Nr. 272. Montag, den 28 November 19810. 23. Jahrgang.
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2 schiedensten Richtungen beschickten Versammiung begrunde
Wochen⸗Nundichau. vorden. Der neugegründete Ausschuß, dem nur Verbän
Schon lange vor seinem kalendermßnigen Beginn ha— ze, keine Einzelpersonen angehören können, macht es sic
ns der Winter mit strammem Auftreten seine Auttitts— ur Aufgabe, die Frauenvere ne Deuischlands in stärkeren
isite genꝛacht. Die Nächte und nun auch die Tage sind Maße als bisher für den Kampf gegen Schmutz un'
etzt meist bitterlalt und manches zarie Backfisch-Stumpf Schund in Wort und Bild heranzuziehen. Es handelt sic.
däschen degt sich eine unerwünschte rosige Färbung zu yor allem darum, die bestehenden Frauewereine sür di
zoßar bei manchem „erwachsenen“ Gesichtserker kann män raktische Arbeit auf diesem Gebiete zu interessieren. Einer
iese winterliche Wand!ung beobachten. Da ist's denn be— eits sollen positive Maßregeln zur Verbreitung guser Li
retflich, wenn die gemütliche warme Stube wieder mehr eratur — insbesondere für die Jugend — gefördert und
anihre Rechte tritt und jedermann froh ist, wenn er eir bestrebungen zur Entwickelung eines gesunden Geschmack—
io liges Plätzchen am Kamin erwischt. Und wee der interstützt werden. Anderseits soll auch auf die Durch
urchschnittsbürger sich sold mit seinen Lieben um den ührung der Bestimmungen über den Vertrieb von un—
amilientisch versammelt, so werden auch die Volksboten üchtigen Schristen und Abbildungen, vor allem über den
mdieser Winterkälte wieder recht „seßhaft.‘. Der Reichs Gertauf solcher Schriften an jugendlichen Personen, ernge—
ig und viele Landtage sind versammelt und der Tan virltt werden. Auch soll möglichst eine Bewegung in den
mn beginnen. Die ersten Sitzungstage im Wallotbar Frauenvereinen eingeleitet werden, die auf Unierstüt ung
ectiefen eigentlich friedlicher als man vorausgesetzt hatte al'er Geschäfte hinzielt, die derartige Schriften und Ab—
in gerüttett Maß von Interpellationen sind der Regier ildungen nicht feilhalten. Die Frauen sollen weiterhin
ung präsentiert worden, wovon als die wichtigste di neranlaßt werden, in diesen Fragen mehr als bisher de
jleischnot⸗Interpellation anzusehen ist. Der neue Land Ansichten, die sie als Frauen und Mütter zu diesen Fra—
irtschaftsminister will von einer Fleischnot nichts wis gen einnehmen, im öffentlichen Leben zur Geltung zu
n. Es handele sich nur um eine vorübergehende Kala ringen. Die Geschäftsführung des Ausschusses wurde von
eität. Schön; wir wollen es hofsen. Aber diese inem Vorstande übernommen, dem Dr. Alice Salomo
iotschaft wird bei den Leuten, deren Geldbeute als Vorsitzende, Frau Margarete Danneel, Gräfin Haake
el weniger gespickt ist wie ein Ministerportefeuille, we räfin Montgelas, Paula Müller, Anna Pappritz un?
ig Glauben finden Auch der Minister wird sich qu b Uargarete Telschow angehören.
