Full text : Dudweiler Zeitung

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ahmten. Wahrend in dem durstigen Jahre 1899 und
900 auf jedem Deutschen, gleichviel ob Mann ob Weib,
vb Kind oder Greis, im Durchschnitt 125 Liter Bier ka—
ten, sanl der Verbrauch allmählich bis zum letzten Jahr«
Af 111 Liter. Auf annähernd der alten Höhe hat sich
agegen der Verbrauch an Trinkbranntwein gehalten
xs wurden nämlich im letzten Jahre auf den Kopf der
Zevöllkerung 4,2 Liter Alkohol in den fresen Verkehr ge
etzt, wobei zu berücksichtigen ist, daß dies etwa einern
stenge 11,1 sertigen Getränkes entspricht. An Wein wur—
»en in Deutschland 2020 620 Hektoliser geerntet, zuden
lerdings noch 972 830 in Fässern eingeführten auslän
ischen Weines traten. Dem Staate trug der Branntwein
erbrauch an Zöllen und Steuern den anjeshnlichen Be
rag von 176 009 000 Marfk

Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
2KFöln, 14. Nov. 66600 Mark abgeknöpfth wur
»en einem Ktaufmann in einer h'esigen Spielhölle an de
Bfeilstraße. Die Polizei ersuhr hiervon und hob wahren
er Nacht das Spielnest aus. Man traf zehn Spieler bein
erbotenen Spiele an, darunter vier, die als gewerbs
äßige Spieler der Polizei bekannt waren.
* Köln, 14. Nopv. (Dem nächstjährigen Ro—
»umounutagszug) wird die Idee des Präsidenen
er Großen Kölner Karnevalsgesellschast, Herrn Wingen
er, „Verkörperte Zitate“, zugrunde gelegt. Zur Hebun—
er Ausgestaltung des Zuges hat sich unter Mitwirkur—
es Oberbürgermeisters ein Komitee gebi det, das ein
zumme von 40000 Mark aufzubringen beabsichtigt. da
ur glanzvollen Durchsührung des Zuges verwendet wer
en soll.
* Trier, 14. Nob. ODie Kanalisierung des
dosel und Saar.) Die gesiern hier unter dem Vor
tz des Oberbürgermeisters v. Bruchhausen stattgehabt
zersammlung des Verbandes für Kanalisierung der Mose
ind der Saar gestaltete sich zu einer eindrucksvotlen Kund
ebung für dieses Projekt. Professor von Hermann-Schu
tacher⸗Vonn sprach über die Volls- und weltwirlichaft
iche Bedeulung des Planes, wahrend die Dringlichkei
einer Ausführung und die pattalcaeutartsche Lage vor
eandtagsabgeordnesen Landgeriuscat Schrener-Trier und
dandgerichtsdireltor Dr. Röchling Berlin erörtert wurden
Die Versammlung nahm folgende Enischließung an: „Die
mier starler Beteiligung von Vertreieen der Stadt- und
dandgemeinden, Hande!srammern und anderer Körper—
chaften des Handels und der Industrie, Landwirtschaft
ind des Weinbaues aus dem westlichen Deutschland in
bdrier tagende Hauptversammlung des Verbandes für Ka—
zalisierung der Mosel und der Saar spricht ihre Ueber—
eugung dahin aus, daß eine Kanalisierung der Mosel
ind der Saar für alle Erwerbsstände günstige Erwerbs—
hedingungen erhofsen läßt und daß sie insbesondere auch
zon großem Vorteil für die Stellung unserer deutschen
kisenindustrie auf dem Weltmarkte ist. Darum kann die
zerßammlung die Erklärung der preußischen Regierung
zom 7. April d. J., die ius die inländischen Wettbe—
verbsverhältnisse zweier Gruppen der deutschen Eisenindu—⸗
trie und nicht ihre vol:switschaftliche Gesamtlage ins
luge gefaßt, nicht als geeignet betrachten, die Bestrebun—
jen nach der Kanalisierung jener Flüsse auch nur zeit⸗
veise zur Ruhe kommen zu lassen Sie nai ssich vSie

