eine Rethe chemischer Vittel angewendet, die auch wirk
sam gemwesen sind, sofern sie rechtzeitig angewendet wur—
den. Für 1911 hat die preußische Regierung einen beson
deren Fachgelehrten beauftragt, in den stark heimgesuch
len Bezirken des Rheingaues weitere Erperimente zu ma
hen. Die Mittel, die bis jetzt für die sogen. Win erbe
zämpfung erprobt sind, müssen energisch durchgeführt wer
den. Auch kann auf die Sommerbekämpfung nicht ver—
ichtet werden.
Auf Antrag des Abg. Dahlem (Zir.) wird Be—
prechung der Interpellauion beschlofsen.
Abg. Huber Goz.) fordert gesetzliche Regelung
des Kampfes gegen die Rebschädlinge, der ebenso durch
zeführt werden muß wie der Seuchenschutz.
Bahr. Ministerialdirekts Dr. Strössenreun
her: Die Verhältnisse im Weinbau sind auch für Bayern
seit langem ein Objekt ernster Sorge. Alles kommt au
ein gemeinschaftliches Hand-in-Handgehen an. Wir werden
die bayerischen Winzer auch in finanzieller Beziehun
anterstützen.
Abg. Raumann (F. Vp.) schildert den Kampf ge—
zen die Rebschädlinge in den Neckarbezirken.
Abg. Dahlem (Zir) bittet um finanzielle Unter
tützung der Winzer.
Freitag 1 Uhr: Weiterberatung. — Schluß 7 Uhr
4
Berlin, 1. Dez. In der Reichstagskommission zu
Vorberatung der Reichszuwachssteuer erklärte auf eine An—
rage der Sozialdemokraten, Staatssekretär Wermuth, daß
die Zeitungsnachricht, er habe sich bereit erklärt, geger
die Bewilligung anderer Einnahmen auf die Zuwachs
teuer zu verzichten, Un richtig sei, daß er im Gegen
eil auf eine möglichst baldige erfolgreiche Erledigung der
borlage hoffe und durchaus an ihr festhalte. Er werde
s mit Freuden begrüßen, wenn auch die Linke mitar—
eite und ihre Wünsche zum MAusdruck bringe.
— — —
Gerichtszeitung. —
JDoppel⸗Todesurteil. Das Schwurgericht in Leip
ig verurteilte die beiden Stallschweizer Schwinger und
Schalkowsti, welche am 4. Mai dieses Jahres die 77⸗
ährige Witwe Eismann in Portitz ermordet und beraubl
hatten, zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen
ẽArenrechte
üü
Aus West⸗ und Süd⸗Deutjschland.
⸗Dusseldorf, 1. Dez. (Zugzusammenstoß.)
heute morgen überfuhr auf dem Bahnhof in Immighardt
ein einfahrender Güterzug das Haltesignal und stieß auf
inen zweiten aussfahrenden Güterzug auf. Beide Lolko—
notiven und etwa 15 Güterwagen wurden vollständig
zertrümmert und teilweise ineinander geschoben. Zwei
Bahnbeamte wurden getötet, vier schwer und eine Anzah,
eicht verletzt; einige sollen noch vermißt werden. Die
Berwundeten wurden nach Düsseldori in das Kranken—
daus überführt
⸗Mörs, 1. Dez. (Qualvoller Tod.) Als in
zer benachbarten Ortschast Rheim bei Repelen ein zwanm
sigiähriges Dienstmädchen eine Petroleumlampe über der
ꝛüchenherd aufhängen wollte, fiel der Petroleumbehälter
uif die heiße Herdplat., und zerbrach. Das Petroleum
mtzündete sich und von den Flammen wurde auch die
eleibung des Mädchens ergriffen. In seiner Angst lie
s auf die Straße und entiachte dadurch den Vrand noch
rärker. Es hat so schwere Brandwunden davon getragen
daß es noch am Abend ir einem Krankenhause durch den
Tod von fseinen Schmeczen erlöst wurde.
*Duisburg, 1. Dez. (Schiffsunfall.) Gestern
Vormitiag stießen infolge Nebels auf dem Rhein zwe!
Schiffe, die sich im Anhang eines Schleppdampfers be
janden, gegen einen Pfeiler der Hochfelder Eisenbahnbrücke
Dabei erlitten beide Schiffe schwere Beschädigungen. Eines
brach gegen 11 Uhr au der Werthauser Fähre im fünf
en Raume durch und sank sofort. Nur mit großer Müh
gelang es, die Frau und die Kinder des Besitzers zu ret—
ten. Gegen 3 Uhr nachmittags sank auch das zweite
Zchiff, das anfänglich nicht so stark beschädigt schien.