)auer der Ueberzeugung nicht verschließen können, da ihn *Uebe: die angekündigte Novelle zum Patentge
jer ein welfremdes Mundispirg en nmichts mehr hift se telen —RE VIR8 ae e ——
s muß gepfiffen werden! Gut, wenn diese unum— in der gegenwärtigen Session des Reichstages ein Geset
angliche Einsicht bei den Ministern nicht mehr allzulange ent vurf zur Neuregelung unseres Patentschutzes nicht vor—
auf fich warten läßt. Die Leute da oben, die nun ein— zelegt würde, weil zunaͤchst mit Rücksicht auf die Wich
ial dazu bestimmt sind, für's Voltswohl zu sor—⸗ iglest der Frage im Laufe des nächsten Jahres ein Vor
en, sollten nicht durch ihr indifferentes Verhalten ntwurf veröffentlicht werden sollte, damit die beteiligten
och mehr, Zündstoff aushäufen, als ohnehin schon in sreise Stellung dazu nehmen können. Es soll jedoch ir
er Zuft liegt. Das könnte sich noch bitter rächen aächstet Zeit ein Notgesetz zu unserem Patenigeset
s ist durchaus nicht unmöglich, in der Fleischnotfrag dem Reichstage zugehen, das veflimmt ift, die berechüg
r die vielen Millionen, die es nötig haben, eine wesen en Wünsche, die sich auf eine Milderung des geltende
He Erleichterung zu schafsen, ohne daß andere wichtige Vesetzes beziehen, zu erlüllem. Diese Wünsche erstrecken sid
zerufsinteressen dadurch geschädigt werden. Es gehört zuf den AÄussührungszwang, soweit er sich auf deutsch
ur der gute Wille dazu. Möge er bald ernstlich zutage Patentinhaber bezieht. Gegenwärtg sind die deutsche
reten. Bei der Königsberger Kaiserrede-Interpellation ha Inhaber von Patenten teilweise sehlechter gestellt. als di
en die Reichsboten die Absicht, einen neuen Wint mi nuslaͤndischen.
em Zaunpfahl nach oben zu richten. „Babbel nit war *Die Sozialdemokratie hat beschossen, den
———— Ib
Ee J * geordneten Hildenbrandt w'ieder als Kandidaten
iehesmuh wird vergeblich sein. Es ist noch zuviel üür den ersten württembergischen Reichstagswahlkrei
Babbelwasser“ vorrätig, Und das will verbraucht' sein — ———— g Stags
Am 14. Dezember geht der Reichssstag in die Weih g z
achtsferien. Der erste Abschnitt dieser Tagung wird dan *Das Zentrum hat im 85. badischen Reichstags
echt kurz sein. Da wäre es denn gut, wenn manchen vahllreis den seitherigen Vertreter Priva ier Hauser
lbgeordneten, bei dem es vielleicht noͤtiger wäre as an Freiburg als Kandidaten für die nächsten Reichstagswah
erswo, auch ein energisches „Babbel nit“ zugerufen wür en aufgestellt.
e. Wenn die Herrschaften nämlich wieder ihr Mundwer * Der elsässische Abg. Dr. Will (Zir.) hat im Ein
icht zu zügeln vermögen und dadurch Anlaß geben, da' erständnis mit den übrigen Reichsstagsabgeordneten vor
iie kostspielige Zeit des Parlaments, wie so oft, unge ẽlsaß⸗Lothringen, einen Antrag zum Schiffahrtsabgaben
ützt verstreicht. Diese Art Vielreder im Reichstag sollie zesetz gestellt, der gesetzlich festlegen soll, daß eine Anzah
ofern sie schon den Splitter in ander Leuts Auge weg on Wasserstraßenprojekten, die für Esaß-Lothringen vor
perieren will, nicht versäumen, sich auch recht ergiebi— esonderer Wichtigkeit sind, aus dem Ertrage der Rhein
nit dem „Balken der Schwatzhaftigleit“ im eigenen Auge hiffahrtsabgaben hergestellt werden. Falis die Reichs
m diesen etwas hahnebüchenen Vergleich zu ziehen, be egierung diesen Antrag Dr. Wills ablehnt, wollen sfänit
aflen. Sich und uns zum Segen. iche elsaß-lothringische und auch manche Abgeordnete aus
In England siehen Konservative und L'herale meh Baden usw. gegen den ganzen Gesetzentwurf stimmen.
enn je auf dem Qui vive, bereit, einander das politi * Die Handelskammer für den Kreis Mannheim
he Lebenslicht auszublasen. Asquith läßt nicht locken ichtet an den Reich Stag eine Eingabe, in der sie der
ind so wird bald das Volt Gelegenheit haben, zu ent zrwartung Ausdruck gibt, daß der Reichsstag dem Entwur
cheiden, welcher Fahne es folgen will. Wenn die Zei iber die Schiffahrtsabgaben seine Zustimmung
hen nicht trügen, wird es mit dem englischen Oberhauẽ —ersgaen werden.
ald zu Ende sein. Rußland.