es gelauscht. 7cun richtete sich ihr wie in vnmiunchr Br
lärung strahlendes Auge auf das junge Mädchen.
„Gelobe es mir, Regine, daß du den Jungen nicht ver—
assen willst, du und Heinz, Ihr seid zwei Vereinsamte und
ehört zusammen!“
zIhr seid zwei Vereinsamte und gehört zusammen!“
die Worte waren bestimmend für Regine Sie bedachte nicht
änger, daß zur Ehe die Liebe gehört, und daß sie ein kaum
ierkliches Interesse für den Mann hegte, mit dem sie sich für
jeit und Ewigkeit verbinden sollte Sie sah nur den eud—
os dunklen, einsamen Weg vor sich, den sie gegangen war
4 u der Stunde, die sie mit Seinz Diesing zusammen.
ihrte.
Wie eine Vision tauchte die Vergangenheit in ihrer
anzen, beklemmenden Freudlofigkeit vor ihr auf. Ein
zrösteln durchlief ihre schlanken Glieder. Das Alleinsein
erschien ihr öder, abschreckender denn je zuvor.
Auf der anderen Seite aber war rasch pulsierendes Le—
en, Licht und Wärme. Ein Leben zu Zweien ..und
eereinst vielleicht als Entschädigung für manche Ent—.
äuschung ein paar liebe Kinder, die sie behüten, deren gan—
es Glück sie sein durfte.
Seise weinend sank sie an dem Sterbelager nieder, ihre
ippen berührten die Hand, die mit nimmer raftendent Fleiß
isher für den einzigen Sohn gesorgt hatte. „Ich will, üebe
dutter. will Seina liebhaben ihm eine gute, treue Frau
in.
„Dafür segne dich Gott, mein Kind, o, ich wußte, daß
—D—
„Und ich, Mutter, verspreche dir, Regine als mein höch
es Gut zu schützen und heilig zu halten“ Heinz sagte et
nit tiefernster, bebender Stimme, durch die allerdings
ürmisches Glücksempfinden hindurchklang.
Er kniete neben Regine, mit gebeugtem Haupt. Viel—
icht erwartete er, die Hand der Mutter solle sich doch noch
inmal heben, um ihn und seine Braut zu segnen.
Aber die gelähmten Glieder versagten der Sterbender
en Dienst. Sie lag ganz still: nur ihre Augen ruhten grof
ind strahlend auf den beiden harmonischen Gestalten, di
rm in Arm, an ihrem Lager standen.
Regine hätte nie sagen können, was an diesem Tage ir
r vorging. Vorherrschend war wohl eine ftille Entsagungs.
eudigkeit. Wenn sie in das stille, friedliche Gesicht der
dutter sah, empfand sie eine wohltuende Befriedigung da
den den letzten Wilien einer Schwergeprüften erfüllt zu
cden.
n lektor tunbe richtots Trou Diofinag an ihren Sasr

meyr der HFoffnunßrg hytn, daß vie Regierung hren bishe—
tigen Eutschluß, den sie selbst durch das Wort „zur Zeit“
als einen nur vorläufsgen gekennzeichnet hat, durch eine
endgültige Entscheidung erfest, die getragen ist von staats
männischer Einsicht in die große volks- und weltwirtschast
iche Bedeurung deses von Natur wie Geschichte vorge—
eichneten Projektes, das unter allen Wasserproselten vor
deutschland nicht nur als das rentabelste, sondern auck
ür die Gesamtinteressen bedeutendste bezeichnet werden
nuß. Die von dem elsässisch-lhringischen Landesaus—
chuß gesaßte Entschließung, den Bau einer Kanalstrecke
Netze Diedenhosen mög'ichst von Landeswegen in Angrif
u nehmen,; begrüßt die Versammtung als für das Ge—
amtunternehmen fördernd, sofern der Ausbau dieser
Strecke in den für den Großkanal vorgesehenen Abmessun—
jen erfolgt. Sie gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß
ie elsässisch-lothr ngische und die großherzoglich luxembur—
zische Reg'erung nunmehr alles, was an ihnen liegt, zur
»aldigen Verwirilichung dieses großen Unternehmens tun
verde.“
r *
Hochwasser. *
döln, 14 Nov. Der Wa erstand des Rheins ist
urückgegangen. Die zweite Beschränkung der Schiffahrt
st damit aufgehoben.
Neuwied, 14. Nov. Infolge des Hochwassers steht
die Landstraße zwis hen hier und Leutesdorf streckenweise
uinter Wasser, sodaß der Bahnhaf Leutesdorf kaum zu er—⸗
eichen ist. Der Fähedampfer, der den Verkehr mit Wei—
zenturm vermittelt, mußte die Fahrten einstellen. Auch
»er Wiedbach ist aus seinen Ufern getreten. Das Wasser
aällt jetzt ziemlich rasch.
Koblenz, 14. Nov. Die gefürchtete Hochwasserge—
ahr scheint beseitigt zu sein, da der Rhein rasch fällt. Der
zegelstand war 6.45. Auch die Mosel ist merklich ge⸗
allen. In Kochem hatte sie den höchsten Wasserstand seit
»em Jahre 1882 erreicht. Die am Flusse gelegenen be—
iachbarten Ortschaften waren dadurch vom Verkehr mit der
ztadt abgeschnitten.

