Nr. 279. 23. Jahrgang.
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ausgeschickte Denkschrift besagt, in Voraussetzung des Ein— — *
Die Ursache der Exrplosion der, Maine.“ bveisandnisses der deseßgebenden Körperschaften don runfug Abg. Base deen berng Gire): Wir werden füt n
Es scheint, daß jetzt nach mehr als zwölf Jahren eine Lon einer besonderen Aufftellung der allgemeinen Rech — ——88 I I
Angelegenheit ausgeklaͤrt werbden wird, die den Anlaß dee mung und deren Vorlage abgesehen und diese mit der Vor ere z um die a a de
panisch⸗amerikanischen Krieges bildete, die Explosion de. dage der Haushaltsübersicht umer Vorbehalt der nachträg- etze dh —838 Soz.) plaͤdiert für den sozialdemo—
amerikanischen Kriegsschifses „Maine“, das am 13. Fe lichen Beibringung der erforderlichen Bescheinigungen und segit g. d re Soz.) plaã p oz
oruar, abends 1510 Uhr, im' Hafen von Havanna in die Bemertungen der Kontrollbehörde als gelegt belrachtet wer— ann — estarp (dons.) bezeichnet die Kom—
euft flog, wobei 2 Offizere und 257 Mann ihr, Leben den. Die Gesamtsumme der, Etatsüberschreitungen und au— — ———
erloren Vor einigen Tagen fand man, so wird der zeretatsmäßigen Ausgaben 1909 veiragt 37 344 049 M.. ee α sti nen 8
F. Z. berichtet, bei den Bergungsarbeiten, die von dem die eigentlichen Verwaltungsüberschreitungen jedoch nur Anf n— E
amerikanischen Marinengenieur A. C. Harper geleitet we. 18 048 630 M. gleich 4 Prozent von dem Gesamtsoß ab * bo. ꝛ 9 e Vde vr b uüd
Zen, und von kubanischen Tauchern aus dem Witnisterium er Qusgaben. ner an n) idnisert gegen den — 3*8sx*
er öfsentlichen Arbeiten unternommen werden, in eine— * Der „Figaro“ berichtet, daß man in Brüssel angeblich auten * bolene
Tiefe von 14517 Fuß eine große Menge Kupferdraht, ennruhigt sei über ein zwischen Deutschland und r 5 Diragen (Kchsp.) erklärt, daß die Kom—
nit undurchdringlichem und isolierendem Materiai über. bolland abgeschlossenen Geheimvertrag, web isfi W see sut seine Vartei durchaus unannehmban
ogen, der an verschiedenen Stellen verbrannt war. Der der sich auf die geplante Befestigung von Vliß suo nee nr Gesebgerane habe sich nich Fae
Draht ist nicht besonders dick und von derselben Art, wie üngen beziehen soll. Hierin würde Deuischland, das —* ee Versobnun —
r gewöhnsich für einen elektrischen Strom gebraucht wird decht und die Verpflichtung zuerlannt, den Schutz diesen eehe Dierbern g: DVver sozialdemokratische
dieser Draht war um den Kiel der ‚Maine“ gewickel zefestigungen im Kr egsfsalle zu gewährleisten. Der „Fi— Antraez it sur s Moansehmoar, weun er unvere mbarß
ind das eine Ende an dem Anker einer Beye besestigt, zaro“ fügt noch hinzu, daß der Bestand, dieses Vertrage⸗ 38 alien Konficüttion des Reiches Es ip
der seit der Erplosion nicht mehr berührt worden ist, und ür die Neutralität und die Unabhängigleit der belgischer auch in 3 * So alp Itit loszulösen — Reichs
er fich einige huundert Fuß von dem Wrack befindel. Au- Sebiete eine ernste Gefahr bedeute. Die ganze Mitteiung y an ι d Ie —— —