Oesterreich⸗ Ungarn geht jetzt auch energisch an die *Der neue russische Botschafter in Paris, Iswolski
zerstärlung der Wehrmacht zu Land und Meer. Das is er Freitag in Paris eintreffen sollte, hat seine Ankunf
uch nötig, denn Deutschland hat bis jetzt meher Rüst im 14 Tage verschoben. Einige Zeitungen deuten an
mgslasten zu tragen, als seine beiden Kompagnons in daß Iswolsli vor seinem Amisantritt noch mit dem Za—
dreibund zusammengenommen. en und Sasonow konferieren will. Man bringt die Nach
Auf der Insel Kreta wurde das Parlament eröff icht sogat in Zusammenhang mit einer gewissen Annähe—
iet. Trotz aller türkischen Proteste wiederum im Namei rung zwischen Rußland und Deutschland und angeblichen
es Konigs von Griechenland. Dieses Verhalten birg Abmachungen in Hinsicht auf Persien, an denen auch
ieue Konfliktsstoffe im Schoße. Die chronische Gefaohr, di Frankreich Interesse hat.
zurch das Zwitterding im Mittelmeer dem Weltirieden
England.
* Premierministe Asquith hielt in Hull ein
stede: In drei Jahren, führte er aus, werden wir uns
nitten in einem der denkwürdigsten Kämpfe der britischer
geschichte befinden. Unsere Partei ist guten Muts; es if
veder eine Spaltung noch eine Rivalität in ihr vorhan
en. Ueberall herrscht Einigkeit, Disziplin, Loyalität und
Vertrauen. Das Oberhaus ist, wie es jetzt ist, ein
berwitterter, verbröckelter Bau, der vom Funda
nent bis zum Dach neu aufgebaut und restauriert wer
den muß. Nicht die Liberalen sind es, sondern Roserbert
ind seine Verbündeten, die dem Oberhaus sein Todesur
eil gesprochen haben. Wir haben uns nach reichlicher Ueber
egung mit Recht geweigert, noch weiterhin Land zu pf⸗
en, weil wir wissen, daß die Lords unsere Gesekesvo.
agen schmählich zurückweisen. Ich bin ein entschiedene
ßegner der Idee eines Referendums, denn es gib—
den Lords in allen Fragen von großer Wichtigkeit di
Macht, die sie schon jetzt für sich in Anspruch nehmen
der Plan der Liberalen läuft auf eine Regierung durd
ine Einzelkammer hinaus. — Lord Lansdowne er
lärte in einer Rede in Glasgow: Die Verantwortlich
eit für den Kampf trefse die Liberalen. Die Unionisten
ürchteten sich nicht, die Herausforderung anzunehmen
MNan erzähle ihnen, es seien 45 Millionen Männer unms
zrauen in Schlachtordnung gegen sie aufgestellt. Aber di
harteien befänden sich in Enaland im Gleichgewicht.
Tuͤrkei.
* Die Regierung brachte in der Kammer eine Vorla
je ein, durch die der Kriegsminister ermächtig
vird, die für irgend einen Titel des Kriegsetats bewil
igten Kredite für andere Zwecke zu verwenden. Dies—
Vßregel wird mit der Neueinteilung der Ar
eekorps begründet.
Persien.
*Der Gouverneur von Enzeli, der zugleid
rtlicher Vertreter des persischen Auswärtigen Amtes isi
zeriej die Geistlichen und die Vertreter der Stadt und for
zerte 552 Volk auf, einmütig gegen die Russen unl
Engrander aufazutreten. Seine Rede wurde küh
azufgenommen.
Angland ... rur ves Vorsitzenden!) Die wah nich
anz ausgesprochene Frage wird unte sagt. Schade d um
der Witz wäre zu schön geworden! Denn in demM o
nent, wo der Engländer und Herr Heine feierlich unt
entrüstet konstatieren wollten, daß so etwas nur in Preu
zen. deileibe aber nicht in Musterengtand möglich sei
lust im gleichen Augenblidc— verprügelten di
Rglischen Polizisten, diese Musterknaben, bei der
xxcawallen in Südwales aufs jämmerlichste ihre eug(
wen, gleichsalls zu neugierigen englischen Jour
talisten! Ganz wie bei uns. Jagow redivivus! Wi—
lauben die diebischeschadenfrohe Miene zu fehen, die Hern
Jagow, der energische Berliner Polizeipräsident, bein
AImpfang dieser Drahtnachricht auffetzte! Ja, ja, man sol
zen Taga nicht vor dem Abend loben!
