Full text : Dudweiler Zeitung

23. Jahrgang.
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E — 8 p Postschließfach Nr. 14.
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listen, wie bei der letzten Wahl auftreten. Dagegen sinu
in der altfinnischen und der sozialdemokratischen Partes
eine Menge Absagen eingelaufen, in der letzteren beson
ders unter den revisionistisch gestimmten Elementen.
Rußland und Persien.
*])Rußland verlangt von Persien eine Entschädig—
ung für den seinem Konsul in Kaschan durch die
Bakhtiaren zugefügten Schaden bei der Einnahme der
Stadt. Der Minister des Aeußern soll sich außerdem in
großer Unifornt ent'chuldigen. — Hierzu ist zu erwähnen,
daß das persische Auswärtige Amt früher bei den Russen
angefragt hat, ob der fragliche, sich russischer Konsul nen
nende Perser wirklich russischer Konsul sei, und die Ant
wort erhalten hat, der Mann sei ihnen völlig unbekannt
Es ist klar, daß das Bestreben der Russen ist, den perst
schen Minister des Aeußern un möglich zu machen, do
er ihnen nicht gesügig und gegen eine reaktionäre Umbil—
dung des Kabinetts ist. — Die Meldung des Reuterscher
Bureaus. die jetzige Anleihe sei eine unveränderte, frü—
her angebotene russisch-englische, die keinerlei politische
Bbedingungen enthielt, dürfte durch das demniächst erschei⸗
nende persische Weißbuch widerlegt werden.
Serbien.
* Die Verhandlungen betreffend Abschluß der österrei
chischsserbischen Konvention schreiten rüstig fort. Di
dauptpunkte der Konvention betreffen die Auslieferung von
Verbrechern, die Nachlassenschasten und die gegenseitige
Berichtsbehilfe. Die Verhandlungen werden geleitet von
dem Minister Milowanowitsch und dem österreichischen
Besandten Grafen Foroach

str. 264.
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Postschließfach Nr. 14.
Erscheint
jäglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und
Feiertage.

reitag, den 18. November 1810.

Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Die Kronprinzessin wird in der zweiten Hälfte des
stonats Dezember nicht direlt von Ceylon nach Berlin
urücklehren, sondern einen sechs- bis achtwöchentlichen Au—
enthalt in Aegypten nehmen. Von dort aus reist sie an
ie Riviera. so daß ihre Rückkehr erst Ende Februar er—
olgen wird.
* Die Kaiserin von Rußland hat vor ihrer Abreise
eäußert, daß sie im nächsten Jahre wieder zum Kur—⸗
ufenthalte nach Friedberg bezw Bad Nauheim
ommen wird, und zwar schon im April. Der Zar wird
Ȋter eintreffen, um die Zarin abzuholen.
* Der Minister der ösfentlichen Arbeiten hat über die
üuktliche Bedienung des Verkehrs die nachstehende
zerfügung an die Eifenbahndireltionen und das
tisenbahn-Zentralamt erlassen:
Angesichts der ungünstigen Abschlüsse der letzten Jahre
st den Königlichen Eisenbahndirektionen Wirtschaftlichkeit
uf allen Gebieten der Verwaltung wiederholt zur Pflicht
semacht worden. Andererseits darf aber, wie ich bereits
ei der letzten Präsidentenkonferenz hervorzuheben Gelegen⸗
jeit hatte, kein Zweifel darüber obwalten, daß die ge—
otene Wirtschaftlichleit nur unter voller Befriedigung der
lnforderungen des Verkehrs durchzuführen ist. Solange
er starke Verkehrsandrang dauert, muß deshalb das er
orderliche Zugförderungs- und Begleitpersonal vorgesehen
»erden, damit die Einlegung von Bedarfszügen zur Be—
hleunigung des Wagenumlaufs ohne Verzug erfolgen
ainn. Ebenso ist für beschleunigte Fertigstellung der Re—
Aaraturwagen, gegebenenfalls unter Einlegung von Ueber—
tunden, in den Werkstäͤtten zu sorgen.
* Die Voruntersuchnngen über die Krawalle Am Wed—
ing sind abgeschlossen. Im ganzen kommen 14 Fäile zur
Inklage, die vor der Strafkammer zur Aburteilung ge—
angen. Die Alten sind der Staatsanwaltschaft zugegan—
en, die nunmehr die Anllage erheben wird.
* Die Hamburg-Amerika⸗-Linie steht im Begriffe, hren
Lersien-Dienst zu erwe tern und zu konsolidieren. Sie
at zu diesem Zwecke die beiden Dampfer „Turkestan“ und
Georgien“ angekaust, die erst vor einigen Jahren aus
iner englischen Werst fertiggestellt worden sind.
* Wie von zuverläfssiger Seite verlautet, ist der Enr
vurf zu einem neuen preutzischen Wassergesetz im
Tultusministerium fertiggestellt. Er
nthält volkswirtschaftliche und gesetztechnische Neuerungen,
zie besonders im Hinblick auf die Schiffahrtsabgabenan—
zelegenheit von größter Bedeutung in und außerhalb von
zZreußen sind, denn dieses preußische Wassergesetz bilde
zie Voraussetzung und Grundlage zu der kommenden Ge—
taltung des Schiffahrtsabgaben-Gesetzes. Das preußische
Vassergesetz regelt: 1) das Wasserrecht bei Fluß-⸗ und
Wasserläufen, 2) die Abnahme der Wasserlraft für tech
uische Zwecke, 3) die Abwässerungsbeseitigung der Städte,
1) die Wasserversorgung und damit die Grundwasserfrage.
Wie man von anderer Seite erfährt, wird zur Zeit 34
n den Bureaus der sächsischen Regierung an einem Enst—
vurf für ein sächsisches Wassergesetz gearbeitet.
* Die Zahl der Kontoinhaber im Postscheck- und
Ueberweisungsverkehr der Reichspost ist Ende Oktober
auf 47 710 gestiegen. Sie hat sich also binnen Jahres—
»rist um über 13 000, das heißt um 40 Prozent, gestei—
gert. Im Monat Oktober dieses Jahres wurden 8944
Peillionen Gutschriften und 8820 Millionen vLassschriften
gebucht. Das Gesamtguthaben der Kontonhaber betrug
ẽnde Oktober 8814 Millionen, ihr durchschnittliches Ge—
amtguthaben 1014 Millionen. Im Verkehr mit dem
Postsparkassenamt in Wien, der Ungarischen Sparkasse in
Budapest und dem Schweizerischen Postscheckbureau machte
der Umsatz über 34 Millionen aus.
* Der Berliner Korrespondent des „Matin“ hatte ein
Interview mit General Keim. Keim beklagte zunächjit,
aß die sozialdemokratische Vergiftung besonders seit zwe
Jahren in der deutschen Armee immer mehr Fortschritte
nache. Er bezeichnete es als dringend notwendig, diesen
zemegung einen Damm entgegenzusetzen- —
Franukreich.
*„Petite Republique“ ist in der Lage, das Wesentliche
us den Aufklärungen mitzutellen, die der Mini—
ler des Aeußern, Pich on, der zuständigen Kammer—
ommission über die auswärtigen Beziehungen Frauk—
eeichs Jqah Als neue Tatsache eraibt üich daraus —

* Dent „Globe“ zufolge geht das Gerücht, daß Köni—
Beorg die von Asquith verlangten Garantien abge—
ehmt habe, sodaß dieser sich mit Demissionsabsichten
rage. Die verlangten Garantien sollen darin bestehen
»aß der König verspricht, für den Fall, daß bei Neu
vahlen die Liberalen wiederum siegen würden, eine ge—
ügende Anzahl neuer Lords ernannt würden, um dem
)berhause eine Mehrheit zu sichern zugunsten der Ein—
bränkung des Vetorechts der Lords.
Bulgarien.
* Iwan Geschuw, der Chef der Nationalpartei, die
sor zwei Jahren wegen der Nichteinladung der Führer
sieser Partei in das Palais mit der Krone in Konflikt ge
riet, ist von König Ferdinand in Audienz empfangen un
zum Galadener, das zu Ehten der engsischen Sonder-Ge
andischaft gegeben wurde, zugezogen worden. Diese Cin
adung erregt in poliischen Kressen großes Aufsehen un
vird als Beilegeng des Ronfliktes zwischen der Kron—
ind dieser stärlnen Dartei des Landes gedeutet
Breaslien.
*᷑]Aus Anlaß seines Aniesantrittes erließ der neu.
bräsident Hermes da Fonseea ein Manifest, worn
r die Maßnahmen aufzählt, wodurch er den Forischrit
es Landes zu sichern gedenkt. Er fahrt darin aus,e
verde nament ich sür die Hebung der Ausfuhr bedach
ein, die aus: urtige und die Finanzpolitit seiner Amts
orgänger weiter zu verfolgen sich bemühen, und durch
zerstärküung des Garantiefonds zur Metailwährung zu ge
angen. Er äußere die Zuversicht, daß Brasi ien nach de
eorganisation der Armee ein militärisch starkes Lanf
ein möde

