Full text : Dudweiler Zeitung

Deutscher Reichstag.
(87. Sitzung.)
borm 11 Uhr. Berlin, 26. Novbr.
Am Mumistertische: Der Reichskanzler, sowie die mei—
ten Staatssekretäre. Das Haus ist gut besetzt. In der
deloge wohnt der Kammerherr der Kaiferin, Herr vor
Behr, der Sitzung bei.
Auf der Tagesordnung steht die sozialdemokratische
XXGB
⸗/ Kaiserreden.
— Begrundunng der Intervellation erhält das
ort
Abg. Ledebour Gmit Huh⸗Rufen von der Rechte.
eimpfangen): Ais im November des Jahres 1908 hier in
Reichstage die Versffentlichung eines Interviews des Kai
sers und seine sonstigen Reden zur Sprache kamen, da er
jab fich eine vollständige Uebereinstimmung in Bezug au
e wichtige Frage. Von sämtlichen Parteien des Reichs
ages wurde der tiefgehenden Entrüstung über die Reder
mo jene Veröffentlichung Ausdruck gegeben. Ohne Aus
nhme nahmen alle Parteien des Hauses damals diesen
Ztandpunkti ein, auch die Konservativen. Wir haben nicht
agegen, daß Kaiser Wilhelm 2. so viel redet wie e
viil. Er kann sich über alle möglichen Gegenstände und
jragen aussprechen, von denen er etwas versteht. —X
dir die Sache bloß vom agitatorischen Gesichtspunkte au⸗
etrachten wollten, vann könnten wir nur wünschen, da
x vecht viel redet. (Sehr richtigl bei den Sozialdemo
ratea.) Keiner unserer Gegner wirkt so aufwühlend 31
uferen Gunsten als Kaiser Wilhelm 2. Aber wir ver
augen, daß sich das Volt gegen Angriffe Kaiser Wilhel.
vehren kann genau so gut wie er diese Angriffe erhebt
zeute wird aber ein Kampf mit ungleichen Waffen ge
aührt, den wir für unfair halten. Wir verlangen weite
ejezgeberische Schraukten dagegen, daß Kaiser Wilhelm
elbstherrliche Eingriffe in die politische Betauigung de
zandes maächt, und das tun wir im allgemeinen Inte
esse der deutschen Nation, weil diese selbstherrlichen Ein
riffe das Ansehen und die Sicherheit Deutichlands nich
nur schwer gejährden können, sondern weil diese Eingriffe
uuch bereits unser Ansehen schwer gefährdet haben. Fürf
zülow hat ja jede politische Tätigkeit Kaiser Wilhelms 2
As Unglück bezeichnet. Es ist anzuerkennen, daß etwe
14 Jahre lang nichts gefcheben ist, was dieser Zusiche
ming widersprochen hätite. Ganz plötlich im August d. J
vurde das deutsche Voll durch eine Rede überrascht, di
Zaiser Wilhelm 2. in Königsberg auf einem Feste de
Provinz Ostpreußen gehalten hat. Er erging sich zunzchi
in Verherrlichung der Mitg'ieder seiner eigenen Familie
Auf diesen Familienkultus will ich nicht eingehen und
will nicht unlersuchen, ob er mit den historischen Tatsa
hen und dem guten Geschmack übereinstimmt. Er bezo
ich u. a. zur Begründung einer eigenen staatsrechtliche
Ziellung auf die Krönung se nes Großvaters Wilhelms 1.
das königliche Recht beruht nicht einsach auf Gott, es is
estgelegt worden durch die verfassungsmäßigen Bestim
nungen. Auch in der ersten Zeit ist es nicht ausschließ
ich als eine Schenkung des Herrgotts anzusehen an di
Familie Hohenzollern, wo andere Menschen nichts hinein
ureden hätten. Der Kaiser glaubt weiter allen Kreisen
MNännern und Frauen, gute Letzren erteilen zu können. Er
ritt als Praeceptor Germaniage auf. Er hat gesagt, das
die Hauptaufgabe der Frauen nicht auf dem Gebiete der
Hersamnilungs⸗ und Vereinswesens liege, sondern auf der
tillen Arbeit im Hause imd in der Familie. (Sehr rich
ig! rechts.) Weshalb sind denn die Frauen so vielfac
enötigt. sich in das öffentliche Leben hineinzustürzen? Wei
ie ihr Brot verdienen müssen, weil sie für sich selbst und
ür ihre Kinder in den Tageskampf hinein müssen. Des
zalb müssen die Frauen auch dieselben Rechte haben wi—
ie Männer, deshalb können die Frauen trotzdem gut
Mütter, gute Hausfrauen und gute Erzieherinnen ihre,
dinder sein. (Sehr richtigl links.) Wir können das besse
eurteilen als Sie und Kaiser Wilhelm 2., dem es nich
noͤglich gemacht wird, vom Volke überhaupt etwas zrꝛ
ehen. Diese Anmaßung muß auf das entschiedenste zu
rüchgewiesen werden. Tie Frauen werden aber trotzden
veiter arbeiten und ich hoffe, daß der Kaiser es noch er
eben wird, daß die arbeitenden Frauen sich ihre Recht
robern werden, gegen ihn, wenn es sein muß. Kaise
Wilhelm hat auch den erfolgreichen Segen der katholische
Beistlichkeit angerusen. In Beuron hat er an die Mi
hilse der Benediktiner für seine selbstherrliche Betätigun
appelliert. Sollte der Kaiser unter Mitwirkung der Or
denspriester seinen Königsberger Weg weiter verfolgen, s
macht er einen verderblichen Fehler. Wir verlangen Ta.