* Elberfeld, 1. Dez. Die Fleischnot.) Die städ
ische Marktkommission hat beschlossen, zur Linderung de—
Fleischnot auf dem Buttermarkt Kaninchen-Verkäufe abzu
zalten
e Essen, 1. Dez. (Kaninchenmarkt.) In'olge
zer anhaltenden Fleischteuerung hat die Stadt neben dern
Fischmärkten auch einen Verkauf von wilden Kaninchen
uns Leben gerufen. In der letzten Woche waren etwée
1000 Kaninchen zum Verkauf ausgeboten, die schnell ge
ñumt wurden, Dieselbe Anzahl soll in dieser Woche zuw
Berkauf gelangen. Der Preis beträgt für jedes Stück 80
Pfg. Es ist neuseeländische Ware. Für inländische Ka—
ninchen beträgt der Preis in den hiesigen Detailgeschäften
1.20 M. und höher, je nach Größe.
*Bochum, 1. Dez. BergarbeiterBeweg⸗
aAng.) In einer Konferenz der Vorstände des alten
Bergarbeiter⸗-Verbandes, des Hirsch-Dunckerschen Gewertk—
vereins und der polnischen Berufs-Vereinigung, die ieche
tunden dauerte, wurden die Lohnfer
„Es ist nämlich für Donnerstag ein Waldfest geplant,“
tklärte Frau von Bittner. sämtliche Freundinnen Friedels
kommen mit hinaus und auch an jungen Herren fehlt es
nicht. Selbstredend sind Sie auch geladen, bester Volkmer;
wir hoffen auf Ihr freundliches Entgegenkommen bezüg.
sig des Kaffeekochens, die Dainen moͤchlen das im Freien
esorgen.“
„Hierzu darf ich leider meine Einwilligung nicht geben
mãdige Frau, aber ich stelle die Küche des Forsthauses und
ämtliche Dienstboten zu Ihrer Verfügung. Ich werde
ange Tafeln herrichten lassen, und wenu die Plaätze davor
auch nur aus grobgezimmerten Bänken bestehen, so sind
de dem feuchten Waldboden wohl doch noch vorzuziehen.“
AHatürlich! rief Elfriede und wenn Dore den Kaffee
dereitet, laufen wir nicht Gefahr, unsere schönen Kleidei
p tuninieren. Wir nehmen Ihre Hilfe mit Bank an, Herr
Förster. Es soll aber auch getanzt werden. Dazu geben
de heeslentlich den Wiesenplan in der NRähe des Hau—
es her?“
Ich werde mich glücklich schätzen.“
wurde noch gehoörig besprochen. In be
zuemen Wagen wollte man hinausfahren, Speisen und
Zetränke mitbringen, ebenso das notwendige Eßgeschirr.
deber vierzig Personen hatten ihre Beteiligung zugesagt.
eu friede schien ganz aufgeloöst, ganz erwartungsvollt
reude.
„Uebermorgen verlobe ich mich mit ihr,“ dachte Volk.
ner, „dann wird fie mein, ganz mein, ich war ein Barbar
aß ich so lange grollte.“
Inmmer strahlender wurden die Blicke des schönen
Nädchens, sie schien es darauf abzusehen, den Förster mil
hren Reizen zu umstricken.
In erhöhter Stimmung verabschiedete er sich. Es war
72* dämmerig, ein wonniger Maiabend senkte sich her
ꝛieder.
Wie betäubt von dem neuen, unerwarteten Glück, wie
m Rausch schritt er die Straße entlang. Die kühle Lufit
rnüchterte ihn ein wenig.
e blieb er stehen. Mit keinem Worte hatte er
degines Erwähnung getan. Bei dem Gedanken an sie be—
chlich ihn überhaupt ein merkwürdiges Unbehagen.
Er wußte es ja, daß sie ihn liebte. Ihre Angst um
ein Veben. das Glück, welches aus ihren tiefen blauer
ijugen strahlte, als sie ihn damals unversehrt fand, hatte,
hun das Geheinmis ihres Herzens verraten.
Sie liebte ihn, still und aufopfernd. Ohne Besinner
zalle sie ibr Leben für das seinige eingesetzt. Er war aber
etzt, mit denen an die Zechen-Verwaltung herangenetes
verden soll. Mit diesem Beschluß treten die Ruhr-Berg
eute in eine neue Lohubewegung ein. Die Streiklage auf
er Zeche „Lukas“ ist unveraändert. Bei der Frühschich
sind von 230 Mann nur 13 eingefahren.
