nuß man gestehen, daß die Presse und das Publikum die
noralisch Verurterlten sind. Es ist höchste Zeit — das
at der Prozeß Bruhn vor allem gelehrt —— daß das
zublikum sich endlich klar darüber wird, was die Presse
st; was sie sein soll und wozu man sie zu machen auj
em Wege ist. Darüder, daß die Zertung ein Organ der
fsentlichen Meinung, der Ausdruck des Gesamtwiltens ist
ind bleiben muß, herrscht wohl nur eine Ansicht Die
zrage ist nur, wie ihr diese Eigenschaft im Kampfe gegen
Betriebsunternehmen erhalten werden Lann, denen diese
Funktion der Presse gleichgültig ist. An diesem Punktt
ebt nun neben der Schuld der Presse die des Pubrikums
in. wenn es die Sensationsblätter unterstüzt und för—
ert, die den guten Ruf der Presse verderben und sie mi
»er Zeit untauglich machen, der öfsentlichen Meinung 3ꝛ
»ienen. Nur das Publitum selbst kann hier bessernd cin
reisen. All die künstlichen Auskunftsmit el, die man vor
zeschlagen hat, müßten die Schäden verschlimmern. Di
Berquickung des allgemeinen Teils der Zeiung mit den
zuseratenteil zieht sich wie enn roter Schuldfaden durch der
Brozeß Bruhn; hier liegt die Gefahr, daß auch bei un⸗
ie Presse moralisch verelendet wie in Frankreich... Die
Lerleger werden dem Redakteur nachdrücilich darin bei—
tehen müssen, jeden Versuch der Einfußnahme des inse
ierenden Publikums auf den allgemeinen Teil entschieder
ind beharrlich zurückzuweisen. Glücklicherweise ist unten
en deutschen Verlegern noch das Verständnis dafür le
»endig, daß ein anständiges Zeitungsgeschäst nur danr
noͤglich ist, wenn fesigehalien wird an dem ethischer
Irundsatz, daß die Zeimng ein politisches Instrument der
Allgemeinheit sein und bleiben muß und daß ihr Gedei
en als kapitalistisches Erwerbsunternehmen an die De
atiaung dieles Grundsatzes gebunden ist. I
Heer und Flotte.
— * Ein Ehrentag der deutschen Marine im Jahre
1870 war der 12. November, an welchem vor dem Hafen
zon Haranna ein siegreiches Gefecht zwischen dem Kano
ienboot ‚Meteor“ unter Kapitänleutnant Knorr und dem
ranzösischen Aviso „Bouvet“ stattfand. Die er faßte 607
kons und seine Maschine hatte 130 Pferdekräfte, wäh—
end der deutsche „Meteor“ nur 326 Tons faßte mit 80
sgserdekräften. Letzterer war, aus dem Mexikanischen Gols
ommend, in den kubanischen Hafen eingelaufen und sandt
em dort stationierten Bouvet“ sofort eine Herausforde
ung zu, welcher der Franzose aber erst folgte, als die
iilitärische Ehre ein weiteres Zögern nicht mehr zuließ.
kachdem beide Schiffe aus dem Hafen gedampft waren,
zurde Bouvet“ alsbald vom Meleor“ angegriñen. und
g entspann sich ein fast e nstundiger heftiger Kampf, way
end defssen dem „Bouvet“ die Tafelege zerichossen und
zuch am Schiffskörper manche Beschädigung zugefügt wur
de, so daß er schleunigst den sicheren Hasen auffsuchte. „Me⸗
cor⸗ hatte bis zum Sch uß des Gesech s leine ernsthafte
Bheschadigung erlitten, als seine Schraube verletz: und er
m ber intensiven Verfolgung des Franzoßen verhindert
purde. Auf deutscher Seste blieben zwei Mann tot und
sner verwundet. Das kurze Gefecht gegen den überlege—
zen Feind legte von dem Geiste, der in der jungen deut⸗
——
ant Knorr und Unterleutnant Bendemann, die spätlteren
Abmirale, erhiesten damals das Eiserne Kreuz.
Handel und Verkehr.