en gegen das selbstherrliche Regiment. Es gibt nur ei
nes: Volls Durchführung des demokratischen Parlamenta
tismus in Deutschland. Demokratisierung der Einzelstao
ten ist nötig. Durchführung der Gleichberechtigung vor
Mann und Frau im öffentlichen Leben. Der Landrat um—
seine Handlanger müssen verschwinden. Selbstverwaltun
der Städte und der Schule ist nötig. Kein Reichskanzle
darf ernannt werden, der nicht getragen wird vom Volke
willen. Wir sind eine republikanische Parte;
Auch in Deutschland wird der Geist der Zeit siegen. Au
22— 22 —— e M νι—

Der Schñtten fuhr soeben mit lIustigem Schellengeläuke
or. Volkmer beugte sich ehrfurchtsvoll über die Hand der
ilten Dame. Eine Antwort gab er nicht.
Aber bedurfte es auch derselben? Die Rätin war jetz!
diel zuversichtlicher, als bei ihrer Ankunft. Aus der Heirat
mit dem zlotten Leutnant würde nichts werden. Elfried
war wieder frei, und es hätte doch seltsam zugehen müssen
venn sie eines Tages nicht doch noch Frau Försterin wurde!
Eine halbe Stunde später betrat Frau von Bittner di
Wohnstube daheim. Das Mädchen hatte ihr draußen schon
Hut und Mantel abgenommen. Es sei nur der Depeschen
bote dagewesen. Gnädiges Fräulein habe das Telegramm
in Empfang genommen.
Die stark erregte Mutter trat rasch an den Tisch, aul
»em die Lampe ftand. Da lag die Depesche. Das blau
Siegel war bereits gelöst.
Es konnte sich doch nur um eine Naechricht in diesen
inen Angelegenheit handeln, die Mutter und Tochter gleb
hermaßen in Atem hielt.
Die ditternde Hand der Rätin griff nach dem Streifen
zapier. Die Buchstaben führten vor ihren Augen einen
Don Reigen auf, aber gewaltsam bezwang sie die fiebernd
regung.
Betreffender Offizier ein Leichtfuß. Geirat unmög
ach. Brief folgt.“
Der Absender, Frau von Bitiners Schwager, zeichnete
aur mit seinem Vornamen Theodor.
Die Dame nickte befriedigt. Es war gut so. Freilich,
vãre dieses Telegramm nur einige Stunden früher ge⸗
ommen, so hätte der Besuch im Forsthause füglich unter.
odleiben loͤnnen. Es war ihr jetzt leid, sich so offen und
rückhaltlos ausgesprochen zu haben.
—ADDDDDDDD———
Daß fie das Geld zurückgegeben, war ihr nicht Teid, aber
⸗as andere, damit hätte sie vorsichtiger sein müssen.
Da legten sich zwei weiße Arme um ihren Hals. El—
riede war aus dem Winkel, von dem aus sie die Nutter be—
obachtete, hervorgekommen.
Jetzt beginnt der Kampf, Mama, aber er findet mich
tark und tapfer. Ich lasse mir mein Glück nicht rauben“
Die alte Dame erschrak. „Wir wollen den Brief des
ODnkels abwarten,“ beschwichtigte sie, dann können wir ja
veiter überlegen.“

degierungssystem erscheint. Wollen wir,“ so Aönnen wi
twas erreichen Und wenn in drefen Küämpfen, die un—
»evorstehen, „die Welt voll Teusel wäre, es wird un
doch geingen!“ GBeifall lin?a.)