zerden fand man am Wrack belestigt, genau dort wo die wadht den Findurt daß Man aut die holland en aSene— —* —E — —
Feuerungen sich befanden, ein Stück geschützten Stah kar alstaaten, von denen gegenwärtig für die Befestigung e'n ungWin konnen mihn Beftimmungen hinein ommel
Jels von der Didce eines Zentimeters. Dieses Kabel han Fredit von 40 Mil ionen holländ scher Gulden verlang ns ie wir natg unjerem pflich maßien Ermessen nich
einen Draht in seiner Hoͤhlung. Wie Mr. Harper ver vird, einen Druck ausüben möchte, und von der Regie— ra chug dalten N er Enischiedenheir mahen sia
ichert, hatte die „Maine“ in ihrer Installation keiner —ã— etwa eingegangene auswärtige Ver 8 Reglerungen dagegen wenden, daß bu
derartigen Kabeldraht. erlaugen⸗ at i al
Während der Untersuchungen, die die spanische Re— Rußland. ee e —— e cee
gierung nach der Katastrophe vornehmen ließ, verwicke en * Nach einer Meldung des „Rietsch“ verlautet in Hel dilen
ich die Taucher des Arsenals in den Draht. Infolge ei— ingfors, das Gouvernement Wiborq Abg. Behrens (W. Vgg.): Die nationalgesinnten
ner Indiskretion der Taucher versicherten die Zeilungen verde in allernächster Zeit von Finnland abge— Arbeiter wunschen das Zustandeklommen des Gesetes. Dar
der Vereinigten Staaten dann, daß die „Maine“ durch breunt und dem Reich einverleibt werden. uf follte die Rechte Rucksicht nehmen. Den sozialdemokra
eine unter die Kessel gelegte Mine gesprengt sei. Ter Danemark. ischen Antrag lehnen wir ab.
etzige amerikanische Oberst Bradley, damals Kapitän, hat * Nachdem schon in voriger Woche Justizminister Bũ Abg. Külerski (Pole): Wir werden dem Geset
»or 14 Tagen versichert, daß der Urheber der Strplosien ow die Abschaffung der Prügelstrafe in ustimmen, wenn die Verbesserungen der Kommission bei
der ee he rer sei n den r Iussicht gestellt hatte, beriet das Falkething den dahin ehalten werden. Redner verlangi noch gleiche Rechte aud
ommandierenden im Geheimen exelutiert worden sei. Diese —— 3
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A eee deecer 28 de i Vhrne mned ihl von dere ieeh Gevroiich he eedenen er er Dyreh die Kommission ein
———— nacht worden. Davon 11 Malen Folen, die mit Ver venig erweitert wor aber v Aendoen
Die zut Freidung des Wracks gemachten Vorarbei zrteilung zu langjähriget Korrertionshaft verbunden waren md Diy surzen 58 e F ee ee
sen bezwecken, dieses in einem Stahlbehälter vollständig Schweiz. Der Antrag der Sozialdemokraten wird abge
rocken zu legen. Am Dienstag kamen zu diesem Zwecke Das Volk des Kanonz Aargau nahm mit gro e hunteund der 81 in der Kommissionsfassung ange
15 000 Tonnen Stahlplatten aus den Staaten. Der Kon. zzer Mehrheit zwei Vorlagen an, wodurch neu eingeführt ommen.
seradmiral Wainright erläßt bezüglich der Sprengung der werden: 1. eine Spezialsteuer auf Attier Gese Ischaf.en und Moraen 1 Uhr: Fortsetung. — Schluß gegen 7 Uhr
Maine“ folgende Erklärung: —
„Wer hat die Mine in die Bay gelegt? Ich habe die Verfafsnngsänderungen und Geseßtze.