Eisenbahnabonnements. Man schreibt aus Leser—⸗
reisen: Wer beim Besuch der Brüsseler Ausstellung Ge—
egenheit hatte, von der Einrichtung det belgischen kurz⸗
istigen Eisenbahnabonnements Gebrauch zu machen, wird
ntzückt gewesen sein über die ungeheure Verkehrserleicherung,
die in diesem System liegt. Seit dem Jahre 1893
ann man in Belgien auf allen Staatsbahnen 15 Tage
ang für den billigen Preis von 41 Franken für die
weite, 23,80 Franlen für die dritte Klasse hin- und her—
eisen, so viel man will. Und die Ausdehnung dieses
A
0,50 und 11,75 Franken beweist, daß auch das fiska—
ische Interesse bei dieser Einrichtung nicht zu kurz kommt.
Das Verfahren ist dentbar einfach. Man überreicht an
iner beliebigen Station, entweder persönlich oder durch
sie Post, seine Photographie mit der Angabe, wann und
oo das Billett gewünscht wird, erhebt es an der betres—
inden Stelle, deponiert 5 Franken als Garantie für recht
eitige Ablieferung nach Verfall und genießt nun eine
deihe von Annehmlichkeiten. So besteht eine Bahnsteig
perre für den glücklichen Inhaber nicht mehr, dem Drän
en der Reisenden an den Schaltern vor Abgang der Züge
jeht er mit Ruhe zu, sein Gepäck spediert er, wohin er
vill, einerlei, ob er selbst an den betreffenden Ort reist
der nicht, niemand ist er Rechenschaft schuldig, ob er
ber das beabsichtigte Ziel hinausfährt, ob er seine Reise
inmal oder öfter unterbricht, kurz, der Annehmlichkeiten
ind so viele, daß es vorzuziehen ist, selbst dann ein
bonnement zu nehmen, wenn gar kein pekuniärer Vor—
eil damit verlnüpft wäre. In der Schweiz besteht etwas
lehnliches. Es scheint daher unbegreiflich, daß sich (wenn
zreußen-Hessen nicht will. D. Red.) die suddeutschen Staa⸗
en diese wunderbare Gelegenheit zur Hebung ihres Frem—
wenpberkehs hisber baben entaëhen eaton Man nhoörcononu—
erleben würden. Nun schulden Sie mir fünftausend
ark. Sie wissen doch, daß Ehrenschulden nur drei Tage
vestundet werden.
Und als der Unglüdkliche nach wie vor nur mit leerem
Blick vor sich hinstarrte, rüttelte der Agent ihn an den
Schultern und forderte ihn auf, sich zu erheben und sich zu⸗
ammenzunehmen.
Heing Diesing taumelte empor. Aber dann schlug er
Jeide Hände vor das entstellte Gesicht und stöhnte auf wie
inter Todesqual. Es mochte ihm die Ahnung kommen, daß
in dieser Nacht seine ganze Zukunft verwirkt habe.
Aber er folgte willenlos seinem Feinde und ließ sich
»en Mantel um die Schultern legen. Mechanisch setzte er
en Hut auf.
Es hatte aufgehört zu schneien, die Sterne blinkten wie
ahllose Augen mit kaltem, mitleidslosem Glanz.
Heinz sah aber nicht nach oben. Er taumelte in die
Droschke, die er Rühlings Fürsorge zu danken hatte, und
dann saß er in dumpfem Brüten, unfähig zu denken, zu
iberlegen.
Vollkommen gelassen sah Rühling dem Wagen nach.
Das stolze, bestrickend schöne Weib ist ihm verloren!“ mur⸗
melte er, während seine Stimmung sich merklich hob, „dahin
wollte ich es haben, diese lächelnden Gesichter ärgerten michl
zum Kuckuck mit dem hübschen Mädchen, ich finde zehn für
eine. Dem Tropf aber gönne ich sie auch vicht.“ —9
—
E
.... 6. Kapitel. 3
Es war in der fünften Morgenstunde, als Heinz wie
in Schwerkranker die Treppen zu seiner Wohnung empor⸗
tiechn Liesning yatte wohl das Heranrollen une var
sen des Wagens in der stillen Straße gehört, aber es dock
nich: jonderlich beachtet. Erst als der Schlüssel im Schlof
migedreht wurde, hielt sie in ihrer rastlosen Wanderung
nne. Eine Ohnmiacht wollte sie anwandeln, aber tapfer
ezwang sie die Schwäche.
Heinz tastete sich in dem dunklen Korridor vorwärts.
dein Gedanke aalt der Mutter, deren Stolz und Sorge er
nar.