Reichskanzler v. Beth mann-Hollbweg: Bevo
ch auf die Interpellation selbst eingehe, wende ich mid
mit einigen Worten gegen die Ausführungen des Ab
zeordneten Ledebbour. Mit den Darlegcgurigen, die uns de
Abgeordnete Ledebour in dem zweiten Teile seiner Red
zegeben hat beweist er, wie recht der „Vorwärts“ hatte
als er vor einigen Tagen schrieb, der Zweck der Inten
ellation sei die Aufrollung der Verfassungsfrage. Di
Aussführungen des Abgeordneten Ledebour zeigen doe
ganz klar, daß er und seine Partei bei dieser Interpel
sation nicht bloß von einer Sorge um das Gemeinwoh
and von der Absicht, die verfassungsmäßigen Institutioner
zu schützen geleitet worden sind, sondern im Gegenteil vo
ꝛiner leedenschaftlichen Gegnerschaft gegen unsere verfas
ungsmäßigen Einrichtungen. (Lebhafter Beifall rechts.
der Abg. Ledebour hat sich soeben mit aller Klarheit fü
eine Partei zum Republikanismus bekannt. Es ist gut
»aß das Volk jetzt mit aller Klarheit weiß, zu welchen
ziele Sie hinstreben. Wenn sich der Abg. Ledebour zu
Uufgabe gemacht hat, dieses Ziel zu erreichen, so muß id
hn beglückwünschen zu seinem Erfolge. Auf die Inter
ellation jetzt zurückkommend, habe ich folgendes zu b
nerken: Die Interpellation geht von der Annahme aus
zer Kaiser habe im November 1908 im Reichstage durd
»en Reichskanzler Fürsten Bülow Erklärungen gegeben
nit denen er sich durch die jetzige Rede in Widerspruch
espitzt habe. Diese Annahme ist falsch. Gelächter links.)
zmn Anschluß an die Debatten, die hier im Reichstagt
jeführt worden sind, ist, wie der Abg. Ledebour es aud
rusgeführt hat, durch den „eichsanzeiger“ mitgeleil
vorden, daß der Kaiser dem Fürsten Bülow unter Bil—
igung seiner Ausführungen im Reichsstage und untein
Zekundung seines andauernden Vertrauens seinen Willer
ahin kundgegeben hat, daß er unbeirrt durch die als un
zerecht empfundene Uebertreibung der öffentlichen Kritil
eine vornehme Aufgabe darin erblicke, die Stetigkeit der
Politik des Reiches unter Wahrung der verfassungsmäßi
en Verantwortlichfeiten zu sichern. Mit dieser Erklärun
m Reichsanzeiger“ ist der Oeffentlichkett gegenüber ein
Htitteilung darüber erfolgt, wie der Kaiser seine staats
echtliche Stellung und die Pflichten seines Herrscherberu
es auffaßt. Muͤ dieser Auffassung hat sich der Kaise
nd König nicht in Widerspruch gesetzt und er hat es
asonderheit nicht getan — das stelle ich weiter feft —
urch die Aeußerungen, die er seitdem getan hat. Trot
er sehr eingehenden Darlegungen ist der Abg. Ledebou
en Gegenbeweis schuldig geblieben. Es ist mir völli—
nerfindlich, wie man aus deun Beuroner Ansprache, au⸗s
ner Ansprache an die Rekruten, aus den Aeußerungen
ie der Kaiser in Königsberg über den Beruf der Frau
zer die Friedensbürgschaften, die eine starke Wehr lie
rn, ich sage, es ist mir unerfindlich, wie man aus die
un Aeußerungen folgern will, daß der Kaiser die Grenz—
ines konftitutionellen Herrscheramtes Überschritten ode
le Sietigkeit der Politikt und die Autorität der Kron—
efährdet habe. (Lebhaftes Sehr richtig! rechts und im
entruml) Die Königsberger Rede, die der König vor
zreußen vor Angehörigen einer preußischen Provinz ge
alten hat, enthält nicht, wie man gesagt hat, eine Be
itigung absolutistischer, mit unserem Verfassungsrecht un⸗
ereinbarer Anschauungen, wohl allerdings eine starke
zetonung desjenigen monarchischen Prinzips. auf den
as preußische Staatsrecht beruht, verbunden mit den
usdruck tiefer religioser Ueberzeugung, die in weiten
schichten des Volkes verstanden und geteilt wird. In einer
ist beispiellosen historischen Arbeit großer Herrscher aus
m Hause Hohenzollern, die in der Tüchtigkeit und in
ꝛx Zähigkeit der Bevölkerung eine lebendige Stütze san
en, ist das preußische Staatswesen zusammengeschmiede
