Full text : Dudweiler Zeitung

sar. 266. 23. Jahrganq.
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scheint gegenwarng varin zu gipsfein, daß man einen We aige, welcher der Strafversolgung entgangen ist, einen Von
Wochen⸗Rundschau. ucht, der es ermoͤglicht, den Schein weierer veeee ng vor dem genießen, der die Strafe verbüßt hatkl Vo
Nur noch wenige Tage und der stolze Bau am gen zu wahren, um nicht gleich in den alten Kriegszustam illem aber wäre es dringend zu wünschen, wenn de
königsplatz öffnet unseren Volksvertretern wicder die urückzufallen, auch wenn man geringe Hoffnungen au' Reichstag mit dieser dringlichen Reform nicht erst auf di—
ßforten. Die „Sauregurkenzeit“, die in diesem Jahre in— einen endgültigen und ganzen Frieden hal. Da sich her Neuorditung des Strafrechts, auch nicht auf die Initiati
olge allerlei wichtiger Ereienisse nicht so recht zum Vor—⸗ usgestellt hatte, daß auf einen ba digen Ausgleich nich de der Regierung wartet, sondern im Rahmen der Straf
chein treten konnte, ist nun also endgültig vorüber und nehr zu rechnen war, wurde von tschechischer Sene de prozeßresorm schon jetzt aus der halben Arbeit der Kom
as politische Leben steht im Zenith der Regsamkeit. Am Vorschlag gemacht, eine nationalpolitische Kommission, di nission ganze Arbeit machen würde.
2. November findet die erste Sitzung statt, die eine neben— in dem Abschluß des Ausgleichs weiter arbeilen soele — e— ——
ächliche Tagesordnung aufweist. Das mag manchem ver— inzusetzen. Tiese Kommission sollte in Permanenz erklär Politische Rundschau. d
vunderlich vorkommen, ist man doch allgemein der An— verden. JInzwischen sorlten aber die Deutschen die Steuer Deutsches Reich
icht gewesen, daß gleich die erste Sitzung den heiklen vorlagen im Landtage passieren lassen, unm der Finanz * Die Arbeiten der ie i werden wie in pa⸗
pbunkt der Wahl eines zweiten Vizepräsidenten zum Ge— misere des Landes ein Ende zu machen. In ihrer am amemashenesen 86 si wre
gnstand bahen wirnd. Dem ist jedoch nicht so. Da fich Dienstag abgebaluenen Vertammilung haben Fun di nem Zusanimentritt voraussichtlich so eslalien daß ar
ie Amtsniederlegung des Prinzen Ernst von Hohenlohe— deutschen Abgeordneten mit einer Mehrheit von zwei Stim — 3 —*8* Ade an cleilug 6G—
Laugenburg in den Parlamentsferien abgespielt hat, nen beschlossen, in die Einsetzung der nationalpoliuischer —8— — Au r —28
onnten die Fraktienen zu der Präsidentenfrage noch nich! sNommission zu willigen, ihr aber einen Endtermin bis 58 e ————— ereen
‚tellung nehmen, und das ist der Grund, weshalb die zum 20. Dezember zu seben. Sollten bis dahln die Aus den. Man rechnet mi der Sinbringung don ene
euwahl erst auf eine spätere Sitzung angesetzt werden Ieichsverhandlungen ein günstiges Resultat ergeben, siu nen ͤber die Feg eergene —5
»ird. Wer der Anwärter auf diesen Posten ist, weiß man dären die Deutschen beren gewesen, auch die Steuervor Men ayerd e e 6* ie Sau
erlaufig noch nicht. Wahrscheinlich wird es aler en agen zu bewilligen. Von den Tschechen ist dieser Vor ——— die Tebane über ra⸗
Nitglied der Reichspartei sein, da ja die Nationallibera— chlag abgelehnt worden, und wie es scheint, sind die Deut iffahris — —— x
en hren ablehnenden Standpenkt nicht aufgeben wollen. chen bereit, nun auch noch ein weiteres Zugeständnis zr qusfichtlich uͤber dn —28* e ersirraen wird. *
der Reichstag, der diesmal wieder außerordentlich sput nachen. Außenstehende haben kein Recht, ihnen anders z 34 — ee e P ee —8 *
usammentrist, hat bis zu den Weihnachtsferien nut etwa aten. Und vielleicht ist das nachgiebige Verhalten, aucl eh di g7* n eedde 8 n e