* 2 7
Spiel und Sport.
Rütt und Stol. Die Teilnahme von Rutt und
ztol an dem am 5. Dezember beginnenden New-Yorker
zechstage-Rennen ist, einem Privattelegramm zufolge,
unmehr gesichert, da der Kontralt mit Pat. Powers ab
eschlossen ist. Interessant ist, daß kontraltlich festgelegt
purde, daß weder Rütt⸗Stol noch Powers die von der
mion Cyeliste Internationale verhängten Strafen bezab
n werden. Wabrscheinlich wird diesmal wegen der
differenzen nnerhald des Welt-Verbandes keiner der fran
ösischen Rennfabrer in New⸗-NYork starten
αüö⏑
Von der Luftschiffahrt.
*Flügedes Prinzenpaares Heinrich v
ßreußen Prinz KHeinrich von Preuden weilte Sonn
ag nachmittag auf dern Eulerschen Flugielde bei Gries
eim. Nachdem der Prinz mit Herrn Euler einen länge
en Pafiagierflug auf einer neuen Flugmaschine ausge
ihrt, der über Väume und Telegraphenleitungen hinweg
ihrte, juhr der Prinz allein etwa zwei Kilomeer au
iner anderen Maschine. Kurz darauf traf die Prinzessir
einrich aus dem Flug'elde ein und unternahm mit Hren
uler einen Passagier“ug von etwa 20 Kilometern Länge
zei diesem Flug wurden Höhen von etwa 120 Metern er
eicht. Die Landung erfolgte glatt mit abgestelltem Mo
»x. Die Prinzessin war entzückt von dem schönen Flug
päter unternahm Prinz Heinrich allein mehrere gelun—
ene Flüge, die ihn als Meister des Sieuers zeigten.
*Ballon „Clouth“. Die Abteilung Lustschiffbar
er Firma Franz Clouth in Köln-Nippes hat sich mit der
arseval⸗Gesellschaft in Berlin vereinigt. Diese hat da
uftschiff Clouth“ und seine besonderen Kaönstruktionen
bernommen.
—A — — —,—. — —
zuterview mit Rapoleon dem Ersten.
Kürzlich sind in London die Memoiren von Lady
john Russell erschienen. Das Buch enthält eigene Er
merungen und auch Auszüge aus dem Tagebuche ihres
atten. Lord Russell hat im Jahre 1814 Napoleon in
zorto Ferrajo besucht und genaue Auszeichnungen über
ie Audienz hinterlassen.
„Um acht Uhr begab ich mich“, so schreibt er, „zu
em Palaste, einem ärmlichen Gebäude. Man ließ mich
inige Minuten warten, dann wurde ich von Graf Droue!
dapoleon vorgestellt. Der Kaiser war allein. Er trug
en grünen Rock und hatte einen Hut in der Hand. Seine
kleidung stimmte mit seinen Bildern überein, aber sonsi
»ar ich übet ihn enttäuscht. Er ist sehr klein, seine Dicke
ermehrt noch den Eindruck Seine Hände und Beine
nd auch stark geschwollen, was diesen Eindruck noch er⸗
öht. Er hat Hängebacken und ein Pserdetenner würde
eine grauen Augen gefährlich nennen, und sein Mund
errüt Menschenverachtung und Spotitlust. In seinem Be—
ehmen erscheint er gutmütig und eine gewisse Famiia⸗
tät soll wohl dazu dienen, den Besucher gesprächig zu
achen. Er sitellt eine Menge Fragen und wiederholt sie
infin ohb garts ainß Mutfmört zu —