»orden und auf der Grundlage dieser Entwicklung sind
ie Preußenkönige ihrem Volle gegenüber Königeans
igenem Rechte. (Seiterkeit.) Ihr Gelächter stör
lich nicht, und wenn in heutiger Zeit sich das Bestreber
eltend macht, auch in Preußen den König wie einen
om Volle gestellten Würdenträger zu behandeln, so dar
tan sich nicht wundern, wenn der König das Bewußt
ein, kein Volkssouverän zu sein, entschieden betont. Per
oͤnliche Unverantwortlichkeit des Königs, Selbständigkei
nd Ursprünglichkeit des monarchischen Rechts, das sind
ie Grundgedanken des preußischen Staatswesens, di
uch in der Periode konstitutioneller Entwicklung lebendic
eblieben sind. Gibt ihnen der König von Preußen in
er altpreußischen Krönungsstadt in der durch die alt
Tradition geheiligten Form vom Gottesgnadentum Aus
ruck, beruft er sich auf sein Christentum als die Richt
chnur seines Handelns, so geschieht es im Bewußtseir
»on der Fülle seines Rechts und (mit starker Betonung)
einer Pflichten. In dieser Auffassung von der Stellunç
es Kaisers und Königs stehe ich aber auf verfassungs
näßigem Boden. Diesen Boden werde ich festhalten und
ch werde ihn verteidigen getreu der mir obliegenden Ver
itwortung, wie sie mir durch mein Amt und meine
deberzeugung bestimmt werden. (Lebhaftes Bravo rechtsl!)
Auf Antrag Singer wird die Besprechung der Inter—
ellation beschlossen.
Abg. Frhr. v. Hertling Gtr.) Für diese In
erpellation fehlt jede Berechtigung. (Sehr richtig im Zen
rum und rechts!) Nur bindende Erklärungen können ge
rochen werden, solche liegen aber nicht vor, sondern nu
romme Wünsche. Wenn der Kaiser gesagt hat, er fühle
ich als Instrument des Himmels, so will er nur dami
»er modernen Auffassung Ausdruck geben, daß unser
Staatsleben auf der christlichen Gesinnung beruhe. (Seh
ichtig im Zentrum und rechts!) Wir mussen alle zu—
animenstehen, um an den Grundlagen unseres christlichen
Staates nicht rütteln zu lassen. (Lebhafter Beifall im
entrum und rechts!)
Abg. v. Heydebrand (ons.) erklärt namens de
donservativen, es sei keinerlei Anlaß zu einer Interpella
jon vorhanden. Wir fühlen es geradezu als eine Her
cusforderung unserer monarchischen und christlichen Emp
indung, daß hier der Reichskanzler gefragt werden kann
ib der Kaiser noch ein Mann selbständiger eigener Ueber
eugung bleiben dürfe. Die Art, wie bei dieser Gelegen
‚eit und dauernd die Umsturzpartei den Kaiser beleidige
ind gegen alles wühle, was dem Volke hoch und heiug
ei, lege der Reichsregierung die Pflicht auf, zum Schut
der Staatsordnung und der Freiheit der Bürger an Ab—
oehrmaßregeln zu denten. Geifall rechts.)
Abg. Bassermann Matl.) An der Erklärung des
zürsten Bülow, daß weder er noch ein Nachfolger werde
m Amt bleiben können, wenn der Kaiser störend in die
Ztaatsgeschäfte eingreise, soll man nicht rühren und nich
»euteln. Aber, wenn ich daran denke, mit welcher Liebe
u seinem Lande und Voltke der Kaiser getragen ist, se
ann ich nicht anerkennen, daß in der Königsberger Rede
in Bekenntnis zum Absolutismus liegt. Weshalb soll er
ticht aussprechen, daß er über den Pteinungen des Tages
tehe. Den Sozialdemokraten gebe ich zu bedenlen, wenn
ie ein Zusammengehen mit anderen bürgerlichen Parteien
vollen, ob sie von ihrer republikanischen Gesinnung ab
assen wollen. Je mehr sie diese betonen, werden die bür—
gerichen Parteien sich zu einer starken monarchischen Stützt
uusaumenschließen Geifall.)
Abg. Payer (F. Vp.) Es handelt sich doch nich
am die Proklamierung der Republit. Die Auffassung des
Raisers läßt sich weder mit der Verfassung, noch mit der
nodernen Auffassung in Eintlang bringen. Redner kriti
äert die kaueruhen Ansprachen der leßten Zeit müeinzel
nen und macht der Rechten den Vorwurf, daß sie fich
von der Auffassung von 1908 zwar nicht lossage, sie
aber ihres inneren Kernes beraubt habe.