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*In parlamentarischen Kreisen hält man es für nich
unwahrscheinlich, daß die Regierung im Oktober 1911
eine neue Session des Reichstages eintreten läßt, die bis
zum Januar 1912 dauern soll, wo dann der Reichstacç
geschlossen würde. Die Neuwahlen müßten sich dann un
mittelbar anschließen. Auf diese Weise könnte der Reichs
kanzler den Beginn der Wahlkämpfe bis zum letzten zu
lässigen Zeitpunkt hinausschieben, um während dieser ge
wonnenen Frist seine Sammlungeveatzue ortsetzen 3
löunen.
* Wie verlautet, wird die Petition des Bun
des deutscher Bodenreformer zugun
ten der Reichswertzuwachssteuner in diese!
Tagen dem Reichstag überreicht werden Sie hat bishe
700 000 Unterschriften bekommen. Der Gesetzentwurf übe
die Privatbeamtenversicherung wird dem Reichstag Anfan
Fanuar zugehen.
*Ein „Zentralausschuuß ereutschen Frauen
VBereine zum Kamp;— u Schmutz uni
Schund in Wort und Bild ist in Berlin in ei
ier aus allen Teilen des Woeichs non Frauen und vear
Eine Flucht.
Sine serjame unruyhe ersatßzte ihn. Und dann amüsierte
er sich über sich selbst. Ueber dieses Hangen und Vvangen
jollte er doch eigentlich hinaus sein.
Gott weiß, wie nahe es mir geht, daß Sie durch uns
aichts als schmerzliche Enttäuschungen erfahren.“ sagte
mitten in seine vergnügten Gedanken hinein die Rätin.ng
Atte gehofft, daß Elfriedes Glück auch Ihnen einen neuen
herzensfrühling bringen sollte. Aber leider scheint das
Schicksal es anders bestimmt zu haben. Ich bin in Angs
and Sorge um die Zukunft meiner Tochter
Es war, als lege es sich wie Eis auf Valentins heißes
berz, als müßten die Schläge desselben ausseßen. Stumnm
ragend sah er zu der alten Dame hinüber.
„Ohne mein Wissen hat sie sich verlobt, damals in
bause meines Schwagers. Ohne mir ein Sterbenswor
avon au verraten betrachtet sie sich seit einem Jahre al⸗
orιι. n vens. itqs Weni. nae Ahnung harce, ob
uu ihrem Glück! Bin in tause ten, daß sie sich durch
einen Schmeichler hat betören *
Seit einem Jahre Atrachtet sie sich als Braut,“ hallte
is in Volkmer wieder, jein stark gebräuntes Gesicht erschien
m Moment leichenfahl, das einzige Zeichen, daß er furcht
ar litt. Der sonnige Ausdruck in Elfriedes Braunaugen
as glückliche Lachen, mit dem sie ihn so oft ansah, es hatt
einem Fremden gegolten, einem, mit welchem sie langst Kuͤss
uind Liebesworte getauscht. Und er hatte ihre Lippen für
o keusch und unberührt gehalten, hatte geglaubt, daß ihre
lugen ihm strahlten, an seiner Person Gefallen sanden!
Jetzzt erschien es ihm selbst rätselhaft, daß er solch ein
ingebildeter Narr gewesen! Nichts berechtigte ihn, unter
ausend Glücksgefühlen den Tag zu erwarten, wo die Baro⸗
esse hier als junge, heißgeliebte Frau ihren Einzug halten
»Ite. Was wollten ein paar freundliche Blicke aus leuch
inden Mädchenaugen bedeuten. Sie hatte ihn nur als den
jreund ihrer Mutter betrachtet, als eine Art Hausinventar.
em gegenüber es unmöglich ist, sich in irgend einer Weise
zwang aufzuerlegen.
Venn sie ihn so weltverloren ansah, gedachte sie des
ernen Verlobten, als sie in etwas stürmischer Weise seinen
händedruck erwiderte, vergegenwärtigte sie sich wohl den
heoment, wo sie wieder Hand in Hand mit dem Geliebten
sehen werde.