* Koblenz, 1. Dez. Gerband preußischen
VBVeinbaugebiete.) Unter der Leiung des Ge—
seimrats Profs. Dr. Wortmann aus Geisenheim hielt der
lusschuß des Verbands preußischer Weinbaugebiete eine
ebenstündige Sitzung ab, in der folgendes beschlossen
ourde: Der Verband wird eine Eingabe an den Land
virtschaftsminister richten, daß der bedrängte Weinbau
zus Staatsmitteln in der Bekämpfung der Rebschädlinge
mterstützt werde und zwar noch in diesem Jahre. Das
Ztaatsministerium soll gebeten werden, dem Notstande in
»en weinbautreibenden Bezirlen auf die Dauer desseiben
stechnung zu tragen durch Gewährung von Mitteln fün
»ie Beschafsung von Macerialien zur Bekämpfung von
stebkrankheiten, sowie durch Hergabe zinsfreier Darlehen
m notleidende Gemeinden. Zur Frage der Reblausbe
ämpfung wurde folgendes beschlossen: Für die verseuch
en gesunden Stöcke soll eine Entschädigung gewährt wer—
en, die dem Anlagewerte, dem Ertrage und dem An
vachsen der Weinberge entipricht. Beim Abschätzungsver
ahren soll unbedingt der zu en schäd gende Besitzer gehört
md aus der betreffenden Ortschast mindestens ein Tara
or zugezogen werden. Die infolge der Reblausvernich
ung brachliegenden Parzellen sollen für die Zukunft spä
estens acht Jahre nach der Vernichtung zur Neubepflan
ung freigegeben werden. Im Gebiete des Mittelrheing
nd der Nahe soll je eine Rebenveredelungsstation errich
ett werden, die es auch Privaten ermöglicht, unter staat
icher Aufsicht Anlagen mit veredetten Reben zu machen
zeim Erlaß von Vorschriften, die den Wennbau betreffen,
ollen rechtzeitig Sachverständige aus Dinerlreisen, na—
ientlich aber auch die Weinbauvereine gehört werden.
s Pforzheim, 1. Dez. (Stillegen der Bijoun
teriefabriken.) Der Arbeitgeberverband der Bijou
eriefabriken, der zu einer Versammlupg zusammentrau
eschloß einstimmig die Stillegung sämtlicher Fabriker
»is zum 2. Januar 1911. Arbeitswillige erhalten Unter
tützung.
*Mainz, 1. Dez. (MMord.) Die Kunde von einer in
rüher Morgenstunde im füdöstlichen Stadtteil vorgekom
tenen Bluttat versetzte houte vormittag die Einwohner
haft in Schrecken. Das feit 15 Jahren bei der im er
en Stock des Hauses Uferstraße 223 wohnenden Haupi
tannswitwe Frau Schwandt dienende, Zajährige Diens
tädchen Margarete Diehl ist durch einen Messerstich eine;
is jetzt noch unbekannten Täters getötet worden. Uebe
en noch in Dunkel gehüllten Hergang der Tat erfahre.
vir folgendes: Im Hause Uferstraße 23 klopfte es heut
norgen 20 Minuten vor WUhr an der Abschlußtür. Da⸗
urz vorher aus der Kirche heimgekehrte Dienstmädcher
Nargarete Diehl öffnete, die Wohnungsinhaberin hört
urz darauf einen Schrei und Gerumpel. Als sie nac
er Ursache des Zwischenfalles sah, fand sie die Vorplatz
ür offen, von dem Mädchen aber keine Spur. Das Let
ere wurde kurz darauf in dem nebenanliegenden Hauf
tr. 25 tot im Hausflur liegend gefunden. Der Tod wa
urch einen Stich ins Herz herbeigeführt worden. Ein
ohner des letztgenannten Hauses benachrichtigten sofor
ie Polizei, welche auch alsbald am Tatorte einircf und
nit Hilfe eines Polizeihundes Nachforschungen nach der
käter anstellte. Die Recherchen verl'esen aber resultatlos
a durch die sich angesammelte Menge etwaic Spuren
erwischt waren. Ueber die Ursacke der Ta, 1b ihr en
kinbruch oder sonst irgendwelche Motive zugrunde liegen
st vorläufig Näheres nicht bekannt, da die einzige Per—
on, che Aufklärung geben könnte, das Mädchen selbst,
ot ist Die Getötete, welche von hier gebürtig ist und
m Waisenhause groß gezogen wurde, wird als ein bra
es, frommes Mädchen geschildert. Der Tat verdächtig ist
in von Passanten gesehener Mann in grünexr Loden
oppe, der eiligen Schrittes zurzeit der Tat durch d'ie
ferstraße ging.