So kam es, daß er ganz unerwartet der alten Frau in
zem dämmerigen Zimmer gegenüberstand. Einem Schat—
en, einem wesenlosen Etwas gleich tauchte sie aus dem
dunkel vor ihm auf.
Er konnte einen Schrei nicht unterdrücken. Doch schon
atte sie die RZampe angezündet und angenehme Helle durch⸗
l1F A CÛÔα
värtige sich: Hunderttausende, die heute auf der Dirchrteise
ur ein paar Städte oder Sehenswürdigkeiten berühren,
»ürden 5 oder 15 Tage im Lande bleiben. Sie würden
yr Geld abzufahren suchen und wahrlich nicht zum
szchaden des Landes. Für viele würde eine solche Ein—
ichtung vielleicht überhaupt erst die Veranlassung abge—
en, einmal eine Rundreise durch das Reich anzutreten.
»aß die Fremdenindustrie und namentlich das Gasthofge—
verbe hiervon einen großen Nutzen haben würde, liegt
acf der Hand, und auch die Rückwirkung auf alle ande—
en Zweige des Erwerbslebens würde kaum ausbleiben.
ach alledem erscheint es wohl der Erwaͤgung wert, z1
rüfen, ob nicht das belgische und Schweizerische Beispiel
dachahmung verdient!
AR
Fraͤnzosen im Sudan.
Rachdem bereits im Januar dss. Is. die Franzolen
n Wadai, einem Tell ihres zentralafrikanischen Besitzes,
chwere Kämpfe zu bestehen hatten, haben sie jetzt, einem
delegramm des Generalgouverneurs von Tripolis an das
ürkische Ministerium zufolge, eine weitere ernste Schlappe
rlitien. Ihr Haupistüßungspun't im Wadailande, der be⸗
estige Ort Abechr, soll nach dent erwühnten Telegramm
on den vorzüglich bewaffneten Eingeborenen erstürmt und
inter den Verieidigern ein Massafre angerichtet worder
ein. Wenigleich sich die fensatoneil tlingende Nachrich
Augen?rtick naturgemäß nicht nachprüfen lädt, so ist
och seit langem alleme'n bekannt. daß die Lage der we
vxet
vie
—2R&&
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νααεο
rustea
a SsStab.
J 200 600
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EXEXEEEEIAIkARI — a αιαν— — — vwzageach
aarte den mefen im französischen Sudangebiet.
ligen französischen Truppen in Südsudan alles andere
Is beneidenswert ist. Die Franzosen sollen in den letz—
en Kämpfen mehr als 300 Mann verloren haben. Nach
diederbrennen der Blochuser, ihrer letzten Stützpunkte,
ollen sie sich vor den zahlreichen Truppen des neuen
zultans von Wa'dai und des mit ihm verbündeten Sul—⸗
ans von Darfür auf das Gebiet der Caie Dianet hin
urückgezogen haben.
Zwessellos werden die Franzoden nunmehr mit allen
drässen daran gehen, die Scharte auszuwetzen und ihre
zosition in den ewig unruhigen Gegenden ihrer zentralaf⸗
kanischen Kolonden nun dauernd zu festigen, doch dürfte
ine endgüllize Unterwersung der schr kriegerischen Wa—⸗
aileute noch manches Opfer kosten
—òZüüü————»——
Aus West⸗ und Süd⸗Deutschland.
Dortmund, 13. Nov. Gankdirektor Ohm.)
uf Antrag der Verteidigung wird der in Haft befind
che Direktor Ohm von der Niederdeutschen Bank au
inen Geisteszustand beobachtet werden. Der Verkauf der
uwelen Ohms ist beendet. Sie erbrachten einen Erlöt
on 34000 Mark.
* Münster, 12. Nov. (Kirchen diebstahl.) In
rmachbarten Dorse Havixbeck wurde in stürmischer Nach
n Einbruch in eine Kapelle verübt und daraus eine wert
olle, altertümliche silberne Krone und mehrere Goldsacher
ntwendet. Der Dieb ist unerkannt
gF'odrenz, 12. Nov. Wegen deo Nachwasers mußt
ie Moselwerstoahn den Betrieb einstelica. Die Arbeitren
n der Werftesind unterbrochen. Der Rhein ist gestiegen.
die ecste Beschränkang der Schifsahrt ist eingetreten. Das
Vasser steht uuf der Rheinwerft und in den Rheinan a⸗
en Auf den Höhen von Bomvard lag Sechnee.