prei Wochen für seine Beratungen zur Veifgung, so daß abgesehen von der unmittelbaren Wirkung, ein Bewei— *Wie ein Berliner Blatt an en * 8
in deser Zet selbst bei allem Fleiß nur kinen kleinen politischer Klugheit, insofern einmal allen, die nicht ab e Vee n Fersper a eerd en 58
eil senes großen Pensums bewaligen kann. Um'omehr sichtlich blind sind, gezeigt wird, wer an der Fortdauer der p ereene ewhl
a in diesen ersten Tagungsabschnitt einige Interpellatio verderblichen nationalen Händei in Böhmen wirklich die ane e scee zu a n g pn
en fallen dürften, die unler Umständen einen recht ftür Schuld trägt. b4 in sehr erhebucher Bleichten des Verghaubetriebes in Ma
aischen Verlauf nehmen werden. So ist von sozig demo eẽ any sen ae wichnger dadedensh e Aberlasfen erden
ralischer Seite eine Juterpellation über die Koͤnsgsberger reignisse. er Verjassungskampf, der alte Strei * *
daiserrede angekündigt, und möglicherweise wird auch der schen den Liberalen und den Konservativen, in welchen * Der i Vuheae — Sass Irg
berkauf des Tempelhoͤser Feldes schon vor der Etatsbe durch den Tod des König Eduard vorläusig eine Art Wa 38 peæe er —* Lndn 33 — mitgeleitn
atung angeschnitten, vielleicht auch die Moabiter Krawalle fenstislstand eingetreten war, ist wieder in vollem Gange an F uder 9— aurpfusereigesen meh Er verbieie.
ur Sprache kommen. Im übrigen wird die Zeit bis zu die beiden Gegner haben in der Zwischenzeit anscheinen en a de nnn er— e —* —ÊÑÇ
den Weihnachtsferien in erster Reihe durch die erste Les. leue Kräfte gesammelt, und so kann es also wieder such ie psusie ipe n eee
ing des Etats in Anspruch genommen werden, der mit röblich in den Wahlkampf gehen. König Georg hat das zs —Asc. e —— J— Ziern daen
»en programmäßigen Neufocderungen für die Flotte und Lerlangen Asquiths, die Macht der Lords durch einer m approbierte Aerzte zu sein, diesen Gewerbebeiriel
poraussichtlich auch mit den durch das neue Friedensprä heersschub zu brechen, nicht er üllt, und so gibt es nun eeon e 8 —
ienzgesetz, welches an die Stelle des am 31. März 1911 ineit Ausweg: die Demission des Kabinetts. Da sich he Verhaͤltnisse und ihre Vorbildung Auskunft zu geben
ablaufenden tritt, bedingten Militärforderungen dem Reichs mter den gegebenen Verhältnissen ein überales Ministe ind Geschaftsbücher z0 führen haben. Verbolen ist ihnen
age Anfang Dezember als mehr oder minder unwillkom— iun nicht bilden läßt, bleibt also nur ein konservatives die Behandlung uf brieslichen Wege, die Behandiung
nene Weihnachtsgabe zugehen wird. Die Abgeordneten brig und wahr'cheinlich würde Herrn Balfour die Auf „on Geschlechtskrancheiten, die Anwendung der Nartosi
jaben sich also über „Arbeitslosigkeit“ nicht zu beklagen. jabe der Kabinettsbildung zufallen. Da nun aber in zypnose und die Behandlung mittelst mystischer Verfah
Es wäre wünschenswert, wenn der übliche Redeschwall kugland das Minisserium zuͤm Regieren. nicht nur das V Unter gewissen Vorausfetzungen kann ihnen der Ge
positiver Arbeit den Platz räumen würde, sonst besteh! zertrauen des Königs, sondern auch eine Parlaments derbebeirieb überhaupt unterfagt werden. Ver Gesetzent
keine Aussicht, daß der Reichstag die Unmenage Arbei nehrheit im Rücken haben muß, würden die Konservan vurf enthält weiler Vorschriflen über die Einschranium
ewaliigt. — en noch einmal durch Nenwahlen ihr Glück versuchen müs »es Verkehrs mit Geheimmitteln. Zu diesem Zweck sol
Das sensatione!lste Ereignis der Woche ist die Wel en. Wenn aber den Liberalen wiederum die Mehrhei eim kaiferlichen Gesundheitsamt eine besondere Kommis
lenflucht Tolstois, des greisen russischen Dichters. De ufiele, was sehr wahrscheinlich ist, was dann? Man sieh ion gebildet werden, die Einschränkungen oder Unter.