aoch eine ernste Mahnung, „Halte auch du Wort, Heinz
zergiß nie, wie große Opfer Regine deinetwegen brachte
Zolange du sie als dein höchstes Kleinod ehrst, ihretwillen
e Leidenschaften in àjr überwindest, wird es dir wobl.
rgehen. Sovard du ader treutos dein wersprechen drichsi
pirst du ein unglücklicher Mensch sein.“
Er gelobte wieder und wieder, daß es das letzte Ma
zewesen sei, wo er am Spieltisch seine Ehre gefährdete.
Die Mutter schenkte seinen Worten Glauben, und trotz
em sie schwer litt, lag ein Lächeln um ihre blasfen Lippen
Den gangzen Tag hatte es gestürmt und gewettert, bis
n die Mitte des Zimmers hinein machte sich der scharfe
dordost bemerkbar.
Nun die Dämmerung herabsank, klärte es sich langsam
uf. Zwischen den Wolken blitzte hier und dort ein Stern
uf, die Luft wurde klar und eisig.
Das Brautpaar war nicht bom Schmerzenslager der
Nutter gewichen. Seit einer Stunde schon lag sie unbe—
eglich, leise und gleichmäßig atmend.
Plotzlich schreten die beiden aus ihrer schmerzlichen
rantacheit empor. Wie auf Verabredung hielten sie den
em an.
Es herrschte tiefste Stille im Zimmer, die feierliche
duhe des Todes.
Ohne Kampf, stumm und ergebungsvoll, wie sie ge⸗
uldet und gelebt, war Frau Diesing hinübergegangen.
Heinz brach mit einem erschütternden Aufschrei zu—
ummen. „Ich habe es unterlassen, sfie um Verzeihung zu
itten, trotzdem ich ihren Tod verschuldele... DO Mutter,
Vutter. du mein alles, wärst du doch nur hei mir ge⸗
lieben!
Da legte sich eine bebende Mädchenhand beschwich⸗
igend auf fein dunkles Haar, von dem die Dahingeschiedene
ft gesagt hatte, daß es so eigenwillig sei, wie sein Sinn.
„Tröste dich, Heinz, du bist ja nicht ganz vereinsamt,
u hast ja noch mich.“
Nit einem Ausruf, der zwischen Schmerz und Selig
ꝛit schwankte, zog Diesing das blonde Mädchen fest an sich.
„Regine, Geliebte, habe Dank für deine Worle. Unt
»llte ich dich je kränken, so erinnere mich an diese Stunde,
nd du wirft wich um Vor-burg flohend zu deinen Füßen
hen.“
Das junge Mädchen schüttelte leicht den schönen Kopf.
Vvenn du selber diese Stunde je vergißt. Heinz, so würde
auch vergeblich sein, dich an sie zu erinnern. Woran wir
icht mit ernstent Wollen festhalten, das ist uns verloren,
ran werden Vorwürfe und Anklagen nie etwas ändernt?
*Rn⸗ y iιfinoti Sobe mint e 3