Aba. Davpid «Soa.): Selbitoerständlich verwehren

vir es dem Kaiser nicht, sich zu seinem Ghyristentum zu
ekennen. Hier handelt es sich aber darumn, daß dort An
er aus seinem Bekennmis staatsrechniche Konsequenzen bo
immter Art ziehe. Wir sind keine Mierdanen, samevrn
ceie Staatsbürger. (Beifall linis.)
Abs. Dirtsen (Np.) halt die garrze Jeuecp etiachor
—A
Abs. Viebermannu (B. Vgz.) vecliest eine Ge
ärung seiner Fraktion, wonach der Reichssstag in dieser
jrage als unzuiftändig erklärt wird.
Ein Schlußautrag wird angenommen.
Es folgt die Interpellaticci Aber die Benfien-Bersicherung
 der Privatbeamten.
Abg. Mu dan (BS. Bp.) begründer die Interpol
ation und fragt an, ob noch in dieser Session eine Vor
age über die Privatbeamten⸗Versicherung kommen werdé«
Staatssekretär DelbeS ertlärt, daß der Gautwua
usgearbeitet sei und dem preußifschen Staauministeriumn
orliege. Ebenfalls werde die Angelegenhen nach Kräf
en gefördert.
Nach Erklärungen verschiedener Redner vertaägt fich
as Haus auf Vontag 2 Uhr. — Tagesordnung: ächiff
ahrtsabgabengesetz — Schlaß 46 Uhr.

—XZEZZ .
Aus aller Welt.
Verurteilter Raubmörder. Wegen versuchten Nach
nordes verurteilte das Schwurgericht zu Leipaing de
11jährigen Geschästsvermittler Jo ses Jeep auu Sath
ninden zu 14. Jahren Zuchthaus und Stellung nuen
Bolizeiaufsicht. Jeep hatte im April dieses Jahre —
eine Tante einen Raubmordversuch ausgeübt and den
zu Hilfe kommenden Sohn sowie dessen Frau 22
Boden geschlagen und schwer mißhandele.
Das Naturwunder. Aus Neuengamme wind ba
ichtet: Die Vorarbeiten zur Ableimug der Gasstrade
ẽrdgasquelle wurde von der Hamburger ——
»egonnen, und zwar unter Mithilfe der Fenecwehr.
jelang verhältnismäßig leicht, die Flammen völlig ab
dͤschen. Uin die Ableitungsrohrs anzubringen, mad va
aus dem Erdboden herauaragende Rohr duech men
olöcke stark verankert werdeu.
Schiffsunglück. Auf der elde in der Damp
Royal Erown mit dem X;— Hollandia“
ammengefloßen. Der Leichter wurde in der Micne
Anchschnitten und sank innerhach weniger Minaten.
as Rettungsboot des Leichtes wurde zeruczuineent, in
olgedessen sich dis Rettung dor Besatzung der Hallandia
ehr schwierig flaltele in Nann an
en sich au Schiffstauen, die ihnen zugeworsen wurden
olange festhalten, dis sie durch ein Rettungabooit «
ßord des „Rohal Crowu“ Fehe werden Lonuten. Zu⸗
indere Matrosen hielten sich an dem Rumpf des Dam
ers fest und konnten gorettot werden. Ein anderer vee
uchte schwinimend den Dampfor zu erreichen, was ibu
uch trotz großet Käle adelana.