*Frankfurt, 1. Dez. Revolverspielerei.
zin bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich nachts um 3
lhr. Der Wirt Oskar Decker in Hallgartenstraße spiele
rnit einem Revolver. Dieser entlud sich und traf den
jriseur Oswald Manig auf der Friedbergerlandstraße in
as linke Auge, so daß dieser auf der Stelle tot zusam—
tenbrach. Der Tator murde vorhaftet.
—; ——
Aus aller Welt.
Verbot der Boxkämpfe. Die Berliner Polize ha
in neues Verbot der Boxrkämpfe erlassen, und zwar sieht
je jetzt die Oeffentlichkeit solcher Veranstaltungen in der
atsache, daß in den Tageszeitungen Vorbesprechungen
ber den Kampf gebracht werden.
Die englischen Spione. Wie aus Leipzig gemelde
oird, soll der Spionage-Prozeß gegen die beiden eng
schen Offiziere French und Brandow, die auf der Inse
zorkum im August dss. Is. wegen Spionage verhafte
zurden, am 15. Dezember vor dem vereinigten 2. und 3
ztrafsenat des Reichsgerichts verhandelt werden. Für der
zrozeß sind mehrere Tage in Aussicht genommen.
Der Benzin⸗-Braud. Der Benzin-Brand in Rum
ao dauerte nachts messchoriacht fart und ist son
zegztoungen, ihr weh zu tun, die Hoffnung, die ja àĩmmer
nit der Liebe Hand in Hand geht, zu zertreten.
er siand in den blühenden Anlagen der kleinen Stadt.
der Echneeball leuchtete durch die Dämmerung, der Jasmin
ntsandte derauschende Düfte. entin fühlte das schnel—
ere Schiagen seines Herzens.
Er datte doch wohl die Rätin bitten müssen, sich Regines
Weruwrgen auf dem Fest anzunehmen. Es war undank—
ar, iblrer mini keinem Worte zu erwähnen.
Aufs Zeinlichste berührt, nagte er an seinem Bart
VBie bonnte er nur das Versäumte nachholen? Wenn ern
bermorgen nach Beginn des Festes für Regine ein gutes
Vort einlegte, so gab es möglicherweise wieder ein Miß—
erständnis mit Eifriede. Das durfte aber nicht sein.
Da war »es« schon am besten, jetzt sogleich umzukehren
md die Sache in Ordnung zu bringen. Denn in keinen.
Falle durfte Regine von dem fröhlichen Feste ausgeschlossen
verden. So recht nach Männerart handelte er nach dem,
vas er für richtig erkannte, und bedachte nicht, daß es erst
recht auffällig war und die Damen leicht verstimmen konnte,
venn er eigens zurückkant, um der Pflegerin seines Sohnes
inen Platz auf deut Feste zu sichern.
Er ging eilig zurück, öffnete leise die Gartentür und
zlieb stehen. Da ihm die Stimmen von Mutter und
e aus der Laube entgegenschallten, so begab er sich
zorthin.
Es war inzwischen ganz dunkel geworden. Er dachke
zereits an ein trauliches Dämmerstündchen, an heimliche
dändedrücke und verschwiegene Liebkosungen, als es ihm
vie wildes Aufschluchzen entgegentönte.
Gebannt blieb er stehen, das Herz klopfte ihm bis zum
dalse hinauf. Sein Name wurde genannt, und dann —
⁊ hatte nicht lauschen wollen, nichts lag ihm ferner, aber in
enem Augenblick wäre es ihm unmöglich gewesen, ein Gliel
zu rühren. Er stand wie zur Salzfäure erstarrt.
„Volkmer, muß es denn gerade Vore sein, Mamal
An der Seite dieses hölzernen Gesellen meine Jugend zu
dertrauern, kann und kann ich mich nicht entschließen. It
war ja nun, um dich nicht zu sehr zu erzürnen, freundlic
a zutraulich gegen ihn, aber wenn du wüßtest, welch
Jeberwindung mich dieser Zwang kostet! Unsympathische
onnte mir kein Mensch sein, als gerade Volkmer! Alle
vos er sagt, ist schwerfällig und unbeholfen. Todlachen
önnte ich mich über den ungelenken Peter, und du ver
angst, daß ich an seiner Seite dahinschmachte, ihn hetcate!
Der Förster verstand mit vollster Deutlichkeit jedes
re und jedes fiel wie ein Hammerschlag auf sein armes
era
oleder großer gewor Es yat sich —XXVO
ch bei dem brennenden Tankes ein Abfluß gebildei hat
»daß man damit rechnen muß, daß das Feuer vielleich
uch noch den ganzen Tag und sogar noch länger an
auert. Man hält den großen Tank wieder für sehr ge
ährdet.