alte Graf erllärte, daß seine und die Lebensme se seine hne weiteres, daß dieser Verfassungskampf nicht sc ahungen dieses Verkehrz für“ den Bundeern begur
Un gerung auf dem Guse Jasnaja Pol ana sich mit de infach ist, und daß John Bull noch in manchen sauren iet Das war im ganzen und großen der Inhalt des
von ihm gepredigten Ideen nicht vertrage. In Wirklich lpfel beifen muß, ehe wieder normale Zustände erreich maligen“ Gefebenlwurses
leit aber scheint Tolstois Geisteszustand nicht mehr gan ein werden. Also, unsere britischen Vetean' haben aus * Der medlhen zae gißche Landtag ist er
intaklt zu sein. Jetzt liegt der Wel enflüchtling schwer er bre Last! zffnet worden. Eingegangen ist'n Restript der Schwe—
krantt darnieder Wenn auch die Aerzte noch nich Die Spannung zwischen Spanuien und Marokko, Regierung — wird, daß die V'er
alle Kosfnung aufgegeben haben, so hüngt doch sen Le zie in letzter Zeit wieder bedrohlich zu werden schien, iss — —— ndn 9 Roveniber1900 den
hen nur noch an enen Faden. Die robuste NRatur Tol »urch einen Vertrageitigt worden. Spanien bekommt Landtag wieder zugehen — und zwar zunäachsi zu
stois sträubt sich nach Kräften gegen den Verfall, aber da urch diesen Vertrag die Verwaltung und die wirtschaft —— den een Beraung. Ferner ist den
Bedenliche lieat darin. daß er meitt hewuztsos darnied- iche Ausbeutung des von ihm besetzien Riffgebietes voll — eraes e ee
ien tändig und dauernd in seine Hand. Auch die Dauer der zesetzgebung zugegangen, welcher progessive Einlommen
nilitärischen Besetzung des Riffgebietes wird vollständo teuer und Ergänzungssteuer vorsieht. Außerdem sinl
n das Ermessen Spaniens gesietlt. Frankreichs Beispie! Vorlagen eingegangen uüber Gebaltserhöbungen der Be
cheint also auch im Lande der Stierkämpfe Schute ge— amten.
nacht zu haben. Es sucht halt ierer sein Schaͤfchen mg *Die konservative Fraktion des Reichstages
rrockene zu brir ver beabsichtigt angeblich, eine Interpellalion einzubringen, ol
die Regierung Maßnahmen geiroffen habe, daß durch die
bei der in einzelnen Bundesstaaten erfolgten Oesfnung der
Hrenzen für ausländisches Vieh die Interessen der deut
chen Viehbesitzer gegen Seuchengefahr geschützt werden
Oesterreich⸗ Ungarn.
* In der österreichischen Delegation beantworteie der
Minister des Aeußeren, Graf Aehrenthal, die Im
erpellation Erxner betrefsend die Abgabefreiheit der Elbe
chiffahrt. Er wies darauf hin, daß die Abgabesreihei
uUrch internationale Verträge aarautfiert ist. Die Regier

SßS— —

wieder vejeingt hyat. CGin ahnliches Geschick hat der Ver—
uch der Kommission gehabt, die feit langen Jahren ge⸗
orderte Resorne der Vortstrafenkontrolle in Fluß zu brin—
jen. Zuerst wurde mit beherztem Anlauf ein frellich nicht
jerade sehr glücklich ormulierler Beschluß gefaßt, der eine
Löschung der Strafen in den Strafregistern nach einem be
timmten Zeitranm fordetrte. Zum Schluß begnüg‘e man
ich aber mit einer Resolution, die den Reichskanzler er—
ucht, „eine Reform der Vorstrasenkontrolle in die Wege
n leiten, um den Härten entgegenzuwirken, die darin be—
tehen, daß die Vermer!e über Verurteilungen in den amt—
ichen Listen verbleiben, auch wenn seit der Verbüßung
»der dem Erlasse der Strafe ein längerer Leitraum ver
trichen ist.“
Ueber die Berechtigung dieser Forderung braucht woh!