Die Schuld lag an ihm, an seiner heißen Phantasie, die
m so wonnige Trugbilder vorspiegelte. Freilich schmerzte
ie, Wunde deshalb nicht weniger, und es bedurfte seiner
ollen Willenslraft, um sich hier an dieser Stelle nicht zu
— — —4
veurnunt von Larsen hat es verstanden, Elfriedes gan⸗
es Vertrauen zu gewinnen,“ fuhr Frau von Bittner sort,
b es je zur Heirat kommen wird, weiß der Himmel; sie sind
eide ohne Vermögen.“
Volkmers Mienen hatten ein wenig von ihrer Starr—
eit verloren. „Larsen,“ wiederholte er kopffchüttelnd
Kurt von Larsen? Das ist ja wohl unmöglich.“
„Sie kennen ihn? Nun, undẽ Ich hatte sogleich an
neinen Schwager geschrieben, seine Antwort steht doch aus
dennen Sie den Leutnant persönlich? So sprechen Sie doch
efreien Sie mich von allen Zweifeln!“
Und als Volkmer stumm blieb, schüttelte sie unwillig
en Kopf. „Ihr jungen Leute seid unausstehlicht“
Dann öffnete sie den seidenen Pompadour und begann
ene alte Geschichte zu erzählen, die sich zwischen dem Guts
r von Bittner und der iungen Körttersfrau abgespiel
atte.
Sie legte die zwanzig Tausendmarkscheine sowie dit
lten Schriftstücke auf den Kaffeetisch vor Volkmer hin. Es
ar ihm, als durchlebe er einen beängstigenden Traum.
dur mühsam vermochte er zu atmen.
Unter anderen Verhälinissen würde er das Kapital
ticht zurückgenommen haben, doch was die alte Dame vor
äIfriede berichtete, war bestimmend für ihn.
„Ich habe mir erst am heutigen Vormittag das Gelꝛ
om Bankier geholt,“ sagte Frau von Biliner „und sei
jahren die Zinsen des Kapitals verbraucht. Ich weiß, Sit
nd mir nicht böse deshalb, lieber Volkmer, denn Sie ent
ehren die Tausende ja nicht.“
„Machen Sie sich hierüber keine Gedanken, gnädige
frau, ich bitte Sie inständig!“ Wie gern hätte er r noa
was recht Freundliches gesagt, doch es wollte kein Wor
iber seine heißen, trockenen Lippen.
„Nein, gewiß, nicht, mein Freund. Nun aber ist's aud
öchste Zeit, daß ich die Schuld abtrage. Der Herr Leutnan
ann keine Kaution stellen und Elfriede möchte mich viel
eicht doch aus Liebe zu ihrem Kurt bestimmen, ein ünrech
u begehen. Ich will nicht erst in Versuchung kommen
lus diesem Grunde lege ich Ihr rechtmäßiges Eigentun
eute in Ihre Hände zurück.“
Sie mochte erwartet haben, der Förster werde die
ꝛassenscheine zusammenpacken und in ihren Pompadou
urücklegen. Aber freilich, wer verschenkt denn auch ei
dermögen! Valentin Volkmer war troß seiner treuherzige;
lugen und der weichen, sonoren Stimme ein praktischer
Nann, welcher Geld auf Geld häufte. Für wen wohle E
onnte doch nicht immer Witwer bleiben?
In diesem Moment erhob sich drüben in der Wobustus
— — —
mes, unatteges weschrei. wieich darauf stürzte Hanscher
nit dem, Ruf: „Ich will aber meiner Tante guten Tag
agen!“ in den Hausflur hinein.
Ebenso ungestüm riß er hier die Tür auf und flog mil
8 Worten: „Hast du mir was mitgebracht?“ auf die ali
ame zu.
Sie hatte sich schon erhoben, betupfte mit dem Taschen
uch ihr erhitztes Gesicht und band vor dem breiten Pfeiler
piegel den Schleier über den Hut.
Nun streichelte sie zärtlich den Krauskopf des kleinen
dungen. „Ja, ich habe dir eiwas milgebracht, aber Papt
ewahrt es auf für dich, du kannst es erst bekommen, went
u groß bist.“
Volkmer steckte Scheine und Dokumente in das Kuver
urück und verschloß es in einem Spinde.
Soeben kam Ragina herüber. Sie entschuldigte sickh
abß sie die Störung durch das Kind nicht verhindert habe
Der leine Schelm ließ sich nicht länger zurückhalten,
agte sie freundlich ernst hinzu.
Frau von Bittner hielt noch das Krausköpfchen um
akt. Sie liehte das Kind und auch Volkmer Kand ihren
AzEU r. 2*
Nun sah sie verwundert in das blasse, stille Mädcher.
zesicht mit den wundervollen, dunklen Augen, In lJeuch
ender Reinheit hob sich die Stirn oon dem goldigen Blon
»er Haare ab.
Erst jetzt wieder erinnerte sich die Dame, daß ihr
Tochter von einem Gast im Forsihause gesprochen hatte.