Paui neys
ine saämtlichen Werre un 31 6u ichen Bauden vor un
egen. Ueberall wo Heyses prächtige Poesie belannt
ird die neue Auszeichnung des Dichters freudige Zusteim
ung finden. Paul Heyse, der bekanntlich am 15. Märj
ss. Is. seinen 80. Geburtstag feiern konnte, wurde irn
zerlin geboren. Seinen Wohnsitz hat der Dichter ir
hünchen, während Italien, wo auch die meisten seine:
omane spielen, seine zweite Heimat wurde
Die Erdgasquelle bei Neuengamme.
Noch immer leuchtet das Naturphänomen bei Neu
amme, diese neueste Hamburger Sehenswürdigkeit, in
nveränderter Kraft und Helligkeit fort und ist nach wie
»xdas Ziel Zehntausenden Wißbegieriger. Unser Bill

Türkei.
* Der Generaloberst, Freiherr von der Goltz, hat am
Mittwoch Abend Konstantinopel verlassen. Auf dem Bahn
hof war eine Ehrenkompanie mit Musik aufgestellt. An
wesend waren die gesamte Generalität, hunderte von Of
fizieren und zahlreiches Publikum. Die Anwesenden be
reiteten dem scheidenden Reformator der türkischen Arine«
enthusiastische Ovationen. Wiederkommen! tönte es aus al
len Kehlen von der Goltz entgegen, der sichtlich unter den
Eindrucke dieser warmen Kundgebungen stand.
Amerika.
*]Aus Washington wird gemeldet, daß Präsident Tal
einen Neger namens William Lewis zum erste?
Assistenten des Generalstaatsanwaltes
der Vereinigten Staaten ernannt hat. Es ist das erst
Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten, daß ei
Neger eine so bobhe Würde erlangt
o * *ch *
Heer und Flotte.
2*107 neue Maschinengewehrkompanien forder
der neue Militäretat. In den letzten Kaisermanövern se
der Mangel an Maschinengewehren in geradezu ver
hängnisvoller Weise zutage getreten. Man will von de
Aufstellung neuer Maschinengewehrabteilungen absehen un
will 107 neue Maschinengewehrkompanien formieren, d. h
eine Kompanie der berressenden Regimenter mit Maschi—
nengewehren bewafsfnen. Ohne Frage der praktischere Weg,
denn so hat man im Felde die Maschinengewehre stets zur
Hand, während die Maschinengewehrabteilungen künftig
wohl mehr den Aufklärungstruppen zugeteilt werden dürf
ten. Ein Vergleich zwischen den beiden bedeutendsten
Maschinengewehr-Systemen, dem deutschen Maxim-Maschi—
nengewehr und dem französischen Hotchliß-Maschinenge
wehr, zeigt, daß das deutsche System dem sfranzösischen
überlegen ist, und welche Bedeutung darum die neue Ver—
stärkung der Maschinengewehrkompanien hat. Besonders
im Feld hat das deutsche Maxim-Maschinengewehr vor
dem französischen Vorteile aufzuweisen. Beide Maschinengewehre
 können 550 bis 600 Schuß in der Minute ab—
geben, aber Maxim hat bedeutend größere Treffsicherheit
Beim Transport auf schwierigen Wegen, wohin Fahr—
zeuge nicht kommen, können sie von Pferden auf eigens
azu eingerichteten Sätteln getragen werden. Hier hat
Maxim den Vorteil voraus, daß die Last nur 100 Kilo
zramm bis 108 Kilogramm beträgt, während bei Hoich
iß das Gewicht 128 Kilogramm groß ist. Das deutsche
Zystem gestattet darum noch die Mitnahme von Munitions,
asten, Fandwerlszeug und Wasserkasten. Außerdem kön
n hier 4500 Schuß mitgenommen werden, während be
otchkiß der Munitko ?vorrat nur 2400 Schuß beträgt
212 dohe m ezwehr wird it allem Zubeböt
— —
0ouuuche zelgen. Um ια»lelt ur blieit velben VWan-Nnern
 gegenüber nicht. — n
Von weitem blinkte die Spitze eines Helmes herüber
ein Schutzmann tauchte auf.
Rühling sagte nichts mehr, aber seine Blicke gingen be—
zeichnrend von einem zum andern, dann flogen sie zu dem
Beamten hinüber, sie waren unschwer folgendermaßen zu
übersetzen: „Es kostet mich ein einziges Wort, den Ver—
brecher ins Zuchthaus zu bringen. Wenn ich das Verlangte
nicht erhalte, spreche ich dieses Wort.“ J
„Ich gebe Ihnen das Geld,“ sagte Regine tonlos, „mor⸗
gen erhalten Sie es mit der zweiten Post.“
Er verneigte sich ironisch. „Sie sind unser Schutzengel,
Fräulein Elsner.“ Und da er erkennen mochte, daß sein
Änblick jetzt nur ihren Abscheu erregen könne, so empfahl
er sich rasch.
„Auch du erhältst die erbetenen dreihundert Mark!l“
fuhr Regine fort, sobald Rühling außer Hörweite war.
Dann sind wir fertig mit einander, ich bin deine Braut
nicht mehr. Ich habe dir vertraut und immer wieder Nachsicht
 geübt, troßzdem mein Herz dir längst entfremdet war.
Nuͤn ist's genug, übergenug. Ich kann das Versprechen,
welches ich am Totenbett deiner Mutter gab, nicht halten
du selber zwingst mich, es zu brechen.“
Heinz Diesing taumelte, wie vom Schlage getroffen.
Er fuͤhlte, daß es ihr unbedingter Ernst war mit dem, was
sie sagte. Aber nun schien, als schlügen die dunklen Wellen
über ihn zusammen, ein wildes Chaos. in dem er rettunoslos
 versinken mußte. —
Mit dem Mute der Verzweiflung klammerte er sich an
Regine. „Ich sagte es dir damals schon in jener Ver—
lobungsstunde, daß ich ein schwacher, fehlerhafter Mensch
bin. Aber ich liebe dich, voll heißer Glut, mit wahnsinniget
deidenschaft. Mir ist, als rinne glühende Lava durch meine
Adern, während du wie eine verkörperte Marmorbraut vor
mir stehst. Oft wußte ich kaum, was ich tat, so raste das
Blut in mir. Mache mich nicht verantwortlich dafür, daf
8 nun haltlos in mir a2usammenhrach. i bisft mit Gckursi
uun meinem untergange, denn deine Schonyeit erhitzte unt
berwirrte meine Sinne, und während alles in mir nad
deiner Liebe verlangte, reichtest du mir einen Stein stat!
des Brotes, so kam es, daß ich über mein Tun und Lasser
die Herrschaft verlor.“ .
„„Deine Anklagen weise ich mit aller Entschiedenheu
ick. Das Glück war an deiner Seite du hattest nur
oß or doino nofr —— oine M
—*