aum noch ein Wort verloren zu gehen. die Art, wie
heute in der Gerichtsverhandlung nicht blos bei den Am
zeklaglen, sondern auch bei den Zeugen vielfach das Vor—
eben durchforscht und etwaige längst gesühnte „Schuld und
Fehle“ in die Oeffentlichkeit gezerri werden, ist trotz aller
Bemühungen müsder Rich er, diese Ermitteung der Vor
trafen in möglichst schonender Form vorzunehmen — Be
mühzungen, die eben en den Vorschriften der Strafprozeß
»rdnung scheitern — als ein Ueberbleibsel aus überlebte
Zeit zu bezeichnen. Die Zivilprozeßreform erkennt den
Zeuten ein Zeugnisverweigerungsrecht bei Fragen zu, de
ren? Beantwortung ihm zur Unehre gereichen würde, wäh
tend in die Strafprozeßordnung eine derartige Bestimm
ung nicht aufgenommen wurde, weil man dadurch die Er
orschung der Wahrheit zu erschweren fürchtete.
Wir wissen es nicht blos aus einigen ergreisenden
Dramen, sondern auch aus der nicht minder sensationel en
Praxis, welche tragischen Folgen diese Ermittelung der
Korstrafen, bei welcher der Eiser des Richters häufig noch
zurch die Gegenpartei aus leicht begreislichen Gründen
ibertzumpft wird, schon oft genug gezeitigt hat. Wie
nanch einer begeht in seiner Jugend aus Leichisinn, aus
hangel an Ueberlegung eine strafbare Handlung, die er
päter tief bereut, deren strafrechtliche Ahndung ihm abe:
dank der Instimtion der Strafregister sein ganzes Leber
zindurch als Malel anhastet. Uns ist ein Fall bekannt
n dem ein Handwerksmeister wegen Mißhand ung seines
Lehrlings angeklagt und übrigens freigesprochen wurde
In der Verhandlung wurde festgestellt, das der Angeklag
e vor Jahrzehnten wegen Bettelns und Vagabondieren?
zestrasft worden war. Der Mann war eben auch einma
echtender Handwerksbursche gewesen und hatte dabei Peck
jehabt. Daß es eine durch nichts gerechtferigte Grausanikei
st, derartige Entgleisungen unauslöschlich duͤrch die Straf
egister zu führen, darüber sind heute wohl alle einig.
Auch die Strafprozeßkommission des Reichstages, wi
a ihre Stellungnahme gezeigt hat. Weshalb sie sich trotz
em nur mit einer Resolution begnügte, darüber hat mar
is jetzt noch nichts genaueres erfahren. Vielleicht ist der
zrund der, daß auch der Vorentwurf zum neuen Straf
esetzbuch eine Rehabilition der Bestraften vorsieht. De
3 50 dieses Entwurfes ermöglicht naͤmlich die Wieder
einsetunng in diejenigen Ehrenrechte, die der Verurteilt
zurch seine Bestrafung verloren hat, und die 538 51
52 ordnen die Löschung der Strafen im Strafregister —
hei Erwachsenen jedoch nur dann, wenn es sich nicht um
zuchthaussirafen oder Gefängnis oder Haft von mehr als
rinjähriger Dauer handelt — unter der Voraussetzung an
daß der Verurteilte sich innerhalb der Bewährungösfris.
„ehrenhaft geführt und einer besonderen Berücksichügung
würdig gezeigt hat, den durch die strafbare Handlung ver
ursachten Schaden wieder gutzumachen“. Der Zeitraum,
iach dem die Löschung im Strafregister erfolgen kann
»eträgt, wenn die Strafe drei Monate Gefängn's odern
daft nicht übersteigt, bei Jugendlichen mindestens zwei
zei Erwachsenen mindestens fünf, im anderen Fall fün
zezw. zehn Jahre.
Man wird auch diese Bestimmung nicht als weitge
jend genug erachten können, sondern daran festhal'en müs
en, daß ehenso, wie die Verfolgung jeder Straftat in be
timmien Fristen verjährt, so auch für die Löschung jede
erbüßten Strastat im Strafregister eine entsprechende Ver
RFM ν Fιια ü 2626 tatir —*

Die natignalpolitischen Berhandlun
gen, die zwischen Deutschen und Tschechen ge
genwärtig in Prag geführt werden, sind wieder an einen
lritischen Pun?te angekommen. Die Tatsache, daß jedes
mal, wenn ein Scheitern der Aus zleichsbestrebungen droht
neue Vermiltiungsvorschläge au tauchen, zeigt allerdings
wie schwer man sich entschließen kann, diesen Versuch, de
vor einigen Wochen hereits sehr hoffnungzvoll zu sei
chien und woahrscheinlich heute schon zu einem posi ive.
