Von Nah und Fern.
Urteile nicht, eh' du ein Herz erforscht!
tauch nieder in der Seele tiefsten Grund,
Versuch' ihr inn'res Wesen zu verstehen.
kh' über sie den Stab du, richtend, brichst!
Ist's eig'ne Wahl der Distel, daß sie sticht.
Verdienst der Rose, daß ihr Duft uns labt,
Der Beere Schuld, bringt ihr Genuß uns Tod?
Wenn jäh die Flamme, die dein Heim erwärmt,
Vom Sturm entfacht, die Asche es versenkt,
Trägt nur die Schuld das Feuer, nicht der Sturm?
And wenn des Stromes fessellose Flut
Das morsche Wehr, den schwanken Damm zerbricht,
Verheerend all' — klagst du den Strom nur an,
Nicht deren Lässigkeit die Schuld tran trug,
Daß bess'rer Schutz sein Wüten nicht gehemmt?
Und schreckt dich schlimme Tat und schwere Schuld:
Tauch in der Seele tiefsten Grund erst nieder,
Urteile nicht, eh' du ein Herz erforscht!
Weißt du, ob läss'ge Hand es nicht versäumt,
Das ungestüme Blut — ererbt vielleicht —
Durch sichern Schutzwall zeitig einzudämmen.
In rechte Bahn und seegensreichen Lauf?
Ob sehnend nicht das Herz nach Lieb' gelechzt,
Indes ihm nur des Schicksals Peitsche ward?
Und wenn es sank — war es nur seine Schuld
Nicht derer auch, die ihm kein Brett gereicht,
Als — scheiternd — ihm der letzte Grund entschwand
Und rettungslos die Wirbel ihn erfaßt?
stennft du der heißen Kämpfe Folterqual,
Bis der Verzweiflung letztes Röcheln starb
Im Lachen, das die Hölle sie gelehrt?
Dh, stehe still, eh' deinen Stab du brichst!
Tauch mit der Menschenliebe Sonde tief
In einer Seele Nacht! Leicht findest du
Doch einen Strahl, der sie versöhnend hellt,
Fin mildes Urteil auch in dir entfacht!
zZur Ablehnung der Mosel⸗-und Saarkanalisation
hreibt man der „Tägl. Rdsch.“ aus dem Moselgebiet:
„Die am 7. April vom Minister der öffentlichen Arbeiten
ekannt gegebene Entschließung der Staatsregierung mit
bezug auf die Mosel- und Saarkanalisation muß im sfüd⸗
vestdeutschen Industriegebiet notwendigerweise schmerzliche
dmpfindungen auslösen. War man doch durch die Be—
chlüsse des preußischen Abgeordnetenhauses zur umfassenden
vasserwirtschaftlichen Vorlage des Jahres 1905 sowie gleich—
jeitig besänftigende Erklärungen der Regierungsvertreter
amals einigermaßen in Sicherheit gewiegt worden, nun—⸗
nehr einen längst gehegten Wunsch der Erfüllnng nahe—
zeführt zu sehen. Im betroffenen Industriegebiet wird man
gzeneigt sein, den abschlägigen Bescheid auf den überwie—
jenden ECinfluß des nordwestdeutschen Industriereviers zu—
zjurückzuführen. Dessen Vertreter entdeckten — glücklicher⸗
veise erst nach dem 8. April 1905, nachdem die Kanalvor—
lage mit dem Rhein— Hannover⸗Kanal in den sicheren Ha—
jen geborgen war —, daß die Gestehungskosten des Roh—
isens in Lothringen und dem Saarrevier ohnehin niedriger
tien als in Rheinland⸗Westfalen, und so setzten sie alsbald
nit einer lebhaften Agitation gegen die Mosel- und Saar⸗
analisierung ein, um dem Nebenbuhler auf dem Weltmarkt
in Schnippchen zu schlagen. Die Regieruug hat diesem
ostspieligen Unternehmen von jeher mit kühlem Herzen ge—
genüber gestanden, obgleich sie 1902 zu seiner Bearbeitung
in Meß ein Bureau eingerichtet hat. Man fürchtete im
visenbahnministerium für die Rentabilität der Moselbahn,
welche bis jetzt die Erz⸗ und Koksbezüge zu allgemeiner Zufrie⸗
denhdeit erledigt hat. Sie konnte sich auch darauf berufen, daß
in früherer Zeit — allerdings unter veränderten Verhält—
nissen — der bedeutendste Vertreter des Saarreviers Frhr.