Wertheiem, 12. Nop. Der Main ist infolge
NIDR — æ- MaAunnognal 330 2
„Weshalb bist du nicht schlafen gegangen, Mutter?“
ragte Diesing. Wie hohl und verändert seine Stimme klang.
Der alten Frau sanken die Arme schlaff herunter. Ihre
lugen schienen sich zu erweitern. Mit grenzenlosem Ent—
etzen gewahrte sie ihres Sohnes verstörtes Aussehen.
„Das Fragen, denke ich, ist an mir. Aber bedarf es
enn noch eines Zweifels? Du hast dich wieder dem Laster
rgeben, hast gespielt, du Meineidiger dul!“
Wie eine Richterin stand sie vor dem Sohn, ihre Worte
afen ihn wie ein Verdammungsurteil. Er wagte es nicht,
ein Verhalten zu beschönigen, seine dunklen Augen suchten
en Boden.
„Ja, Mutter, ich habe gespielt und Tausende verloren.
eühling mahnte mich um das Geld, das ich ihm schuldete,
r dee mich bei Lissa anzuschwärzen, und da ließ ich mich
erleiten.“
„Wie? Rühling wollte die tausend Mark von dir
aben?“ Die Frau schrie es fast, ihre Glieder flogen, die
rzüße trugen sie nicht mehr.
„Ja, jal Und zwar auf der Stelle verlangte er die
anze Summe, in meiner Verzweiflung brach ich das dir
egebene Wort.“
Ein so furchtbarer Aufschrei antwortete ihm, wie ihn
ur die grausamste Qual hervorbringen kann.
Dann stürzte die arme Frau vornüber und wäre zu
joden gesunken, hätten die starken Arme ihres Sohnes sie
icht aufgefangen.
Immer noch hatte ihn der Rausch umfangen. Nun war
mit einem Schlage ernüchtert. „Mutter!“ rief er, „liebe
oee fasse dich doch nur, komme zu dir Norzeihung, Ver⸗
ihung!“
Aber ihre Lippen, die plötzlich eine so schreckliche, bläu—
ch blasse Färbung hatten, blieben geschlossen, aus den
Ubgeöffneten Augen traf ihn kein Strahl vergebender
iebe. Er mußte erkennen, daß er eine Ohnmächtige in
rm hielt. Seltsam schwer und steif war der schmächtige
rauenkörper in wenigen Minuten geworden. Heinz starrte
erzweifelt auf, die weißen, reglosen Hände seiner Mutter.
O, wenn sie tot wäre und er die Schuld an ihrem
SZterben mit sich herumschleppon mußse ain ganzes Leben
indurch!
O Gott, hätte er doch geschwiegen, oder weniastens ihr
oxsichtig das Schreckliche mitgeteilt.
Und während er in ihr schmerzlich verzogenes, ver⸗
rmtes Gesicht sah, kam ihm die Erkenntnis, welch ein
Joist er ihr gegenüber stets gewesen war und daß er mit
34 MoskbOS M GI hoIOO—
Tauberpegel 320 3tm.
Buüngen, 11. Nov. Ter Rhenin stieg hier auf
3.92 Meter Die veden U'er oberhalb Bingen und Rü—
eshcim sind weit ins Land hinein überschwemmt. Der
Zchi sahrtésver ehr ist im allgemeinen lebhaft, denn fortge
etzt fahren Schleppzüge verg- und talwärts. In den letz
en Tagen heirschte hier ein schwerer Sturm, der für die
zchiffahrt recht hinder.ich watr. Die Nahe ist im overen
Laude in langsamem Rückgang begriffen, während sie bis
jente Vormittag noch stieg. Ein baldiges Sinken des
Wasserstandes steht zu erwarten, da es in hiesiger Gegend
tark gesroren hat.
Mannheim, 12. Nov. Das Hochwasser ist nun
nehr zum Stil1Est an d gekommen. Während der Waserstand
des Reckars zuückging, ist der Rhein noch
twas gestiegen. Die oberen Pegelstationen melden durch
veg langsames Fallen.
Metz, 12. Nov. Die Mosel ist im Laufe des ge—
rigen Nachmittags uend in der Nacht noch bedeutend ge—
alen, siehr aber immerhin noch eiwan WMieier über dem
lser des Flußbe tes
Aus aller Welt.