Ergebnis geführt hätte, wenn nicht Herr Kramarsch und
ie radtkalen Tschechen sich in die Beratungen eingemeng:
ätten, ganz als mißlungen aufzugeben. Daraus könnse
nan nun wirklich einige Hoffnung auf ein Gelingen des
Werles herleiten, aber was man an taifichlichen Ergeb
issen der Konserenzen konstalieren kann, ist au erordeut
ich dürftig und kraltias Alte rinit dea Werhandoelné

Eine Flucht.
Zie Irau diat e D, um uber die auf dem eichenen
Eßtisch liegende verbirchene Plüschdecke ein weißes Damafi—
tuch zu breiten.
.7Du urteilst wie immer vorschnell und lieblos. Es
könnte immerhin sein, daß die Volkmers dem Baron vilt—
ner einst eine große Gefälligkeit erwiesen hätten, einen
Dienst, den man ein Menschenalter hindurch nicht vergißt
Ber mag es wissen, dein Valer deutete zuweilen dergleschen
en.“
Elfriede bewegte verstimmt das ideal schöne Köpfchen.
Wohin sich deine Phantasie verirrt, Mamal'... Aber zu
welchem Zweck deckft du sorgfältig den Tisch, erwartest du
daffeebesuche
„Volkmer wollte mit seinem Jungen auf ein Stünd
hen kommen. Sei gut gegen n, Friedel, er kann in sei—
ger gänzlichen Vereinsamung ein wenig Zutraulichkeit
drauchen.. Nuch nmit dem keinen Hans mußt du Ge—
duld haben, es ist zu deinem Vorteil.“
⸗Du hättest mich auf diesen Besuch früher vorbereiten
ollen, Mama!“ dDie iunge Dame traät' vor den Spiegel
nd musterte ihr tadellos frisierles Haar, das weiße Gesicht
nit dem zarten Rosenhauch auf den Wangen.
Rasch pflückte sie von einem der im Blumentisch stehen⸗
en Alpenveilchen ein paar weiße, mit zartrosigem Rand
erngene Blüten und befestigte sie in dem dunklen, schim⸗
»ernden Gelock.
Aeber dem Hauskleide von hellgrauem Mohair trug
geinen weißen Spitzenkragen, der den schlanken und doch
len, schneeweißen Hals frestseß Eie Tändelschürze mit
lLolauen Schleifen vervollständigte den ebenso einfachen
eschmackvollen Hausanzug.
Bährend sie der Mutter hilfreich zur Hand ging, war
Stürmen in ihr, von dem die alte Dame keine Ahnung
. Wer konnte auch vermuten, daß die schlanken, wer
Finger, die so gelaffen die Kuchenstückchen in der Schale
aeten, am liebsten die Tassen zerbrochen und alles zu
len geschleudert hätten, um nur einen Ausweg aus dem
»mma zu finden, in dem die Seele sich befand.
Ind es blieb ihr nicht einmal Zeit, ihr Inneres zu be—
Htigen oder guch nur einigermaßen ihr Gleichgewicht
ückzuerlangen, denn schon ging die Hausglocke und gleich
rauf wurde an die Stubemür geklopft, eine Kinderhand
es, die mit dem Faͤufichen anpochte.
Buten Tag, Herr Foͤrster.“ sagte draußen die Dienst⸗
„ja, die Damen erwarten Sie schon und der Kaffee
uch fertig. .. Komm, Säuschen, du muß erst ablegen,
e dur hineisaeßt

—A——— hinaus⸗
ꝛilen. Aber der Trotz in ihr siegle. Eigentlich gehörlen
voch jene drei zusammen, die Magd, der Förster uͤnd sein
Sohn. Ein einfaches Dienstmädchen heiratet wohl einen
Förster — eine Baronesse Bitiner konnle andere Ansprücht
erheben. Es war überflüffig, sich einer so ominösen Au—
gjelegenheit wegen zu echauffieren.