. Stumm⸗Halberg die Mosel- und Saarkanalisation leb—
saft bekämpft hat. Weiterhin war auch die jeweils schwan⸗
ende Haltung des Großherzogtums Luxemburg nicht ge—
ade geeignet, den beregten Plan zu fördern. .. Es fragt
ich aber nunmehr, wie sich die parlamentarischen Vertreter
ses Saarreviers nud Lothringens zu der Frage der Schiff—
ahrtsabgaben, die jetzt die Gemüter bewegt, stellen werden
Pach Lage der Dinge wird man es ihnen kaum verargen
Bnnen, wenn sie sich nunmehr den Gegnern dieses ver—⸗
lehtsfeindlichen Planes anschließen.
Von anderer, amtlich informierter Seite wird zu dem⸗
elben Thema geschrieben:
Die Angelegenheit ist in letzter Zeit Gegenstand einge⸗
sender Veratungen im preußischen Staatsministerium gewesen.
zie zu dem Ergebnis geführt haben, daß bei der gegenwär—
igen Lage der Produktionsverhältnisse unserer Eisenindustrie
in Westen und Südwesten eine Durchführung der Kanali—
ierung von Mosel, Saar und Lahn nicht für zweckmäßig
ju erachten sei. Dabei ist einmal zu berücksichtigten, daß
aach dem ausgearbeiteten Projekt die Bauausführung einen
stostenaufwand von 104 Millionen erfordern würde, auf
deren Verzinsung aus den Abgaben allerdings zu rechnen
wäre, die aber zunächst doch eine erhebliche Steigerung des
Anleihebedarfes bedeuteten. Daneben aber müßte die Ka—
zalisierung unzweifelhaft einen Ausfall an Einnahmen der
Ztaatseisenbahnen zur Folge haben, der mit sechs bis steben
Millionen jährlich nicht zu hoch angenommen ist. Aber
iese fiskalischen Rücksichten würden allein in der Frage
nicht ausschlagaebend sein, wenn es möglich wäre, die Be—
„Viese Arderne Fragerel,e murmelte er, „da werde ich
freilich nicht viel zu tun belommen.“
Wieine Mutter?“ machte das Kind erstaunt, „meine Mus⸗
jer hieß gachicht Lisbeth ··
DO vdoch — voch, besinne Dich nur, Du weißt das eben
ucht,“ möschte sich Lothar ein.
Moerne Muter hieß nicht Lisbeth,“ beharrte die Kleine.
Run freilich, wie soll sie denn sonst geheißen haben?“
Meine Mutter hieß doch Mamal“
* Alle lachten über die drollige Kleine, Lothav atmete
3I bitte Sie, die Kinder nicht mit vielen Fragen zu
malen sagte er gepreht, ich werde Ihnen noch mancherlei
tzahlen, die Kleinen sind müde.“
Mam war indes in dem hell erleuchteten Wohnzimmer
mgekommen. Frau Traumann betrachtete die reizenden Ge⸗
chichen der Kinder mit forschenden Blicken.
Ich weiß nicht,“ sagte sie seufzend, „die Kinder haben
auch nicht einen Zug von meiner seligen Lisbeth an sich.
Merhwürdigg was des Mädel da für schöne blaue Augen
hat, gerade wie Vergißmeinnicht, und Lisbeih hatte so
dunkle. Die Mädbchen gleichen gewöhnlich doch der Mutter.“
„Ach was,“ meinte Trautmann gutmütig, „dae Lisbeth
alich⸗ Dir doch auch nicht, Alte, im Gegenteil, sie sah mir
jehr üͤhnlich, so wird es auch hier sein.“
Frau Betithy verglich nun schweigend die Gesichter der
finder mit dem des Gatten, dann schüttelte sie den Kopf:
Rein. von Dir haben sie auch leinen Zug. Wenn ich nuw
Bane. aan wen mich das Ueine Mädel da erimert,“ fuhr sie
am no fort. „diest blonden, krausen Haare, und vor allem
—
„Uch, darüber zerdrechen Sie sich nur nicht den stopf,
laͤchelie Vothat, so etwas ꝛuscht oft sehr
deutung der Moselkanalisierung in ihrer wirtschaftlichen
Wirkung auf die Eisenindustrie in Rheinland und West—
'alen einerseits und in Lothringen und dem Saargebiel
andererseits einwandfrei zu ermitteln. Während die süd—
vestliche Eisenindustrie die Kanalisierung als eine Vorbe—
iingung für ihre weitere Existenzfähigkeit hinstellt, stehl
nan in Rheinland und Westfalen auf dem Standpunkt
»aß in Lothringen und an der Saar schon heute günstigere
Zroduktionsverhältnisse vorhanden wären und daß durch
ie Kanalisierung eine vollständige Lahmlegung der west—
ichen Eisenindustrie in ihrer Konkurrenzfähigkeit erfolgen
bürde. Da alle Versuche, unter amtlicher Mitwirkung ein
klarstellung dieser Gegensätze herbeizuführen, erfolglos ge—
oesen sind, glaubt die Staatsregierung, vorläufig jedenfalle
dem Projekt nicht nähertreten zu sollen.