Ueberzeugung, daß es durch jemand geschah, der der Re
gierung des Generals Weyler angehörte. Dann wurd
Ramon Blanco zum Gouverneur der Insel ernannt unß
man hörte kein Wort mehr über die Katastrophe. Als
wir in die Bay von Havanna einliesen, führte uns de
Pilot der Regierung an die Bojse, wo wir anlern soll
ten. Es ist unmöglich, daß er nichts von der Mine ge—
wußt hat, aber er gehorchte nur se nen Instruktionen. Wi—⸗
wurde die Mine gesprengt? Das ist eine viel diskusierte
Frage Sie konnte nicht durch Kontakt erpsodieren. Mein«
Meinung ist, daß sie durch einen Draht mit dem Landé
n Verbindung stand, und daß eine oder mehrere Pecso
ien, Kenner dieses Umstandes, sie durch einen eleltrischen
Strom explodieren ießen“
*
Der Seniorenkonvent des Reichstages trat heute vo
Beginn der Plenarsizung zusammen, um über den Ar
heitsplan für die nächste Zeit zu beraten. Man einigt
ich dahrn, daß es im allgemeinen bei der bisherigen Dis
»osition bleiben soll. Darnach würde die zweite Lesung
»es Arbeitstammergesetzes heure und morgen durchgeführ
verden. Am Mittwoch soll ein Schwerinstag abgehalter
ind der kon ervalive Mittelstandsantrag weiterberaten wer—
den. Sollte es sich ermöglichen, noch vor den Weih—⸗
achtsferien die zweile Leßang der Strafgesetznovelle durch
uführen, so soll dieser Punkt auf die Tagesordnung der
ächsten Tage gesetzt werden, andernfalls wird sie als er—
ter Gegenstand der Beratung nach der Weihnachtspause
ungieren. Am Donnerstag ist katholischer Feiertag. Die
rste Lesung des Etats beginnt am Freitag. Am Mitt
voch, spätestens Donnerstag nächster Woche soll die erft«
desung des Etats abgeschlossen werden, worauf die Weih
achtsserien beainnen.
—— —
Deutscher Reichstag.
(92. Sitzung.)
Nachm. 2 Uhr. Berlin, 5. Dezember
Zur Beratung steht die zweite Leseng des Ar—,
bdeitskammergesetes.
Aog. Will (Zir.) bemerlkt als Berichterstatter der
dommission: Tie Kommissson hat den Entwurf der Re—
zierung in ein'gen wesent ichen Punksen geändert un dens
besondere mit gewissen Beschränlungen — bis zu 25 Pro
jent der beider eitigen Kammermitgliedet und mit der Be—
ingung e ner mindestens dreijährigen Zugehsrigkeit zu
»em beteiligten Gewerbezweig als Arbestgeber oder Ar
beitnehmer und einen mindestens einjähr'gem Wohnsi
im Bezirt — die Wählbarleit der Sekretäre, der Arbeiter
und Arbeitsgeber-Organisationen beschlossen.
Die Sozialdemokraten wiederholen bei 51 des Ge—
setzes ihren in der Kommission abgelehnten Anirag, an
telle dieses Gesetzenwurfes ein Gesetz auf völlig neuen
grund!age aufzubauen, das stusenförm'g ein Reichsarbeits
int, ein Arbeirsamt für den Bezirk jeder oberen Verwal—
ungsbehörde und als Aufbau Arbeitertammern für der
PBezirk iedes Arbeifsamses erri—
Türkei.
* Sechs neue de utsche MilitärReformer,
darunter einer für die Intendantur und einer für das
Trainwesen, treffen in Bäsde in Konstanlinopel ein.
* An der türkisch-⸗montegrinischen Grenze nordlich von
Busikije erfolgte von albanesischen Flüchtlin—
nein, unterstützt von Montenegrinern, ein Angrifj,
der zwölf Stunden dauerte. Wie verlautet, erlitten d'e
türlischen Grenzwachen empfindliche Veruste. Nur mi—
Mühe gelang es, die Anareiier über die Grenze zurückzu—
aaner
mCemOmeä—
Politische Rundoschau.
Deutsches Reich. F
* In Berlin wird eine große Protestversamm
lung gegen das Kurpfuschereigesetz geplant
und zwar von dem Fabrikanten der chemisch-pharmaceuli
chen Branche und den Anhängern der Naturheilkunde. Di
Mitglieder des Reichsstags und Vertreter des Bundesrats
sollen zu der Versammlung besondere Einladungen erhal⸗
ten. Wie man hört, wird die Protestbewegung in ande—⸗
ten Städten ebenfalls einsetzen.
* Dem Reichstag ging eine allgemeine Rechnung
nebst Nachweisung der Etatsüberschreitunger
und außerotatamäaßigen Ausqahen für 1909 zu. Eine vor
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Köln, 5. Dez. Selbstmordversuch) VDer
Notar Justizrat Werner Güntzer aus Kempen, der nach
Anterschlagung von angeblich 600 000 Mark geslüchtet ist,
jatte sich hierher gewandt und in einem Hotel Wohmiung
zenommen. Als ihn die Polizei festnehmen wollte, machte
er einen Selbstmordversuch; doch ist die Schußverletzung
im Kopfe nicht lebensge ährlich. Der Verletzte wurde in
2 ⏑ vr—
Mexiko.