Sie blieb auf halbem Wege in der Mitte des Zimmers
sttehen, und schon hatte ihre Mutier geöffn den klei—
ien Försterssohn hereingerufen.
„Komm nur, Hänschen, brauchst die F nicht sovie!
abzureiben. Goitchen, solche eiskalte Hände, bist ein rech
tes Frostkücken, Junge!“
„Ihm fehlt die Mutter, gnädige Frau,“ sagte in diesem
Moment eine sonore Stimme.
Förster Volkmer war über die Schwelle getreten. Hochs
und kraftvoll gewachsen, mit wetterharten, markanten Zů—
gen, konnte man ihn schon mit der knorrigen Eiche verglei—
hen. Jedenfalls erinnerte nichts in seiner Perfönlichkeil
daran, daß sein Vater im warmen Dunst der Backstube Teig
geknetet hatte und zwischen Rosinen und Mehlsäcken seit
8 verbrachte, am glühenden Ofen sein Vermögen er.
varb.
Die Lust am edlen Weidwerk hatte Valentin im Blut
gelegen. Trotz strengen Verboles war er cis Junge hin
ausgelaufen in den Wald, genau kannte er die Stellen, woe
das Wild aus dem Dickicht hervorzutreten pflegte, stunden⸗
us konnte er, diesen Moment erwartend, auf der Lauet
iegen.
Wie seltsam glücklich schlug dann sein Knabenherz
wenn der Gehörnte maiestätifch in die Lichtung hinaustrat
zefolgt von einem Rudel schlanker Rehe.
Ja, die Freude an jeglichem Geljer, an Baum und
Strauch hatte er vom Groͤßvater geerbt, und der Wunsch
in Jäger zu werden, war mit ihm groß geworden. Dei
Wald wurde seine Heimat, trotzdem es seinen Eltern einf
nicht recht gewesen war.
Sein kleiner, vierjähriger Sohn ähnelte ihm wenig
Sein Figürchen war schmächtig, die köstliche Waldluft hatu
bisher nicht vermocht, das zarte Weiß der Haut ip gesund
Röte zu verwandeln.
Aus schüchternen Augen sah er um sich und in sichtlicher
Befangenheit ließ er sich die Liebkosungen der Damen ge
fallen, ohne sie zu erwidern.
„Dore wollte mich heute schlagen,“ sagte er leise, nod
der Erinnerung an den schrecklichen Vorgang nerbös zu
nenzugend, ‚da kam Voter und jaate sie fort.

„O, du armes Kind,“ bedauerte die Rätin, „ja, ja, Sie
haben recht, Herr Förster, dem Kinde fehlt die Mutter.
Volkmers Augen, die so weich, fast kindlich blicken
konnten, standen in seltsamem Gegeusaßz zu feinen markan—
en Zügen, sie verrieten jedem Menschenkenner, daß in die—
jer breitschultrigen, kernigen Gestalt ein warmes, rasch—
schlagendes Herz lebte.
Als er Elfriedes ansichtig wurde, ging ein Leuchten
über sein sonst so verschlossenes, hartes Gesiht. Die Dame
beugte sich über das Kind, ihre schlanke Rechte streichelie das
braune, krause Gelock des Knaben, ihre roten Lippen be—
rührten seine Stirn.
Wie die verkörperte Barmherzigkeit schaute sie drein.
balentin Volkmer schien sich nicht salt sehen zu können an
dem lieblichen, anmutvollen Bilde. Er vergaßes sogar, der
alten Dame die Hand zu küssen.
Der kleine Knabe sah aus strahlenden Blauaugen an
der stolzen, schlanken Mädchengestalt empor. Komm mit
uns,“ sagte er rasch, „dann ist es viel schöner zu Hause.“
⸗⸗Elkfriede lachte hell auf. „Laß es nur erft Sommer
verden, dann trinken wir oft den Kaffee zusammen in
Eurer Fliederlaube, jetzt ist es mir zu kaͤlt bei Euch
raußen!“
Wir fahren dich im Schlitten spazieren, Papa hüll
dich in viele Pelze ein.“
„Nun, wir wollen es noch überlegen.“ Das Rot auf
Elfriedes Wangen vertiefte sich ein wenig. Als sie abei
aufschaute und dem heiß beredten Blick Valentins begegnete
schwand das Lächeln von ihren Lippen und ihre Haltung
wurde abweisend.