saarbrücken, 12. April. Zum diesjährigen Spicherer—
erg⸗Turn⸗ und Spielfest ist mit den Vorbereitungen schon
egonnen worden. In der letzten Sitzung des Ausschusses
durde der Antrag gestellt und zum Beschluß erhoben, di
5piele schon am Samstag nachmittag auszufechten. Es
oll damit der Jugend mehr als bisher Gelegenheit gebo—
en werden, Sonntag vormittags dem Gottesdienfte beizu—
vohnen.
Saarbrückhen, 12. April. Der Bau der neuen Saar—
zrücke im Zuge der Dudweilerstraße geht rüstig vorwärts.
zurzeit ist man damit beschäftigt, mittelst eines schweren
dammers breite massive Holzblöcke in das Flußbett der
zaar einzurammen auf welchem dann ein gezimmerter
Boden hergestellt wird. Nach Vollendung dieser Arbei
vird mit dem Aufschlagen des Gerüstes zum Montieren
»er Eisenteile zur Brücke auf der St. Johanner Seite be
gonnen (Sbr. Volksztg.)
Trier, 8. April. Auf der heute fortgesetzten Früh
ahrsversteigerung ließen 4 Steigerer 90 Fuder 1908e
duwer⸗ und Saarweine ausbieten. Zuerst wurden 11
Fuder Marimin Staadter der Frau Landesökonomierat M
J. Keller zu Trier früher Staadt angesetzt. Diese erzielter
140 bis 2220 M., zusammen 30030 M., durchschnittlich
881 M. Gustav Banvolxem Söhne zu Trier erlösten fü—
16 Fuder Caseler 12602560 M., zusammen 24300 M.
ourchschnittlich 17366 M. Das Weingut Vanvolxem zꝛi
Wiltingen brachte 43 Fuder zum Ausgebot. Es erlöster
10 Fuder Oberemmeler 1600 bis 2110 M., zusammer
17860 M., durchschnittlich 1786 M.; 16 Fuder Wiltinge.
290- 2200 M., zusammen 25160 M., durchschnittlich
1372 M.; 156 Fuder Scharzberger 1340 —3830 M., zusam⸗
nen 72 610 M., durchschnittlich 1689 M.; 2 Fuder Scharz—
erger 2810, 2510 M., zusammen 13320 M., durchschnitt—⸗
ich 2660 M. Das ganze Ausgebot erbrachte 84. 690 M.
das entspricht einem Durchschnittspreise von 1960 M. Zum
Schluß wurden 14 Fuder Filzner des Weinguts Piedmond
u Filzen an der Saar versteigert. Diese erzielten 1990 —
2420 M., zusammen 23 110 M. durchschnittlich 1661 M
der Tagesumsatz betrug 162 130 M. oder 1782 M. im
Durchschnitt pro Fuder.
Trier, 8. April. Auf der heutigen Frühjahrswein—
versteigerung ließ das bischhöflische Priesterseminar zu Trier
30 Fuder 1908er ausbieten. Es erlösten: 27 Fuder
Tanzemer 1410- 4310 M., zusammen 65 030 M., durch⸗
chnittlich 2601 M.; 7 Fuder Wiltinger 1620-2170
M., zusammen 13080 M., durchschnittlich 1860 M.; 7
fuder Wiltinger Kupp 2208 -3600 M., zusammen 19230
M., durchschnittlich 2747 M.; 7 Fuder Ayler 2000 - 2400
M., zusammen 16060 M., durchschnittlich 2161 M., 18
fuder Caseler 1660 —32650 M., zusammen 42 860 M.,
zurschnittlich 28381 M.; 5 Fuder Trittenheimer 1690 -2060
M., zusammen 9190 M., durchschnittlich 1838 M., 6
Fuder Dhronhofberger 1760 -52610 M., zusammen 10700
M., durchschnittlich 2160 M., 2 Fuder Uerziger 1130 bie
2530 Mark, zusammen 4660 M. durchschnittlich 2330 M.
3 Fuder Erdener 2190 3130 M. Das ganze Ausgebot
erbrachte 187 960 M., das entspricht einem Durchschnitts⸗
oreis von 2350 M. pro Fuder.