Abessinien.
* Der französische Konsul aus Dschibuti st in Mar—
eille eingetroffen. Er erzaäͤhl!te, daß der Gesund heits.
ustand des Kaisers Menelik von Abefsinien sich wie
erum so sehr gebessert habe, daß der Monarch die Re
ierungsgeschäf.e wieder in seine Hand genomnien hai.
Porzellan als Geschead. Der König nahm von HNas.
oie Kaiser-Plakeite in Empsang. Diese ruht in einer le
ernen Kassette, welche eine aus Gold und Edeisteine
ergestellte österreichische Kaiserkrone nägt. Eine halb—
Stunde darauf suhren beide Monarchen nach dem Rat
‚ause, wo sie das dort aufgestellte Bildnis der Huldig
ung der deutschen Fürsten vor Kalser Franz Josef in Au
genschein nahmen

Oesterreich⸗ Ungarn.
* Der Mittwoch früh unter dem Incognito eines Grab
ilsenberg in Wien eingetroffene König von Sachsen ijß
u Augarten-Palais seiner Schwester, der Herzogin Mari—
osepha, abgestiegen. Um 9 Uhr Vormittags stattete de
aiser dem Könige einen Besuch ab. Später sfuhr de
»önig nach der Hofburg, um dem Kaiser persönlich sein
zratülation zu übermitteln. Bei dieser Gelegenheit über
ab er dem Ka'ser eine prachtvolle Vase aus Meißene—
Finnlanud.
* Die Landtagswahlen sollen am 2. und 3. Janua
stattfinden und der Laudtag wird am 1. Februar zusam
mentreten Die Vorbereitungen zu diesen Wahlen werde
ifrig betrieben. Im allgemeinen hat man sich darübe
zeeinigt, daß die Mitglieder des aufgelösten Landtagn
viedergewählt werden sollen. Abgesehen von einigen Ab
agen wegen Krankheit werden auch voraussicht ich die dre
Parteien der Jungsinnen, der schwedischen Volspartei und
M — ———242 ——