„Sieh nur die herrliche rote Tasse,“ sagte sie, mit vol—⸗
lendeter Gelassenheit den Knaben an den Kaffeetisch füh—
rend, „aus der sollst du trinken, Hänsschen, und das schönsie
Stück Kuchen darfst du dir aussuchen.“
„Ich habe mir zwei prächtige Wagenpferde zugelegt,“
sagte Volkmer, „echte Rasse, wenn nur erst eine junge Frau
m Hause wäre, damit man auch Freude an all dem hätte
wWir fühlen uns mit jedem Tage vereinfamter. Es ist kaum
och zu ertragen.“ ,
„Nur noch ein klein wenig Geduld, Herr Förster,“ trö—
tete die Rätin, „lassen Sie es nur Frühling werden, dann
indet sich alles.“
Am Kaͤffeetisch kam eine lebhafte Unterhaltung zu⸗
tande. Elfriede zeigte sich von ihrer liebenswürdigsten
Zeite. Sie vermied es, Volkmer anzufehen, und wenn sie
och seinem heißen, werbenden Blick begegnete, huschte ver—
ohlen ein amüsiertes Lächeln um ihren reigenden Mund.
Der Förster freilich bemerkte das nicht.
Später wußte die Rätin es so einaurichten, daß das

Paar eine Weile auein im Bimmer blieb, sie unterließ es
jogar nicht, Volkmer ermunlernd zuzunicken.
Das gab ihm Mut. War er bisher immer noch im
Zweifel gewesen, ob die alte Dame seine Werbung auch bil⸗
ligen werde, so durfte er nun derselben vollkommen sicher
sein.
Aus einem Nebenzimmer tkönte Hänschens jauchzende
Stimme herüber, die Rätin erklärte ihm die Bilder in
einem funkelnagelneuen Bilderbuch. *
Sie hatte den kleinen Jungen mit dem zarken Gesicht,
n dem die Augen so unnatürlich groß erschienen, in ihr
herz geschlossen. Auch dem Förster war sie zugetan; er er—
schien ihr als der rechte Gatte für ihre eigenwillige. ein
venig verzogene Tochter. Freilich, ein wenig bestimmter
und männlich fordernder mußte er Elfriede gegenüber noch
auftreten. Aber das würden ja die Verhähnisse ergeben
Jedenfalls bot sein Charakter die Gewähr für dauerndes,
sicheres Glück. Unter seinem Schutze war eine Frau wohl—
geborgen, und seine Wohlhabenheit gestattete ihm, die
außerdienstlichen Stunden durch gesellige Zerstreuungen der
angenehmsten Art auszufüllen.
Elfriede fand das Verhalten ihrer Muttker überaus takt—
los. Schon das Alleinsein mit Valentin verstimmte sie.
Es war noch hell draußen, aber doch schon Abendstim
mung. Volkmer saß so, daß ihm der klare Tagesschein inz
Besicht fiel, während ihm Elfriedes Züge wie durch einer
Schleier verhüllt entgegenleuchteten.
Es war still zwischen ihnen. Doch gerade als Elfriede
ich erheben wollte, um die Lichter am Klavier anzuzünden
fragte Volkmers bebende, unsichere Stimme: „Erinnern Si
ich noch der Stunde, wo wir uns kennen lernten, gnädiges
Fräulein? Es war auch um diese Jahreszeit, und dre
Zommer sind seitdem vergangen!“
„Damals lag hoher Schnee,“ ergänzte die junge Dame
gleichmütig, „und Mama hätte mit mir eine Shluttenpar—
ie unternommen. Mir erschien ein Spaziergang in dem
isigen Revier unendlich reizvoll und ich verließ daher, gegen
DNamas Gebot allerdings, das Gefährt mit der Weifung
aß der Kutscher weiterfahren, nach einer Viertelstunde um
ehren und mich dann wieder mitnehmen solle.
Sobald ich aber allein war, verließ ich die Fahrstraß
ind lief auf dem hartgefrorenen Schnee aufs Geratewoh
orwärts. Das Schlittengeklingel mußte mich ja bald zu
ückrufen.
Als aber eine Viertelstunde nach der andern vergangen
»ar, ohne daß ein Laut zu mir herüberdrang, wurde mi
in wenig bange und ich machte kehrt.
Schön, herrlich war es in dieser weißen Einsamkeit
»d als ich weiter und weiter schritt, an hohen. düsteren
            
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