Full text : Dudweiler Zeitung

lang habe sich an anderer Seite fur die Aufrechlierhaltuncç
dieser Abgabenfreiheit bereits ausgesprochen, und er kön
ne sich diesen Ausführungen anschließen.
Frankreich.
Der Gil Blas richtet im Anschluß an die Meldung
daß in der russischen Duma der Abgeordnete Purischle
witz gesagt habe, die französische Regierung
bestehe aus lauter Kanaillen und daß der Präsiden
Butschlow trotz des Protestes der Liberalen diese Aeußer—
ang nicht gerügt habe, an die Minister Pichon und Briand
die Anfrage, was sie angesichts dieser unerhörten Haltung
Butschkows zu tun gedenken.
Brasilien.
868 Paris⸗Journal hat über die Entsendung von Miͤ
litär⸗Instrukteuren eine Umfrage veranstal⸗
let und zwar sowohl in der brasilianischen Legation, als
auch in dem Blatte „Bresil“. Es wurde ihm erklärt, daß
die Regierung von Brasilien es nicht eilig habe, in dieser
Angelegenheit einen Beschluß zu fassen. Die Regierung
werde versuchen Zeit zu gewinnen, umsomehr, weil in
Brasilien in dieser Frage drei verschiedene Strömungen
herrschen. Einerseits würden französische Offiziere ver—
langt, andererseits deutsche Instrukteure und ein dritter
Teil befürworte die Enisendung brasilianischer Offiziere
kach den verschiedenen europäischen Militärschulen.
Mexiko.
*2Die Unruhen, die in Meriko ausgebrochen, sind
augenscheinlich schlimmer, als seit Jahren. Mehrere hun
dert Verhaftungen wurden vorgenommen, wobei es zu Zu
lammenstößen zwischen Truppen und den Revolutionärer
am. Aeußerst blutige Kämpse fanden in Puebla statt,
einer Stadt mit 100 000 Einwohner. nicht weit von der
Btadt Mexiko.

—AßäAA—
Heer und Flotte.
‚Rekrutenunterricht in der Türkei. Im Mili
Pirwochenbial leitt Oberfi Im hof f. der iange Zeit i
hurkischen Diensten gestanden hat, einige Lehren mit, die
mit dem jungen Soldaten vor Beginn seiner Ausbildungç
besprochen werden. Sie sind einer in Stambul erschiene
nen Broschüre eines höheren türlischen Offiziers entnom
men und zeigen, wie eigenartig die Grundlage ist, au
der der Rekrutenunterricht im Osmanenreich sich aufbaut.
Die Themen, die die Basis der individuellen Erzieh
ung bilden und vor Beginn der militärischen Ausbildungç
den Soldaten vorzutragen sind, bestehen zunächst in der
34 Geboten Gottes“ oder den 54 unerläßlicher
sonnn Pflichten. Wir geben hier einige dieser Ge—
ote wieder:
Das Wissen und Erwähnen, daß es nur einen Got.
jibt. — Nur aus rechtmäßig, durch eigenen Fleiß erwor—
benem Gut gefertigte Kleider sind zum Anzug zu verwen
den. Ferner: an jedem Tage fünfmal beten. — Mit Ueber
jeugung daran glauben, daß Gott der Allerhöchste für der
Lebensunterhalt jedes Menschen Gewähr leistet. — Genüg—
am sein. — Ein jeder muß Gottertrauen besitzen. — —
dicht murren über von Gott kommende Unglücksfälle. —
kiemand verleumden oder ihm Uebles nachsagen. — Der
kltern Wohltaten erweisen. — Verwandie besuchen. — An
rertrautes Gait nicht schädigen oder veruntreuen. — Keint
ansittlichen Scherze machen. — Keine sittlich schlechte Hand
ungen begehen. — Niemand verspotten oder lächerlich ma
hen. — Auf türkische Frauen, mit denen man nicht ver
seiratet ist oder auf fremdländische Frauen keine (begehr
icben) Rlicka werfen — Wage und Gewicht ets richli