Trier, 11. April. Auf Bahnhof Ehrang überfuhr
heute vormittag ein Personenzug ein Speditionsfuhrwerk
dutscher und Pferde blieben unverletzt, der Wagen wurde
pöllig zertrümmert.
Mittelberbach, 11. April. Das 8 Monate alte Mäd—
hen des Bergmanns Josef Didie griff nach der auf dem
dische stehenden mit heißem Kaffee gefüllten Kanne. Diese
türzte um und ihr Inhalt ergoß sich über die Kleine und
eine ältere Schwester, welche das Kind auf dem Arme
satte. Während das ältere Kind mit leichten Brandwunden
»avonkam, erlitt das kleine derartige Berbrennungen daß
s wenige Stunden darauf starb.
Kreuznach, 12. April. Der 19 Jahre alte Bäckerge—
ilfe Sinas aus Waldgalgesheim, der seine Gesellenprü—
ung nicht bestanden hatte, ging aus Gram darüber ins
Vasser. Seine Leiche wurde gestern aus der Nahe ge—
ogen.
Bad Dürkheim, 12. April. Der in den fünfziger
Jahren stehende Dartio wurde heute früh gegen 9 Uhr
erstickt im Pfuhlloch unter den Trümmern seines von ihm
ingezündeten Gehöftes aufgefunden.
St. Ingbert, 12. April. Auf der hiesigen Grube wurde vor—⸗
estern Abend binnen kurzem infolge der starken Nachfrage
ine zweite Ueberschicht verfahren, während auf den be—
nachbarten Saargruben die ungünstigen Absatzverhältnisse
wmer noch anhalten und in den nächsten Wochen wieder
D— TI.
Eine Dornenkrene.
Historlscher Roman von Freiherr pon Winterseld.
3 Der Fischer fuhr fort: „Was blieb nun dem Mynheer
an der Weren anders übrig, als sie hinüber nach dem
Friedhof bringen zu lassen, damit der Herr Kaplan ihr
ein christliches Begräbnis bereite.“
Der Graf war bei dieser Erzählung ansangs in starres
Erstaunen verfallen, denn wie seltsam erinnerte ihn diese
m die Freu, welche er suchte, als aber der Fischer zu
knde war, da sprang er heftig auf, ganz vergessend, daß
er in einem kleinen Kahn auf dem hochgehenden Wasser
des Kanals sich befand.
„Fahrt mich zurück! Schnell, schnell, das doppelte
jebe ich Euch noch, als was ich Euch schon gegeben
sabe!“ rief er heftig und in seiner Aufregung trat er auf
ie eine Seite des Kahns, so daß sich derselbe nach dieser
in stark neigte. Graf Kallen verlor hierbei das Aber—
zewicht, vergebens suchte er mit den Händen nach einem
dalt, aber er saßte nur in die Luft und ehe der Kahn⸗
ührer es hindern konnte, stürzte der Graf kopfüber in
das Wasser.
.Der Ruderer legte natürlich sofort die Ruder bei Seite
ind suchte dem Grafen zu Hilse zu kommen, aber es
vürde ihm kaum gelungen sein, den des Schwimmens
ischeinend unkundigen Grafen noch zu retten, wenn
nicht in einiger Entfernung ein anderer Fischer den Vor⸗
zang beobachtet und nun schnell zu Hilfe gekommen
väre. 7*
Den vereinten Bemühungen der beiden Fischer gelang
s endlich, den schon mit dem Tode des Ertrinkens
ämpfenden Grafen zu retten und ihn in den Kahn zu
ringen. Sie ruderten schnell über den Kanal, wo sie
en Bewußtlosen zunächst am Afer niederlegten und unter
ex Einwirkuna der Bamen Sonnenitrablen, und den
ine Feierschicht zu erwarten ist. Auch in den Lohnver—
ältnissen auf den zuletzt genannten Gruben ist noch keine
zesserung eingetreten, un Gegenteil, die Klagen hierüber
verden immer lebhafter.
* Freuznacy, Apru. CTodlicher Absturz.)
Zei Kletecrverfuchen siürtte der 22 Jahre alie Friseur
Pryzioylla von der 300 Meier hohen Bastei ab unod blieb
erschmetert unen liegen.