* Die vom Präsidenten Diaz entsandie Friedens—
ommission ist nach Chihuahuna unterwegs, we
die Revolutionaäre sehr start sind. Sie sind be—
onders bestrebt, das Eigentum der Ausländer zu scho—
aen. Beispielsweise wurde der Schaden, den ein Deut
scher in Minagca durch Plünderung erlitt, nach dessen Be—
nertunag vollständig ersetzt.
—7 —
Eine Flucht.
Sαy nuch meiner Fucttehr findet unsere Hochzeit statt.)
Andesich zu einem Scherz zwingend, fügte er hinzu: „Ich
xffe Sie werden unserem Beispiel bald folgen.“
„Ich gratuliere!“ mehr brachte Elfriede nicht hervor.
Seine Erklärung, die so selbstverständlich klang, hatte
Damonen in ihr eutfesselt.
Volkmer schien nichts zu bemerken. Er versprach, so—
leich weitere Hilfe zu senden nickte lseiner Braut zu und
ing.
Die beiden jungen Mädchen waren allein.
Elfriede wollte dem Fuß eine andere, Lage geben, dodh
chon siöhnte sie wieder vor Schmerz. In ohnmächtigem
Zrimm ichloß sie die Augen. Tränen des Zornes und
der Reue rannen über ihre Wangen.
Regine neigte sich in liebevoller Teilnahme über sie.
Vielleicht schafft es Ihnen ein wenig Erleichterung, wenn
ch den Stiefel aufschnüre?“ Sie kniete schon neben El—
riede, aus ihren blauen Augen strahlte echte Herzensgüte.
Eine herrisch abwehrende Bewegung. „Berühren Sie
nich nicht, Ihre Nähe ist mir überhaupt lästig!“
Regine fuͤhr, betroffen zurück. „Sie beleidigen mich
si Fräulein von Bittner, was habe ich Ihnen
zetan?“
SHa. ha, ha!, Köstlich! Als ob Sie überhaupt X
tande wären, mich in irgend einer Weise zu schädigen!“
„Ich frage nur, weil es sich um Volkmer handelt. Ich
ilaubte, Sie hätten ihn lieb!“
„Was Sie doch schlau sind!“ lachte Elfriede voll Hohn
ind Spott, „an soich einen Tropf sollte ein Fräulein von
Bittner iht Herz verlieren? Nein, meine Bessie, die Sache
erhält sich wesentlich anders. Der Herr Förster hatte jeine
Augen zu mir erhoben und mir in aller Form einen Antrag
gemacht. Ich wies ihn sans facçon zurück. ... Und um
mich zu ärgern, ha, ha, ha, es ist ja famos, rein mir
zum Tort hat er sich mit Ihnen verlobt! .... Vielleichl
zlaubten Sie gar an seine Liebe!“
Regine schüttelte langsam den blonden Kopf. Unvervandt
schaute sie in das grausam entstellte Gesicht der
ungen Aristokratin. „Ich weiß sehr wohl, daß Volkmers
zerz mir nicht gehört.“
„Und dennoch? .... Nun, woher sollte Ihnen auch
Ztolz und Selbstbewußtsein kommen?“ rief Elfriede weg—
derfend, „Sie sind mit Almosen zufrieden, wo andere den
torzug des Alleinbesitzes beanspruchen.“
Ja, ich bin es.“ nestand Reaine mit bleichen Lippen
Bie braunen Augen der Aristokratin ruhten mit bösem
Tusdruck auf ihr. „Wenn Sie so durchaus bescheiden und
ufopferungsfähig sind, Dbe ich Ihnen den Rat, Volkmer
ie Freiheit zurückzuschenken. Er sieht unglücklich aus und
zereut die in der Uebereilung geknüpfte Fessel.“
Wieder machte Regine eine abwehrende Bewegung.