Zur Strandung der „Preußen“. Infelge des
— I—
en“ seinem Schicksal über a en werden. Die letzten HRann—
schafsen. die sich an Bord befaiden, haben das ö—“chiff
eclassen. Dieses beginnt bereils auseinanderzugehen.
Ueberfahreun. Aus Prag wird berichtet: In der
dähe von Balow gingen vier Personen auf dem Vahn
zleise spazieren. Eegzen 6 Uhr tam der fahrplanmäßige
Lastzug Die Leute überhörten infosge des herrschender
Zturmes das Herannahen des Zuges und konnten nicht
nehr rechtzei. g das Geleise verlassen. Der Zug fsuhr in
zie Gruppe hinein. Ein Gendarmeriewachtme ster und ein
Bah meister wurden getötet, ein Bahnmeister schwer und
ein Gendarnt leicht verletzt.
Schweres Unwetter. Aus allen Teilen Ungarng
verden Sturm und Sinten der Temneratur gemeldet.
Stellenweise herrscht Regenwetter, andererseits aber wie—
der starkes Schneegestöber. In den Gebirgsgeg nden isi
Frost eingetreten. Die Flüsse Theis, Iza und Taracz
ind aus den Ufern getreten und haben weite Länder—
trecken überschwemmt.
Mangel an Güterwagen. Der „Marn' veröffent
icht eine Information, wonach ein großer Mangel an
Jüterwagen auf der staatlichen Westbahn herrscht und
vorin behauptet wird, daß augenblicklich 4000000 Zentnen
ßetreide aus den Vereinigten Staaten, Indien und Au
tralien in Havre dem Verderben ausge'setzt seien. Es
egnet fortgesetzt auf die aufgestapelten Vorräte, welche
ticht genügend geschützt sind und auf schlammiger Erde
uhen. Der Bürgermeister von Havre erklärte in einem
Interview, der hierdurch entstandene Schaden belarise sich
uf mindestens 10 000 Frks. Es fehlte augenblicklich an
500 Eisenbahnwagen. Der ‚„Matin“ meint, daß dieser
age nur abgeholfsen werden könne, indem man eine An—
ahl Personenzüge einstweilen ausfallen lasse und deren
ꝛotomotiven für Güterzüge verwende.
Zerstörte Telegraphenleitungen. Aus Paris wird
emeldet: Zwischen Lorient und Gestell wurden sämtliche
elegraphen- und Telephoendrah'e zerschnitten, was bedeu—⸗
ende Störungen im Zugverkehr verur'achte.
Tolstoi verließ Jaßnaia Poljana, um sich von der
Welt zurückzuziehen. In einem Brief an die Gräfin er—
lärt er, er möchte seine letzten Tage nicht in Wohlleben
erbringen; man möge ihn nicht suchen, sein Los sei die
rinsamleit.
Gestrandeter Dampfer. Der Dampfer „Istria“ der
zsterreichischen Linie Triest —Pola ist vor dem Hafen von
Parenzo aufgelaufen Troß fofortiger Hilfe ist es bisher
tnicht gesungen. ihn wieder flott zu machen. Die Ledeng
nußte gelöscht werden.
Vom König Manuel. An maßzgebender Stelle ist
n Brüssel nichts von der Mitteilung der römischen „Tri—
zuna“ bekannt, wonach König Manuel und Königin Ama⸗
ie demnächst dauernden Aufenthalt in Belgien nehmen
vollten.
Räuberisches aus Persien. Der in Rafindschan
ingetroffene russische- Konsul Petrow war in der Nähe
on Rafindschan von Räubern angegriffen worden, die
ich seiner Karawane bemächtigten. Der Konsul verfolgte
nit seiner Begleitmannschaft die Räuber, nahm ihnen nach
ängerem Gefecht die Karawane ab und verjiagte die Räu—
zer aus ihrem Lager, wohin sie sich geflüchtet hatten.
Trichinen? Die von der deutschen Gesandtschaft ir
Nexiko angestellte Untersuchung führte zu dem Ergebnis
daß der Tod von zwölf Mitgliedern der deutschen Kolo
le in Toluca, die kürzlich nach einem Bankett gestorber
ind, auf den Genuß von vergifteten Würsten zurückzufüh
en ist. 25 andere Deutsche sind noch ernstlich krank. Mar
laubt, daß das zur Herstellung der Würste verwendet
Fleisch Trichinen enthielt. Der Schlächter und der Wurst
abrikant wurden worfi
— B—EEIAZZ—
Die „gläserne“ Mondoberfläche.
