparaten au—⸗
zerordentlich scharse Aufnahmen herzustellen. Mit der
ohotographierenden Brieftaube sind nicht nur in der deut—
schen und österreichischen Armee gut gelungene Versuche
angestellt worden, sondern man hat sich auch in Frank—
teich und anderen Staaten damit beschäftigt. Die miit
den winzigen Annorat ausgerüsteten Tauben trazen über
—5
— — 2* — 4
Dio Brieftaube aus Photograph.
hrer Bruft ein küraßartiges Stück Blech, auf welches
AX0
acht Aufnahmen auf der Vogelperspektive bestimmt, dag
IRbiektiv ist direkt nach unten gerichtet. Ein fortlaufendern
Filmstreifen nimmt die acht Aufnahmen in bestimmten, vor⸗
her durch einen sinnreich konstruierten Mechanismus genau
zu bestimmenden Zeiträumen auf. Die kleine Kamera, die
eine Vrennweite von 4 ZRim. besitzt, wiegt durchschnittlich
175 Gramm.
—L AMíAZ
Verm ischtes.
Aus zweier Zeugen Mund ... Der bekannte
domponist Franz Lehar, so schreibt das „Wiener Extra—
zlatt“, wurde kürzlich in Rom interviewt. Er stand den
Abgesandten zweier Zeitungen Rede. Hier die beiden Be—
ichte:
„La Tribuna“.
Lehar sprach mit unserem Mitarbeiter ein Jtialienisch,
)as nicht nur völlig fließend war, sondern auch so kor—
ꝛekt, wie man es bei Ausländern selten hört.
„Giornale dItalia“.
Das Interview fand in deutscher Sprache statt, denn
derr Lehar spricht nicht eine Silbe italienisch und auch
uicht sranzösisch.
Als Lehar diese beiden Blätter zu Gesicht bekam, sol
er auf deutsch, französisch und italienisch sprachlos gewe
en sein.
— E
zat niemand, sie aufgenonimmen, denn ich setzte mich ja
iuf, die Bank, wo Ihr Fräulein Tochter vorher ausgeruht
hatte. Ich konnte mir ja wohl denken, daß die Uhr Fhnen
gehört,“ wandte sie sich an Elfriede, „aber ich wollte doch
erst die Annonze abwarten, ehe ich hierher kam. Es war
mir eine Freude. Ihnen Ihr Eigentum zurückgeben u
önnen.“
Sie hatte sich erhoben, verneigte sich und wollte gehen.
„Halt!“ rief, Frau von Bittner, „so dürfen Sie nicht
ort!, Mit der, einfachen Erklärung, daß Sie die Uhr, wie
ie hier ist, gefunden haben, kann ich mich unmöglich zu—
frieden geben. Die Uhr war mit einem Brillanen, der
einige tausend Mark Wert hat, besetzt. Der Brillant fehlt
and von Ihnen darf ich denselben verlangen!“
„Aber gnädige Frau!“ rief Emmi empört. J
Frau von Bittner war in höchster Erregung, ihre Hände
itterten, als sie Kelling die Uhr zur Ansidst hinreichte.
Sie können genau erkennen, mein Freund, wie der Brillant
hier eingefügt war, in großartiger Fassung, er kann nur
gewaltsam ausgebrochen sein.“
Paul nahm die Uhr entgegen und unterzog sie einer
zingehenden Prüfung. „Sie haben ganz recht, gnädige
Frau, der Edelstein kann nur auf gewaltsame Weise entsernt
worden sein, aber das muß schon früher geschehen
ein. Jedenfalls können Sie das Fräulein nicht für den
fehlenden Stein verantwortlich machen.“
Er gab die Uhr zurück. Frau von Bittners Augen
funkelten. „Ich verstehe Sie nicht, Herr Kelling. Hier ist
es doch unschwer zu erkennen, auf wessen Seite das Recht
liegt. Es befremdet mich sehr, daß Sie für das junge
Mädchen da Partei nehmen. Sie wird schon wissen, wohin
der Brillant gekommen ist!“
„Oder Ihre Tochter weiß es!“ rief Emmi in flammen⸗
der Entrüstung. „Sehen Sie dorthin, gnädige Frau, das Ge⸗
sicht Ihrer Tochter verrät durch untrügliche Zeichen. daß
ie sich schuldig fühlt.“ 534
Elkfriede zuckte nur verächtlich die vollen Schulkern, doch
hre braunen Augen irrten zu Boden. Mir ist die ganze
AIuseinandersetzung unsagbar peinlich, und ich glaube, Fräu⸗
ein Brandis weiß in der Entrüstung nicht, was sie spricht,
aher verzeihe ich ihr die törichte Bemerkung. .. Der
Brillant wird sich ja auf eine oder die andere Weise wieder
infinden, wenn nicht anders, geben wir noch ein Inseral
nif. ..Vorläufig danken wir Ihnen, Fräulein, die ver
zeißene Belohnung können wir aullerdings erst dann geben
venn der Brillant sich wieder angefundan B*