Roosevelt als vteger⸗-Gott. Dem , Darnz vVole
waph“ berichtet man aus New-VYork: Professor Johea
Loring. der Naturforscher, der Roosevelts Zagdausai
iach Afrika mitgemacht hat, hielt dieser Tage in Chicaq
inen interessanten Vortrag üͤber seine Erlebnisse in
rila. Lebhafte Heiterkeit erregte er, als er berichtete, dal
der Ex-Präsident in Afrika nicht bloß zahlreiche Bewuu
derer und Verehrer fand, sondern von ein gen Negerstaͤm
in Uganda sogar als Gott verehrt wurde. Und dos tau
o: Roosevelt wurde während seines Aufenthaltes an de
Zeen von Uganda auch nicht ein einzigesmäal von der
chrecklichen Tse⸗Tso⸗Fliegen gestochen, die jeue Breiten un
icher machen. Deshalb wurde er von deu Gageberen⸗
1s ein goͤttliches Wesen angesehen. Vo ar eckchieu, wa⸗
en sich die Neger anbetend auf die Gede und beschwore
n, auch ihnen dieselbe Srmauiität gegen die Zio⸗ie
leges * xVeiben. ——
Ueberwinterung von Dahlen. Bahkeukaßlen aven
intert man am beften in einen wockenenn, gut stbaue
deller oder ähnlichem froftsreien Ranme. Nachdeniu
berirdischen Teile erfroren siud, werden die Knollen hes
usgenommen, die Stengel otwa 30 bn 49 Zeuttimou
ber der Knolle abgeschnitken und diese selbt zu Tuad
en hingelegt. Sehr geeignet Ind dagu err Mistbeete
ie über Nacht mit Fenstern und Strohdecken bedeckt wes
en. Beides wird am Tage wieder abgenammen. W
iese Weise trocknen die Kenollen vorzüglich ab uug be
en nach einiger Zeit von allen seinen Wurzeln wmud woei
jen Stengelieilen befreit, us Winterquartier gebrecht vwo en
en. Ist dies ein Keller, fo ist er tüglich, wenn es da
ußentemperatur gestenttet, zu lüften. Zeigt ch Zauluu
putzt man die Knollen sorgfältig durch, bestreut di
uligen Stellen mit Holzkohlenpulver und bringt die
nollen eventuell an einen warmen, ocheren Ort. Aus
em praktischen Ratgeber im Obste und Sarcenbaun
jrankfurt a.
Meuterude Eolbaten. Nus Fopendagen wirer
richtet: Abends menterten 38 Soldaten does mi Nybor
ehenden 25. Infanteriebataillans, well dor detuα
jeutnaut ihnen den Neachturlaub verweigent haue. Di
8 Mann verließen unter Protesusen die geschossenen Sa
rnen und unternahmen einen Spazrergeg nach don
ebungsplatz am großen Belt, von wo se i geschlosso
em Zuge in die Kaserne zurückehrten. Auf der Kasorn.
ellte der Wachhabende ihre Namen jest und brache
aur Meldung. Eine strenge Umerfuchung in eingelenen
Schweres Urteil gegen Streikende. Des Echwun
ericht von Rouen sprach das Todesurteil gegen den LAsh
mverlader Durant, der als Rädelsführer seiner stwelen
en Kameraden ein Kesseltreiben gegen eine Anmzahl Etreiß
recher ins Werk gesetzt hatte. In erser Vimne hatien sie
z damals auf den Streikbrecher Donger abgesehen. Die
er wurde in der gräßlichsten Weise gepeinigt und stihleß—
ich ins Wasser geworsen, wo ar seinen Tod sand Die
eiden Genossen Duranis wurden zu B und 18 Bahrou
hwerer Zwangsarbeit verurteilt.
Grauenhafter Selbstmord. Die „Times“ berichiei
us Konstantinopel: Ein bulgarischer Woiwode, welcher
vegen Beteiligung an einem Dynamit-Attentat gegen die
zZicherheitsbehörden verhaftet worden war, hat sich im
zefängnis mit einem Glasscherben den Leib aufgeschlitzt.
kr führte die Tat aus, um nicht gegen seine Genosien
ussagen zu müssen.
Die Ueberweiber. 21 Anhängerinnen des Frauensinimrechts,
 welche Abends verhaftet worden waren, er—
hienen anderen Morgens vor dem Polizeigericht in der
zow⸗Street in London. Die erste war angeklagt, Steine
imdie Fenster des Ministeriums des Innern geworfen zu
aben. Sie antwortete dem Richter, sie habe es getau
m gegen die Regierung zu protestieren. Der Richter sagte
hr Frauen seid zu unzähligen Malen mit Rachsicht be—
andelt worden; ich verurteile Sie zu duei Manaten Go
mgnis. Eine andere junge Frau von 22 Jahren sagte,
e habe die Fenster imn Ministerium des Innemn —*
oarfen, um zu ihrer Vutter zu gelangen, die hauz
t zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden AA. Oer
lichter verurteilte Re zu einem Mongat Gettingeidn We
nderen erhielten aͤhnliche Strafen, aus genanmen zwei
ber drei, welche zu Geldstrafen und im Richwornce ibraugs
zAe zu zwei Wochen Haft verurteilt wurden.
Ein Studenten⸗Krawall. Znfolge eincs Studemten
krawalles in einem Madrider Theater den sast die ganz.
zresse in scharfsen Worten bospricht, haa decr Polizeiche
ne Demiffion eingereiche Die Pennn han⸗ vee b
r mit der blanken Waffe gerüuaut, an der Standal sei
e Hbhepunkt erreichte. Hierbei wardes mehrere Stu
enten verwundet. Die Entdenten proteftieren auf das
eftigste gegen das Vorgehen der Polizei und verlange.
eia uen Der Wreemierminister erklätt. daß er Man

marwrien doe Sdemen vor den Zeitrrngs⸗gtedaltionen
erhindern werde.