sett, die er wohl den 15 Jahren als oberster Herrscher
u verdanken hat.“ Manche seiner Fragen, meint Lord
dussell naiv, stellen seine große Unwissenheit in vielen
dingen bloß.
„Wenn man etwa sagt, das ihm angenehm ist, so
recht er den Kopf vor und hört mit großem Initeresse zu.
er wiederholt die Antworten, die ihm gefallen. Aber
»enn das Thema ihn nicht interessiert, wendet er den
dopf ab und wechselt rücksichtslos den Gesprächsstoff. Nach
lter Gewohnheit begann er mit Fragen über die Familie
eines Besuchers. Er fragte mich, wieviel Geld mir mein
zater gibt, ob ich Schulden habe, ob ich trinke, spiele ꝛe.
dann wollte er wissen, ob ich in Spanien war, und ob
ie Inquisition mich verhaftet habe. Ich sagte ihm, daß
h zugegen war, als die Abschaffung der Inquisition an
eregt wurde, und wie ungeschickt diese Maßregel vorbe
eitet worden sei. Er meinte, daß König Ferdinand voll—
ändig in den Händen der Priester sei. Dann sagte er:
Spanien ist ein schönes Land, Italien auch. Mir haben
Andalusien und Sevilla besonders gut gefallen.“ Ich ant—
portete: „Ja, aber das Land ist doch sehr unkulliviert.“
Dann kam das Gespräch auf Wellirgton. Napoleon
agte, er sei ein großer, starker Mann, ein großer Jäger,
nnd dann fragte er mich, wie ihm Paris gefiele (Well
agton war als englischer Gesandier nach Paris geschickt
porden) Ich sagte: „Er langweilt sich, er weiß nicht
vas er in Friedenszeiten anfangen soll.“ Darauf erwi—
erte Napoleon: „La g'terre est un grand jeu, une belle
ccupation. Ich wunderte mich“, fuhr er fort. daß die
ingländer ihn nach Paris geschickt haben. Manliebi
icht den Mann, der einen befiegt hat. Ich habe niemals
inen Mann nach Wien geschickt, der an der Campagne
egen Oesierreich beteiligt war.“ Dann fragte er mich
hlau: „Wer ist jetzt englifcher Gesandter in Florenz?“
jch erwiderte Lord Burghersh.“ „Ist es ein ehrlicher
Nann? Es gibt zwei Sorten Engländer, Intriganten und
zrliche Leute. Zu welchen gehört er?“ lautete die Gegen⸗
eage. Diese an sich unschuldige Frage sollte wohl ver⸗
ecken, daß es Napoleon sehr daran lag, sich über den
Nann zu informieren, der hauptsächlich mit seiner Be—
achung in Elba beauftragt war.
Im weiteren Verlauf des Gespräches sagte der Kai—
ꝛr: „Die Ueberlegenheit der Engländer über die Franzo⸗
en liegt in der Tatfache, daß in den Parlamenten haupt⸗
ichlich Grundbesitzer und vern ünftig denkende Leute süßen.
zine unglückliche Expedition, wie die des Herzogs von
)ork, würde in Frantreich den Sturz der Regierung zur
folge haben. Ihre Zugehörigkeit zu der Geschichte des
andes stärkt diese englische Aristokratie. Ich habe ver—
icht, in Frankreich eine Aristokratie mit meinen Genera—
n zu gründen, und zum Dotieren dieser neuen Fami—
en hatte ich eine Summe Geldes vorgesehen, die mir
on der österreichischen und preußischen sKtriegsentschädig⸗
ia übrig blieb.“
der Plan ist nie durchgeführt worden.
MNeiternich wurde von Napoleon als Weltmann und
iebhaber schöner Frauen bezeichnet. Er sei aber zu ver⸗
gen als Staatsmann, denn in der Politik muß mau
icht zu viel lügen.“
Dies ist nur ein eines hochinteressanten Buches,
is viele neue Bilder von bekannten Persoͤnlichkeiten des
unzehnten Jabrhunderts enthättt.
Aus aller Welt
Ein Klosterbesuch des Kaisers. Sonntag nachmit⸗
ag 3 Uhr kam der Kaiser, die Fürsten'ami ie, die prinz⸗
ichen Gäste und das Gefsolge in 8 Automobilen zu einem
zesuche des Klosters in Benron ein. An der Kirchenpforte
vurde der Kaiser von dem Erzabte mit einer Ansprache
egrüßt, die der Kaiser erwiderte. Hierauf erfolgte eine
zesichtigung des Klosters. Um 44 Ubr erfolagte die Rück—
ahrt.
Teure Entwürfe. Baurat Genzmer, der seinerzeit
om Kaiser von Wies aden nach Berlin bernfen und mit
er Anfertigung von Entwürsen zu einem Opernhausneu—
au beauftrag“ wurde, hat für die nicht zur Ausführung
Jelangenden E. erse jetzt seine Liquidation eingereicht,
ind zwar in— von 120 000 Mark.
Brennend; phtaquelle. Aus Hamburg wird be—
ichtet: Die mi verminderter Heftigkeit brennende Gas—
zuelle am neue amme waram Sonntag das Ziel vie—
er Tausende. r als 60 Sonderzüge waren kaum
—
Russisches. In Petersburg wurde ein Schneidermei—
er, seine Frau und seine beiden Söhne ermordet und
eraubt.
Dreifacher Selbstmord Ein Mitdireltor des Mos—
auer Kunsttheaters, ein Fa Hesitzer und eine Fabrikan—
enfrau haben Montag nacht emeinsam Selbstmord be—
angen. Zwischen den drelen bestanden intime Beziehun—
en, was allgemein bekannt war.
Ein Zwischenfall. Da: Paris-Journal berichtet über
inen Zwischenfall, der ang »ich dipsomatische Folgen
ach sich ziehen dürste Von ungefähr 4 Jahren verur—
eilte das Schöffengericht in Mülhausen i. E. den Wirt
»ofschilder zu einer kleinen Gefängnissirase. Hofschilder
og es vor, seine Strase nicht abzusitzen. Er ging nachk
zankreich, wo er sich in Belfort niederließ. Dort erösf
ele er ein Schanklokal unter dem Namen „Rendezvous der
*7canfichilder wurde ν den dertnPohr