achen (nicht fälschen). — Nicht stolz und hochmutug
— Keinen Wein trinken, keinen Ehebruch und leine
anzucht mit Knaben begehen. — Nicht meineid g sein. —
krwiesene Wohllaten niemand vorhalten.
An diese 54 Gebole schließen sich noch einige Vor
chrifitsen und Anstandsregeln des Ishams, we z. B
Bom Gähnen, ohne mit der Hand den Mund zu schlieen
om Schneuzen dicht vor einem anderen. — Vom Rekten
ind Sich-auf-einem⸗Sase ausstrecken. — Vom Zudiel-Reden
der Ausspucken bein Spretzen. — Vom zu vielen Schwö
en und von Verjprechungen, die man nicht halten klann
Som übermäßigen Ersftaunenzeigen bei Eintritt irgendei
ies Ereignisses. — Vom Lange-Nage!- und Auffäctig-be
chmutzte⸗Fleidei-Tragen. — Vom Sprechen oder Trinken
ait vollem Mund beim Essen. — Vom Nase- oder Oh
en⸗Säubern m't dem Finger in Gegenwart anderer.
Dann wird der Begriff der mil itärischen Er—
ehunng erklärt und noch auf die Beachung der 6
flichten: Treue, Kriegsbereitschasft, Mut und Tapferleit
Behorfam, ehrendes Benehmen und Kameradschaft auf
nerlsam gemacht. Von einem ehrenhaften Manne werden
t. a. verlangt: Bescheidenheit und gute Sitten, Höflich
eit und Erziehung. Natürliches Schamgesühl und re'igi—
sse Scheu vor Schlechtem. — Achtung vor weiblicher
keuschheit und Tugend. — Würdevolles Wesen, Festigkein
es Charakters, Ernst und Würde. — Gediegener ernst—
nafter Charakter

*
Die neue Technische Hochschule in Breslau.
Am 29. d. Mts. wird in Breslau die dortige
eue Technische Hochschule feierlich eröfsnet werden. Der
kröffnurg wird der Kaiser beiwohnen und werden aus
siesem Anlaß große Felsil'chtetten stat finden

Tannen und alitzernden Baumästen vorüber, beschlich mid
ein seltsames, aus Grauen und Erhabenheit gemischtes Ge
übl — der Begriff der Unendlichkeit überkam mich in die
ser Stunde, die wundervoll, unvergeßlich für mich bleibt
trotzdem ich mich donn bei einbresbender Dunkelhein
ürchten begann“
Elkfriede hatte sich erhoben und nun doch die beider
Nerzen am Klavier sowie die rotverschleierte Ständerlampe
angezündet.
Während sie die Vorhänge schloß, sprach sie weiter, nicht
hastig und übereilt, aber in dem Vvemühen, den Mann und
bem wetterharten Gesicht dort nicht zu Worte kommen zu
lassen, oder doch ihn von dem, was ihn so dief bewegte, ab
uubringen.
Sie vergaß nur, daß alles, was ihre Person betraf,
geeignet war, seine heißen Wünsche zu steigern. Mit einem
lücklichen Lächeln versenkte er sich in die Erinnerung an
sau Stunde.
„Damals trauerte ich noch um meine liebe Tote,“ sagte
er weich, jin dem Moment aber, als Sie die Schwelle mei⸗
nes Hauses überschritten, glaubte ich, der Himmel selbst
sende uns einen Schutzenget. Ich haͤlte Sie harnicht wie
der fortlassen mögen.“
AUnd mir war es, als lande ich direkt im Paradiese
Us ich nach stundenlangem Umherirren die hellerleuchteten
Fenster des Forsthauses erblickte... Ach es war wun ·
derbar traulich bei Ihnen! Hänschen saß im hohen Stühl.
hen und hatte sich ani Kakao so gütlich getan, daß der füße
Mund mit den weißen Zähnen zum Emzücken aussah und
ch nicht widerstehen konnte, ihn zu küssen.“
Wobei Ihr weißes Kopftuch gehörige Flecke bekam. Die
dände des kleinen Unband aber griffen in Ihr dunkles
— auf dem noch die Schneeflocken wie glänzende Sterne
agen!“
„Wie poetisch Sie sein können, Herr Förster! .. Dann
kam der Schlitten mit Mama, welche mich schon von Wölfen
verzehrt glaubte; es wurde ein überaus gemütlicher Abend
und eine alte Bekannkschaft erneuert. Mein Papa haite
so oft und lieb von Ihrer Familie gesprochen, daß Mama
ganz alücklich war, einen von den Volkmers perfönlich ken—
nen zu lernen.“
„Und das herzliche Entgegenkommen jener Stunde hat
sich bewährt bis auf den heutigen Tag. Die gnädige Frau
st mit eine wahrhaft mütterliche Freundin geworden —
Standesunterschiede existieren nicht für sie.“
Elfriede trat an das Klavier. Ihre schlanken Finger
zlitten leise über die Tasten. Ein unterdrückter Seufzei
ob ibre Brust. Welchen Zweck hätte es auch auf unferen