Geftürzter Flieger. In Johannistal stürzte de
lviatiker Dipl.Ing. Grulich mit einem seiner Schuüler al⸗
zassagie von seinem Eindecker ab. Der Apparat wurd
ollstände zertrümmert. Die deiden Piloten erlitten je
och nur leichtere Verletzungen an den Füßen.
Sinrichtung einer Frau. Im Breslauer Gerichte
efängnis wurde Donnerstag früh die unverehelichte M
zunzel, die den früheren Eisenbahnbeamten Weiß in fei
ser Wohnung ermordete und beraubte, um sich eine Aus
zeuer zu verschaffen, durch die Guillotine enthauptet.
Zu der Margarine-Vergiftung. Bei der Poli
eibehörde in Hamburg sind noch eine ganze Reihe vor
rankheitsföllen angezeigt worden, die auf den Genu
on Margarine zurückgeführt werden. Offiziell werden.
ereits 150 Krankheitsfälle gezählt. Ein Mann legt in
rankenhause in einem solchen Zustande, daß man Be—.
orgnis für sein Leben hegt. Die Polizei warnt in öf⸗
entlichen Anschlägen vor dem Genuß von Margarine. Es
andelt sich um die Marke Backa, die erst seit einig en
Zagen von der Margarine-Fabrik Mohr u. To. G. m
. H., in den Handel gebracht worden ist. Die Fabri
emüht sich zwar, die Gesamtbestände der Backa⸗Margoe
ine, soweit diese möglich ist, wieder aus den Geschäften
in die sie verkauft wurden, zurückzuziehen, aber die nod
ortgesetzt einlaufenden Meldungen von Krankheitsfällen
assen erkennen, daß ihr dies nicht mehr überall geluw
jen ist. Die chemische Untersuchung der Margarine isi
ioch nicht abgeschlossen, doch ist mit einiger Sicherhei
mzunehmen. daß sich der Krankheitserreger unter einem
ieu aus England eingeführten Fettöl befindet. Die Po
izei stellt gegenwärtig mit diesem Oel Untersuchungen
in. Wie verlautet, wurde das Fettöl rübher zur Sei
enfabrikation verwandt
Wohnungslose. In Budapest, wo große Worn
ingsnot herrscht, wurden aus einem Häuserblock 261
Mieter auslogiert, welche seit zwei Tagen im Freier
ampieren. Als die Polizei einschritt, hatte ein Wort⸗
ührer der Obdachlosen den Einfall, an den en glischer
Ninisterpräsidenten um Hilfe zu telegraphieren: Wenn er
dem vertriebenen König von Portugal ein Schlachtschif
nigegensandte, so könne er lich auch der Obdachlosen cn
tehmen. Die Leute wurden endiich in ei.er leerstehender
daserne untergebracht.
Beim Eislauf ertrunken. Bei dem Orte Elsodör
tas (Ungarn) brachen beim Eislaufen 10 Kinder ein, die
ümtli ⸗riranken. —E
Russiiche Siudenten. Die Mos auer Studenten ha
zen einen dreitgegen Streik angetündigt als Protest ge
gen das Vorgehen der Polizei bei den Tolstai-Kundgeb
ingen.
8 Der Mörder Menynier hat sich gestellt. Der Moͤr
der der Baronin Olivier, Kapitän Mehner, der sein
argen Geldmistel völlig erschöpst hatte, faßte den Ent
chluß, sich selbst zu stellen, aber nicht der Polizei, son
—
ier untersteht. Er gab dem Portier des Marineminisie
iums seine Karte und verlangte, einen alten Bekannten
en Major Labepie zu sprechen. Der Portier, der der
Namen Kapitän Meynier auf der Karte las, glaubie, daj
res mit einem Namensvetter des Mörders zu tun hatte
ẽr verständigte den Major. Als dieser erschien, rief Mey—
lier: Man hat auf meine Ergreifung 5000 Franks Praͤ-nie
ausgesetzt. Diese gehört meinem Freunde. Das Tor
es Ministeriums wurde gesperrt und das Sicherheits-Bu—
eau verständigt. Nach kurzem Verhör wurde Meynier
er einen abgetragenen Zivil-⸗Anzug an hatte, nach der
zräfeltur abgeführt. Dem Sicherheitschef erzählte er, wie
r die Baronin kennen lernte. Er hat bereits seinen An—
valt aussgewähhelt, dem er erzählte, daß er in den gan⸗
en 12 Tagen nicht aus den Kleidern gekommen sei. Er
jabe sich meist in Spelunken und Nacht-Asylen herumge⸗
rieben und sei wiederholt als Zechpreller in den Voroͤr—⸗
en verprügelt worden. Sein Verbrechen will er im Zu⸗
tande der Trunkenheit begangen haben. — Meynier er—
lärte, daß er den Weg von Paris nach Nemours und
urück, insgesamt 200 Kilometer, in drei Tagen zurückge⸗
iegt habe Er fügte hinzu, er habe niemals zweimal
iacheinander in einem Hotel gewohnt und als Absteige⸗
Quartier nur kleine Vorstadt-Hotels benutzt.