* Wiesbaden, 12. April. GerbranntesKind.,
deute morgen 59 Uhr brach in der Wohnung des Tün—
hers Büdlein der Walliufeestrahe 3 in Abwesenheit des
vͤh paares enn Brand aus. Tucch ein Fenster drang man
in die Wohnung ein und rertee ein zweijähriges Kind,
2a3 nur leicht verletzt ist. Als man die Wohnungstüre
einschug, sand man ein vierjähriges Kend lichcecloh bren—
iend und tot vor.
* Mannheim, 12. April. (Selbstwmord aus Ei—
ersucht) Ene blitige Eifersuchtsszene spielte sich
m Hausur einer Pfälzer Wenn ue ab. Der 22 Jahre
alte Kaufmann Jakob Mangold, der mit einer dort be—
chifagsen Kellneren ein Verhältnis hatte, erschien gegen
l Uhr und sorderte nach kurzem Verweilen das Mädchen
auf, mit ihm nach Hause zu kommen, da er ihr ein letz
ses Wort zu sagen habe. Auf dem Korridor versetzie
Nangold dem Mädchen eine derbe Ohrfeige und schoß
ich gleichzetig eine Revolverkugel in die Schlaͤfe.
bangold war sofort tot.
* Kaiserslautern, 12. April. (Schauerlicher
bdod.) Der 50jährige Winzer Martin aus Dürkheim hat
m Sbufe wahn sein Gehöft eingeäschert. Später wurde
harten erstick in der Puhlgrube un er dem Brandschutt
usge unden.
Aus aller Welt. J
Der preußische Staat als Erbe. Der in Posen
erstorbene Landesökonomterat Könnemann hat als ein—
ziigen Leibeserben eine Tochter, die verwitwete Ritterguts⸗
esitzerin Hedwig Jouanne, hin erlassen. Wie verlautet,
hat K. den größten Teil seines 120 000 Morgen umfassen⸗
»en Grundbeesites, der zumeist in der Provinz Posen ge—
egen ist, dem preußischen Staate vermacht. Ein Teil sei—
ies Vermögens dürste dem Ostmarkenverein zufallen.
8 175. Zu den Aufsehen erregenden Verhaftungen
in Bremen auf Grund des 8 175 wird noch gemeldet,
daß dem Vernehmen nach einer der Verhafteten bereits
wie der auf sreiem Fuß gesetzt wurde, weil der gegen ihn
hestehende Verdacht haltlos geworden war. Hinter den
Flüchtigen sind nunmehr Steckbriefe erlassen worden. Es
oll sich bestätigen, daß sich unler den Verhafteten auch
ein früherer Polizei-Kommissar befindet. Die den Ver—
hasteien zur Last gelegten Vergehen sollen sich auf einen
zängeren Zeitraum erstrecken.
Beim Trainieren verunglückt. Beim Trainieren
'ollid erte in Leipzig der bekannte Rennfahrer Bergnel so
unglücklich mit seinem Schrittmacher, daß er stürzte und
ich eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Er wurde be—
wudtlos ins Krankenhaus gebracht.
Zur Hofrichter⸗Affäre. Die kriegsgerichtliche Ver—
jand ung gegen den Oberleutnant Hofrichter soll am 28.
April stattfinden. Als Richter sungieren Offiziere des
eutichmeister⸗Regiments.
Ein verurteilter Spion. Das Wiener Landgericht
erur eilie den Spion Josef Jeczek, der die bekannten
einthül ungen über die russische Spionage in Oesterreich
ind Deutschland machte, wegen versuchter und vollbrach
er Spionage, sowie mehrerer in Berlin begangener Dieb—
ähle zu 4 Jahren schweren Kerler. Jeczek hatte, wie er
olesen, während der Annektionskrise im Dienste Ruß—
ands und Frankreichs die Auslkundschaftung österreichisch
mgarischer Truppen-Bewegungen und die Besorgung mi—
itärischer Dokumente übernommen.
Unglück im Steinbruch. In der Nähe des Dorfes
kautry bei Czernowitz spielten etwa 30 junge Leute in
em dortigen Steinbruch. Plötzlich stürzten mehrere sehr
chwere Steine ab, die Leute unter sich begrabend. Sieben
bersonen wurden getötet, 9 schwer und 8 leichter verletzt.
Eingestürzter Schuppen. In den Docks von Mar—
eille stürzten die Troclenschuppen für Tabak, in denen 80
Irbeilerinnen beschäftigt wurden, aus unbekann er Ursache
lötzlich ein. Die Feuerwehr eilte zur Hilse herbei und
befreite zehn von den Trümmern begrabene Arbeiterinnen.
drei von ihnen sind schwer verletzt.