—09
Die imposante, aus einer Reihe von Gebäuden be
ehende. neue technische Bildungsanstalt ist im Lause
iner Reihe von Jahren errichtet worden und bildet nun—⸗
nehr auch äußerlich ein neues, sehenswertes Glied in der
steihe, der vielen Sehenswürdigkeiten von Schlesiens
dauptstadt. Zum Rektor der neuen Hochschule ist Profes
or Dr. Schenk ernanunt worden. dnh
Aus aller Welt.
Selbstmord. Aus Berlin wird gemeldet: In
iiner Konditorei in der Gitschinerstraße nahm sich ein 2
Jahre alter Techniker das Leben, indem er Arsenit ir
seine Schokolade tat.
Anschlag. Im Berliner Tiergarten wurde auf einer
in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen ein Schuf
aibgefeuert. Die Kugel durchschug eine Längsseite des
vollbesetzten Wagens. Glücklicherweise wurde niemand ver
'etzt. Der Attentäter entkam.
8 175. Aus Berlin wird berichtet: Einige Wär—
ser der staatlichen epilepiischen Anstalt Wuhlgarten sollen
ich Verschuldungen gegen 8 175 haben zu Schulden kom—
nen lassen. Der Magistrat hat sofort, nachdem er hiervor
denntnis erhalten hatte, eine strenge Untersuchung der Sa
he angeordnet. Die Angelegenheit wird der Staatsan
valtschaft übergeben werden.
Gerüsteinsturz. Auf dem Neubau des Charlotlen
zurger Elektrizitätswerkes ereignete sich ein schwerer Un
all. Es brach ein Gerüst zusammen und riß eine Anzahl
Arbeiter mit in die Tiefe. Einer der Verunglückten ist sa
chwer verletzt, daß man ihn aufgegeben hat.
Selbstbeschuldigung. Bei der Flensburger Krimi—
ialpolizei stellte sich der aus Berlin gebürtige Lehrling
Steinborn unter der Selbstbezichtigung, daß er be
zem letzten Reiterfest in Flensburg einen Menschen ersto
hen habe. Seine Angaben werden nachgeprüft.
Ein schweres Verbrechen. In Lübeck wurd
in Aufsehen etregendes Verbrechen verübt. In der Woh
ung der begüterten, unverheirateten Rentiere Jensen er
chien ein gutgekleideter Mann, der die Dame zu spreche
»ünschte. Als er der Rentiere gegenüberstand, überreicht
r ihr einen Erpresserbrief, in dem sie aufgesordert wurde
900 Mark zu zahlen. Wenn sie sich weigere, werde si
mordert werden. Als die Dame den Brief zu Ende ge
ien hatte. schrie sie laut um Hilfe und lief den Korri
or entlang, um au ein anderes Zimmer zu fruchten. Ven
zerbrecher eil?e ihr nach und seuerte einen Schuß auf sie
b. Die Kugel traf die Rentiere in dem Nacken und
virkte auf der Stelle tödlich. Inzwischen waren einige
»ausbewohner und ein zufällig anwesender Arzt auf die
hilferufe herbeigeeist und verhinderten, daß der Verbre
her die Flucht ergriff. Dieser versteckte sich in ein Zim—
ner, das der Arzt sofort abschloß. Kurz darauf erschie—
ten zwei Schutzleute, öffneten die Türe und verhafteten
nit vorgehaltenem Revolver den Mörder. Auf der Wache
ntpuppte er sich als der 2jährige stellungslose Kauf
nann Fartmann aus Schwerin. Er war erst vor einiger
dagen nach Lübeck gekommen und hatte sich in der Woh
rung von Fräulein Jensen ein Zimmer gemietet.
Schwerer Unglücksfall. Aus Mailand wird ge
meldet: Im Wasserwert Masino Gei Sondrio) de
Sacieota odroo ettri⸗« no 3zte oin aroßes Druckrohr