Daß die physische Beschaffenheit der Mond oberfläche
n den sogenannten Meeren viel Aehnlich'eit mit den na
ürlichen Gläsfern der GErdobera— esn mit Moceßsto nen
Gluhende Reue packte ihn. Träane auf Träne rann
iber sein bleiches, verstörtes Gesicht. Wieder und wieder
ief er sie an, die einzige in der weiten Welt, welche ihn treu
nnd aufopfernd geliebt hatte, mit ihm litt und seine
zreuden teilte.
Er trug sie nach dem Ruhebett und legte sie vorsichtig
arauf nieder. Dann besprengte er ihr Gesicht mit kölni—
hem Wosser und rieb ihre Handflächen, den Namen „Mut⸗
er“ in den zärtlichsten Tönen rufend.
Ach, er war ihr kein guter Sohn gewesen, wenig Freude
atte sie an ihm erlebt, doch ihre Liebe war so groß, daß sie
IU seine Fehler und Schwächen entschuldigte. Nur die
zorge um sein Glück hatte sie zeitweise bewogen, Strenge
dalten zu lassen.
Und nun lag sie still und leblos, kein Zucken verriet,
aß noch Leben in ihr sei.
Erst nachgerade kam es Heinz zum Bewußtsein, daß
sier ärztliche Hilfe not tat.
Er lief hinaus und klopfte bei einem der Zimmerherrn
in, ihn in Eile davon unterrichtend, daß seine Mutter schwer
rkrankt war. Es wurde ihm auch bereitwillig Beistand zu⸗
zesagt, aber es verging doch ziemlich eine Stunde, bis ein
Urzt zur Stelle war.
Er sah sofort, daß es sich um einen Schlaganfall han
elte, und traf dementsprechende Anordnungen.
Die Wiederbelebungsversuche hatten erst nach längeren
zeit Erfolg, als aber endlich ein schwacher Atemzug den
chmalen Lippen der Leidenden entfloh, stürzten Freuden
ränen aus Diesings Augen. .
Aber welch ein trostloses Erwachen war dies für dit
ilte Frau. Der ganze Körper gelähmt, kaum, daß sie dite
Fingerspitzen bewegen konnte.
Im Uebermaß des Schmerzes schloß sie die Augen, nach
em sie fie kaum geöffnet. Aber schon, kam ihr die Erkennt
uis, deß dies d gInde sei, und nun senkte sich himmlische
riede in ihre Brust..
zri Ach. war ia müde und lebnte sich namenslos nad
dube. Wenn sie es nur fertig brachte, noch für die Zukunfs
hres Jungen ausreichend zu sorgen, dann wollte sie ohne
surren heimgehen.
Der fahle Morgen dämmerte herauf, als sie zum erster
Nale wieder nach der furchtbaren Nacht aus klaren Augen
n das Antlitz ihres Sohnes sah.
„Mein Junge, rufe mir Regine, ehe es zu spät ist, wir
aben nicht viel Zeit zu verlieren, eile, eilel!“
Der Schmerz drohte ihn zu übermannen. „Du regs'
ich unnütz von neuem auf, Herzensmutter, Regine ist mir
. Am vasg ao —, idorsßrinalichk verinron“
ioranen und Vitrophyeen aufweise, ist auf Grund
zeränderunngen die ihr Aussjehen bei verschieden hohen
zonnenstrande erieidet, wirderholt behauptet wo den. Ein.
zestäricumng hat diese Vermunung, wie die „Naturwissen
haftliche Wocheuschrijt“ (Verlag G. Fischer, Jena) mi
eilt. kürzlich ducch Experiniente mit einem größeren Glaz
»lode erfahren, über die Herr Ebert in der bahyerische.