Opfer des Meeres. Aus Toulon wird gemeldet
dakß ein Boot des Torpedobootszerstörecs „Sabretache“
ais e3mit sieben Mann und Lebensmitteln anz Land
fuhr, infolge einer Sturzwelle kenterte. Zwei Matrosen
ertranken, die übrigen konnten von einer Dampibarkasse
gerettet werden.
Der Achtstundentag. Aus Paris wird berichtet.
die dem Arbeits-Ausschuß angehörenden Abgeordneten
prachen den Wunsch aus, mit den verschiedenen Persẽn⸗
lichkeiten des Auslandes in Unterhandlungen einzutreten
wecks Vereinbarung eines internationalen Abkommens“
iber den Achtstundentag.
Frivoles Verbrechen. Ein Soldat des 160. fran
ösischen Infanterie-Regiments in Le Mans wurde dabei
ertannt als ⸗er auf der GGisenhahnlinie Le Mans Man—e
„Du mußzt, Friedel, mußt dich der Notwendigkei
ügen!“ rief die Raͤtin, meine Witwenpension reicht fü
uns beide nicht aus. Es bliebe für dich alfo nur ein Aus
veg du müßtest eine Stelle annehmen. Nun, und ehe du
die Launen einer anspruchsvollen Geldbaronin erträgst, isi
es doch wohl besser, du spielst felber die Herrin
„Es könnte sich im Laufe der Zeit doch wohl noch eint
andere Partie für mich finden!
„Nun, Elfriede, zwingen kann und will ich dich nicht
aber ich gebe dir noch einmal zu bedenken, daß du in deinen
ganzen Leben keine bessere Versorgung zu erwarten haf
als die, welche sich dir jetzt bietet.“
„Wenn ich Volkmer heirate, das ist gleichbedeutend mi
der grausamen Marter des Verschmachtens. ch Mama.
weshalb gabst du ihm das Geld zurück, welches er nicht ent
vehrte und für uns so notwendig war!“
„Es ist geschehen und nichts daran zu ändern. Id
dlaubte nicht, daß Volkmer dir im örnii unsympathisd
väre.“
„Sage widerwärtig, Mama, im höchsten Grade wider
—XC Elfriede rief, es leidenschaftlich und ihre Wori—
mochten von einem Tränenstrom begleitet sein.
„Du bist überreizt, Herzenskind. Bitte, bitte handl
hoch wie es jedes andere verstandige Mädchen auch an deine
Stelle tun würde. Wie viel Mühe hat es gemacht, die
Damen für dieses Waldfest zu interesfieren. Es kosiel ein⸗
Menge Geld und der Erfolga ist zweifelhaft. Ebenlowenig
hoffte ich daß Volkmer so rasch wieder von deiner Shön
deit besiegt werden würde. Alles arrangiert sich zu deinen
Besten, und nun willst du fahnenflüchtig werden!“Die
Stimme der alten Dame klang weinerlich und endete in
ainem Aufschluchzen.
Sei ruhig, Mama.“ sagke Elfriede bestimmt, „ich hei
—W ich opfere mich. Eins aber mache ich zur Be—
aung J
„Du lieber Himmel, sprich doch nur, es ist selbstver
Jandlich, daß deine Wünsche Berücssichtigung sinden.“
„Der Junge muß fort aus dem Hause, er würde mi.
siberall im Wege sein. Ich will seine Entfernung nicht ver
anlassen. Du mußt das tun.
Es war Volkmer, als hinge Blei an seinen Füßen
Und dennoch wandte er sich zum Gehen. Mit schwerer
Schritten bewegte er sich dein Ausgange des Gariens zu
Er mußte forl. Die Empörung hätte ihn sonst über
mannt, ihn wnen Wneentran eem, nich
as sollie nicht sein. Die Heuchlerin war es nich
—— — sich ihrelwegen erreate Er börte noch d
eine schwere Fisenbahnschwelle be estigen wollte. Der Sou⸗
dat gab bei seiner Verhaftung an, er habe dies nur ge⸗
jan, um zu sehen, wie ein Zug enigleift.