Streskende Ersenbahner. Der Streit der Etsenbahn
mesteilten auf der Bahnlinie von Pavoa nach Famali
1a0 (Porergel) i infolge der den Angestellren gemachtei
vetzesronen beendet. Der Austand hat aber zur Folge
ehabt, daß auf der Straßenbahnlirnie von Minho noch
uro cenfalla ein Auastand der Bahnbediensteten ausge
vchen M. Mle Bahnverbindungen —* nach dem Nor
—AIX
XXAXVXXI
keiben der difchen Post ver grßÄrort wird. Die Re
ieraug ho alle RMaßnegenn getrossen, um ein baldige
ande da Anafiades herbeizasahren. Die Ausständigen
—XOO
gedrochene Gerichts verhandlung. Vor don
Tequgericha du Towat seblten 187 bulgarische Ge'angen
tscheinen, amor der Antlage, ihte Vafsson bei der dDuu
asung in Mazedonien nicht abgeliefert zu haben. Di
berhaue laig sollte eben beginnen, als ein Telegramm ein
XR, wonach die Militärgerichte abgescat werden mi
enahme verjenigen im Bezirke Ueskueb. Infolgedeffen
verden die Gefangenen demnächft vor einem Zivilgerich
XXXC
Gletfcherbruch Aus Alaska wird gemeldet, daß de
veinqs letscher geborsten sei. Der innere Gletscher⸗See er
leht fich über das Beringtal, in dem sich viele Berg
erke besviden. Der Bering⸗Flus in um 10 Fuß geftie
a. Das ganze Tal ist vernichtet. Reuungs-Erpeditio
vn sind unterweg«. Ueber die Zahl der bei der Kau
*8 umgekommenen Personen ist noch nichts betanni
in Cyklon. Ein heftiger Eytlon hat Bueno
ires und die bonachbarten Provinzen heimgesucht um
he eren Schaden angerichtet. — Nach einer Meldung, di
uf der Partsetr Agentur der in Buenss Alres erscheinen
en Zeitung Prensa“ eintief, sind bei der Sturmkatastro
de mehrere ersonen getotet worden; eine große Anzatz
clitt —— Viele Telegraphenstangen wurden um
eworsen and Tausende von Bäumen entwurzolt.
Zum Ableben Tolstois.
Die Witwe Leo Tolsftois ist schwer erlrault. Si
dohee eaver und roel ertehalten uni wan
i ihr. Nus Anlaß das Ablebens Leo Tolstoius sind de
53— Aaon ; Beileidstelegramme zugeganqon.
—
Die Moabiter Krawalle vor Gericht.
ta. Verhandlungstag.)
Zouge Gchutzmann Priestorn sagt aus: Ich won
an 26. Goplambet mit dem Schutzmann Sperliug en
inem Patrauu eugange von der Huttenstraße nach de
— gehen. Va kam eine große Menschenmeng.
— vom Charlottenburger Gebiete her. Alb sn
mer ansichtig wurde, artönte dor Ruf: Auf die Blauenl
dauaun aie sich ein starker Stoinhagel auf unß
Ru Stein wen den Schutzmann Sperling so, daß dieso
amaltes sich aber vobeder aufrichete und weiterging. Jetz
sezue sich allas mat großem Geheul auf uns; bie Leul
berdetan sich wie die reißenden Tiere. Fch zog mein
rowun napistole und gab einen Schuß ab. Alles sin bt
ind zog sieh einen Augenbem zurud. Dann ertönte wie
erunmt der Ruz: „Aus ihn. Revolver herunter!“ Es ha
elte Steine. Ich wurde von den durch Fernsprecher her
eigerusenen Polizeibeamsen befreit. Ruf Befragen de—
Ztaatsanwaltes erllärle der Zeuge, daß der Er
eß so schwer war, wie er ihm in serner vierjährigen
Dienstzett noch nicht vorge?onemen fei. —
Schutzmann Sperliung besiätigt die Angaben des
Vorzeugen. Ein wuchtiger Steinwurf habe ihn am Fuße
aim anderet am Ropfe getroften, so daß er halb hesinn
Mgelos wurde — Der nächste Zeuge, Expedent Nie
agee, belsundet: Ich habe immer nur Ueine Grupper
mu acht, zehn oder zwanzig Leusen gesehen, die veor den
künron der Hacqser siadon. Poetzkich zogen die Schutzleute
ne Saͤbol heucaes und gingon ohne erlichllchen Gruns cu
ie Beuge los. — Rochtsamvalt DVe. Tohn: Haben Si
esohen, daß auf die binzelnoet Gruppen ohne weitores loß