Akademie der Wissenichaft berichtete. Der mit zahlreiche
Sprüngen und oberflächlichen Verletzungen, bezw. kristail
uschen Ausscheidungen (Entglasungen) behaftete Block gri
nen Flaschenglases von etwa 200 Kilogramm Gewicht ums
70 Zentimeter Durchmesser wurde zun ichst noch mit Glaß
ulver gleicher Provenienz bestäubt, um die auf Grum
»es sturlen Temperaturwechsels auf der Mondoberfläch
izunehmende „Vermorschung“ zu imitieren. Alsdann wu
den photographische Aufnahmen dieses Glasblocks bei B
euchtung durch eine Nernstlampe unter verschiedenen Ei
allswinkeln der beleuchtenden Strahlen hergestellt. Dab
eigten sich in der Tat ganz ähnliche Veränderungen de
Iussehens der Glasoberfläche, wie sie die Mondoberfläch
m Fernrohr bei allmählichem Höhersteigen der Sonß
arbietet. Bei kleinem Winkel erscheint die Gesamtobe.
—
urch ihren scharfen Schatten deutlich hervor. Bei steile
em Strahleneinfalle dagegen sind die ebenen Gebiete d
Iberfläche ganz wie die Meere des Mondes zur Vol—
nondszeit erheblich dunkler, die kleinen Vertiefungen er
cheinen als hellere Flecken, und eine große Zahl hell—
zlecken ist sichtbar an Stellen, wo bei schräger Befstrab
ung wenig oder nichts wahrzunehmen war. Auch hel
Ztreifen ähnlich den von einzelnen Mondkratern ausgehen
en Strahlensystemen sind bei der Aufnahme mit steil⸗
zeleuchtung zu erlennen. Diese Strefen, denen im Reli
zarnichts entspricht, kommen dadurch zustande, daß da
dicht erst in der Tiefe der Glasmasse an inneren Spal
lächen reflektiert wird. Das Aussehen dieser Streife
hängt außer vom Beleuchtungswinkel auch noch vom Be
rachtungswinkel ab. Ebert kommt auf Grund dieser Ver
suche zu dem Schlusse, daß die Mondmeere durch Ueber
flutung großer Gebiete mit glühenden, aus dem Inner
hervorgedrungenen, leicht flüssigen, aber schnell erstarren
hen Lavamassen entstanden sind. Dieselbe Ansicht ist vo
ihm schon früher und neuerdings auch von anderen For
schern vertreten worden. An den Rändern der Meere fin
»en sich denn auch zahlreiche Anzeichen einer Einschmel,
ung vorher vorhanden gewesener Unebenheiten und Ring
zebirge. Infolge der vaschen, durch keine Atmosphäre ver
zögerten Abkühlung erstarrten die magmatischen Masse
ichnell und nahmen daher eine glasige Struktur mit einer
zewissen Grade von oberflächlicher Durchsichtigkeit an. Eber
weist auch noch darauf hin, daß die Untersuchungen Lan
derers über die Polarisation des Mondlichtes und de—
von Eruptivgesteinen reflektierten Lichtes gut mit diese
Auffassung übereinstimmen und speziell eine Verwandtscha—
der Mondgesteine mit dem Vitrophyr andeuten. Das Vor
onimen glasähnlicher Eruptivgesteine im Kosmos ist üb
rigens auch durch Funde meteorischer Abstammung siche
erwiesen. — Da sich hierdurch wieder ergibt, daß sich de
Mond in einem ganz anderen Entwicklungszustande al—
zie Erde befindet, und dies mit seinem geringeren Volu
nen, sagen wir seiner Kleinheit, sich nicht völlig erkläre
äßt, so erinnern wir bei dieser Gelegenheit daran, daß
m letzten Jahre die Meinung aufgetaucht ist, der Mon
ei kein von der Erde abgesprungener Teil, sondern eir
mus dem Weltall von der Erde eingefangener Körper, de
zurch die Anziehungskraft des gröheren Weltkörpers
einem Trabenten — murdo
Revolution beim Schnaps. Aus Spanien wird de
Neuen Züricher Zeitung“ geschrieben: „In der Kneipe 8
zertulia saß der Bürger Santos bei einem Glase Branni
oein (er hatte schon verschiedene genommen) und bl
en eintretenden Kavalleriesergeanten Lamorera zu eine
Blase ein. Das Gespräch kam bald auf die Vorgänge i.