»eich, „und alles wird gut werden. In dem Bewußtsein,
aß ich, dir wert bin, wird mein Wille erstarken. Ich bin
war ein fehlerhafter, recht unvollkommeuer Mensch. aber
rotzdem kann ich die Hoffnung auf eine harmonische Zu⸗
unft nicht ganz aufgeben.“
„Du bist es nicht allein, welcher der Nachsicht bedarf,“
röstete Regine mit dem Anflug eines Lächelns; was deine
zelbsterkenntnis dich von dir seiber sagen läͤßt, gilt auch von
nir. Ich denke aber, es ist etwas Schönes um das Ver—
eihen und Vertrauen, und wir beide wollen es in reichem
Naße üben.“
„O, Regine, sprich nie wieder in dieser herabsetzenden
Feise von dir, ich kann es nicht hoͤren!“
So endete dieser Tag, der für Heinz so trostlos be—
onnen hatte, doch noch über alles Erwarken gut, wenn die
drauer um die Heimgegangene auch alles Glück nur wie
urch einen Schleser sehen liek

84pitbosr

Am nächsten Vormittag befand Regine sich auf dem
VLege zum Rechtsanwalt Lissa. ... Heinz hatte feinen Chef
hriftlich von dem Ableben seiner Mutter in Kenntnis ge⸗
etzt. Nun erwartete er stündlich feine Entlassung, da er
oraussetzte, daß Rühling bereits dern Rechtsanwaft Mit,
eilung von den Vorgängen gemacht habe, die dem leicht⸗
innigen Manne so verhaͤngnisvoll werden sollten.
Heing fand nicht den Mut, seinem Chef wieder vor
Iugen zu kommen, viel weniger wagte er es, eine Bilte um
berzeihung auszusprechen oder Besserung zu geloben.
Daß er sich trotz aller guten Vorsäte doch wieder zum
Zpiel hatte verleiten lassen, erschülterie sein Verlrauen auf
ie eigene Kraft.
Freilich wollte er alles daran setzen, um Regines Liebe
vürdig zu sein, über das „Wie“ aber war noch völlige Un⸗
larheit in ihm.“
Regine aber in ihrer ruhigen, energischen Art war
hnell fertig mit ihrem Plan. Sie wollte für ihren Ver—
obten bitten. Der Müßiggang war sein ärgsfier Feind
iesem durfte er nicht verfallen.
Ohne Scheu zog sie die Glocke in dem vornehmer
hause, in gelassenem Ton ersuchte sie den öffnenden Diener
e dem Herrn Rechtsanwalt zu melden.
Wenige Minuten später stand sie einem mittelgroßen
ksankon Seorr von ungefäbr sochäiag Bnron deßt ne