— — — —— —— — *
gt die riesige, dreileilige Flamme, die dem Erdorode
itspringend, mit enormem, kilometerweit hörbarem Zischen
tdie Luft sieiat, dabei eine Hitze von 1000 Grad augs
römend.
Eine Flucht. 4
hlag machen, eine VDroschte zu nehmen und mit mir in
eine Wohnung zu fahren. Ich habe mit dir zu sprechen,
egine.“
„Dann teile mir sogleich mit, was du zu sagen hast,
niein Zimmer betrittst du nicht, das weißt du doch.“
.„Albernheiten ohne Ende,“ murrte er mit einem bösen
zlick. „Zu mir kommst du nicht, ich darf bei dir nicht er⸗
Hheinen — wann soll diese übertriebene Zimperlichkeit end—
ich ein Ende nehmen?“
„Unsere Ansichten über Takt und Wohlanständigkeit
g eben weit auseinander. Daran wird die Zeit nichts
ern.“
Er wollte aufbrausen. Aber er kam ja mit einer Bitte
r da war es schon klüger, zu schweigen und sich zu
ucken“.
Er hatte sich sehr zu seinem Nachteil verändert. Die
hnehin verschwommenen Züge erschienen stupid, die Augen
serglast. Die stark gerötete Nase, das gedunsene Gesicht
errieten den Gewohnheitstrinker.
Hatte Regine anfangs eine schwesterliche Freundlich—
eit für ihn empfunden, so kämpfte sie jetzt beständig mit
daß und Verachtung.
Seit langen, langen Wochen gestattete sie ihm keine
räutliche Liebkosung mehr. Und dennoch hatte sie in töd—
icher Qual mit sich gerungen, ehe sie ihn ganz aufgab, ganz
ind für immer.
Alle ihre Befürchtungen waren eingetroffen, das, was
e von dem Einfluß ihrer Persönlichkeit schüchtern zu er—
offen wagte, blieb aus.
Sie gewann keine Macht über Diesing, nicht die aller—
eringste, vielmehr lauschte er begierig den Einflüsterungen
—8 der ihn ganz nach seinem boshaften Willen lenken
nte.
Die einzige Fessel, welche sie mit diesem herabgekomme⸗
en Müßiggänger verband, war das der Sterbenden gege—
ene Versprechen.
Zast schien es ihr unmöglich, ihren Schwur zu brechen,
nd dennoch mußte sie es tun, wollte sie sich vor dem Unter⸗
ange retten.
Sie fürchtete die Strafe des Schicksals, und dennoch
Ite sie olles, alles Jieber tragen, als diese drückende
» die zur schwer lastenden Keltte für sie geworden war.
efing hatte verstohlen ihr verschlossenes Gesicht von
ite betrachtet. „Das Mädchen ist gar nicht mehr so
mia früher,“ dachte er, „und doch liebe ich sie heftiger
v —3

mit mir zum Standesamt gehen wollte... Ich denke mir,
rrotz all ihrer zur Schau getragenen Kälte versehrt sie sich
heimlich in Sehnsucht nach mir.“
Dieser Gedanke entlockte ihm ein Lächeln der Genug—
uung und verlieh ihm den Mut zum Sprechen.
Er legte vertraulich seine Hand auf ihren Arm.
Schatz, du könntest mir einen rechten Gefallen tun. Leihe
nir auf ein paar Wochen dreihundert Mark. Es handelt
ich um ein gewinnreiches Unternehmen. Jemand will mir
»en Betrieb eines flottgehenden, patentierten Artikels über—
assen, verlangt aber eine Kaution. Es kann ein gutes Ge—
häft werden, das mich demnächst in den Stand setzt, mir
inen eigenen Herd zu gründen. Du hast ja das Geld auf
zer Sparkasse. Ich gebe dir statt der üblichen drei Prozent
eren zehn. Einverstanden Herzchen?“
Regine nickte. „Ich will dir das Geld geben, Heinz,
nöge es dir Segen bringen. Aber welchen Zweck hälte es
zohl für dich, eine Häuslichkeit zu gründen und dir die Ehe—
essel zu shmieden? Das Leben, wie du es jetzt führst, sagt
ir zu. Du würdest deine Gattin immer nur als eine Last
mpfinden und die Gepflogenheiten, die von einer geord—
zeten Häuslichkeit untrennbar sind, als ein Joch ... Gil
nich frei, Heinz, unser Verlöbnis ist eine grenzenlose Un—
atur, der wir am besten sobhald wie möalich ein FEnd
nachen.“
Diesing verfärbte sich vor tiefirnerem Grimm, die
Naske der Freundlichkeit sank im Umsehen. „Aha, ich merkt
chon, Rühling hat geschwatzt. ... Dort kommt der Heuch
er, jetzt werde ich ihm aber meine Meinung sagen!“
Wirklich trat der Agent aus einem der zahlreichen Sei
engänge hervor. Seine Erscheinung stach vorteilhaft von
er Diesings ab, er war mit großer Sorgfalt gekleidet, sein
hHaltung vornehm, alles an ihm verriet einen in besseren
vohlgeordneten Verhältnissen lebenden Menschen.
Er arüßte mit ritterlicher Söflichkeit, und troßdem e
as Paar schon eine Weile beobachtet hatte, spielte er den
eberraschten.
„Ich freue mich aufrichtig, Sie einmal wiederzusehen,
zräulein Elsner. Nach Ihrem Befinden zu fragen, wäre
pohl überflüssig, einer glücklichen Braut geht es immer
*
Dabei weidete er sich an ihrem bleichen Gesicht, das die
»puren heimlich vergoffener Tränen verriet. Auch aus
sren Augen, die arößer geworden au sein schienen. blickte
a Leid.
Ob jetzt der rechte Zeitpunkt gekommen war, um das
Geschzpf mit dem stolzen, kalten Gesicht für sich »u