Ueberschwemmungsgefahr. Die Loire ist infolge
er letzten Regengüsse in ständigem Steigen begriffen wee
üt Augere eine große Gefahr bedeutet. Die Ueber.
schwemmung betrifft bereits diejenige von 1856 und 1910.
kin ganzer Stadtteil ist bereits überflutet. Wegen Ver.
sagen des elektrischen Stromes stehen. Mehr als 5000
Personen sind in ihren Hausern biockiert.
* Diskontermäßigung. Die Bank von England er
nmäßigte den Privatdißkont auf 44 Prozent.
Aufgelaufen. Der einkommende englische Dampfer
„Birch“ ist nach einer Kollision zwischen dem zweiten und
dritten Feuerschiff bei Scharrhoern aufgelausen. Die Lage
des Dampfers ist sehr gefährlich; alle Räume sind voll
Wasser. Mehrere Schlepper leisten Beistand.
Spion. In Triest wurde ein aus der Provinz zu
zereister angeblicher österreichischer Generalstabsoffizier un
ter dem Verdacht der Spionage in das Bezirksgericht ein⸗
geliefert.
Von Abdul Hamid. Ein Mitarbeiter der „Unga
rischen Korrespondenz“ interviewte den Leibarzt des für—
ischen Extultans Abdul Hamid. Nach Aussage des Arzses
kann man von einer schw»n Erkranlung des Sul⸗
ans nicht sprechen. Er leidet em alien organ scher
Leiden, ist nervös und hat b. wim Halse Beschwer.
den. Hauptsächlich ist dieser Zunand auf das hohe Al
ter zurückzuführen. J J
Ein Geständnis Eooks. dDer Exchange Telegta
phen⸗Company wird aus New⸗York telegraphiert: Dr
Took räumt jetzt ein, daß er nicht glaubt, daß er in der
Nähe des Nordpols gewesen sei. Sein Geständnis werde
im Hampton Magazine erscheinen. In seinem Geständnis
erklärt Cook: Nach reiflicher Erwägung gestehe ich, daß
ich nicht weiß, ob ich den Nordpol erreicht habe. Alles
vas ich jetzt anstrebe, ift das Vertrauen meiner Lands.
leute. Ich war halb verrückt infolge monatelanger Ein—
amleit und Hunger und so kam ich zu dem Glauben, daß
ich den Nordpol erreicht hätte. Mein ganzes Leben war
stets von dem überwältigenden, ehrgeizigen Wunsche, et—
was zu erforschen, erfüllt und mein alühendstes Verlan—
gen war, den No dpol zu erreichen. Jetzi wünsche ich in
mein Vaterland zurückzukehren. Alle angeblichen Inter—
biews mit mir beruhen auf Erfindung. Ich hoffe, am
22. Dezember nach Amerika zurückzukehren und Weihnach
ten mit meinen Landsleuten zu feiern. In der Mesdend
aus New⸗-York heißt es, Dr. Cook befinde sich in Eu—
wopa. Näheres ist nicht angegeben.
KRatser Stgismundund die lufigen
Straßburgerinnen. Als Kaiser Sigismund 1414
nach Straßburg kam, erhielt er bei früher Tageszeit einen
Besuch von mehreren schönen Straßburgerinnen, als a
ioch zu Bette lag. Er sprang auf, die schönen Gaste zu
mpfangen, waͤrf seinen Mantel um und ging einer be⸗
onderen Erlustigung entgegen. Die Weiber zogen ihn la⸗
hend und schäckernd mit sich fort und durchtanzten mit
ihm gar lustig und sdöhlich die Siraßen. So kamen sie
bis in die Körbergasse; hier kauften sie dem Kaiser für
J Kreuzer ein Paar Schuhe, zogen sie ihm an, da er in
der Eile aus dem Bette nur barfuß in die Pantoffeln ge⸗
schlüpft war und tanzten mit ihm weiter. Das alles ließ
der gute Kaiser, der ein gar lustiger, fröhlicher Hert war,
geschehen, hatte seine Freude an dem Benehmen der Wei—
der, ließ sich beschuhen und tanzte mit ihnen so lange un⸗
her, bis er völlig ermüdet wieder in seine Wohnung ge⸗
langte, sich zur Ruhe legte und auscief: „Das heißt ge⸗—
anzt!“ — Als er aber abreiste, teilte er 160 Ringlein un⸗
ser die lustigen Straßburgerinnen aus und erklätte ne ie⸗
esamt für allerliebste, fröhliche
Bogelschutzt Als günstigste Zeit zum Aufhärgen der
disthöhlen ist der Spätherbst zu bezeichnen, da die Vögel
vührend der strengen Winterszeit darin Unterschlupf fin—
»en; es kann damit jedoch auch noch den Winter über
sis in den März hinein mit Aussicht auf Erfolg fortge⸗
ahren werden. Möge jeder Naturfreund, der sich in der
lucklichen Lage besindet, über ein Grundstück zu verfügen,
muf diese Weise sein Scherflein beitragen, dem Mangel ar
Ristgelegenheit abzuhelfen und so die Erhaltung und Ver—
mehrung der Vogelwelt fördern. Auch die Futterplätzt
sür die Winterfütterung sollten jetzt schon bald hergerich
et werden, damit sich die Tiere an diese gewöhnen und
zei plötzlich hereinbrechendem Winter einen gedeckten Tisch
inden. Ganz besondere dringend ist die Fütterimg bei
großem Schneefall, Rauhfrost oder Glatteis, sowie bei
WVitterungsrückschlänen im Früblabre.