eschla gen wurda r — Zeu get FZawohl. Auf einen BSun
n, der von doer Turmsteahbe nach der Veusselsmahe woll
e, wo gar beine Ansammlungen zu bemorken waren, wur
dinfach koageschlagen, ijo daß or mehrszach bat, ihn vod
cht totaruchlagorn. Schlie hlich zals dan Jungen oin Po
hzoi leuiuaut. ↄch mu ßzte mohrmann flüchten. In
IXXXEXXEXX noch moda arg als ad o
wvo. VDie Aiminalbeauuen haben desonders schlimu go
itet. Eie sesddugen wil Gumnmunippolun und SGtsder
vahlkas davcuf loss GSin Herr fagte zu mir: „Doutsch
waia, Verttschlaund Aber allas! Ich habe viel in dor Wol
zos ohon, abor solche Brutalicäten doch noch nicht.“. Au
woi deoes Vefvagen entlart bor Zouge, dah ein sliehen
—tleines Mändechen von einem Echutzmanu vor
olgt wurde vund zwei Schlaͤge mit dem GSäbol orh olt. —
der wichfe Zeruge ist der Schrif stellar Kurt v. Reizen
mein, der Mitarbeiter der „Morgenpost“ ist. Am erzer
se traf or eine große Menge Menschen, die „Bluthun
schrisen. Diee Menschen draͤngten gegen die Schutzlenn
A. Die Schutzlaute bewahrton hre vobe uhe. Wom
se Menge zurüchgedrängt wurde, verschwand sie in d
Rjsorn, wenn die Echutzleute zurückgeugen, strömten
rente sofort wieder aus den Häsern heraus. GEs ertoͤn
oun auch Pfifse und es wurde aus den Häusern mit Stei
den XI Blumentöpfe wurden von den Babkons ge
chleudert, es wurde aus der Menge geschossen. Da das
Verfon nicht aushörte, wurde Befehl gegeben, auf die
häuser, aus denen geschossen wurde, zu feuern. Das ge
chah. Die Ansicht des Zeugen geht dahin, das Verhal
en der Schutzieunte war durchaus zweckmäßig. Er habe
Lusschreitungen uniformierter Schutzleute nicht bemerkt.
kinige Ausnahmen kamen freilich vor. Er hat aber auchk
deute beobachtet, die offenbar keine Kriminalschutzleut
varen, sondern nur „Schutzmann spielten. Ei
elbst hat zu e nem solchen, der ihn auf die andere Sein
der Straße wies, gesagt: Mein Junge, was fällt Ihner
»enn ein, wer sind sie denn? worauf sich der Mann schleu
nigst seitwärts in die Büsche schlug. — Zeuge Dr. Kosch
nann bekundet: Ich bin der Ueberzeugung, daß die
Bolizei ein absolut unzweckmäßiges und unmotiviertes
Lorgehen an den Tag gelegt hat, welches sowohl in dem
zweck wie in der Ausführung verfehlt war. Das Vorye
en der Pol'zoei hat nur zu den Ausschreitungen geführt. —
zolizeileutnant Schirmer, der seit 1889 in Bevlir
dienst tut, erklärt auf Befragen der Verteidigung, daß er
n einzelnen Fällen den Eiser der Schutzleute habe etwas
indämimen müssen. Zu anderen Fällen seien bedrängte
deute von der Polizei geschützt worden. Schriftsteßler
Nar Berthold ist am 27. und 28. an Ort und Stelle
jewesen und sich zunächst beim Postor Schwebol üler
eine Erlebnisse orkundigt. Pastor Echwebel hatte ——
e Ausicht, daß die Leute durch die fortgesotzte Pzicct
nofratiiche Agivation zum Aeußersen gebracht worden sen
. VDor sozialdemokratischen Leitung könne au diesen Tu⸗
mitttou nichts gelegen sein. doch mrinte der Paftor, doi
keinng seien wohl die Zügel entgklition. Zeuge hörte Lie
er sazen mieh die Beamten wurden verhöhm. Rufe wie
Blathunde“ ertoönten und eine Frauenftimme 33
ie tot, Verbrecher von Gottes Gnaden!“ Auf Vorh
es ersten Gtaaranwalt besftätigt der Zeuge, daß die
Menge gewissermaßen aBs geschlossenes Ganzes auftrat

werenzie hrligrenn. 8*
ube ein Portemonnaie findei): Nur — Hec
rin? Das ailbsit Du unbedingt bei der —X
            
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