Fin Zug von Resignation, ein rührend inniges Etwas ver—
lärte ihre Züge. „Ich lasse nicht von Valentin,“ sagte sie
eise, „ich will mit allem zufrieden sein, was er mir bietet,
ber ich muß in seiner Nähe leben, eine Luft mit ihm atmen
önnen, das ist Lebensbedingung für mich.“
„Und wenn ich verspreche, ihn zu erhören, seine Gattin
zu werden?“ fragte Elfriede, „wahre Liebe ist selblos. Ent—
agen Sie, damit Volkmer wieder um mich werben, in mir,
die er glühend liebt, sein Glück finden kann.“
Die letzten Sonnenstrahlen spielten in ihrem dunklen
Zaar. Schmetterlinge taumelten müde von Blume zu
Blume, wie seliges Erwarten lag es in der Luft. Elfriedes
Augen aber blickten so kalt und fordernd. Sie bemerkte
tichts von der Poesie in der Natur, sie wollte nur ihre Rache.
Bolkmer sollte ihr noch einmal das Geständnis seiner Liebe
zuflüstern, wenn möglich, vor Zeugen. Dann würde sie ihn
lächerlich machen, die übervolle Schale ihres Spottes sollte
sich über ihn ergießen.
„An Ihrer Seite, Fräulein von Bittner, würde Volk—
mer weder Frieden noch Glück finden. Ich habe einen tiefen
Blick in Ihr Inneres getan, Sie kennen weder zärtliches
Verzeihen, noch hingebungsvolle Liebe, es ist alles Groll
uind Anmaßung in Ihnen. Sie müssen sich in der Selbst⸗
beherrschung üben und dann erst können Sie einem Manne
zum Lebensbunde die Hand reichen.“
Elfriede warf den Kopf hoch. „Nun, wir wollen sehen,
)b das Gänseblümchen, welches sich geduldig treten läßt,
dauernd zu fesseln vermag oder ob Volkmer nicht vielmehr
Verlangen nach der Rose trägt, deren Dornen zwar stechen,
deren Duft und Schönheit aber keine andere Blume er—
setzen kann.“
Das Rollen eines Wagens wurde hörbar. Die Rätin
hegleitete Volkmer, sie sah forschend von einem zum andern.
Elfriede empfing sie mit spöttischem Lachen. „Gratu—⸗
ijere nur, Mama, dein Freund hat sich in aller Stille und
heimlichkeit mit jenem Fräulein dorh verlobt, hoffentlich
ereut er nicht, wozu er sich in der Uebereilung, vielleicht
uuch in dem Verlangen, ein gewisses, troßziges Fräulein zu
trafen, hinreißen ließb·
Der Förster biß die Zähne zusammen und hob die
chlanke, doch kräftige Mädchengestalt empor, um fie nee
ein wagen zu tragen.
Frau von Bittner fand zuerst kein Wort der Erwide—⸗
rung. Als Regine sich dann vor ihr verneigte, um sich zu
berabschieden, blickte sie in zwei zornige, alte Augen.
„Sie haben meiner Tochter das Glück und mir einen
ruhigen Lebensabend geraubt. Dafür wird der Himmel
Sie straͤfen!“ flüsterte die Rätin erregt, denken Sie an
meine Worte!“
.. „Ich bin mir keiner Schuld bewußt!“ gab Regine mit
stolzer Ruhe zurück, doch nie zuvor hatte ihr Herz so wild
und ungestüm gepocht. Es war, als habe jemand einen
Fluch über sie ausgesprochen.
Sie eilte davon, tieser in die Gehege des Waldes hinein.
daftete denn das Unglük an ihrer Person? Ist es Be—
timmung, daß sie überall in Konflikt kommt? Aller Mut
will sie verlassen.
„eine starke, reine Liebe bewegte ihr Herz, ihr Wollen
ist das beste, und dennoch darf man sie beleidigen, ihr das
Anglück prophezeien!
Sie war eltern-, heimatlos! Eine Waise, und mag
äe sich noch so bescheiden, ist der Gesellschaft ein Dorn im
Auge, nur vorhanden, um in den Staub gezerrt, achtlos
zertreten zu werden!
Selbst die alte Dame mit dem freundlichen, gerechten
Sinn zeigte sich gehässig gegen sie. Und mußte das, was
ie vorausfagte, nicht eintrefffen?