— Explofsion. Auf dem Passagierdampfer „Albanian“
plodierte bei Liverpool ein mit Petroleum gefüllter Zy⸗
mider. Mehrere Personen wurden iebensgefährlich verletzt.
Von der Vuftschiffahrt,
2Dieersten Aufstiege des, Z3. 4“. Am Pfingst⸗
onntag findet in Manzell der erste Aufstieg des „3. 4“
»er Zeppelin-Gesellschaft mit der Ulmer Karnevalsgesell—
chaft statt, deren Ehrenmitglied Graf Zeppelin ist. Das
Jbkommen ist für hundert Personen getroffen. Bei vier
Bruppensahrien kostet eine Rundfahrt über den Bodensee
ro Teilnehmer 100 Mark.
*zZeppelins NordpolErpedition. Die
Zeppelin⸗Gesellschaft nimmt dieser Tage Probever,
ushe mit einem Eisanker am Morteratgletscher be
Pontresimn vor zur Erprobung der besten Verankerung für
zie Polar-⸗Expedition. Graf Zeppelin jelbst wird sich we
gen schlechter Witterung an den Probeversuchen nicht be—
eiligen.
*Ein Parseval-Luftschifffür Rußland.
das ruisische Kriegsministerium, das bekanntlich schon in
Frankreich zwei Lenkballons bestellte, hat nunmehr auch
der Parseval-Lustschiffvau-Gesellschaft in Bitterfeld den Bar
eines Parsebal⸗Lenkballons in Auftrag gegeben. Mit de
Zer stellung des Luftschiffes ist bereits begennen worden
Tas Luftschiff soll Ende Juli in Petersburg abgeliefer:
weroien. Niz2Wreis wurden 180 000 Rubel vereinbart
Widerbelebungsversuchen seiner Retter schlug der Gra
nach einer Weile die Augen wieder auf.
Nun kam ihm sofort die Erinnerung zurück; es fiel
hm ein, was seinem Sturz in den Kanal vorangegangen.
var und daß die eigene Unvorsichtigkeit denselben ver—
mlaßt hatte.
„Fahrt mich zurück, ich muß den Männern mit de
Toten nach!“ rief er wild und sprang auf.“ Abkr nur
ah er erst, in welchem Zustand er sich befand. Ohn
Zopfbedeckung, denn sein Hut schwamm irgendwo in
Zanal; die Kleidung vollständig in Unordnung und er
irgerte sich über seine Unvorsichtigkeit. Ihm wurde es
zlar, daß er zu einer solchen Aufgabe, mit welcher ihr
der König betraut hatte, nicht tauchte.
„Nein, ich will lieber hier bleiben, um meine Kleider
in der Sonne etwas trocknen lassen,“ fuhr er ruhiger fort,
er hielt dies für richtiger und gleichzeitig hielt er es auch
ür erfolgreicher, wenn er in dem Hause Rachforschungen
instellte, in welchem die Frau ihr Leben ausgehauch
hatte. „Hier, Ihr wackeren Leute, dies dafür, daß Ihr
mir das Leben gerettet habt und nun meinen Hut, wer
ihn mir bringt, dem lohne ich es noch extra.“
Die Fischer machten vor Freude fast einen Lustsprung
als jeder von ihnen von dem Grafen ein Goldstück
die Hand gedrückt bekam und wenige Minuten später
waren sie schon wieder in dem Kahn und suchten nack
dem verloren gegangenen Hut des Grafen. Dieser ginc
indeß langsam am Ufer auf und ab, denn ein Fröstelr
durchlief seinen Körper durch das unverhoffte und unfrei
willige Bad und ließ sich von der warmen Morgensonn
hescheinen.
Die Fischer sah er zurückkommen; sie hielten schon
on Wellem seinen Hut hoch, den sie wirklich noch er
eicht hatten, wenn es ihnen auch nicht leicht geworden
oar. Da dor Graf seine Absicht geändert hatte, so be
urite ex ihrer zunächst nicht mehr. daher pergbichiedeter
»Einlenkbarer ,‚Frelbdalfrson— Vor einigen
—äazen fanden n Hamburg mehrere Aufstiege mit einem
entbaren „Freiballon“, — nicht Motorluftschiff — statt,
zie ziemlich aussichtsresch verliefen und welche die Hoff—.
iung gewähren, daß die Katastrophen der Freiballons
stark veem neert werden. Sehr viele Unzlücksfaͤlle — wie
z. B. der n Stettin — erfolgen dadurch, daß der Frei—
hallon völlig en Spielball der Winde ist. Aus diesem
runde konnten die Führer des Ballons „Pommern“ es
ucht verhindern, daß der Ballon gegen den Schornstem
zetrieben wurde, wodurch die ganze Katastrophe eist vor⸗
zere tet wurde. Ist aber erst einmal eine Lenkbarkeit des
rnichtmotorischen Freibatlons ermöglicht, denn we den der—⸗
irt ge Unglüasfalle abgewendet. Der Apparat ist im
Prinzip schon erfunden
Arbeitervewegnung.