Namen zu pochen!l Es wäre ja unklug, sich der Lächerlich
keit auszusetzen!“
„Anderes haben Sie mir nicht zu antworten?“ fragte
Volkmer bebend, indem er sich gleichfalls erhob, „und ich
am, um eine Frage an Sie zu richten.“
Sie winkte abwehrend mit der weißen Hand. „Sie
vollten oft Angedeutetes bestimmt aussprechen, ich weiß
es, Herr Volkmer, fragen Sie nicht, denn — eine Antwort,
wie Sie sie voraussetzen, könnte ich Ihnen doch nicht geben.“
Er sah sie prüfend an. Dann schüttelte er langsam den
stopf. „Ihre Augen können nicht lügen, Elfriede, und die
haben mir mehr als einmal das Geheimnis Ihrer Seel—
verraten. Ich bin Ihnen nicht gleichgültig. Weshalb wei
jen Sie meine Liebe zurück? Aus welchem Grunde knech
sen Sie Ihr eigenes Herz?“
Die junge Dame stand noch immer neben dem Instru—
nent, auf dessen Tasten sie jetzt die Rechte stützte. Ein
chriller Ton, ein Mißakkord, der den Förster wie ein Mes
jerstich traf, ertönte. Elfriedes Haltung aber verriet, daß
ein unbeugsamer Entschluß ihre Worte bestimmte
Ich gestatte meinem Herzen nur soviel Freiheit, als
mein Wille es für gut befindet, Herr Förster. Das, was
in mir nach Vollendung ringt, soll nicht in kleinlichen Ver
hältnissen erstickt werden.“
Er sah sie erstaunt an. „Sie verkennen wohl die
Zröße der Aufgabe, die Ihrer bei uns wartet! Erscheint
8 Ihnen nicht als etwas Hohes, Unvergleichliches, ein un—
nmündiges Kind zu einem tatkräftigen Menschen, zum
MNanne zu erziehen?“
Sie zuckte die Achsel. „Vielleicht bin ich der Aufgabe
ucht einmal gewachsen. Vielleicht auch ist mein Herz trot
Iem zu wenig beteiligt.“
„„Elfriede! Sie treiben ein grausames Spiel mit mir!
tikte, geben Sie mir eine offene, unumwundene Antwort,
Wollen Sie mein Weib werden?“
Ihr Atem stockte unwillkürlich. Wie oft hatte sie sich
im Geiste diesen Moment vergegenwärtigt. Nun war er
za. Und zwar fand er sie ganz unvorbereitet. Und nun
ãumte sich alles in ihr auf gegen den Zwang.
Gewiß, ihre Mutter wünschte diese Heirat und Elfriede
elbst mußle zugeben, daß ihr an Volkmers Seite ein an
enehmes Leben winkte.

Glaubhafte Versicherung. zZSie haben
janze steben Jahre studiert?“ — „Jaz; die sind mir abe—
ur so im Rausche verflogen.“
o