Forschend sah sie von einem zum andern. der Förste.
aber kam jeder Frage zuvor.
„Die Erzieherin meines Sohnes: gnädige Frau, Sie
gen ja, der kleine Unband bedarf unbedingt der leitenden
dand.
Regine verneigte sich tief, doch mit vollendeter Ruhe
und Unbefangenheit. Als Stenographin hatte sie nur mil
jebildeten Menschen verkehrt. Die Formen der Geselligkeil
varen ihr nicht fremd.
Trotzdem empfand sie eine gewisse Ehrfurcht vor der
Dame, deren Perfoönlichkeit von einem Nimbus echter Vor
nehmheit umgeben war.
.Frau von Bittner reichte ihr ein wenig herablassend die
Fingerspitzen. „Durch wen wurde Ihnen Fräulein Elsnet
mpfohlen?“ fragte sie den Förster.
Er kämpfte mit einer leichten Verlegenheit. Die Frage
raf den Nagel auf den Kopf. Er halle sich heute bereits
ie Frage vorgelegi, ob er auch recht daran getan habe, auf
uten Glauben hin eine Fremde in sein Haus aufzunehmen
nd zur Hüter in seines einzigen Kindes zu bestellen.
sxeilich ex. wuste auch daß ein unbedachtes tt. ent
———
teut uns falsch geoeurtet, Me ein xausseuer von Vcund zu
Dtund zu gehen pflegte. Und daher nahm er sich zusammen.
„Fräulein Elsner machte auf mich, als sie fich mir vor⸗
tellte, den Eindruck einer pflichtbewußten Persönlichkeit.
zie wissen, gnädige Frau, daß man auf Zeugnisse und
empfehlungen nicht gar zu viel geben darf.“
Regina sah betroffen in das veränderte, düsterernste
Besicht Volkmers. Er sprach und bewegte sich vollkommen
uutomatenhaft, seine Augen blickten wie erloschen.
Unwillkürlich krampfte sich ihr Herz zusammen. Was
var geschehen? So schaut doch ein glücklicher Mensch nicht
Irgend ein Schlag mußte ihn vernichtend getroffen
aben.
„Es wird inein eifrigstes Bemühen sein, mir Ihr Ver⸗
rauen zu erhalten und Ihre Zufriedenheit stetig zu er⸗
derben, Herr Försfter,“ sagte sie mit sanfter Freundlichkeit.
Der Kleine griff mit der freien Hand nach Reginas
zauskleid. „Habe zwei, drei Tanten,“ sagte er, „habe alle
ieb, Papa auch.“
„Bist ein guter Junge,“ lobte Regina, „kommst nun
uch wieder mit mir in die Wohnstube, wir werden sehr
zübsch spielen.“ Sie stand wie auf Kohlen, in dem beob
chtenden Blick der Rätin war etwas, das auf dem Grunde
»er Seele zu lesen schien.
„Adieu, Tante,“ rief Hans, „grüß auch Tante Friedel,“
—XRX noch ein Kußhändchen und Keß sich ruhig hinaus
ühren.
In diesem Moment kam Dore auf Fußspitzen über den
Flur. Sie blitzte vor Sauberkeit. Ob die Herrschaften
ioch Wünsche hätten, wollte sie fragen. 9
„Bitte, lassen Sie anspannen!“ sagte Frau von Bittner,
ich habe Eile, wieder nach Hause zu kommen.“
Und als sie mit Volkmer allein war, legte sie beide
zände auf seine Schultern. „Ich weiß wohl, daß ich Ihnen
seute weh getan habe. Aber vergelten Sie nicht Gleiches
nit Gleichem. Eine zärtlich besorgte Mutter bittet Sie
Zlauben Sie, daß Elfriede an der Seite des Herrn von
darsen glücklich werden wird?“
Ein kurzes, kaum bemerkbares Zögern des Försters
So wie ich Herrn von Larsen kenne, muß ich bezweifeln,
aß er nachhaltig ein tieferes Empfinden für eine Frau
jegen kann, ich halte ihn für einen Flattergeist.“
IIJch habe nichts anderes zu hören erwartet. Nuu
vie Gott will! Wer kann auch so ohne weiteres die Fäden
intwirren, die das Schicksal spinnt. Vielleicht war dies
kpisode nur geeignet, um Elfriede den Wert desjenigen er
ennen zu lassen, der ihr, so hoffe ich, trotz dieser kleinen
derirrungen de Treue hewobreßn wine —
— — ——