— Zur Aussperrung im Baugewerbe. Der Arbeit—
eber⸗Verband suͤr das Baugewerle in München ver—
angt von den Zement-Fabriken, Ziegeleien und Bauma—⸗
rialien-Hündlern, daß sie während der Dauer der be—
orstehenden Aussyerrung die Lieferung der Baumateria—
jen nach München einstellen. — Eine stark besuchte Ver—
re er-Versammlung des Bezirks-Verbandes Thüringen der
eutschen Bauarbeitgeber-Verbände beschloß, am Freitag,
en 15. dss. sämtliche Maurer, Zimmerer und Bauarbei—⸗
»r zu entlassen und die dem Beairls-Verbande angehören⸗
en 1054 Geschäfte zu schließen. Von der Anehagrnn
erden ungefähr 16 000 Arbeiter betrofsen. — Gemä
em Beschlusse des Vorstandes des Mitteldeutschen Arbeit
eberverbandes für das Bauzewerbe hat Dienstag Mittag
er Mainzer Verband der baugewerblichen Unterneh
ier ebenfalls beschlossen, am Freilag, den 15. April alle
Belracht kommenden Betriebe zu schließen. — Die vom
ayerischen Minister veranlaßten Einigungsverhandlungen
n Baͤugewerbe sind ergebnislos verlaufen. Infolgedessen
aben der nordbayerische Bezirksverband und der mittel—
räntische Verband der Arbeitgeber beschlossen, am 16.
—
— RArbeiterentlassungen. In den Vtilitärwerkstätten
u Spand au steyen ums angreiche Entlassungen von Ar—
„eitern beror. Mehrere hundert Personen haben bererts
hre Kündigung erhalten. Die Betroffenen haben sich nun
neiner Eingabe an den Kriegsminister gewandt mit der
zitie, diese Mabregel rückgäangig zu machen und der ge
amten Arbeterschaft daducch Beschafiigung zu geben, daß
Ulgemein in den Wer stätten die Arbeitszeit verkürzt wer—
en soll. Dieses Gesuch ist abgelehnt worden. Die Direl
ionen machen den Arbeitern Prioatsabrilen in Groß-Ber—
in namhaft, wo sie Beschafigung erhalten würden. Di
Arbeiter haben die Sozialdemokraten im Reichstag aufge
ordert, die Sache im Reichsstag zur Sprache zu vringen
— Ausstand. Die Angestellten der Rheinischen Bahn
e ellschaft in Düsseldorf send in eine Lohnbeweg
ing eingetre en. Sie haben an den Vorstand und Auf.
ichtsrat das Ersuchen gerichtet, neben der Verkürzung der
Urbei!lszeit eine Erhoöung der Löhne vorzusehen.
— Der Ausstand der Müllkutscher in Paris, dem
nan bei der Fütle ernter Ausstandsbewegungen keine be
ondere Beachtung zuwandte, beginnt allmählich einen be—
deutenden Umfang an,unehmen. Denn den Kutlschern der
Nüliwagen haben sich noch andere Arbeiter der städtischen
Ubfuhr angeschlossen, sodaß die Zahl der Feiernden be—
eits sehr bedeutend ist. Von dieser Arbeitverweigerung
verden die Voror.e ebenso betroffen, wie die Stadt Pa
is selbst. Indessen ist es bisher noch möglich gewesen,
hie an und für sich sehr mangelhafte Müllabfuhr notdürj—
ig zu bewältigen, sodaß wenigstens in den Straßen die
Anhaͤufung von gesundheitsgefährlichem Kehricht vermie
»en wird. Den Ausständischen haben sich auch seiernde
Erdarbeiter zugesellt. In Versailles ist die Absuhr fasi
mmöglich geworden. Das Bedenklichste aber ist, daß in
inigen Vororten die Aufregung auch auf die Bauarbeiter
ich auszudehnen scheint, dann würde auch Paris von ei—
ier großen Arbeitstockung nicht verschont bleiben.