en ais Rekrutierungsagent für die Fremdenlegtion, sowie
ls Miiglied der französischen Gegen-Spionage denunziert.
die Polizei von Mülhausen suchte hierauf Hofschilder in
hre Gewalt zu bekommen. Vor einigen Tagen erschienen
ei ihm zwei Elsässer, welche angaben, aus Mülhausen
uu kommen. Sie luden Hofschilder zu einer Zeche ein.
Als dieser vollständig betrunken war, schlugen sie ihm
yor, er möge sie bis zur Grenze bei Petit Croix beglei—
en. Hofsschilder sagte zu, schlief jedoch im Zuge ein und
vurde darauf in Montreux verhaftet und an demselben
dage nach Mülhausen transportiert. Wie das „Journal“
im Schlusse hinzufügt, werden seitens der französischen
behörden eingehende d. rsuchungen des Falles ange—
ellt werden.
Die Borkumer Spione englische Offiziere. Der
Daicy Expreß“ sagt über die Spionage-Affäre in Bor—
um, man habe von vornherein gewußt, wer die beiden
on den deutichen Behörden verhafleten Herren sind, aber
ies der Oeffentlichkeit nicht mitgeleilt, um kein böses
zlut zu machen. Nachdem aber die beiden Verhafteten
unmehr den Antrag gestellt haben, vor dem Reichsgerich
n Leipzig in Offizierzuniform abgeurteilt zu werden,
vird von Sir William Bull jetzt erklärt, daß einer der
eiden verhaftelen Spione sein Schwager, Leutnant Bran⸗
on, sei, ein aktiver Mar neoffizier. Der andere ist der
dauptmann French von der Royal Marine Light In⸗
mterie.
Pocken in Lissabon. Im Lissaboner Hafen sind
ieue Pockenfälle konstatiert worden. Es wird alles auf—
zjeboten, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu ver—
indern.
Schiffsunglück. Infolge starlen Nebels stießen die
)dampfer „Hungaria“ und „Lady Kirt“ nacheinander aujf
em Okyde mit einem Segler zusammen, der den Fluß
inauffuhr. Die sofort von den be'den Schiffen angestell⸗
en Recherchen waren erfolglos. Man sah von dem Seg—⸗
er nur eine Anzahl Trümmer. Bis zur Stunde weiß
nan nicht den Namen des Seglers. Auch sehlt über das
zchicksal der Besatzung jede Nachricht.
Der Nobelpris für Chemie. Aus Siockholm wird
herichtet: Der diesjährige Nebelpreis für Chemie wurde
dem Professor Ot!o Wa lach in Göltingen wegen seiner
Arbeiten über die organssche Chemie und über de Ent—
vickeluna der chemischen Induitrie zuerkannt.

*
Graf Tolstoi geflüchtet!
Es bestätigt sich, daß Graf Tolstoi sein Gus
Jaßna;ja Pol ana mit unbekanntem Reiseziel
erlassen hat. In einem von ihm zurückgelafsener
Brief heißt es, die Verhaltnisse, in denen er gelebt hatte
tänden mit den von ihm gepredigten Gedanken in Wi
erspruch. Es könne nicht länger so bleiben und er werd
uuch, wenn sein Aufenthant entdeckt werde, nicht zurück
ehren. Tolstois Angehörige mit Ausnahme seines in
Auslande weilenden Sohnes Leo sind in Jaßsnaja Pol
ana beisammen. Ihr Kummer, besonders der der Gräsin
st unbeschreiblich. Der Dichter ist zum letzten Mal an
10. November und zwar später in einem Wagen der
zahnstrecke Moskau⸗Kurst und später in einem Zug der
tjaesanbahn in Beg eitung seines Arztes Makoweytn ge
ehen worden. Folgende Einzelheiten werden über da—
Zerschwinden Tolstois belannt. Als die Abreise des Gra
en bekannt wurde, machte seine Gattin einen Selbst
nordversuch, indem sie sich die Pulsadern zu öffner
ersuchte. Sie fiel dann in eine Ohnmacht, aus der si
erst nach einigen Stunden erwachte. Als man ihr mit
eilte, daß alle telegraphischen Anfragen über den Aufent
jalt Tolftois resultatlos verlausen und alle ausgesandter
eitenden Boten ohne jeden Erfolg zuruckgekehrt seien, un
ernahm die 6afin einen zwesten Selbstmord—
Rersuch, inden sie sich in das Eisloch des Garten
eiches stürzen wollte. Sie wurde nach har!em Ringer
von ihrer Tochter überwältigt und ins Haus zurückge
bracht. Man nimmt an, daß der Graf nach der Optine
kinsiedelei gewandert ist. In Jaßnaa Poljana herrsch
rroße Panitk. Man behauptet, der Graf habe ir
inem Anfall von Geistesgestörthest gehandelt. Die Be
sörden haben gleichfalls die Suche nach Tolstoi aufge
iommen — Nach in Moskau eingetrofsenen Nachrichic;
ef ndet sich Graf Tolstoi im Schamardinfsty
zrauenkloster (im Gouvernement Kaluga)h.
Später eingegangene Meldungen besagen noch fol—
jendes: Leo Tolstoi hat das Frauenkloster, in dem er sick
iufhielt, verkassen und beabsichtigt, sich in den nächsien Ta—
jen nach dem Krankenhaus zu begeben. — Nach einer in
daris vorliegenden Nachricht bestreitet der Sohn Tolstois,
er sich hier zum Bildhauer ausbilden läßt, ganz entschie—
»en, daß Geldsorgen oder die Nobelpreisfcage Tolstoi be—
vogen hätten, seine Familie zu verlassen. Es sei nicht
as erste Mal, daß der alte Graf einen derartigen Schrit⸗
internehme. Man habe ihn aber früher immer wieder
ur Rückkehr bewegen können. — Nach neueren Mitte lun—
jen hat sich die Familie Tolstois entschlossen, leine Schritte
u unternehmen, den Grafen zur Rücklehr zu bewegen, son⸗
dern sie wird den Willen Tolstois respeklieren. Das Be—
sinden der Gräfin Tolstoi ist besorgniserregend, jedoch
hafit man. sie am Lehen zu erhalten.