zurch das freigewordene Wasser wurden zwei Häuser weg
gerissen und drei Menschen getötet; das Krafthaus selbsi
st unversehrt geblieben.
Einbrecher beim Sultan. Während eines Festes
»eim Sultan drangen Einbrecher in den Palast ein und
dersuchten, die Geldschränke zu erbrechen Sie kamen je—
doch nicht zur Ausführung der Tat. Der Na ast liegt in
donstantinopel.
Untergegangene Schiffe. Wie aus Heraklea
im Schwarzen Meer gemeldet wird, ging im Sturm ein
zriechischer Dampfer mit 60 Passagieren unter, eben'o lie—
zen Segelscheffe, deren Befatzung umkam. Die genaue Zahl
der Opfer ist noch nicht bekannt.
Eine Frauendemonstration. Aus London wird
emeldet: Eine Abordnung der Anhängerinnen des Frau—
nstimmrechtes versuchte mii Gewalt in den Hof des Par—
amentsgebäudes einzudringen; sie wurde aber durch eine
tarke Abteilung berit ener Poliz stin daran gehindert. Die
Polizei räumte den Platz vor dem Parlament und ver
haftete 84 Frauen.
Crippens Vater. Aus New⸗Yor! wird gemeldet,
daß Crippens Vater in Los Angelos gestorben ist. Er
var seit Crippens Verhaftung. in Not geralen, da sein
Sohn ihn früher unterstützt hatte.
Zoll⸗Unterschlagungen. Die amerikanische Regie—
ung geht gegen die Wollwaren-Importeure Broole u.
50. in New-York sehr energisch vor. Die Zoll⸗Unter—
chlagungen sollen sich angeblich auf 50 Millienen be—
aufen. Eine Reihe von englischen Fabrikanten sind in
»ie Affäre verwickelt, die eine der grödten Unterschlag—
ings-Fälle der letzten Zeit darstellt.
*
Graf Tolstoi.
Petersburg, 19. Novbr. Der Korrespondent der
„Nowoje Wremja“ in Astapowo telegraphierte seinem Blat
ie um Mitternacht, daß bei Toistoi künstliche At
nungen vorgenommen werden mußten. Man befürch
et, daß das Ende nahe bevorstehe.
P ÔXXαÄοαäι&”ä S B WPeleb
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
*Dortmund, 19. Novbr. (Defizit beim west
älhischen Sängerbundesfest.) In der Sitz—
uing des Bundesausschusses des westfälischen Provinzial—
Zängerbundes gab der Bundesvorsitzende, Oberbürgermei
ter Dr. Eichhoff umfangreichen Bericht über den Verlau
»es am 3. und 4. Juli hier stattgefundenen Bundesfestes
Ddas Fest hat in künstlerischer Beziehung einen vollen Er
olg gehabt; dagegen hat es in fsinanzieller Hinsicht nich
en Erwartungen entsprochen. Einer Einnahme von 62000
Mark steht eine Ausgabe von 80 000 Mark gegenüber, so
daß ein Defizit von 18 000 Mark zu verzeichnen ist. Durch
einen Garantiefonds von 8000 Mark wird jedoch das De
rizit auf 10 000 Mark herabgemindert. Erfreulicherweise
tehen weitere Zeichnungen zum Garantiefonds von Gön
nern des Bundes bevor, sodaß auch diese Schuld in ab
sehbarer Zeit getilgt wird. Schuld an doem schlechten fi—
nanziellen Ergebnis waren ungünstiges Wetter und das
stennen am ersten Tage.
* Borghorst (Westsalen), 19. Novbr. Den Sohn
erschlagen.) In der vorvergangenen Nacht erschlug
eine 60 Jahre alte Witwe nach vorhergegangenem Wort—
wechsel ihren Sohn mit einem Holzfstück. Der junge Mann
war sofort tot. Die Tat soll in Trunlenheit gescheher
ein.
*Bochum, 19. Novbr. (Fgur Fleischnot.) Der
Magistrat beschloß den Bezug dänischen Fleisches zur Lin—
derung der Fleischteuerung. Die hiesige Metzgerinnung
hat die Uebernahme des Verkaufes irotz der Garantie des
Magistrats abgelehnt.

*
Das schlechte Weinjahr.
Alt⸗Breifsach, 19. Novbr. Auf Veranlassung
und in Anwesenheit des badischen Minister des Innern,
Freiherrn v. Bodmann, sand im Rathause zu Alt-Brei—
ach eine Versammlung der weinbautreibenden Gemeinden
im Kaiserstuhl statt, welche von 70 Personen, darunter
dandeskommissär Fehrenbach, Oberamtmann Jakobi, d'ie
Reichstagsabgeordneten Dr. Fehrenbach (Freiburg) und
Dr. Ernst Blankenhorn (Mülheim) besucht war. In sei
tem Eröffnungswort forderte der Minister die anwesen
den Bürgermeister auf, ihre Klage über die Notlage de
Veinbauern ungeschminkt vorzutragen. Von der Auffor
derung wurde in der Aussprache ausgiebiger Gebrauch ge⸗
nacht. Uebereinstimmend erklärten alle, daß die Notlage
n den vom Mißherbst betroffenen Gemeinden eine sehe
große sei und Staatshilfe unbedingt am Platte
voäre. Es wurde Steuernachlaß, unverzinsliche Darlehn,
Beihilse zur Beseitigung von Rebschädlingen gefordert.
der Minister versprach nach Prüfung der Sachlage Stun—
ung event. Nachlaß der Einkommensteuer, Zusicherung von
darlehen zu niedrigen Zinsen, Unterstützung gegen Reb—
hädlinge, Förderuna der Belehrung im Weinbau.
—ßASäSSSEIäIALL————
Die Moabiter Krawalle vor Gericht.
(Sechster Verhandlungstag.)
Bei seiner weiteren Vernehmung als Zeuge siellt Po—
imainax DDLeiu uf Bofraagen des Marukenden sesß