— Der Ausstand der Seeleute. Aus Havre wird
erichtet, daß der Syndilats-Sekretär Marck daselbst ange—
ommen ist und sofort eine Versammlung des Syndikata
»er eingeschriebenen Seeleute einberufen hat mit dem
zweck, die eingeschriebbnen Seeleute von Havre aufzufor—
sern, sich mit den Seeleuten von Marseilie solidaricch zr
rilaren Am Schluß der Versammlung, die sehr zahl
eich beucht war, zogen ungesfähr 2000 eingeschrieben
Zeelcute in geschlossekem Zuge durch die Straßen de.
Ztadt, sangen die Internationale und brachten Schmäh
rufe auf den Unterstaatssekretär Cheron aus. Zwischen
alle ereigneten sich ucht. Die Pol zei brauchte nicht ein
uschreiten. — „Paris Journal“ verichtet aus Graz, daß
er Streit der Sceleute mmoerandert fortdauert. Die Ar—
eiten im Hafen sind vol standig unterbrochen.
Vokales.
Der Tod in der Statistik. Nach den Veröffentlich
ungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes sind in der Zei
»om 20. bis 26. Marz von je 1000 Bewohnern, auf das
Jahr berechnet, als gestorben gemeidet: in Berlin 14, in
Lharlottenburg 10,9, Breslau 16, Köln 16,4, Barmer
10,5, Elberfelo 12,4, Dusseldorf 12, Aachen 9,7, Dort
mund 15,8, Essen 14,6, Konigsberg i. Pr. 17,8, Frank
furt a. M. 13,3, Wiesbaden 10,9, Hannover 15,6, Mag
deburg 14,8, Stettin 14, Altona 17,9, Straßburg i. E
15,4, Mes 18,6, München 19,4, Nürnberg 15, Augsbure
15,6,. Dresden 16,1, Leipzig 14,8, Stuttgart 13, Karls
uhe 13,5, Braunschweig 16,3, Hamburg 13,6, Main—
173, Bremen 15,9, Kassel 9,4, Darmstadt 13,4. Der Ge
undheitszustand war in der Berichtswoche in der über
viegenden Vehrzahl der größeren Städte Europas ein
der Vorwoche ähnlich günstiger und die Sterblichkeit eine
niedrige. Die Zahyl der deutschen Orte mit sehr geringer
Sterblichkeit (unler 15 auf das Tausend und Jabr) 168
sie sich von ihm, nachdem sie den reichen zog für das
Aussuchen des Hutes in Empfang genommen hatten.
— 8. Kapitel. 5—
Wohl noch eine ganze Stunde verweilte der Graf jetz
im Ufer des Kanals, ehe er glaubte, nun seinen Weg
jortzusetzen und sich zunächst dort in die Villa zu bege⸗
ben. Er ordnete seine Kleider, die freilich noch immer
ehr feücht waren und schritt auf das eiserne Tor zu.
Die beiden Brüder pan der Weren, die von der Villa
uus einen Ausblick auf den Kanal hatten, waren Zenge
des Unfalles des Grafen Kall gewesen, denn sie hatten
die Leute beobachtet, welche die Leiche fortbringen sollten.
Das Gebahren des Grafen war ihnen von Anfang an
auffällig erschienen, daher hatten sie ihn auch nicht aus
den Augen gelassen.
„Ich erinnere mich jetzt!“ flüsterte der Ministerialra.
einem Bruder zu, „diesem Herrn gestern Abend auf dem
Feste begegnet zu sein. Er ist einer von den Kreaturen
es Königs.“
„Ah, so beginnt wohl der Kampf schon; nun gut
ilso da heißt es vorsichtig sein und diese glattzüngigen
Franzosen sollen sich hüten, doch ruhig jeßt, ich höre ihn
schon in das Haus eintreten!“
„Seine Gnaden, Graf Kall!“ schrie Peter jetzt in
das Zimmer und ihm auf dem Fußte folgte der Ange
meldete.
NRach kurzer sepenseitiger Vorstellung ging der Graf
zirekt auf sein Ziel los, da er in Ministerialrat van der
Weren einen hohen Königlichen Beamten fand, so hiel
r dies für eine günstige Vorbedeutung, denn es war si
her, daß er hier Unterstützung fand, wo es sich um eine
Ingelegenheit handelte, die den König so nahe berührte
„Gestern Abend, glaube ich, haben Personen in den
dause hier Zuflucht gesucht, deren Spur nachzuforschen ich
nich guf's Außerite gedrungen fühle