Pdortugal; der Bürger lobte das portugiesische Heer, wei
s3 mit dem Volke gemeinsame Sache gemacht habe, un
die verhaßte Monarchie zu stürzen, und meinte, daß di—
panischen Soldaten das portugiesische Beispiel nachahmer
aüßtenn Der Sergeant stimmte dem Bürger bei, so das
ieser, nachdem man frische Gläser eingeschenkt hatte, ihr
ragte, ob er bereit sei, sich der republikanischen Beweg
ing anzuschließen und sich auf die Beteiligung an revo
ttionären Unterstützungen zu verpflichten, unter dieser Vor
ussetzung würde er ihn in die Liste der Verschworene!
ufnehmen. Der Sergeant bejahte die Frage und ba
en Bürger, mit ihm in die Kaserne zu kommen, um aus
och andere gleichgesinnte Sergeanten mit in die Ve—
hwörung hineinzuziehen. Nach einer neuen Stärkun
egab man sich in die Kaserne. Hier wurde der Bürge
antos sofort festgenommen und in einer Einzelzelle ein
esperrt, wo er vom militärischen Untersuchungsrichter ve
ommen wurde. Seine Aussagen werden bisher gehein
ehalten. Das Ojfizierkorps der Garnison Badajoz abe
henkte dem Sergeanten Lamorera eine goldene Uhr mi
esonderer Widmung, der Oberst Amgudia veranstaltet
mseinen Ehren ein Festessen in der Kaserne, und de
tdilitärgouverneur von Badajoz empfahl der Regierung
em königstreuen Sergeanten eine besondere Anerkennun
tteil werden zu lassen. Von diesem Vorkommnis sprich
jan überall und ergeht sich in Lobeserhebungen über da
atrintische Nerhattee ⏑ν
— —
„Nein, ain, sprid nicht so, tue, was ich haben wilß
„Ich gehe nicht von dir, Mutter. ich kann nicht!“
eh „So schicke ihr eine Telegramm, ich will und muß
ehen.“
Der Arzt war gegangen, hatte aber sofort eine Pflege
rin geschickt, die alle Hausarbeit mit übernahm und sich ger—
»ereit erklärte, das Telegramm zu besorgen.
Auch die Nachbarinnen gingen hilfsbereit ab und öu
Man hatte Frau Diesing auf der Chaiselongue ein weiches
equemes Lager zurecht gemacht, dort lag sie mit geschlo
enen Augen, kaum atmend, von Zeit zu Zeit sank üe
zewußtlosigkeit zurück.
Heinz saß vor ihr, die Verzweiflang im Herzen. We—
elreiche Bilder zogen an seinem Geisie vorüber, doch o
reundlich oder düster, alle peinigten sie ihn, alle waren au
jetan, ihm seine Schuld in riesenhaften Dimensionen au
u malen.
War das erst vor wenigen Stunden gewesen, wo
Zeite an Seite mit dem liebenswertesten, hoüdseligsten Mä'
hen dahinschritt, den reinen Atem ihres Mundes fühlte
nelodisches Lachen hörte?
Ach, wie recht hatte seine Mutter damals gehabt,
ie sagte, das Glück stehe an seinem Wege. Er hale es nich
u fesseln vermocht; nun war es ihm entschwunden für im
ier, das süßeste Glück, er hatte es verscherzt im Taumel de
eidenschaft, ebenso wie er den Tod seiner Mutter auf den
zewissen hatte
Und wischen dem Gestern und Heute schien sich er
wigkeit auszudehnen, eine Zeitspanme, die aus dem m
eidenschaftlicher Glut Liebenden einen gebrochenen Mo
emacht hatte.
Heinz Diesing gab sich vollständig verloren, wie au.
ebrannt war sein Inneres, er konnte weder hoffen no
ȟnschen. Nur das eine Verlangen machte sich geltend, *
ine nie, niemals wiederzusehen.
Er liebte sie nach wie vor heiß und inbrünstig, und do—
esaß er in seiner völligen Zerknirschtheit den Muli zur En
Wung. J
Wenn er sie aber wiedersah, den Zauber ihrer Nä
mpfänd, wer weiß, ob seine Empfindungen dann eben
emütig und entsagungsvoll blieben, ob nicht vielmehr
zeidenschaft über alle Bedenken siegie und die heimlich
ebte nach wie vor begehrte! ———
Es wäre ehrlich gewesen, ihr jetzt aus dem Wege
ehen, nachdem er erkannt, daß fein Charakler keine
»ähr für dauerndes Glück bot. Er hätte, indem er Reg
uswich, wie ein Mann gehbandelt ghor auch doau fand
aM 8xä