Kunft und Wissenschaft.
Prof. Mathias Schmid.
Zu seinem 75. Geburtstage.
Professor Mathias Schmid, der bekannte Maler des
Tiroler Volkslebens, feiert am 24. d. Mits. seinen 75. Ge
purtstag. Geborener Tiroler kam er 1853 als Vergolde
aach Munchen ud besuchte dort später die Akademie, un
ich dann * ö TL 2u widmen 863 tra

7

——EE— — 5
die Schule Piloros ein und malte dann nach den

11

zaß es sich bei den Moabiter Krawallen nicht um
agel und Mob, iondern um Arbeiter handele. Der
chindert dann die weitere Entwickeung der Dinge.
lbeid des 26. September zu so schweren Ausschreit ug
eführt? haben. Gegen abend entwickelte sich in den Stra
en Moabits. besonders in der abgesperrten Siclingersti
in sehr lebhaf'es Treiben. Es sammelten sich große Me
chenmengen, die zunächst von den Mannschaften zersire
wurden, ohne daß die Waffe gebraucht wurde. Alle Ar
jorderungen, die Straße freizugeben, wurden durch Joh
eantwortet. Aus den Destillationen strömten fortge'e
iele Menschen heraus. Es ertönten Schimpfworte wi—
Spitzbuben“, Bluthunde“ usw. Es wurde mit Steineng,
worsfen. Von Balkons und Eckfenstern wurde Sand he
antergeworfen, Wasser herabgegossen, kurz es wurde
ner kritischer. Leutnant Folte erhielt den Befehl, mit
Ddann und Berittenen die Straße zu räumen und né
dreimaliger vergeblicher Aufforderung mit der Waffe on
sachsicht vorzugehen und die Menschen zurückzutreiben *
ser Befehl wurde ausgeführt. Abends wurden Lateri
zerstört, der Feuermelder wurde beschädigt und mißbräu—
iich benutzt. Es wurde gemeldet, daß in der Reforma
onskirche Fenster eingeworsen worden seien, und daß
Charlottenburger Schutzmann, der sich vor der auf ihn
or'ngenden Menge in ein Lo'al ceflüchset hatte, in h
ster Lebensgefahr schwebe, kurz es herrschte völlige Al
chie. Nur der Dienstfreud g'eit der Offiziere und Mam
schaften und ihrer Bereitwirligleit, alle Befehle zu erfü
len, sei es gelungen, de Ordnung wieder herzustellen.
Polizeileutnant Fohte bestätigt im allgemeinen di
darstellung des Potizeimajors Klein. Er betont, daß
viederholt das Publikum gebeten habe, weiter zu gehen
eAls Antwort sei stets Johlen und Pfeisen und ein Hage
von Steinen und Kohlenstücken erfolgt. Als er in der Si
ingerstraße den Leuten zurief, sie sollten doch verständi.
sein und weiter gehen, sei als Antwort ein Granitstei
dicht an seinem Kopf vorbei geflogen und habe leider e
nen alten 60jährigen Mann getroffen, sodaß dieser zu Be
den stürzte. Die Menge sei dann auf ihn eingedrunge,
und habe behauptet, der Mann sei von einem Berittene
umgeritten worden.
Nach eingehender Fragestellung des Vorsitzenden un
der Verteidiger erfolgt Vertagung.
*
—
Samstag Vormittag wurde unter anderen der Poli
zeileutnant Bismarck als Zeuge vernommen. Er be
kundete, daß unter den Ausschreitenden anscheinend eir
traffe Organisation geherrscht habe. Wenn die Polize
aingeschritien sei, seien die Massen zurückgewichen, sobal
iber die Schutleute den Rüclken gewandt hätten, wärc.
die Tumultuanten auf das Zeichen eines schrislen Pfisf
zufs neue gegen die Schutzmann'chaft vorgezogen.

Von der Luftschiffahrt.
Prinz Heinrich als Aviatiker. Sonn
ibend vormittag hat Prinz Heinrich von Preußen au
»em Griesheimer Uebungsplatz bei Darmstadt die von de
nternationalen Foederation geronautique geforderten Be
ingungen zur Erhaltung des FlugschifführePatents vo
en offiziellen Zeitmessern des deutschen Vujftschliferverban
es auf einer Euler⸗Flugmaschine erfüllt.
Graf Zeppelin in Aterikea. Wenn das
Zzchicksal es dem Grafen Zeppelin ertzöziicht, einen lang
sehgten Wunsch zu erfülten, so werden die Kmerilaner in
hrem Heimatlande Gelegenheit haben, den deutschen Mei
ter der Luftschiffahrt zu begrüßen. Der Pruder des Gra
en, Hugo von Zeppelin, der gegenwär!'g eine Reise durd
Amerika unternimmt, hat in New-Parf den Wunsch de—
Meisters vom Bodensee verraten, des Land wiederzuse
gen, in dem er zuerst im Lufstballon einen Aufstieg un
ernahm. Es war während des Sezessionskrieges, al—
graf Zeppelin mit dem verstorbenen Karl Schurz in er
tem Fesselballon aufstieg, um Truppenbewegungen au be
bachten