— — —

—
e höflich auf einen Seflel deutend, nach ihrem Begehi
Sie nannte ihren Name ü je Di
ne n und füate hinzu, daß sie Die
Rechtsanwalt Lissa jah freudig überrascht auf. D
eichte er dem jungen Madchen mit ei bürun
— —— —* J 8 liebenswürdigen
Diesing als Verlobten, demnächst als jungen Ehemann
ater dem Einflusse einer verständigen, herzigen Frau zu
issen,“ sagte er warm, „ist nar eine grotze Beruhyigung.
hr Verlobler ist ein außerordentlich befähigter, prächtiger
ensch, aber er hat sich verschiedentlich von zweifelhaften
zreunden zu törichten Streichen verleiten lassen. Das darf
icht wieder vorkommen. Ich hoffe, Sie werden es zu ver⸗
indern wissen, mein Fräulein.“
Regine erkannte, daß Rühling bisher nichts gegen
zeinz unternommen hatte. Die unselige Geschichte konnte
em Rechtsanwalt vielleicht verhehlt werden. Allerdings
urfte er dann eines Tages den Vorwurf der Unaufrichtig—
eit gegen sie erheben.
Und mußte sie sowohl wie Heinz nicht in der bestän⸗
igen Furcht leben, daß Rühling eines Tages doch den An—⸗
‚eber machte?
Sie atmete tief. Ihr Entschluß war gefaßt. Was nun
am, mußte getragen werden, aber verschweigen wollte sie
em Rechtsanwalt nichts.
Er kam ihr zuvor. „Darf ich mir die Frage erlauben,
veshalb Ihr Bräutigam Sie, Fräulein Elsner, nicht beglei—
et? Ist Herr Diesing krank, oder hat Ihr Besuch einen
esonderen 8weck?“
Flammende Glut wallte in Regines Wangen. Die
»einlichen Mitteilungen wollten nicht über die, bebenden
rippen. So beklagenswert wie eben jetzt war sie sich seit
anger, langer Zeit nicht erschienen.
Und — mußte sie sprechen
Leise, oftmals stockend begann sie ihren Bericht. Ersi
iachgerade wurde ihre Stimme fester und zum Schlußk klana
rohe Zuversicht hindurch.
„Ich wage Sie zu bitten, es noch einmal mit Diesing zu
ersuchen,“ sagte sie halblaut, „er wird ja nun kuriert sein
ind Rühling gebührend zu begegnen wissen. Er ist für sei—
ien Zeichtsinn durch den Tod seiner Mutter, welche er zärt⸗
ich liebte, grausam genug bestraft worden. Sollte er auch
ioch seine Existenz verlieren, so müßte er ja verzweifeln.“
Die Züge des Rechtsanwalts waren sehr ernst ge—
r Ge darrorto ine Moiso, ehe er Anftmart noh
            
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