zen Blume von seiner glühenden Leidenschaft zu sprechen
und davon, daß ihr liebliches Bild ihn unablässig verfolgte?
Regines Herz schlug so unruhvoll. Sie wußte, daß
iese Begegnung keine zufällige war. Was würde sie zu
ören bekommen? Sie fühlte die schneidende Kälte nicht
iehr. Auf ihren Wangen erglühten fieberrote Flecke, ihre
iphen brannten, als rinne glühendes Eisen durch ihre
ern.
„Die Herren beurlauben mich,“ sagte sie, sich zum Gehen
bendend, uͤnd schon vorher hatte sie ihrem Verlobten ein
aar Worte zugeflüstert.
— keine Saene in meiner Gegenwart, ich will es
iicht.“
Aber Rühling wollte seinen Triumph haben. Diese
Stunde sollte ihn für manches entschädigen, was er bisher
ezwungenermaßen mit sich allein hatte ausmachen müssen
„Nur einen Moment, Fräulein Elsner!“ Das klang se
estimmt, als habe er über die junge Dame zu verfügen
Ihr stilles Gesicht wandte sich ihm wieder zu. Und al
ie ihn aus den dunkel umrandeten Augen anfab. drobto dic
reidenschaft ihn zu überwältigen.
„Ich halte es für meine Pflicht, Sie zu warnen!“ seine
Ztimme klang heiser, „Diesing belügt Sie, die dreihunder:
MNark sind für mich bestimmt, als Schweigegeld.“
Bis dahin hatte er sich beherrscht. Nun brach die Scha
Henfreude sich maßlos Bahn. „Ich habe recht behalten, meir.
Fräulein, in allem und unbedingt. In meine Hand ist es
gegeben, Diesing zu verderben. Er ist ein Wechselfälscher
ein Tagedieb, der ins Zuchthaus gehört. Ich brauche drei—
hundert Mark ganz notwendig. Wenn ich das Geld bekomme
will ich schweigen, bis der Elende über die Grenze ent
kommen ist. Andernfalls mache ich den Angeber. Ich habe
ja keine Ursache, irgendwelche Rücksicht zu nehmen.“
Das alles wurde in durchaus beherrschtem. doch unver
ichämtem Ton gesprochen.
Diesing stand wie gelähmt. Seine Faust wollte sich zum
Schlage heben, aber jedes Glied an ihm war gleichsam er—
starrt. Er schämte sich vor Regine seiner Verlogenheit und
Verkommenheit, und doch wollte er sie nicht freigeben, nein
um keinen Preis!
Es war seine Absicht, Besserung zu geloben, aber die
zuckenden Lippen gaben kein einziges Wort frei.
Weit und breit kein Mensch zu sehen, nur das Brausen
»es Sturmes hörbar und das Geräusch brechender Aeste.
Aus der Ferne, von der Rousseauinsel her schallte irss
sche Musik, dort erfreute sich die Jugend am —8sp⸗
Die Klänge trafen Regine mitten ins

Aieb
— — —

Ar

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