Eine Zahnarztrechnung von 18168. VBer „Rh
aisch⸗Westfalische Anzeiger“ brirgtseenen getrenen Nachdru
iner orig neslen „Warnung“, die im Jahre 1810 in ein«
Nummer der „Allgemeinen politischen Rachrichten‘. di
während der „Franzosenzeit“ in Essen erschien, enthalter
var. Die Anzeige lautet: „Umterzeichneter glaubt der
Dank des Publikums zu verdienen, wenn er hierdurch öf
entlich vor den sich gegenwärtig in Werden aufhaltende
Zahnarzt David Herz, wohnhaft in Dortmund, insoferr
varnt, als es dienlich ist, mit demselben vorher einen Ak
kord abzuschließen, bevor er seine Kunst anwendet. Sel
ziger verlangte nemlich von meiner Frau für einige aus
zerissene Zühne, nachdem sie ihn obendrein zum besten be
wwirthet hatte, zwei Carol'n zur Bezahlung, und nur nad
oieler Ueberredung ließ er sich einigen Abzug gefallen
Baldeney bey Werden, den 23. Oktober 1810. Vogel
ang.“ — Eine Carolin war eine Goldmünze, die sech
chweren Talern oder elf rheinischen Gulden, in heut
em Gelde annähernd neunzehn Mark, gleichkam. De
ahnarzt hatte also für einige Extraktionen etwa
Nort gefordert — trat der aιανα durch fein Opiet.
——

Zeispele Defreggers seine Motwe aus dem Tiroler Volks
ebenn. Seine prächtigen Volks- und Genrebilder sind all
emein bekannt geworden; auch hat er bedeutende Altar
ilder für Münchener und Passauer Kirchen gemalt. Prol
Schmid hat seit Jahreyr seinen Wohnsitz in München au
geschlagen.

Oο

Arbeiterbewegung.
Die Ausstände in Portugal. Außer der
Ztraßenbahnern sind auch die Schuhmacher sowie die An
estellten der Mühlengesellschaften von Lissabon und
Sacavem in den Ausstand getreten. Die Gasarbei
er und Beamten drohen ebenfalls zu streilen. Die An
gestellten der Dampfergesellschaft, die den Verkehr mi
zem linken Ufer des Tejo besorgt, traten ebenfalls de
Bewegung bei. Der Streik der Korkarbeiter nimmt siet
zrößere ÄAusdehnung an. Die Löfung dieser Fragen i
ußerst schwierig, da meist auch internationale Interessen
erührt werden. Die Zensur unterdrückte alle auf die Aus
ände bezüglichen Mitteilungen.

ve — — — — R
RB—
Zunles Allerlei
—R o — —8X
Das Haar der Frauen aus deo Bre
bagne. Unter den vielen sonderbaren Gebräuchen, welche
die Bauern der Bretagne auszeichnen, erzählt Weld in
seinem Buch „Vocation in Brittany“, ist nichts merkwür⸗
diger als die Haartracht, denn während die Männer
ange Flechten tragen, die bis auf ihre Taille hinunter⸗
zängen und ganz stolz auf dieselben sind, zeigen die
Frauen nicht eine einzige Locle, und das Mädchen, das
ich durch die Schönheit ihres Haares verleiten ließe, ein
Strähnchen uunter ihrer enganschließenden Mütze heraus⸗
zlicken zu lassen, würde nicht allein jede Moglichkeit auf⸗
zeben, je einen Liebhaber zu haben, sondern fich noch
iberdies, als kokettes Frauenzimmer um W Ruf ihren
Ehrbarkeit bringen. Diesem sondervaren Gebrauch veroat
ten übrigens, wie Weld in seiner Randglosse beifügt, viel
Londoner und Pariser Damen das prächtige Haar, dae
war ihre Köpfe ziert, aber urspruünglich in den Wildnii—
en der Bretgane gewachsen ist
            
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