Wie bald würde Volkmer die Ehe als eine drückende
Fessel empfinden und seine Gleichgültigkeit gegen sie sich in
daß verwandeln.
O, nur das nicht! An einem solchen Unglück wäre sie
zugrunde gegangen. Da war es besser zu fliehen, sich wieder
in einem anderen Erdenwinkel zu verstecken und das grau⸗
same Leben willenlos wie eine Sklavin dahinzuschleppen.
Schon standen die schattenspendenden Bäume in leichten
Nebeldunst gehüllt und unter ihren Zweigen wurde es
dämmerig, als Regine in ihrem planlosen Umherirren
innehielt.
Volkmer hatte ihren Namen gerufen. Verwirrt, aus
großen, verängstigten Augen schaule sie um sich.
Er bemerkte ihre Verstörtheit sofort. Was fehlt dir,
Regine? Hat Fraͤulein von Bittner dich gekränkt?“
Regine konnte den Tränen nicht länger gebieten. O.
ang es sich unter krampfhaftem Schluchzen von ihren
dippen, „sie hat nur die Wahrheit gesprochen und mich
arauf aufmerksam gemacht, daß unsere Vereinigung nie
u einem guten Ende führen kann, weil — weil —“
Er leate mit einer sanften Bemegune hon Arm um
chre Schulkern. „Sprich nicht weiter, Regine, und laß dich
nicht entmutigen. Habe nach wie vor Geduld mit mir. Es
st, wahr, nicht stürmische Liebe führt mich zu dir, aber ich
abe deinen Wert erkannt. Du bist meinem Leben so not ·
dendig, wie die Blume den Sonnenstrahl braucht. Zegnüg
»ich vorläufig, meinem Jungen alles zu sein, aufopfernde
Freundin und Mutter. Du kannst es! Liegt nicht in
ziesem Bewußtsein allein ein reiches Glück?“
„Das Kindl“ sie lächelte unter Tränen, „ich habe es
iieb, als wäre es mein eigenes, mir bräche das Herz, wenn
ch Hänschen verlassen muüßte.“ 2
„Nun, siehst du wohl. Fräulein von Bittner aber will
hon dem Jungen ebensowenig wissen, wie von, mix. Ihr
ist r datum zu tun, sich eine Versorgung für die Zukunfl
zu sichern!“
Sie blieb stehen in maßloser Ueberraschung. „Hast du
das auch erkannt?“ 3*
„Erkannt wohl nicht. Ein so objektives Urteil zu
ällen wäre mir jenem Fräulein gegenuͤber nicht möglich
jewesen. Aber ich erfuhr doch, daß sie unaufrichtig uns
erzlos ist. Und, da zögerte ich nicht, ihrem bestrickenden
Nachteinflusse mit der vollendeten Tatsache meiner Ver
obung zu begegnen.“
In Regines Wangen war kein Blutstropfen zurũck
geblieben. Ihre zitternde Hand strich über die eiskalte
Stirn. Es war doch schwer mit einem Herzen voll Viebe
»or einem Altar zu stehen, auf dem ein Götzenbild thronte.
elbst zu einem automatenhaften Verhalten verurteilt
ein, wo alles in ihr danach verlangte, die göttliche, uß
diebe hetätigen zu dürfen. 57
Sie waren langsam weiter gegangen in der Richtung
»es Forsthauses, dicht aneinandergeschmiegt, wie ein echtes
riebespaar.
Nun entwand Regine sich seinem Arm. Und da kam
s auch schon herangetollt in übermütigen, noch etwas un—
gelenken Sprüngen.
Regine mußte wider allen Willen lächeln. Weit breiteke
ie die Arme aus und atemlos flog der kleine Wildfang
sinein.
⸗Tante Gina, sie sind alle fort und Dore sagt Gott
ob und Dank dazu. Bist du auch froh, daß wir wieder
llein sind? Ich möchte, daß morgen all die hübschen Tanten
iedgtanen bkoste das Kind. S echt Sãns·
egine liebkoste das Kind. „Sei nur recht artig, Sä
jen, vielleicht erfüllt dein Wunsch sich dann.“
Und als er nun strampelnd sich auf der Wiese kollerke
zuschte der Förster mit Regine wie auf Verabredung einen
Uick stummen Einverständnilses.