⸗eAls Friedrich dem rsen, der sich die
önigsktone aufgesetzt hatte, die erste Enkelin geboten
wurde, mühten sich die Poeten in Schmeicheleien für das
dnigliche Kind ab. Ein Herr von Meysenburg, ein hesst⸗
cher Adeliger, überreichte dem Könige ein Gedicht, in dem
redie Neugeborene dem Jesuskinde verglich und die brei
Taufpaten, die Könige von Polen, Dänemark und Preu—
zen, die heiligen drei Könige nannte. Er erhielt fuͤr diese
viderwärtige Schmeichelei ein Geschenk von tausend Du—
αα . —
sanftbeschwichtigende Stimme der Rätin, ohne etwas von
dem, was sie sagte, zu verstehen.
Möglich daß sie sich weigerte, zu veranlassen, daß das
dind die Heimat verlor. Das bedeutete freilich wenig
zenug! Ueber kurz oder lang würde sie sich zur Nachziebigkeit
bewegen lassen, dem kalten, hochmütigen Sinn
der Tochter gegenüber war sie auf die Dauer machtlos.
Er warf die Gartentür laut ins Schloß und trat auf
die Straße hinaus. Seine Brust weitete sich, das Bewußt⸗
ein, einer Gefahr, die tiefste Entwürdigung für ihn be—
deutete, entronnen zu sein, war im Augenblick vorherrtschend
in ihm.
Die beiden Damen hörten das Schließen der Tür und
chwiegen. „Es kommt noch Besuch,“ meinte die Rätin,
„so recht zur Unzeit.“
Sie lauschten. Als alles still blieb, erhob fich Elfriede
und trat vor die Laube. „Es ist niemand da, Mama.“
S)o schließ die Tür draußen ab. Vielleicht hat sich
emand einen dummen Scherz erlaubt.“
Als Elfriede beim Gitter anlangte, glaubte sie drüben
hei den Anlagen Volkmers hohe Gestalt zu erkennen, die
oeben zwischen den blühenden Büschen verschwand.
Ein eisiges Erschrecken durchrieselte sie, eine beklem⸗
nende Ahnung stieg in ihr empor. Aber mit leichtem
Sinn wehrte sie derselben. Volkmer war kein Spion und
dorcher, wenn er wirklich noch einmal zurückgekommen
väre, so hätte er sich auch bemerkbar gemacht.
Der Förster befahl mit ruhiger Stimme das An⸗
pannen. In seinem Aeußeren war nichts von dem zu
»emerken, was in ihm vorging.
Als der Wagen zur Stadt hinausfuhr, war es Volkmer
ils sage er der Welt für immer Lebewohl.
Draußen im Walde stieg er aus und befahl dem Kut⸗
cher, allein nach Hause zu fahren. In demselben Moment
euchtete dicht vor ihm ein helles Gewand auf, er sah in
Regines freundliches Gesicht, zugleich ertönte ein jubelnder
3 gn Junge hing an seinem Halse, ihn herzend und
üssend.
„Die Ueberraschung hat Hänschen ersonnen,“ berichtete
Regine, „er wollte so gern dem Papa entgegenlaufen. Wir
varten drüben auf der Moosbank schon eine ganze Weile
ind wollten soeben umkehren. Ich glaubte, Sie würden
änger ausbleiben.“
Er wäre so gern allein gewesen mit dem Stürmen, dem
hhneidenden Weh in seiner Bruft, doch er gewann es nicht
ber sich, von dem Kinde fortaugehen